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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

16. September 2007

Erfahrungen, die man gemacht haben muss…

Filed under: My Life — 42317 @ 21:13

… auf die man allerdings gerne verzichten kann.

Um etwa 1630 hatte ich heute am Busbahnhof eine unangenehme Begegnung mit einem aggressiven Mitbürger scheinbar russischer Ethnizität. Der machte schon von sich hören, bevor man ihn sah, denn ich habe zwei Autos von Richtung Bahnbrücke hupen hören, bevor ich ihn über die Straße wanken sah. Zu meinem Bedauern genau auf Melanie und mich zu.

Dann blieb er exakt vor mir stehen, etwa so nah wie für ein sehr vertrauliches Gespräch und fragte mich dann mit lallender Stimme, ob ich Deutscher sei, was ich bejahte, worauf er mir zwei relativ lockere Schläge in den Bauch verpasste (relativ zu meinem Befinden). Ich sah keinen Grund, mich darüber groß aufzuregen, Leute, die betrunken oder anderweitig berauscht sind, machen halt Scheiß und Schmerzen hatte er mir ja keine bereitet. Ich sagte ihm also in einem versöhnlichen Ton, dass er doch nach Hause gehen und schlafen solle.

Ich weiß nicht mehr, was er dann genau sagte, ich erinnere mich noch an „Ich soll nach Hause gehen?“ Auf eine weitere Misshandlung meiner Bauchdecke gefasst, hatte ich dann bei seiner folgenden Bewegung die Deckung an der falschen Stelle und er verpasste mir mit voller Wucht einen Schlag auf den Unterkiefer. Möglicherweise war es auch keine volle Wucht oder ich bin einfach nur stabil, jedenfalls brachte mich das nicht aus dem Gleichgewicht. Dann erging er sich in allen möglichen Beleidigungen. Ich schickte Melanie weg und gab ihr mein Telefon, damit sie die Polizei ruft. Es war offensichtlich, dass er nicht einfach nur jemandem auf’s Maul hauen wollte, er wollte sich voll und ganz prügeln.
Da hatte ich aber ganz und gar keine Böcke drauf und hielt ihn auf Distanz, indem ich ihm einen Faustschlag am Hals verpasste, musste aber vorher noch einen weiteren Schwinger einstecken, der meine Brille auf den Boden beförderte. Ich brauche sie auf diese Distanz nicht und sie ist unbeschädigt geblieben – anders als meine Armbanduhr, die scheinbar beim Blocken eines Schlages wieder mal ihren Haltestift eingebüßt hat.
Wirklich schade, dass ich bei der Gelegenheit nicht seinen Kehlkopf getroffen habe.

Nebenher verbrüderte er sich scheinbar mit einer Gruppe Jugendlicher ebenfalls ausländischer Herkunft, indem er ihnen zurief, ich wolle „Hitler wieder haben“. Die Jugendlichen hielten sich zwar physisch raus, hatten aber scheinbar ihren Spaß an der Einlage. „Hey, ’ne DragonBall Runde!“ sagte einer aus dem Hintergrund. Ein Schwarzer in einem weißen Hemd redete jedoch auf ihn ein, sich zu beruhigen und den Scheiß zu lassen, dass sollte man anerkennen. Geradezu belustigt sah ich dann mit an, wie er auch zweien der Jugendlichen Schläge verpasste, wenn auch keine festen, wohl aber fest genug, um sich deren Sympathien zu verscherzen.

Nach zwei oder drei äußerst kurzen Minuten war die Polizei dann da und kassierte den sich wild wehrenden Trottel ein. Melanie, ein paar Bystander und ich machten kurze Aussagen, ein Busfahrer bot sich als Zeuge an und gab mir eine Notiz mit seinem Namen, da er losfahren musste, und schließlich wurden von meinem kleinen Lippenschaschlik noch Fotos gemacht. Die Polizisten rieten mir, ins Krankenhaus zu gehen und mich für die Beweisaufnahme ärztlich untersuchen zu lassen. Sandra war so nett, mich ins Brüderkrankenhaus zu fahren, wo ich nach einer Wartezeit von etwa 15 Minuten zwei Minuten lang untersucht wurde: Meine Unterlippe ist geplatzt, mein Kinn geprellt und die Sehnen meines Unterkiefers künden von der Verformung, die sie erfahren haben. Aber nichts ernstes. In den kommenden Tagen soll ich Post von der Polizeidienststelle erhalten, in der man mich zur offiziellen Aussage vorladen wird (und Melanie ebenso). Dann gibt’s Anklagen wegen Körperverletzung und Beleidigung (und Widerstand gegen die Festnahme).

Mein alter Freund Kai wird mir wohl die gleiche Frage stellen, wie der Busfahrer:
„Warum hast Du den nicht umgehauen?“
Ich werde wohl bei der Antwort bleiben: „Ist nicht mein Ding.“
Wie soll ich das erklären? Auch ein Schlag ins Gesicht hat nicht ausgereicht, um mich in einen Zustand zu versetzen, in dem ich jemanden „umhauen“ möchte. Vielleicht wäre das anders gelaufen, wenn seine Provokationen in Form von Beleidigung Melanies körperlich geworden wäre, ich kann es nicht sagen.
Ich habe die Schmerzen auch erst nachher gespürt, obwohl ich mehrere kleine Ladungen Blut auf den Boden gespuckt habe, und es bleibt festzustellen, dass ich die ganze Zeit über einen ruhigen und klaren Kopf bewahrt habe. Ich habe dabei keine Angst verspürt, nur die gesteigerte Wahrnehmung durch das Adrenalin (und dass angespannte Gefühl, das es mit sich bringt).

Mir scheint, es ist wirklich schwer, mich zu provozieren. Das ist einerseits ganz gut, andererseits kann es mich in solchen Situationen eben doch etwas Blut kosten. Ich hoffe allerdings, dass dies das letzte Mal gewesen ist, dass ich sowas erleben musste.

Zum Zehnjährigen…

Filed under: My Life — 42317 @ 20:25

Am vergangenen Samstag war ich zu Gast auf dem Klassentreffen zum Anlass unseres zehnjährigen Abiturbestehens. „Klassentreffen“ trifft die Sache ganz gut, denn mehr als 20 Leute waren leider nicht da. Manche waren ernsthaft beschäftigt, andere in Urlaub, und wieder andere sind trotz Einladung auch aus allernächster Nähe nicht erschienen. Sehr schade eigentlich, da ich ein paar Leute, die eben nicht erschienen sind, doch gerne wieder einmal gesehen und gesprochen hätte.

