Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

30. September 2009

Die Totgesagten

Filed under: Filme,Militaria,My Life — 42317 @ 1:54

Meine Kamera ist zurück in Aktion und ich müsste dem betreffenden Mitarbeiter von Mediamarkt eigentlich meinen Dank aussprechen. Hätte er mich nicht vor einem für mich unannehmbaren Reparaturpreis gewarnt, hätte ich das Teil nie abgeschrieben und wäre nie auf die Idee gekommen, selbst Hand anzulegen.

Geplant hatte ich eigentlich, die klemmende Schutzblende abzureißen, was die Kamera funktionsfähig gemacht hätte, sofern dabei nicht die Linse in Mitleidenschaft gezogen wäre. Aber kaum, dass ich die Blende mit meiner Pinzette berührte, sprang das Ding zurück in seine Führungsrille und gut wars.

Mit der neuen Kamera kann ich also noch ein bisschen warten, aber hinsichtlich meines erweiterten Einkommens ab dem 10. Oktober will ich ein aktuelleres Modell für das kommende Frühjahr ins Auge fassen. Die Videofunktion der Practica ist mir zu eingeschränkt, da sie nur 640×480 Videos zulässt, das ist ein bisschen schwach. Inspiriert von einem YouTube User mit dem Kanalnamen „Talljim01“ will ich ebenfalls eine kleine Serie von Vlogs auf die Beine stellen, in denen ich ein paar Erlebnisse aus der Zeit bei der Armee zum Besten gebe. Das sollte schon allein für mich von Bedeutung sein, damit ich nicht alles vergesse. Bislang haben mich Treffen mit ebenfalls erfahrenen Freunden davor bewahrt, die alten Geschichten zu vergessen, aber da diese Treffen ja immer seltener und wegen Damenbegleitung immer „unmilitärischer“ werden, sollte ich all das festhalten. Ich bin sicher, dass es ein Publikum dafür gibt.

Und für diese Zwecke ist die derzeitige Kamera nicht sonderlich gut. Die Auflösung ist, wie erwähnt, zu gering, und das Mikrofon ist auch nicht wirklich zu gebrauchen, da immer ein auffälliges Brummen dabei ist, das ich erst entfernen müsste, was zu Verlusten in den Frequenzen führt, die ich eigentlich behalten will, und deshalb habe ich in Tests die Sprache parallel über ein besseres Mikrofon aufgenommen und über die Kameraaufnahme gelegt. Das funktioniert und gibt ein besseres Ergebnis als nur Kamera, ist aber wegen des Arbeitsaufwands ebenfalls nicht befriedigend.

Aber all das hat ja nun ein bisschen Zeit. Vorerst plane ich mal, Im oder Ende Frühjahr die nächste Kamera zu kaufen. Die wird dann ebenfalls nicht mehr als 120 E kosten, aber für den Preis bekomme ich heute schon einiges mehr als damals 2006.

25. September 2009

Das Rinnsal in der Riesenröhre

Filed under: My Life — 42317 @ 15:18

Unser Internet kriecht. Offiziell verfügen wir über eine DSL 2000 Leitung, aber die vor sechs Monaten gemessenen 2,7 Mb/sec Downloadleistung kamen da schon nie und nimmer ran. Derzeit liegt die Transferleistung bei 0,3 Mb/sec, und wir sind damit nicht allein. Anders ausgedrückt: Wo früher immerhin Downloadraten von 300 Kilobyte pro Sekunde möglich waren, darf ich mich heute freuen, wenn ich auf über 40 komme.

Anfang September begann der Anschluss Zicken zu machen und an ein paar aufeinander folgenden Tagen wollte gar nichts gehen. Dann pendelte sich das Maß auf den genannten Wert ein. Freunde mit Arcoranschlüssen hinterfragten die Situation bei ihrem Anbieter, der lapidar darlegte, dass die Telekom die Leitung von der Stadt aus hoch nach Neu-Kürenz ungewöhnlich stark dämpfe, zumindest stärker als zuvor, was schnellere Übertragungsraten verhindere. Kurz, knapp, und brutal informiert.

Unsereiner geht aber mit Alice ins Netz, die sich mit ihrem Kundendienst brüsten (und ich muss vielleicht tatsächlich dankbar sein, nie länger als fünf Minuten in der Warteschleife gehangen zu haben). Das lief dann etwa folgendermaßen ab:

„Ziehen sie den Netzstecker vom Modem, warten Sie 30 Sekunden, loggen Sie sich dann wieder ein, machen einen Geschwindigkeitstest, und dann rufen Sie mich bitte wieder an.“
„Das hab ich vor ein paar Tagen schon gemacht, und genützt hat es nichts.“
„Aha. Ich sehe, Sie haben auch den Resetknopf bereits gedrückt, vor sechs Tagen um 22 Uhr 30.“
„Richtig, hat auch nichts gebracht.“
„Tun Sie’s trotzdem nochmal.“

Fünf Minuten später:
„Und?“
„Hm, ja, die Leistungsdaten Ihrer leitung sind wirklich schlecht.“
„Sagte ich doch.“
„Was für ein Modem verwenden Sie eigentlich?“
„Sie können von Ihrem Bildschirm ablesen, wann ich die Reset-Taste gedrückt habe, aber nicht, welches Modell ich verwende?“
„Nein, wir können das nicht.“
„Da steht TURBOLINK IAD“
„Ach, dann verwenden Sie ein veraltetes Produkt. Im Übrigen empfehlen wir Ihnen, Ihren Vertrag zu wechseln: Sie haben Alice Fun Flat inklusive Telefonflat für insgesamt 36,95 E, es gibt aber mittlerweile Alice Fun Max Flat für 29,90 E. Gleicher Serviceumfang, und der Internetanschluss ist schneller.“

Blick ins Internet: Es handelt sich tatsächlich um eine DSL und Telefon Flatrate, erweitert auf eine 16.000er Leitung. Völlig illusorisch hier oben, aber wenn’s denn billiger ist…

„Und was ist mit meinem aktuellen Anschluss?“
„Haben Sie die Verkabelung überprüft? Wie lange ist das Kabel von der Telefonbuchse zum Modem?“

*seufz* Die Verkabelung ist in Ordnung. Und das Kabel ist keine zwei Meter lang.“
„Haben Sie vielleicht ein anderes Modem, dass Sie zur Probe anschließen könnten?“

„Nein…“
„Dann ist es wohl am besten, wenn wir Ihnen umgehend ein neues Modem zusenden, um sicherzugehen, dass es nicht daran liegt. Das alte Modem geben Sie dann inklusive Verkabelung bitte dem Boten mit.“
„Sie wollen mir erzählen, dass alle anderen im Haus mitgeteilt bekommen, dass die Verbindung so schlecht ist, weil die Dämpfung der Leitung so hoch ist, und nur bei mir allein liegt es am Modem?“
„Es könnte ja sein.“
„Wunderschön. Dann schicken Sie mir ein neues Modem. Es sei denn, ich würde nochmal ein weiteres neues erhalten, wenn ich auf die nominell schnellere Leitung wechsle.“
„Nein, dafür würden Sie nicht extra ein neues Modem erhalten.“
„In Ordnung, dann tun Sie’s.“

Natürlich hat sich dieses Gespräch nicht exakt so abgespielt. Mein Gedächtnis ist so gut auch nicht. Insgesamt waren es drei Gespräche mit verschiedenen Leuten, deren Informationsgehalt ich hier zusammengefasst habe.
Nach dem Neustart des Modems bot man mir an, mich am Dienstag Abend oder am Mittwoch Morgen erneut anzurufen. Dienstag Abend ist wegen eines allwöchentlichen „socializing events“ nicht drin, also bat ich um Mittwoch Morgen. Angerufen wurde ich allerdings erst um 1430, als ich bereits im Teppichladen war, und wie’s der Zufall wollte, rief der Häuslebauer zur gleichen Zeit im Laden an, um die Informationen der beiden Steuerberater, die meinen Fall von Doppeljob prüften, abzugleichen, was mich mitten in dem Gespräch, das mich vom Aufräumen abhielt, in ein weiteres verwickelte. Der Mensch von Alice blieb zwar dran, aber ich konnte ihn im Nachhinein auch nur bitten, um 1900 anzurufen, da ich um diese Zeit zuhause und am Modem sein würde, falls ich noch irgendwas damit machen sollte.
Haha, an dem Abend rief mich keine Menschenseele an, der Anruf kam erst am Donnerstag Mittag, und an dieser Stelle erhielt ich das Angebot, mein Modem gegen ein neues auszutauschen, ein Plan, der mir zur Beschleunigung meiner Internetverbindung völlig unsinnig erschien gemessen an den allgemeinen Zuständen, aber schaden kann’s ja nichts.

So langsam frage ich mich, ob ich nicht gleich, um einige Dinge zu erleichtern, in die alte Wohnung von Alex hätte ziehen sollen, die keine Viertelstunde von hier auf dem Trimmelter Hof liegt, wo DSL 16.000 scheinbar problemlos möglich ist. Deren Leitung kommt wohl von dem weithin bekannten Weinort Olewig hoch, und nicht von Kürenz, das am Bahnhof beginnt und an den Weidengrabener Wohnsilos endet.

Geld ins Haus

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 14:23

Mein Wunsch nach einem weiteren Nebenjob zur Aufbesserung meiner Haushaltskasse wird wahr.
Ich werde ab dem 9. Oktober entscheidend an der Instandsetzung eines Hauses in der Nachbarschaft der Universität mitwirken und damit schätzungsweise 360 weitere Euro in meine Tasche spülen, zumindest in jedem Monat bis zum kommenden Juli. Damit kann ich meinen auf 157 Euro gestiegenen Krankenkassenbeitrag ausbügeln und komme hoffentlich auch vom Wohngeld los, bzw. ich rechne damit, dass der mir zugestandene Betrag bedeutend fallen wird.

Nach knapp einem Monat Hickhack wegen der Minijobzentrale der Bundesknappschaft wurde ich heute also gebeten, den Arbeitsvertrag zum Beginn der kommenden Woche zu unterschreiben.
Die Bundesknappschaft reißt alle Minijobber grundsätzlich an sich, wie es aussieht, gibt es eine gesetzliche Regelung, die besagt, dass alle geringfügigen Arbeitsverhältnisse, also die bis 400 E monatlichem Gesamteinkommen, ihre Sozialversicherungsbeiträge bei ihr abführen müssen. Ich nehme an, es handelt sich dabei um eine Verlängerung der Existenzberechtigung dieser Institution durch neue Aufgabenzuteilung, nachdem in Deutschland mit den „Knappen“ = Bergleuten ja nicht mehr viel los ist.

Nach Verhandlungen mit der Knappschaft und den jeweiligen Steuerberatern bin ich von der Minijobzentrale aufs neue befreit: Ich bekomme zwei Lohnsteuerkarten, einmal Klasse VI und einmal Klasse I, gebe einen Versicherungsnachweis meiner Krankenkasse bei jedem meiner beiden Arbeitgeber ab, und die Sozialbeiträge werden direkt an die Kasse gezahlt, anstatt den Umweg über die Bundesknappschaft zu nehmen.

Die Hauptsorge dabei war, dass ich meinen Studentenstatus in Bezug auf meine Krankenkassenbeiträge verlieren könne, was scheinbar eintritt, sobald ich mehr als 20 Stunden pro Woche arbeite oder mehr als 400 E im Monat verdiene, aber das kann mich nicht mehr jucken, nachdem ich eh den vollen Beitragssatz zahlen muss. Der tritt über einen sechsmonatigen Zwischenschritt in Kraft, sobald man das 28. Lebensjahr oder das 16. Fachsemester vollendet hat, je nachdem, was früher eintritt, und ich hatte mit meinem knapp zweijährigen Wehrdienst bereits eine Verlängerung rausgeholt.

Jetzt bleibt mir die wenn auch begründete Hoffnung, dass ich der Aufgabe auch gewachsen bin, ein ganzes Haus und das darum verteilte Erdreich auf Vordermann zu bringen. Ja, ich habe das alles schon mehrmals gemacht, aber das immer nur als Helfer eines erfahrenen Hand- oder zumindest Heimwerkers. Sofern ich das bislang verstanden habe, werde ich dieses Mal der Handwerker sein, ohne untergebenen Helfer, von dem eine gleichberechtigte Meinung zur Durchführbarkeit der verschiedenen Arbeitsschritte vom Hausbesitzer erwartet wird. Der wird sagen, er wolle dies und das und jenes so und so haben, aber das „Wie“ wird zur Hälfte in meiner Verantwortung liegen. Mindestens.

Aber ich behaupte ja gern von mir, ich könne mit meinen Aufgaben wachsen, und dies ist eine gute Gelegenheit, diese Selbsteinschätzung zu testen und möglicherweise unter Beweis zu stellen. Immerhin kann man mir dann am Ende nicht vorwerfen, ich hätte auf meinem von geisteswissenschaftlicher Ausbildung geprägten Lebenslauf zu wenige praktische Erfahrungen vorzuweisen. Louisa May Alcott hat da etwas Passendes zu gesagt:

„It takes all sorts of people to make a world; workers and students both are needed, and there is room for all. But I think the workers should study some, and the students should know how to work if necessary.“

(Little Men, 1871)

24. September 2009

Ich geh dann mal Zelten

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 14:52

Kommen wir zum 20. September.
Ich wurde am Mittwoch zuvor überraschend von der City-Initiative kontaktiert und gefragt, ob ich am Sonntag nicht Zeit und Lust hätte, auf das bis dahin leere Zelt am Domfreihof aufzupassen, für zehn Stunden von 0900 bis 1900, das Ganze ohne besondere Aufgaben. Das Zelt könne am Sonntag nicht abgebaut werden und müsse daher bewacht werden.
Gut, die zahlen zwar nur 6 E die Stunde, aber dafür, zehn Stunden totzuschlagen und dabei, wenn auch zwingend ortsgebunden, machen zu können, was man will, kann man auch nicht mehr verlangen, und 60 E sind sechzig Euro.

