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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

5. Februar 2012

Gelesen: Der Graf von Monte Christo

Filed under: Bücher,Manga/Anime — 42317 @ 17:45

Die Notizen sammeln sich… schneller, als ich ausformulieren kann (davon, dass ich bei jeder sich prinzipiell bietenden Gelegenheit nicht auch die notwendige Motivation dazu aufbringe, ganz zu schweigen). Ich muss ja zugeben, dass gewisse Möglichkeiten der Kurzweil mich manchmal eine ganze Weile aufhalten… Civilization zum Beispiel, nach dem Kauf eines neuen Flachbildschirms wieder verstärkt CounterStrike, oder in letzter Zeit auch Railroad Tycoon. Abgesehen davon habe ich mir die Zeit genommen, „Der Graf von Monte Christo“ von Dumas zu lesen. Nachdem ich vor ein paar wenigen Jahren die SciFi-Animeversion gesehen hatte, dachte ich mir, ich könnte die Vorlage mal lesen, und in Abwesenheit ausreichender Französischkenntnisse musste das halt die deutsche Ausgabe sein. An dieser Stelle also ausnahmsweise kein „Roadmovie“, sondern ein bisschen Literaturrezension.

Vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse im Frankreich des Jahres 1814 wird ein junger Mann mit dem Namen Edmont Dantes am Vorabend seiner Hochzeit als Folge von Neid, Missgunst und Egoismus auf einer Gefängnisinsel unweit von Marseille eingekerkert, ohne zu verstehen, was man ihm vorwirft und ohne je einen Richter gesehen zu haben.
Er verbringt 14 Jahre in Einzelhaft, gelangt aber durch heimliche Kommunikation mit einem Mitgefangenen an das Wissen über das riesige Vermögen einer mittlerweile ausgestorbenen Familie, das ein Opfer Cesare Borgias in Vorahnung seines baldigen Todes auf der italienischen Insel Montecristo versteckt hatte.
Nach dem Tod des Zellennachbarn gelingt ihm die Flucht, er eignet sich den Reichtum an und verbringt neun Jahre mit der Vorbereitung seiner Rache an den Leuten, die ihn ins Gefängnis gebracht haben, indem er alle auffindbaren Informationen über soziale Netzwerke, Geschäftsbeziehungen und auch alte Sünden, die sprichwörtlichen Leichen im Keller, einzieht, er lernt mehrere Sprachen bis zur Vollendung und baut selbst ein Netzwerk aus Geschäftspartnern, Freunden und Helfershelfern auf, das den gesamten Mittelmeerraum zu umspannen scheint. Er kommt als Graf von Monte Christo zurück (legt sich aber noch andere Tarnidentitäten zu) und vernichtet seine Widersacher, die mittlerweile zu Macht und Wohlstand gelangt sind.

Wenn man sich einmal an den antiquierten Sprachstil gewöhnt hat, liest sich die Geschichte sehr gut und auch schnell, obwohl ich sagen muss, dass die verwendeten Bauelemente manchmal ein bisschen simpel gehalten scheinen.

Schön ist zum Beispiel, wie aus dem Gefangenen Edmont der Graf wird:
Er wird eingekerkert und wird von einem nicht unfreundlichen Wärter bewacht, der ihn mit Namen anspricht. Nach einer Weile wechselt der Gouverneur der Insel und der Wärter geht mit. Der nachfolgende Wärter macht sich nicht die Mühe, sich die Namen der Gefangenen zu merken und ruft sie nach ihrer Zellennummer. Dantes, nun „Nummer 34“, verliert also seine Identität, was man ja scheinbar braucht, um sich eine neue anzueignen.
Durch seinen Zellennachbarn gelangt Nummer 34 also im Laufe der Jahre zu einer höheren Bildung, die es ihm später ermöglicht, sich realistisch als Aristokrat oder zumindest als Mitglied der gehobenen gesellschaftlichen Schicht auszugeben, denn Kleider machen zwar Leute, aber wenn einer, der sich „Graf“ nennt, weiterhin den Sprachstil eines Marseiller Seemanns verwendet, dann fällt das auf. Nun ja, zumindest realistisch betrachtet, denn es fällt in dieser Geschichte nicht wirklich auf, weil die einfachen Leute, die den jungen Seemann Dantes umgeben, nicht anders reden als die Aristokraten, die zu Wort kommen. So gern Dumas historische Figuren in seine Geschichten einband, so wenig wollte er sich wohl gleichzeitig mit dem Studium realistischer Soziolekte belasten. Das kann man ihm nicht nachtragen, denn er wollte ja wohl unterhalten und keinen Beitrag zur linguistischen Forschung seiner Zeit leisten.
Angesichts seines nahenden Todes weiht ihn der Mitgefangene schließlich in das Geheimnis des Schatzes ein, von dessen Existenz er überzeugt ist, was ihm jedoch niemand glaubt. Das Geldversteck befindet sich auf der Insel Montecristo und so fällt die Wahl des identitätslosen Gefangenen für seine neue Identität auf diese Bezeichnung.

Auffällig ist ebenfalls, wie das Vorleben der zu bestrafenden Personen die sie treffende Strafe beeinflusst: Hat sich die Person des Todes eines Menschen schuldig gemacht, so muss er oder sie sterben. Diejenigen, die sich nur moralischer oder nicht-tödlicher Verbrechen schuldig gemacht haben, dürfen leben. Leider schien es Dumas zum Ende seiner Erzählung hin eilig gehabt zu haben, weil das endgültige Schicksal zweier Charaktere, Benedetto, der jemanden getötet hat, und Danglars, der sich nur bereichert hat, unausgesprochen bleibt, wobei ersterer sich in seiner letzten Szene im Gerichtssaal befindet, wo er den Mord (oder einen davon) zugibt, und letzterer befindet sich in der Hand italienischer Banditen. Das Ende läuft irgendwie zackzackzack und lässt meines Erachtens die Ausarbeitung vermissen.
Übrigens verhindert nur die Rückbesinnung auf Edmont Dantes, dass der Graf selbst jemanden tötet, womit er ja selbst in das hier präsentierte Muster der Wechselwirkung von Verbrechen und Strafe gefallen wäre. Zwar tötet auch ein anderer, positiver Charakter eine Person, dies aber in einem fairen Duell frei von niederen Beweggründen, und Rache, der Antrieb des Grafen, ist ein niederer Beweggrund, der somit sein Ableben im Augenblick des Triumphs aus literarischer Sicht hätte notwendig machen können. (Der Duellist findet sich aber anderweitig vom Schicksal gestraft.)

Die Japaner haben sich in ihrem Anime übrigens in keiner Weise für diese Wechselwirkung interessiert: Da kommt es zu einem (oder dem) Duell und einer muss dran glauben – womit ein bedeutendes Standbein der in der Romanvorlage dargelegten Moralvorstellung von Verbrechen und Strafe missachtet wurde. Entweder sie haben es nicht erkannt oder sich gedacht, scheiß drauf, wenn einer stirbt, fesselt das den Zuschauer mehr, als wenn es knapp verhindert wird. Sie begründen die allgemeine Handlungsweise des Grafen aber auch anders, weil er im Anime nicht einfach nur sprichwörtlich von Rachsucht, sondern de facto von einer Art Dämon besessen ist. Diese Einflussnahme durch eine dritte Entität entschuldigt dann scheinbar die Abweichung.

Ganz lupenrein bleibt der Graf aber dennoch nicht, es gibt zwei Punkte, von denen ich annehme, dass der Autor sich nichts dabei gedacht hat.
Zum einen gibt es einen Stelle, an der Albert von seiner Mutter gewarnt wird, sich vor dem Grafen in Acht zu nehmen, aber er, der vom Grafen kurz zuvor aus den Händen italienischer Banditen gerettet wurde, antwortet nur, dass der Graf weder spiele noch Alkohol trinke, wo solle also die Gefahr sein? Nun ja, abgesehen von literarischen Erwägungen wird von dem Grafen eindeutig gesagt, dass er Haschisch in Geleeform zu sich nimmt, und dass er sich aus kantonesischem Opium und irakischem Haschisch Pillen fertigt, mit deren Hilfe er eine Wirkung erzielt, für die man heutzutage wohl RedBull verwendet. Dieser Drogenkonsum wird in keiner Weise negativ dargestellt. Interessant dabei ist, dass ebenfalls an mehreren Stellen ausgesagt wird, dass der Graf kaum Nahrung zu sich nehme; er lädt zu opulenten Mählern ein, rührt aber selbst kaum etwas an – dabei dachte ich, dass der Wirkstoff im Haschisch den Appetit anrege? Vielleicht ist diese Erkenntnis jünger als das Buch und Dumas hat es nicht gewusst.

Aber wie dem auch sei, der zweite Punkt, der mir bei den vernachlässigten und ungesühnten Machenschaften Monte Christos auffällt, ist die Art und Weise, wie er den Bankier Danglars angreift: Der Graf manipuliert die Börse und die Unternehmen, von denen Danglars abhängg ist; an mehreren Stellen findet sich die Aussage, dass es in dem Umfeld zu Bankrotten gekommen sei, in deren Verlauf Danglars Millionen an Investitionen verliert. Sollte da nicht jedem auffallen und aufgefallen sein, dass hierbei Unschuldige, billigend in Kauf genommen, ins zumindest wirtschaftliche Unglück gestürzt werden, um jemand ganz anderen zu treffen? Dantes‘ Gönner Morrel stand kurz davor, sich angesichts seiner Zahlungsunfähigkeit eine Kugel durch den Kopf zu schieben, man müsste wohl davon ausgehen, dass es in den vom Grafen ruinierten Unternehmen zu solchen Fällen gekommen ist – Familienschicksale also, deren Verlauf selbst als Vorlage für Rachegeschichten dienen könnte. Stattdessen bieten diese Ereignisse nur den Hintergrund, anhand dessen sich der unkritische Leser schadenfreudig am Niedergang des habgierigen Danglars erfreut.

Was mich wohl am meisten stört, ist die unangefochtene Über- und Allmacht des Grafen. Sein Reichtum gibt ihm Möglichkeiten der Einflussnahme, wie man sie in Computerspielen nur im Cheatmodus erreicht, seine Pläne sind perfekt, das eine Ereignis, das er weder vorhergesehen noch gewollt hat, hat keinerlei Auswirkungen auf den Gesamtverlauf und bleibt in der Kategorie „Kollateralschaden“, und an keiner Stelle ist der von ihm erdachte Ablauf der Ereignisse in irgendeiner Weise von einem Scheitern bedroht. In dieser Hinsicht fehlt dem Ganzen ein bisschen die Spannung, ob unser Held es nun schaffen wird oder nicht (obwohl jeder, der sich nur ein bisschen mit dem Geschichtenerzählen auskennt, weiß, dass der Held es immer schafft und sich nur die Frage des konkreten „Wie“ stellt), aber ich wage zu behaupten, dass jede Geschichte durch einen handlungsfähigen Gegenspieler an Reiz gewinnt. Im Buch von Dumas sind alle handelnden Personen nur passive Figuren auf dem Schachbrett des Grafen von Monte Christo.

13. August 2011

Otaku no Video

Filed under: Filme,Japan,Manga/Anime — 42317 @ 21:33

Es handelt sich hierbei um einen zweiteiligen Anime, der stellenweise durch Interviews unterbrochen wird, in dem es um so genannte Otakus geht. Ich will den Begriff nicht groß definieren, denn es ist schwierig, mit einer wechselvollen Geschichte, und könnte ein ganzes Buch füllen. Stattdessen will ich mich darauf beschränken, einen Otaku als Fan von populärkulturellen Phänomenen verschiedenster Art zu umschreiben, mit der Konnotation, dass sein Hobby auch sein Lebensinhalt ist. Die Beschreibung trifft sicherlich auch auf so manchen kleinbürgerlichen, deutschen Kegelbruder zu, und ich bin nicht der Meinung, dass man den Begriff Otaku eng fassen sollte oder kann, weil die im Fanbereich gängige Definition den Otaku auf japanische Populärkultur festlegt.

Die gezeichneten Teile (mit Charakterdesigns von Sonoda Kenichi) handeln von zwei solchen Otakus. Sie gründen ein Unternehmen, haben einen Riesenerfolg mit dem Verkauf von Modelkits, verlieren durch eine Intrige alles, fangen im Animebereich neu an, kaufen binnen weniger Jahre ihre alte Firma zurück, bauen einen riesigen Vergnügungspark für Otakus, und verlieren wieder alles durch den Anstieg des Meeresspiegels im Zuge der globalen Erwärmung.
Grafik und Animation sind ihrer Zeit angemessen, die Sprechrollen sind gut besetzt, nur leider weist die Geschichte ein paar Lücken auf und das Ende ist sehr interpretationsbedürftig. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Die Interviews dagegen zeigen nämlich echte Leute, die früher Otakus waren oder heute noch welche sind; daneben werden Statistiken eingeblendet, zum Beispiel eine, die aufzeigt, dass Cosplayer, also Menschen, die sich die Kostüme ihrer Lieblingscharaktere schneidern und damit zu Fantreffen gehen, relativ selten, dafür aber „Wiederholungstäter“ seien, oder aber, dass so genannte „Science Fiction (SF) Clubs“ an Universitäten in den frühen Achtzigern im Schnitt mehr Mitglieder hatten, als andere Clubs.

