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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

25. März 2009

Die bösen Jugendlichen heutzutage

Filed under: Zeitgeschehen — 42317 @ 11:34

Über den Nachrichtenticker der „Rhein Zeitung“ kam heute Morgen um 10:48 Uhr die folgende Meldung:

Hildesheim – Ein 66 Jahre alter Rentner muss sich seit heute vor dem Landgericht Hildesheim wegen dreifachen Mordes verantworten. Nach jahrelanger Fehde habe er seine 64 und 59 Jahre alten Laubennachbarn sowie deren 33-jährigen Sohn erschlagen, so die Anklage. Der Mann habe seine ahnungslosen Opfer mit einem schweren Eichenknüppel getötet.

Angesichts der aktuell laufenden Diskussionen stellt sich mir die eine Frage:
Hat man seinen Computer schon untersucht?

Der hatte doch nicht etwa Killerspiele auf der Festplatte!? Gott behüte!
Wie könnte er sonst auf die Idee kommen, kaltblütig gleich drei Leute umzubringen?

Makaber hin oder her – es wird dieser Tage soviel von erzieherischen Maßnahmen bei Heranwachsenden geredet, aber wie wäre es, auch einmal diese halsstarrigen, sturen, und rechthaberischen Rentner zu erziehen? Jene alten Leute, die auf die jungen Leute mit dem Finger zeigen, bei Verfehlungen von Anstand und Ordnung reden, am besten noch mit dem Qualitätssiegel „deutsch“, und schimpfen, sowas hätte es früher nicht gegeben? Jene alten Leute, die überhaupt nicht mehr die geistige Flexibilität besitzen (oder vielleicht nie besaßen), um zu erkennen, dass sie an einer Streitsituation mit Schuld oder selbst Schuld sein könnten?

Haben alte Leute in dieser Gesellschaft einen Freifahrtschein für Mord und Totschlag und gehen „einfach so“ in den Knast dafür, während ein jugendlicher Täter sofort ein großes Geschrei um seine privaten Hintergründe und Freizeitgewohnheiten verursacht?

Hör ich da jemanden „Aber Fritzl…“ rufen?
Ich kann mich erinnern, dass wegen der Ungeheuerlichkeit der Sache ein großer Medienaufwand gemacht wurde – aber ist irgendwo auf politischer Ebene ernsthaft die Frage nach dem Warum gestellt worden? Sind öffentlich Maßnahmen diskutiert worden, die der vorbeugenden Vermeidung dienlich sein könnten?
Nö.
Mir scheint, in seinem Fall ließ man es bei „Der hat hat halt einen an der Klatsche“ beruhen.
Das kann ja wohl nicht angehen.

11. März 2009

Bei uns ist immer was los (2)

Filed under: My Life — 42317 @ 13:19

Es ist eigentlich schon eine Woche her, aber das muss ja nicht zu spät sein.
Um etwa 15 Uhr am vergangenen Mittwoch stand ich im Hinterzimmer des Teppichladens, um etwas zu verpacken, als von der Straße her ein lautes, metallisches Rumpeln zu hören war. Dabei dachte ich mir noch nicht viel, aber als die Chefin einen ungläubig erstaunten Laut von sich gab, wahrscheinlich den so ziemlich einzigen menschlichen Laut, den man durch Einatmen erzeugt, war ich dann doch neugierig.

Vor dem Schaufenster füllte sich die Umgebungsluft mit einem gräulichen Nebel. Bei näherer Betrachtung konnte ich sehen, dass eine Straßenwalze, die eben vom Anhänger geladen werden sollte, beim Herunterfahren über ihre Rampe von dieser abgekommen und seitwärts auf die Straße gedonnert war. Der Rauch entwich aus dem Antriebsbereich, eine Öllache breitete sich langsam aus, und der Fahrer klopfte sich den Straßenschmutz von der Kleidung. Er schien unverletzt.

