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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

29. Februar 2024

Sonntag, 29.02.2004 – Im Wolfspelz

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 7:00

Das Schaltjahr macht sich bemerkbar. Wie? Indem ich feststelle, dass meine Fünf-Euro-Zwiebel, die sich Digitaluhr nennt, keine Option für das Verstellen des Datums besitzt!

Heute ist Schnee angesagt. Viele kleine und feine Schneeflocken rieseln aus den Wolken, als ich bereits anfing zu hoffen, mit dem Schnee sei es jetzt vorbei. Und morgen soll es nicht besser werden.

Ich verbringe den Tag mit dem Lesen in meinem neuen Buch „Dogs of War“, während Melanie in die Stadt fährt, um allerlei Bastelmaterial zu kaufen – für die bereits erwähnten Papierhemden im Miniformat, die letztendlich die Verzierung eines Papier-Pappe-Rahmens werden sollen. In den Rahmen selbst kann man dann nach Wunsch allerlei Nachrichten einfügen, die dem Besucher an der Tür eine gewisse Ahnung von der Machbarkeit irgendwelcher Ideen für Aktivitäten mit der Person geben sollen, die hinter der Tür wohnt. Melanie bereitet also „Herzlich willkommen“, „Betreten verboten“ oder „Gernots müssen draußen bleiben!“ vor. Das Präsent richtet sich an Ricci, und den Insiderwitz erkläre ich jetzt nicht.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gehe ich Getränke kaufen und im Anschluss in die Videothek, weil ich „Jin Roh“ ausleihen möchte. Auf halbem Weg dahin, die Einkäufe habe ich bereits hinter mir, kommt mir Melanie entgegen. In der Annahme, ich ginge gerade einkaufen, bittet sie mich, auf sie zu warten und ich schlage vor, dass sie zur Videothek kommen soll, wenn sie ihr Zeug abgelegt hat.

Es gibt natürlich nur eine Version des Videos, das ich haben will – Original ohne Untertitel. Üblicherweise – bei „einfachen“ Filmen, soll das heißen – stört mich das nicht so sehr, weil ich im Notfall anhand von Bildern und/oder Kontext auf die Dialoge schließen kann, aber bei „Jin Roh“ ist das ein bisschen anders. Der Film hat eine gewisse philosophische Tiefe und man muss die Dialoge verstehen, um auf das schließen zu können, was damit gemeint ist. Dennoch nehme ich den Film mit. Ich habe ihn schon einmal gesehen, vor viereinhalb Jahren in Koblenz, um genau zu sein. Ich denke, ich werde mich im Laufe des Films an genügend Sachen erinnern, die mir das Verständnis des Films ermöglichen. Um 22:00 fangen wir an, den Film zu sehen und bringen ihn pünktlich vor dem Datumswechsel wieder zurück.

Zuvor allerdings testen wir die Kopierfähigkeit des Videos – und es geht! Ich bin erstaunt, dass das Videoband über keinen Kopierschutz verfügt. In Deutschland ist das Standard. In Japan gibt es offenbar nur eine relativ geringe Anzahl von kopiergeschützten Videos. Jetzt könnte ich mich hier natürlich zum Dauerkopierer machen, aber ich glaube, ich verzichte darauf. Erstens halte ich das Kopieren von Videos für unangebracht und zweitens bin ich jemand, der Filme kauft, wenn sie gut sind. Gute Filme sind ihr Geld normalerweise wert. Wenn ich einen Film in der Hand halte, und der Preis ist mir zu hoch, dann heißt das entweder, dass ich sparen muss, um den Film zu bekommen, oder aber, dass der Film nicht so gut ist, dass ich die betreffende Summe bezahlen würde. Ganz zu schweigen davon, dass mir das Konzept des Videobandes nicht mehr zusagt.[1] Melanie lässt sich eine eigene Mitgliedskarte machen, und das dauert zwanzig Minuten. In dieser Zeit sehen wir uns die Regale mit den Serien an und versuchen herauszufiltern, was uns gefallen könnte.


[1]   Entgegen des Eindrucks, den ich bisher gemacht habe, kaufe ich auch Spiele, Musik und Serien, die mir gefallen, sobald ich das Geld dafür habe.

28. Februar 2024

Samstag, 28.02.2004 – Lesestunde

Filed under: Bücher,Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Heute sind keine Computer verfügbar, also schlafe ich aus, bleibe ich zuhause und lese „The ODESSA File“.
Bis zum Abend habe ich das Buch hinter mich gebracht. Forsyth, der von der Werbung als Autor mit herausragender Recherche gepriesen wird, erweist sich genau in diesem Punkt, so weit es dieses Buch betrifft, leider als ein wenig schwach. Das Buch behandelt, wie der Titel sagt, „ODESSA“, aber gemeint ist keine Stadt, sondern die „Organisation Der Ehemaligen SSAngehörigen“. Auf die Handlung will ich nicht weiter eingehen. Ich gestehe ihm zu, dass er wohl gründlich an der Erforschung dieser obskuren Organisation gearbeitet hat, aber es hakt an Details, die Deutschland allgemein betreffen. Wie viele Nichtdeutsche hat er Probleme mit den Umlauten. So schreibt er „Munster“ (statt Münster) – aber: „Schützstaffel“. Aber das sind ja nur orthografische Schwierigkeiten. Geradezu vernichtend fand ich allerdings seine Unkenntnis der Nachkriegsgeschichte. Die Handlung erstreckt sich über den Zeitraum von 1963 bis 1964 und er sagt über den Protagonisten, dass dieser seinen Wehrdienst vor zehn Jahren geleistet habe. Ich muss keine Sekunde darüber nachdenken, um zu wissen, dass das Unsinn ist. Die Bundeswehr wurde erst per Gesetz 1955 gegründet und erst 1956 rückten die ersten freiwilligen Aufbaukommandos ein. Bis die ersten echten Wehrpflichtigen einrückten, verging noch einmal etwas Zeit.

Melanie bastelt den ganzen Tag über kleine Hemden aus Papier. Sie sollen am Ende als Verzierung für ein Türschild dienen, das sie Ricci schenken will.

Nachdem ich mit dem Buch fertig bin, muss ich meine Tagebucheinträge der letzten Tage nachholen und rekonstruiere sie anhand von Notizen. Ins Bett komme ich dadurch erst um 04:30. Dürfte ein kurzer Sonntag werden.

27. Februar 2024

Freitag, 27.02.2004 – First Blood

Filed under: Japan,My Life,Spiele — 42317 @ 7:00

Da ich derzeit davon ausgehe, dass „The ODESSA File“, das erst gestern gekaufte Buch von Forsyth, das Wochenende nicht überdauern wird, besorge ich mir heute gleich das nächste Buch vom gleichen Autor: „The Dogs of War“. Von der Thematik ebenfalls nicht uninteressant: Eine Söldnergeschichte wie ein „Shadowrun“, nur ohne Science-Fiction und Fantasy Elemente.

Den Videorekorder können wir problemlos umtauschen. Dass das Monogerät 1000 Yen billiger ist, macht sich in erster Linie dadurch bemerkbar, dass kein einziges Kabel dabei ist, mit Ausnahme des fest angebrachten Stromkabels. Ich gehe also in den Markt zurück und kaufe für 420 Yen ein zweipoliges Cinchkabel. Der Videorekorder funktioniert und liefert ein einwandfreies Bild. Und wir stellen mit Befriedigung fest, dass die Aufnahmequalität des alten Gerätes noch in gutem Zustand ist.

Ansonsten besteht der Tag zunächst aus meiner Post und weiteren Schneefällen.
Zunächst!

Am Nachmittag kommt Misi in die Bibliothek und meint, ihm wäre „nach einem Spiel“. Wir reden von „Combat Mission“, nennen wir die Dinge beim Namen. Hm, ja, ich hätte nichts dagegen. Aber nicht in der Bibliothek. Zu öffentlich. Die macht eh um 17:00 bereits zu, während der Computerraum im Physikgebäude bis um 21:00 geöffnet hat, wir gehen also dahin. Ab 17:00 muss man sich in eine Besucherliste eintragen, aber das ist nur eine Formalität.

Wir wollen zuerst ein Spiel per E-Mail probieren, kopieren die Dateien auf die Festplatten und legen los. Das heißt, wir reichen uns die Speicherdateien per Diskette hin und her.
Hm… da ist was seltsam auf der dargestellten Landkarte… ah ja… Karl hat mir natürlich seine eigene Version des Spiels geschickt, in der keine Updates enthalten sind. Schade… aber spielbar. Wir spielen die Karte, die ich vor längerer Zeit einmal von Gersheim angefertigt habe. Ach ja… wer nicht daran interessiert ist, den Rest des Berichts mit einer groben Kampfbeschreibung zu verbringen, kann schon zur nächsten Mail übergehen.

Auf der Karte stehen 1000 deutsche Punkte gegen 1500 amerikanische. Wir werfen eine Münze, wer angreift und Misi wird vom Schicksal dazu auserkoren. Wir spielen nicht mit den Vorgaben, sondern jeder stellt seine Truppe neu nach Gutdünken auf. Ich habe eine Kompanie Panzergrenadiere mit einem Artilleriebeobachter (105 mm), vier MG42 Trupps, einen Panther und zwei StuH42 auf den Plan gestellt.