Aber dennoch bin ich sehr glücklich (das ist das richtige Wort) darüber, dabei gewesen zu sein. Denn erstens bin ich selbst ein anderer Mensch als vor 10 Jahren noch, und zweitens sind auch die Klassenkameraden von einst andere Menschen geworden (zumindest die meisten und die, auf die’s mir ankam). Ich würde die Atmosphäre in dem Sportheim als ausgelassen und herzlich bezeichnen, und ich wünsche mir, ich hätte mich mit allen Leuten vor 15 Jahren so gut verstanden wie an diesem Samstag Abend.

Da fanden sich Verheiratete und Geschiedene, Eltern und Singles, Leute mit Job, Leute mit Ausbildung und Leute mit Studium, Ausgewanderte und daheim verwurzelte. Interessanterweise habe ich keine Arbeitslosen getroffen.

Ein paar Beispiele:
Katja und Kerstin habe ich nicht auf Anhieb wiedererkannt, die mussten mir sagen, wer sie sind, und das, obwohl ich mit Katja bereits die Grundschule besucht habe. Dabei muss ich im Nachhinein feststellen, dass Katja ihrer Mutter recht ähnlich geworden ist, sofern es das Gesicht betrifft.
Isabelle ist verheiratet, hat aber scheinbar noch keinen Nachwuchs (ich habe auch nicht direkt danach gefragt) und hat sich in Sachen Persönlichkeit kaum verändert (nur ihre Vorliebe für Tequila war mir doch neu).
Bernd entwirft Vorlagen für Kurse in der Erwachsenenbildung und hat einen Vertrag in der Schweiz, ebenso wie Judith, wie es scheint, aber die macht was ganz anderes.
Georg und Stefan sind beide passionierte Bankmenschen geworden, was zu denen auch voll und ganz passt.
Andrea lässt sich gerade zur Gymnasiallehrerin ausbilden und Trixi ist Grundschullehrerin geworden.
Melanie V. und Christian P. haben wohl geheiratet und bereits was für’s Bevölkerungswachstum getan.
Nicolai hat tatsächlich Religionswissenschaften studiert und arbeitet in Erfurt an seiner Doktorarbeit. Der bleibt wohl in der akademischen Laufbahn.
Dennis ist auf Grund seiner intuitiven Fähigkeiten nach dem Abbruch seines Studiums bei einer Werbefirma in Hamburg untergekommen und hat sich angesichts sich ausweitender kahler Stellen komplett von seinen Haaren getrennt.
Sehr überrascht hat mich zuletzt Sarah, die ich als einen eher oberflächlichen Menschen mit flatterhaften und auch trotzigen Zügen in Erinnerung hatte. Abgesehen davon, dass es wirklich angenehm war, mit ihr zu sprechen, und davon, dass sie im Rahmen ihrer Berufsfortbildung (Marketing bei Isuzu) ebenfalls in Japan gewesen ist, war ich von ihrer ausgeglichenen und sogar warmherzigen Art sehr überrascht.

Als nächstes geht es jetzt darum, eine Fotobörse zu veranstalten, also werde ich die ursprüngliche Adressliste von Thomas dazu verwenden, alle Fotos, die gemacht wurden, an einem zentralen Platz zu sammeln. Wahrscheinlich wird das meine Festplatte sein, denn ich habe mich ja bereits als „Bewahrer“ herausgestellt – ich hatte aus einer Laune heraus die Gruppenfotos der sechsten und neunten Klasse mitgebracht, außerdem das Foto „Elite des Deutsch-LK“ von 1997, und den „Aufruf gegen Mitläufer und Kollaborateure“ (o.ä.) aus der Feder eines besten Freundes, von 1994 oder 95 glaube ich. Solcherlei Memorabilia verfehlten ihre Wirkung jedenfalls nicht.

Entgegen meinem Glauben bis vor der Feier sehe ich fortdauernden Kontakten mit anderen „Ehemaligen“ positiv entgegen.

11. September 2007

(K)Ein Bund für’s Leben

Filed under: Filme,Militaria — 42317 @ 12:26

Denen, die den Titel nicht kennen, sei gesagt: Dies ist ein Filmreview.
Oder zumindest der Versuch eines solchen.

Ich bin mit Melanie letzte Woche in diesen Film gegangen, weil wir bereits vor Wochen eine Werbung dafür gesehen hatten. Ich habe in deutsche Komödien nicht das allergrößte Vertrauen, aber, hey, es geht hier um die zweit-interessantesten Monate meines Lebens. 🙂

Kurze Zusammenfassung:
Basti lebt in einer WG mit einem Freund und einem blonden Gift, auf das beide scharf sind. Er will den Wehrdienst verweigern und bittet den Freund (aus unbekannten Gründen) darum, den Brief für ihn zur Post zu bringen. Weil der aber seine Chancen bei der Blonden wachsen sieht, wenn Basti weg ist, lässt er den Verweigerungsantrag verschwinden.
Basti wird also bei einer Party (Abifeier?) überraschend von den Feldjägern abgeholt und in eine Kaserne verfrachtet, wo er auf den klischeehaften Ausbilder und den klischeehaft ehrgeizigen Kompaniechef trifft. Jedes Jahr tritt eine Abordnung dieser Kompanie gegen ein Team von US Soldaten an, um im Gelände die Gefechtsfähigkeiten zu messen. Der Protagonist muss sich also mit seinen Stubenkameraden zusammenraufen, die absonderlicher nicht sein könnten, und am Ende steht nach allerlei blödelig-chaotischen Einlagen natürlich der Sieg über die Amerikaner.

Für die, die’s vielleicht sehen wollen, noch ein Hinweis: Der Film ist erst nach dem Abspann zu Ende. Für gewöhnlich bin ich mit meinem Bekanntenkreis der einzige im Kino, der solche Stellen noch zu sehen bekommt, weil der durchschnittliche Besucher – ob guter Film oder schlechter Film – zu Beginn des Abspanns zu fliehen pflegt. Der Abspann selbst ist das originellste an dem Film: Die gesamte Reihe der DarstellerInnen singt ihn selbst – „Tränen lügen nicht“ (worauf noch die Credits ablaufen, zu „Hurra, hurra, die Stube brennt“, und dann kommt der Schlussgag.)

Bevor ich anfange, über die inhaltlichen Darstellungen herzuziehen, will ich die positiven Punkte nennen:
Es gibt ein paar gute Gags, über die man lachen kann. Interessant ist auch, dass es eigentlich nicht einfach eine Parodie ist, sondern auf gewisse Art und Weise ein Pro-Bundeswehr-Film, weil dargestellt wird, dass Bundeswehr nicht nur Komiss und „Dummfick“ ist, sondern auch Chance und Perspektive; wie am Ende die Notwendigkeit der Kameradschaft über individualistische Verweigerungstendenzen siegt; und außerdem findet der „Held“ gerade bei der Armee die wahre Liebe. Ist das nicht schön?

