Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

11. April 2010

Brutalität im alternativhistorischen Paralleluniversum

Filed under: Filme,Militaria — 42317 @ 19:02

Es wurde mir mehrfach empfohlen, also nutzte ich eine Gelegenheit und sah mir „Inglorious Basterds“ an, in dem Brad Pitt den Zuschauermagneten macht, während Til Schweiger eine nette Ergänzung darstellt, und Christoph Waltz (zu Recht) den einzigen der vielen nominierten Oscars für die beste Nebenrolle abstaubte.

Will man sich kurz fassen, lässt man am besten gleich alles weg, was man unter dem hässlichen Wort „Geschichtsfälschung“ abhandeln kann. Tarantino sagte schließlich selbst an einer Stelle über diesen Film, es sei kein Film über Geschichte, sondern über Rache. Nun, meines Erachtens handelt es sich auch nicht um einen Film über Rache – viel mehr geht es um Leute, die gern andere Leute terrorisieren und töten, und dafür – sofern es um die Gruppe der Basterds geht – „Rache“ als Vorwand verwenden. Die deutschen Charaktere in ihren SS-Uniformen haben im Gegenzug herrenmenschlich-überhebliche Gründe für ihr Tun. Aber eine Gegenüberstellung der beiden Parteien, allesamt Unmenschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ist dennoch in einem bestimmten Punkt interessant.

Die deutschen Figuren der unteren Hälfte der Hierarchie sind durchgängig anmaßend, überheblich, arrogant, schlicht böse, aber auch intelligent und sprachgewandt. Der SS-Mann Zollner spricht zumindest fließend Französisch, der Standartenführer Landa spricht Französisch, Englisch, und Italienisch, und das ohne einen für mich wahrnehmbaren Akzent. Auch andere deutsche Figuren beweisen sprachliche Kompetenz etwa bei der Erkennung kaum auffälliger Akzente, so wie bei dem betrunkenen „Feldwebel“ Wilhelm (der eigentlich „Oberscharführer“ genannt werden müsste), der ebenfalls, wenn auch mit Akzent, in der Lage ist, sich auf Englisch zu verständigen.

Die gebürtigen Amerikaner dagegen sind gerade mal in der Lage, sich in ihrer Heimatsprache zu verständigen, sie weisen dabei starke dialektale Einfärbungen auf und brauchen als Dolmetscher eingebürgerte deutsche Muttersprachler.
Eine eigene Gruppe wiederum ist die dargestellte deutsche Führungsschicht – auch die reden ausschließlich ihre Muttersprache, und wirken dadurch zusätzlich ignorant, ganz klar zu sehen am Beispiel von Joseph Goebbels.

Aber dabei muss man eines ganz deutlich hervorheben: Wenn man individuelle Leistungen ganz ausklammert, dann ist es die kompromisslose Mehrsprachigkeit, die diesen Film auszeichnet und positiv von den meisten Filmen abhebt. Die Amerikaner reden amerikanisches Englisch, die Briten reden britisches Englisch, die Deutschen reden Deutsch, und die Franzosen reden Französisch. Tarantino hat sich nicht gescheut, den ansonsten in dieser Hinsicht unwilligen Zuschauer mit Untertiteln zu konfrontieren, denn wer die drei Sprachen nicht alle beherrscht, wird sie zeitweilig brauchen.
All das geht in der deutschen Synchrofassung natürlich zum Teufel – alle nicht-deutschen Charaktere haben eine Synchronstimme erhalten. Ich muss mich fragen, wie das Filmkonzept eine totale Neuvertonung überleben kann?

Wenn man den Kinotrailer gesehen hat, könnte man auf die Idee kommen, es handele sich um einen Actionfilm. Haha, mitnichten. Natürlich gibt es Kämpfe, fliegendes Blei, spritzendes Blut, und vielerlei Brutalitäten zu sehen, aber der Film stützt sich in erster Linie auf Dialoge und Charakterdarstellung. Das ist an sich ein Qualitätsmerkmal, wenn sich die ganze Angelegenheit nicht gleichzeitig so extrem in die Länge ziehen würde: Die Kinofassung ist 154 Minuten lang, und meines Erachtens hätten es 120 Minuten dicke getan. Bei aller Liebe zum Detail: Hier wurde übertrieben und stellenweise stellt sich Langeweile ein.

Um zuletzt noch das Thema Geschichtsfälschung anzudeuten:
Es war völlig überflüssig, das von den Deutschen besetzte Frankreich als Kulisse zu wählen. Der Plot ist so platt, dass er überall funktioniert hätte, wo eine Gruppe von Leuten eine andere im großen Stil unterdrückt. Die Basterds hätten ebenso gut eine Truppe schwarzer Guerillas im Amerikanischen Sezessionskrieg sein können. Oder von mir aus auch eine Gruppe Islamisten im Gefolge der Affäre um das Gefängnis von Abu Graib.
Tarantino verwendet die Vielzahl und die „dunkle Ästhetik“, wie ich es nennen möchte, der mit dem Nationalsozialismus verbundenen Uniformen (man gewinnt den Eindruck, Frankreich sei ausschließlich von der SS besetzt) lediglich als eine Art von emotionalem Grundton für sein bluttriefendes Spektakel, das durch Christoph Waltz gerade noch so vor der Hirnlosigkeit gerettet wird (abgesehen davon, dass zackige Nazis durch die Faszination des Bösen mehr Leute ins Kino locken, als jede andere greifbare Gruppierung von Antagonisten). Mir persönlich erscheint Inglorious Basterds so notwendig wie ein Film über einen Scharfschützen im Glockenturm.