Es macht sich schnell bemerkbar, dass ich gegen einen absoluten Anfänger spiele (und ich bin selbst eigentlich nicht der Ultrakommandeur), denn binnen fünf Runden (= simulierte fünf Gefechtsminuten) ist seine US Infanterie auf die Hälfte ihres ursprünglichen Wertes reduziert. Mein Panther ist bis an die Biegung der Bliesstraße in der Nähe des (heutigen) Kindergartens vorgefahren und überblickt die Straße bis zum Ortsausgang Richtung Reinheim – das ist unrealistisch, aber in dem Spiel nicht anders zu machen. Binnen kürzester Zeit stehen zwischen Polizeigebäude und Rathaus ein brennender Pershing und zwei ausgeknipste Shermans. Ein weiterer Sherman ist abseits von der Straße über die Felder auf den Lohweg zugefahren und befindet sich bei Spielunterbrechung gerade noch außerhalb der Eröffnungslinie der StuH42.

Diese Sturmhaubitze steht neben Lauers Haus, und jeder, der meinen Heimatort kennt, wird einwerfen: „Von dort aus kann man den Ortsausgang nach Reinheim doch gar nicht sehen!“ Nun ja, wie bereits angedeutet sind dem Karteneditor des Spiels leider gewisse Grenzen gesetzt, z.B. keine Gebäude auf schiefen Ebenen, so dass diese Situation durch weniger Bebauuung möglich wird.

Misis Greyhound, der sich am rechten Bliesufer entlang Richtung Pallmann vortastet, müsste sich auch schon längst fragen, wo die ganzen Krater um ihn herum herkommen – die stammen von der zweiten Sturmhaubitze, die am Bahnhof steht und das gegenüberliegende Ufer bestreicht. In dieser letzten heute gespielten Runde beginnt auch meine Artillerie, auf den Jungs da drüben rumzuhämmern, aber ich werde das Ergebnis erst beim nächsten Spieltermin erfahren – falls Misi nicht bereits jetzt die Fahnen streicht.
Er tut es nicht.
Ich habe schon spannendere Schlachten gespielt… aber auf jeden Fall hat es sehr gut getan, nach so langer Zeit wieder einmal überhaupt eine „Combat Mission“ Schlacht zu spielen. Nächste Woche werde ich Misi einen Crashkurs in Sachen (deutschsprachige) Spieloptionen geben, sofern dafür Zeit ist.

26. Februar 2024

Donnerstag, 26.02.2004 – Was ist EURO-SCART?

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Über Nacht hat es wieder geschneit, also wieder Schluss mit Fahrrad. Und das Wetter hält den ganzen Tag über an. Ich gehe ins Seikyô[1] und besorge mir was Lockeres zum Lesen: „The ODESSA File“ von Frederick Forsyth. Ich habe ein ungeheures Verlangen danach, wieder einmal einen Roman zu lesen.

In der Bibliothek passiert nichts Spannendes.
Eigentlich passiert gar nichts.

Das „spannende“ Element des Tages tritt erst am Abend auf: Japanische Videorekorder sind ganz anders als europäische, ja ja – und das nicht nur in Bezug auf das Bildformat und den Bildschirmtext. Das Modell, das Melanie gekauft hat, besitzt weder einen Scart-Anschluss noch einen für mich als solchen zu erkennenden Antennenstecker. Es gibt nur Cinch Ein- und Ausgänge und zwei Metallstäbe mit Außengewinde, die etwa zwei Zentimeter lang aus der Rückseite des Gerätes herausragen. Einer davon ist beschriftet mit „UHF“, also „Ultra High Frequency“, zu Deutsch „Ultrakurzwelle“, kurz „UKW“. Und das sind Radiofrequenzen. Ich habe keine Ahnung, was das soll.

Das nächste Problem: Dies ist ein Stereo-Videorekorder, der dem entsprechend ein dreipoliges Cinchkabel besitzt: Ein Strang für Bild, und zwei für Ton, links und rechts. Aber wir verfügen nur über einen Mono-Fernseher, der seinerseits dem entsprechend nur zwei Cincheingänge besitzt – einen für Bild und einen für Ton. Ich verspüre nicht die geringste Motivation, mich mit nur einer Tonspur aus den Lautsprechern zufrieden zu geben. Das Gerät wird eingepackt und morgen wieder zurückgegeben. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal für ein Mono-Gerät entschließen müsste – ich dachte, dieser Mist sei längst aus der Produktion.

Ich gehe am Abend noch einmal einkaufen. Von dem Schnee ist jetzt nicht mehr viel übrig, die Straße ist frei, also nehme ich das Fahrrad. Ja… die Straße ist frei von Schnee. Aber ich hätte daran denken sollen, dass die kleine Kurve da vorne, nur 50 Meter vom Haus weg, sehr anfällig für Frost ist, weil der Wind an der Ecke vorbei pfeift. Ich muss also noch nicht einmal besonders schnell fahren – der Hinterreifen rutscht mir weg und ich stelle noch einmal Bodenkontakt her, diesmal exakt waagerecht. Ich schaffe es, richtig zu fallen – „richtig“ im Sinne von „knochenschonend“. Und zum Glück befindet sich die Kurve noch in unserer kleinen Nebenstraße, also bestand keine Gefahr, gleich im Anschluss auch noch überrollt zu werden.

Ich stehe wieder auf und prüfe meine Knochen und Gelenke. Wenn man stürzt, spürt man oft erst später, dass etwas nicht in Ordnung ist, also vergewissere ich mich lieber sofort. Alles lässt sich bewegen, keine Knubbel und Dellen, wo keine hingehören, hüpfen kann ich auch. Ah, am rechten Ellenbogen brennt es etwas. Aber die Jacke ist nicht beschädigt. Ich nehme also an, dass ich noch nicht einmal eine Schürfwunde davongetragen habe.

Ich fahre dennoch mit dem Fahrrad weiter, wenn auch bedeutend langsamer. Ansonsten treffe ich auf keine vereisten Abschnitte und komme unversehrt wieder zurück. Ich ziehe meinen Pullover aus und begutachte meinen Ellenbogen. Er ist vom Aufprall etwas gerötet, aber kein bisschen geschwollen. Noch nicht einmal Hautabschürfungen sind zu sehen. Ich kann mir vorstellen, dass meine besorgte Mutter dieses „Abenteuer“ überhaupt nicht lustig finden wird… aber es ist wirklich nichts passiert.


[1] Das ist der Schreibwarenladen auf dem Campus.

25. Februar 2024

Mittwoch, 25.02.2004 – Ruhe im Haus

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Das Wetter ist gut, also nehme ich mein Fahrrad und fahre zur Bibliothek, wo ich das Schreiben meiner Newsletter wiederaufnehme. Ich hänge sieben Wochen hinterher und es wird Zeit, das zu ändern. Dass die Bibliothek während der Ferien bereits um 17:00 schließt und auch an Wochenenden geschlossen hat, fördert mein Vorhaben natürlich „in keinster Weise“, aber damit muss ich wohl leben.
Melanie äußert die feste Absicht, morgen im Sunday einen Videorekorder zu kaufen, weil gerade welche im Angebot seien. Der Lesekopf des in den Fernseher integrierten Videorekorders ist entweder zu schmutzig oder zu abgenutzt, um noch ein einwandfreies Bild zu liefern. Wir wollen aber auch ein Reinigungsset für den alten Rekorder kaufen, für alle Fälle.

24. Februar 2024

Dienstag, 24.02.2004 – Alles hat ein Ende

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Ich stehe trotz der nächtlichen Party recht früh auf und befinde mich, wie geplant, um 09:00 im Center, wo ich das Brennen der gestern erwähnten Daten-CDs vornehme. Es werden 15 CDs und das Ganze dauert fünf Stunden.

Irgendwann zwischen 14:00 und 15:00 bin ich wieder zuhause. Und jetzt hatte ich eigentlich gehofft, mit dem Brennen von MP3-Daten anfangen zu können, aber das anwesende Publikum will erst noch vier weitere Episoden von „Prince of Tennis“ sehen. Inklusive Ronald, der das vor wenigen Tagen noch völlig uninteressant fand – vor dem Ansehen, wohlgemerkt. Jetzt will er mehr davon. Ich füge mich. Und grolle dennoch… als ich gestern oder vorgestern danach fragte, ob ich denn die Daten brennen könne, hieß es, dass am letzten Tag des Besuchs (heute!) noch genug Zeit dafür sei und ich gab mich zufrieden. Aber, wie so oft…

Ronald sorgt zwischendurch für das Essen und bereitet eine Art Eintopf aus Kartoffeln, Möhren, Fleisch und… und anderen Sachen zu, den man „Nikujaga“ nennt.