Eine Digitalkamera wurde einsatzbereit gemacht und die ungewöhnliche Szenerie von allen Seiten fotografiert. Nicht von mir, und ich will jetzt auch nicht sagen, wer sich in dem Moment bei den Mitarbeitern des Straßenbauamtes sicherlich nicht gerade beliebt gemacht hat. Ein Geruch nach verbranntem Gummi breitete sich im Laden aus, der sich auf der Zunge niederschlug und abscheulich schmeckte. Trotzdem warteten wir, bis der dichte Nebel vor der Eingangstür verzogen war – man hatte einige Minuten lang das gegenüberliegende Hotel nicht erkennen können – bis wir alle Türen öffneten, um einen Durchzug angenehmerer Atemluft zu erhalten. Ich glaube, sogar unser Insektizid riecht besser, rein pflanzlich hin oder her.

Draußen wurde derweil eine Bergung versucht. Ein Containerschlepper verfügt über einen Kran, also wurde der Container abgehängt und der Versuch unternommen, durch Anketten der Walze an den Kran das Fahrzeug wieder aufzurichten. Währenddessen traf die Polizei ein und sperrte die Unfallstelle ab. Leider besteht eine solche Walze aus zwei Teilen, die nur durch eine relativ kleine Gelenkschnittstelle miteinander verbunden sind, und es stellte sich heraus, dass man diese Schnittstelle zerstören würde, wenn man nur eine der beiden Hälften aufrichtete, also um 90° drehte. Die Männer bestellten ein zweites hebefähiges Fahrzeug.

Wer jetzt mit einem Kran gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Das Bauamt fuhr einen Bagger auf. Man versuchte also, Kran und Bagger zu koordinieren, aber nach einigen Minuten war klar, dass dieses Vorhaben auf Grund welcher Schwierigkeiten auch immer, ich kann sie nicht beurteilen, zum Scheitern verurteilt war. Jedenfalls gab man schließlich entnervt auf, hievte die Walze ohne Rücksicht auf Verluste in den mitgebrachten flachen Bauschuttcontainer und gut war’s. Dabei war’s eigentlich nicht gut, weil die Maschine dabei zusätzlichen Schaden nahm und de facto in zwei Teile zerbrach. Hoffentlich ist der Fahrer gut versichert.

Ich kam nicht umhin, mich an eine grafische Darstellung im Flur des Rechenzentrums zu erinnern. Dort hängt ein Plakat mit einer farblichen Übersicht über die deutschen Landkreise, farblich variierend je nach Kaufkraft der jeweiligen Bevölkerung. Trier (Stadt und Landkreis) und Eifel-Prüm sind die ärmsten Landkreise Westdeutschlands. Nein, nicht ganz wahr: Gelsenkirchen sticht ebenfalls hervor. Wenn die Kaufkraft der Bürger etwas über den finanziellen Zustand des Kreises aussagt, dann fällt eine solche Walze im hellgelben Trier eindeutig viel mehr auf als zum Beispiel im nachtschwarzen München.

Schon mal was von Blindtexten gehört?

Filed under: Uncategorized — 42317 @ 11:25

Ich hatte jedenfalls noch nie von sowas gehört, bin aber erst heute über das BILDblog darüber gestolpert, wo wegen eines peinlichen Fehlers der BILD Zeitung ein Link zu einem Generator zu finden ist, wo man Beispiele sehen und eine Erklärung lesen kann.

Dort heißt es:

„Blindtexte nennt man Texte, die bei der Produktion von Publikationen oder Webseiten als Platzhalter für spätere Inhalte stehen, wenn der eigentliche Text noch nicht vorhanden ist. Sie werden auch als Dummy-, Füll- oder Platzhaltertexte bezeichnet. (…)

Blindtexte werden ebenfalls zur Demonstration der Gestalt verschiedener Schrifttypen und zu Layoutzwecken verwendet. Sie ergeben in der Regel keinen inhaltlichen Sinn. Aufgrund ihrer verbreiteten Funktion als Fülltext für das Layout kommt einer Nicht-Lesbarkeit besondere Bedeutung zu, da die menschliche Wahrnehmung u.a. darauf ausgerichtet ist, bestimmte Muster und Wiederholungen zu erkennen. Ist die Verteilung der Buchstaben und die Länge der „Worte“ willkürlich, lenkt beispielsweise nichts von der Beurteilung der Wirkung und Lesbarkeit verschiedener Schriftarten (Typografie) sowie der Verteilung des Textes auf der Seite (Layout oder Satzspiegel) ab. Deshalb bestehen Blindtexte meist aus einer mehr oder weniger willkürlichen Folge von Wörtern oder Silben. (…)