Ich habe diesen Film schon einmal gesehen, es wird so 1999 gewesen sein, und ich fand ihn damals sehr interessant – interessant genug, um ihn Jahre später auf meine Amazon-Wunschliste zu setzen, und Ricci war so nett, ihn mir zum Geburtstag zu schenken, wofür ich ihr sehr dankbar bin.
Ich denke, dass es wahr ist, dass man in der Regel mit den Jahren kritischer wird. Je älter man ist, desto mehr hat man bereits gesehen, die Vergleichsmöglichkeiten sind vielfältiger, und man wird wählerischer bei dem, worin man seine Freizeit investiert. Ich muss also sagen, dass ich Otaku no Video heute wesentlich kritischer betrachte, als vor über zehn Jahren, und es kommt ja hinzu, dass ich genau das studiert habe, nämlich japanische Populärkultur.

Zum einen ist mir völlig unklar, was der Anime, abgesehen davon, dass es um Fansubkultur geht, mit den Interviews zu tun hat. Der Anime zeigt zwar zwei Menschen, die ihre ganze Energie in ihr Hobby stecken, die aber damit Erfolg haben und nicht nur einen tiefen sozialen Fall überwinden, sondern nachher noch größer dastehen als zuvor. Sie geben nie auf und haben den Willen und die Energie, ihr Leben erfolgreich zu gestalten.
Ganz anders die in den Interviews dargestellten Personen, deren Namen verfälscht, deren Gesichter nicht gezeigt und deren Stimmen zum Großteil verzerrt werden, damit sie in der Öffentlichkeit nicht erkannt werden. Zwei sind als untere Konzernchargen zu erkennen, einer wird als „Verkäufer“ bezeichnet, der andere sagt, er programmiere Buchhaltungssoftware, einer ist scheinbar ein Missionar aus den USA, aber die übrigen sind alle im Sumpf der Unterschicht gelandet und stecken geblieben. Diese Leute wirken alle schmuddelig und manisch, und der einzige, der eigentlich ganz normal und nicht unsympathisch wirkt, ist ein Krimineller, der Cels und Skizzen von Produktionsfirmen stiehlt, um sie an Fans zu verkaufen.

Alle interviewten Personen sind negativ dargestellt, von objektiver Berichterstattung keine Spur. Die erste Person, der Verkäufer, beschreibt seine Aktivitäten im SF Club seiner Universität, wie zum Beispiel jeder sein Spezialgebiet hatte, wie man sich ergänzte, zusammen auf Fantreffen ging und feierte und derlei Dinge – wie der Interviewer dann trotz solcher Schilderungen auf die Idee kam, die Frage zu stellen, ob er damals „richtige Freunde“ („Shinyû“) gehabt habe, bleibt völlig schleierhaft, als wolle er ihn mit Gewalt in eine Schublade stopfen. Schließlich sind doch alle Otaku vereinsamte und verwahrloste Sozialkrüppel, oder?
Dass es ganz normale Fans gibt, die vielleicht nicht gern zugeben, dass sie Anime mögen, aber ganz normale Leben mit Familie und Beruf leben, wird völlig ausgeklammert. Stattdessen wird der Eindruck erweckt, bei Fans von Populärkultur handele es sich um irgendwelche Freaks. Dass man nicht noch Miyazaki Tsutomu erwähnt hat, den so genannten Otaku-Mörder, der die gesamte Subkultur in den Dreck zog und den Begriff „Otaku“ lange Jahre extrem negativ belastete, ist auch alles, was mich überrascht, denn Otaku no Video entstand Anfang der Neunziger, also nicht allzu viele Jahre nach Miyazakis Untaten.

Ich muss die Echtheit der Interviews allerdings in Zweifel ziehen. Der interviewte Programmierer sagte, er habe in seinem „Audio Club“ nur am Rande mit Anime und Cosplay zu tun gehabt, worauf der Interviewer ihn mit einem Fanzine („Dôjinshi“) und einem eingerahmten Foto konfrontiert, was den Programmierer peinlich berührt und in Erklärungsnot bringt. Was das Bild und das überreichte Comicheft mit dem Angesprochenen zu tun haben, wird weder gezeigt noch gesagt, das heißt, der Zusammenhang bleibt völlig und verdächtig suggestiv der Interpretation des Zuschauers überlassen. Was aber den letzten Rest meines Vertrauens in die Echtheit dieses Interviews im Speziellen quasi ausradiert hat (und mich an den übrigen allgemein zumindest stark zweifeln lässt), war am Ende, dass der Programmierer einen Gundam-Artikel, den Helm von Char Aznable, neben seinem Schreibtisch hervornahm, aufsetzte, und aus der Serie zitierte: „Niemand interessiert sich für die Fehler Deiner Jugend.“

GAINAX, Schöpfer von Evangelion und Fushigi no Umi no Nadia, ein Unternehmen, das von solchen Fans lebt, zeichnet sich mitverantwortlich für dieses Werk – was haben die sich dabei gedacht? Haben sie sich was dabei gedacht? Oder wurde das Material ohne deren Zutun zusammengeschnitten? Handelt es sich hierbei um eine subtil humoristische japanische Art, ein Parodievideo zu vertreiben, und die Lizenznehmer im Westen haben das nur nicht verstanden? Ich weiß es nicht.

Es wäre vermutlich ebenso wenig im Sinne von GAINAX (oder jedes Multimediaproduzenten) gewesen, hätte man die Dinge mit aufgenommen, die ich in dem Video vermisse. Mir fiele eine Reihe von ökonomischen Begleitumständen ein, die man kaum treffender bezeichnen kann, wenn man sagt, dass man in Japan als Fan elektronisch (oder elektrisch) dargebotener Produkte maßlos über den Tisch gezogen wird.
Während man mit einer Vielzahl von Manga zu erschwinglichen Preisen geradezu erschlagen wird, muss der Fan von Anime im Einzelnen und Filmen allgemein geradezu kriminell tief in die Tasche greifen.
Während man hierzulande Animeserien in relativ kostengünstigen Sammelboxen kaufen kann, mit vier, sechs, oder sogar mehr Episoden pro DVD, was zusätzlich Platz im Regal spart, beträgt die in Japan übliche Zahl von Episoden pro Scheibe gerade einmal zwei, und da dann aufklappbare Boxen ein Ding der Unmöglichkeit werden, nimmt eine TV-Serie von nur 52 Episoden einen knappen halben Meter Regalplatz ein.

Aber das ist natürlich nur ein minderes Problem, denn die Hauptbelastung liegt im Preis. Dass das früher bereits so war, erkannte ich 2003 daran, dass es dort keine Leervideokassetten zu kaufen gab, die mehr als 120 Minuten Spielzeit hatten. In Deutschland waren 240 Minuten die Norm, und 120er waren vermutlich ebenso selten wie 300er. Man sieht also, dass auch eine Sammlung von TV-Aufnahmen mit höheren Kosten verbunden war, als bei uns.
Und hier bei uns fällt auch der Preis eines Films auf DVD binnen eines Jahres nach seiner Veröffentlichung in der Regel auf einen Zehner, doch scheint dieses Phänomen in Japan nicht zu existieren. Selbst für ältere Filme, in meinem Fall waren das Sengoku Jieitai (1979) und Sailorfuku to Kikanjû (1981), bezahlt man noch 4000 Yen, anno 2004 etwa 30 E. Die irre Spitze bildete allerdings ein Pornofilm auf Videokassette, den Frisuren nach zu urteilen aus den tiefsten 90ern, den ich in einem Gebrauchtwarenladen für sage und schreibe 16000 Yen, also etwa 120 E, herumstehen sah. Man überlege sich, was das für eine Serie bedeutet, die auf 26 DVDs verteilt wird. Und es ist ja auch nicht so, dass es in Japan gar keine Sammelboxen gäbe: Ich erinnere mal an Attack No. 1, bei uns bekannt als Mila Superstar, für das man in Japan 2003 (bei der Veröffentlichung anlässlich der Volleyballweltmeisterschaft) 750 E hätte hinlegen müssen. Die komplette Serie gibt es in Deutschland auf 12 DVDs für weniger als ein Zehntel dieses Preises. Das bedeutet, dass ein wahrer japanischer Fan entweder viel Geld haben oder alternativ in ärmlichen Verhältnissen leben muss, wenn er seinem Hobby nachgehen will – was wiederum bedeutet, dass die japanische Preispolitik maßgeblich für das schlechte Image der Fans verantwortlich ist.

Und von alldem keine Rede in einem Film, der zumindest vorgeblich das Otaku-Phänomen beleuchten will. Ich komme allerdings zu dem Schluss, dass hier weniger informiert, als eher Vorurteile genährt werden sollen.

3. Dezember 2010

Kaichô wa Maid-sama

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 22:58

Der letzte Artikel in dieser Kategorie ist vom Januar 2009? Das müssen wir gleich ändern, und „Kaichô wa Maid-sama“ bietet sich direkt an.

Schmissige Übersetzung? Gibt’s nicht. Wahrheitsgemäß aber langatmig läuft der Titel hinaus auf
„Die Vorsitzende der Schülervertretung ist ein Hausmädchen französischen Stils“.

Stellen wir zur besseren Klärung also die beiden Hauptcharaktere vor:

Misaki, die Protagonistin. 17 Jahre alt, gut aussehend, intelligent, topfit, soziale Unterschicht. Ihre Schule wurde erst vor kurzer Zeit für beide Geschlechter zugänglich, davor war sie eine reine Jungenschule, mit üblem Ruf. Als Schülersprecherin will sie das Image der Schule aufmöbeln, indem sie die Jungs diszipliniert, um die Frauenquote (aktuell 25 %) zu erhöhen. Um sicherzustellen, dass sie sich durchsetzen kann, hat sie einen Dan (Meistergrad) in Aikidô erworben, stemmt Gewichte, und lernt fleißig, um die Nase vorn zu haben, um einer Vorbildfunktion gerecht zu werden.
Da ihre Familie arm ist (der Vater hat Schulden angehäuft und hat sich dann davongemacht), muss sie aber auch arbeiten, um essen zu können, und sie hat wegen des guten Stundenlohns eine Anstellung in einem Maid Café mit dem Namen „Maid Latte“.

Bei einem Maid Café handelt es sich um einen Gastwirtschaftsbetrieb, bei dem es weniger um das kulinarische Angebot, als um eher um Optik und Atmosphäre geht. Dazu sprechen die ausschließlich weiblichen Servicekräfte allerfeinstes Japanisch mit all seinen verschnörkelten Höflichkeitsformen und tragen dabei einen Kleidungsstil, den man im Englischen als „French Maid“ bezeichnet:

Frz Hausmädchen, jap Interpretation

Das ist per se nichts Anzügliches, obwohl sich damit ein Fetisch verbindet, wie es mit allen Arten von Uniformen der Fall ist.

Misaki arbeitet also in einem solchen Café („in einem Nachbarort“) zusammen mit einer Anzahl weiterer junger Frauen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nun ist ein solcher Job aber per Definition mit Servilität und einer mindestens implizierten Art von Unterwerfung verbunden, ganz zu schweigen von dem angesprochenen Sex Appeal – von daher will sie nicht, dass irgendjemand von ihrer Schule davon erfährt. Diese Art von Nebenjob ist zwar durch Schulregeln nicht verboten, aber ihre Autorität als Schülersprecherin würde zweifelsfrei darunter leiden.

Kommen wir zur männlichen Hauptrolle: Takumi, meist „Usui“ genannt.
Gleicher Jahrgang wie Misaki, gleiche Attribute: Gut aussehend, intelligent, topfit. Er bleibt weitgehend ein Geheimnis für den Zuschauer, man kann über sein Privatleben anhand einer Handvoll Informationen nur Vermutungen anstellen. Dass er keine Familie hat, dass er steinreich ist und in der feinen Lebensart extrem bewandert. Er ist auf eine Art und Weise so offen und ehrlich mit seinen Gefühlen für Misaki, dass sie ihm seine Zuneigung nicht abkauft. Außerdem hat er die Angewohnheit, sie zu necken, was sie ihm natürlich negativ auslegt – dabei genießt er lediglich ihre Reaktion. Ein Verhalten, das ich nicht weiter absonderlich finde, ich mache das nämlich ebenfalls.