Auf den letzten Drücker komme ich dann dazu, mich in den Dateiordnern umzusehen, in denen die Musik lagert und fange mit den Anime Soundtracks an. Und zwanzig Sekunden vor Ende des ersten Brennvorgangs geht dem Rechner der Saft aus. Wunderbar… eine CD im Eimer. Es war leichtsinnig, den Stecker bereits zu verpacken. Ich hätte daran denken müssen. Aber was soll’s… eine CD ist ja nicht unbedingt teuer. Also noch einmal. Am Ende der verfügbaren Zeit habe ich drei CD-ROMs voll, und das dürfte vielleicht die Hälfte von dem sein, was ich mir erhofft hatte. Ich bitte Ricci also darum, mir weitere CDs in Tokyo zu brennen und sie mir mit der Post zu schicken, sobald ich eine entsprechende Mail an sie schicke. Ich möchte allerdings, dass die Anfertigung der „Prince of Tennis“ CDs für Yong Vorrang erhält. Heute ist der 24. Februar… Ricci wird in den kommenden Wochen noch eine Menge Besuch bekommen und wenig Zeit haben… ich werde mich also Ende März nach den CDs erkundigen. Fünf Wochen könnten reichen für 29 CD-ROMS. Das ist weniger als eine pro Tag. Ich halte das für vertretbar.

Um 21:00 brechen wir auf und organisieren ein Taxi zum Busbahnhof. Das heißt, Melanie fährt mit den beiden allein dorthin – mit den ganzen Koffern und Taschen ist das Taxi so voll, dass ich nicht mehr hineinpasse. Ich winke also vom HotSpar aus dem Taxi nach und gehe in die Videothek. Mit Melanie ist vor Zehn wahrscheinlich nicht zu rechnen, also kann ich mich umsehen, ob sich was Interessantes findet.

23. Februar 2024

Montag, 23.02.2003 – Skattland Rhapsody

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Über Nacht hat ein sehr kräftiger Wind eingesetzt, zum Teil mit Orkanstärke, wie ich wegen des Lautstärkepegels annehme. Dennoch schlafen wir, wie üblich, ziemlich lange und folgen Melanie nach, die um Zehn aufsteht, weil sie in die Stadt muss, um Geld abzuheben. Eigentlich wollte sie mit dem Fahrrad fahren (die Schneesituation auf den Straßen lässt es gerade zu), aber wegen des Windes fährt sie lieber mit dem Bus. Eine kluge Entscheidung.

Um etwa 11:00 fällt das Wasser aus. Ronald und Ricci sind bis dahin mit dem Notwendigsten fertig, aber ich werde ungewaschen über die Runden kommen müssen. Immerhin haben wir, in weiser Voraussicht, inzwischen grundsätzlich 20 Liter Wasser in Eimern gebunkert, plus 2 Liter in einer Wasserflasche, so dass Toilettenspülung und Zähneputzen gesichert sind.

Ich gehe ins Center, weil ich den Stapel CD-ROMs, den Ricci mitgebracht hat, kopieren will. Oder einen Teil davon. Aber daraus wird nichts. Alle Rechner, die über einen Brenner verfügen, sind und bleiben besetzt, und das von Mittag bis zum Nachmittag um 17:30, als Saitô-san verkündet, dass man schließen wolle. Na Mahlzeit! Dann wird der Zeitplan knapp. Ich muss morgen früh um spätestens 09:00 auf der Matte stehen, um dem „Mongolensturm“ zuvorzukommen (man verzeihe mir diesen Ausdruck für die Überpräsenz von Chinesen an den entscheidenden Maschinen bitte – ist nur ein Scherz).

Um 18:00 komme ich nach Hause. Und… es ist immer noch kein Wasser da! Allerdings haben wir mit Ronalds Telefon um 18:30 Ikeda-san angerufen, um mich diesbezüglich zu beschweren. Darauf hieß es, dass um 19:00 jemand käme, der das Problem beheben würde… oder Wasser bringt. Sicher bin ich mir nicht. Um 19:20 kommt stattdessen die mit Ikeda verwandte Nachbarin vorbei (was mir die Koreaner zwischendurch erzählt haben) und fragt mich, ob inzwischen Wasser da sei. Ich verneine, und sie verschwindet wieder, natürlich ohne zu vergessen, sich für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.
Einige Minuten später gurgelt der Wasserhahn und übergibt sich in das Spülbecken. Besser kann man das anhand der erdbraunen und dickflüssigen Beschaffenheit dessen, was daraus hervorspritzt, nicht nennen. Wir drehen alle Hähne auf, um die Leitungen frei zu spülen und nach wenigen Minuten haben wir wieder geruchs- und geschmacksneutrales Wasser.
Die Nachbarin kommt noch einmal vorbei. Es sei wieder alles in Ordnung sage ich. Dennoch will sie das fließende Wasser sehen. Na, wenn sie mir nicht glaubt: Ich drehe den Wasserhahn auf und zeige ihr, was sie sehen will. Sie ist zufrieden, entschuldigt sich noch einmal, wünscht einen guten Abend und verschwindet die Treppe hinunter.

Um acht Uhr gehen wir nach Nishihiro, um im „Skattland“ ein Nomihôdai zu machen. Melanie sagt, es sei besser, dorthin zu gehen, weil die Getränkeauswahl größer sei als in dem Laden, wo wir wegen Angelas Abschiedsfeier einmal gewesen sind. Ich erinnere: „Nomihôdai“ ist, im Gegensatz zum Tabehôdai, „All you can drink“. Eigentlich hatten wir auch SangSu eingeladen, aber der hat aus finanziellen Gründen abgelehnt. Ich glaube, er wird im März noch einmal für einige Zeit nach Tokyo fahren, vielleicht auch nach Hause.

Da wir, mangels Wasser, heute noch nichts gegessen haben, spielen wir auch mit dem Gedanken, ein Tabehôdai zu machen, aber ich bin schließlich der einzige, der dabeibleiben will. Und da findet sich der erste Knackpunkt im Skattland: Entweder jeder am Tisch oder keiner bestellt Tabehôdai – die Chance, dass der Tabehôdai-Kunde seine Freunde günstig mitfüttert, ist dem Laden verständlicherweise zu groß. Also verzichte ich darauf.
Zweiter Knackpunkt: Das billige Nomihôdai für 1000 Yen gilt nur für Softdrinks (also alkoholfreie Getränke) und die so genannten „Sour“ Drinks (das sind Sirupgetränke in bunten Farben und Geschmacksrichtungen mit schwachem Alkoholgehalt). Aber gut, wir bestellen das Nomihôdai trotzdem.
Ich probiere ein „Sour“ und weiß sofort, dass es das letzte sein wird: Kohlensäure ohne Ende und der Geschmack ist schlicht grausig. Ich trinke daher die Saftliste herunter und bleibe bei Kalpis hängen – ohne Eiswürfel, bitte. Ich kann nicht erklären, was Kalpis eigentlich ist, aber ich glaube, dass man es entweder angenehm oder abstoßend finden muss. Mir jedenfalls schmeckt das trüb-weiße Zeug. Zum Essen bestelle ich eine Curry-Pizza und ein „Dschingis Khan Menü“. Die Curry-Pizza schmeckt nach dem, was der Name verspricht und nach der großen Portion Käse darüber. Das Menü besteht aus Reis, Gemüse und Fleisch und ist ebenfalls gar nicht mal so schlecht. Ein normaler Mensch wird davon satt (ich brauche halt noch die kleine Pizza dazu) und es kostet nur 500 Yen.
Und das ist der dritte Knackpunkt: Ein Tabehôdai kostet 1500 Yen. Wenn ich hier für 1000 Yen Essen bestellt habe, bin ich satt. Die restlichen 500 Yen sind ein Geschenk an den Betrieb.
Vierter Knackpunkt: Ein Nomihôdai mit alkoholischen Getränken kostet 1800 Yen. Ein faustgroßer Krug Sake kostet 200 Yen, und wenn ich davon fünf getrunken habe, bin ich schon sehr lustig, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich ansonsten nicht so schrecklich viel trinke. Ich halte es für utopisch, neun Krüge zu leeren, ohne mich nach Hause tragen lassen zu müssen. Utopisch ist außerdem, dass ich so viel Zeug in nur zwei Stunden, so das Zeitlimit, in mich hineinschütten kann, ohne mich zu übergeben. Ich schließe daraus (messerscharf): Das lohnt sich nicht! Das Nomihôdai für 1000 Yen könnte sich für mich gerade so gelohnt haben, möglicherweise habe ich den Preis um ein paar Yen überschritten. Ich lasse das Nomihôdai nächstens sein und trinke lieber in einem angemessenen Tempo, ohne die Stoppuhr im Nacken zu spüren. Ich glaube, der einzige spürbare Vorteil des Nomihôdai offenbart sich, wenn man mit einem Dutzend Leuten oder mehr am Tisch sitzt und die Truppe nicht mehr nüchtern ist: Es spart die Einzelabrechnung, und 1500 Yen auf den Tisch zu legen, schafft man auch mit schwerem Kopf und lallender Zunge noch.