Als bekanntester Blindtext gilt der Text „Lorem ipsum“, der seinen Ursprung im 16. Jahrhundert haben soll. Lorem ipsum ist in einer pseudo-lateinischen Sprache verfasst, die ungefähr dem „natürlichen“ Latein entspricht. In Ihm finden sich eine Reihe realer lateinischer Wörter. Auch dieser Blindtext ist unverständlich gehalten, imitiert jedoch den Rhythmus der meisten europäischen Sprachen in lateinischer Schrift. Der Vorteil des lateinischen Ursprungs und der relativen Sinnlosigkeit von Lorem ipsum ist, dass der Text weder die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht noch von der Gestaltung ablenkt.

Ein Nachteil liegt jedoch darin begründet, dass im Lateinischen bestimmte Buchstaben häufiger und andere seltener vorkommen, was ein anderes Druckbild erzeugt. Zudem werden im Lateinischen nur Satzanfänge groß geschrieben, so dass Lorem ipsum die generelle Substantivgroßschreibung der deutschen Sprache nicht abbilden kann.“

Als Beispiele dienen das genannte Lorem Ipsum, auf Latein, in einem europäischen Sprachmix, und auch in einer deutschen Fassung, bekannte Zeilen aus den Kurzgeschichten von Kafka, auch Werther ist dabei. Interessanterweise verstößt der Generator allerdings gegen die in der Beschreibung genannten Regel, dass es sich grundsätzlich um Nonsenstexte handelt, denn die Beispiele „Webstandards“ und „Typoblindtext“ sind eindeutig kohärente Texte. Sie labern zwar uninteressantes Zeug daher, sind aber Texte, deren Sätze aufeinander aufbauen. Zumindest mehr oder weniger. Aber ich will mir ja gar keinen Kommentar anmaßen, denn dazu habe ich viel zu wenig Ahnung vom Thema. Aber schön fand ich den hier:

Hinter den Wortbergen

Weit hinten, hinter den Wortbergen, fern der Länder Vokalien und Konsonantien leben die Blindtexte. Abgeschieden wohnen Sie in Buchstabhausen an der Küste des Semantik, eines großen Sprachozeans. Ein kleines Bächlein namens Duden fließt durch ihren Ort und versorgt sie mit den nötigen Regelialien.

Es ist ein paradiesmatisches Land, in dem einem gebratene Satzteile in den Mund fliegen. Nicht einmal von der allmächtigen Interpunktion werden die Blindtexte beherrscht – ein geradezu unorthographisches Leben. Eines Tages aber beschloß eine kleine Zeile Blindtext, ihr Name war Lorem Ipsum, hinaus zu gehen in die weite Grammatik.

Der große Oxmox riet ihr davon ab, da es dort wimmele von bösen Kommata, wilden Fragezeichen und hinterhältigen Semikoli, doch das Blindtextchen ließ sich nicht beirren. Es packte seine sieben Versalien, schob sich sein Initial in den Gürtel und machte sich auf den Weg.

Als es die ersten Hügel des Kursivgebirges erklommen hatte, warf es einen letzten Blick zurück auf die Skyline seiner Heimatstadt Buchstabhausen, die Headline von Alphabetdorf und die Subline seiner eigenen Straße, der Zeilengasse. Wehmütig lief ihm eine rethorische Frage über die Wange, dann setzte es seinen Weg fort. Unterwegs traf es eine Copy.

Die Copy warnte das Blindtextchen, da, wo sie herkäme wäre sie zigmal umgeschrieben worden und alles, was von ihrem Ursprung noch übrig wäre, sei das Wort „und“ und das Blindtextchen solle umkehren und wieder in sein eigenes, sicheres Land zurückkehren. Doch alles Gutzureden konnte es nicht überzeugen und so dauerte es nicht lange, bis ihm ein paar heimtückische Werbetexter auflauerten, es mit Longe und Parole betrunken machten und es dann in ihre Agentur schleppten, wo sie es für ihre Projekte wieder und wieder mißbrauchten. Und wenn es nicht umgeschrieben wurde, dann benutzen Sie es immer noch.