Es handelt sich also um eine romantische Komödie, die ihren Humor daraus schöpft, dass einerseits der männliche Protagonist aus seiner Liebe keinen Hehl macht und sie auf ungewöhnliche Art und Weise zeigt, während andererseits die weibliche Protagonistin sich ihrer Gefühle nicht sicher ist und ihre entgegengesetzten Rollen getrennt wissen will.

So weit, so gut, denn ich will die Handlung nicht zu sehr auswalzen. Ich hatte Spaß, die Serie anzusehen, da die Charakterinteraktion viele schöne und lustige Szenen bereit hält, abgesehen davon ist die grafische Gestaltung sehr schön, die SynchronsprecherInnen zeigen ein hohes Niveau, und der Soundtrack ist nicht zuletzt geradezu empfehlenswert, wenn man im Großen und Ganzen japanischen Animesoundtracks etwas abgewinnen kann.

Nur einen Pferdefuß hat die ganze Sache: Geschlechterdarstellung.
Deswegen hat es auch gereicht, nur in Kürze auf die Hauptcharaktere einzugehen. Denn die Sache stellt sich so dar:
Die Autoren stellen Misaki eingangs als starkes, intelligentes und selbständiges Mädchen vor, das den unwilligen Jungs ihrer Schule Paroli bietet und damit Erfolg hat. Die Jungs verdammen sie zwar als eine Art Dämon, aber letztendlich haben sie Respekt vor ihr und sie hat die Schule damit im Griff.
Aber wehe, falls diese Ihre Domäne verlassen wird. Man könnte sie beinahe mit dem „Alten“, dem Kapitänleutnant in Buchheims „Das Boot“, vergleichen: Unbesiegbar auf dem Meer, entkommt den haarsträubendsten Situationen – und kaum setzt er seinen Fuß wieder an Land, wird er getötet.

Misaki wird natürlich nicht getötet. Sie „rettet“ mehrfach Mädchen ihrer Schule aus unangenehmen Situationen, aber wenn sie auf Schwierigkeiten und Gegner außerhalb der eigenen Schule trifft, muss sie ständig von Usui gerettet werden, der sie unter Einsatz seines Lebens und seiner Gesundheit beschützt; sei es, dass der Gegner ebenfalls ein Kampfsportass ist, oder sei es einfach nur, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt wegen einer Erkältung „zufällig“ nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte ist.
Das, was sie, quasi zum Ausgleich, außerhalb für ihn tut, sind alles typisch weibliche Dienstleistungen: Sie bedient ihn im Café, und sie kocht ihm Reisbrei, als er krank ist. (Es ist überhaupt zu bemerken, dass es unter den weiblichen Charakteren zwar auch „Vorgesetzte“ gibt – die Besitzerin des „Maid Latte“ und ihre Schwester, die ebenfalls eine Art Restaurant hat – aber auch die bieten „nur“ Dienstleistungen an, sie sind im weitesten Sinne „caretakers“, deren Lebensinhalt daraus besteht, sich um das Wohl anderer Leute zu kümmern.)

Was sagt uns diese Art der Darstellung über Misaki:
„Ja, sie sieht gut aus, ist intelligent und topfit, aber letztendlich ist sie halt doch nur ein Mädchen.“
Und das finde ich sehr schade. Eine Chance vergeben, einen selbständigen weiblichen Charakter zu führen. Ich verlange nicht, dass SIE es ist, die IHN rettet, aber eine Frau, die nicht immer wieder mal vor Unbill gerettet werden muss, ist durchaus eine Erholung in der Welt der fiktionalen Unterhaltung.

9. Januar 2009

Der letzte Befehl (Bd. 11)

Filed under: Bücher,Japan,Manga/Anime — 42317 @ 19:41

Man hat mir den aktuellen Band von „Battle Angel Alita (eigentlich Gunmu) – Last Order“ von Kishiro Yukito ausgeliehen – dem zu folgen ich wegen der Zeitspanne zwischen den Veröffentlichungen kaum noch in der Lage bin – und ich fand zwei lustige Sachen darin.

In Bezug auf die teuflischsten militärisch nutzbaren Substanzen wird unter anderem auch „Trioxin 245“ genannt, mit dem Hinweis: „Ein Gas, das aus Leichen Zombies macht, wurde 1969 von der US Armee eingesetzt. (c) Dan o’Bannon“ (Kishiro Y., Last Order Bd. 11, S. 158).
Schöne Anspielung auf klassische Zombiefilme. Da ich aber kein Spezialist bin, kann ich die Frage nicht beantworten, ob der Film, den Dan o’Bannon 1985 gedreht hat, „Return of the Living Dead“, auch im Jahre 1969 spielt, oder ob in dem Romero Klassiker von 1968, „Night of the Living Dead“, auch tatsächlich die Rede von Trioxin ist – denn soweit ich weiß, ging es bei Romero um einen abgestürzten Satelliten, der irgendwas „zombifizierendes“ mitgebracht hatte.

Zuletzt ist aber die angefügte Beschreibung eines Infanteriegewehrs sehr amüsant. Das Modell heißt „ZANBER KZ90“, wobei „Zanber“ der auf dem Mars ansässige Hersteller ist.

Ich zitiere ein paar Ausschnitte der Beschreibung (auf den Seiten 196 und 197):

Sicherheitsgriff
„Sicherheit wird garantiert durch doppelte Benutzererkennung, zum einen durch den Check des Benutzer-ID-Chips, zum anderen durch einen Netzhautscan, der durch die Zieloptik durchgeführt wird. Sollte ein anderer als der Besitzer den Abzug betätigen, wird ihm durch eine eingebaute Daumenguilloutine der Daumen abgetrennt.“

Sicherheitskolben (das heißt eigentlich nicht Kolben, sondern Schulterstütze, Anm. d. A.)
„Ist mit dem Benutzererkennungssystem gekoppelt. Wenn die Sicherheitskammer mit einer Gewehrpatrone geladen ist, wird dem Dieb dieser Waffe die Schulter durchschossen, sobald er den Abzug betätigt. Alternativ kann er auch todsicher in die Luft gejagt werden, wenn man die Kammer stattdessen mit elektrisch zündbarem Sprengstoff lädt.
Sofortbesteller erhalten eine Gewehrpatrone gratis!

Das heißt, wenn ich so ein Ding klaue und auch benutze, dann wird mir nicht nur der Daumen abgeschnitten und meine Schulter durchschossen, sondern ich werde u.U. sogar in die Luft gesprengt! Humor durch Übertreibung – es hätte sicherlich gereicht, den Abzugsmechanismus zu blockieren, um ein unbefugtes Abfeuern zu verhindern, aber das wäre ja nicht grotesk lustig.

Laufkühlsystem
„Mit einer Kombination aus Abwärmerohr und Seebeck-Generator wird die Hitze des Laufs effizient in Strom umgewandelt, mit dem der Akku geladen wird.“

Dazu muss man wissen, dass „Seebeck“ der Name des Übersetzers ist.

Variable Tarnlackierung
„Muster und Farbe des Anstrichs verändern sich je nach Wetter, Umgebung oder ihrer Stimmung vielfältig.“

Moodrings mit Knalleffekt für Söldner?

Ein Teufel von einem Feldwebel auf dem Submonitor (entspricht wahrscheinlich dem kurzen jap. Begriff „Onigunsô“, Anm. d. A.)
„In den Submonitor, der alle möglichen Daten anzeigt, lässt sich die virtuelle Figur des Teufels von einem Feldwebel einblenden. Er gibt nicht nur strategische Tipps, sondern beschimpft den Feind auch an Ihrer Stelle („Leck mich an Arsch!“), falls Ihnen die rhetorischen Mittel dazu fehlen. Außerdem tritt Ihnen dieser zuverlässige harte Kerl ebenso in den Hintern, wie er sie anfeuert. Die Figur kann individuell angepasst werden.“

Wo hat Seebeck wohl diesen Begriff her? Ein „Teufel von einem Feldwebel“?
Das passendste Wort, das mir dazu einfällt, ist „Schleifer“… zur Betonung hätte man ihn auch einen „fluchenden“, oder „gnadenlosen Schleifer“ nennen können. Ich sehe keinen Grund, sich bei existenter Idiomatik so eng an den Originalwortlaut (Oni = Teufel, Dämon/Gunsô = Feldwebel) zu halten. Ein „Teufel von einem Feldwebel“ halte ich nicht für einen lebendigen Ausdruck, sowas sagt doch keiner (mehr). Sogar der verwandte „Teufelskerl“ wird alt, das Wort stirbt aus und wird bestenfalls in der Schriftsprache weiterleben.

In den Sonderoptionen für Mitglieder (des Sturmgewehr-Fanclubs?) befinden sich unter anderem
Lebende Zielscheiben
„Gefüllt mit Eingeweiden vermitteln diese Zielscheiben nicht nur ein realistisches Treffergefühl, sondern sind auch noch umweltverträglich, weil sie zu 100 % aus biologisch abbaubarem Material gefertigt sind.“

Ganz richtig erkannt hat der Autor außerdem die Möglichkeit eines Mehrfachmikrofonsystems, das es ermöglicht, durch Peilung des Fluggeräuschs eines Projektils die Richtung zu bestimmen, aus der ein Schuss abgefeuert wurde. Ein solches System gibt es bereits heute, nur ist mir über seine Verbreitung in den Streitkräften nichts bekannt.

Leider sehe ich bei dieser zweiten Gunmu-Serie einen argen Hang zur Verzettelung. Der Leser wird von einem Turnier zum nächsten geschickt, während deren die Handlung nicht wirklich fortschreitet. Stattdessen werden mehr oder minder interessante Arien auf verschiedene Pro- und Antagonisten gesungen, und man verliert nicht zuletzt wegen der niedrigen Veröffentlichungsfrequenz das Hauptanliegen, die Haupthandlung völlig aus den Augen. Ich zum Beispiel kann mich nicht erinnern, um was es hier bei Last Order eigentlich geht.

Normalerweise ist das eine Eigenart von Endlosserien im Shônen Bereich, wo ein paar Auftaktkapitel und grob unterscheidbare Charaktere entworfen werden, und wenn die Plotideen ausgehen, dann fahren wir halt ein Turnier auf, protzen mit den irrsten Kampftechniken, und ziehen die Sache in die Länge, bis uns wieder eine Story für „normale“ Kapitel einfällt (also solche, in denen es nicht ausschließlich ums Kämpfen geht).
In der ursprünglichen Serie gab es ebenfalls Turnierkämpfe und „Sportereignisse“ wie „Motorball“ (?), aber das waren kurze und spannende Episoden, deren Highlights ein paar Seiten füllten – nicht aber eine komplette Ausgabe für ein oder bestenfalls zwei Duelle.

Aber Last Order begeht nicht nur die „Turniersünde“, wie ich es mal nennen will. Kishiro hatte, zumindest über eine Handvoll Bände hinweg, die Marotte, seine Fans dazu aufzufordern, eigene Ideen für Charaktere und Designs einzusenden, von denen er sich welche aussuchte und tatsächlich übernahm. Aber dabei geht es mitnichten nur um Gastauftritte, sondern auch um wichtige Gegenspieler – ein klares Zeichen für die Konzeptlosigkeit des Werks.

Persönlich abgestoßen fühlte ich mich im vorliegenden Band von einem monströsen Gegner mit der Bezeichnung „Anomalie“ („die Libido-Bestie“), dessen Kampfmittel ein nicht minder monströser Penis ist. Das war mir dann doch eine Spur zu vulgär.

Zu guter Letzt muss ich auch festhalten, dass mir das Cover, dass die Heldin Gally (im Westen „Alita“ genannt) zeigt, eine Spur zu lasziv für meinen Geschmack ist:

Abgesehen davon, dass ich ihre „neuen“ Lippen noch nie mochte – warum muss das so sexy sein? Gally war immer ein starker Charakter, ein Cyborg mit einem menschlichen Herzen (im positiven Sinne natürlich), und eigentlich auch ein ziemlich cooles Mädchen – warum muss man sie durch solche Darstellungen auf die sexuelle Ebene schieben? Läuft der Verkauf vielleicht nicht so gut, wie erhofft? Das könnte ich bei dem schleppenden Handlungsfortgang jedenfalls gut verstehen.

15. Juni 2008

Pani Poni Dash!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 21:21

„Pani Poni Dash“ ist eine irre Show für Spezialisten. Für hardcore Animefans. Für Filmfreaks. Die Serie beinhaltet eine unglaubliche Anzahl von Anspielungen, für deren Verständnis man viel gesehen haben muss, und jedes Mal, wenn man sich eine Episode anschaut, entdeckt man etwas Neues. Das fängt schon mit der Klassifizierung der Charaktere in RPG Begriffen und dem ständig wechselnden Tafelbild an…

Die zentrale Figur der Serie ist Rebecca Miyamoto. Sie ist ein Wunderkind und hat im Alter von 11 Jahren einen Abschluss am MIT gemacht – um Oberschullehrerin in Japan zu werden. Da sie ein auffälliges Exemplar der Gattung Mensch ist, beschließt eine Forschungsgruppe von Außerirdischen, sie genauer unter die Lupe zu nehmen und beobachtet ihre Aktivitäten von einer geostationären Umlaufbahn aus.