Oh, da war doch noch was… In Anbetracht von SangSus Geldmangel und auch der Tatsache, dass mein Geldbeutel am Morgen nur noch 200 Yen aufwies (und ich daher dachte, der Ausflug am Abend hätte sich erledigt), habe ich SangSu während meines Aufenthaltes im Center mitgeteilt, dass er dann ja so um 21:00 für ein zwangloses Trinken zu uns hochkommen könne. Bis zum Abend hatte ich das bereits vergessen, und wir waren um diese Zeit im Skattland. Um Mitternacht sind wir, per Taxi, wieder zuhause und bereiten uns darauf vor, schlafen zu gehen. Es klingelt an der Tür. Noch bin ich nicht (wieder) im Bilde. Ich mache die Tür auf und sehe erst einmal niemanden. Dann erscheint SangSus Kopf an der Ecke zur Treppe. Er bleibt gerne am Klingelknopf stehen (um die Ecke) und hüpft dann ins Bild, wenn man die Tür öffnet. Ein bisschen kindisch, aber… so ist er eben. Ich weiß zu dem Zeitpunkt immer noch nicht, was er will. SangSu entschuldigt sich bei mir dafür, die Verabredung um Neun vergessen zu haben. Oh verdammt, jetzt weiß ich, was los ist. Ich sage ihm, dass das nicht so schlimm sei, weil ich es ebenfalls vergessen hätte. Er sagt, ich solle kurz warten und er verschwindet. Nach knapp einer Minute kommt er die Treppe wieder hoch. Mit einer Plastiktüte voller Bierdosen.
Also eine spontane Afterparty. So sei es. Sonst hat auch keiner was dagegen. Zumindest beschwert sich keiner. Und ich werde ins HotSpar geschickt, um zwei Flaschen „Two Dogs“ zu kaufen (eine leichte Mischung aus Bier und Fruchtsaft aus Australien). Und unsere Afterparty zieht sich noch über zwei Stunden dahin, in denen uns SangSu, begeistert wie immer, einen Videoclip aus einer koreanischen Fernsehshow vorführt, in der „Der Herr der Ringe“ geringfügig parodiert wird. Man stelle sich eine Mittelschichtwohnung vor, in der zwei koreanische Gollums (einer männlich, einer weiblich) auftauchen – und ein spähender koreanischer Legolas, der sie einsammelt. Außerdem beweist sich, wieder einmal aufs Neue, dass man mit SangSu eine Menge Unsinn machen kann. Melanie knetet sein Gesicht, er nennt sie „Prinzessin Gollum“, sie schlägt ihn dafür. Alles beim Alten. Es wird vorübergehen, also warum eingreifen?

22. Februar 2024

Sonntag, 22.02.2004 – Video bis zum Abwinken

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 7:00

Wir sehen uns heute eine Episode der Realserie „Good Luck“, zwei Episoden des Anime „Tsuki-hime“, und jeweils vier Episoden der Anime „Prince of Tennis“ und „DNAngel“ an.

Bei „Good Luck“ handelt es sich um eine Realserie, deren Protagonist ein junger Kopilot bei einer japanischen Fluggesellschaft ist. Er sieht gut aus und die Stewardessen bemühen sich um seine Gunst, aber das lässt ihn kalt. Der Rest ist nach einem noch einfacheren Muster gestrickt und ich prophezeie: Am Ende der Serie wird er sich gegen seinen starrsinnigen und überpeniblen Vorgesetzten durchgesetzt, die Pilotenveteranen von seinen Fähigkeiten überzeugt haben, und mit der gut aussehenden Mechanikerin (Shibasaki Kô) zusammenkommen, die ihn gleich zu Beginn heftig angeschnauzt hat. Noch mehr? Ich rate, dass der Vorgesetzte deshalb so penibel ist, weil er einmal leichtsinnig gehandelt hat, wobei wahrscheinlich Menschenleben zumindest gefährdet wurden. Und ich rate weiterhin, dass die Mechanikerin diesen Job deshalb gewählt hat, weil ein ihr nahe stehender Verwandter wegen eines Wartungsfehlers der Bodencrew sein Leben verloren hat. Ich bin davon überzeugt, nicht mehr als eine Episode sehen zu müssen, um das zu wissen. Und das liegt nicht daran, dass ich vielleicht ein helles Köpfchen wäre, sondern daran, dass die Serien alle ein ähnliches Strickmuster haben und Gesten und Bemerkungen immer so schrecklich offensichtlich sind, wenn man ein wenig Erfahrung mit solchen Serien hat. „Good Luck“ interessiert mich nicht. Auch das Charisma eines Takenaka Naoto (Hauptdarsteller in dem bereits ansatzweise beschriebenen Drama „Lion Seinsei“) und die reizende Shibasaki Kô retten die Serie nicht.

„Tsuki-hime“ wird von vielen Leuten gelobt, in alle himmlischen Höhen, zumindest von so ziemlich jedem, der sich im Animetric Forum tummelt (und die Serie auch gesehen hat). Und die Serie ist auch nicht so schrecklich durchsichtig wie die eben erwähnte Realserie (das macht Animeserien im Schnitt besser als Realserien). Aber ich finde „Tsuki-hime“ irgendwie… uninteressant. Ich finde in der Serie keine Charaktere, die ich sympathisch finden kann, und das ist für mich eine wichtige Voraussetzung, wenn es darum geht, zu beschließen, ob ich etwas weiterhin ansehe oder nicht. Die haben alle irgendwelche dunklen Geheimnisse, was an sich nichts Übles ist, aber die Stimmung ist so derart melancholisch, dass mir der Spaß vergeht. Der Held der Geschichte (nennen wir ihn mal so, obwohl er es nicht verdient) hat hin und wieder Aussetzer, in denen er irgendwelche Leute mit seinem (zumindest nicht kleinen) Taschenmesser in Stücke schneidet. Na hurra. Und er sieht irgendwelche Linien… als Kind noch erhält er von einer geheimnisvollen jungen Frau eine Brille, die diese Linien vor seinen Augen verbirgt und ihm ein „normales“ Bild seiner Umgebung vermittelt.

Ich ziehe später Informationen ein und erfahre, dass diese Linien die Schwachstellen physischer Körper darstellen, seien es leblose Gegenstände, Humanoide, Tiere oder Pflanzen. Ich sage deshalb „Humanoide“, weil in dieser Serie Vampire und andere Nicht-Menschen auftreten, die für gewöhnlich nicht gerade leicht zu töten sind. Unser so genannter Held hat den Drang entwickelt, die sich ihm offenbarenden Schwachpunkte physischer Objekte zu zerschneiden, auch wenn es sich dabei um Menschen handelt. Aber er ist sich dieser Taten nicht voll bewusst und wacht morgens auf – die Spuren sind auf geheimnisvolle Art und Weise beseitigt – und hat das Gefühl, einen Albtraum gehabt zu haben. Eines Tages gerät er an einen weiblichen Vampir, den er flugs filettiert, zu ihrem eigenen Erstaunen. Aber sie kommt ja wieder und spricht ihn darauf an, wie er es wohl geschafft haben mag, sie in 17 Einzelteile zu zerlegen (und nennt ihm jedes einzelne Stück Schaschlik).
Das Geheimnis wird zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht gelöst. Jetzt werde ich im Forum garantiert gelöchert, der Serie eine Chance zu geben. Vielleicht tue ich das noch, ir-gend-wann.

Bei „Prince of Tennis“ geht es ganz bestimmt nicht um Fußball. Da folgt ein Match auf das andere, mit irren und utopischen Spezialattacken und Taktiken. Mehr gibt es da nicht. Da wird nur Tennis gespielt, habe ich den Eindruck. Nebenbei gibt es ein paar Minuten sonstiger Handlung pro Folge, wenn nicht gerade ein wichtiges Spiel ansteht, das sich dann schon mal über mehr als eine Episode hinziehen kann.
Der aufmerksame Leser fragt sich an dieser Stelle natürlich, warum ich mir dann „Ace o nerae!“ ansehe? Da geht es auch nur um Tennis (wenn auch mit etwas mehr Handlung zwischen Training und Spiel)! Aber einfache Fragen haben einfache Antworten: Man nehme ein Bild von Echizen Ryôma in die eine und ein Bild von Ueto Aya in die andere Hand, betrachte die Bilder sorgfältig und bedenke dabei, dass ich ein männlicher Fernsehzuschauer bin. Da liegt die Antwort wirklich auf der Hand.

Gegen acht Uhr fährt Melanie los um zu sehen, ob das „Ramen auf Rädern“ an seinem Platz vor der Mittelschule steht. Ja, der kleine LKW steht da und wir ziehen los. Leider ist der Wagen zum gegebenen Zeitpunkt gerade besetzt und wir müssen warten, bis die Gäste gegangen sind. Einer ist immer noch drinnen, aber der Platz reicht jetzt auch für uns vier.
Wir sitzen dann einige Minuten am Tisch, ohne dass etwas passiert. Da es hier nur ein Gericht gibt, nämlich ganz normale Ramen in Suppe mit Fleisch und Lauch, gehen wir einen Moment davon aus, dass man das Essen nicht extra zu bestellen brauche. Natürlich ist das eine Fehlannahme. Es gibt zwar nur ein Gericht, aber man kann es modifizieren lassen, indem man ein Reisbällchen dazu möchte, oder vielleicht eine doppelte Portion Fleisch. Schließlich durchschaue ich das Procedere, zeige dem Wirt mit dem feschen weißen Handtuch um den Kopf vier Finger und sage „Onegai shimasu!“, worauf die Küche in Bewegung gerät.
Ich bin wie üblich sehr zufrieden mit dem Essen, und Melanie ebenso. Über Ricci kann ich keine Aussage machen, aber Ronald schien, untertrieben ausgedrückt, wenig begeistert, weil die Nudelsuppe seines Erachtens etwas fett gewesen sei. Natürlich kann man einwerfen, dass er offenbar nichts gegen fettiges Essen bei „Kentucky Fried Chicken“ habe, aber zu seiner Verteidigung: Das ist eine andere Art von Fettigkeit. Auf der Nudelsuppe hier sieht man große Fettaugen, und die sind nicht jedermanns Sache, gerade bei Rinderfett.