Womit wir zu den Kritikpunkten kämen:
Was die Party betrifft, bin ich mir nicht sicher – Basti erwähnt, dass er gerade sein Abitur geschafft hat, was natürlich nicht heißen muss, dass es die offizielle Abifeier ist, die da stattfindet. Ich gehe eigentlich nicht davon aus. Eingezogen wird man am Ersten des Monats, und Abifeiern finden wohl deshalb am Ende des vorherigen Monats statt, von daher wäre es ein unsinniger dramatischer Effekt, den Protagonisten von der Feier „abholen“ zu lassen.

Die Charaktere sind total überzeichnet.
Basti ist noch der normalste in diesem Haufen krasser Individualisten.
Da wäre ein kräftig gebauter (ethnischer) Türke, der schnell rassistische Vorurteile wittert und bei der Armee Karriere machen will. Gleichzeitig ist er allerdings zu stolz, zuzugeben, dass er eine Brille braucht. Warum nimmt er keine Kontaktlinsen?
Der nächste ist ein Aspirant der Kunstakademie, der scheinbar aus einer Familie des alten Militäradels entstammt und von seinem Vater zwangsverpflichtet wurde. Natürlich muss ausgerechnet dieser Charakter mit dem ach so lustigen Hinweis auf Homosexualität ausgestattet sein. Ist doch ganz klar, dass alle männlichen Kunststudenten Schwuchteln sind…
Dann die Brillenschlange, die für den BND arbeiten will und aus unbekannten Gründen dazu bei der BW anfängt. Er zeichnet jedes gesprochene Wort auf Band auf, „um es später gegen Dich verwenden zu können“.

(Dieses Tonband trägt übrigens zu einem „80er Feeling“ des Films bei, denn anstatt klobiger Bandgeräte gibt es heute kleine elektronische Aufnahmegeräte, und was noch in den Kalten Krieg zu gehören scheint: Wer zur Hölle wird denn heutzutage in der BRD noch gegen seinen Willen eingezogen? Das muss eine verschwindende Anzahl von Pechvögeln sein. Eine Menge Leute wird erst gar nicht gefragt und muss weder Wehr- noch Ersatzdienst leisten. Wobei ich, gefragt, den Ersatzdienst verweigerte und scherzhaft mit einer Klage drohte, falls man mich nicht einziehen würde.)

Der Typ, den sie „UFO“ nennen, hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und imitiert die meiste Zeit ein Schaf (weil Basti mit Nachnamen „Lämmle“ heißt). Er fängt erst in der zweiten Hälfte des Films an, ganz überraschend wie ein Mensch zu reden.
Der letzte von dem Haufen ist der Überlebenskünstler, dessen Verweigerung fehlgeschlagen ist, und der nun bei der Armee seine Schwarzmarktfähigkeiten anwendet.

Die so genannte Grundausbildungskompanie (eines Panzerregiments) besteht eigentlich nur aus der eben vorgestellten Stube 54. In dieser Stube befinden sich schon allerlei Verzierungen, wie Porträts der Bewohner, ein „Rambo“ Poster und solcherlei Dinge, die in einer Grundausbildungskompanie der Bundeswehr nie und nimmer da hängen dürften.
Der Rest der (eigentlich) ca. 40 Mann des Zuges und der (ebenso theoretisch) ca. 100 Mann der Kompanie geht gesichtslos in der Masse beim Antreten unter. Hirnrissig dabei ist, dass der gesamte Führungskader nur aus dem Grundausbilder (einem Oberfeldwebel) und dem Kompaniechef (einem Major – namens Hauptmann) besteht. Andere Dienstgrade gibt’s da nicht, abgesehen von weiblichen Unteroffizieren im ebenso vorhandenen Luftwaffen-Sanitätsregiment. Die übrigens die ganze Zeit im Dienstanzug unterwegs sind. Bei uns haben die grundsätzlich Grün getragen. Von der 1,50 m kleinen StUffz Hupert bis zur Oberstabsärztin (deren Namen ich vergessen habe).
Vielleicht kann man den ebenfalls hoffnungslos überzeichneten Oberstabsgefreiten, der im Vorzimmer des Majors sitzt, ebenfalls nennen. Überkorrekt und kriecherisch (wenn auch weniger kriecherisch als der Oberfeldwebel), ein Ja-Sager, der immer schön die Hacken knallen lässt. Nein, nicht schön. Den Rekruten, die das heutzutage (wohl von den Medien beeinflusst – von eben solchen Medien, wie ich sie hier gerade beschreibe!) machen, bringt man sofort bei, dass derlei Wehrmachtstraditionen zu unterlassen seien. Die Bundeswehr knallt nicht mit den Hacken. Kompletter Blödsinn – für den Leinwandeffekt.
Es ist hier, im Zusammenhang mit fehlenden Dienstgraden, auch geradezu unverzeihlich, dass man gerade den Spieß, den höchsten verantwortlichen Kompaniefeldwebel, Ziel so vieler spöttischer Bemerkungen, weggelassen hat. Ich dachte, der Spieß gehöre zu BW-Parodien wie das Salz in die Suppe.

Dass der Grundausbilder grundsätzlich schreit, dass einem die Haare fliegen, kennt man ja aus dem Fernsehen… aber auch nur von dort – obwohl ich nicht sagen will, dass es nicht hin und wieder vorkommt. Warum allerdings bei dem ganzen Aufsagen von dämlichen Phrasen und ebenso dämlichen Kommandos (man sagt bei einem angetretenen Zug nicht Kompanie! Stillgestanden!“) nicht auf echte Sprüche und echte Situationen, die (im Nachhinein) nicht wenig komisch wirken, zurückgegriffen wurde, ist mir unverständlich.

Da wird man z.B. gleich am ersten Tag dauergestresst, und das fängt schon beim Ausfüllen von Formularen im schlecht beleuchteten Flur des Kompaniegebäudes an:
„Nächster!“
„Guten Morgen…“
Was glauben Sie, wozu diese gelbe Linie da ist!? Stellen Sie sich gefälligst dahinter auf! (da ist tatsächliche eine Linie in Armreichweite von dem Schreibtisch weg) mit dem Zusatz Ich glaub, mir fällt gleich ein Ei aus der Hose!!

Allerdings ist unseren Ausbildern immer beinahe der Arsch geplatzt und nicht der Sack, wie im Film zu hören ist. Aber es mag lokale Variationen geben.