Als ich am Sonntag Morgen um 0855 ankam (es stellte sich als zeitlich günstiger heraus, den Bus ab Uni Süd zu nehmen und an der Basilika auszusteigen), war niemand da. Eigentlich sollte ich das Zelt von der Nachtschicht des Wachdiensts übernehmen, aber weit und breit keine Menschenseele, außer ein paar Dombesuchern, die unter den feierlichen Klängen eines Chors durch das Tor der Kultstätte schritten, und der Frau Bohlen, die vorm „Domstein“ Tische saubermacht.
Nach zehn Minuten wurde mir das Warten zu dumm. Ich knöpfte den Eingang vom Zelt auf, ging hinein, und baute mir von der Bierzeltgarnitur einen Tisch und eine Bank mit Blick zum Eingang auf. Ich hatte zum Lesen eine inoffizielle Biografie von Patrick Stewart dabei (die mehr ein „Behind the Scenes of Star Trek: Next Generation“ mit Schwerpunkt auf den Captain und seinen Darsteller ist), von der ich nicht sicher war, ob sie noch bis zum Tagesende reichen würde, außerdem noch ein paar andere SciFi Titel, u.a. „Door to Summer“ von Heinlein, meinen MP3 Player mit Vorlesungen zum Thema Relativitätstheorie und meine komplette GameBoy Sammlung dabei. Als Tageszehrung werden mir zwei Liter Wasser dienen.
Um 0915 rief der Wachdienst bei mir an, fragte, ob ich vor Ort sei, und wünschte mir viel Vergnügen bis zum Abend. Der Verantwortliche hatte sich scheinbar kurz vor meiner Ankunft auf einen abschließenden Rundgang begeben, der so rund nicht sein kann, weil er ja dann wieder zum Dom zurückgekehrt wäre.

Ich saß da und las bis zum frühen Nachmittag, hin und wieder regnete es ein bisschen oder auch ein bisschen viel. Ich ermunterte Leute, sich bei mir unterzustellen, aber die gingen dann doch lieber noch die paar Schritte bis zum Dom. Wenn es nicht regnete, vertrat ich mir die Beine mit einer Runde um das Zelt. Eine Weile schien die Sonne auf das Plastikdach, und das machte sich im Klima darinnen schon bemerkbar, von daher hatte ich die Regenphasen eigentlich lieber. Das Zelt hat nämlich einen waagerecht ausgerichteten Plankenboden, unter dem das Regenwasser hindurchläuft, ohne mich mit seiner Feuchtigkeit zu belästigen.

Am frühen Nachmittag wechselte ich zu meinem MP3 Player, muss allerdings feststellen, dass alle Batterien hoffnungslos ausgelutscht sind. Dann eben keine Lektion zu Schwarzen Löchern und Raum-Zeit-Krümmung.

Unter meinen Spielen waren (und sind) einige, die ich seit Jahren nicht angefasst habe. Bei „NBA Challenge“, das ich einmal irgendwo gefunden habe, muss ich das auch nicht bedauern. „Tetris“ habe ich nicht mehr so richtig drauf… ich versage auf B-9/5 so total, dass mich auch der psychologische Trick mit der Supergeschwindigkeit nicht rettet: Man drückt im Startbildschirm das Steuerkreuz nach unten und dabei auf Start; das Spiel wird daraufhin in doppelter Geschwindigkeit laufen. Wechselt man dann nach wenigen Minuten von „Super 9“ auf „Normal 9“, dann kommt einem der normale Spielmodus recht gemütlich vor. Aber es mangelte mir mittlerweile oder vielleicht auch nur heute irgendwie an der schnellen, intuitiven Auffassungsgabe, die man braucht, um die zufällig anrollenden Blocks in günstige Positionen zu schieben.

Ich wechselte zu „Final Fantasy Legend II“. Ich ging davon aus, lediglich noch einen Speicherplatz zum Endkampf zu haben, aber halt! Ich erinnerte mich dunkel, dass ich während meiner Oberstufenzeit (also 95-97) ein neues Spiel begonnen hatte, in dem ich zuletzt Venus City von ihrer rassistischen Herrscherin befreit hatte… und zwar mit einer Abenteurergruppe, die nur aus Menschen besteht – eine Kombination, die von der Spielanleitung als ungünstig, weil teuer, verworfen wird. Es dauerte ein paar Minuten, bis mir die Optionen und Strategien wieder bewusst waren, immerhin habe ich dieses Spiel seit über zehn Jahren nicht gespielt, und ich muss mich sehr wundern, dass die Spielstände noch einwandfrei vorhanden sind. Meine Speicherkarte für die Playstation hält diesen Qualitätsstandard nicht.

Warum sind Menschen im Gegensatz zu Androiden, Mutanten und Monstern als Spielercharaktere so teuer?
Weil die letztgenannten drei ihre Angriffsoptionen nach einer Nacht im Gasthaus wieder aufladen, während die Menschen ständig neue Waffen kaufen müssen. Ein Schwert zum Beispiel hat in der Regel 50 Attacken, bevor es unbrauchbar wird. Unrealistisch, aber so sind hier halt die Spielregeln. Die Sonderregeln für Androiden sind dergestalt, dass verwendete Gegenstände auf 50 % ihrer Haltbarkeit reduziert, dafür aber „wiederaufladbar“ werden. Außerdem stehen Mutanten und Monster oftmals magische „Massenvernichtungsmittel“ zur Verfügung, also Angriffe, die sich auf die gesamte Gegnergruppe, anstatt lediglich auf ein Individum, auswirken. Ein Mutantenmagier mit Flächenangriff ist ein dicker Bonus für die Gruppeneffizienz. Aber ich wollte es ja wissen, wie das mit nur Menschen so ist.
Ich bin damals darauf gekommen, dass das Management einer ausschließlich aus Menschen bestehenden Gruppe reine Betriebswirtschaftslehre in ihrer simpelsten Form ist.

Angenommen, man erhält für ein totes Monster 250 GP („gold pieces“). Das ist Geld, das Menschen nachher für neue Ausrüstung brauchen. Nehmen wir weiterhin an, dass das Schwert des Helden, der das Monster niederstreckt, im Laden 40.000 GP gekostet hat und 50 Anwendungen erlaubt. Der eine Schlag, mit dem das Monster getötet wurde – und man braucht im Idealfall nur einen – kostet also ein Fünfzigstel = 2 % des Neupreises: 800 GP. Würde ich so weitermachen, hätte die Gruppe am Ende 40.000 GP ausgegeben, aber nur 50 x 250 = 12.500 GP eingenommen. Die Gruppe wäre bald pleite. Und diese Rechnung beachtet noch nicht die 1:1 Kosten, die durch die Heilung von verlorenen Lebenspunkten der Helden im „Inn“ enstehen, und ganz extrem wird die Sache, wenn man mangels Können (das heißt mangels genügend großer Fähigkeit, Schaden auszuteilen) mehrere Schläge für ein Monster braucht.

Der Heldenmanager muss also auf Waffen zurückgreifen, deren Kosten das errechnete Einkommen pro Schlag unterschreiten. Zum Beispiel ein Schwert für 11.000 GP. Das kostet pro Schlag nur 220 GP. Pro Monster würde also ein Gewinn von 30 GP anfallen. Ausgaben 11.000, Einnahmen 12.500 GP. Besser als nichts, aber wahrscheinlich nicht genug, da die Helden ja auch Schaden einstecken, der beim Heiler bezahlt werden muss. Bei einem Gewinn von 30 GP muss man 10 Monster für einen Heiltrank umbringen, der, verteilt auf vier Anwendungen, etwa 750 Lebenspunkte zurückbringt (und damit deutlich günstiger als der Heiler ist).
Also noch günstigere Waffen finden. Diese sind dann natürlich direkt proportional zu ihrem Kaufpreis weniger effektiv, und das heißt: Leveln tut not. Die statistischen Werte der Helden müssen mittels Training so weit steigen, dass ihre körperlichen Eigenschaften die mangelnde Schadenskapazität ihrer Waffen ausgleichen.
Anders als bei „Final Fantasy Legend I“ muss ich zum Waffenkaufen auch nicht zeitraubend den Weltenturm hinuntersteigen, weil sich in meiner Sammlung magischer Steine („Magi“) ein „Pegasus Magi“ befindet, mit dem ich mich zu jeder beliebigen bereits besuchten Stadt teleportieren kann. Echt praktisch.
Zuletzt muss man sich nur davor hüten, vor lauter Finanzplanung den Wert von 999.999 GP im Geldbeutel (oder eher: „auf dem Ochsenkarren“?) zu überschreiten – dann fängt die Zählung nämlich wieder bei 0 GP an, und alles Gold ist verloren.

Das Heldenmanagement machte ich dann einen guten Teil des Nachnmittags über, las das Buch weiter und sah dann auf die Uhr: 1600. Ich könnte mal was essen, aber wie tun? Ich konnte nicht weg, zumindest nicht weit. Bei Blasendruck bin ich in den „Domstein“ gegangen, mit kommandomäßiger Präzision hinein und wieder heraus, da ich den Weg zu deren Toiletten ja auswendig kenne. Dazu irgendwann später mal mehr. Der Döner am Hauptmarkt ist fad und überteuert. Pommes kaufe ich mir nicht an der Bude, weil das Kilo im Supermarkt 90 Cent, im Straßenverkauf aber pro Portion 1,80 E kostet. Wieviel werden das sein? 100 Gramm? 150 Gramm? Selbst wenn ich das Fritierfett und die Arbeitskosten mit einbeziehe, ist das eine wahrhaft fette Gewinnspanne. Wenn ich mal ebenso fett im Lotto gewinnen sollte, eröffne ich ein Lokal, nenne es „Truppenküche“, stelle Metzger als Köche ein, und verkaufe günstiges Bundeswehrniveau zu überhöhten Preisen an Nostalgiker.
Ich versuche es bei einer Pizzeria in der Neustraße, aber die eröffnen an Sonntag Nachmittagen erst um 1700. Und als ich dann nochmal anrufe, muss ich erfahren, dass die nicht liefern.

Okay, die letzten beiden Stunden würde ich auch noch rumkriegen. Ich schüttete mir mein Wasser in den Bauch, damit der Magen nicht knurrte.
Um 1730 legte ich die letzten paar Seiten des Buchs noch einmal beiseite, um mit einer Partie „Gargoyle’s Quest“ eine Punktlandung zum Feierabend hinzulegen.
Brennende Stadt, der Zundo Druer Kugelfisch, Portal, hallo Baron, Fingernail of the Spectre, Monsterturm, Gremlin Stick, Blockbuster, Candle of the Poltergeist, Wings of the Falcon, Essence of the Soulstream, Bellzemos, Darkoan, Armor of Guile, Desert of Destitution, Zakku Druzer, Candle of Darkness, Claw, Marjorita, Rushifell, Eternal Candle, Darkfire, Breager, Abspann.

Blick auf die Uhr: 1830. Entweder ich habe Illusionen über die bisherige Zeit, dieses Spiel durchzuspielen (ich habe gedacht, es dauere 90 Minuten), oder ich habe irgendwas besser gemacht als sonst. Aber das kann ich ausschließen. Ich spiele dieses Spiel seit Jahren von vorn bis hinten durch, ohne dabei auch nur ein Leben zu verlieren oder ein neues kaufen zu müssen.
Ich habe wohl was verwechselt… denn das Spiel füllt eine Zugfahrt nach Saarbrücken, und die dauert etwas mehr als eine Stunde. Ich glaube, die Legende von den 90 Minuten sind entstanden, als ich vor über 10 Jahren mal spielend von zuhause nach Bebelsheim gelaufen bin; von Haustür zu Haustür hat es für ein Spiel gereicht, und aus irgendeinem Grund habe ich gedacht, der Spaziergang habe 90 Minuten gedauert… vermutlich habe ich damals die Abmarschzeit falsch in Erinnerung gehabt.

Die letzte halbe Stunde las ich in meinem Buch, und bis ich an der Bushaltestelle angekam bin, war es zu Ende. Um kurz vor Sieben packte ich zusammen, und als ich gerade die Sitzbank wieder in den Stapel zurücklegte, kam auch schon die Ablösung, die sich die Nacht am Laptop um die Ohren schlagen wollte. Seine Frage, wann das Zelt morgen abgebrochen werde, konnte ich leider nicht beantworten. Ich nahm meinen Rucksack und machte mich auf den Heimweg.
Das war sehr kurzweilig und schnell vorbei.

22. September 2009

Von Nagaoka und unsichtbaren Panzern

Filed under: Japan,Militaria,My Life — 42317 @ 18:39

Ein großes Wochenende hätte es sein können, der 19. und der 20. September. Zum einen sollte Freitag auf Samstag das Nagaoka Festival unter dem Titel „Konstantin lädt ein“ stattfinden, zum anderen hatte die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 41) gegenüber Kürenz für Samstag und Sonntag „Tage der Information“ angekündigt, und ich habe bereits vier Jahre gewartet, dass sich ein solches Ereignis wiederholen würde.

Am Samstag Morgen um 1015 stand ich an der Bushaltestelle vor meinem Haus, um in den Bus Richtung Avelertal zu steigen. Irgendwas gefiel mir an der Art, wie das Sonnenlicht auf die Hausseite traf und wie sich dieses Bild durch die sich verfärbenden Bäume an der Haltestelle darstellte. Ich nahm die Kamera aus der Hosentasche, um ein Foto zu machen, hatte auf dem Bildschirm allerdings das Gefühl, durch eine Jalousie zu schauen – was ist da los?

Ein Blick auf das Objektiv der Kamera zeigte mir, dass die obere Hälfte der Blende, die als Staub- und Kratzschutz vor der Linse fungiert, aus ihrer Führungsrille gesprungen war und sich nicht mehr öffnen ließ. Scheinbar bin ich in den vergangenen Tagen bei irgendeiner Gelegenheit mit irgendeiner Kante – möglicherweise ein Teppichstapel – genau daraufgestoßen.
Es stellte sich schnell heraus, dass weder meine Fähigkeiten noch das mir in jenem Moment zur Verfügung stehende Werkzeug den Schaden beheben können würde.

Dennoch fuhr ich zu dem Parkplatz am Avelertal und nahm den Shuttleservice der WTD in Anspruch, sowie einen Flyer entgegen, der mir einen Überblick über das Programm verschaffte.
Ich sah mir eine Teststrecke an, auf der Fahrwerke unter kontrollierten Bedingungen auf ihre Geländefähigkeit überprüft werden können. Sie besteht aus fünf Betonfahrspuren mit verschieden hohen Erhebungen, und eine Zahl von Ketten- und Radfahrzeugen fuhr unter den Kommentaren eines Ansagers immer wieder darüber hinweg, darunter ein Dingo Geländefahrzeug, ein Zehntonner LKW, ein Leo2 und eine Panzerhaubitze 2000.

Die Ausstellung der historischen Fahrzeuge war ein wenig gewachsen. Wie beim letzten Mal fanden sich auch an diesem Wochenende ein JgPz I (etwa 2 m hoch, halb offene Kuppel, mit 47 mm PaK), eine „Hummel“ Selbstfahrlafette mit 150 mm Kanone, ein Pz III (Flamm), ein Pz V „Panther“, ein M5A1 „Stuart“, und ein sowjetischer T-34/85. Neu dazugekommen waren der Bergepanzer auf dem Fahrwerk des Pz IV (Bj. 1941) und der Jagdpanther. Beeindruckendes Gerät.