Wir kehren nach Hause zurück und sehen uns die ersten vier Folgen von „DNAngel“ an. Ich würde es eine „Magical-Girl-Serie mit männlicher Hauptrolle“ nennen. Im Grunde genommen sieht man hier das männliche Gegenstück zu „Kamikaze Kaitô Jeanne“. Auch hier verwandelt sich der Held in einen Meisterdieb (genetisches Familienerbe) und er kündigt seine Diebstähle ebenfalls vorher an. Er hat Flügel wie ein Engel (nur halt schwarz) und trickst die in Hundertschaften angetretene Polizeitruppe aus. Dennoch… ich möchte noch mehr davon sehen. Der Soundtrack gefällt mir sehr gut und die Charaktere sind sehr sympathisch. Außerdem habe ich auch von „Kamikaze Kaitô Jeanne“ nicht so schrecklich viel gesehen.

21. Februar 2024

Samstag, 21.02.2004 – Prinzessinnen und Puppen

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 9:15

Strahlender Sonnenschein am Morgen durch unsere Balkontür macht das Weiterschlafen unter den sich aufheizenden Bettdecken unmöglich, also stehen wir auf. Es ist Samstag und wir haben „SailorMoon“ aufgenommen, aber wir stellen fest, dass 10 Minuten am Ende fehlen, weil das Band nicht lange genug war. Ich verschwende daher keine Zeit damit, mir den Anfang anzusehen, auch, weil die Bildqualität schreiend schlecht ist. Daher findet sich hier keine Zusammenfassung der Episode.
Melanie fasst deswegen den Plan, demnächst einen externen Videorekorder zu leihen, schließlich habe sich Angela ihre Waschmaschine ebenfalls nur geliehen. Aber ich halte das für unrealistisch. Eine Waschmaschine ist ein großes und teures Gerät, dessen Verleih sich lohnen könnte, weil nicht jeder die Mittel hat, sich eine eigene zu kaufen. Ein Videorekorder dagegen ist ein kleines Gerät, das sich jeder, der nicht gerade arm ist, leisten kann.

Wir sehen uns acht Episoden von „Scrapped Princess“ an und ich sehe, dass auch dies eine Serie ist, die ich haben möchte. Das nicht zuletzt deshalb, weil mir die Stimme der Hauptdarstellerin gut gefällt. Es handelt sich um Orikasa Fumiko, die der Mikan aus „Atashin’chi“ schon ihre Stimme leiht – und auch Prinzessin Else in „Zorori“ (und das hat Melanie aus „Zorori“ herausgehört, was mich in arges Erstaunen versetzt hat). Leider sind nur acht Episoden vorrätig, aber Ricci hat die übrigen 16 in Tokyo in sicherer Verwahrung.
Was mich sonst an der Serie reizt, ist das Setting, das mich an „Final Fantasy“ erinnert, wie es früher einmal war: Eine reine Fantasy-Welt mit Rittern und Magiern und Barden und all dem romantischen Zeug, hinter der eine vergessene Hochtechnologie steht. Es fallen Begriffe wie „DNA“ und „Programm“ und dergleichen, die dem normalen Einwohner einer solchen Welt natürlich nichts sagen. Aber lustig sind vor allem die Namen. Da heißen Leute u.a. „Mauser“, „Galil“, „Barrett“, „Steyr“ oder „Socom“, und eines der Pferde heißt „Dragunov“. Für die Unwissenden:

  • Mauser ist eine deutsche Waffenfirma in Oberndorf
  • Galil ist die Bezeichnung eines israelischen Sturmgewehrs
  • Barret ist ein Waffenproduzent in den USA
  • Steyr ist ein Waffenhersteller in Österreich
  • Socom ist die H&K Mk 23 Pistole, die in den USA hergestellt wird
  • Dragunov ist ein russisches Scharfschützengewehr

Die Serie handelt von Pacifica, die wohl eine verstoßene Prinzessin ist, die fast jeder gerne tot sehen möchte, weil geweissagt wurde, dass sie das Ende der Welt einläuten werde (oder etwas ähnlich Apokalyptisches). Dabei ist sie ein nettes Mädchen und tut keiner Fliege etwas zu Leide. Wahrscheinlich ist hier eine Verschwörung am Werk, die die wahre Prophezeiung unterschlagen (oder die gegebene falsch interpretiert) hat, weil dadurch ihre Machtbasis untergraben wird… aber das ist nach den ersten acht Episoden noch nicht annähernd klar. Pacifica wird begleitet von zwei sympathischen Militärmagiern, Bruder und Schwester, die für ihre Sicherheit sorgen, und gerade die Schwester hinterlässt in ihrer Fürsorge des Öfteren Trümmer und rauchende Ruinen, wie mir scheint.

Nachdem wir uns dann mehrere Stunden mit den „Humor“ Ordnern unserer Computer vergnügt haben (ich habe meine komplette, wenn auch kleine, Festplatte auf CD-ROM dabei), sehen wir zum Schluss noch „Karakuri Zôshi Ayatsuri Sakon“ – das, was man für gewöhnlich kurz „Ayatsuri Sakon“ nennt.

Freitag, 20.02.2004 – Die Rückkehr des Kinos

Filed under: Filme,Japan,My Life — 42317 @ 9:09

Um 08:45 werden wir abrupt von einem Eisblock geweckt, der vom Dach auf den Balkon fällt und dabei auch gleich einen der Plastik-Ziegel mitgerissen hat. Dann kann ich auch gleich aufstehen. Die anderen dösen weiter bis etwa 10:30.

Die Frage, die sich stellt, ist, ob Ronald und meine Wenigkeit nach unseren Mails sehen oder ob wir alle gemeinsam den zweiten Teil des „Herrn der Ringe“ ansehen sollen, um uns auf den Kinobesuch heute Abend einzustimmen. Beides geht nicht, dafür ist die Zeit zu knapp. Wir entscheiden uns für den Film. Ich bringe also den ersten Teil in die Videothek zurück und sehe mich umständlich nach dem zweiten Teil, „Die Zwei Türme“, um. Auf Grund der für mich nicht nachvollziehbaren Ordnung in der Videothek findet man den Film nämlich auf drei verschiedenen Regalen; ich glaube, bei „Fantasy“, unter „Ausländische Filme“, und bei den „beliebtesten Filmen“. Jahaa… der zweite Teil ist komplett ausgeliehen. Es wollen noch mehr Leute den zweiten Film sehen, bevor sie ins Kino gehen und den dritten ansehen.

Dann wird der Plan einfach umgekrempelt und ich gehe mit Ronald ins Center. Melanie und Ricci schauen sich derweil „Princess Tutu“ an. Es heißt, die Serie sei gut. Ronald ist natürlich wesentlich schneller fertig als ich und geht gegen 14:00 wieder zurück nach Nakano, während ich bis 15:45 bleibe und zu Fuß, eine Packung Toastbrot kauend, zum Ito Yôukadô gehe, um den Preis für den Bus zum Busbahnhof zu sparen. Das heißt, ich habe das Geld für den Bus ja eigentlich gerade verfuttert. Am Ito Yôkadô treffen wir uns dann also wieder und wir steigen um 16:20 in den Bus in Richtung „Sakurano“, das ist das Kaufhaus im Westen der Stadt, in dessen Umgebung sich das Kino befindet. Die anderen drei wollen im Sakurano noch ein paar Sachen kaufen (was normale Kinobesucher halt so brauchen). Wir kommen dadurch sehr pünktlich zur Vorstellung.

Und „Die Rückkehr des Königs“ ist ein wirklich gewaltiger Film, der sich in meiner DVD Sammlung gut machen wird. Ich persönlich empfehle ihn uneingeschränkt jedem, der dem Fantasy-Genre entfernt etwas abgewinnen kann. Natürlich hat der Film Punkte, bei denen ich mich am Hinterkopf kratzen musste. Nein, ich meine nicht die Szene, in der der Truchsess von Gondor einen herben Schlag auf den Kopf erhält, damit er mit seiner Aufforderung „Rette sich, wer kann!“ nicht weiter die Moral der Belagerten untergräbt. Ich meine z.B. diese an sich wirklich beeindruckend aussehenden Leuchtfeuer auf den Bergen, die, eines nach dem anderen, angezündet werden, um die Nachricht weiterzuleiten, dass Minas Thirit in Gefahr ist. Aber wie soll ich mir das vorstellen? Ich denke zwangsläufig an den Witz von Mittermeier, ob da die ganze Zeit einer am Flughafen sitze, der „vergesslichen“ Leuten noch kurz vor dem Abflug ihre Traveller-Schecks in die Hand drückt. So geht es mir mit diesen Feuern – nur extremer. Sitzen da jahraus, jahrein Leute auf den unwirtlichen, verschneiten Bergspitzen in ihren steinernen Behelfshütten und warten darauf, dass da unten in Gondor endlich die Kuh fliegt (wenn ich das mal so nennen darf)? Mal angenommen, diese Leuchtpositionen sind tatsächlich immer besetzt:

Wie schafft man Verpflegung zu den Leuten hoch?
Wo wird die Verpflegung gelagert?
Und die brauchen auch Brennholz, und zwar das ganze Jahr über – wo lagern die das Brennholz? Bestimmt nicht in dieser zeltgroßen Unterkunft!
Wie werden diese riesigen Holzstapel, die binnen Sekunden brennen wie ein ganzes Tanklager, trocken gehalten? Wie kommt man zu einem solchen Job? Strafversetzung? Da oben ist es langweilig ohne Ende.
Die Nachschubkarawane muss ein reines Himmelfahrtskommando sein, bedenkt man den möglichen technischen Standard der Bergsteiger von Tolkiens Welt. Wie viele Menschenleben werden eigentlich regelmäßig geopfert, um diese einsamen Posten zu versorgen?