Und dann, immer noch am ersten Tag, steht man nachts um 23:30 noch in der Schlange vor dem Untersuchungsraum des Regimentsarztes, lehnt sich vor Müdigkeit an die Wand und wird angeherrscht, die Wand steht von alleine! Das war damals, im unmittelbaren Moment, vielleicht unangenehm, aber heute lacht der Veteran doch darüber. Oder darüber, bei Händen in den Hosentaschen gefragt zu werden:
„Haben Sie Geburtstag?“
„Nein…“
Dann spielen Sie nicht mit Ihrer Kerze!

Oder vier Kilometer Kasernenrundlauf mit Liegestützen alle 200 Meter:
„Ich kann meine Arme nicht mehr spüren!“
„Jetz machen Se mal‘ n Pippi aus’n Augen, ja!?“

Oder wie wären die Richtlinien für Verhalten gegenüber Vorgesetzten beim Antreten?
„Wenn ein Vorgesetzter sie anspricht, dann sehen Sie ihm nicht ins Gesicht, sondern über seine Schulter weg! Augen geradeaus, das Gesicht ist zur Faust geballt! Und dass ich keinen Pissbogen in der Reihe sehe!“

Oder die kleine, feine Phrase „Los! Finger rotieren lassen!“ oder „Die Beine bilden eine rotierende Scheibe! Das hab ich schonmal schneller gesehen!“

Sehr individuell wäre die „Übungseinleitung“ des StUffz Schmelmer, der während des Mittagessens im Gelände daherkam, dabei auf die entsprechenden Stellen seiner Uniform zeigte und sowas sagte wie
„Das ist mein Dienstgrad, das ist mein Name, ich habe keine Freunde und ich brauch auch keine, ABC-ALARM!! (Was in der Regel dazu führte, dass man sich binnen 20 Sekunden in den Gummianzug mit ABC-Schutzmaske schmeißen musste und den Rest seines Essens nicht mehr essen durfte, da offiziell kontaminiert.)

After-Reinigungs-Partys:
„Wer hat mit den Schuhen auf dem Tisch gestanden!?“
„Niemand!“
„Und wie haben Sie dann den Staub von der Lampe gewischt!?“

„Sehen sie den blauen Frosch vor dem Fenster?“
„Nein…“
„Dann machen Sie das Fenster besser sauber!“

(Sieht unter das Bett:) „Was ist DAS!?! Staubmäuse springen mich an!!“

(Macht mit dem Finger einen Strich über die Oberfläche, hält den Finger dann in Richtung des Soldaten und pustet über die Spitze:) „Sehen Sie mich noch!?“

Das alles ist, unglaublich, aber wahr, im Nachhinein lustig, es hätte sich in dem Film zweifelsohne gut gemacht, und es hätte ohne Zweifel zum Realismus beigetragen. Dass man sogar auf das beliebte „Durchzählen!“ Spiel verzichtet hat, fand ich sehr schade. Es gibt tatsächlich eine Szene, wo durchgezählt wird, was bedeutet, dass jeder, der Reihe nach, eine Zahl sagt, angefangen bei „EINS!“ bis zum letzten Mann in der Reihe – um die Gesamtanwesenheit festzustellen. In diesem Film hier allerdings sagt der zweite Mann „ZWEI!“ und es bleibt dabei.
Humbug! Wenn bei der Bundeswehr einer beim Zählen „ZWEI!“ sagt, ruft der Ausbilder spätestens bei „VIER!“ „Nochmal!!“, und das, ohne auf den Fehler hinzuweisen. In der Regel dauert es zwei Minuten, bis die Truppe entweder auf den Ast mit der „ZWO!“ kommt (weil es über Funk dann nicht mehr mit „drei“ verwechselt werden kann, die Sache hat also ihren Sinn) oder der Ausbilder die Geduld verliert und die Sache korrigiert.
Außerdem meldet der Letzte in der Reihe „Durch!“, um das Ende anzuzeigen. Auch das wurde unterlassen.

Von Ausbildung und Drills bekommt man allerdings nie etwas zu sehen – doch, kurz, aber dann sind es Dinge, die ich selbst nie getan habe, weil sie in den Unterhaltungsmedien präsenter sind, als in Kasernen. Die Helden müssen durch den Schlamm kriechen und der Ausbilder drückt mit dem Fuß die Hüfte eines Auszubildenden auf den Boden. Dort gehört sie beim so genannten „Gleiten“ auch hin, allerdings ist die Szene dennoch hinfällig: Der Vorgesetzte ist gesetzlich verpflichtet, den Soldaten vor jeder Art von körperlichem Kontakt zu fragen, ob er ihn anfassen dürfe.
In diesem Machwerk hier gibt es jedenfalls keinen theoretischen Unterricht, kein Auswendiglernen von Wachdienstvorschriften, kein Täuschen und Tarnen, keinen Unterstand- und Grabenbau, keine Formalausbildung, keine Drills für Reinigung und Zerlegen und Zusammensetzen. Die Jungs werden sofort mit der Situation dieses deutsch-amerikanischen Wettbewerbs konfrontiert, und das, ohne jemals etwas über Verhalten auf dem Gefechtsfeld oder über Bewegung im Gelände gelernt zu haben, und dem entsprechend sieht das Gegurke aus, das mir da von der Leinwand aus entgegen kriecht. Es ist schlicht und ergreifend kompletter Schwachsinn, Grundis in eine solche Situation zu bringen. Nach BW-Maßstäben kalkuliert, muss man ja damit rechnen, dass sich die Leute im Wald selbst verletzen, weil sie das Gehen erst mal neu und richtig lernen müssen.

Nach einem scheinbar harten Ausbildungstag kommen sie in voller Montur in die Stube zurück… mit schmutzigen Gesichtern, leicht verschmutzter Kleidung… und sauberen Schuhen. Ich kann mich leider nicht genau erinnern, ob sie nicht auch noch ihre Gewehre dabei hatten… was eigentlich Blödsinn ist, weil man sie in der Waffenkammer abgeben muss, aber bei außerordentlichen Dienstzeiten kann es durchaus zu Ausnahmen kommen. Wie dem auch sei, dann legen sie sich so ins Bett und genießen den Dienstschluss.
Kompletter Hirnriss – der Ausbilder überwacht nicht nur die Ausbildung, sondern auch das Reinigen der Ausrüstung danach. Waschen und Ausziehen wird man zwar nicht mal bei der BW befehlen, aber das Nachbereiten der Ausbildung wurde hier unter den Tisch gekehrt.

Und dann sollen sie gegen Leute antreten, die ihre Ausbildung schon hinter sich haben? Das zumindest ist mein Eindruck von den dargestellten Amerikanern, die schon sehr hart und kantig daherkommen (und mit herrlich deutschem Akzent reden – ich sage nur: Vorderzungenvokalisierung – mit Ausnahme ihres Chefs, dessen Darsteller ein in die USA immigrierter Däne ist). Welcher Vollidiot würde das für glaubhaft halten? Wenn die Jungs dann unterwegs sind, laufen sie in wilder Schützenwolke rum, sie laufen sich gegenseitig vor der Mündung rum und vor allem sind sie ohne Unteroffizier oder einen anderen (Halb-) Gruppenführer unterwegs.
Niemals, niemals nie!
Verwendet wird da scheinbar das MILES Gefechtssimulationssystem (steht für Multiple Integrated Laser Engagement System) – man schießt mit Infrarotstrahlen aufeinander, die von speziellen Geweben, die man auf der Kleidung trägt, registriert werden und den Getroffenen „abschalten“. Für mehr Informationen siehe Lexikoneintrag zu MILES (englisch).

Für irgendwelches Fehlverhalten wird zur Strafe Schuheputzen angesetzt. Die Stiefel der gesamten Kompanie, dem Berg nach zu schließen – was bedeutet, dass da eine Menge Leute keine Schuhe hat und für den eigentlich stattfindenden Ausbildungsdienst ausfällt? Na, vielleicht hat man auch Paare aus dem Lager genommen. Der Punkt ist, dass Stube 54 putzen soll, und der Ausbilder geht zum Essen. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Disziplinierungsmaßnahme unrealistisch ist (man würde eher „Zusatzausbildung“ am Wochenende ansetzen), ist es eine Richtlinie der Bundeswehr, dass der befehlende Ausbilder selbst dabei sein und mitmachen muss – eine Begleiterscheinung des Grundsatzes „Führen durch Vorbild“. Das hat so manchen sportlichen Kameraden schon dazu animiert, Bauteile seines Gewehrs beim Reinigungsdrill fallen zu lassen, worauf der Ausbilder Liegestütze ansetzte, für jedes Fallenlassen 20 – allerdings hatte der Kamerad mehr Ausdauer als der Ausbilder und nach etwas mehr als 100 mal „pumpen“ hatte der Unteroffizier genug und während des gesamten restlichen Reinigungsdrills dieses Tages musste niemand mehr „in den Liegestütz – ab!“ oder andere sportliche Leistungen erbringen. Auch das wäre interessant in einem solchen Film gewesen, aber es ist ein zu individuelles Ereignis, als dass man es erwarten könnte.

Auf Grund der Werbung hatte ich mir auch Hoffnungen auf eine Metalversion der Nationalhymne gemacht – aber die gibt’s offenbar nur in der Kinowerbung, und nicht im Film selbst.

Der Film kann durchaus unterhaltsam sein. In Anlehnung an zwei Gespräche in den vergangenen Wochen über „CSI“, eines mit einem Polizisten und eines mit einem Arzt, muss ich allerdings sagen: Nur dann, wenn man von dem, was dargestellt wird, keine Ahnung hat. Ich muss mich ernsthaft fragen, ob diejenigen, die das erdacht, geplant und ausgeführt haben, jemals bei der Armee waren (ich habe meine Zweifel), und ob die Danksagungen an Bundeswehrangehörige (höhere Offiziere) im Abspann sich auf mehr beziehen als die Erlaubnis, echtes Kasernengelände für die Aufnahmen verwenden zu dürfen. Einen Berater für realistischen Kasernenjargon gab es ja scheinbar nicht.
Was mir blieb, waren die Gags ohne direkten Bezug zur Armee, und das sind zu wenige, als dass ich mir den Film in absehbarer Zeit kaufen würde. Vielleicht irgendwann, wenn ich gelangweilt bin und den Streifen in der Kramkiste irgendwo für einen Fünfer sehe.

Ein Zeichen und Wunder

Filed under: My Life — 42317 @ 8:48

Ich muss meinen letzten Beitrag wieder etwas einschränken.
Ich hatte mich ja bei einer Amazon Marketplace Verkäuferin beschwert wegen des Spiels, das ohne CD-KEY geliefert worden war. Ich bekam eine Antwort auf mein Schreiben, in dem sie mir einen Keycode nannte, den ich ausprobieren solle. Wahrscheinlich hatte sie den gerade im Internet aufgetrieben… aber das ist nur eine Vermutug meinerseits… jedenfalls funktionierte der Code nicht und das Spiel lässt sich auch weiterhin nicht installieren.
Ich antwortete dem entsprechend und sie reagierte mit einer Entschuldigung und dem Versprechen, mir sofort eine Version mit Code zu schicken. Das würde mich zwar immer noch nicht motivieren, bei freizeit2000 jemals wieder etwas zu kaufen, aber immerhin wäre für mich dann der Marketplace wieder in Ordnung.
Interessanterweise sagte sie keine Silbe davon, dass ich die bereits erhaltene Ware zurücksenden solle… andererseits: Die CD ist ohne Code in der Tat nur ein Stück Plastikmüll…

9. September 2007

Onlinehandel von Gebrauchtwaren

Filed under: My Life,Spiele — 42317 @ 9:04

… der treibt Dich wieder zurück zum Kauf von Neuware!

Ja, sind denn da nur noch Arschlöcher bei EBay und Amazon Marketplace unterwegs???
Bei Ebay habe ich letztes Jahr ein altes Spiel ersteigert, von dem mir der Verkäufer bald mitteilte, er habe es versendet. Nach zwei Wochen war es aber immer noch nicht da und ich schrieb eine entsprechende Mail an den Verkäufer. „Ist bestimmt auf dem Postweg verloren gegangen“, sagte der und erklärte sich bereit, mein Geld zurück zu überweisen. Bekommen habe ich es laut Kontoauszügen aber nie. Damals dachte ich noch „Für die 5 E machst Du Dir jetzt nicht die Mühe, eine offizielle Beschwerde einzureichen“, obwohl es meinem schmalen Geldbeutel schon nicht gut tat.

Dann habe ich im Juli einen einzelnen DLAN Adapter bestellt, der ebenfalls lange auf sich warten ließ. Ich verfasste nach Ablauf der Wartefrist und nach mehreren erfolglosen Kontaktversuchen eine offizielle Beschwerde. Als die dann zwei Wochen lang lief, kam der ersteigerte Adapter (nach insgesamt zwei Monaten Wartezeit) dann per Post, ohne irgendeinen Kommentar. In dem Paket war allerdings ein falsches Kabelset. Statt eines USB- und eines LAN-Kabels befanden sich zwei USB-Kabel drin, mit denen ich nichts anfangen kann, weil die Stecker alle belegt sind. Ich beschwerte mich erneut bei dem Verkäufer, erhielt aber wiederum nie eine Antwort. Was lernen wir daraus? Ich kaufe bei EBay nie wieder Ware im Wert von mehr als 25 E.

Davon abgeschreckt, lenkte ich meine Suche nach dem Spiel zum Amazon Marketplace.
Dort fand ich es für 13,54 E inklusive Versandkosten. Es wurde auch alsbald geliefert – die CD-ROM in einer blanken 08/15 Hülle. Ich bin ja genügsam. Ich bestehe bei billiger Gebrauchtware nicht auf Originalverpackung und Handbuch und ich verzeihe auch Gebrauchsspuren auf der CD-Oberfläche, wenn das Spiel dennoch läuft, aber nachdem ich den Datenträger dann in mein Laufwerk legte und „Installieren“ wählte, wurde ich aufgefordert, den CD-KEY einzugeben „der auf der Außenseite Ihrer CD-Hülle zu finden ist“. Ja, scheiße – die Originalhülle war gar nicht dabei und eine Untersuchung des Briefumschlags ergab nichts weiter – ich habe also ein rundes Stück Plastikmüll gekauft.

Auch bei dieser Verkäuferin habe ich mich sofort beschwert (vor 15 Minuten) und sie aufgefordert, mir mein Geld zu erstatten oder den CD-KEY zu besorgen. Bin mal gespannt, was dabei rauskommt. Amazon empfiehlt bei Unzufriedenheit mit einem Produkt übrigens, den Artikel einfach zu verkaufen… das fällt hier ja wohl flach. Ich will mich nicht in die Reihe der Müllverkäufer einreihen!
Ich habe das Spiel gleich bei einem anderen Verkäufer erneut bestellt – bei einem, der explizit dazu schrieb, dass der CD-KEY vorhanden sei. Und ich dachte, es sei eine Selbstverständlichkeit, dass man dem Käufer alles zur Hand gibt, was er braucht, um die gekaufte Software zum Laufen zu bringen… 🙁

3. September 2007

1995, im August…

Filed under: Rollenspiele — 42317 @ 15:36

Ich stolpere ja doch immer wieder mal über Dinge, die außerhalb meines gewöhnlichen Tagesablaufs liegen. Aber ob es sich lohnt, darüber zu schreiben?
Die Taufe der Tochter des Onkels meiner Freundin?
Nette Party, aber nichts Wildes.
Der neuerliche Dreher von Tochter #1 der Chefin, diesmal mit dem Motorrad?
Lackschaden und blaue Flecken, aber auch nichts Wildes.
Den Familienstress wegen der Operation und Kur meines Großvaters lasse ich mal ganz aus. Das wird erstens zu privat für die Öffentlichkeit, zweitens will ich selber gar nicht alle Details wissen, die sich in meiner Abwesenheit abspielen, und drittens hält der Großvater derartige Komplikationen eh von mir fern.

Hey, ich könnte was über YouPorn oder PornoTube schreiben… jaja, das gibt’s tatsächlich. Aber ich will „workplace safe“ bleiben und will auch nicht dem Beispiel anderer Blogger folgen, die solche keywords in ihre Artikel aufnehmen, weil dadurch die Anzahl der Besucher steigt (die über Suchmaschinen unterwegs sind), und mit der Anzahl der Besucher steigen die Chancen auf lukrative Werbeverträge mit Sponsoren. Jaja, sowas gibt’s auch – Profiblogger, die davon leben, dass sie interessante Sachen schreiben, die viele Leute lesen, worauf viele Firmen darauf hoffen, dass auch viele Leute ihre Werbebanner anklicken.
Aber mit meinen nicht mal 1800 Hits bräuchte ich wohl noch einen Faktor von 100, um mir über Werbung überhaupt Gedanken zu machen. Außerdem weiß ich nicht, wie begeistert mein Betreiber da wäre. Ist immerhin ein freundlicherweise kostenloser Service, den ich hier genieße und ich gedenke, dass das auch so bleibt.

Nein, ich will dann doch noch was über mein zweites DRAGON MAGAZINE schreiben, über die Ausgabe vom August 1995. Ich habe in einem früheren Beitrag ja erwähnt, dass es sich um einen interessanten Zeitpunkt handelte, der sich in der Ausgabe auch niederschlug. Ich will mal ein paar Punkte nennen, auch und zuerst solche, die ich zeitunabhängig interessant fand.

Es fängt schon bei den Leserbriefen auf Seite 4 an. Ein besorgter Leser, ein selbst rollenspielender Prediger (!) aus Brilliant, Ohio, äußert seine Bedenken zu der scheinbar untrennbaren Verbindung von Rollenspielen und dem (auch übermäßigen) Genuss von Alkohol. Nein, er redet nicht von den Trinkgewohnheiten von Spielern – er meint die Trinkgewohnheiten von (spielergeführten) Charakteren und den Einfluss klassischer Settings („Ihr sitzt in der örtlichen Kneipe, als Euch jemand anspricht…“) auf das mögliche Trinkverhalten von Spielern, im Hinblick darauf, dass sich Rollenspiele in der Regel nicht an ein Zielpublikum richten, das bereits über 21 Jahre alt ist.
Er räumt ein, dass Lokale ein Dreh- und Angelpunkt des sozialen Lebens sind und waren, zumindest oft, und er verweist auf das alte Rom, wo man sich eher im Theater oder an der Pferderennbahn zu treffen pflegte, er fügt hinzu, dass ja auch Tempel, Büchereien und Spielclubs (für Gesellschaftsspiele) denkbar seien.

Er hat natürlich nicht ganz unrecht. „Alkoholische“ Settings könnten Einfluss auf die Spieler haben. Das kann man ohne eine ernstzunehmende Untersuchung nicht ausschließen. Meine persönliche Erfahrung zumindest ist anders. Meine zeitweilig ausufernden Trinkgewohnheiten wurden von der Bundeswehr beeinflusst und nicht von Rollenspielen. Klar, meine Charaktere haben viel getrunken und noch mehr gefressen und viele andere Dinge gemacht, auf die ich im echten Leben nie gekommen wäre.
Rollenspiele sind Realitätsflucht, ganz klar. Und weil es ein Betätigungsfeld ist, das keine echten Konsequenzen nach sich zieht (sofern man eben spielinternes Geschehen nicht auf die Realität überträgt), lässt man in Mittelerde, Night City, Krynn, Aventurien und von mir aus auch in Mos Eisley die Sau raus. Ich habe den Eindruck, dass man in Rollenspielen die vielen Dinge macht, die man sich im echten Leben aus diesen oder jenen Gründen nicht traut – aber was soll’s? Es ist ja nur ein Spiel, und eine gewisse Intelligenz bei der Trennung von Spiel und Wirklichkeit kann man wohl den meisten Menschen zutrauen.