Auf dem Hof mit den Radfahrzeugen befand sich ein moderner Funktrupp auf einem 7,5t LKW, und daneben das dazugehörige Aggregat, das heutzutage scheinbar ebensoviel Platz braucht. Zu meiner Zeit war das auf einem Anhänger untergebracht, heute braucht sowas scheinbar ein eigenes Fahrzeug. Aber dieser SatTrupp ist technisch auch umfangreicher als mein alter Kilowatt-Trupp.
Der Feldwebel und der Hauptgefreite hier hatten keine Stabantenne mehr, sondern eine 4,5 m Satellitenschüssel, sie verwendeten auch keinen FS-200 Fernschreiber, sondern einen Desktop PC, dem entsprechend auch keine Lochstreifen mehr, sondern E-Mail. Der SatTrupp ist wohl seit 2001 im Einsatz.

Ich unterhielt mich mit den beiden eine Weile und kam zu dem Schluss, dass sich an der Gesprächskultur der Bundeswehr nichts geändert hat. Nein, ich meine nicht die Dreifaltigkeit von Frauen, Autos und Fußball. Vielmehr unterhielten wir uns über den Leistungsmangel des Bundeswehrmaterials gegenüber dem nicht-militärischen Äquivalent, die unverschämt höheren Preise dieser qualitativ eingeschränkten Versionen, die mangelnde Anpassungsfähigkeit des Materials im Allgemeinen an die sich verändernden Aufgaben der Bundeswehr, und die Realitätsferne mancher Beschaffungsaufträge. Der Feldwebel wies an einer Stelle mit dem Daumen in Richtung der Kettenfahrzeuge im Hof nebenan und erwähnte den dort aufgestellten Marder mit Wüstentarn als Beispiel:
„Dem seine Tarnung ist nicht aufgepinselt, sondern besteht aus einem Plastiküberzug, dessen Einzelteile mit Klettverschlüssen zusammengehalten werden.“ Sicherlich flexibler als ein klassischer Tarnanstrich, und muss, anders als Farbdosen und Pinsel, auch nicht immer wieder neu gekauft werden, aber „wenn das Ding mal zu dicht an einem Baum vorbeifährt, reißt es den Überzug runter und das Ding ist wieder grün.“ Und je nach Situation möchte oder kann man vielleicht nicht sofort aussteigen, um den Missstand zu korrigieren.

Danach stattete ich dem Sozialdienst der Bundeswehr und dem natürlich anwesenden Wehrdienstberater einen Besuch ab, denn ich wollte ja gern ein oder zwei Kissen haben, wie sie in BW Kasernen verwendet werden. Darauf liege ich mir meine Schulter nachts nicht zu Mus. Das heißt, im Sommer habe ich keine Probleme, aber im Winter spüre ich mein Schultergelenk nachts ganz deutlich, was erst besser wird, wenn es nach dem Aufstehen irgendwann warm geworden ist.
Aber von den Anwesenden konnte mir keiner sagen, wie ich da rankommen könnte, und man empfahl mir, mich direkt an die Truppe zu wenden.

Vom Sozialdienst bekam ich einen Katalog mit Urlaubsangeboten, wo ich als Mitglied 10 % Preisnachlass erhalten könne, aber ich habe meine Mitgliedschaft im Bundeswehrverband noch zu gut schlecht in Erinnerung, wo man mich ebenfalls mit Rabattangeboten hinlockte – und ich nach Inspektion der entsprechenden Läden feststellte, dass es sich um kleine Einzelhändler handelte, die trotz (5 %) Rabatt in ihren Preisen von großen Fachmärkten wie MediaMarkt, Blitz, oder ProMarkt locker unterboten wurden.

Ich kam nicht umhin, dem Oberleutnant von der Wehrdienstberatung meine Erfahrungen mit seinem Metier zu schildern, und er beteuerte, dass das heute ganz anders gemacht werde, dass er umfassend informiere, und nicht nur Fragen beantworte, die man ihm auch stelle… denn es hätte mich schon gefreut, damals, 1997, zu erfahren, dass man als Soldat auf Zeit gleich voll bezahlt wird… meine Unterschrift unter den W10+13 „W-Flex“ Vertrag hat der Bundeswehr letztendlich 17000 Mark an Löhnung gespart, die ich in den ersten 11 Monaten bekommen hätte, wenn ich statt verlängertem Wehrdienst gleich SaZ-2 gewählt hätte, was damals, nach meinem Wissen, in der Mannschaftslaufbahn möglich war.

Zum Abschied kriegte ich insgesamt den eben genannten Katalog, zwei Kugelschreiber, zwei Schlüsselbänder, und ein Mousepad mit 3D-Effekt.

Die Frustration über die verflossene Möglichkeit, Fotos und Videos zu machen, färbte deutlich auf meine Laune ab. Ich verließ das Gelände wieder, ohne mir das Panzertauchen mit Notausstieg unter Wasser, oder das übliche Zerquetschen von Schrottautos anzusehen. Ich wollte versuchen, in der Stadt einen Laden zu finden, der die Kamera aufschrauben und in Ordnung bringen konnte.

Nach einem Besuch entsprechender Läden stand eines fest:
„Das könne ma net hier mache, das müsse ma einschicke.“
Wunderschön, ich brauche die Kamera aber heute! Jetzt! Sofort!
Nix is. Wieder mal ein leckeres Stück Pustekuchen.
Als ich aus dem letzten Laden kam, war ich nahe daran, die Knipse auf den Bürgersteig zu klatschen. Aber ich lasse es. Erstens waren noch 2 GB Extraspeicher drin, und zweitens bestand ja die Möglichkeit, dass ich für den Reparaturpreis plus ein paar Kröten mehr noch keine neue Kamera kriege.

Wenn ich schon mal da war, dann blieb ich auch hier und sah mir das Nagaoka Festival an. Immerhin hatte ich mich mit fünf Bildern an dem von der City-Initiative ausgeschriebenen Fotowettbewerb beteiligt, und wollte gerne sehen, was andere Leute beigesteuert hatten. Ich ging an der Bühne am Hauptmarkt vorbei, wo eine Karate-Vorführung zu sehen war, und ging gleich in das Zelt auf dem Domfreihof. Im Zelt war es trotz der Eingangsöffnung von 2,5 auf drei Metern unangenehm wärmer und schwüler als draußen, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Zelt oder irgendein Bestandteil davon nach Pferd roch. Ich habe nichts gegen Pferdegeruch, ich empfinde das nicht als störend, aber es war doch auffällig.
In dem Zelt traf ich auch Kolleginnen von „Trier spielt“ wieder und helfe ein bisschen beim Origamifalten. Nicht, dass ich viel davon verstehen würde, aber die Bastelanleitungen aus dem entsprechenden Buch erschienen mir nachvollziehbarer als der frustrierten Bastlerin.

Ich sah mir die vorhandenen Fotos für den Wettbewerb an und schätzte, dass es sich etwa um 50 handelte, was bedeutet, dass meine Freundin und meine Wenigkeit für schätzungsweise 20 % der Ausstellung gesorgt hatten. Die meisten Bilder waren das, was ich nicht sehen wollte, nämlich wunderhübsche Klischeebilder. Da sind Gartenanlagen, Tempeltore, Schreine, Kirschblüten, und eine Maiko (Geisha in Ausbildung) oder allgemein weibliche Menschen im Kimono. Wenig klischeehaft sind nur wenige Bilder, wie das eines mir bekannten, verklärt wirkenden Studenten unter einer Leuchtreklame, die sich „Yume (nozomi)“ („Träume (Wünsche)“) liest. Ein gutes Bild nach meinem Ermessen, aber sein wie auch mein Übel an diesem Wettbewerb ist, dass jeder Besucher, der teilnehmen will, ein Lieblingsbild auswählen darf, das heißt in erster Linie Leute, die keine Ahnung vom Thema haben. Die wählen natürlich die schönen Klischeebilder, und nicht solche, die davon abweichen oder eben solche, deren dargestellten Text man mangels Sprachkenntnis nicht lesen kann. Die Kollegin von „Trier spielt“ konnte mit dem Bild von dem Schrottauto, das ich eingereicht habe, auch nichts anfangen, bis ich es ihr erklärt hatte.

Schrott

Das Foto wurde von mir im März 2004 in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet ein paar Kilometer südlich von Hirosaki aufgenommen. Es ist anscheinend üblich, dass Bauern, die überall ihre Apfelbäume pflanzen und pflegen, ihre alten Autos nicht verschrotten, sondern als Schuppenersatz auf die Plantage stellen, um darin Werkzeug zu lagern, das sie für die Apfelzucht brauchen. Einige dieser Autos, wie das beschriebene, befinden sich in einem bereits fortgeschrittenen Stadium der Zersetzung, werden aber dennoch nicht entsorgt – wohl angesichts der damit verbundenen Kosten.
Unter dem rechten Vorderrad des dargestellten Wagens befand sich als Stütze eine Autobatterie, die ebenso alt wie der Wagen sein dürfte. Aus dieser Batterie lief alles mögliche aus (was auch immer außer Säure da drin sein mag), was in der kleinen Vertiefung eine widerliche schwarze Schlacke gebildet hatte.
Das Bild soll ausdrücken, dass Japaner zwar ein ästhetisches Umweltbewusstsein haben, was man an der effizienten Landschaftspflege und am künstlerischen Gartenbau sehen kann, dass es ihnen aber an Umweltschutzbewusstsein noch sehr mangelt. Das Foto soll einen bewussten Contrapunkt zu den anderen Darstellungen bilden, von denen mir völlig klar war, dass sie auftauchen würden.

Ein weiteres schönes Bild war wohl der Teich, mit dem ich was über scheinbare Oberflächlichkeit und faktische kulturelle Tiefe sagen wollte… aber das wäre bestenfalls einer Expertenjury aufgefallen, denn leider war es nicht möglich, einen erklärenden Text mit dazu abzugeben. Den hätte ich in das Bild drucken müssen, und das habe ich erst erfahren, als ich die fertigen Ausdrucke abgab.

Ich wechselte von den Fotos zum Tisch in der Mitte und ignorierte dabei den Aikido Verein am Fußende des Zelts. Ich redete ein bisschen mit der Fachschaftsvertretung, deren Namen ich zwar vergessen habe, deren Gesichter ich aber immerhin wiedererkenne. Die Besucherfragen sind typisch und die Antworten eingeübt: „Japanisch ist doch sicher schwer? Und was macht man dann damit?“ Ich empfehle jedem Japanologen, und denen, die es werden wollen, sich so schnell wie möglich Antworten auf diese Fragen zu überlegen, denn man wird immer wieder von verschiedenen Seiten aus damit gelöchert.

Von der Fachschaft wechselte ich zum Herrn Uchita und stellte dort meine mangelnde Begabung für Kalligrafie unter Beweis. Das interessante Wechselspiel von breiten und dünnen Strichen, das sich zwangsweise aus der Form des Pinsels ergibt, rettet meine infantile Pinselschrift auch nicht.
Die freiwillige Aufgabe des Herrn Uchita, der sich in seiner Freizeit nicht nur mit moderner, sondern auch altertümlicher Kalligrafie beschäftigt, bestand darin, vorbeiwandernde Besucher dazu einzuladen, ihren Namen mit dem genannten Pinsel in Katakana zu schreiben, und wenn ihm was originelles einfiel, steuerte er auch noch eine Kanjischreibung bei.

Da kam zum Beispiel ein Mädchen mit Mutter vorbei. Herr Uchita komplimentierte sie auf die Sitzbank und forderte sie auf, ihren Namen zunächst auf Deutsch auf das Blatt zuschreiben.
Katharina.
Dann zeigte er ihr die korrespondierenden Katakana in der Liste, und Katharina wurde zu
????.
Das heißt, sie schrieb im ersten Versuch, während ich die Strichreihenfolge erklärte.
Uchita schrieb dann die schöne Variante, und die junge Kundin schließlich eine deutlich verbesserte eigene.
Da er wohl eine Eingebung hatte, steuerte er noch eine Kanjischreibung hinzu:
????.
Diese Version liest sich ebenso wie der ursprüngliche Name. An den Schriftzeichen kann man dann eine von der deutschen Ethymologie (gr. „katharos“ = „die Reine/Aufrichtige“) abweichende Bedeutung festmachen:
? = mehr
? = viel
? = Heimat
? = (alter Fragepartikel ohne Bedeutung, etwa „Was“ oder „Wie“)
Ich bot als Interpretation an „Zuhause ist es am schönsten“ an, und damit waren alle zufrieden.

Ich hatte schon fast vergessen, wie viel Lob ein einzelner Japaner in kürzester Zeit zu äußern im Stande ist, Herr Uchita sprudelte über davon. Meisterwerke habe ich bei der Handvoll von Schreibern nicht im Ansatz gesehen, aber schließlich machen diese Leute das auch zum ersten Mal und ich halte es für deutlich, dass Kinder mehr Geschick an den Tag legen, als Erwachsene, was mit ihrer größeren Übung im Malen zusammenhängen könnte. Von den Erwachsenen zeigte eine Innenarchitektin mehr Begabung als der Durchschnitt, wohl aus einem ganz ähnlichen Grund.

Etwa an dieser Stelle sah ich Peter und Marco vom Animeclub (plus eines weiteren Bekannten, der wohl ebenfalls dazugehört, mir aber nicht weiter vorgestellt wurde – nennen wir ihn X) und wanderte mit denen durch die Innenstadt, auf der Suche nach interessanten Dingen. Ganz klar zu beobachten war, dass sich die Anzahl der anwesenden Japaner sehr in Grenzen hielt. Ich hätte wegen der Vielzahl japanischer Firmen in Luxemburg mit mehr gerechnet, aber vermutlich drückten die sich alle in dem großen JTI (Japan Tobacco Industries) Zelt an den Kaiserthermen rum. Das knappe Dutzend Japaner, an die ich mich erinnern kann, bestand zum geringeren Teil aus Austauschstudenten, die als Besucher da sind, und zum größeren Teil aus freiwilligen Helfern an den Fressbuden, die es natürlich auch hier geben muss.