Nicht zuletzt fand ich den „Flakscheinwerfer“ auf Barad Dûr sehr lustig. Ich habe durchaus begriffen, dass das Auge Saurons überall hinsehen kann – ich brauche den Lichtkegel nicht zur Unterstützung meiner Vorstellungskraft. Oder ist das ein Geschenk an Leute ohne Vorstellungskraft? Aber diese übergroße Taschenlampe fand ich, gelinde gesagt, überaus dämlich.
Und die beiden Über-Hobbits… die leiden so richtig schön gemeinsam. Es fehlt wirklich nur noch, dass sie sich ihre Liebe gestehen und sich dezent hinter einen Busch oder Felsen zurückziehen. Aber diese leidenden Blicke, mit denen sie sich ansehen und Sams hingebungsvolle Worte…

Bemerkenswert war auch, dass ein paar Reihen hinter uns nach 15 Minuten bereits ein lautes Schnarchen zu hören war. So langweilig ist der Auftakt dann doch nicht. Ja, ja… und als dann am Ende das Schiff davonsegelte, haben die beiden Mädchen in der Reihe vor uns hörbar geheult. Es sei ihnen gegönnt, sie waren wahrscheinlich nicht die einzigen im Saal. Mich hat die große Schlacht an sich viel mehr bewegt als sterbende Protagonisten oder davonsegelnde Helden. Dieser Film zeigt die schönste Darstellung von Niederreiten seit dem misslungenen Versuch in „Braveheart“, und erst jetzt weiß ich, was mir da entgangen ist.

Wir verlassen das Kino um 20:45. Laut Fahrplan fährt der letzte Bus um 20:25, aber Gerüchten zu Folge soll um 20:55 noch einer fahren. Diese Gerüchte sind allerdings eine Ente. Und ich muss mich fragen, welcher Idiot für diese Fahrtenplanung verantwortlich ist, weil die meisten Leute wohl nach 20:25 aus dem Kino kommen. Aber vielleicht handelt es sich auch um ein stilles Abkommen mit den Taxiunternehmen. Deren Wagen stehen nämlich in nicht geringer Zahl vor dem Kaufhaus in der Nähe der Haltestelle. Wir nehmen also ein Taxi und lassen uns zum „Skylark Gusto“, gegenüber vom Daiei, fahren, um was zu essen.
Ich esse eine sogenannte „Familienpizza“, die möglicherweise für eine vierköpfige Familie von Pygmäen oder für ein wenig hungriges japanisches Ehepaar mit Kleinkind reicht, aber nicht für einen hungrigen Dominik. Die Pizza ist reichlich mit Käse belegt und sie schmeckt gut, das ist ein Vorteil, aber sie hat nur 25 cm Durchmesser. Ich glaube, das geht in Deutschland als eine größere Kinderportion durch. Immerhin reicht mein Bauchgefühl hinterher sehr nahe an „Sättigung“ heran.

Um 23:00 sind wir wieder zuhause und Ricci legt sich auch sehr bald hin. Wir anderen unterhalten uns noch bis gegen zwei Uhr morgens.

Donnerstag, 19.02.2004 – Der Fischkerker

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 9:01

Der Wecker klingelt heute um 08:30, damit wir den Zug um 11:45 noch kriegen. Und das klappt auch ganz hervorragend. Für 190 Yen zum Bahnhof, 650 Yen bis nach Aomori und 670 Yen vom Bahnhof bis zu der Bushaltestelle, die dem Aquarium am nächsten ist. Also etwas mehr als 11 E pro Fahrt. Bis zum Aquarium sind es ca. zehn Minuten Fußmarsch – und es ist ganz übel kalt, kälter als in Hirosaki. Wir führen das auf die Nähe zum Meer und den damit verbundenen Wind zurück. 200 Meter nördlich von uns, parallel zur Straße, rollen die Wellen sanft an den Strand. Beinahe wären wir an unserem Ziel vorbeigelaufen, weil das Gebäude eher wie eine Fischkonservenfabrik als wie eine Art Naturkundemuseum aussieht. Der Eintritt beträgt 1000 Yen. Ich würde sagen, dieser Tag war teuer. Mehr als 30 E Gesamtausgaben – für das Folgende:

Gleich in der Nähe des Eingangs befindet sich ein Becken mit Schildkröten, und zwar Schildkröten mit einem Durchmesser von ungefähr einem halben Meter. Das Becken ist etwa vier Meter lang, zwei Meter breit und drei Meter hoch (bzw. tief) und ist im Inneren völlig kahl. Mit himmelblauer Farbe angepinselt, die hier und da abbröckelt und von den Schildkröten angeknabbert wird.

Gegenüber davon befinden sich kleine Aquarien mit Tieren darin, die so groß sind, dass sie sich kaum bewegen können. Ich bin total begeistert. Der „Chinesische Riesensalamander“ z.B. macht nicht den Eindruck, als könne er mehr tun, als sich vielleicht einmal um die eigene Achse zu drehen. Ich würde gerne den Urheber dieser Behältnisse eine Zeitlang in einem Boxenhotel in Tokyo einsperren, wo die Schlafboxen etwa zwei Meter lag sind und etwa einen Meter Durchmesser aufweisen.

Eine Hauptattraktion ist ein Becken, durch das man mittels eines Tunnels unter der Wasseroberfläche hindurchgehen kann. Die Fische haben hier immerhin Platz, sich relativ frei zu bewegen. Da sind eine Menge Fische, die ich nicht benennen kann, aber auch kleine Haie, eine Art riesiger Wels und drei Rochen. Das Becken ist etwa viermal so groß wie das Schildkrötenbecken und immerhin mit künstlicher Vegetation versehen.

Ansonsten bietet das Museum so ziemlich alles, was im Pazifik zwischen Tokyo und San Francisco so haust. Auch Seelöwen, Pinguine und Seeotter. Wir sehen uns die Fütterung der Otter an. Es sind drei Stück und die haben wirklich Platz, meines Erachtens. Einer der Otter macht sich einen Spaß daraus, mit dem Kopf unter Wasser und dem Hintern an der Oberfläche schwimmend, die Zuschauer durch die Glasscheibe zu betrachten. Es sieht lustig aus. Im zweiten Stock gibt es auch Süßwasserfische, darunter Piranhas. Natürlich befindet sich an den Becken der dringende Hinweis, die Hand nicht ins Wasser zu halten.

Mein geringstes Gefallen findet die Delfinshow. Ich bin kein Freund der Idee, Meerestiere in einem viel zu kleinen Becken mit gechlortem Wasser zu halten und sie auch noch für Unterhaltungszwecke einzusetzen. Und als ob das nicht genug wäre, gibt es ein weiteres Delfinbecken, in dem zwei weitere der Säugetiere, laut Anzeigetafel,  in einer Mutter-Kind-Beziehung leben. Das Becken hat bestenfalls fünf Meter Durchmesser und ist vielleicht fünf Meter tief. Die Tiere schwimmen im Kreis wie es der Löwe im Käfig auf seinen vier Beinen macht.

Wir fahren wieder nach Hause. Eigentlich wollten wir mit SangSu was trinken gehen, aber wir sind zu müde, um uns heute noch ein Nomihôdai geben zu wollen. Aber wir entschließen uns spontan für ein Tabehôdai im Moo-Moo, als wir auf dem Nachhauseweg daran vorbeikommen. Wir stopfen uns also den Wanst kräftig mit Röstfleisch voll. Ich vermisse Dinge wie Ketchup oder Mayonnaise in diesem Laden.

Um 23:30 kommen wir wieder in Nakano an. Da wir morgen Abend ins Kino gehen wollen, wird entschieden, dass wir uns noch den „Herrn der Ringe“ ausleihen und ansehen, zunächst den ersten Teil. Moment mal!? War da nicht vor kurzer Zeit noch jemand müde gewesen? Ich leihe also „Fellowship of the Ring“ aus, und das für zwei Tage, weil ich ihn ja heute nicht mehr werde zurückgeben können. Warum wir allerdings nicht noch die paar Minuten bis nach Mitternacht gewartet haben, verschließt sich mir.