1. März 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 5)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 17:42

2.3. Potentielle Verluste
Auf dem neu zu errichtenden Stützpunkt müssen zuerst Krankenhäuser und genügend Unterkünfte für 27000 Mann gebaut werden. Das dauert ein paar Tage, in denen die Transporter weiter bei den Trägern bleiben müssen, die in Abwesenheit einer Garnison Tokio verteidigen müssen, denn es ist damit zu rechnen, dass das Imperium zurückschlagen wird. Mitte Januar melden mir Spähflugzeuge aus Borneo, dass die Flotte, die Vietnam eingenommen hat, nach Norden unterwegs ist.

Ich entscheide mich für einen Präventivschlag gegen die neue japanische Primärbasis in Osaka. Nachdem der Nachschub an Waffen, Munition und Gerät von Midway nach Tokio verlegt wurde, fahren die drei Flotten Ende Januar nach Osaka.
Diesmal verliere ich neben drei Kreuzern und drei Dutzend Flugzeugen auch einen Träger und zwei Schlachtschiffe. Der Verlust des Trägers interessiert mich nicht weiter, in San Diego liegen noch zehn Stück in Reserve, aber ich habe nur noch ein Reserveschlachtschiff, das ich in Friedenszeiten nachgebaut habe. Ich stelle also eine Flotte zusammen, in der von allem was drin ist, um in Tokio ein Ersatzlager zu eröffnen.

Aber auch in Osaka lässt sich der Erfolg sehen. Da steht nichts mehr, kein Stein mehr auf dem anderen, für die Japaner sind vier Flugzeugträger und sechs Schlachtschiffe verloren gegangen, zuzüglich einer Anzahl kleinerer Marineeinheiten und 200 Flugzeuge (die japanischen Träger können weniger Maschinen tragen als ihre Gegner). Noch sind allerdings 39000 Mann Personal auf dem Stützpunkt (vielleicht sollte ich eher sagen: auf dem Kraterfeld?), darunter 23000 Soldaten. Bis die ausgehungert und ausreichend von Krankheiten heimgesucht sind, dass ich sie mit einer Transportflotte (in die 28000 Marines passen) klein bekomme, dürfte noch Zeit vergehen, also greife ich noch mehrfach mit den Fliegergruppen an – mit magerem Ergebnis: Pro Kampftag gehen den Japanern durch meine Einwirkung bis zu 150 Mann verloren. Nicht gerade viel bei einem Aufgebot von zwei verstärkten Divisionen. Ich fasse also Flächenbombardierungen ins Auge.

In Tokio wurde vor kurzem ein Korps schwerer Bomber angelandet, also 64 Bomber vom Typ B-17 und B-24, begleitet von 64 P-38 Jägern, mit funkelnagelneuen 1700 PS Motoren. Der Verband wird also gebildet, aufgetankt und mit Munition versorgt, und fliegt los. Die Verluste beim Feind sind nicht berauschend, aber immerhin bei einem deutlich geringeren Materialaufwand genauso hoch, etwa 150 Mann während des Angriffs. Und letztendlich handelt es sich nur um 64 Bomber. Hält man sich die historischen Angriffe vor Augen, erkennt man, dass das nicht viele sind.

Der Angriff endet – aber die Maschinen kehren nicht nach Tokio zurück. Sie verbleiben bei Osaka, kreisen dort offenbar. Und verschwinden dann plötzlich von der Landkarte.
Was ist passiert?
Sie sind alle abgestürzt.
Warum?
Weil Tokio nicht mehr und noch nicht wieder über einen Flughafen verfügt. Für schwere Bomber benötigt man einen voll ausgebauten Flughafen, was kurzerhand 36 Millionen Dollar kostet (9 Millionen für den Bau und 9 weitere für jede Ausbaustufe), zuzüglich einer Arbeitszeit von einigen Wochen.

Na super. Wer hat sich das ausgedacht!? Natürlich war es fahrlässig von mir, das Korps aufzustellen, bevor der Flughafen steht, aber wäre es nicht realistischer, dass die Besatzungen dann Notlandungen auf der Wiese versuchen? Natürlich würde dann die eine oder andere Maschine zerstört, und die meisten, wenn nicht alle, würden beschädigt – aber ein Totalverlust wäre es nicht. Maschinen kann man nachbauen, aber die erfahrenen Piloten sind weg, verloren für immer.