Auch hier wurden Klischees eingehalten: Es gab Frühlingsrollen und Misosuppe. Dabei sind mir Frühlingsrollen in Japan nicht dauerhaft im Gedächtnis geblieben. Gyôza schon eher (chinesische Ravioli?). Auf Sushi hatte man vermutlich wegen der fehlenden Kühlmöglichkeiten und den abschreckenden Preisen verzichtet. Aber wo waren die Yakisoba? Wo die so genannten „Frankfurter“ Würste und Bananen mit Schokoüberzug am Stiel? Wo waren die Süßkartoffeln? Wo die Takoyakibällchen, und Ikayaki, der gegrillte Tintenfisch? Ramen und o-Nigiri waren ebenfalls abwesend. Mir fehlte hier so viel, dass ich darüber völlig vergaß, was es eigentlich in der Tat zu essen gab. Außer Misosuppe und Frühlingsrollen. Ich habe aber sicher auch so einiges übersehen, Augenzeugen mögen mich also bitte korrigieren, falls notwendig.

Abgesehen vom Zelt vorm Dom handelte es sich hier um eine für mich leider völlig uninteressante Veranstaltung. Das breit angekündigte „japanische Feuerwerk“ am Abend könnte für mich nicht unbedeutender sein. Auf dem Kornmarktplatz war allerdings für 15 Uhr eine japanische Geigerin angekündigt, und weil X auf Geigenmusik steht, gingen wir halt hin. Ihr Name wurde in der Broschüre transkribiert als „Ruri Takitsawa… soso… ist mir die Existenz einer Silbe „tsa“ bislang entgangen, oder hat da jemand in Unkenntnis den mir bekannten Namen „Takizawa“ verunstaltet?
Der Ansager der kleinen Bühne hat es jedenfalls nicht gebacken bekommen, den Namen vorher zu üben, oder zu fragen, wie man ihn denn ausspricht, denn er braucht drei Versuche, bis er es durch Zuruf der Geigerin hinbekommt. Sie komme aus Yokohama, sagt er dann, und sei zwölf Jahre alt.
Das muss aber ein Talent sein, wenn man die extra aus Yokohama herbestellt!

Dummer Gedanke! Diese von Spenden getragene Veranstaltung verfügt gar nicht über die Mittel, echte Talente vom anderen Ende des Planeten einzufliegen. Ich ging also eher davon aus, dass die junge Dame auf dem Weg nach Trier den Umweg über Düsseldorf genommen hat, dass sie also möglicherweise in Yokohama geboren ist, aber derzeit in Düsseldorf lebt und irgendwie in diese Veranstaltung hineinbeschwatzt wurde.
Frl. Takizawa fiedelte in ihrem blauen Kimono also erst mal zwei klassische Stücke, bevor sie nach höchstens mal zehn Minuten eine Pause machte. Vielleicht war das aber auch notwendig, um dem lokalen Karnevalsverein (in friederizianischen Trachten) den singenden und klingenden Abmarsch zum Hauptmarkt zu ermöglichen, ohne, dass sich das Klangprogramm biss.
Ich muss allerdings über die Geigerin sagen, dass ich mich bereits nachdem sie zwei Takte gespielt hatte, nicht des Gedankens erwehren konnte, schon lange nicht mehr eine so durchschnittliche Leistung auf einer Violine gehört zu haben. Aber wen wundert’s? Die Solistin ist 12 Jahre alt und sie spielt exakt auf der Qualitätsstufe, die man von einem normalen und durchschnittlich begabten zwölf Jahre alten Kind erwarten kann. Nicht mehr. Warum sie öffentlich auftritt oder dazu ermuntert wurde, ist mir ein Rätsel. Was mir bleibt, ist der Respekt davor, dass sie sich traut, vor Publikum zu spielen. Zum letzten Mal hatte ich dieses Gefühl so stark, als ich vor zehn Jahren die Tanz- und Gesangsvorstellung stark übergewichtiger Sailor Senshi erlebte, die weder singen noch tanzen konnten.

Was machen wir als nächstes? Meine drei Begleiter wollten sich eine scharfe Currywurst geben und gingen in die Fressecke dieser vor etwas mehr als einem Jahr neu eröffneten Einkaufsgalerie in der Fußgängerzone. Die Wurst, bzw. die Soße dazu, gibt es dort in zehn Schärfegraden, wenn ich mich nicht irre; interessant wird das Ganze ab Stufe vier, und Stufe sechs ist schon nichts mehr für den Normalbürger. Stufe sechs gibt es erst „ab 18“, und höhere Stufen erhält man nur mit „Schärfepass“, einem Stück Glanzpapier, das einer Rabattkarte nicht unähnlich ist. Man erhält darin Stempel zur Dokumentation der bereits erreichten Stufen, und erst, wenn man einen Stempel für die Sechs erhalten hat, wird einem die Sieben oder höhere verkauft. Zum Mundspülen wird Hochwaldmilch angeboten, weil Wasser ja die ganz falsche Wahl wäre.

Viele Leute – in erster Linie männliche Testosteronsklaven, wie ich annehme – essen sowas als Mutprobe, wie ich höre, andere loben den Geschmack, obwohl das nur wenige sind. Ich habe von einigen Besuchern Kommentare gelesen, die die Wurst als bestenfalls durchschnittlich bezeichnen, während die Soße lediglich mit irgendeinem Konzentrat aufgemotzt wird, was sie zwar scharf mache, den Geschmack aber in den Hintergrund treten lasse.
Meine Männlichkeit braucht jedenfalls keine scharfe Wurstsoße zur Selbstbestätigung, von daher lehnte ich die angebotenen Stückchen dankend ab. Erstens bin ich kein Fan von Currywurst, und zweitens hatte ich nichts im Bauch. Auf nüchternen Magen eine sehr scharfe Soße zu essen, würde meine Magenschleimhaut nicht schätzen, und da steh ich nicht so drauf. Ich werde vielleicht irgendwann mal zum Einstieg eine Vier und eine Fünf essen, aber nicht auf leeren Magen.

Ich konnte Peter dafür gewinnen, sich im Anschluss die Panzer ebenfalls anzusehen. Er hatte am Tag darauf keine Zeit, und ich bedauerte es doch irgendwie, die Rundfahrt durchs Gelände nicht gemacht zu haben, also setzten wir uns in den Bus, der wegen einer NPD-Kundgebung an der Porta und der obligatorischen Antifa-Gegenveranstaltung am gleichen Ort einen Umweg fahren musste.
„Arbeit zuerst für Deutsche!“
Ja, was sind denn Deutsche? Sind das blond-blauäugige Mustermänner und -frauen aus Adolfs Märchenbuch? Oder sind das Leute mit einem einwandfrei deutschen Pass? Da die NPD und ihre Spießgesellen in konstruierten ethnischen Kategorien denken, wird die zweite Variante wohl flachfallen.
Rhetorisch ungeschickt aber auch die gegenüberliegende Ecke.
„Reichtum für alle!“ sagt das erste Plakat der LINKEN.
„Reichtum stärker besteuern!“ sagt das zweite.

Ich kam mit Peter um 1630 in der WTD an, reichlich spät, bedenkt man, dass die Jungs um 1700 Feierabend machen wollen. Wir schauten uns den Rest der Hundevorführung an, gingen dann aber gleich auf die Panzerbahn, wo die übliche Schlange vorm Podium stand. Wir warteten etwa 15 Minuten, bis wir dran waren (mit neun anderen), in dem Leo2 Chassis eine schnelle Runde zu drehen. Besser als eine Achterbahn, auf ihre Weise, und das völlig umsonst. Das Vehikel bringt es nur auf 70 km/h, schaukelt aber schön und fliegt auch schon mal von einer Kuppe zur nächsten.

Danach sahen wir uns in aller Ruhe die ausgestellten Fahrzeuge an und verließen um kurz nach halb sechs das Gelände. Nach unten versagte der Fahrdienst leider völlig, da musste man zu Fuß gehen.
Es sind über 250 Betonplatten bis zur Hauptstraße, und pro Platte benötige ich vier bis fünf Schritte, je nach Grad der Straßensteigung. An der Stelle „rettete“ uns allerdings Sönke, der nach einer Verabredung in Luxemburg heute nicht mehr rechtzeitig kommen konnte. Er ließ Peter an der Bushaltestelle raus und nahm mich mit vor die Hautür, wo ich allerdings feststellte, dass ich vergessen hatte, dass ich noch einkaufen muss. Also in den nächsten Bus und Richtung Bahnhof gefahren.

Dabei musste irgendwas mit meiner Zeitwahrnehmung schiefgegangen sein: Ich denke, zwischen Peters Aussteigen aus dem PKW und meinem Einsteigen in den Bus konnten keine zehn Minuten vergangen sein; als ich dann fünf bis zehn weitere Minuten später wieder an ihm vorbeifuhr, hatte er bereits die ganze Strecke bis zur ATU Zweigstelle zurückgelegt, in schätzungsweise etwas mehr als einer Viertelstunde. Er ist entweder besser zu Fuß, als man ihm ansieht, oder ich habe mich irgendwo zeitlich verschätzt.

Zu guter Letzt war es ein interessanter Samstag, wenn auch im Hinblick auf meine Kamera kein besonders guter. Ich muss die Woche also mal zu MediaMarkt tigern und mich erkundigen, was ich für eine Reparatur löhnen muss, und der Gedanke ist mir von Haus aus unangenehm.
Und wenn ich mir die Sache hier so ansehe, könnte ich auch eine neue Schreibtischlampe gebrauchen.

14. September 2009

Trier spielt mit abhebenden Zelten

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 14:45

Am Samstag dem 12. September gab es ein weiteres Trier spielt Event. Ich nahm zum fünften Mal daran teil und bekam die Verantwortung für den Infostand am Viehmarkt. Bis zur Veranstaltung selbst war noch unklar, ob ich nicht eine Straßensperre übernehmen würde, was mich immerhin von den nervigen Kids befreit hätte, die Heliumballons ohne Knoten oder gleich eine ganze Packung leerer Ballons haben wollen… und während sie danach fragen die Packung schonmal in die Hand nehmen. Daher Anweisung an meine Mädels: Lasst die Ballons in den Kisten, bis Ihr sie rausnehmt und lasst alles außer Griffweite. Auf den Tischen lagen also tatsächlich nur Lagepläne und Werbeflyer für das Nagaoka Event kommende Woche rum und zwei T-Shirts hingen draußen. Alles andere befand sich in relativer Sicherheit, was zu ein bisschen Chaos im Zelt führte, aber dem entzog ich mich erfolgreich durch das Verteilen des Veranstaltungsprogramms an Passanten.
(lächel) „Möchten Sie einen Lageplan?“
(nuschel) „Isch will nix.“
Ha, keine rauhen Finger vor lauter Luftballons knoten! Stattdessen den ganzen Tag in der Sonne rumstehen. Viel angenehmer mit Kopfbedeckung als ohne. Das war’s wert.
Nur zu Beginn musste der unästhetisch aufgeschüttete Spielsand ein bisschen eingeebnet werden. Dabei wäre es schön gewesen, wenn man uns Schaufeln zur Verfügung gestellt hätte, anstatt uns den feuchten Sand mit Kehrbesen verteilen zu lassen.

Okay, auf dem Tisch unseres Zelts, wie auch bei jedem anderen Infostand, stand noch was anderes: Ein versiegeltes Zweiliterglas mit Luftballons drin. Das Faltblatt mit dem Lageplan hatte auch ein Teilnahmeformular, und Interessierte sollten schätzen, wie viele Ballons in dem Glas seien. Zu gewinnen gab es eine Kinoflatrate für das Cinemaxx im (derzeitigen) Wert von 250 E. Alex‘ Vergleich mit einem neuen Plastiksäckchen mit denselben Ballons war im Ansatz gut gedacht, im Nachhinein sogar hervorragend, da waren knapp mehr als 100 drin, aber leider schätzte er völlig daneben, sein Tipp lag so bei 170 Stück, in Überschätzung der Packdichte. Ich durfte als Mitarbeiter der City Initiative Trier nicht mitmachen, und niemandem außer dem Management war bekannt, um wie viele Ballons es ging. Das Glas enthielt in der Tat nur 112 Ballons.

Der ganze Tag war sonnig und die Temperaturen ab 10 Uhr angenehm, der Sand am Viehmarkt wurde rege genutzt. Aber der Wind machte unserem Standort zu schaffen. Kein anderer Stand hatte das Problem, aber scheinbar standen wir in einer wunderschönen Windfalle, und trotz mehrerer Sandsäcke hob das Zelt einmal ab und konnte gerade noch festgehalten werden, bevor es völlig nach hinten umkippte. Einen Biegeschaden am Gestänge konnten wir leider nicht verhindern.

Irgendjemand war wohl wieder großzügig gewesen, denn uns standen wie letztes Jahr wieder einmal zwei große Gasflaschen zur Verfügung. Vor zwei Jahren waren es zwei kleine und vor drei Jahren eine große gewesen. Meine Erfahrung fand sich auch dieses Jahr bestätigt, dass eine große Flasche bis drei Uhr Nachmittags reicht. Man müsste allerdings dem Lieferanten, der das Gas zur Verfügung stellt, mal in den Hintern treten, damit auf den Schraubverschlüssen der Flaschen mal irgendwie gekennzeichnet wird, wo der Gashahn sitzt. Die Feuerwehr, die für die Verteilung zuständig ist, kann das nicht feststellen, weil die Flaschen versiegelt sind, die fixieren die Flaschen nur mit Panzertape, und wir, die wir das Helium für die Luftballons zapfen müssen, sollen dann damit klarkommen, wenn der Gashahn vom Zelt weg zeigt.

Gar nicht großzügig war dieses Jahr die Verpflegung der Helfer. Vor fünf Jahren befand sich auf dem Domfreihof ein Zelt, in dem Helfer umsonst Brötchen und Kaffee bekommen konnten. Im Jahr drauf hatte Hochwald Yoghurt gesponsert. 2007 gab es Gutscheine für McDonald’s, und seit 2008 gibt’s nichts mehr, also Eigenversorgung.

Was mal wieder nicht reichte, war die Mülleimerpflege der Stadtverwaltung, bzw. des Abfallverbands ART. Sämtliche Mülleimer der Innenstadt sind jedes Jahr bis zum frühen Nachmittag voll, aber geleert werden sie dennoch nicht außerplanmäßig, und der Plan ist natürlich für normale Tage vorgesehen. Extraeinsätze für Veranstaltungen gibt es scheinbar nicht, jedenfalls habe ich auch dieses Jahr wieder Essensreste und Windeln um die Mülltonne am Viehmarkt eingesammelt, weil niemand wusste, wo das Zeug sonst entsorgt werden könnte.
Dabei fand ich es ganz toll, dass wir dieses Jahr DREI hundsgewöhnliche Mülltüten für den Hausgebrauch zugeteilt bekamen. Ansonsten hatten wir immer eine Rolle oder aber mindestens drei große Müllsäcke im Bereich von 120 Litern Volumen.

Drei Leute sagten uns dieses Jahr, wie toll sie die Veranstaltung fänden, die meisten behielten ihre Meinung für sich, und eine Frau beschwerte sich darüber, dass DAS DING, die Jugendsparte des SWR, ihre Musik zu laut aufgedreht hätten und dass die ganze Veranstaltung viel zu kommerziell ausgerichtet sei. Ich besah mir DAS DING in meiner Pause und fand die Musik langweilig und in der Tat etwas zu laut. Sie nahm sich allerdings eher dezent aus im Vergleich zu dem, was auf der Hauptbühne am Hauptmarkt lief. Da spielten mehrere Bands der Musikschule Trier die europäischen Musikstile herunter. Als ich vorbeiging, war wohl grade Poprock dran… instrumental klang das nicht schlecht, aber an der Singstimme würde ich noch ein bisschen basteln. Und es war immens laut.

Auf dem Domfreihof hatte sich die Spielbar eingerichtet und versuchte, das junge Publikum für Warhammer Tabletopspiele zu begeistern, also nicht diese unübersichtliche Kacke am Computerbildschirm, sondern mit Figuren auf dem Tisch und so. Natürlich interessiert mich diese Art von Spiel, aber erstens fehlt mir die Kohle dafür und zweitens die Nerven, die man braucht, um den Krempel anzumalen.
Nicht begeistert war ich von dem Typen, der die Spielprinzipien erklärte. Die erklärte er zwar schlüssig, aber ich wagte es, ihm Fragen zu stellen, auf die der Achtjährige, für den die Erläuterungen bestimmt waren, möglicherweise nicht kam, und ich hatte das Gefühl, dass ihm für Fragen außerhalb seiner Routine entschieden die Geduld fehlte. Und irgendwie auch taktischer Verstand:
„Wenn die Orks von vorn Feuer kriegen, warum nimmst Du als Verluste vier Figuren von hinten raus?“
„Weil es egal ist, es kommt nur darauf an, dass der Pulk kleiner wird (und damit weniger Angriffswürfel erhält).“
„Ja, aber wenn man die vorderen rausnimmt, wie es realistisch wäre, dann hätten die Orks wieder ein paar Schritte mehr bis zur Nahkampfentfernung (sie kriegen Boni im Nahkampf).“
„…“
Touché. Schweigen im Walde.
Depp.

Der Spieltisch war etwas klein und dazu noch in vier Quadrate aufgeteilt, sodass man mehrere Warhammerspiele gleichzeitig zeigen konnte, das hieß dreißig Zentimeter Kantenlänge pro Spielfeld. 40k und Fantasy Battle waren vertreten, ob Gorka Morka dabei war, kann ich nicht sagen.
Der Achtjährige Imperialist stürzte sich mit sechs Terminatoren in den Nahkampf mit zwei Dutzend Orks inklusive Orkboss. Es fielen insgesamt zwei Terminatoren und acht Orks. Die Grünen vergeigten ihren Moralcheck und liefen weg, wobei die den Rand des Spielfelds überschritten. Kampf zu Ende. Aber ich muss sagen, dass die Figuren sehr schön angemalt und das bisschen Diorama mit viel Sorgfalt ausgestaltet war.

Zu dem Zeitpunkt wollte ich jedenfalls irgendwas in meinen Bauch tun und entschied mich dafür, ein Eis zu essen. Kalorien im kompakten Format, mit einer Tüte Saft runtergespült. Da ich nicht vorhatte, die Innenstadtpreise zu zahlen und auch keine Böcke auf einen Dreierpack Eis am Stiel verspürte, musste ich bis zu NORMA in der Paulinstraße gehen. Das ist der einzige Laden, den ich kenne, der Eis einzeln und nicht ausschließlich im Multipack verkauft. Nachdem ich das dann alles intus hatte, ging es mir im Kopf wieder besser und die letzte Stunde konnte laufen.

Ab 1700 wurde eingepackt und um 1730 war das Zelt wieder verstaut und mein Team Richtung Lager verschwunden, womit es wieder an mir und den beiden Zuständigen für den „Sandkasten“ lag, den verteilten Sand zusammenzukehren und den Haufen in eine ladbare Form zu bringen, womit ich mal wieder einer der Minderheit war, die tatsächlich die ganze veranschlagte Zeit bis 1800 arbeitete und sich nicht schon vorher abseilte. Man muss allerdings auch sagen, dass wir überhaupt zur Bändigung der Sandmassen nur zwei Kehrbesen hatten, was hätten die anderen vier also machen können?

Der Abbau bescherte mir ein ungewöhnliches Geschenk. Ebenfalls auf dem Viehmarkt befand sich ein Stand von Nickelodeon mit, urgh, Spongebob-Thema. Es handelte sich um eine Art Hüpfburg, deren Wand mit einer Klettverkleidung überzogen war. Die Kinder wurden in einen entsprechenden Anzug gesteckt und sollten nach dem Sprungbrettprinzip so hoch wie möglich an der Wand hängenbleiben. Aber mir ging es ja um den Abbau: Eine Requisite des Stands war eine etwa drei bis vier Meter hohe Figur von Spongebob inklusive Sockel, die schwer genug war, um sie mit drei Leuten nicht sicher stürzen und zerlegen zu können. Der Teamleiter von Nickelodeon suchte also noch freiwillige Helfer, fand mich und zwei Passanten, und versprach uns ein kleines Geschenk für unsere Hilfe.
Wir stürzten den hässlichen Schwamm also mitsamt seinem Sockel, wobei mir die Aufgabe des Stoppers zukam, der zu verhindern hatte, dass das Monument auf der angesetzten Sackkarre entgegen der Kipprichtung wegrollte. Alles kein Problem. Dann griff der Teamleiter in eine große Kiste und drückte jedem eine kleine, etwa handgroße Spongebob Stofffigur in die Hand.
„Könnte ich nicht so ein Nickelodeon T-Shirt haben?“ fragte ich mit Hinweis auf die orangenen Hemden der Angestellten.
„Die haben wir leider nur bis Größe 140… wenn wir zwei auseinanderpfriemeln und zusammennähen, passt es Dir vielleicht.“
Leider bin ich in dem Moment nicht auf die Idee gekommen, mir ein kleines T-Shirt geben zu lassen, weil ich ja auch ein solches als Souvenir in meinen Schrank hängen kann. Denn im Gegensatz zu, urgh, Spongebobfiguren sammele ich durchaus gern ungewöhnliche T-Shirts.

Alles in allem ein guter Tag, und ich möchte Alex mit Frau Christine und Sohn Jan, sowie Katie und Memel mit Ehemann Yutaka und Tochter Anna für ihren jeweiligen Besuch danken, die sicher dazu beigetragen haben, den Tag noch angenehmer vorüber zu bringen.

Zuletzt auch mein Dank an die Mädels vom Infostand, deren Namen ich mir nicht habe merken können, die unermüdlich Luftballons füllten und sich trotz des Stresses nicht aus der Ruhe und nicht um ihre gute Laune haben bringen lassen.

8. September 2009

Manchmal kommt die Zeit aber früh…

Filed under: My Life — 42317 @ 10:39

Eine meiner online Bekanntschaften – in dem Forum, das ich frequentiere, als „Bloodfairy“ bekannt – wurde letzte Woche aus dem Leben gerissen, wie uns ihr Bruder wissen ließ. Zehn Tage nach ihrem 21. Geburtstag fiel sie einer betrunkenen Autofahrerin zum Opfer. Unser Forum ist klein genug, um zu ermöglichen, dass jeder jeden kennt, und dem entsprechend groß ist natürlich die Bestürzung.

Ich stelle fest, dass damit eine vierte online Bekanntschaft verschwunden ist, wenn auch die hier bestätigt tot ist. Von drei anderen kann ich es nur vermuten.

„Miss Verständnis“, Kate Wilson, Neuseeländerin mit irischem Pass, wohnhaft in Hamburg.
Letzte Aussage: Sie sei zurück vom Campen. Das war am 04. September 2008. Seitdem hat diese sonst fleißige Bloggerin nichts mehr hören lassen.
Vielleicht hatte sie aber radikal keinen Bock mehr auf bloggen, denn ihr letzter YouTube Login war noch im Januar. Was aber auch schon eine Weile her ist.

„Patricia Gallo“, US Amerikanerin, mit niedrigem IQ aber kindlicher Unbeschwertheit, ehemaliges Mitglied unseres Forums.
Letzte Aussage: „Mein Bruder ist immer nett zu mir, wenn er betrunken ist.“

Denise „Bunny“ Kittner, Jahrgang 1987, aus Hof, letzter Kontakt 2003, die einmal schrieb, dass ihre Mutter ihr nicht sage, an was sie leide, sondern nur darauf bestehe, dass sie sich nicht überanstrenge.
Eine der letzten Aussagen im Sommer 2003: „Ich bin mal wieder krank.“

Es ist halt ein Problem mit solchen Freundschaften, die man über das Internet pflegt: Soll man emotional völlig distanziert bleiben zu solchen Leuten, weil sie mitunter aus ernsten Gründen verschwinden, die Hinterbliebenen dies aber mangels Wissen nicht weitergeben können? Ungewissheit ist viel übler als die Klarheit einer schlechten Nachricht.
Vielleicht sollte ich selbst ein Papier hinterlegen, aus dem meine Internetbekanntschaften hervorgehen, damit auch diese erfahren können, falls mich irgendjemand überfährt oder sonst etwas dahinrafft.

7. September 2009

Meine Restwoche

Filed under: My Life — 42317 @ 10:23

Nun kam mir der Samstag (der 29. August) mit der Steuerkeule. Zumindest drohte er damit. Die Bundesknappschaft hat mich anno 2007 entnervt „vor die Tür gesetzt“, weil ich damals in der ersten Jahreshälfte zwei Jobs und damit zwei Einkommen hatte. Das stellte diese für Minijobber zuständige Behörde vor schier unlösbare Verwaltungsprobleme, was eine Flut von Korrespondenz mit meiner Arbeitsstelle auslöste, und schließlich wurde ich gehen gelassen, mit der Aufforderung, dann halt eine Steuererklärung abzugeben.

Derzeit habe ich nur noch einen dauerhaften Job und sonst nur Tagesjobs dann und wann, von denen einige auf Lohnsteuerkarte laufen, während die meisten unter „bar bezahlte freundschaftliche Hilfeleistungen“ fallen.
Aber jetzt erhielt meine Chefin wieder Post von der Knappschaft, die wohl Wind davon bekommen hat, dass ich nicht mehr doppelt arbeite und deshalb plötzlich wieder will, dass mein Minijobberdasein von ihnen verwaltet wird. Schließlich geht es ja um Beiträge, ihnen entgehen, wenn sie jemanden nicht verwalten dürfen.
Die Chefin macht sich wegen ihrer Buchführung Sorgen und hat mich gebeten, bis am Mittwoch alle meine offiziellen Jobeinkünfte seit 2007 zusammenzutragen, weil auf meiner Lohnsteuerkarte nur Eintragungen zu finden sind, die sie selbst verfasst hat. Ich führe das darauf zurück, dass alle anderen Firmen, für die ich jeweils einen oder zwei Tage gearbeitet habe, die entsprechenden Angaben elektronisch ans Finanzamt übermittelt haben, wie das zum Beispiel die Frau H. machte. Die Bescheinigungen zur Sozialversicherung und Verdienstbescheinigungen, die ich aufbewahrt habe, belegen dies, aber die Frau G. will’s genau wissen, von daher werde ich ihr meine Belege mal vorlegen. Im Zweifelsfall schaue ich beim Finanzamt vorbei und werde um die Darlegung der mich betreffenden Daten bitten.

6. September 2009

Mein leicht entflammbarer Dienstag

Filed under: My Life — 42317 @ 13:16

Springen wir zu Dienstag, dem 25. August.

Der Plan war klar: Am Dienstag Morgen wollte ich bereits vor dem Mittagessen wieder in Richtung Trier fahren. Melanie wollte unbedingt ein weiteres kleines Regal kaufen, damit die Mikrowelle nicht im Bücherregal im Wohnzimmer stehen muss. Ich behaupte, die steht da ebenso gut, wie anderswo, aber wenn Melanie mal einen Plan gefasst hat, den sie als notwendig erachtet, dann wird meine Meinung dazu irrelevant.

Dieser Teil des Plans wurde geändert: Nachdem wir um etwa 0900 aufgewacht waren, sahen wir uns nach einem Frühstück zwischen 1000 und 1400 noch den dritten Film der „Herr der Ringe“ Trilogie an, womit Melanie dann endlich die Extended Version der „Rückkehr des Königs“ gesehen hat. Das hieß nun, dass wir doch noch zum Mittagessen blieben, aber auch das war ja kein Beinbruch.

Interessant wurde die ganze Sache, nachdem der Film vorbei war und Vorbereitungen zum Aufbruch getroffen wurden. Als ich mich von meiner Großmutter verabschiedete, fiel beim Großvater der belustigt klingende Satz, „Der denkt wahrscheinlich, Du fährst nicht mit,“ und es dauerte ein paar Sekunden, bis ich verstand, was das zu bedeuten hatte. Zu dem Zeitpunkt, wo der Groschen viel, standen die beiden zusätzlichen Mitfahrer schon auf der Treppe vom Balkon, wo gerade die Tür verschlossen werden sollte. Ich erinnere an dieser Stelle daran, dass mein Großvater nicht mehr Auto fahren soll – aber scheinbar ist er der Meinung, der Arzt habe damit lediglich die Rehaphase nach dem Krankenhausaufenthalt gemeint.

„Moment mal – Du willst ja wohl nicht etwa von Saarbrücken aus heimfahren???“ fragte ich ihn spontan. Darauf sah er mich drei Sekunden an, als habe ich ihn mit einer japanischen Lebensweisheit konfrontiert, bevor wieder Bewegung in ihn kam und er den Schlüssel im Schloss drehte, um anschließend auf den Stock gestützt mit unsicheren Schritten Richtung Garage zu gehen. Meine Frage – mein Einwand – wurde ignoriert. Den Gedanken hinter seinem Gesicht konnte man interpretieren als „… nein, der kann eben unmöglich das gesagt haben, was ich gehört habe.“

Mein Plan war es, nach Saarlouis zu IKEA, dann nach Wasserbillig zum Tanken, und dann nach Trier zu fahren. Sein Plan war es, dass ich nach Saarbrücken zum Zug fahre, und er mit dem Auto wieder nach Hause.