18. Februar 2024

Mittwoch, 18.02.2004 – Kung Fu statt Ping Pong

Filed under: Filme,Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Wir stehen um 08:45 auf, strahlender Sonnenschein nach einer verschneiten Nacht. Um 11:30 gehen wir zum Bus und fahren zum Bahnhof, weil wir, also Ricci, Ronald, Melanie und ich, nach Aomori fahren wollen, um dort ein Aquarium zu besichtigen. Ich kann mir spannendere Dinge vorstellen, als potentiellem Sushi beim Schwimmen zuzusehen, aber was soll’s.
Melanie hat aus unerfindlichen Gründen auf ihre sonst akribische Planung verzichtet, weil sie (und nicht nur sie) davon ausgegangen ist, dass in schönster Regelmäßigkeit ein Zug in die Hauptstadt der Präfektur fahren werde. Ja, der nächste fährt schon um 12:45, aber der Vermerk auf dem Fahrplan sagt entweder, dass man dafür hätte vorbestellen müssen, oder dass der Zug ausgebucht sei… eher das erstere, denke ich. Aber selbst eine solche Aussage kommt mir arg seltsam vor. Wie dem auch sei, der nächste Zug fährt laut Fahrplan um 13:45. Dann kämen wir aber so spät im Aquarium an, dass wir nur noch etwa eine Stunde Zeit hätten, bevor der Laden zumacht. Diese Hetze will aber keiner von uns in Kauf nehmen, also wird ein Einkaufsbummel aus dem für heute geplanten Ausflug. Wir verlagern die Aktion auf morgen und gehen ins Ito Yôkadô.

Die anderen sehen sich nach irgendwelchen Sachen um, für die ich mich kaum weniger interessieren könnte als für ausgetretene Fußmatten, also verziehe ich mich in die Spieleabteilung und bitte darum, mich dort abzuholen, sobald sie hier fertig seien. Ronald will eigentlich noch eine Hülle für seinen Kanjitank kaufen, aber der Laden, wo ich mein Gerät mit Hülle gekauft habe, hat geschlossen. Und zwar für immer. Ein bedeutender Teil des Stockwerks wird umgebaut. Der 100-Yen-Shop aus dem dritten Stock wird diese Stelle einnehmen. Das wird ein reichlich großer 100-Yen-Shop.

Wir gehen schließlich nach Hause und wollen uns irgendein ein Video ansehen, ein Live Action Video – also mit echten Schauspielern, nicht animiert. In der Videothek wogt die Diskussion 15 Minuten lang hin und her (ohne mich, weil mir das Ergebnis gleichgültig ist) und schließlich wird beschlossen, das Video auszuleihen, das in der Abteilung für Humor auf Platz Eins der beliebtesten Filme steht. Der Film heißt „Ping Pong“. Offenbar eine Komödie mit Schwerpunkt auf Tischtennisspielern. Daran hatte ich in meinem ganzen Leben noch kein echtes Interesse, aber warum nicht. Man soll nichts für schlecht halten, was man nicht selbst gesehen hat.

Aber dieser Film gibt mir von Anfang an ein schlechtes Gefühl. Die Hauptperson ist ein junger Mann, der offenbar sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hat, als Ping Pong zu spielen, und er trägt eine Frisur zur Schau wie Jim Carrey in „Dumm und Dümmer“. Und bald darauf weiß ich eins: „Dumm und Dümmer“ ist  allemal und definitiv ein besserer Film als „Ping Pong“!
Wenn das hier eine Komödie sein soll, dann entgehen uns die humoristischen Elemente völlig. Dieser Film ist stinklangweilig. Die „Frisur“ und sein bester Freund spielen natürlich auch auf Turnieren, wo sie – ebenso  natürlich wegen der Natur der Sachen Turniere und TV-Unterhaltung – auch auf starke Gegner treffen. Da wäre zum Beispiel ein rivalisierendes japanisches Team, dessen Mitglieder in ihren schwarzen Sportkleidern und mit den rasierten Glatzen aussehen wie Klone des wohl populärsten Fußballschiedsrichters dieser Zeit. Das einzig lustige an der Mannschaft: Da ist einer dabei, der wegen seiner Kopfform und Brille aussieht wie Nikolas Kieker. Und dann gibt es noch einen unfreundlichen Chinesen, der aussieht, als könne er den sadistischen Aufseher eines Umerziehungslagers in Zentralchina wesentlich besser spielen als einen Sportler.

Wir brechen den Film nach der Hälfte ab und besorgen uns was Neues: „Shaolin Soccer“. Das ist lustig und das Geld wert. Trotz kantonesischen Originaltons mit japanischen Untertiteln. Eine Gruppe ehemaliger Shaolin Mönche (also Kung Fu Spezialisten) spielt… eine Art Fußball. Das heißt, eigentlich handelt es sich dabei um Kung Fu Kämpfe, erweitert um einige Fußballregeln… oder eigentlich nur um den Ball. Der Humor des Films kommt von der endlosen Übertreibung, derer sich die Macher bedient haben. Da werden Mauern mit Fußbällen gesprengt oder Getränkedosen in dieselben hineingetrieben, und das auf unglaubliche Entfernungen, und erst die Spezialtechniken auf dem Spielfeld…

Den übrigen Abend verbringen wir mit „freier Diskussion“ und alten Schulgeschichten, was ich sehr genieße, weil Ronald und meine Wenigkeit ja die gleiche Schule besucht haben. Um 23:30 bringe ich den Film zurück und der Tag endet.

17. Februar 2024

Dienstag, 17.02.2004 – Ich bin enttarnt

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Heute Morgen also noch eine Stunde bei Yamazaki-sensei… und dieser Gedanke geht mir so langsam durch den Kopf, dass ich jede einzelne Silbe bewusst erfassen und mit Missbilligung strafen kann.

Und wieder einmal sind Melanie und ich die einzigen Anwesenden… zunächst!
Nach zehn Minuten kommt Valérie dazu. Und noch einmal 20 Minuten später trifft sogar Chin ein! Das ist der Chinese (Arzt, Mitte 30), der sich bisher um jeden einzelnen Kanji-Test herumgedrückt hat. Hui, vier Leute!
Am Schluss bekommen wir unsere Klausuren zurück und mein Pegel liegt bei 60 %. Ein Rekord in diesem Semester (in Bezug auf Japanischklausuren). Natürlich sind 60 % arm – aber wenige Minuten vor dem echten Ferienbeginn will ich darüber nicht weiter nachdenken.

Ich gehe in die Bibliothek und finde gleich drei lange Mails auf einmal vor – von Sebastian, Kai und Kati. Kati schreibt über ihre Ferien, die anderen haben wichtigere Belange. Dann muss Kati leider warten.
Ich schreibe selbst noch drei Mails und schon zeigt die Uhr nach Zwei. Ich gehe schnell ins Center und verpacke zwei Bücher, die ich per E-Bay verkauft habe und nach Deutschland schicken will. Dann kommt FanFan ins Center, sieht und begrüßt mich.

Was ich da täte, möchte sie wissen.
Ei, ich verpacke Bücher, die ich nach Deutschland schicken will.
Ob sie sie mal sehen dürfe?
Die Gedanken, die innerhalb einer halben Sekunde in meinem Kopf erwägt wurden, hier in Kürze: Wenn ich ihr verbiete, die Bücher zu sehen, ist das erstens hochgradig verdächtig und zweitens könnte sie beleidigt sein. Wenn ich ihr die Bücher zeige, werde ich ihr ebenfalls in Zukunft verdächtig sein… aber wenn ich offen bin, kann ich meinen Ruf eher wieder hinbiegen, weil sie weiß, woran sie ist.
Hm, in Ordnung… aber sie solle nicht erschrecken. Sie tut es trotzdem. Sie nimmt den ersten Band, den sie greifen kann, in die Hand, mit dem Titel „EVA Hot“ und sieht Hoshino Ruri (aus „Nadescio“) in eindeutiger Stellung. Wenige Sekunden später entschwindet sie ohne weiteren Kommentar. Ich packe also weiter ein.

Und als ob FanFan nicht gereicht hätte, kommen als nächstes BiRei und Mei mit fröhlichen Gesichtern auf mich zu. Aha, die nächsten. Das Spiel beginnt von vorn.
Was ich denn da täte, möchten sie wissen.
Ich denke erst gar nicht und drücke Mei „EVA Hot“ in die Hand.
Ein Moment Stille.
Aber immerhin laufen die beiden nicht gleich weg. Mei macht Witze über meinen Extraverdienst. Soll sie. Gefällt mir besser als Weglaufen.
Die beiden wollen kommenden Monat ins Frauenwohnheim umziehen und ich frage sie, wie es mit einer Umzugsparty wäre. Ja, BiRei zumindest hat nichts dagegen, Mei überhört die Frage und schweigt dazu. Sie blättert lieber in „EVA Hot“ mit dem Bild von Hoshino Ruri drauf. Jetzt mache ich die Witze („Was ist? Hast Du Gefallen daran gefunden?“), aber das prallt von ihr ab wie Wasser von einer gewachsten Karosserie. Ich denke an den Film „Feuerwalze“ mit Chuck Norris (Zitat):
„Was wird er schon tun? Er ist Chinese, und Chinesen lächeln…“
Mei tut genau das angesichts meiner Bemerkung.
Schließlich bringe ich die Bücher zur Post, und bis ich zuhause bin, ist es schon 14:30. Aber Melanie reagiert darauf gelassener, als ich erwartet hätte.