Leider passiert mir dasselbe mit dem nächsten angelieferten Korps erneut.
Warum denn nun schon wieder?
Ich habe wieder ein Bomberkorps aufgestellt, bevor der Flughafen fertig war. Er hat zum fraglichen Zeitpunkt zwei Ausbaustufen, die dritte ist zur Hälfte fertig, aber ich bin schlau genug, sie nicht auf Mission zu schicken.
… stattdessen starten sie von alleine, bombardieren Osaka, kreisen, bis ihnen der Sprit ausgeht, und stürzen dann in den Tod.

Ein Blick ins Optionsmenü von Tokio sagt mir, dass man bei der Einnahme eines Stützpunkts die Auswahl des Vorbesitzers übernimmt, und der hatte entschieden, dass gegen erkannten Feind automatisch alle 24 Stunden ein Luftangriff erfolgen sollte. Die Bomber starteten also ironischerweise auf einen japanischen Befehl hin zu ihrem ersten und letzten Flug. Man muss also dringend daran denken, diese Optionen anzupassen, wenn man einen Stützpunkt einnimmt.

Bis zur Ankunft der nächsten Bomber würde etwas Zeit vergehen. Ich könnte einen anderen Stützpunkt in der Gegend angreifen, wo es Häuser und Material zum Zerstören gäbe. Da bieten sich Iwojima, Nagasaki, und Okinawa an. Ich entscheide mich spontan für Iwojima und speichere das Spiel. Drei Trägerflotten laufen aus und entdecken den Feind auf der ungastlichen Vulkaninsel. 116 japanische Schiffe liegen in Iwojima vor Anker, darunter eine Handvoll Schlachtschiffe und sechs schwere Kreuzer, über 100 landgestützte Jäger, ein paar Küstenbatterien. Der Rest der Marineeinheiten besteht aus knapp fünfzig Transportschiffen und noch einmal so vielen U-Booten. Das sieht sehr schaffbar aus.

Ist es aber nicht. Einige Minuten nach Schlachtbeginn sehe ich wieder Namen von neuerdings toten Offizieren über die Statusanzeige rutschen, nur sind es diesmal meine. Der Gegner hat mit seinem Aufgebot meine komplette Flotte versenkt – also derzeit 24 Flugzeugträger und 11 Schlachtschiffe plus Begleitung, und verliert selbst nur etwa die Hälfte der eigenen Schiffe.
Mir scheint, der Zufallsfaktor hat sich hier ganz extrem ausgewirkt.

Neustart beim letzten Speicherstand.
Vielleicht sollte ich erst Aufklärungsflüge machen, um mir ein Bild von der Feindstärke zu verschaffen. Die Frage ist: Wie macht man das? Die Befehlsauswahl für Flugzeuge, auch Spähflugzeuge, enthält, wie für alle anderen Einheiten auch, bei der Auswahl eines feindlichen Stützpunkts nur den Befehl „Angriff“, ikonisch dargestellt durch ein Fadenkreuz als Cursor. Wenn man also ein kleines Regiment von Flugbooten zu einem gegnerischen Stützpunkt schickt, dann wird dieses dort in einen Kampf verwickelt und von der Übermacht vernichtet, zumindest wenn man „Automatischer Kampf“ wählt. Vielleicht kann ich meine Flugzeuge durch Zeitaufwand retten, indem ich die „Schlacht“ selbst leite, also nach der Erkennung der feindlichen Einheiten im Kampfmenü auf der Taktikebene sofort den Befehl zum Rückzug gebe?

Nein, das geht nicht. Ein Rückzugsbefehl steht für Flugzeuge nur zur Verfügung, wenn sie am eigenen Stützpunkt kämpfen oder ein Trägerschiff für sie zur Verfügung steht.
Dann vielleicht einfach aus der begrenzten Karte herausfliegen? Nein, man erhält die Meldung: „Sie können die Schlachtkarte nicht verlassen“. Das Regiment geht also verloren, ohne dass man etwas dagegen tun könnte. Tolle Wurst. Immerhin haben sie unter Verlust von acht Maschinen herausgefunden, dass in Nagasaki noch ein Trägeraufgebot steht, während Okinawa relativ schwach verteidigt ist.

Da muss ich mich fragen: Wie hat es die KI geschafft, bei ihrem ersten Angriff auf Rabaul, der von Bougainville aus geflogen wurde und dessen Verteidigung ich der Neugier halber selbst geflogen bin, den letzten Bomber entkommen zu lassen? Wie es scheint, kann sich der computergesteuerte Gegner sehr wohl von feindlichem Gebiet zurückziehen, und zwar ohne Flugzeugträger.

Nach meiner bisherigen Erfahrung ist der zweitgrößte Feind des Piloten weder die feindliche Marine mit ihren Flakschiffen, noch die ihn umschwirrenden Flugzeuge – es ist die Landebahn. Bei jeder zweiten Landung werden Flugzeuge am Boden zerschellen. Man mag interpretieren, dass dies an Gefechtsschäden liegen könnte, aber warum stürzen dann auf dem Nachhauseweg keine Flugzeuge ab? Es kommt immer erst auf der Landebahn zu Verlusten.

Und gemeldet werden diese Verluste interessanterweise nur dann, wenn es sich um Kampfeinheiten handelt. Man wird im Laufe des Spiels eine sich vermehrende Anzahl von roten Smileys auf der Landkarte sehen. Diese bezeichnen Einheiten mit besonders niedriger Moral, und das kommt daher: Spähflugzeuge werden in der Regel automatisch auf Erkundungsflug geschickt, um feindliche Truppenbewegungen im Umkreis einiger Hundert Kilometer festzustellen. Auch diese Einheiten haben beim Landen regelmäßig Verluste – aber man erfährt nichts davon, bis man die roten Gesichter zu deuten versteht. Die Einheiten existieren auf dem Papier zwar noch, haben aber im Laufe der Monate alle Flugzeuge und Piloten verloren, ihre statistischen Werte sind also auf Null gesunken, und dazu gehört auch ihre Moral. Irrerweise kann man eine Einheit, die nur noch auf dem Papier existiert, nicht auflösen, sie werden also weiterhin den moralischen Schnitt der Basis drücken, bis neue Flugzeuge geliefert sind, mit denen man die leere Einheit wieder auf Vollstärke bringt.

Wer ist nun der größte Feind? Nein, es sind nicht die Jäger, nicht die Flak, und auch nicht die Zerstörer und Kreuzer – es sind die U-Boote, so bekloppt das auch klingt. Wenn eine Division U-Boote (das sind acht, bzw. sechs) einen Stützpunkt angreift, der nur von Flugzeugen verteidigt wird, ist damit zu rechnen, dass jedes U-Boot mindestens ein, eher aber zwei Flugzeuge abschießt – die Bewaffnung eines japanischen Boots ist mit einer 40 mm und zwei 25 mm Geschützen angegeben, und das heißt, man hat gute Chancen, dass acht U-Boote ein ganzes Jagdregiment zur Bedeutungslosigkeit reduzieren können. Vermutlich braucht es eine entsprechende Anzahl von Spähflugzeugen (die tragen Wasserbomben) oder Sturzbombern, um U-Booten effektiv zu begegnen. Ha, wer kommt auch auf die Idee, mit leicht bewaffneten Jägern auf U-Boote loszugehen?

Geistige Notiz: Greift der Gegner in einer wie der beschriebenen Situation an, sollte man das Gefecht selbst spielen, die Jäger in die Hangars beordern, und den feindlichen Matrosen zuwinken, wenn sie den Hafen durchs Periskop betrachten und feststellen, dass sie mangels angreifbaren Schiffsraums rein gar keinen Schaden anrichten können!

2.4. Der Endsieg
Meine aufgerüsteten Flotten dampfen also nach Okinawa. Der Stützpunkt ist nicht besonders groß, von daher gelingt es im ersten Anlauf, ihn einzunehmen, und das unter Verlusten von drei Flugzeugen, während der Gegner wertvollen Schiffsraum einbüßt. Nicht so viel, wie es in Nagasaki möglich gewesen wäre, aber mit steigender Siegesgewissheit sinkt die Bereitschaft, Verluste in Kauf zu nehmen, zumal es vom Spiel klar vorgegeben ist, dass der Feind kapituliert, wenn man zwei seiner drei Heimatbasen vier Monate lang besetzt hält. Es erinnert ein bisschen an „King of the Hill“. Das heißt, der „Final Countdown“ beginnt für das japanische Kaiserreich am 28. Februar 1942.

Wie auch schon Tokio, wird Okinawa in Windeseile ausgebaut. Zwei Flotten verbleiben bei Okinawa, eine läuft nach Osaka, um dort den Wiederaufbau zu verhindern. Der Aufbau Okinawas läuft günstiger als in Tokio: Die verteidigende Garnison war so schnell zerschlagen, dass die Bomber gar keine Zeit hatten, alles umzupflügen: Vier Industriegebäude fallen mir in die Hände, aber das schönste: Ein voll ausgebauter Flughafen! Aus Manila und Hong Kong werden die Bomberkorps abgezogen, deren Aufgabe bislang die Kontrolle des Südchinesischen Meers war. Die zwei Flugzeuge, die beim Landeanflug kaputt gehen, können mit Hilfe des wachsenden Lagers in Tokio schnell ersetzt werden, und Osaka wird von nun an von knapp 200 Bombern ins Visier genommen. Da keine Verteidigungsanlagen existieren, können die B-17 und B-24 ungestört operieren – die einzigen Verluste entstehen durch missglückte Landungen. Ich lasse die drei Korps also gleich in Tokio, wo Ausfälle sofort ersetzt werden können.

Am 20. März 1942 ist von den verteidigenden Soldaten Osakas keiner mehr übrig. Ich kann mit unerfahrenen Truppen ungehindert landen. Wieder übernimmt die Flotte den Schutz des Standorts, ich habe keine Pioniere zur Verfügung, um irgendwas aufzubauen, und es ist auch nicht nötig. Immerhin kommen jetzt hin und wieder Flottenaufgebote vorbei, scheinbar mit der Absicht, Osaka zu befreien, aber es handelt sich um kleine, verkleckerte Auftritte, die verlustlos von meiner Seite aus dem Pazifik gefegt werden.

Es sei angemerkt, dass es nicht möglich ist, benachbarte Landgebiete allein mit Infanterie einzunehmen. Man könnte, realistisch betrachtet, auch ohne Schiffe zum Beispiel von Tokio nach Osaka marschieren, oder von Miri nach Banjarmasin, oder von Hollandio nach Port Moresby, aber das Spiel ist nicht realistisch. Alle Truppenbewegungen erfordern ein Flottenaufgebot. Man muss die Marines in die Transporter laden, an der Küste entlang fahren, und die Küstenverteidigung wegbomben, anstatt sie von der Landseite her aufzurollen, auf der es zumindest keine Küstenartillerie gäbe, bevor man dann endlich wieder an Land gehen kann.

Und dann vergehen die Tage, auf höchster Spielgeschwindigkeit. Der Form halber lasse ich vier große (200.000 t) Flotten mit Nachschub, Erz, und Öl nach Tokio fahren und verliere in all dieser Zeit kein einziges Schiff auf hoher See – obwohl der Gegner ja, wie ich gesehen habe, noch mindestens 50 U-Boote besitzt, mit denen er die Nachschubrouten unterbrechen könnte, die ihm klar sein müssten, würde er logisch denken können.

Kann er aber nicht, und dann dämmert der Morgen des 28. Juni 1942. In Realität ist die Schlacht bei Midway gerade drei Wochen vorbei, eben jene Trägerschlacht, die die Wende im Pazifik brachte und nach der die Vereinigten Staaten eine dreijährige Gegenoffensive begannen. In diesem Spiel dagegen wird mir an jenem Tag gemeldet, dass der Feind kapituliert habe. Der farblose Abspann läuft. Es gibt nicht einmal eine Endsequenz, keine Auflistung zum Vergleich der Verluste. Die wichtigsten Daten wären auch nett als Gimmick gewesen. Denn immerhin war dieser Krieg innerhalb von drei Monaten und einer Woche gewonnen. Die vier Monate nach der Einnahme von Okinawa waren ja nur defensives Abwarten und ein völlig ungefährdeter und risikoloser Angriff aus lauter Langeweile.