Als erstes muss Becky die Schule finden, wo sie arbeiten soll, dann muss sie mit ihren Schülern klarkommen – den sechs oder sieben, die Namen haben, heißt das. Alle anderen werden schlicht „Nokori-sama“ genannt – „die Übrigen“.

Die Serie lebt von den verrückten Charakteren um Rebecca, die von ihren Schülerinnen Becky genannt wird, von dem Slapstick, den Anspielungen, den Parodien auf alles und jeden, den abgefahrenen Plots, und der Frage, ob das, was man da sieht, wirklich passiert. Außerdem hat die Serie eine Sprecherbesetzung, die in etwa die creme de la creme der Gegenwart darstellt, da sind Yukino Satsuki, Orikasa Fumiko, Higuchi Chieko und Horie Yui, und das sind nur die, die auffallen, wenn man sich nur oberflächlich mit Seiyû auseinandersetzt.

Wer „Azumanga Daioh“ für die Interaktionen der mindestens ebenso überdrehten Charaktere mochte, wird auch diese Serie mögen. Bedingungslos, bis in den Tod. *lol* Die fast unüberschaubare Ansammlung von Anspielungen auf andere Serien ist das, was „Pani Poni Dash“ der Konkurrenz voraus?hat. Um nur die im Westen bekanntesten davon zu nennen:

Angelic Layer, Azumanga Daioh, Cutey Honey, Devilman, DragonBall, Final Fantasy, Fist of the Northstar, Friday the 13th, Full Metal Jacket, Gunbuster, Gundam, Indiana Jones, James Bond, Kamichû, Lord of the Rings, Lupin III., Macross 7, Mahô tsukai-tai, Metal Gear Solid, Ninja Scroll, Planet of the Apes, Ranma, SailorMoon, Sexy Commando Gaiden…

Der Soundtrack kommt sehr gut in den Ohren an, stilistisch gestreut, ist für jeden, der dem großzügig formulierten Genre „Anime Musik“ zugetan ist, etwas dabei, meines Erachtens handelt es sich um einen der besten Comedy Soundtracks der letzten Jahre, möglicherweise muss man die „Project A-Ko“ Image-Alben aus der Mottenkiste kramen, um ähnlich unterhaltsame Texte zu bekommen.

Sehr zufrieden stellend ist in diesem Zusammenhang, dass alle Songs von dem originalen Seiyû gesungen werden, ohne „Fremdbeitrag“ einer von außen kommenden Band, von denen ein Stück für die Serie herausgesucht wurde. Nein, alle Sängerinnen sind auch als Sprecherinnen im Anime zu hören.

Minami-ke

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 20:54

„Minami-ke“ („Die Familie Minami“) ist ein reiner Slice-of-Life Anime über das mehr oder weniger alltägliche Leben der Minami-Schwestern Haruka (17), Kana (14) und Chiaki (11). Die Serie verfolgt keinerlei durchgehende Geschichte, und von ein paar kleinen Anspielungen und den eingeführten Charakteren abgesehen, kann man sie auch in beliebiger Reihenfolge ansehen, deshalb “reiner Slice-of-Life Anime”. Was man wissen muss, ist, dass die drei Schwestern aus einem ungenannten Grund ohne ihre Eltern in einem Apartment wohnen, und dass die älteste Schwester die Rolle der Mutter für die jüngeren beiden übernimmt. Der einzige ältere Verwandte ist Takeru, ein Cousin der Mädchen, den sie aber nichtsdestotrotz “Onkel” (“Oji-san”) nennen.

Die drei Schwestern sind archetypische Charaktere, also Haruka ist die wohlwollende und warmherzige ältere Schwester, Kana das hyperaktive Spatzenhirn, und Chiaki ist die intelligente und introvertierte Realistin, deren humoristische Momente auf ihrem Mangel an Lebenserfahrung beruhen. Weitere Charaktere sind zum Beispiel besagter Takeru, ständig ohne Freundin aber mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt, und eine Reihe von hauptsächlich weiblichen Freunden der Schwestern.

Man kann – muss – ganz eindeutig feststellen, dass die Serie sehr “moe” ist. Da ist eine Reihe niedlicher Mädchen, es gibt Entkleidungsszenen und ausgelebten Unsinn, aber man bekommt nichts Explizites zu sehen, es hält sich alles in einem Rahmen, der die Serie uneingeschränkt für Jugendliche geeignet macht. Hinzu kommt ein sehr gutes Charakterdesign, sehr schönes Artwork und überzeugende SynchronsprecherInnen, dann weiß jeder, von was für einer Art lockerer Unterhaltung wir sprechen.

Die komödischen Elemente sind in erster Linie Slapstick und Humor durch Übertreibung, und auch der gegebene Grad an “häuslicher Gewalt” (vergleiche “Crayon Shin-chan”), wenn Kana zum Beispiel unerlaubt Chiakis Kuchen isst, senkt den Spaßlevel in keiner Weise. Viel Humor kommt allerdings auch aus Parodien auf japanische Fernsehnachrichten und Fernsehdramen, in denen jedes Klischee durch den Kakao gezogen wird.

Sehr auffällig bleibt ein Element von Beginn bis Ende: Geschlechterrollen.
Chiaki hat einen Klassenkameraden namens Makoto, der dazu neigt, aus Ungeschicklichkeit Fehler zu machen und deshalb von Chiaki vom gemeinsamen Hausaufgabenmachen mit Freunden im Minami Haushalt verbannt wird. Makoto allerdings himmelt Haruka an und ist begierig, in die Runde zurückzukehren, also eröffnet Kana ihm den Plan, dass er sich als Mädchen verkleiden soll, und stellt ihn/sie als ihre jüngere Mitschülerin Mako-chan vor. Verwicklungen unterschiedlichster Art und Druck von Kana zwingen ihn, das Doppelleben aufrecht zu erhalten, das heißt, in der Schule ist er Makoto und bei den Minami-Schwestern ist er Mako-chan.

Und dann gibt es da noch Tôma. Tôma ist ein Mädchen, aber auf Grund der Tatsache, dass sie mit drei älteren Brüdern zusammenlebt (das heißt, sie hat kein weibliches Vorbild), ist sie in der Tat einer der klarsten Fälle von Tomboy, die man jemals sehen wird. Sie lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass sie ein Mädchen ist, bis Chiaki sich aus irgendeinem Grund dazu entschließt, die ein paar Monate ältere Tôma zu ihrem jüngeren Bruder zu erklären. Daher, wann immer sie die Minamis besucht, schlüpft Tôma in die Rolle eines Jungen.

Natürlich generiert dieser Widerspruch einen eigenen Humor, wo auch sonst als in Strand-, Onsen- und Schwimmbadepisoden, da Mako-chan ihre wahre Identität vor Chiaki und Haruka geheim hält, während Tôma, warum auch immer, ihr wahres Geschlecht vor Kanas Klassenkameraden Fujioka versteckt (der sich in Kana verliebt hat). Es macht Spaß, diese Konflikte zu beobachten und wie sich das Verhalten und die Sprache der Betroffenen ändert, wenn sie in die jeweils andere Rolle schlüpfen. Interessant ist dabei, zu bemerken, dass Tôma eine tiefere Stimme hat als Makoto (die Sprecherinnen sind beide weiblich).

Es gibt eine zweite Staffel zur Serie, die sich “Okawari” nennt, also “Nachschlag”, wie man beim Essen so schön sagt. Leider hat die zweite Staffel nichts Neues zu bieten, außer einem bebrillten neuen Klassenkameraden von Chiaki. Vielleicht wollten die Produzenten das geschlechtliche Ungleichgewicht beheben, oder aber jemand war der Meinung, dass man etwas brauchte, was an ein romantisches Element heran kommt?

Auf den zweiten Blick muss man vielleicht doch sagen, dass es eine ganze Menge neuer Dinge in “Okawari” gibt – aber sie sind dem Publikum nur schwer oder gar unmöglich zu erklären. Es scheint, als habe man die Charaktere in der Show gelassen und alles andere ausgetauscht – die Schulen, die die Schwestern besuchen, sehen völlig anders aus, denn während zum Beispiel Harukas Schule in der ersten Staffel ein Standardgebäude war, nach dessen Muster eine Menge Schulen in Japan gebaut sind, erscheint sie in der zweiten Staffel optisch wie eine Eliteanstalt mit toppmoderner Architektur.

Das Haus, in dem die Mädchen wohnen, sieht ganz anders aus, so war in der ersten Staffel die Treppe/der Fahrstuhl rechts von der Apartmenttür, und neuerdings befindet sich das Apartment ganz rechts im Stockwerk, mit der Treppe zur Linken.
Das Innere des Apartments hat sich völlig verändert – anfangs war die Küchenzeile vom Esszimmer mit einem Plastikvorhang abgetrennt, jetzt gibt es eine relativ große Küche mit einem Esstisch darin. In der ersten Staffel hatte jede der Schwestern ihr eigenes Zimmer, und in der zweiten Staffel müssen sich Chiaki und Kana ein Zimmer teilen, und natürlich sind die Möbel darin inzwischen ganz andere. Diese Unbeständigkeit ist leider sehr bedauerlich.

“Okawari” hat sehr schöne und auch sehr lustige Momente, aber insgesamt kommt die zweite Staffel nicht mehr an die Qualität des Originals heran, was nicht zuletzt daran liegt, dass hier versucht wurde, mit einem Plus an Fanservice noch zu punkten. Es ist auch nicht notwendig, “Okawari” zu sehen, denn auch hier bleibt es beim Slice-of-Life ohne Storyline und ohne echten Klimax, und alles, was man verpasst, ist ein Nachschlag hübscher Mädchen für jeden Geschmack.

Übersehen wir nicht die dritte Staffel: „Okaeri“. Das bedeutet etwa „Willkommen zuhaus“. Auch hier sind die Umgebungselemente anders als in Staffel 1, halten sich aber weitgehend an die Umstände in „Okawari“. Positiv ist zu bemerken, dass man mit dem Humor „back to the roots“ gegangen ist, das heißt, der Fanservice wurde wieder zurückgefahren, während man sich auf die Gagelemente der ersten Staffel besonnen hat.

Wie bereits gesagt, hat mir die Arbeit der SynchronsprecherInnen ganz hervorragend gefallen, und ich habe die Serie überhaupt nur angesehen, weil Inoue Marina eine Hauptrolle – als Kana – hat. Sie trägt damit maßgeblich zu meinem Vergnügen und Gefallen an der Serie bei, obwohl ich sagen muss, dass Higuchi Chieko (Tomo in “Azumanga Daiô”) noch einen Tick besser gewesen wäre.
Eine weitere gute Besetzung ist Chihara Minori als Chiaki. Nachdem sie in “Suzumiya Haruhi” die Rolle der stillen Nagato Yuki hatte, zeigt sie in “Minami-ke” viel Talent für die Stimme der selbstbewussten und oft emotionalen jüngsten Schwester.

Yami to Bôshi to Hon no Tabibito

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 13:44

Schon wieder so ein schwerer Fall von Anime, wenn man ihn denn beschreiben will. Denn „Yamibô“, wie der japanische Fan die Serie abkürzt, hat schon mal kein festes Setting, es sei denn, man will „Multidimensionale Abenteuer“ ein Setting nennen, wo man doch schon nur unter wohlwollenden Bedingungen von einem Genre sprechen kann.

Dabei fängt die Sache ganz „normal mysteriös“ an. Die Oberschülerinnen Hazuki und Hatsumi leben im selben Haushalt, und während ihr gemeinsamer Familienname eine geschwisterliche Beziehung suggeriert, bleiben dennoch die Yuri-Elemente ihres Verhältnisses sehr vordergründig. Hazuki fällt dabei die Rolle des Tomboys zu, resolut, aber auch sensibel, während Hatsumi offenbar stumm und ein sehr zurückhaltendes Mädchen ist, das zu Beginn der Serie am Vorabend ihres sechzehnten Geburtstags steht. Während der Nacht verschwindet sie auf geradezu magische Art und Weise, und Hazuki macht sich auf die Suche nach ihr, wobei der Weg durch verschiedenste Dimensionen führt, in denen Hatsumi immer eine bedeutende Rolle zu spielen scheint, und das unter verschiedenen Namen.

Die grafische Erscheinung von „Yamibô“ (von Carnelian) ist sehr ansprechend, was sich in erster Linie an den Charakterdesigns bemerkbar macht, obwohl diese in einzelnen Fällen vielleicht einen Tick zu weit ins Erotische rutschen (ohne jedoch in irgendeiner Weise explizit zu werden, „FSK 16“ wäre eigentlich schon vorauseilender Gehorsam) – die Serie ist nicht umsonst im japanischen Nachtprogramm gelaufen, ich müsste jetzt mein Japantagebuch zu Rate ziehen, um die genaue Uhrzeit nachzuvollziehen, aber ich glaube, die Sendezeit lag so zwischen 23 Uhr und Mitternacht. Aber auch ohne die sanfte Erotik, die sich in erster Linie in der Kleidung weniger Charaktere niederschlägt, bekommt man erstklassige Grafik und Animationsqualität.

Die wechselnden Settings der Geschichte sorgen an sich bereits für Spannung, denn man weiß nie, was man als nächstes geboten bekommt, sei es ein Agentenabenteuer in einem fahrenden Zug (Agatha Christie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen), ein Opferkult vorzeitlicher Menschen, ein fantastisch angehauchtes, frühmodernes Japan oder ein klassischer (japanischer) Gebäudekomplex zwischen allen Dimensionen. Es wird nie langweilig, und intelligente „story twists“ und die Charaktere tragen ebenfalls viel zur Stimmung bei.

Die Leistung der SynchronsprecherInnen hält sich ebenfalls auf einem hohen Niveau, und ich muss mich eigentlich wundern, dass ich lediglich zwei mir auf Anhieb bekannte Namen (Inoue Kikuko und Paku Romi) in der Liste finde, und das in Nebenrollen. Dennoch: Hut ab. Sehr stimmig und passend, da hat man sich im Studio Mühe gegeben.

Nur der Soundtrack steht im Schnitt etwas zurück – was nicht heißen soll, dass er schlecht wäre, nein, ganz und gar nicht. Der Soundtrack ist sehr schön, Opening und Ending können ebenso gefallen wie auch der Hintergrundsoundtrack sich hervorragend in die Bilder einfügt, aber es ist nichts dabei, von was ich persönlich sagen müsste: „Das will ich unbedingt haben!“

Mir „Yamibô“ anzusehen entsprang dem Gedanken, mir ein Bild von existierenden kurzen Serien zu machen, also im Rahmen von bis zu 13 abgeschlossenen Episoden. Für einen kurzweiligen Nachmittag kann ich diese Serie allen empfehlen, die japanischen Animationsfilmen etwas abgewinnen können, ich bin sicher, es wird keine Zeitverschwendung sein.

10. Juni 2008

Baccano!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 17:42

Es ist schon eine Herausforderung, etwas über Baccano!“ zu sagen, aber wenn ich die Serie für das kommende Programm des ACT vorschlagen will, dann muss ich gemäß meiner selbst gesetzten Regeln etwas sinnvolles darüber zu Papier bringen (im übertragenden Sinne, da diese Zeilen vermutlich nie auf Papier landen werden).

Angesetzt in den USA der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts findet man eine Ansammlung von Charakteren, die alle mehr oder minder mit der Mafia zusammenhängen, deren verschiedene Familien in blutige Fehden um Macht und Überleben verstrickt sind, aber es geht nicht um illegale Whiskeybars oder Al Capone, obwohl Mafiaterrorismus durchaus eine Rolle spielt. Denn es gibt da eine heterogene Gruppe von Unsterblichen mit Regenerationsfähigkeiten, die ganze Clans von Highlandern beschämen würden, erschaffen von einer dämonischen Präsenz, die nur einem von ihnen das Rezept für das Elixir verraten hat. Aber die Jagd verschiedener Leute nach diesem Wissen ist nur ein Teil des Ganzen.

„Baccano!“ anzusehen, kann den Zuschauer in große Verwirrung stürzen, denn die Geschichte entfaltet sich wie eine Trilogie, und davon alle Bücher zur gleichen Zeit. Man muss Storyelemente aus den Jahren 1930, 1931 und 1932 im Auge behalten, die in nicht-chronologischer Reihenfolge szenenweise dargeboten werden. Das wiederum macht es am Ende jedoch um so interessanter, zu sehen, wie die einzelnen Fäden zusammengefügt werden, um ein Ganzes zu ergeben, aber bis dahin erlebt man wirklich irre Erzählweise, die schon mit der Einführung in die Geschichte durch Charaktere beginnt, die keine Rolle in dem Erzählten spielen.

Ich fand die Charaktere sehr interessant, möglicherweise aus dem Grund, dass es sich bei fast allen um hochgradig erfahrene Kämpfer und Killer handelt, und die Darstellung ihres Könnens hält geradezu grotesk brutale Szenen bereit, ohne jedoch geschmacklos und gewaltverherrlichend zu wirken. Mit Ausnahme von Miria und Isaac, einem Paar geistig minderbemittelter, aber wohlmeinender Räuber mit einer Menge Glück zu ihren Diensten, gibt es kaum einen Charakter, der wirklich sympathisch wäre (über Ennis könnte man reden…), was an sich ein fetter Minuspunkt ist… was an sich ein fetter Minuspunkt wäre, wenn die Ansammlung von mehr oder minder unsympathischen Gesellen nicht auch dicke Boni auf „Coolness“ hätten. Es handelt sich um eine „garstige“ Art von Coolness, aber dennoch… ich meine zum Beispiel, sobald man den so genannten „Rail Tracer“ mit seinem verzerrten Sinn für Gerechtigkeit zu mögen beginnt, tut er etwas… abartiges. Von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, kann man auch an den abgefahrensten Vertretern dieser Leute doch noch eine menschliche Seite erkennen.

Die Animationsqualität ist sehr gut, dasselbe lässt sich über die Choreografie von Kämpfen sagen, sehr spannend und ein Genuss für Actionfans, mit regelmäßigen Cliffhangern, wenn die Story von einer Handlungsebene zur nächsten wechselt.

Der Hintergrundsoundtrack bleibt seinem Namen treu und bleibt im Hintergrund. In diesem Falle ist das ein echter Bonus, und zwar nicht, weil die Musik schlecht wäre, sondern ganz im Gegenteil, weil die Musik sehr schön zur Zeit und zur Stimmung der Szenen passt und die Serie so ganz hervorragend untermalt. Wenn man den Soundtrack für sich allein anhört, wird man schnell zu dem Urteil kommen, dass er eigentlich nur was ist für Freunde von Fahrstuhl- und Smooth Jazz Lounge Music.

Um zu meinem Lieblingsthema zu kommen, kann ich der Synchro ein großes Lob aussprechen, und das, obwohl man keine großen Namen in der Sprecherliste findet, mit Ausnahme von Yamaguchi Kappei (Inuyasha) in einer kleinen Nebenrolle als irrer Foltermeister der Mafia mit einer Vorliebe für Scheren.

„Baccano!“ lädt ganz eindeutig dazu ein, mehrfach angesehen zu werden, um den Zusammenhang der Handlungsfäden neu zu überdenken, sofern man nicht von dem hohen Grad an Gewalt abgeschreckt wird, mit einer Unzahl von Schusslöchern, Messerschnitten, spritzendem Blut, platzenden Köpfen und abgetrennter Gliedmaßen. Es mag schwierig sein, nach einem Mal ansehen die Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinander zu verstehen, und es gibt eine Menge Charaktere. Offenbar genügend, um die Produzenten dazu zu verleiten, die Namen in jedem Intro laufen zu lassen.

Amüsant dabei wirkt, dass es sich um eine Liste von Namen handelt, die der Schöpfer für italienische, deutsche und amerikanische Namen hielt:

„Isaac Dian“,
„Miria Harvent“,
„Firo Prochainezo“,
„Maiza Avaro“,
„Keith, Berga and Luck Gandor“,
„Szilard Quates“,
„Ennis“,
„Lua Klein“,
„Ladd Russo“,
„Chane Laforet“
„Nice Holystone“ (pronounced like „niece“),
„Jacuzzi Splot“,
„Eve and Dallas Genoard“,
„Czeslaw Meyer“.

Einige davon mögen realistisch sein, die meisten sind es, denke ich, nicht. Aber ich glaube, wenn nicht alle Namen so schön lesbar in westlicher Schrift im Intro auftauchen würden, dann hätten die Leute, die die Untertitel zur Verfügung gestellt haben, ein paar echt harte Nüsse zu knacken gehabt.

4. April 2008

Massugu GO!

Filed under: Japan,Manga/Anime — 42317 @ 22:14

Mika kommt zu spät zum Schwimmwettbewerb ihrer Oberschule und trifft auf dem Weg auf Manami, genannt Manabi, die sie auf ihrem Schweberoller mitnimmt…

So fängt die Geschichte „Gakuen Utopia Manabi Straight“ an, im Jahre 2035. Die Geburtenrate ist niedrig, Schulen werden geschlossen und zusammengelegt, traditionelle Wettbewerbe werden abgesagt und sterben aus.
Und da haben wir Manabi, Neuzugang der Seiô Oberschule, Optimistin, und auf diesem Gebiet ein Hardliner. Gleich nach ihrem motivierten Auftritt in der Vollversammlung wird sie zur Vorsitzenden der Schülervertretung gewählt und beginnt damit, ihre überfließende Energie und Liebe für das Leben als Schülerin auf ihre Umgebung zu übertragen, und gibt zuletzt alles, um das bedrohte Schulfest zu retten.

„Gakuen Utopia Manabi Straight“ ist ein bisschen wie „Azumanga Daiô“, erstens angesichts völlig abwesender romantischer Aspekte sonstiger Highschoolserien, und zweitens in Anbetracht der ganz ähnlichen Kernaussage, die die Serie macht:

Man geht nicht in die Oberschule, um etwas zu lernen, sondern um Freunde zu finden. Dass man Freunde auch in der Grund- und Mittelschule finden kann, wird von solchen Serien ausgeklammert, aber wenn man sich an dieser Logiklücke nicht stört, ist das Konzept sehr ansprechend. Ja, es handelt sich um eine “Slice of Life” Geschichte, in der es darum geht, dass fünf Mädchen durch dick und dünn für ihre gemeinsamen Überzeugungen gehen und so Freunde fürs Leben werden, aber wenn das alles wäre, würde ich das nicht weiter erwähnenswert finden.

Aus welcher Motivation heraus habe ich diese 13 Episoden lange Serie überhaupt angesehen?

So mancher wird wissen, dass ich ein Stimmenfetischist bin, das heißt, ich bin jemand, der in Serien reinschaut, weil ihm die Liste der Synchronsprecherinnen zusagt.

Zum einen haben wir Hayashibara Megumi als den zweifelsfrei bekanntesten Namen, obwohl sie in erster Linie Vorspann und Abspann singt und ansonsten in ihrer Rolle als “Schuldirektorin als Schülerin” in einem Flashback lediglich einen kurzen zusammenhängenden Satz sagt. Als nächstbekannteste Sprecherin steht Hisakawa Aya in der Liste, immerhin in einer bedeutenden Nebenrolle als Verwalterin der rivalisierenden Oberschule. Beide Sprecherinnen sind Veteranen des Geschäfts, die seit der zweiten Hälfte der Achtziger in unzähligen bekannten Rollen ans Mikro getreten sind.

Die Hauptrollen beinhalten unter anderem Inoue Marina, Hirano Aya und Horie Yui. Letztere, ein Jahr älter als ich, ist ebenfalls bereits eine Weile im Geschäft und hat Rollen wie Narusegawa Naru im Portfolio stehen, und Hirano Aya ist spätestens seit “Suzumiya Haruhi” ein bekannter Name in der Szene, und neben Inoue Marina eine der beliebtesten und erfolgreichsten Neuentdeckungen dieses Jahrzehnts.

Inoue Marina hat zwar (noch!) keine Sprechrollen im Lebenslauf, die “jeder” Animefan kennt, aber den Vergleich, dass sie sowohl Rosaly in “Tactics” als auch Mutsuki in “Manabi Straight” gesprochen hat, fand ich beeindruckend.

Diese Ansammlung von bekannten Namen musste anziehend auf mich wirken und ich wurde nicht enttäuscht. Alle Seiyû geben eine erstklassige Vorstellung, aber ich bin der Meinung, dass sich Hirano Aya hier selbst übertroffen hat. Ihre Leistungen in “Lucky Star” und “Suzumiya Haruhi” waren sehr gut, aber es handelte sich um archetypische „Genki“ Rollen lebhafter Mädchen mit viel Emotion und wenig Ratio, die mit dem Kopf durch die Wand gehen oder mit der Tür ins Haus fallen, aber ihre Nuancen in “Manabi Straight” sind sehr fein und gaben der stillen und intelligenten, vernunftbetonten Figur der Etô Mei sehr viel Leben und Liebenswürdigkeit.

Das allgemeine Charakterdesign ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist extrem niedlich gehalten und tendiert zu dem, was der Otaku „moe“ nennt, sofern ich das in diesem speziellen Fall als eine Steigerung von „kawaii“ definieren kann. Der erste Begriff, die mir dazu einfiel, ist „knubbelig“. Das soll ausdrücken, dass die Designer jedes Mittel angewandt haben, um Archetypen von niedlichen Animemädchen zu gestalten, die jedes Kindchenschema erfüllen. Die Mädels haben nicht nur die üblichen runden Köpfe und großen Augen, sondern auch halbwüchsige und runde Körperformen, die man augenblicklich mit Kindern verbindet. Man übersieht darüber sehr schnell, dass es sich bei den Protagonistinnen um 16-jährige handelt, die eben ihre letzten drei Schuljahre in Angriff nehmen, und neigt eher dazu, sie für 11-jährige zu halten. Es braucht möglicherweise etwas Zeit, bis sich dieses Wissen auch im Bewusstsein des Betrachters festgesetzt hat.

Überraschenderweise fand ich den Soundtrack sehr interessant, inklusive einiger seiner gesangslosen Hintergrundstücke. In der Regel fällt mir der Hintergrundsoundtrack überhaupt nicht auf (ob das eine gute oder eine schlechte Sache ist, sei dahingestellt), und ich habe normalerweise auch überhaupt kein Interesse an Hintergrundmelodien, in denen eben nicht gesungen wird, aber in diesem Fall fand ich die Musik weitgehend überzeugend.

Die Hauptattraktion bleiben natürlich die Gesangsstücke. Was sollte ich auch erwarten, wenn unter dem Stichwort Soundtrack Namen wie Hayashibara Megumi, Horie Yui, Hirano Aya und Chihara Minori zu finden sind? Die übrigen Hauptrollen singen natürlich auch, aber die kannte ich vorher noch nicht, und Hisakawa Aya gibt leider nichts zum Besten.

Der Soundtrack hat mich nicht aus den Latschen gehauen, wie das bei dem „Pani Poni Dash!“ Soundtrack der Fall war (der noch mehr Seiyû auflistet, von denen ich mir auch eine Steuererklärung oder den Bundeshaushaltsplan vorlesen lassen könnte, ohne mich zu langweilen), aber es war nahe dran.

Die Image Album Sammlung (Songs, die als Merchandising auf die Charaktere zugeschnitten sind und die nicht in der Serie vorkommen) war in dieser Hinsicht wie üblich sehr interessant, aber der Originalsoundtrack hat für mich seine ganz eigenen Perlen, wie zum Beispiel „Seiô Kôka“ (das Lied der Seiô Schule), gesungen von Horie Yui (in zwei Versionen), und „Sakura mau kono Yakusoku no Chi de“, also etwa „Die Kirschblüten tanzen am Ort unserer Verabredung“, gesungen von Chihara Minori.

Dieses Rock-lastige Lied wird auf dem Schulfest gesungen und aufgeführt, und die Szene erinnert in gewissem Maße an den Bandauftritt in „Suzumiya Haruhi“. Das mag nicht weiter verwundern, denn letztlich kommen alle Bandauftritte auf Schulfesten irgendwie ähnlich rüber, in Anime oder Realität, aber es gibt noch einen weiteren Faktor, wegen dem ich auf die Idee gekommen bin, es könnte sich dabei um eine Art Anspielung auf „Suzumiya Haruhi“ handeln, nämlich der Umstand, dass die Leadsängerin auf dem Seiô Schulfest von Chihara Minori gesprochen und gesungen wird. Warum dieses? Chihara Minori ist die „Stimme“, die während der Aufführung von „God knows“ und „Lost my Music“ nur Gitarre spielen durfte – in Form von Nagato Yuki.

Wie ich bereits sagte, hätte ich kaum soviel über diese Serie geschrieben, wenn es nur um Freundschaft gegangen wäre, solche Serien gibt es eine ganze Menge, und unbeirrbare Optimisten gibt es im Anime ebenfalls wie Sand am Meer, aber da ist noch etwas mehr als nur das. Es geht auch um jugendliche Ungeduld und Spontaneität, und um rebellischen Aktionismus, gegen gefühlte Ungerechtigkeit zu kämpfen. Davon war ich irgendwie positiv überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hätte.

Die Seiô Oberschule soll mit der renommierten Aikô Oberschule fusionieren, und die Verwalterin der Aikô sagt im Zuge der Zusammenlegung das Schulfest der Seiô ab, mit der Begründung, es handele sich nur um eine unbedeutende Spaßsache, die mit den Pflichten von Schülern nichts zu tun habe. Angeführt von Manabi beginnt die Schülervertretung den Kampf „gegen die Tyrannei der Verwaltung“, ganz stilecht mit den japanischen, gelben Arbeitshelmen und Postern und Flaggen, auf denen Wahlsprüche und Kampfslogans wie „Unnachgiebiger Geist“ zu lesen sind. Der bedeutendste Feind in der Angelegenheit ist jedoch nicht die „gegnerische“ Schulverwaltung, sondern die Ignoranz der eigenen Mitschülerinnen, die sich statt für das Schulfest mehr für eine Tanzveranstaltung interessieren, die am gleichen Tag stattfindet, für den neuen Schulsong, und dafür, welche Kombinationen die neuen Schuluniformen zulassen. Angesichts der Anordnung geben Sie die Sache verloren, doch Manabi und ihre Freundinnen wollen das Seiô Gemeinschaftsgefühl nicht zugunsten eines anderen aufgeben, zumal die Aikô einen eher kühlen und elitären Eindruck macht, auch schön zu sehen im Vergleich der Architektur der Schulen.

Solch eine Hommage an vergangene Zeiten von Schüler- und Studentenprotesten gibt dem Werk eine interessante politische Dimension, aber gleichzeitig ist das Thema auch nicht so aufdringlich, dass jemand mit einem unterentwickelten Interesse an Geschichte deswegen zurückstecken müsste.

Ich liebe diese Serie, und ich weiß, dass sie nicht für jeden geeignet ist, auch, wenn man Anime gegenüber generell positiv eingestellt ist. Sie ist generell sehr niedlich in ihren Designs, Themen und Dialogen, und wenn man ungetrübte Niedlichkeit nicht aushält, wird man „Manabi Straight“ wahrscheinlich nicht mögen.

Es ist eine Serie für Fans der Genres „Slice of Life“ und „Highschool Komödie“, die sich an der Abwesenheit von romantischen Themen nicht stören (oder eine solche Abwesenheit vielleicht auch begrüßen), und im Hinblick auf die erwähnten soziopolitischen Aspekte auch ungewöhnliche Einflüsse zu schätzen wissen.

18. Januar 2008

Odysseus ist heimgekehrt

Filed under: Manga/Anime,My Life — 42317 @ 19:37

Will sagen: Die „Spiral“ DVD-Box, die ich vor zwei Monaten gewonnen habe, ist angekommen.

Der Absender hatte ursprünglich eine falsche Postleitzahl angegeben, und irgendeine wohlmeinende Person hat sie korrigiert – zum Falschen. Stattdessen wurde die PLZ der Universität angegeben, gegenüber derer ich wohne. Der Wohltäter dachte wohl, dass Weidengraben und Uni dieselbe Zahl hätten, aber das ist ja nicht so. Das wiederum führte dazu, dass die Zollbenachrichtigung, in der man mich aufforderte, mein Paket abzuholen, ins Leere geschickt wurde – ich erfuhr nichts davon, die 20 Tage gesetzlicher Aufbewahrungsfrist verstrichen und das Paket ging wieder an den Absender nach Florida zurück.

Ich habe das Paket nur oberflächlich begutachtet. Es ist unbeschädigt, neuwertig und alle DVDs, die drin sein sollten, sind auch drin. Ich müsste halt mal nachsehen, ob sie auch laufen, aber das hat an sich Zeit.

6. Januar 2008

Odyssee auf dem Postweg

Filed under: Filme,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 16:39

Vor einiger Zeit hatte ich eine DVD-Box gewonnen – siehe Wettbewerb auf Animetric. Der Administrator schrieb mir einige Tage später, dass er das Paket versendet habe und ich antwortete, dass ich mich melden würde, sobald ich das Paket empfangen hätte. Die Wochen vergingen und nichts geschah.

Dieser Tage nun meldete er sich wieder bei mir und teilte mir mit, dass die Sendung wieder zurück gekommen sei. Abgesehen davon, dass er statt der richtigen PLZ „55296“ draufgeschrieben hat (was die Post hier dazu veranlasste, die Angabe in „54292“ zu ändern, d.h. Universität), fand er einige neue Aufkleber auf dem Paket vor, die er mich zu übersetzen bat:

1. Waren, die die Voraussetzungen der Artikel 9 und 10 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft nicht erfüllen.“
Ich habe keine Ahnung, was da drin steht, und die Verträge diesen Namens, die ich im Netz finden kann, sind offenbar älterer Fassung oder anderweitig zusammenhanglos.
2. Nicht Zulässig – Non Admis“
Warum auch immer.
Seit wann ist es denn unzulässig, DVDs aus den USA zu importieren?

3. Rechnung (zweifach; allgemein verständliche Warenbezeichnung in deutscher Sprache)“

4. Nachweis über den gezahlten Kaufpreis (z.B. Paypal-Beleg, Kontoauszug, Kreditkartenabrechnung o.ä.)“
Ich hab das Ding aber gewonnen, d.h. es sollte unter „Geschenk“ laufen…

Der Absender hat mir versichert, dass er sowohl einen Bescheid des US-Zolls, sowie eine Wertinformation als auch Inhaltsangabe auf das Paket geklebt hat. Vielleicht war die Angabe nicht detailliert genug? Weiß der Geier. Ich habe ihn gebeten, vorerst zu warten, bis ich das Problem am Montag mit dem Zoll besprochen habe.

27. Oktober 2007

Was sich so ansammelt – Wettbewerb auf Animetric

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 19:50

Und als letztes:
Mitte letzten Monats, also im September, wurde auf dem Animetric Forum der dritte Wettbewerb ausgerufen. Im ersten ging es um die Gestaltung der Hauptseite des Animetric Forums, im zweiten Wettbewerb hatte der Administrator um die Gestaltung einer Signatur gebeten (im Sinne eines Bildes von etwa 150×600 Pixeln, das unter seinen Forumseinträgen erscheinen sollte), und jedesmal waren Mitglieder aufgerufen, etwas beizutragen, und der Gewinner würde einen Preis erhalten. Welches die Preise für diese ersten beiden Wettbewerbe waren, weiß ich nicht mehr. Es betraf mich auch nicht so effektiv, weil beide Male kreative Arbeit am PC gefragt war, und von grafischer Gestaltung, auch wenn es nur um gut aussehendes Zusammenwürfeln bereits existierender Bildelemente ging, habe ich keine Ahnung.

Aber der dritte Wettbewerb… da waren meine Chancen viel besser. Der Administrator stelle die Aufgabe, Anime Musikvideos (AMVs) zu posten, um dann das auszuwählen, das ihm am besten gefallen würde. Man musste also kein Video selbst machen, sondern nur die besten, die man kannte, auswählen und anbieten. Das ist natürlich viel eher mein Ding. Ich habe etwa 20 AMVs gepostet und stellte damit etwa die Hälfte aller gemachten Eingaben. Ich hätte noch viel mehr Videos anbieten können, da die Zahl pro Mitglied nicht begrenzt war, aber das hätte mich die Arbeit gekostet, die ganzen Mixvideos (also solche, in denen mehr als ein oder zwei Titel vertreten sind) auseinander zu basteln, weil er nur solche Videos anerkennen wollte, deren Anime er auch zu Ende gesehen hatte – und die Titel, die er besonders mochte, hatten dann natürlich in Form eines AMV größere Chancen.

Kurzum, es gab zwei Preise und es hätte mich arg gewundert, wenn ich nicht zumindest einen bekommen hätte – der zweite Platz und Preis ist meiner! Bei dem Preis handelt es sich um die komplette Box einer Animeserie mit dem Titel „Spiral“, von der ich nie zuvor gehört hatte… aber die Beschreibung auf der offiziellen Seite hört sich zumindest nicht schlecht an. Vielleicht hätte mir der erste Preis – die Box „Ghost in the Shell – 2nd Gig“ besser efallen, aber andererseits macht es mir keine Probleme, mir dieses Produkt bei Bekannten auszuleihen.

Interessant war dabei für mich zu erfahren, dass ich den Preis für ein Video bekommen habe, dass ich nur deshalb genommen hatte, weil es sich um einen fast legendären Anime handelt, der weit oben auf seiner Liste steht, ein hervorragendes AMV, das ich nur deshalb gewählt hatte, um neben den Action- und Comedyvideos auch was ruhiges und ernsthaftes drin zu haben: Mononoke-hime – The Mummer’s Dance.

Mein Preis wird also in den kommenden Tagen über den Ozean schippern oder fliegen, und um den sentimantalen Wert zu erhöhen, habe ich den Admin gebeten, die Box zu signieren. Denn selbst wenn der Anime mir nicht gefallen sollte, wird die Box an sich doch ein schönes Souvenir sein.

11. Oktober 2007

Pannen beim Animeclub!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 21:43

Es ist ja geradezu verhext, was uns da alles passiert so kurz vorm Semesterbeginn.
Letzte Woche war der Hörsaal zu und Ranjith musste erst mal vom Wachdienst aufmachen lassen. Okay, das war noch meine Schuld, weil ich die Raumreservierung ab Oktober noch nicht eingereicht hatte. Nachdem die Tür dann offen war, gab es aber keine weiteren Probleme.

Diese Woche war der Hörsaal offen, weil ich den Antrag nachgeholt hatte – dafür funktionierte erst einmal nichts, was funktionieren sollte, mal abgesehen von der Notbeleuchtung.

19:55 – erst mal die Medientechnikerin Sandra angeschrieben. Die verweist mich an den Leitstand im Keller.
19:58 – der verspricht, sich die Sache anzusehen und bringt nach wenigen Minuten auch was zu Stande.
20:06 – Der Beamer reagiert auf Knopfdruck und unsere Serie erscheint auf der Leinwand. Allerdings ohne Sound. Also probieren wir erst mal ein paar kreative Kabel- und Steckerkombinationen aus, aber erfolglos.
20:10 – der Leitstand antwortet auf meine Anfrage hin, der Sound sei Sache der Medientechnik, damit könne er uns nicht helfen…
20:13 – noch einmal bei Sandra angerufen, ob man denn wegen den Lautsprechern nicht was machen könne. Jetzt verweist sie mich an den Wachdienst. Der solle den Vorführraum von unserem Hörsaal aufschließen und die Zeitschaltuhr aus der Anlage nehmen. Wenn der Leitstand vorübergehend den Strom abgestellt habe, sei es möglich, dass die Zeitschaltuhr nicht mehr ginge, wir sollten die Soundanlage also direkt an den Strom stöpseln.
20:18 – wir entfernen die Zeitschaltuhr, stecken die Soundanlage direkt ein und… nichts passiert. Wir hadern mit dem Schicksal. Ich lasse die wartenden Mitglieder wissen, dass wohl nichts mehr gehe, weil wir die Serie ja nicht als Stummfilm ansehen können. Trotz Untertitel geht dabei ja doch was verloren.
20:19 – die Dame vom Wachdienst meldet uns, sie habe an der Anlage den „Power“ Knopf gefunden und aktiviert. Eine Überprüfung der Mikrofonanlage verläuft positiv und lässt Gutes hoffen. Wir lassen die Leute rein, und um schneller anfangen zu können, beschließe ich, die Unkostenpauschale erst im Anschluss zu kassieren. Das war eine gute Idee.
20:20 – anders als das Mikrofon am Rednerpult hat unser DVD-Player keinen guten Kontakt zu den Boxen. Wenn wir unseren Verstärker bis zum Anschlag hochdrehen, erhalten wir eine Ausgabe, fast wie aus einem Telefonhörer, etwa so laut und etwa in dieser Qualität. Wir probieren noch einmal unsere Steckeroptionen aus.
20:25 – alles ohne Erfolg. Wir teilen also mit, dass die Veranstaltung heute ausfallen muss (nervig für Leute, die aus Konz anreisen) und kündigen an, nächste Woche bereits um 19:45 Uhr anzufangen. Für den 18. Oktober war eigentlich die dreiteilige Genshiken OVA plus ein Überraschungsspecial geplant, aber das Special muss ausfallen und durch die letzten Episoden der Serie ersetzt werden, die eigentlich heute hätten laufen sollen.

2. August 2007

Spirit of the Sun?

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 10:54

So lautet die Übersetzung des Titels

Taiyô no Mokushiroku

Nun heißt „Mokushiroku“ meines Wissens nach aber „Apokalypse“ (im biblischen Sinne oft verwendet), und wenn man sich zumindest den ersten der beiden jeweils knapp 80 Minuten langen Filme dieses Titels ansieht, versteht man auch, warum das eigentlich passender ist. Vielleicht wollten die Übersetzer die Sonne auf den Protagonisten bezogen wissen? Ich halte die Übersetzung jedenfalls für fragwürdig.

Die Sonne ist das Wahrzeichen Japans, wie dargestellt in den offiziellen japanischen Flaggen (mal mit und mal ohne Sonnenstrahlen), und in dem Film ist einiges los.

Als erstes ein Erdbeben über Stärke 8 in Kantô (wo Tokio liegt)!
Die Stadt versinkt in Schutt und Asche!
Dann rauscht ein Tsunami von unglaublicher Höhe über das Trümmerfeld!
Der Berg Fuji bricht aus, speit Lava, Felsbrocken und Asche!
(Und an seinem Hang verbleibt ein hässlicher Krater, der somit eindeutig den Iwaki bei Hirosaki zum schönsten Berg Japans macht.)
Und als ob das nicht genug wäre, verwüstet ein Erdbeben der Stärke 8,8 die Kansai Region mit Umland, vernichtet Osaka, Kyoto, Kobe und Nagoya, und öffnet eine gigantische Erdspalte, die in Folge Japan ziemlich genau in zwei Hälften spaltet, geteilt durch eine Meerenge!

Japan ist selbst nicht in der Lage, einer solchen Katastrophe Herr zu werden.
Man nimmt also Hilfsangebote der Amerikaner und Chinesen an, und um den Aufbau zu effektivieren (?) übernehmen die Chinesen den neu entstandenen Nordteil und die Amerikaner den Süden. Die beiden Staaten wollen im Gegenzug für Ihre Aufbauhilfe natürlich Zugeständnisse bei der Neugestaltung des Landes.

Japan ist also mal wieder in Nord und Süd geteilt. Es scheint sich dabei um ein historisches Erbe zu handeln, das dieses Inselvolk nicht so leicht vergisst. 1336 bis 1392 hatte es in der japanischen Geschichte auf Grund dynastischer Unstimmigkeiten eine Zeit der Nord-Süd-Trennung gegeben, die bereits in anderen Anime aufgegriffen und in moderneren Zeiten neu inszeniert worden ist (z.B. „Kumo no mukou Yakusoku no Basho“)

Der erste „Taiyô“ Film beschäftigt sich hauptsächlich mit diesem ausgedehnten Prolog, denn diese Apokalypse (anno 2002) ist nur der Hintergrund für die sich entspinnende Geschichte.
Viele Japaner sind aus ihrer Heimat geflohen und es gibt in den umliegenden Staaten offenbar Flüchtlingscamps, und das noch 15 Jahre nach der Katastrophe. Der Grund dafür entzieht sich mir noch, da dargestellt wird, dass es 2017 bereits wieder eine funktionierende Infrastruktur gibt. Die Teilung ist ebenfalls noch aktuell, und die Darstellung der Grenze und der Zollaktivitäten erinnert ein bisschen an den Kalten Krieg.

Während der Katastrophenphase hört sich die Botschaft etwas nationalistisch an – „Japan muss leben!“, so in etwa. Aber ethnische Konflikte spielen eine bessere Rolle. Japan ist nun der Bittsteller, japanische Bürger leben aus Not im Ausland, in Lagern, und sind bei der Bevölkerung nicht beliebt. Als eine Japanerin und ihr kleiner Sohn auf Taiwan ermordet werden, drohen Unruhen auszubrechen. Das „Spiel“, das die Yakuza mit Einwanderern im realen Japan mitunter treibt, verkehrt in dieser Fiktion die Rollen, wenn sich zum Beispiel die Gemüsefrau weigert, ihre Waren an Japaner zu verkaufen. Eine halbwegs rationale Begündung für solches Verhalten gibt es natürlich nicht.
Und der Held mittendrin ist ein Japaner, der im Chaos der japanischen Apokalypse von Taiwanesen (Restaurantbetreibern) gerettet und in Taiwan aufgezogen wurde…

Ich war schon drauf und dran, die Filme für den Anime Club vorzuschlagen, durfte dann aber feststellen, dass der zweite Teil nur in einer so genannten „Raw“ Fassung verfügbar ist, das heißt ohne Untertitel. Vielleicht kommen noch Untertitel. Ich halte die Filme jedenfalls für geeignet.

15. Mai 2007

Noch einer

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 17:47

Das hab ich ja fast vergessen:
„Mein“ altes Forum, Animetric, ist wieder online, und zu meiner großen Freude haben sich auch einige Leute von damals wieder eingefunden.
Die Hauptseite existierte weiter, aber das Forum war vor etwa zwei Jahren eines Tages verschwunden. Die Administratorin sagte, es hätte irgendwelche Missverständnisse mit dem Betreiber gegeben, aber sie hatte vorher bereits durchblicken lassen, dass sie wegen einer Verschiebung ihrer Interessen (zweifache Mutter!) keine Motivation mehr verspüre, weiterzumachen.
Irgendwann stand die Originalseite zum Verkauf, die ich mir natürlich nicht hätte leisten können. Vor einem halben Jahr kaufte ein Student aus Florida die Seite und eröffnete im März das Forum auf’s Neue.
Ich war im Frühjahr 2004 auf das Forum gestoßen und habe mich dort immer recht wohl gefühlt – anders als auf deutschen Seiten, in deutschen Foren, wo man es scheinbar als Hauptzweck eines Message Boards betrachtet, sich miteinander zu streiten.

20. April 2007

Die Geschichte vom Schaf und vom Wolf

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 19:12

Nein, eigentlich ist es ja kein Schaf, sondern eine Ziege, und auch dieser Begriff ist irreführend, weil der Begriff „Ziege“ ein weibliches Tier suggeriert, während man es in „Arashi no Yoru ni“ („In einer stürmischen Nacht“) nun eigentlich mit einem jungen Bock zu tun hat.

In einer stürmischen Gewitternacht treffen sich also ein junger Geißbock und ein junger Wolf in einer dunklen Scheune. Beide können sich gegenseitig nicht riechen – weil sie erkältet sind, es ist dunkel und sie haben keine Ahnung, dass der eine mit seinem natürlichen Feind und der andere mit seinem Lieblingsessen redet. Sie unterhalten sich über Gemeinsamkeiten und beschließen, sich am kommenden Mittag zu treffen. Sie machen „Arashi no Yoru“ als Kennwort aus.

Das Treffen wird kurz und schmerzlos. Das Erstaunen über den Gegenüber wird zwar durch Nahaufnahmen der Gesichter hingezogen, aber die zwei finden sich erstaunlich schnell miteinander ab und werden Freunde.

Aber natürlich leben beide in völlig verschiedenen Gesellschaften, die sich gegenseitig nicht, bzw. nur unter eng gefassten Gesichtspunkten anerkennen: Jäger hier und Beute da.
Die gesellschaftlichen Normen belasten also die ungewöhnliche Freundschaft und die zwei beschließen, gemeinsam wegzulaufen und ein Land zu suchen, wo Wölfe und Ziegen in Eintracht miteinander leben können. Die Idee, dass ein solches, „reines“ Land existiert, muss ein wiederkehrendes Muster verzweifelter Flüchtlinge sein… in „The Plague Dogs“ von Richard Adams wollen die beiden Hunde auch zu so einem Ort schwimmen: „Wenn es eine Isle of Man gibt, dann gibt es doch auch eine Isle of Dog!“

Die Geschichte neigt doch hin und wieder ein bisschen zum Schmalz und zu klassischen Drama-Elementen. Zum Beispiel, wenn der Bock sich dem Wolf Gabu auf dem verschneiten Gebirgspass als Nahrungsration anbietet. Oder wenn der Showdown des Wolfs gegen sein altes Rudel von den Naturgewalten in Form einer Schneelawine unterbrochen wird und er durch den Schock der Todesgefahr sein Gedächtnis verliert. Und wenn der Wolf dann durch die Erwähnung des alten Kennwortes zu seinem Gedächtnis zurück findet.

