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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

29. Dezember 2007

Ausländer sind keine homogene Gruppe

Filed under: My Life — 42317 @ 18:42

Nur eine kleine Begebenheit, die ich heute in Minh’s Asialaden beobachtet habe.

Auf der Suche nach japanischer Mayonaise war ich zuerst dorthin gegangen, um den längeren Weg zu „Delicasia“ zu sparen, und an der Kasse standen zwei Kunden, die offensichtlich aus Afrika stammten, eine Nonne und ein nicht weiter auffälliger Mann.
Der hatte offenbar eine Art Scherz gemacht, die Nonne lachte und gab einen Kommentar ab, den ich noch nicht verstehen konnte, weil ich gerade erst um das Regal bog. In dem Moment fragte die (thailändische) Frau an der Kasse:
„Warum sprechen Sie Deutsch miteinander, Sie kommen doch beide aus Afrika?“
Worauf der Mann lachte und entgegnete: „Afrika ist groß. In meiner Heimat wird Englisch geredet, bei Ihr Französisch.“ Falls er es wusste, hätte er noch hinzufügen können, dass es auf dem afrikanischen Kontinent ungefähr 5000 eigenständige Sprachen gibt.

Ich erwähne das nicht wegen des humoristischen Effekts, sondern weil ich den Eindruck habe, dass durchschnittlich gebildete Leute in Deutschland oft der Meinung zu sein scheinen, dass exotische Völker, wie Ostasiaten und Afrikaner zum Beispiel, oder von mir aus auch Marokkaner und Afghanen, eine wie auch immer durch ethnische oder sprachliche Gemeinsamkeiten verbundene Gruppe seien, was natürlich nicht richtig ist.

Menschen definieren sich selbst und die soziale Einheit, zu der sie sich zugehörig fühlen, durch Abgrenzung zu anderen Individuen und Gruppen. Leider wird dabei zu oft zu pauschal vorgegangen, wie z.B. „Weiße“ gegen den „Rest der Welt“, was natürlich derart grob unterteilt ist, dass man das Wort „Kategorisierung“ eigentlich erst gar nicht in den Mund zu nehmen braucht.

Denn wäre diese bipolare Trennung Realität, dann hätte die thailändische Kassiererin natürlich sofort und/oder instinktiv gewusst, dass es keinen Sinn macht, auf den gemeinsamen Heimatkontinent (man könnte auch sagen: die gemeinsame Hautfarbe) der beiden humorbegabten Kunden zu verweisen. Sie hätte wahrscheinlich ebenfalls gelacht, wenn ich sie gefragt hätte, warum sie sich mit dem Kunden aus Vietnam auf Deutsch unterhält, anstatt auf „Südostasiatisch“ oder etwas in der Art. 🙂

Samstags warmes Mittagessen

Filed under: My Life — 42317 @ 18:20

Mit sinkenden Temperaturen bin ich in den vergangenen vier Wochen auf die Idee gekommen, samstags in der Mittagspause was Warmes in einem Imbiss zu essen. Ich musste nur einen geeigneten finden.

Dazu darf der Laden nicht zu weit vom Teppichladen entfernt sein, denn ich habe samstags nur 30 Minuten Pause, und ich will nicht hetzen. Vielversprechend wirken die vielen Dönerläden im Bereich der Trierer Innenstadt. Deutsche Würstchenbuden scheinen nicht nur weitgehend ausgestorben, ich habe auch nicht wirklich Interesse an Bratwurst.

Letzte Woche bin ich die Paulinstraße nach Norden entlang gegangen, um diese Gegend auszukundschaften. Der erste Laden auf der Strecke war scheinbar geschlossen, also ging ich nochmal wenige hundert Meter weiter und fand den „Idil Kebap“. Mangels Fantasie bestellte ich einen Döner (der dort nicht in „groß“ versus „klein“ angeboten wird, sondern nur mit oder ohne Schafskäse) und studierte währenddessen die Speisekarte, die schon ein gewisses Alter zu haben schien, da ich in der mit abgedruckten Werbung einen Laden fand, der mittlerweile nicht mehr existiert.

Als es dann ans Zahlen ging, musste ich allerdings feststellen, dass ich überhaupt kein Bargeld mehr bei mir hatte. Das war nämlich komplett für den Weihnachtsbaum draufgegangen. Ich fragte den Betreiber also, wie wir die Sache regeln sollten, und im Hinterkopf hatte ich den Plan, flugs den nächsten Bankautomaten aufzusuchen, aber er sagte: „Ist in Ordnung. Kommst nächste Mal wieder, zahlst dann.“
Ich war doch erstaunt. Nicht schlecht für einen Laden, in dem ich noch nie zuvor gewesen bin. Ich versprach also, in einer Woche wiederzukommen.

Gesagt, getan. Mit meinem Weihnachtsgeld in der Tasche ging ich heute wieder zum Idil Kebap, um meine Zeche zu zahlen, außerdem hatte ich auf der Speisekarte Joghurtsuppe und türkische Linsensuppe gesehen, die nicht uninteressant schienen.

Wir überraschten uns damit gegenseitig. Er wusste gar nichts mehr von dem Vorfall, was mich überraschte, und ich war tatsächlich gekommen, um zu zahlen, und da sah er überrascht aus. Ich fragte also nach den Suppen, aber es hieß, die Suppen würden mangels Nachfrage nicht mehr angeboten.
„Da machst Du Topf mit Suppe, eine Portion wird gegessen, Rest musst Du wegschmeißen.“
Schade drum. Ich bestellte Yufka Döner (also nicht im Brötchen, sondern im Teigfladen) und war nochmal überrascht. Das Ding war so groß wie mein Unterarm. Ich bekomme hier also für 3,50 E mehr als in der Gegend um den Bahnhof. Dann weiß ich ja, wo ich samstag mittags essen werde, wenn ich arbeite.

Die Entfernung ist auch prima. Ich kann in bequemer Geschwindigkeit hingehen, in Ruhe esen, dann noch fünf Minuten rumsitzen und mit dem Zahnstocher spielen, und anschließend ohne Eile zum Laden zurückkehren.

16. Dezember 2007

Der Abschluss dieser Arbeitswoche…

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 19:54

Ich habe seit Donnerstag jeden Tag den ganzen Tag im Teppichladen gearbeitet.
Für Samstag, gestern, hatten sich Kunden angekündigt, die einen 3×4 m großen Teppich für ihr Wohnzimmer wollten, nachdem sie vor Kurzem festgestellt haben, dass der Kasmir Seide, der bislang da lag, nur ein Kashmir Kunstseide ist. Das Material hatte seine Geschmeidigkeit und seinen Glanz eingebüßt, also sollte ein neuer Teppich her, am besten einer, der zu dem 1,50×2,00 m Sarough daneben passt, das heißt entweder ein weiterer Sarough oder ein Keshan.

Es handelte sich um anspruchsvolle Kunden mit einer Menge Kies, von daher bestand die Aufgabe darin, ab Donnerstag nicht nur alle Teppiche der entsprechenden Größe vom Stapel abzubauen und bereitzulegen, sondern auch noch die Paletten unter den Teppichen (die dem Schutz vor Wasser dienen sollen, indem sie die Teppiche 10 cm über den Boden heben) zu renovieren und die abgebauten Teppiche komplett flach in den Eingangsbereich zu legen und mit dem Staubsauger zu reinigen.

Teppiche dieser Größenordnung sind in der Regel schwer. So 30 Kilo bringen die wohl auf die Waage. Wegen der Sperrigkeit müssen sie zu zweit getragen werden, und das heißt, ständig Kniebeugen zu machen, weil man ja nicht aus dem Rücken heben soll (im Teppichgeschäft nicht weniger ungefährlich als beim Klaviertransport), aber weil so ein Teppich auch zu einem 100×70 cm Paket gefaltet in der Mitte durchhängt, kriegt der Rücken halt doch was davon mit. Weniger meine Knochen als eher meine „Rucksackmuskeln“ oberhalb des Hüftknochens, die sich immer meldeten, wenn ich mit einem 30 kg schweren Rucksack unterwegs war, bevor ich mich an die Lasten gewöhnt hatte.

Der Stapel im Eingangsbereich war am Donnerstag Abend dann 50 cm hoch, und für den kulminierten Wert hätte man ein luxuroös eingerichtetes Einfamilienhaus kaufen können.

Der Freitag ging dann komplett dafür drauf, den Stapel neu zu sortieren. Erstens mussten die rausgelegt werden, die für die Kunden in Frage kamen, zweitens befanden sich in dem Stapel Teppiche, die eigentlich nicht hinein gehörten, und drittens dürfen alte/feine Teppiche nicht so tief liegen, damit sie nicht so viel Last auf den Faltkanten haben, die können nämlich brechen. Also wurden einzelne Stücke weiter nach oben geordnet.

Samstag kamen dann die Kunden.
Und nicht nur die. Ich hatte echt das Gefühl, im Weihnachtsgeschäft gelandet zu sein. Zuerst kam ein einzelner Amerikaner, ich schätzte ihn auf Anfang bis Mitte Zwanzig, der ein Geschenk für seine Schwester suchte und einen 120×100 cm Kelim für 300 E mitnahm. Das war der wohl jüngste Kunde, den ich in dem Laden je gesehen habe.

Die Hauptkunden kamen dann um 1415 Uhr und ließen sich acht oder neun Teppiche zeigen, von denen sie dann fünf aussortierten. und das war eine Angelegenheit von über einer Stunde. Wenn man zum Juwelier geht, um einen Ring zu kaufen, steckt man sich verschiedene an den Finger, um zu sehen, wie’s aussieht, dann kann man den einen wieder runternehmen und einen anderen aufstecken, dann einen weiteren, dann wieder zum ersten zurückkehren, und es wird keine fünf Minuten dauern, sofern man das Beratungsgespräch ausklammert.
Mit Teppichen dieser Größenordnung ist das ein bisschen anders. Ich war schon heilfroh, dass wir die in Frage kommenden Stücke bereitgelegt hatten, dennoch mussten sie nach vorne getragen und aufgelegt werden, dann wieder entfernt und durch den nächsten ersetzt werden, das alles mehrfach hin und wieder zurück in verschiedenen Reihenfolgen.

Mittendrin kamen noch andere Kunden. Weniger betuchte, aber auch diese hatten sich immerhin ein Limit im mittleren vierstelligen Bereich gesetzt. Und die wollten einen ebenfalls speziellen Stapel sehen. Im oberen Stockwerk befindet der sich, und in ihm findet man Teppiche, die breiter sind als Läufer, aber ebenso lang, also von vier Metern an aufwärts bis acht Meter Länge bei einer Breite von maximal 150 cm, und das alles im alten (ab 75 Jahre) bis antiken (150 Jahre+) Bereich. Die Teppiche sind leichter als die 3×4, aber wegen der Länge und des Alters muss man vorsichtig mit ihnen umgehen, das erfordert ebenfalls zwei Leute, die vorführen, aber Halina und ich können uns ja nicht verdoppeln.

Aber die Vorführung unten kam schon bald zu ihrem Ende. Das Ehepaar hatte vier Teppiche ausgesucht, die wir dann vor Ort, in der Wohnung, auslegen sollten, um ein endgültiges Urteil zu finden. Ich hatte ein bisschen gehofft, dass wir das noch am Samstag Abend machen könnten, aber es sollte nicht sein. Die Kunden wollten die Vorlage am Sonntag Morgen um 11 Uhr.

Im oberen Stockwerk ging es dann ohne Verschnaufpause weiter, aber es ging auch flotter, als ich dachte, aber dann hatten wir gerade noch Zeit, den Bus mit den Teppichen für die Vorlage zu beladen. Der hintere Bereich des Ladens sieht wegen des Stapeldurchsuchens immer noch aus wie nach dem Besuch des Kammerjägers, aber aus verschiedenen Gründen muss das Aufräumen bis Mittwoch warten.

Die Vorlage sollte an einer Adresse stattfinden, die in Reichweite eines Spaziergangs von meiner Haustür entfernt liegt, also würde ich nicht erst in die Stadt fahren müssen.
Um 1120 Uhr beim Kunden ging der Spaß dann los – und der fing damit an, dass Halina auf Wunsch der Chefin aus Zeitgründen den nicht benötigten Schlüssel vom PKW nicht in den Schlüsselkasten zuhause, sondern ins Handschuhfach des Transporters getan hatte.
Als nächstes hatte ich den Schlüssel des Transporters in die Jackentasche gesteckt, anstatt wie üblich in die Hosentasche, weil die Jacke darüber hinaus lang ist.
Nachdem alle Teppiche im Hausflur des Kunden waren, war mir klar, dass die Arbeit anstrengend werden würde, und außerdem, dass jener Kunde eine sommerliche Temperatur an seiner Heizung eingestellt hatte, also zog ich die Jacke aus, legte sie in den Bus und machte die Tür zu.

Grande Catastrophe. Beide zentralen Schlüssel für beide Fahrzeuge, Wohnung und Laden waren damit im Bus eingesperrt. Man musste also das Fahrzeug wieder aufbekommen. Ein Ersatzschlüssel befand sich in einer Metallkassette im Laden. Ein Ersatzschlüssel für den schwer gesicherten Laden befand sich in der Wohnung. Ein Ersatzschlüssel für die Wohnung und ein Ersatzschlüssel für den PKW befand sich bei Halinas Schwester Eli.

Der Kunde erklärte sich also bereit, uns mit seinem PKW in die Paulinstraße zu fahren, wo Eli in einem Hotel arbeitet. Mit ihrem Schlüssel war sichergestellt, dass wir einen fahrbaren Untersatz hatten, und dass wir in die Wohnung kamen, wo der Ersatzschlüssel für Laden und Alarmanlage im Schlüsselkasten hing. Im Laden wurde schnell die Metallkassette geborgen, in der der Ersatzschlüssel für den Bus war. Allerdings befand sich der Schlüssel für die Metallkassette an einem der Schlüsselbunde, die in eben jenem Bus eingeschlossen waren. Also packten wir uns eine Beißzange und zerstörten damit die Halterung des Splints, der die Metallkassette an ihrem Scharnier zusammenhielt. Da musste offenbar nichts Teures geknackt werden.

Eine Untersuchung des geborgenen Schlüssels zeigte aber, dass er leicht verbogen war, auf Grund eines Sturzes vor Jahren. Also spannten wir den Schlüssel in den Schraubstock und bogen ihn so grade, wie es möglich war. Ganz wie neu wurde er nicht, also mussten wir darauf hoffen, dass wir den Bus damit aufbekommen würden. Ein Schlüsselnotdienst am Sonntag ist bestimmt nicht billig.

Aber der Schlüssel tat seine Arbeit und die beiden Schlüsselbunde konnten befreit werden. Die Vorführung konnte weitergehen.

Die Teppiche hatten eine Preisreichweite von 17.000 bis 50.000 Euro. Und wir, also Halina und ich, waren zweieinhalbe Stunden damit beschäftigt, die Teppiche auszulegen, die Möbel draufzustellen, wieder runterzunehmen, den Teppich einzufalten, den nächsten auszulegen, die Möbel wieder zu postieren, usw., in wechselnder Reihenfolge, vor und zurück. Da ist mir doch ordentlich warm bei geworden, und gleichzeitig musste ich den Kunden ständig daran hindern, die Arbeit zu machen, für die ich bezahlt werde. Es bringt mir böse Blicke vom „Management“, wenn ich dem Kunden seinen Willen und damit Arbeit überlasse.

Um 1400 Uhr war die Entscheidung gefallen und 27.000 E verblieben auf dem Parkettboden. Den Kashmir brachten wir nach oben und legten ihn in einem Arbeitszimmer aus.

Ich hätte es natürlich gerne gesehen, wenn wir ein lächerliches Prozent des Kaufpreises als Trinkgeld bekommen hätten, aber nach getaner Arbeit bekam jeder von uns einen Zehner. Ich will mich nicht beschweren, es ist besser als nichts, aber ein bisschen schwach kommt’s mir doch vor, beachtet man das finanzielle Potential, das in dem Haus offensichtlich war.

Ich spüre die Arbeitstage ganz deutlich am Leib und bin froh, dass diese Woche vorbei ist.
Jetzt gibt’s am Dienstag noch 40 E für ein Experiment, das mich wieder einige Brusthaare kosten wird (11 Elektroden hat man mir angekündigt) und Aufräumen im Teppichladen ist für Mittwoch festgelegt.

15. Dezember 2007

Es war schön, wie’s war

Filed under: My Life — 42317 @ 18:42

Meine jährliche Silvesterfeier war bereits eine kleine Tradition. Alljährlich würde ich meine alten Freunde einladen, um bei mir zuhause im Gau zu feiern. Es gab immer ein dolles Essen, meist war auch der Wein gut, die Gespräche waren unterhaltsam, wenn es auch immer um die gleichen Themen ging, irgendwie, aber wenn man sich nur einmal im Jahr so zusammenfindet, dann sollte das erlaubt sein.

Aber damit ist Schluss. Es waren tolle „Events“, ich habe sie immer genossen, die alten Sprüche, die niveaulosen Witze, die bekloppten Diskussionen… aber mangels Interesse meiner alten Freunde ist es mit diesem Brauchtum nach zehn Jahren und sieben Partys nun aus.

Das heißt, das Interesse ist noch immer da, aber im Laufe der Zeit haben sich Verschiebungen im sozialen Umfeld eingestellt, die die Entscheidungsfindung der Betroffenen nachhaltig verändert haben und weiterhin beeinflussen.
Einfacher ausgedrückt: Meine Party ist zur Ersatzveranstaltung für Leute ohne feste Freundin geworden.

Wenn ich böse (und dumm) wäre, würde ich behaupten, dass die Frauen und Freundinnen unsere alte Gemeinschaft zerstört hätten. Aber das wäre ungerecht. Denn die haben ja nicht die Absicht, irgendjemandes Brauchtum über den Haufen zu werfen, und ich kann meinen Freunden ja nicht vorwerfen, dass sie Silvester lieber mit Frau oder Freundin verbringen.

Es ist für die Damen auch recht schwierig, sich an einem solchen Abend nicht zu langweilen. Da sitzen dann sechs oder sieben Jungs (ähem, aktuell um die 30 Jahre alt) um den Tisch, die sich (mittlerweile) seit 19 oder mehr Jahren kennen, die zusammen zur Schule gegangen sind. Das ist ein Punkt, der Gespräche erzeugt, die für die weiblichen Neueinsteiger kaum zur Unterhaltung geeignet sind. Und dann wäre da noch der hohe Anteil von ehemaligen Wehrdienstleistenden. Bei den Erinnerungen an den StUffz Goldhorn und was er mit Wasserdesinfektionspillen zu tun hat schläft Dir jede Frau ein. Deshalb wäre es unfair, jemandem etwas nachzutragen, ganz zu schweigen davon, dass diejenigen, die zu treffen ich bereits die Freude hatte, mir auch sehr sympathisch waren und sind.

In den besten Zeiten war ein Dutzend Leute in dem Kellerraum anwesend. Dieses Jahr habe ich drei Zusagen erhalten. Und nachdem im vergangenen Jahr nur einer gekommen ist, habe ich vor etwa 50 Wochen gesagt: „Wenn die nächste Feier auch mangels Leuten ausfällt, wird es die letzte gewesen sein.“ Und das war kein resignierter, leichtfertiger Seufzer, das habe ich durchaus ernst gemeint. Es lohnt sich ganz einfach nicht mehr, dafür stundenlang im Zug zu sitzen, das Essen zu kaufen und zuzubereiten, den Keller sauber zu machen und im Anschluss bis um 0400 alles aufzuräumen. Nicht für vier Leute.

Also auch wenn meine drei letzten Zusager noch darauf bestehen, irgendwas zusammen zu unternehmen, wird 2007 das letzte Jahr in der bisherigen Reihe der Gersheimer Silvesterpartys gewesen sein. Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Das ist normal, also akzeptieren wir es am besten.
Aber ich bin ein Mensch mit einer sentimentalen Ader… ich spüre eine deutliche Melancholie und ein Gefühl von Trauer.

Also Augen geradeaus, sehen wir nach vorn. Meine eigene Freundin jedenfalls freut sich darüber, dass ich Silvester mit ihr verbringe (und anderen Freunden, die wir in Trier kennen), und das ist viel wert. In der Regel sind wir in den Jahren unseres Zusammenlebens zu Weihnachten und zu Silvester getrennte Wege gegangen. Zu Weihnachten wird das auch vorerst so bleiben, denn wir sind beide Scheidungskinder, wir haben also jeder zwei Parteien, die besucht werden wollen, da hat jeder von uns die Weihnachtsfeiertage über genug zu tun.

Mit Silvester lag die Sache halt ein bisschen anders, und das hing mit meiner sentimentalen Natur zusammen. Es ist wohl etwa 15 Jahre her, dass in meinem Umfeld die ersten Freundinnen auftauchten. Die wollten natürlich Aufmerksamkeit, und so verschwanden die ersten meiner Bekannten aus gemeinsamen Planungen (und da ging’s meist um Rollenspielnachmittage). „Nein, ich kann nicht kommen, meine Freundin will was anderes machen.“ Und ich war davon nicht begeistert. Ich kam mir doch ein bisschen verlassen vor. Also sagte ich mir, dass ich meine Freundin nicht sakrosankt über meine Freunde stellen würde.

Das wurde nach Ende der Schulzeit erst richtig bedeutend, weil wir plötzlich alle woanders wohnten. Meine Freundin würde mich jeden Tag in ihrer Nähe haben, aber die alten Freunde sah ich nur noch ein oder zweimal im Jahr, da würde ich mir diese Gelegenheiten nicht auch noch nehmen lassen, nur weil meine Freundin das (aus ihrer Sicht nicht ungerechtfertigt) langweilig fand. Daher führte ich die Trennung an Silvester ein. Ich feierte mit den Freunden im Gau, Melanie mit ihren Freunden in Trier. Es hat ihr vielleicht nicht gefallen, aber wir leben beide noch.

Aber nicht jeder findet diese Einstellung positiv. Und deswegen ist Silvester in den vergangenen zwei Jahren radikal eingeschrumpft. Ich kann es mit meinem Gewissen und mit meinen Gefühlen vereinbaren, getrennt zu feiern, aber andere können das nicht, und das ist in Ordnung, schließlich freut es mich ja auch, wenn meine Freunde glückliche Beziehungen haben.

In diesem Sinne sage ich dieser Ära lebewohl.
Es war schön, wie’s war, aber jetzt suche ich was anderes.

9. Dezember 2007

Die Legende vom Amokwetter

Filed under: Zeitgeschehen — 42317 @ 20:02

National Geographic über Hurricanes

Ebenso wiederkehrend wie verregnete Sommer und zu warme Winter – so lange man nicht in Dimensionen eines menschlichen Lebens denkt.

8. Dezember 2007

Uncooles Essen

Filed under: My Life — 42317 @ 14:23

Auf der Suche nach einer Steckdose für den Reiskocher hat meine Freundin einen Stecker aus dem Dreier ziehen müssen. Und zog den Gefrierschrank. Vor drei Tagen.