Ich war den Rest des Tages so oberstinkesauer, wie man sich das kaum vorstellen kann, auch wenn man mich bereits eine Weile kennt, und mein Kehlkopf verkrampfte sich derart, dass meine Stimme klang, als würde ich gleich in Tränen ausbrechen – was mitnichten der Fall war, das garantiere ich.
Ich verstehe sein Argument irgendwo: Ohne einen PKW kommt er weder zum Arzt noch in den Supermarkt, und seine Liebe zur persönlichen Unabhängigkeit, vielleicht auch Stolz, verhindert, dass er ständig die Nachbarn um Hilfe bitten will, wenn irgendwas im Haushalt fehlt.

Seine Aussage „Ich fahre nur noch die Strecken, die ich kenne“ klingt an sich vernünftig, wenn die Sache nicht zwei Pferdefüße hätte: Erstens hat ihn dieser schon vor längerer Zeit gefasste Vorsatz nicht daran gehindert, einen Ausflug nach Remich (Luxemburg, d.h. 250 km hin und zurück) zu machen, denn er verstößt damit nicht gegen seinen Vorsatz: Die Strecke kennt er ja schließlich auch, er ist sie bereits Dutzende Male gefahren – was könnte also schief gehen? Der zweite Punkt könnte schief gehen: Wenn sein Arzt eine Aussage macht, wie, dass er (wegen der Gefahr eines neuerlichen Schlaganfalls) jeden Moment tot umfallen könne, dann meint er damit eindeutig nicht, „Das kann Ihnen natürlich nie während des Autofahrens passieren“!!

Der Herr Großvater hat chronisch geschwollene Hände (keine Entzündung, aber Wasseransammlung im Gewebe), kann keinerlei Arbeiten mehr verrichten, kann kaum noch gehen, hat große Mühe, aus dem Autositz (oder seinem Sessel) zu kommen, ist erst zu deutlicher Sprache fähig, nachdem am Morgen sein Kreislauf ein wenig in Schwung gekommen ist, seine Aufmerksamkeitsspanne ist geschrumpft wie ein Joghurtbecher im Backofen (und wenn ich damals auf der Rückfahrt von Neuss im Beifahrersitz geschlafen hätte, anstatt bewusst auf sein Fahrverhalten zu achten, wäre ich heute vielleicht nicht mehr unter den Lebenden), und er ist auf einem Auge blind. Sein infarktgefährdetes Herz und seine anfälligen Blutgefäße im Gehirn interessieren sich nicht die Bohne dafür, wie gut er die Strecke kennt… wenn er während der Fahrt auf der Landstraße plötzlich das Bewusstsein verliert, bringt er hoffentlich nur sich alleine um – und nicht noch meine Großmutter und Leute, die in einem entgegenkommenden Fahrzeug sitzen.

Oder angenommen, es gibt nur einen Personenschaden – was sagt wohl die Versicherung, wenn sie erfährt, dass der Fahrer des Wagens eigentlich fahruntauglich war? So eine Schadensersatzforderung wegen eines Personenschadens kann ihn dabei sein (und damit mein) kürzlich erst abbezahltes Haus kosten. Aber auch ein Sachschaden wäre unter diesen Bedingungen vermutlich schon geradezu unbezahlbar.

Auf Anfrage habe ich erfahren, dass die Führerscheinstelle einen Führerschein bei fehlender Eignung eines Fahrers einziehen kann, und das auch aus Krankheitsgründen, denn ich kann nicht zulassen, dass der alte Mann sich selbst und andere gefährdet. Wenn er ins Dorf oder zum Einkaufen will, dann soll er sich ein Taxi nehmen. Für die drei Termine, die er im Monat hat, wird er sich das leisten können.

Ein Anruf bei der Fahrerlaubnisbehörde in Homburg brachte etwas Licht in den Fall: Wenn irgendjemand den begründeten Verdacht hat, dass jemand auf Grund egal welcher Einschränkungen nicht mehr fahrtauglich ist, dann kann er das den Behörden melden, und diese laden dann den Verdächtigten zu einem ärztlichen Untersuchungstermin vor, bei dem vom Amtsarzt oder Verkehrsarzt entschieden wird, ob der Betroffene seinen Führerschein behalten darf. Ungünstig für mich als Familienmitglied ist dabei, dass die Behörde dem zu Untersuchenden nicht verheimlichen darf, wer den Tipp gegeben hat. Das würde ein Familiendrama auslösen… das ist wahrscheinlich in anderen Fällen bereits geschehen und deswegen melden auch viele Familien ihre älteren Fahrer nicht und hoffen auf das Beste. Der Mann am Telefon empfahl mir allerdings, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen, die den verdächtigten Fahrer dann „zufällig“ kontrollieren könne, wenn er unterwegs ist. So würde die Polizei den Untersuchungsantrag stellen, und die Familie ist aus dem Schneider. Was ich nicht erwartet habe, ist, dass sogar der Hausarzt diese Meldung machen kann. Ich dachte, der sei durch seine Schweigepflicht gebunden. Scheinbar gilt das nicht bei Gefahr für die Allgemeinheit.

Ich werde wohl dem Herrn Doktor mal schreiben, und ihn auffordern, den gefährlichen Fahrer zu melden. Ganz eindeutig wird der Großvater empfindlich reagieren und der Arzt wird vermutlich diesen Patienten aus Trotz verlieren – andererseits: Wie lange, glaubt dieser Arzt eigentlich, wird jener Patient auch bei Nichtmeldung noch sein Patient sein, wenn er ja „jeden Moment umfallen“ kann?

1. September 2009

Mein Irrer Montag (Teil 2/2)

Filed under: My Life — 42317 @ 17:56

Dann folgten wir der Märchenallee, wo man auf Knopfdruck in Glaskästen animierte Szenen aus Grimms Märchen sehen und hören kann. Als Kind mochte ich das sehr und habe keins ausgelassen, aber heute… vielleicht würde ich mir aus nostalgischen Gründen eine Szene ansehen, wenn der Park nicht mittlerweile um einiges gewachsen wäre.

Die Märchenallee führt in dieser Richtung direkt nach „Österreich“, wo man sich die Tiroler Wildwasserbahn nicht entgehen lassen kann. Die Warteschlange war auch hier in ständiger Bewegung. Eine Wartezeit von über 20 Minuten existierte zwar, aber man blieb nie so lange stehen, dass es besonders auffiel. Richtig übel fand ich dagegen die aufgestellten Jodelautomaten. Man drückt auf einen Knopf und eine Jodelsequenz kommt aus dem Lautsprecher, die mit fortschreitendem Automaten immer länger wird, und jeder dritte Depp drückte auf diesen Knopf. Aber nicht etwa, weil er/sie Jodeln lernen wollte, sondern um andere Leute zu nerven. Was ihnen auch gelang.

Wir ließen den Alpenexpress Enzian aus, da es sich nur um eine harmlose Achterbahn handelt – freigegeben ab vier Jahren und 100 cm Körpergröße, das sagt im Prinzip alles.

Wir blieben bei den Habsburgern und landeten in „Spanien“. Dort befindet sich eine Arena und eine Freilichtbühne, aber die werden nur dann interessant, wenn man alle Hauptattraktionen einmal durch und noch Zeit für Shows übrig hat.

Dann nach „Portugal“. Dort gibt es immerhin den Atlantica Supersplash. Man könnte sagen, es handelt sich um eine Wasserachterbahn mit großen Booten. Da haben wir wieder eine ganze Weile gestanden, ich schätze, es war eine Dreiviertelstunde, und hier muss man den größten Teil der Schlange in der Sonne verbringen. Die aufgestellten Sonnenschirme taten jedenfalls wenig zur Sache. Und am Ende handelt es sich um das kürzeste Fahrgeschäft von allen! Das Boot wird auf Höhe gezogen, dann um 90° nach links gedreht, sodass man eine kleine Senke rückwärts fährt. Das Boot stoppt dann auf einer zweiten Anhöhe, wo es erneut um 90° nach links gedreht wird. Dann geht es einen Abhang hinunter, über eine kleine Kuppe, und dann ins Wasserbecken, wo das Gefährt hinter einer großen Masse Spritzwasser aus den Augen des Beobachters verschwindet. Und das war’s dann auch. Zwischen Einteigen und Aussteigen vergehen vielleicht drei Minuten. Das ist zwar doppelt so lang wie bei so mancher Achterbahn, allerdings verbringt man auch hier noch eine gute Minute mit der Rückfahrt.

Auch hier gibt es einen „Duschbereich“, wo man sich von viel Spritzwasser berieseln lassen kann. Außerdem befindet sich hier eine hölzerne Galeone, die „Santa Marian“, wo man von Zeit zu Zeit Kämpfe zwischen wilden Piraten und königstreuen Matrosen beobachten kann. Kein sehr großer Rahmen, aber immerhin nett aus der Ferne anzusehen. Außerhalb solcher Vorführungen scheint das Schiff als eine Art Spielplatz zu dienen, ich habe Kinder auf einem Trampolin herumhüpfen sehen.

Nach „Portugal“ folgte „Island“, wo wir den neuesten Rollercoaster bewundern durften: Blue Fire. Im schlimmsten Fall muss man dafür 90 Minuten anstehen, aber uns blieben mindestens 45 davon erspart. Es handelt sich um ein ganz hervorragendes Konzept, das so ein bisschen mit den Traditionen bricht: Man wird hier nicht erst auf eine Rampe gezogen, um sich die kinetische Energie von Masse und Schwerkraft zu Nutze zu machen. Stattdessen wird der Zug in eine Startgerade gezogen, wo zunächst eine Warnsirene ertönt, wie man sie aus Filmen kennt. Ich war sicher, was hier folgen würde, also drehte ich mich zu Melanie rüber und drückte ihren Kopf an die Kopfstütze, bevor ich das gleiche tat – und einen Augenblick später wird der Zug aus der Halle quasi herausgeschossen und beschleunigt innerhalb von 2,5 Sekunden auf 100 km/h. Es handelt sich also um eine so genannte Katapultachterbahn. Ich schätze, die bekannteste ihrer Art in Europa dürfte Space Mountain im Eurodisney bei Paris sein.

Sehr cool fand ich, dass sich in den Griffen des Sitzes Abnehmer für einen Herzfrequenzmesser befinden. Beim Start wird meine Herzfrequenz mit 106 angegeben. Draußen während der Fahrt kann ich die digitale Anzeige wegen des Rüttelns und der hellen Sonne leider nicht lesen.
Die erste Kehre kippt den Zug um etwa 90°, dann folgen Kuppen und Täler, ein Looping und drei Korkenzieher, wobei man einmal durch die Loopingschleife hindurch fährt.

Hier sind mir zum ersten Mal besondere Wartereihen für die vordersten Sitzplätze aufgefallen. Ich habe sie zwar schon beim Silver Star gesehen, wusste aber nicht, um was es sich dabei handelt. Hier erkenne ich den Zusammenhang: Wenn man bereit ist, die dreifache verbliebene Wartezeit (60 statt 20 min) zu investieren, kann man ganz vorn fahren. Einige Leute sind da ganz wild drauf, aber heute sind die Schlangen nicht so schrecklich lang, 30 Minuten für Frontfahrer würde ich schätzen. Mir ist es egal, ich sehe keinen großen Unterschied zwischen vorn und in der Mitte, mich reizt ganz hinten eigentlich mehr, ohne dass ich sagen könnte, warum.

Dann verschlug es uns nach „Skandinavien“, wo wir Andersens Märchenturm und Vineta völlig übersahen und direkt zum so genannten Fjord Rafting gingen. Dabei handelt es sich um eine eher gemütliche Wildwasserbahn, die wegen des Spritzwassereffekts und der größeren Bewegungsfreiheit des sich wild drehenden Boots interessant ist. Außerdem möchte ich schätzen, dass die fünf Personen, die insgesamt in unserem Boot saßen, mehr als eine halbe Tonne auf die Waage brachten. Von den drei Franzosen, die da noch dabei waren, wog garantiert keiner weniger als 100 Kilo, und den einen möchte ich auf 130 kg schätzen. Ob nun Masse und Trägheit zum Spaß der Fahrt beitrugen, kann ich nicht einschätzen, aber es sah lustig aus.

Unser Abstecher nach „Holland“ war kurz und blieb beim Besuch der Piraten in Batavia, dem wohl einzigen Fahrgeschäft mit Piratenthema weit und breit, dessen Szenario nicht in der Karibik angesetzt ist (Batavia liegt auf Java, heißt heute Jakarta und ist die Hauptstadt von Indonesien). Eher reizvoll für Kinder und mit veralteter Technik ausgestattet, sind wir wirklich aus nostalgischen Gründen hier mitgefahren, ohne jede Wartezeit, da wollte keiner hin, in einem halbvollen Boot. Was mir noch nie aufgefallen ist, und Melanie wies mich darauf hin, ist der streckenweise starke Duft von Zitronengras während der Fahrt, die teilweise durch eines der Restaurants führt, von wo aus man zu gegebener Zeit die Show Geheimnisvolles Asien sehen kann. Die Boote fahren dabei unterhalb des Blickfelds der Gäste zwischen den Tischen und der Bühne vorbei. Irgendwie fand ich diese Eigenschaft die gelungenste Kombinationsleistung.

„Chocoland“ ignorierend stellten wir uns als nächstes bei der Euro-Mir Achterbahn in „Russland“ an. Voraussetzungen: Acht Jahre und 130 cm, also die Mitte zwischen den mittelmäßigen und den extremen Achterbahnen. Das versprach immerhin etwas. In der Warteschlange unter der lebensgroßen Nachbildung der Mir Raumstation gab’s das Technostück „Angellight“ in der russischen Version, und während man nach dem Start auf Höhe geschraubt wird, gibt es weitere stampfende Beats aus der Russendisco. Das soll kein beleidigendes Vorurteil sein, es war nur ein Begriff, der mir spontan durch den Kopf ging. Das gleiche Gestampfe könnte natürlich auch in jeder anderen Disco laufen.

Die Wagen der Euro-Mir haben nun eine Besonderheit: Sie drehen sich während der Fahrt, nur an bestimmten Stellen, glaube ich, und jeweils um 90°, in welche Richtung, habe ich vergessen, was einem die Höhe, in der man sich befindet, deutlicher vor Augen führt, als wenn man nur geradeaus schauen würde; zumindest war das mein Eindruck. Auch während der rasanten Abfahrt dreht sich das runde Gefährt, und ich glaube, dass man ein bisschen auf seinen Hals achten muss, für den Fall, dass sich im falschen Moment umsieht, denn es könnte sein, dass man sich denselben dabei verrenkt.

Bei der Euro-Mir handelt es sich schon um eine der bekannteren Achterbahnen, aber schon nachdem das Ding in das erste Tal stürzte war mir eins klar: So wild ist das hier nicht. Eine Achterbahn für Weicheier. Der einzige Bonuspunkt besteht aus den Drehungen. Und ich glaube, das liegt daran, dass ich die Achterbahnen in einer willkürlichen Reihenfolge durchgegangen bin. Nachdem man den Silver Star erlebt hat, schockt einen so schnell nichts mehr, muss alles andere eine ungerechte Spur fader wirken, da wirkt so manche eigentlich gute Achterbahn wie kalter Kaffee, glaube ich. Verehrte Freunde, wenn es Euch also nach Rust in den Park verschlägt: Geht zuerst auf alle übrigen Achterbahnen, dann auf die Euro-Mir, als vorletztes auf Blue Fire und als allerletztes auf den Silver Star. Auf diese Art und Weise wird sich das Adrenalinerlebnis immer wieder ein Stück steigern.

Ein Blick auf die Uhr: Hätte der Park wie in den Prospekten angegeben um 1800 zu gemacht, dann hätten wir für Euro-Mir schon keine Zeit mehr gehabt. Es hatte sich im Laufe des Tages allerdings ergeben, dass die Öffnungszeiten bis um 2000 verlängert worden waren. Das bedeutet, dass der Park mittlerweile so groß ist, dass man bei einer Auslastung von schätzungsweise zwei Dritteln (ich schätze das an den heutigen Wartezeiten ab) innerhalb von neun Stunden gerade genug Zeit hat, die Hauptattraktionen abzuklappern. Man sollte also entweder so pünktlich erscheinen, dass man um 0900 durchs Tor gehen kann – oder die Flocken für zwei Tage Eintritt inklusive Übernachtung mitbringen.

Wir hatten also noch Zeit. Wir nutzen sie, um den Poseidon noch einmal zu fahren, und weil wir grade da waren und sie noch keiner von uns kannte, fuhren wir auch einmal mit Pegasus, einer reichlich unspektakulären Achterbahn ab vier Jahren und einem Meter Körpergröße, soll heißen: Für Kinder. Sie heißt wahrscheinlich nicht umsonst „YoungStar Achterbahn“. Entsprechend bedauerlich empfand ich daher anschließend den Zeitverlust. Vielleicht hätte ich stattdessen noch einmal Blue Fire fahren sollen? Aber Melanie sagte, sie wolle keine große Achterbahn mehr fahren, und eigentlich spürte auch ich eine gewisse Müdigkeit, nachdem ich den ganzen Tag durch den sonnendurchfluteten Park gewandert war und einige heiße Stunden in Warteschlangen verbracht hatte.

Wir machten uns also auf den Heimweg. Noch ein schneller Anruf bei der Familie meines kranken Freundes, der nichts Neues brachte, dann ins Auto und auf nach Straßburg.

Auf der Hinfahrt war das Finden des Wegs leicht. Wenn man in Saargemünd auf die Autobahn fährt, kommt man gar nicht umhin, das Schild in Richtung Straßburg zu sehen. Von der anderen Richtung sieht die Sache anders aus. Mir war nicht klar, dass weder Brumath (wo der gebührenpflichtige Teil der Autobahn endet) noch Saargemünd irgendwo ausgeschildert sind. Nachdem ich 20 Kilometer in die falsche Richtung durch die Pampa geeiert bin, fand ich mich in einem kleinen Kaff wieder, wo ich in ein Hotel marschierte und nach dem Weg fragte. Die wechselhafte Geschichte der Region liefert ja immer noch genügend Leute, die in der Lage sind, Deutsch zu verstehen und zu sprechen. Die Madame am Empfang bedeutete mir also, dass ich nach Straßburg zurückfahren und dort auf die Autobahn Richtung Metz/Paris/Nancy fahren muss, die führe ein gutes Stück nach Nordwesten, bis ich Saargemünd gar nicht mehr verpassen könne.

Eine bestätigende Aussage erhielt ich auch vom Kassierer einer Tankstelle, die wir ein paar Kilometer später anfuhren. „L’autoroute Paris/Metz? Tout droit,“ sagte er, und wenn ich eine Vokabel aus dem Französischunterricht nicht vergessen habe, dann ist das „Tout droit“, was nicht zuletzt an der Gestikulation des Lehrers, Herrn Kohl, lag.

Ich fuhr also immer geradeaus auf der Autobahn, zahlte wieder 6,50 E Gebühr, und bog erst ab, als Saargemünd auf dem entsprechenden Schild erschien. Auf wundersame Art und Weise fand ich den richtigen Weg durch die Vororte dieser kleinen Stadt, trotz Nacht und dämmrigem Kopf, nachdem ich mich einfach auf einen Wegweiser gestürzt hatte, auf dem „Zweibrücken“ zu lesen war.

Insgesamt hat die Fahrt dann über eine Stunde länger gedauert, als gedacht, aber das war mir in dem Moment egal. Ich habe im Anschluss wie ein Stein geschlafen, trotz meines eher unbequemen Couchbetts.

Mein irrer Montag (Teil 1/2)

Filed under: My Life — 42317 @ 17:26

Nachdem wir den Sonntag damit verbracht hatten, uns die ersten beiden Teile der „Herr der Ringe“ Trilogie anzusehen, musste ich schon am Montag, dem 24. August, die Sorge um den Freund eine Stufe nach hinten stellen, da geplant war, an diesem Tag mit meiner Freundin in den Europapark nach Rust zu fahren.

Der Termin war in der Anfangshälfte des Juni festgelegt worden und stellte einen Kompromiss dar: Mein Großvater hatte vermutlich einen Beitrag im Fernsehen gesehen und kündigte an, dass er mir diesen Ausflug zum Geburtstag schenken würde. Damals war noch angedacht, dass meine Großeltern mitfahren würden, und ich wollte erst fahren, wenn alle Sommerferien der Bundesrepublik vorbei waren, das heißt Anfang September, und es sollte keinesfalls ein Wochenende sein. Aber im Hinblick auf seine Gesundheit – der Arzt sagte wohl so was wie: „Eigentlich können Sie jeden Moment tot umfallen…“ – wollte mein Großvater auch nicht zu lange warten.

Umgefallen ist er dann auch, gegen Ende Juni, ein weiterer Schlaganfall. Allerdings stand er wieder auf; sah sich halt lediglich erst einmal einer Reha gegenüber und erhielt vom Arzt das Verbot, Auto zu fahren. Es brauchte tatsächlich nicht viel Überredungskunst meinerseits, um ihm den Ausflug auszureden. Was hätten die beiden auch anderes machen können, als von neun Betriebsstunden acht auf schattigen Sitzbänken in der Nähe von Blumenbeeten zu verbringen? Mein nächster Plan, zwei Freunde aufzunehmen, scheiterte an deren finanziellen Engpässen, und so blieb es halt bei Melanie und mir.

Am Montag Morgen wollte ich eigentlich um 0600 losfahren. Allerdings ließ ich mich vom Großvater überzeugen, dass 0630 ebenfalls reiche – nach Straßburg dauere es nur 90 Minuten, und von Straßburg über Kehl nach Rust sind es noch etwa 60 km, ein Drittel der Gesamtstrecke. Die gedachte Ankunftszeit war dann also etwa 0845, der Park öffnet um 0900. Bis wir dann losfuhren, war es allerdings schon 0650, und ich musste bemerken, dass mich die ganze Fahrt über ein gewisser Konzentrationsmangel plagte. Dennoch ging es erstaunlich gut, dafür, dass ich diese Strecke noch nie selbst gefahren war. Was mich viel mehr plagte, war das Navigerät im Auto, das ich für Notfälle dabei hatte. In dem gegebenen Speicher befinden sich keine frz. Straßenkarten, das bedeutet, das Gerät wollte mich über Karlsruhe lotsen – ein nicht unerheblicher Umweg.

Die Autobahn in Richtung Metz/Straßburg war eindeutig die bessere Wahl, und groß verfahren kann man sich in der Richtung nicht. Ein Weg kostet 6,10 E Gebühren. Wäre ich außerhalb der Autobahn gefahren, hätte ich vermutlich eben diesen Preis als zusätzlichen Sprit (und Nerven) auf dem Weg durch die Vogesen verbraucht. Erst nach dem Verlassen der Autobahn muss mir wohl ein Fehler passiert sein, der mich ein paar Kilometer Umweg kostete, wenn auch nicht viele.

In Kehl angekommen, wusste ich allerdings nicht mehr, als dass ich nach Süden fahren musste, und hatte in diesem Zusammenhang gehofft, Rust oder wenigstens Freiburg ausgeschildert zu finden. Ja, nee, gab’s nicht. Der Navi fand keinen Satelliten, also fuhr ich grob Richtung Basel. Das Gefühl der Unsicherheit nagte allerdings sehr an mir, und ich hasse nichts mehr. Ein kurzer Stopp außerhalb der Bundesstraße bestätigte meinen Verdacht: Der Navi findet den Satelliten nie, so lange sich das Auto schneller als Schritttempo bewegt. Und wenn dann die Richtung mal gefunden ist, sind die Anweisungen des Geräts immer noch mit Vorsicht zu genießen, speziell dann, wenn zwei Abbiegemöglichkeiten räumlich nah beieinander liegen. Zum Glück werde ich auf dieser Strecke diesen Mist nicht mehr brauchen.

Drei oder vier Kilometer vorm Ziel offenbarte sich dann, warum es besser gewesen wäre, um 0600 abzufahren, oder zumindest noch vor 0630, denn trotz Werktag und Ende der Ferien in den meisten Bundesländern befand sich hier immer noch ein zäh fließender Stau von wenigen Kilometern. Denn gerade die südlichen Bundesländer, Baden-Württemberg und Bayern, haben immer noch Schulferien, und auch französische Besucher waren nicht selten. Dabei spürt man die infrastrukturelle Bedeutung des Parks schon beim Abfahren von der Autobahn: Die Abfahrt und die rechte Fahrspur der Kreisstraße zum Park sind komplett zweispurig. Im Endeffekt konnten wir den Park dann um etwa Viertel vor Zehn betreten.

Ein Blick auf die Werbeplakate sagt mir, dass „Peter Pan“ hier als Takarazuka-Musical läuft… na ja, sozusagen. Die auf dem Plakat abgebildete Hauptdarstellerin ist jedenfalls eine Frau Anfang Zwanzig, wie ich vermute, obwohl die hässliche Schminke und das Lächeln aus der Colgate-Familienpackung täuschen können.

Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 34 E. Hinzu kommen noch 4 E Parkplatzgebühren, und es bietet Vorteile, einen Rucksack mit griffbereiter Nahrung in einem Schließfach zu hinterlassen, denn die Parkpreise sind natürlich gesalzen. Das Schließfach kostet noch mal einen Euro an Gebühren.

Das Faltblatt, das man an der Kasse erhält, rät dem Besucher, im Bereich „Spanien“ mit der Tour zu beginnen, weil dieser sich am anderen Ende des Parks befindet, und sich die meisten Besucher, die durch das Haupttor hereinströmen, natürlich auf die ersten Attraktionen stürzen, die sie zu Gesicht bekommen. Auf diese Art und Weise walzt sich die Besucherwelle von vorn nach hinten, und wenn man da mitten drin ist, erhält man auch den ganzen Tag über die längsten Wartezeiten. Ich muss zugeben, dass mir das in diesem Moment reichlich egal war. Nachdem mich die Fahrt schon nicht wenig genervt hat (geringfügig aber dennoch verfahren, irreführender Navi, auf Rat von anderen gehört, anstatt mich auf mein eigenes Urteil zu verlassen), wollte ich jetzt Spaß. Instant, intravenös, unmittelbar, sofort.

Der fing dann an mit dem harmlosen Spukschloss in „Italien“, wo einen der mechanische Türsteher mit Wasser anspuckt. Ich kenne den Kasten natürlich schon von früher, und es hat sich nicht viel geändert. Auffällig fand ich allerdings die neuere Projektionstechnik, mit Hilfe derer man lebensechte Gesichter auf irgendwelche Plastik- und Gummiköpfe zaubern kann, eine deutliche Verbesserung gegenüber den wenig überzeugenden alten Puppen. Die gibt es natürlich immer noch, aber die Projektionen sind ein deutliches Plus.

Danach musste es gleich in die Kugel gehen, die Eurosat Achterbahn in „Frankreich“. Melanie machte da wohl ein säuerliches Gesicht, weil es da drinnen eben dunkel ist und man nicht recht sieht, wo’s langgeht. Trotzdem stellten wir uns in die Schlange, und diese Achterbahn ist wirklich eine ganz tolle Sache, eine mittlere Herausforderung an die Nerven, würde ich sagen.

Weiter zur „Schweiz“, wo der Matterhorn-Blitz auf uns wartete. Auch eine mittlere Achterbahn, aber da wir ja quasi noch am Anfang der Tour standen, beeindruckend genug, wie das Foto beweist, das wir an dieser Stelle kauften. Es hat vermutlich den ganzen Tag über kein besseres gegeben, sieht man davon ab, dass außer dieser noch zwei andere Achterbahnen eine Kamera vor den Sitzen montiert haben, die ein Video von den Fahrgästen aufnehmen, das man nachher auf DVD kaufen kann – für 12,50 E, wenn ich mich nicht irre. Ein ganz und gar unverschämter Preis, möchte ich sagen.

Von dieser Fahrt habe ich mit meiner Kamera ein experimentelles Video gemacht, aber es ist nichts geworden, weil ich die Ausrichtung der Linse wegen der Beschleunigungskräfte nicht optimal unter Kontrolle habe, und am Ende habe ich mehr Aufnahmen vom Hinterkopf des Typen, der vor mir saß.

Die Schweizer Bobbahn ist die gleiche wie immer geblieben, und nachdem wir die hinter uns haben, sind bereits drei Stunden um, und von diesen drei Stunden haben wir etwa zehn Minuten in Fahrgeschäften verbracht, woran das italienische Spukschloss wegen seiner gemütlichen Geschwindigkeit natürlich einen bedeutenden Anteil hat.

Von der „Schweiz“ wechseln wir nach „Griechenland“ und sehen uns dort zuerst Abenteuer Atlantis an. Es handelt sich dabei um eine interaktive Sache, na ja, eher für Kinder, aber lustig ist es trotzdem. Auf der Konsole des „Boots“, in dem man unterwegs ist, befindet sich ein Joystick wie aus Amigazeiten und zwei Infrarot-Lightguns. Mit dem Joystick kann man das Gefährt in eine gewünschte Richtung drehen und mit den Lichtpistolen schießt man auf kleine Lämpchen, die in den verschiedenen Objekten eingebaut sind, die die ganze Bandbreite westlicher Wasserfabelwesen und -tiere abdeckt. Trifft der Infrarotstrahl auf den Empfänger bei der Lampe, erlischt die Lampe für zwei Sekunden und man erhält Punkte gutgeschrieben. Die Punkte variieren, je nach dem, wie versteckt das Ziel ist, oder ob es sich gar bewegt.

Jeder Spieler erhält eine Kennnummer zugewiesen, anhand derer er/sie die gewonnenen Punkte anschließend in einer Bestenliste einordnen kann. Ich habe etwa 47.000 und Melanie etwa 49.000 Punkte gemacht, womit wir den zweiten Platz nur knapp verfehlten – den zweiten Platz von unten. Die Kategorie bis 50.000 Punkte gilt hier als „ferner liefen…“.

Anschließend besahen wir uns Kassandras Fluch, deren Legende aus der Ilias man in einer dreisprachigen Kurzform in der Warteschlange lesen kann. Alles schön und gut, aber dass man bei der Beschreibung des fatalen Schicksals der Kassandra den Namen Clytemnestra auslassen kann, ist meines Erachtens geradezu ein Kunststück. Bei diesem kleinen Spaß handelt es sich technisch um etwas, was ich vor Jahren auf einem lokalen Jahrmarkt einmal als „Hexenhaus“ kennen lernte: Die Besucher nehmen in einem Raum auf Bänken Platz und werden mit einem Bügel festgeklemmt. Anschließend wird der Raum gedreht; man kann sich das vorstellen, wie in einer langsamen Wäschetrommel, und man sitzt mittendrin. Zur Verstärkung des optischen Effekts werden die Sitzbänke noch um bis zu 45° zur Senkrechtachse gekippt. Die Sitze enthalten scheinbar noch zusätzlich Vibratoren, und aus kleinen Düsen fahren einem Luftstöße in den Nacken. Natürlich spürt man anhand der Richtung der Schwerkraft, dass man sich hier nicht selbst dreht, sondern dass sich nur die Wände bewegen, aber ich muss zugeben, dass einem schon ein bisschen schwindlig zumute ist, wenn man wieder rauskommt.

Schon vom Eingang von Kassandras Wäschetrommel hat man einen schönen Ausblick auf die Wasserachterbahn Poseidon. Ein zumindest an einen antiken Tempel erinnerndes Gebäude wurde hier sehr schön aufgebaut, von dem aus man die Fahrt beginnt. Ich bin nicht sicher, ob ich eine solche hybride Attraktion bereits irgendwo gesehen habe, denn in der Regel findet man Achterbahnen einerseits und Wildwasserbahnen andererseits. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Mischform. Das Boot schwimmt vom Startpunkt zu einer Rampe, wird auf Höhe gezogen, um dann auf Rädern ein paar Abfahrten und Kurven zu bieten, und dann, begleitet von einer beeindruckenden Wasserfontäne, in einem großen Becken zu landen.

(Diesbezüglich ist das Werbebild des Flyers übrigens irreführend, weil man darauf zwei junge Damen in den Vordersitzen sieht, die bis auf die Knochen nass zu sein scheinen (während die Leute, die hinter ihnen abgebildet sind, völlig trocken sind). In Wirklichkeit ist es allerdings so, dass das Spritzwasser durch intelligente Konstruktion zu fast 100 % nach außen abgeleitet wird. Ein paar Wasserspritzer lassen sich nicht vermeiden, aber die sind dann auch alles, selbst dann, wenn man vorne sitzt.)

Im Anschluss gibt es noch eine Rampe, noch eine Abfahrt und ein weiteres Eintauchen in das Becken, bevor die Fahrt nach fünf Minuten im Tempel ihr Ende findet.

Für Kinder und andere Interessierte hat man übrigens einen Steg gebaut, der so nah am Becken liegt, dass man bei Einfahrt eines Wagens geradezu geduscht wird. Bei dem Wetter gar keine schlechte Idee, aber so viel Zeit hätte ich bestenfalls dann, wenn ich an zwei aufeinander folgenden Tagen hier wäre.

Am Poseidon haben wir am längsten gewartet, etwa eine Stunde, und ich komme nicht umhin, das Besucherleitsystem zu bewundern. Die Warteschlange beginnt am Eingangstor, und nur die ersten zwanzig Meter bleiben uns erspart. Der Weg führt unter einem kleinen Trojanischen Pferd hindurch (von dem man durchaus, wenn auch kühl, angepinkelt werden kann, um die kleine Wasserspritze mal so zu beschreiben), anschließend in den Vorhof des Tempels und an dessen Wand nach links vorbei. Immer wieder kann man dreisprachige Durchsagen hören, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei. Das stört natürlich so manch asoziales Gesindel nicht, aber wir blieben davon weitgehend verschont. Auffällig bei den Durchsagen war, dass die deutsche Version am längsten und ausführlichsten ist, was irgendwie verdächtig nach mangelnden Übersetzungsfähigkeiten riecht. Die französische Variante kann ich inhaltlich nicht beurteilen, da ich davon nur „ne pas fumer“ verstehe, aber auch sie war recht kurz, verglichen mit der deutschen.

Vom Innenhof wird man auf die linke Außenmauer geschleust, geht auf dieser innenseitig wieder in entgegengesetzter Richtung nach hinten, steigt dort hinab, kommt in einen Raum mit vier Gehreihen, steigt danach auf die rechte Außenmauer, noch einmal rund, an der Außenseite der linken Mauer entlang, durch ein Gewölbe mit projizierten Szenen aus der Odyssee, vorbei an einer männlichen Statue, die eine große Glaskugel trägt (in deren Intimbereich alte Kaugummis kleben), vorbei am Hologramm eines klassischen griechischen Helms, schließlich wieder ein Stockwerk hoch, in das Hauptgebäude, wieder runter und dann ins Boot.

Und die ganze Zeit wird man mit stimmigen Soundtracks unterhalten: Im Ausfahrtbereich der Boote läuft zum Beispiel Hans Zimmer. Und in der Haupthalle, in der man die Boote besteigt, läuft ein Stück aus dem Mononoke-hime Soundtrack von Hisaishi Joe. Das bedeutet, die Musik läuft nicht vollständig in Dauerschleife, sondern bestimmte Stücke laufen nur in bestimmten Abschnitten. Und das scheinen die meisten Fahrgeschäfte gemein zu haben. Ich frage mich, wie man das als Mitarbeiter über Wochen und Monate ertragen kann?
Wahrscheinlich werden die Einsatzplätze immer wieder mal getauscht.

Danach war erst mal ein Imbiss angesagt, und wir gingen zum Haupteingang zurück. Von dort machten wir erst einen Abstecher zurück nach „Frankreich“, weil wir die Achterbahn Silver Star gewissermaßen verpasst hatten.

Hier wurde mir klar, was die Beschilderung, das heißt, die Sicherheitsangaben, über die Heftigkeit der Fahrt aussagen: Die meisten Achterbahnen sind ab 6 Jahren, bzw. ab 120 cm Körpergröße freigegeben – der Silver Star ist ab 11 Jahren und 140 cm Größe freigegeben. Sie verläuft zum Teil außerhalb des Parkgeländes, über einen Teil des Parkplatzes hinweg, und die Startrampe ist unglaublich hoch. Ich glaube von einem der anderen Wartenden gehört zu haben, dass es sich um die schnellste Achterbahn Europas handele, die entsprechende Internetseite des Europaparks spricht allerdings von der „größten Achterbahn Europas“. Das Gesamtgewicht der Baumasse wird mit 2000 t angegeben, die Startrampe ist 73 m hoch und die Spitzengeschwindigkeit liegt laut Hersteller bei 130 km/h. Das ist so einiges.

Jedenfalls ist es eine dieser Startphasen, wo ich mir denken musste, „Will ich wirklich hier sein?“ Aber wie üblich ist das langsame Hochziehen viel nervenaufreibender als die Fahrt selbst, obwohl die es in sich hat. Nachdem ich die etwa 1700 m hinter mir habe, sehe ich Sternchen vor meinen Augen tanzen und bin eindeutig froh, dass am Start- und Endpunkt angeboten wird, lose Dinge wie Kameras, Mützen, und Rucksäcke abzulegen. Ich hinterlege meine Kopfbedeckung, die hätte ich vermutlich nie wieder gesehen. Ich habe in diesem Park bereits eine Schirmmütze gelassen, mehr muss nicht sein, auch wenn das schon 16 oder 17 Jahre her ist. Meine übrigen Dinge bleiben in meinen verschließbaren Beintaschen, wegen derer ich diese Hose überhaupt angezogen habe, und ich habe nichts davon verloren. Ich werde allerdings vermutlich bald einen der Knöpfe verlieren, weil die Vernähung vom ständigen Öffnen und Schließen doch etwas mitgenommen wurde.

Gut gefallen hat mir, dass wir an diesem eigentlich sehr beliebten Punkt nur 35 Minuten angestanden haben, und dass man in der Warteschlange Rennszenen aus den vergangenen Jahrzehnten auf einer Leinwand sehen kann. Die Mercedes-Benz-Halle und die Silberpfeilbeweihräucherung habe ich ausgelassen, ich muss mir das nicht außerhalb der dienstäglichen Spielrunde geben.

Wir gehen wieder zum Haupteingang und gehen am Rand des Geländes entlang, nach „Deutschland“. Hm… Deutschland wird am auffälligsten repräsentiert durch Fressstände… und nebenbei gibt es ein Stück Berliner Mauer, einen Blumengarten, ein gemütliches Oldtimer Fahrgeschäft, und ein Schwarzwälder Vogthaus, das einen sehr unbesuchten Eindruck macht.

Wir gehen vorbei an der „Welt der Kinder“, und der „Wasserweg“, wo auf ein paar Metern Weg in unregelmäßigen Abständen Wassersäulen von etwa einem Meter Höhe aus dem Boden schießen, bietet mir Gelegenheit, etwas gegen die drückende Hitze zu tun. Ich halte allerdings meinen Kopf in den Wasserstrahl, und nicht meinen Unterleib, wie die meisten Leute, die sich diesen Spaß geben.

Damit erreicht man „England“, und ich muss leider sagen, dass dieser Abschnitt mir ebenfalls wenig zu bieten hat. Allerdings muss ich auch gestehen, dass mir die Arena of Football, der Football Scooter, und das Globe Theater völlig entgangen sind, weil sie auf eine Art und Weise zentral mitten im Park liegen, dass man diese Attraktionen bei einem Spaziergang am Rand entlang, der einem sonst alles zeigt, leicht übersieht.

Was ich in „England“ entdeckte, und was auf dem Plan nicht verzeichnet ist, war eine unauffällige Adresse mit der Bezeichnung The Queen’s Diamonds. Wie die Videowerbung am Eingang suggerierte, muss man darin durch einen Korridor gehen und dabei Laserschranken passieren. Viel war da nicht los, was allerdings nicht verhindert hat, dass ich knapp 20 Minuten  in der fünf Meter langen Schlange anstehen musste, weil nur jeweils ein Spieler hinein darf.

Und was läuft da? Am Eingang hängt ein Bildschirm, der jedem Spieler eine laufende Nummer zuweist, auch hier, damit man nachher seine Punktzahl ablesen kann. Ich habe allerdings nicht verstanden, welche meine Nummer ist, das hätte man ein bisschen auffälliger gestalten können, und es wäre auch von Vorteil, wenn am AUSGANG ein solcher Bildschirm wäre.

Wie dem auch sei: Der Punktestand beginnt bei 10.000; für jede Lichtschranke, die man bricht, werden 1000 Punkte abgezogen, für jede Sekunde Zeit noch mal 100. Das Zeitlimit sind 60 Sekunden, der Rekord liegt bei 23 Sekunden. Für irgendwas bekommt man scheinbar Bonuspunkte gutgeschrieben, denn die ersten fünf dargestellten Platzierungen weisen alle 10.000 Punkte vor.

An der Eingangstür brennt eine rote Lampe, und wenn sie auf Grün schaltet, kann man hinein. Ich nehme an, dass der Startzeitpunkt ebenfalls mit einer Lichtschranke gemessen wird. Zuerst sieht man wegen der Dunkelheit überhaupt nichts, und nur mit etwas Glück ist man in der Lage, die erste feine rote Linie in der Luft zu erkennen, bevor man hineintappt. Die Laserstrahlen verlaufen alle schräg, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: Man hat Vorteile, wenn man ein Kind ist. Denn zum Drübersteigen sind die Sperren zu hoch, man muss drunter durch, und für mich heißt das Gefechtsgleiten hart am Boden. Nicht gut für die Knie, und zum Glück hält sich der Schmutz in Grenzen.

Mangels Information am Ausgang habe ich nie erfahren, wie lange ich gebraucht habe. Es könnte auch sein, dass ich einen Alarm ausgelöst habe, aber sehr deutlich ist auch das nicht geworden. Und weil ich nie kapiert habe, welche meine Nummer ist, hätte es mir auch nichts gebracht, zum Eingang zurückzukehren, um dort den Monitor zu überprüfen, für dessen Ansicht ich mich auch erst einmal durch die Warteschlange hätte drängeln müssen. Fazit: Nette Idee, aber völlig misslungene Ausführung.

Mein gestorbenes Wochenende

Filed under: My Life — 42317 @ 11:02

Am 22. August fiel einer meiner engsten Freunde aus heiterem Himmel einfach um und wurde bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Ich glaube, die Ursache ist bis heute nicht geklärt und immer noch spekulativ. Seine für jenen Tag angesetzte Geburtstagsfeier wurde daher abgesagt.
Ja, in der Tat ein bitterer Zeitpunkt für ein solches Vorkommnis.

In mehreren Telefongesprächen mit der Familie wurden die mageren Informationen für den engeren Freundeskreis ermittelt (nicht nur von mir, und wir wurden öfters angerufen, als wir bei ihnen anriefen, wofür wir sehr dankbar sind): Von Schweinegrippe war zumindest nie die Rede. Aber ein Herzfehler könne vorliegen, die Lungen funktionierten anscheinend nicht so, wie sie das sollten, und es könne auch ein Reizübertragungsfehler vom vegetativen Nervensystem an das Herz gewesen sein, der diesem einen Aussetzer bescherte. In diesem Zusammenhang war wohl ein Herzschrittmacher erwogen worden, aber ich weiß noch nicht, was daraus geworden ist.

Nach knapp einer Woche wachte der Betroffene am letzten Freitag wieder auf und es scheint ihm wieder relativ gut zu gehen. Es würde mir schwer fallen, Worte für die Erleichterung zu finden, die ich spüre. Dabei hatte es mir schon gereicht, als vor wenigen Monaten der Verdacht bestand, dass ein anderer aus meinem „Inneren Kreis“ im Himalaya auf der übelsten Landebahn der Welt verunglückt sein könnte, was sich aber zum Glück als unwahr herausstellte.