Der Film hat einen Preis gewonnen, ich weiß nicht, welchen. Aber welcher es auch sein mag, ich kann mir keinen Grund denken, warum ausgerechnet dieser Film einen Preis bekommen haben könnte. Das Thema „Wahre Freundschaft/Liebe überwindet alle Schwierigkeiten“ ist kein neues mehr. Und ein paar erzählerische Mängel hat die Sache schon, gerade bei Spannungskurven:

Als Gabu beschließt, seinen Ziegenfreund zu schützen, stürzt er sich wie wild auf sein anrückendes Rudel. Ein paar schöne Aufnahmen zeigen, wie sich das Aufeinandertreffen anbahnt. Aber anstatt einen klimaktischen Aufprall zu präsentieren, um die Wildheit und Entschlossenheit (und Verzweiflung) des Wolfs grafisch schön zu zeigen, halten die Beteiligten inne, knurren sich an und es bildet sich ein reichlich statischer Kreis seiner Artgenossen um den Wolf. Und als dann sein Alpha die Bühne betritt, bleibt es bei einem einzigen Angriff, der deutlich zu Ungunsten des Protagonisten ausgeht. Das hätte man besser machen können.

Und als der Gabu dann, durch Gedächtnisverlust wieder „böse“ geworden, den Bock gefangen hält, um ihn im Mondschein erst zu verspeisen, kommt das erlösende Kennwort „Arashi no Yoru“ viel zu früh, und die sich im Aufbau befindliche Spannungskurve fällt jäh ab. Stattdessen hätte man mit seinem „Total Recall“ warten sollen, bis er schon die Zähne am Hals seines Pflanzen fressenden Freundes hat. Aber nee… sehr schade.

Man darf natürlich nicht glauben, der Film sei schlecht – das ist er ganz und gar nicht, er ist sogar sehr unterhaltsam. Ich beleuchte hier nur gerade im Besonderen das, was mir aufgefallen ist. Und es gibt einen m.E. durchaus positiven, zumindest interessanten Punkt:

Der Geschlechteraspekt spielt in dieser Handlung kaum eine Rolle.
Wir haben vor dem Film wohl alle geglaubt, dass die Ziege weiblich sein würde. Wir wussten, dass dieser Charakter „Mei“ heißen würde, und zumindest ich habe noch keinen Mann getroffen, der so heißt. Aber wie gesagt, handelt es sich dabei tatsächlich um einen jungen Bock. Weibliche Charaktere spielen nur am Rande eine Rolle:

Meis Mutter wird von den Wölfen zerrissen und ihr Sohn wird von der Oma aufgezogen.
In der Ziegenherde gibt es ansonsten nur eine einzige weitere weibliche Ziege mit Sprechrolle.
Im Rudel gibt es eine Wölfin, aber die gibt nur unartikulierte Laute von sich, abgesehen von einer klitzkleinen Sequenz, in der die Mutter von Gabu zu sehen und hören ist.

Ich finde es ganz gut, dass hier Geschlechterklischees nicht zum Zuge kommen, denn die Konstellation „Schwache Frau (Ziege) wird von starkem Mann (Wolf) gerettet“ wäre so abgedroschen gewesen, dass ich den Film an dieser Stelle wahrscheinlich nicht einmal erwähnt hätte.

12. März 2007

Mobile Student (Azugundam Daiô)

Filed under: Japan,Manga/Anime,Militaria — 42317 @ 12:06

Ich habe da einen witzigen Link… allerdings sollte man dafür mindestens die ersten beiden von drei Voraussetzungen erfüllen:

1. (obligatorisch) Azumanga Daiô kennen
2. (obligatorisch) Gundam Mobile Suits kennen
3. (optional) des Japanischen mächtig sein.

Mobile Student Site

Ein paar Originale zum Vergleich:

MS-07B

MS-07B

MS-15

MS-15


RX-77

RX-77


RX-75

RX-75


DOPP

DOPP


MIDEA

MIDEA


MAX-03

MAX-03


MA-05

MA-05


RB-79

RB-79


MA-04X

MA-04X


MUSAI

MUSAI


SCV-70

SCV-70


MAN-02

MAN-02


RX-78 GP03P

RX-78 etc

2. Dezember 2006

In der Kritik

Filed under: Manga/Anime,My Life — 42317 @ 17:58

Was ist mir da am Donnerstag Abend zugeflogen? Eine anonyme Person („vermutlich eine Frau“) hat sich über den ACT (Anime Club Trier), dessen Kassenwart ich bin, beschwert. Oder eigentlich hat sich die Person weniger beschwert, als mehr eine Art „Wunsch durch Kritik“ geäußert. Und weil mir das ein wenig sauer aufgestoßen ist, muss ich das gleich hier festhalten, damit ich es bei der nächsten Gelegenheit brühwarm servieren kann… Da wäre zum ersten, wir sollten keine „halbnackten Mädchen auf unseren Postern abdrucken“. Ich bin nach der Vorstellung eine Reihe Plakate der vergangenen Jahre durchgegangen und konnte keine halbnackten Mädchen finden. Hier das aktuelle Poster:

Ist der Begriff „halbnackt“ vielleicht interpretier- oder etwa arg dehnbar? Irgendwas muss an unseren Postern dran sein, dass sie andauernd geklaut werden, aber halbnackte Mädchen können es nicht sein. Krabbi, unser Designspezialist und für die Postergestaltung verantwortlich, war wohl am meisten überrascht. Und zum zweiten: Wir sollten „die peinlichen Auftritte während der Vorbesprechungen (der Japanologie) unterlassen“. Welche peinlichen Auftritte? Ich kann mich nur an einen erinnern, und an dem war ich völlig unbeteiligt. Dafür muss jemand anders an den Pranger. (Kleiner Insiderwitz am Rande.) Nein, wirklich, ich finde an unseren Auftritten, die im vergangenen Jahr von mir vorgenommen wurden, nichts peinliches. Das sieht in etwa so aus:

Was ist daran peinlich? Vielleicht ist ja jemand der Meinung, ich würde so ’ne Art Cosplay abfahren. Mitnichten. Würde ich auf was Beklopptes wie Cosplay stehen, hätte ich mir ein 50 E Schrottmodell dieses Anzugs in einem entsprechenden Laden gekauft, anstatt 400 E beim Schneider des Itô Yôkadô Kaufhauses hinzublättern. Ich trage das, weil’s mir in der Tat gefällt, und nicht, weil ich Dark Kamui oder Mechazawa darstellen wollte (denen ich in keiner Weise ähnlich sehe). Obwohl der Gedanke daran verlockend sein muss, weil ja angeblich nur Hirnamputierte auf Anime stehen. Ich habe bislang noch keinen aus dem Japo-Verein nach seinem Äußeren beurteilt, aber so Leute gibt’s ja. Und wenn einem meine Kleidung nicht gefällt, dann soll er/sie von mir aus nach Hause gehen und am Daumen lutschen oder zur Mama weinen gehen und ich habe keine Skrupel, das vor versammelter Mannschaft zu wiederholen!

23. November 2006

Das zweite Ding der Querdenkerei

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 14:01

Von denen, die nich‘ so drauf stehen, werden japanische Animationsfilme – im Jargon kurz „Anime“ genannt – gern als Kinderkram bezeichnet und in der Ablage P abgelegt. Oder aber man hält die ganze Angelegenheit für zur Pornografie (und damit in die komplett andere Richtung) neigend. Diese Meinung ist jedem zu gönnen, auch wenn sie nicht richtig ist, und (aber) das aus anderen Gründen, wie populär angenommen.
Darum soll’s mir aber gar nicht gehen. 🙂

Trifft der Anime-Unwillige mit seiner Meinung auf einen diskutierfreudigen Anime-Fan, hört man von letzterem oft eine Aufzählung der vielen Genres, die von Anime abgedeckt werden, Genres so zahlreich wie im Live-Action Bereich (= Filme, Serien, etc. mit Schauspielern), so dass für jeden Geschmack etwas zu finden sei, nicht nur für Kinder oder eben für die Freunde der eher animalischen Unterhaltungsmöglichkeiten.
Und zuletzt wird ein Argument besonders gerne angeführt:
Anime sei in Japan eine völlig akzeptierte Form der Unterhaltung, auf die niemand herablassend herabblicke, mal abgesehen von ein paar wenigen Extremfans, die man (herablassend) „Otakus“ nennt, weil sie sich mit nichts anderem mehr beschäftigen und keinen Kontakt zur Realität mehr haben. Aber ansonsten sei Anime und das Drumherum in Japan so normal, dass sich niemand was dabei denke, wenn der Kollege sagt, er könne heute nicht mit in die Kneipe, weil er keine Episode der neuesten Gundam-Staffel verpassen wolle (nur, um ein Beispiel zu nennen).

Mit diesem Wissen im Hinterkpf ging ich nach Japan und erlebte den nachhaltigsten Kulturschock, den jemand wie ich sich vorstellen konnte.
Man lernt japanische Studenten kennen, zwangloses Gespräch:
„Was für Musik hörst Du so?“
Ich nannte ein paar Bands von hier und da, was so etwa auf „Von Bach bis Cannibal Corpse ist alles drin“ hinauslief, und als ich speziell nach japanischer Musik gefragt wurde, fiel mir als erstes – wer könnte es anders sein – Hayashibara Megumi ein.

Jeder wahre Animefan dieses Planeten kennt sie. Sie ist (innerhalb der genannten Zielgruppe) ein internationaler Superstar der Sprechkunst, sie hat einer langen Liste beliebtester Charaktere ihre Stimme geliehen und zu den entsprechenden Filmen und Serien auch noch viele, viele Soundtracks und Imagesongs geliefert, ganz zu schweigen von der Anime-unabhängigen Handvoll Platten, die sie rausgebracht hat. Man konnte in Japan nicht an ihr vorbeikommen. Dachte ich jedenfalls.

Dem entgegen sah mich mein Gegenüber verwirrt an und fragte: „Äh, wer ist das?“
Ich war platt wie ein Blatt Papier auf dem Fußboden des Flohmarktes einer Anime Convention. Ich erklärte mich also, dass es sich um eine Sängerin und um eine Seiyû (Synchronsprecherin) handele, die im Animebereich tätig sei. Das ratlose Gesicht meines Gegenübers wechselte von Verwirrung zu belustigtem Erstaunen:
„Eine Synchronsprecherin? Meinst Du das ernst?“
Aus allen Wolken gefallen fiel mir nicht mehr viel zum Thema ein und wir wechselten bald. Er hatte wohl mehr mit Antworten wie Morning Musume, SMAP oder TOKIO gerechnet, wäre vielleicht noch angenehm überrascht gewesen, hätte ich Orange Range, The Boom oder Dreams come true genannt…

Zur zumindest oberflächlichen Überprüfung der Umstände habe ich auch später noch mit anderen Leuten das Thema angeschnitten und bekam immer ganz ähnliche, meist auffallend diplomatische, Antworten. Ich stelle also fest: Ich will den Leuten, mit denen ich mein Interesse an Anime teile, ungern in den Rücken fallen, aber das Argument, Anime sei in Japan ein anerkanntes und gleichberechtigtes Medium, ist unhaltbar und hinfällig. Ich habe sogar den Verdacht, dass der durchschnittliche Animefan – oder auch Leser von Manga (japanischen Comics) – weitaus tiefer in der japanischen öffentlichen Meinung steht, als dies bei dem durchschnittlichen Leser von Donald Duck Taschenbüchern im Westen der Fall ist.

Die allgemeine Meinung zum Thema scheint mir hier wie dort gleich zu sein, mit Abweichungen in Details vielleicht. Ja, Anime läuft in Japan im Vorabendprogramm im so genannten Free-TV, sagt der Fan (wenn er genug Ahnung hat) – aber das ist kein Argument mehr, weil: ist auch bei uns der Fall. Ich habe die Entwicklung wohl ein bisschen aus den Augen verloren, aber ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren DragonBall um 19:30 Uhr gelaufen ist.

Der kleine (?) Detailunterschied: Die Vorabendserien in Japan sind das Hauptprogramm (in Bezug auf Anime), während das Hauptprogramm in Deutschland am Nachmittag zu finden ist und Vorabend-Anime hierzulande scheinbar Ausnahmefälle sind. Bei DragonBall muss es an den ständigen Prügeleien gelegen haben. Die Darstellung von SonGokus nacktem Hintern kann es nicht gewesen sein, weil ich mich nicht erinnern kann, dass man wegen solcher Dinge Wicki oder Ronja Räubertochter zu späterer Stunde gezeigt hätte.
Anders ist auch, dass das Äquivalent der deutschen Öffentlich-Rechtlichen Sender in Japan eben Anime im Vorabendprogramm haben und man nach Mitternacht immer wieder mal Serien im Programm findet, die nicht ganz jugendfrei sind (echt animalisches Material gibt’s allerdings nur im Pay-TV), während derlei Dinge in Deutschland die Angelegenheit der Privatfernsehens zu sein scheinen (mit der Einschränkung, dass besorgte Animefans vor Jahren die Übertragung nicht jugendfreier Serien unter Klageandrohung abgewendet haben, um dem eh fragilen Image des Anime nicht noch Schaden zukommen zu lassen, worauf nur eher comedylastige Episoden einer Anime-Erotikserie gezeigt wurden).