Unser heutiges Programm besteht aus der zweiten Hälfte der „GTO“ Serie, nur unterbrochen von einem Besuch im „Bunpuku“ Ramen-Laden. Zuletzt sehen wir uns noch eine Episode von „Chrno Crusade“ an. Ja, der Name ist richtig geschrieben. Da fehlt tatsächlich das erste „o“ in der Rômaji Schreibung. Nehmen wir also an, dass es sich um Absicht handelt. Die Serie ist auch ganz hervorragend gezeichnet, gute Arbeit, aber auf eine niedliche Variante von „Warrior Nun Areala“ (nicht totzukriegende Leser der „AnimaniA“ werden das wahrscheinlich kennen) kann ich gut verzichten. Da ist eine junge Nonne mit reichlich reizfreier Unterwäsche, die im New York des Jahres 1928 unter Dämonen aufräumt. Natürlich erfüllt sie alle Klischees, die man so braucht, um eine niedliche Heldin zu basteln. Ich nenne hier nur den klassischen Vorgang „Zu schnell zu viel essen, sich verschlucken, blau anlaufen, sich dreimal auf das Brustbein klopfen, mit Wasser nachspülen“. Ich hab das auch schon probiert (bevor ich blau angelaufen bin allerdings), aber es hat nichts gebracht, mir auf das Brustbein zu schlagen (außer dem üblichen dumpfen Trommelgeräusch). Der Brocken bewegt sich erst, wenn man ihn wegspült. Begleitet wird die Nonne von einem nicht minder niedlichen, (zum Guten übergetretenen?) dämonischen Gehilfen mit der körperlichen Erscheinung eines schätzungsweise 16-jährigen Jungen, dem die Vorgesetzten der Kampfnonne natürlich wenig Vertrauen entgegenbringen. Ich bin sicher, dass er noch eine zwiespältige Rolle spielen und am Schluss an der Vernichtung des Bösen großen Anteil haben wird. Der Inhalt offenbart sich dem Erfahrenen also eigentlich bereits nach der ersten Episode. Die restliche Handlung ist mir zu offensichtlich… mir reicht eine Episode.

Die Nonne heißt übrigens, ja, tatsächlich, „Rosette“. Natürlich ist mir bewusst, dass es sich dabei um ein architektonisches Merkmal gotischer Kirchen handelt (dieses grob runde Fenster an der Frontseite heißt im kunsthistorischen Fachjargon so) und dass ihr Name höchstwahrscheinlich deshalb ausgesucht wurde – von einem arglosen Japaner, der die populärste Bedeutung des Begriffs wahrscheinlich nicht kennt. Dennoch finde ich das Wort als Namen für eine Frau reichlich unpassend. „Uhura“ ist als Frauenname richtig harmlos dagegen.

16. Februar 2024

Montag, 16.02.2004 – Vorschlaghammerpädagogik

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Eigentlich hat die Universität bereits Ferien. Ich habe den Ferienbeginn ja bereits „offiziell“ bekannt gegeben. Aber stattdessen: Yamazaki-sensei hat heute wegen der vielen freien Montage eine Nachholstunde angesetzt, und die beiden treu-doofen Deutschen (ja, das sind Melanie und ich) sind die einzigen!, die diesem Ruf folgen. Valérie weiß zwar von dem Unterricht, aber sie chattet lieber mit ihrem Freund. Sogar eine WebCam hat sie sich dafür zugelegt. Also veranstaltet Yamazaki quasi Privatunterricht für zwei Personen. In dieser Hinsicht ist er wirklich konsequent. Die Klausuren hat er noch nicht fertig. Die werde er uns morgen geben, sagt er. Jawohl, richtig gehört: Morgen findet eine weitere Unterrichtseinheit statt. Wenn ich nicht schon so einen Hals hätte, hätte ich jetzt so einen Hals! Das nur, um meinen Freund Christian den Roten zu zitieren.

Nach dem Unterricht gehe ich ins Center und sehe nach meiner Post und den neuen Einträgen im Animetric Forum. Es ist nicht sehr viel, dennoch werde ich ständig von Melanie beäugt, die mich dazu anhält, schneller zu machen. Ich mache ja, so schnell es geht – aber es dauert nun mal alles so lange, wie es eben dauert.

Zuhause steht die nächste Serie auf dem Plan: GTO. Der Titel hat nichts mit dem Sportwagen von Mitsubishi zu tun. „GTO“ steht für „Great Teacher Onizuka“, und „Onizuka“ ist der Name des Protagonisten, gespielt von Sorimachi Takashi. Wie unschwer zu erraten, geht es um einen Lehrer. Aber nicht irgendeinen. Onizuka ist ehemaliger Anführer einer Motorradgang, lebt in einer klassischen Junggesellenbude, hat eine Affinität für sehr junge Frauen (lies: Oberschülerinnen) und ein Regal voller entsprechender Pornofilme, kommt von einer drittklassigen Universität und hat sein Lehrerexamen nicht selbst geschrieben… aber er wollte schon immer ein „great teacher“ sein und erhält eine Chance, als auf einer eher berüchtigten Schule ein Lehrer gesucht wird.

Seine antiautoritäre Einstellung und reichlich unkonventionellen Methoden (den Oberlehrer hat er kurz nach dem Vorstellungsgespräch in die Ecke des Gangs getreten, als dieser zwei Schüler als „Abfall“ bezeichnete) machen ihn bei der konservativen Lehrerschaft nicht gerade beliebt. Gerade die beiden führenden Köpfe unter den Lehrern möchte man bald auf den Mond oder aber am besten gleich standrechtlich erschießen. Mein Kumpel Kai würde sie wahrscheinlich genüsslich hassen. Vielleicht sollte ich ihm die Serie mal zeigen.[1]

Aus Gründen, die sich dem Zuschauer erst später offenbaren, stellt sich die Klasse gegen Onizuka, boykottiert seinen Unterricht und jeder tut sein oder ihr Bestes, um ihn wieder loszuwerden. Aber Onizuka erteilt jedem eine heilsame Lektion und zieht einen nach dem anderen auf seine Seite. Ständig von der Entlassung (bzw. forcierter Kündigung) bedroht, stellt er seine Bedürfnisse hinter die der Schüler und lässt keine Gelegenheit aus, auf seine Art und Weise Schicksale wieder hinzubiegen.

Natürlich wird mit Klischees gearbeitet, mit Kitsch und Extremen und für Showzwecke wird halt gerne übertrieben. Onizuka lehrt „Lebe Deine Träume heute und jetzt – das Morgen ist unwichtig“. Das klingt zwar toll, aber wie soll man ohne eine materielle Basis, die Onizuka so offensiv vernachlässigt, seine Träume ausleben? Die kosten für gewöhnlich Geld. Aber im Fernsehen geht halt alles, und es macht einfach großen Spaß, die Serie zu sehen. Man sollte sie Lehramtskandidaten empfehlen. Der bedeutendste Faktor Onizukas ist nämlich seine grenzenlose Motivation, Lehrer und für seine Schüler da zu sein, das überträgt sich auf seine Schüler, er besitzt Begeisterungsfähigkeit – und die fehlt dem durchschnittlichen Lehrer, soweit ich ihn/sie kennen gelernt habe. Zumindest war das zu meiner Zeit so, und ich habe meine Zweifel, dass sich daran viel geändert haben könnte. Ich brauche keine halbe Hand, um die Lehrer abzuzählen, von denen ich den Eindruck hatte, dass sie viel Motivation verspürten oder eine solche zu vermitteln versuchten. Man sollte keinen erzieherischen Beruf ergreifen, wenn man darin nur einen Broterwerb sieht.

Da sieht man’s! Ich sehe mir eine harmlose TV-Serie an und fange an, die personellen Faktoren im Bildungswesen zu kommentieren!


[1]   Vorschlag abgelehnt – er hasse den Klang japanischer Sprache. Und das war Stand 2004.
Stand 2023: „Ich versuch gerade, ein bisschen Japanisch zu lernen. Es gibt da eine topp Handy-App…“

15. Februar 2024

Sonntag, 15.02.2004 – Hana yori… danke…

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 7:00

Um 08:50 bin ich wach genug, um aufzustehen, nachdem mich bereits einige Zeit vorher ein lautes Donnergrollen unwiderruflich aus dem Schlaf gerissen hat. Dann kann ich ja meinen Tagebucheintrag über den gestrigen Tag nachholen. Etwa um 12:30 gehe ich mit Ronald zur Bibliothek. Aber… die ist zu! Dicht! Verschlossen!
Warum? In mir dämmert der Verdacht, dass die Bibliothek während der Semesterferien an Wochenenden nicht öffnet. Das wäre ja mal was… denn es bedeutet, dass mir zwei Siebtel der zum Schreiben verfügbaren Zeit flöten gehen. Ich werde in 100 Jahren nicht mit meinem Tagebuch fertig. Dabei wollte ich mich darum bemühen, möglichst nur zwei oder drei Tage hinterher zu hängen. Schon wieder zerschellt ein Plan an der Realität. Natürlich wäre es einfacher, lediglich eine Wochenzusammenfassung zu schreiben… aber das entspräche nicht dem, was ich selbst haben will. