Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

19. Dezember 2008

Strategisches Versagen

Filed under: Uni — 42317 @ 15:58

Genau so was habe ich mir gedacht, als ich meine Scheine mit den Studienordnungen verglichen habe – denn meine Anmeldung zur Magisterprüfung habe ich ganz gewaltig in den Sand gesetzt. Wie das?

Ich habe peinlich darauf geachtet, alle notwendigen benoteten Scheine zu sammeln, indem ich die notwendigen Leistungen erbringe… und habe darüber hinaus die so genannten frei wählbaren Veranstaltungen vergessen. Sowohl in der Phonetik als auch in der Anglistik fehlen mir jeweils noch zwei Semesterwochenstunden, also jeweils ein unbenotetes Seminar, wo Anwesenheit und ein kleines Referat ausreicht.

Das Dilemma gestaltet sich folgendermaßen:
Ich bin in einer Zwickmühle gelandet, die ich eigentlich hatte vermeiden müssen. Um die notwendigen Kurse besuchen zu können, müsste ich im kommenden Semester 800 E zahlen, und um meine Prüfungen ein Semester lang vorzubereiten, nochmal 800. Mit dem zweiten Job, den ich neuerdings habe, ist das finanziell zwar möglich, aber ich muss mich ernsthaft fragen, ob ich diese Menge Geld ausgeben will, während meine Hoffnungen, die mündliche Prüfung in englischer Linguistik zu schaffen, gegen Null streben. 1600 E ausgeben, um letztendlich an einem Blackout zu scheitern, wie damals im ersten Anlauf der Zwischenprüfung?

Prioritätenwechsel:
Es hilft mir zwar nicht, dass ich mich gerade in die schönste Wirtschaftskrise seit Anfang der Achtziger manövriert habe, aber in erster Linie sollte ich mich um einen Job bemühen. Meine erworbenen Fremdsprachenkenntnisse sind ja nicht wertlos.
Für den Fall, dass sich da nichts ergibt, kann ich ja immer noch zum Sommersemester wieder in die Uni einsteigen und erst mal die Kurse machen. Was natürlich schwierig sein dürfte, weil ich an vier von sieben Wochentagen arbeite und mir für Kurse nur ein ganzer und zwei halbe Tage zur Verfügung stehen.

Man könnte eine Weihnachtsphobie entwickeln… letztes Jahr bringt sich einer meiner Bekannten um, dieses Jahr stirbt mein Großonkel, und ich fahre mein Studium nach acht Jahren so ziemlich an die Wand.
Was kommt als nächstes?

6. Dezember 2008

Rezession im Anzeigengeschäft

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 20:16

„REZESSION“ titelte der Trierische Volksfreund (TV) am 25. November 2008 auf Seite 1, und präsentierte zur grafischen Untermalung die bundesdeutschen Farben mit Scrabble-Würfeln darauf, die eben jenes Wort bildeten.

Ein Elektronikhändler in der Paulinstraße nahm dies zum Anlass, umgehend seine Werbeanzeigen im TV zu stornieren: „Wenn Sie solche Schlagzeilen bringen, brauch ich bei Ihnen auch keine Werbung mehr zu machen, weil mir dann die Kunden wegbleiben!“

Dem Geschäftsführer sind die Hiobsbotschaften und Prognosen der vergangenen Wochen ganz sicher nicht entgangen, aber scheinbar lehrt ihn sein Geschäft, ein professioneller Optimist zu sein: Er sagt nämlich auch, dass die Leute weiterhin mit ungebrochener Motivation Flachbildfernseher und Kaffeemaschinen für Tausende von Euro kaufen. Er spürt dieser Tage wenig von geschwundener Kauflust, wie ihn die Automobilhersteller beklagen.

Eine Espressomaschine für 4000 Euro – man stelle sich das vor! Wenn man darauf verzichtet, sich jede Woche einmal von einem Taxi zu seinem Lieblingsitaliener kutschieren zu lassen, sagen wir für 10 E hin und zurück, und dort guten Espresso für 5 E zu konsumieren, nur mal angenommen, dann dauert es bei Unterlassung dieser Gewohnheit etwas mehr als fünf Jahre, bevor die Kaffeemaschine anfängt, sich zu rechnen – wenn man davon ausgehen will, dass das Gerät nach Ablauf der Garantiefrist noch mindestens drei weitere Jahre überlebt, und ich habe von Kaffeemaschinen, die wegen ihrer allgegenwärtigen Werbepräsenz als „in“ gelten, in der Regel was anderes gehört.

Aus persönlicher Erfahrung muss ich hinzufügen, dass die Leute scheinbar wie wild tolle Fernseher und gefühlt benötigte Kaffeemaschinen kaufen – aber eben keine Teppiche. Dabei gibt es sehr schöne Exemplare für weniger als 4000 E, und die halten so viele Besitzergenerationen, wie Kaffeemaschinen Jahre. Aber Teppiche gelten als spießig, habe ich den Verdacht. Ich führe das nicht zuletzt darauf zurück, dass der durchschnittliche Fernseherkunde eine eher eingeengte Vorstellung von einem Orientteppich hat, den er in seiner Kindheit oder Jugend mal bei einem konservativ anmutenden Onkel im Wohnzimmer gesehen hat. Dabei beschränkt sich die Teppichproduktion doch gar nicht auf den Iran…

Fakt ist jedenfalls, dass ein Teppich ein sehr subtiler Haushaltsschmuck ist, während eine Kaffeemaschine – oder mehr noch ein Fernseher – ein direkt spürbar vorhandener Besitz ist. Wenn ich jemandem meine neue Einrichtung zeige, dann wird derjenige im Normalfall eher den Fernseher und die Surroundanlage bemerken, als den Teppich, auf dem er geht. Wir sind es gewohnt, den Boden unter unseren Füßen als selbstverständlich und daher als wenig beachtenswert einzustufen.

Das heißt, selbst wenn wir die Lücken füllen würden, die im TV durch die Stornierung des Elektrohändlers entstehen, wäre kaum mit mehr Kunden zu rechnen. Ein Teppich für 4000 E ist gefühlt viel teurer als eine unterhaltsame Bildermaschine zum gleichen Preis.