Gestern also fanden wir heraus, dass unser langfristig gelagertes Essen unerwartet uncool in der Truhe rumlag, also muss das Zeug gegessen werden, bevor es schlecht wird. Es war nicht mehr allzu viel, aber die etwa 15 Schnitzel und vier Würstchen wären wahrscheinlich weggefault, hätten wir sie nicht gestern Abend im Verbund mit drei Freunden verspachtelt. Das heißt, ICH habe sie im Verbund mit drei Freunden verspachtelt, weil Melanies Zeitplan nicht zuließ, sich daran zu beteiligen. Tischgrillen ist eine unterhaltsame Angelegenheit.

Man kann der Sache also was Gutes abgewinnen. Aber dann will ich auch mal sehen, wie effektiv und schnell der Rest des Essens, der in den Kühlschrank umgesiedelt wurde, gegessen werden kann und wie eintönig es möglicherweise wird. Ich glaube, von dem Chili könnten wir uns zweimal satt essen. Aber das bleibt abzuwarten, außerdem ist es mir ziemlich gleichgültig, ob ich zwei Tage lang Chili essen muss.

2. Dezember 2007

Der Kühlschrank war’s

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 21:10

Nein, nicht mein eigener Kühlschrank, ausnahmsweise.
Aber wir haben im Bürobereich der Teppichgalerie einen stehen, um besonderen Kunden ein gekühltes Getränk anbieten zu können. Natürlich könnten wir allen Kunden eine kalte Limo anbieten, aber ich sage deswegen „besondere Kunden“, weil 90 % des Inhalts dieses Kühlschranks aus handverlesenen, hochprozentigen Alkoholika bestehen, und das bietet man nicht jedem an. Normale Kunden kriegen Wasser oder Kaffee.

Aber es geht ja nun um den Kühlschrank und nicht um seinen Inhalt.
Anfang des Jahres war ich mit Aufräumen dort beschäftigt, wie schon das Jahr zuvor, und stellte fest, dass das Eisfach zu einem kopfgroßen Eisklotz mutiert war, und sich damit im Vergleich zum Vorjahr noch weiter ausgedehnt hatte. Ich wiederholte meinen Vorschlag, den Kühlschrank abzutauen, da das Gerät auf diese Art und Weise nur unglaubliche Mengen Strom fresse, und diesmal wurde auch gehandelt und das alte Ding gleich durch ein neues mit Umweltzertifikat ersetzt.
Und weil wir schon dabei waren, schraubten wir die Beleuchtung der Innenräume um 60 % zurück, ließen nur Lampen an gut sichtbaren Objekten brennen, und tauschten die Leuchtmittel im Schaufenster gegen Energiesparlampen aus.

Die Monate gingen also ins Land und vergangene Woche bekam die Galerie ihre Stromrechnung. Ich hatte nur eine Bemerkung darüber gemacht, dass ich dieses Jahr mal nicht an Heiligabend arbeiten müsse, weil es sich um einen Montag handeln würde (während die letzten beiden Heiligen Abende einmal ein Mittwoch und einmal ein Samstag gewesen sind).

„Ich freue mich, wenn Heiligabend mal ein Dienstag ist, dann mache ich die ganze Woche zu. Ich war seit Jahren nicht mehr im Winterurlaub, und dieses Jahr könnte ich mir sogar einen leisten – ich habe 800 Euro Rückzahlung von den Stadtwerken erhalten!“

Für ihre Privatwohnung habe sie zwar 200 Euro draufgezahlt, aber das Geschäft habe durch die Ersetzung von Lampen und vor allem wohl des Kühlschranks ein dickes Plus gemacht.

Jetzt schiele ich so ein bisschen zu meinem Eisschrank vor der Küche hinüber und hoffe, dass dessen Erneuerung Anfang Sommer mir auch mal eine Rückzahlung bringt, egal wie klein, Hauptsache, wir müssen nicht mehr 300 E drauflegen!