Artverwandt mit dem Jahre später erschienenen Artikel darüber, wie man sich den Spielleiter zum Freund macht, gibt es hier einen Artikel über
„Stratagem and Dirty Tricks – Trickery for and against player characters“ (S. 10).
Was dabei ein bisschen seltsam kommt, sind die eingangs genannten Quellen: Sun Tsu, ein Chinese, der über „Die Kunst des Krieges“ geschrieben hat, und Machiavelli, der ein entsprechendes Buch unter dem Titel „Der Prinz“ geschrieben hat, in der Hoffnung, auf diese Art und Weise einen Job zu bekommen.

Der Artikel beginnt mit militärischen Angelegenheiten. Ich muss allerdings nicht in Details gehen, da alle genannten Szenarien und Hilfen von dem Fall ausgehen, dass die Spielercharaktere in militärische Führungspositionen berufen wurden.
Interessant sind bestenfalls Taktiken der mongolischen Horden: Man soll eine feindliche Truppe z.B. nicht völlig einschließen, sondern, scheinbar durch einen Fehler, einen Ausweg offen lassen. Eine eingeschlossene Truppe, die keine Aussicht auf Gnade sieht, wird bis zum letzten Mann auch mit bloßen Händen kämpfen, aber wenn man ihnen einen Ausweg lässt, werden sie viel eher die Flucht ergreifen, als wirklich notwendig wäre.
Es heißt auch, im Winter hätten sie Rinder an zugefrorenen Flüssen weiden lassen, am Ufer gegenüber einer Siedlung. Sobald die Bauern die Tiere holen und über den Fluss treiben würden, wussten die Mongolen, dass das Eis dick genug für die Überquerung war.
Warum man einen Test allerdings nicht zeitsparend mit ein paar „Freiwilligen“ machte, ist mir schleierhaft.

Auch der Abschnitt über Politik und Intrige dreht sich weitgehend um Spielercharaktere, die in Machtpositionen sitzen, z.B. als Führer einer Armee, die gerade ein Stück Land erobert hat, oder als Verwalter desselben. Auch das lasse ich aus, weil es m.E. zu strategisch ist. Ich habe in den vergangenen 18 Jahren nie eine solche Gelegenheit gehabt. Es gab immer übergeordnete NSCs, und auch das Greifenfurther Regiment des Obristen Josua Grauthal war zu klein und immer in einen größeren Verband eingegliedert, um wirklich etwas bewirken zu können, ganz zu schweigen davon, dass es sich um bewaffenete Stadtbürger und Bauern handelte, denen der Oberst gerade mal effektives Stockfechten beizubringen versuchte.
Nur im SHADOWRUN Universum ist es uns – eben vor ca. 17 oder 18 Jahren – einmal gelungen, die „Vereinigten Wohnblocks von New York“ zu gründen, indem wir mit einem Haufen anderer Söldner einen Teil von Manhattan besetzten. Unser Spielleiter fand das nicht so witzig und befand die Auflösung unseres selbstherrlichen Staates nicht einmal als spielwürdig – er erklärte uns zwischen den Sitzungen, dass das US Militär bei uns aufgeräumt habe, ließ uns aber sonst ungeschoren davonkommen (worauf wir allerdings nach Berlin umzogen, wo uns der anarchische Status und somit die Abwesenheit staatlicher Ordnungshüter sehr entgegen kam).

Wie dem auch sei. Auf einer niedrigeren Ebene hält der Artikel immerhin einen Tipp für den Umgang mit übermächtigen Charakteren bereit: Die Geschichte hinter dem chinesischen Sprichwort „Ein Pfirsich kann drei Ritter töten“. Es läuft darauf hinaus, dass eine hohe Autorität, der Kaiser zum Beispiel (je nach dem, was ins Spiel passt und wer die übermächtigen Spielercharaktere loswerden will), mehreren Spielern EINEN Preis zukommen lässt, mit dem Hinweis, der Würdigste möge ihn an sich nehmen. Der Autor geht davon aus, dass je nach Art des Preises ein Streit ausbrechen wird, und dass vielleicht einer der Spielercharaktere von einem anderen getötet wird.

Das mag passieren, ausschließen kann man es nicht, aber dennoch spricht dieses Konzept den Spielern ein gewisses Maß an Intelligenz ab. Ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass die meisten Spieler sich irgendwie einig werden, ohne sich (die Charaktere) gegenseitig umzubringen oder einen ernsten (wenn auch spielinternen) Streit entstehen zu lassen. Die einzigen echten (spielinternen) Streitigkeiten, die ich erlebt habe, entstammten jedenfalls realen Animositäten unter den Spielern und deren mangelndem Bewusstsein darüber, wo die Grenze zwischen Streich und Provokation liegt.

… und das alles über einen Bericht, der deshalb interessant ist, weil er uninteressant ist.

Kommen wir also zu Platz 3 der interessanten Artikel: „DANGEROUS GROUNDS“ (S. 90).
Es geht um die Einbeziehung der Umgebung in das Spielgeschehen, besonders dann, wenn gekämpft wird. Man kann erfahrenen Charakteren das Leben schwer machen, indem man den Kampfplatz selbst zu einem Gegner macht. Das schließt so ziemlich alle Begleitumstände mit ein.

Zum Beispiel eine Treppe. An einem tiefen, steilen Berghang. Ohne Geländer und andere Sicherungen. So schmal, dass man hintereinander gehen muss. Da muss man beim (fast) unweigerlichen Kämpfen darauf achten, dass man nicht stolpert. Und wenn der Gegner in der Überzahl ist, könnte der (auf Kosten „entbehrlicher“ eigener Leute) auf die Idee kommen, dem jeweils vordersten Helden beim Stolpern behilflich zu sein. Ähnlich kann man z.B. mit einer seitlich teilweise eingestürzten Brücke verfahren; von Hängebrücken aus Naturfasern, deren „Boden“ aus morschen Brettern besteht (siehe „Indiana Jones and the Temple of Doom“) brauchen wir erst gar nicht zu reden.
(Warum der AD&D orientierte Autor bezüglich der Sturzgefahr allerdings einen Rettungswurf gegen Odemangriffe für angemessen hält, ist für mich nicht ersichtlich.)

Oder wie wäre ein eisiger, glatter Untergrund? Dornenbüsche mit spitzem und scharfkantigem Geröll dazwischen? Oder giftige Ranken – in einem dichten, dunklen Wald, in einer mondlosen Nacht, wo man eine nur zwei Meter entfernte Person gerade mal als Schatten wahrnimmt? Zurück in der Stadt könnte man auf Dächern kämpfen, oder auf dem Gerüst einer Großbaustelle – schließlich müssen auch die großen Tempel und Paläste von Fantasywelten irgendwann mal renoviert werden. Der Asphaltdschungel eines SciFi Rollenspiels wird noch leichter ein solches Szenario herhalten.

Brennende Gebäude halten auch immer einen nicht geringen Dramatikeffekt bereit. Der Held muss vielleicht nur seinen Weg nach draußen finden (und dabei immer schön würfeln, ob Sauerstoffentzug, Rauch und Hitze ihm nicht zu sehr zusetzen), vielleicht muss aber noch jemand gerettet werden – seine Kameraden im Nebenzimmer oder vielleicht ein holder Knecht? Vielleicht wird er auch von einem rachedürstigen Feind an der Flucht gehindert, dem es egal ist, ob er bei der Ausübung seiner Rache selbst mit verbrennt, Hauptsache, das Schwein (der Held) ist nachher tot?

Natürlich muss es kein Hausbrand sein. Wie uns die Nachrichten der vergangenen Wochen beweisen, machen auch Waldbrände einiges her. Das Repertoire der Spieler hält oft genug Gelegenheiten bereit, ein trockenes Stück Land zu entflammen. Sei es ein unbedachter Feuerball oder Leuchtspurmunition, oder das Schlafbedürfnis desjenigen, der auf das Lagerfeuer achten soll.

Sehr cool fand ich den Bericht „THE THOUGHT POLICE“ (S. 41.).
Er wurde geschrieben aus der Sicht von einer Gruppe, die im Auftrag einer Diebesgilde unterwegs ist, neue „Jagdgründe“ zu erforschen. Da ist also diese Stadt namens „Gundersthall“, berühmt für ihre reichen Kaufleute, und die Gilde will sehen, ob man da Fuß fassen kann. Das angeheuerte Team stellt nach einigen Tagen Beobachtung fest, dass es keine offensichtlichen illegalen Organisationen in dieser Stadt gibt, freies Feld also.

Und nach eben diesen Tagen geht ihnen das Geld aus und sie wollen ein paar Geldbörsen pflücken. Eine von ihnen wird dabei von einem Stadtgardisten erwischt – der ihr eigentlich den Rücken zudrehte. Und auf ein Signal von diesem erscheinen drei weitere Wachleute aus dem Nichts. Man nimmt sie in Gewahrsam. Als die Gefährtin nach zwei Tagen wieder erscheint, kann sie sich nicht erinnern, wie man all das anstellt, was man als Dieb normalerweise so kann. Und als sie beim (Test-) Falschspielen versagt, kommt sie auf den Gedanken, sich selbst anzeigen zu müssen.

Ein anderer von der Gruppe raubt einen Laden aus und tötet dabei den Besitzer. Weil er dabei sein Messer zurückgelassen hat, will er es zurückholen – aber selbst wenn die Wache es findet, woher sollten sie wissen, dass es seines ist? Von wegen. Die Bullen sind schon vor Ort und einer redet mit dem Messer, worauf es dem Ermittler Name, Alter und ethnische Details seines Vorbesitzers nennt. Der wird daraufhin in einer Gasse gestellt, und bevor es zum Kampf kommt, windet er sich auf einen einfachen Blick der Wache vor Furcht auf dem Boden und winselt um Gnade. Die Wache stellt ihm ein paar Fragen zur Tat, der Mörder lügt, aber am Ende weiß die Garde genau: „Schuldig!“ – und dann desintegrieren sie ihn.

Die übliche Stadtwache der Fantasywelten ist nicht viel mehr als Kanonenfutter, zumindest für höherstufige Helden. Aber wenn man Psioniker integriert, dann kann das Abenteuer in der betreffenden Stadt eine harte Nuss werden. Rüstet man normale Wachen mit magischen Waffen aus, können die Spieler sie an sich nehmen, was es dem Spielleiter dann wiederum schwerer macht. Magier haben für gewöhnlich nicht genug körperliches Durchhaltevermögen, um zum Gardisten zu taugen, und ihre Zauber brauchen oft Zeit und materielle Komponenten. Psioniker dagegen brauchen keine Vorbereitung. Was sie denken, wirkt sich sofort aus (zumindest im AD&D Rahmen).

Zum Schluss: Was ist jetzt so interessant an dem Veröffentlichungsdatum der Ausgabe #220 vom August 1995?
Es sind die Berichte, die sich mit elektronischen Dingen beschäftigen.
Zum Beispiel ist in diesem Zeitraum gerade das allererste „Warcraft“ Spiel („Orcs and Humans“) erschienen, und es wird niemand abstreiten, dass es sich dabei um ein bahnbrechendes Spiel handelt. Das darauf basierende Onlinespiel „World of Warcraft“ zieht unglaubliche Mengen von Menschen in seinen Bann, und die Anfänge liegen bereits 12 Jahre zurück. Ich fand es jedenfalls auffällig.

Dann gibt es einen Bericht zur E3 (Electronic Entertainment Expo), die sich 1995 erst zum dritten Mal jährte, und da gab es zwei interessante Dinge, die dem Autor aufgefallen sind: Zum einen stellte er ganz klar fest, dass um CD-ROM Laufwerke kein Weg mehr herumführt. 1995 war der Wendepunkt, der Untergang der Diskette war besiegelt. Wie sieht es heute aus, 12 Jahre danach? Die CD-ROM erlebt das Fortschreiten ihres Endes, bedingt durch DVD-ROMs und flexible, transportable Speichermedien. Was soll ich mit einer 700 MB Scheibe (oder auch mit einer, auf die 4,4 GB passen), wenn ich einen Multigigabyte großen Speicher bequem in meiner Hosentasche herumtragen kann, den ich beliebig neu beschreiben kann?

Aber das schönste: Die 1995er E3 sah die erste öffentliche Präsentation der Playstation!
Sonys Debüt auf dem Konsolenmarkt, ein Neuling in Konkurrenz zu alten Veteranen wie SEGA und Nintendo. Kaum zu glauben, dass das schon so lange her ist. Spielkonsolen gab es außerdem schon vorher, aber ich wage zu behaupten, dass mit dem Erscheinen der Playstation ein neues Zeitalter begonnen hatte. Es war nicht die Verwendung von CD-ROMs als Speichermedium (so weit ich weiß, hatte sich SEGA bereits Jahre zuvor an einer CD-ROM Konsole versucht), aber nachdem die Playstation da war, und von ihr „angetrieben“ die neueren Produkte der Konkurrenz, waren Konsolen auf einmal beliebter und verbreiteter als vorher – zumindest in meiner subjektiven Wahrnehmung.
Ich möchte also schlussfolgern, dass 1995 ein elektronisch entscheidendes Jahr war und ich finde es interessant, eine Zeitung zu finden, in der so gebündelt diese Dinge zu finden sind. Meinen besten Dank an Volker.