9. April 2010

FreeOrion – eine Runde Zeitverschwendung

Filed under: Spiele — 42317 @ 23:25

Vor langer langer Zeit kaufte ich „Master of Orion 2“. Leider stammt das Spiel aus einem Zeitalter, in dem es mit der Entwicklung einer internetgestützten Multiplayeroption noch arg haperte: Da brauchte man einen Klienten für das „Total Entertainment Network“ von Microprose, und das existiert heute nur noch in Sagen und Legenden, in denen es heißt, es gebe in den USA hier und da noch ein paar Knotenpunkte. „Master of Orion 2“ lässt sich daher nur über Nullmodem zu zweit spielen, das bedeutet Rechnertransport mit allen damit verbundenen Unbequemlichkeiten und Gefahren.

Jetzt ist es wiederum ein paar wenige Jahre her, dass mir ein Freund den Hinweis gab, dass eine kostenfreie Klonversion des Spiels existiere, das den Vorteil böte, per Internet spielen zu können, und nun hatte ich endlich Gelegenheit: Was auf den ersten Blick sehr vielversprechend aussah, entpuppte sich schon sehr bald als unausgegorene Testversion, ein gerade so spielbares Skelett, dessen Weiterentwicklung scheinbar seit Jahren dahin dümpelt, wenn man die Seite der Anbieter betrachtet.
Der Download wird angeboten von Chip.de, wo sagenhafte 89 % der Downloader das Werk als gut bezeichneten – sind die alle bescheuert?

Rein optisch macht die Sache was her, mehr als das Original. Die grafische Darstellung ist sicherlich sehr gut. Mir geht es allerdings um brauchbare Spielinhalte, und nur am Rande um Grafik.
Zum Beispiel kann man nicht die Sternensysteme, sondern nur einzelne Planeten umbenennen, und mir ist völlig schleierhaft geblieben, warum ich in dem neu besiedelten System rein gar nicht bauen konnte, obwohl der Vorrat an dafür benötigten Rohstoffen vorhanden war.
Es gibt keine statistischen Informationen. Man muss Veränderungen der Resourcenangaben einfach so hinnehmen, ohne eine Erklärung dafür zu erhalten, warum zum Beispiel die Handelsbilanz auf einmal in den Keller geht. Eine Art Auflistung der Ausgaben und Einnahmen der Resourcen fehlt ebenso wie eine anschauliche Übersicht über das Imperium allgemein.
Der Zusammenhang zwischen Nahrung und Bevölkerungswachstum (oder -rückgang) wird einem nie so recht klar – wenn nicht genug zu essen da ist, verschwinden von einem Zug zum nächsten Bürger, obwohl unter der Statusanzeige für Nahrung unter Umständen mehrere Tausend Einheiten angezeigt werden. Es wäre wohl sinnvoll, die Bevölkerung erst dann verhungern zu lassen, wenn die Vorräte aufgebraucht sind!?
Wie bitte? Ich habe vielleicht vergessen, Frachter zum Transport der Nahrung bereitzustellen? Nein, die hab ich nicht vergessen, es gibt keine Frachter im Forschungs- oder Produktionsmenü.
Das Forschungsmenü ist, bei aller überwältigenden Ideenfülle und gegenseitiger Abhängigkeit verschiedener Forschungszweige, ein Buch mit sieben Siegeln: Zwar gibt es zu jedem Punkt eine tolle Erklärung, um was es sich handelt, allerdings bieten nur die wenigsten dieser Beschreibungen einen Anhaltspunkt dafür, was denn die Entwicklung dieser Technik bringt.

Überspringen wir ein paar Unstimmigkeiten (wie zum Beispiel, dass Schwarze Löcher wie Sternsysteme funktionieren und Planeten haben) und kommen gleich zum Spielziel: Derzeit besteht es aus der Vernichtung aller Gegner. Davon gibt es drei auf der Galaxiekarte, die auch immer die gleiche ist, und die Völker, die keine sich von einander unterscheidenden Merkmale aufweisen, befinden sich auch immer an der gleichen Stelle – die Spiele sind also recht vorhersehbar.
Am allertollsten: Die vom Computer „gesteuerten“ Teilnehmer tun rein gar nichts. Die sitzen in ihren Systemen und warten auf den Feind. Sie entwickeln nichts, sie bauen nichts, sie schicken keine Späher und Kolonieschiffe aus. Wenn man dann mit eigenen Schiffen in ihr Heimatsystem eindringt, wird im Hintergrund das Ergebnis ausgewürfelt und dann das Ergebnis präsentiert – der statistisch Stärkere gewinnt und verliert vielleicht ein Schiff dabei. Eine diplomatische Option gibt es nicht – alle Teilnehmer befinden sich automatisch mit allen anderen im Krieg!
Hat man alle drei Gegner besiegt, wird einem das im Rundenbericht mitgeteilt, in etwa „You achieved victory by being sole survivor“. Was nicht heißt, dass das Spiel dann endet, nein, es geht weiter, endlos. Abschalten muss man selber, wenn nichts mehr zu tun ist.
Ich empfehle, gleich im Anschluss zum deinstallieren überzugehen.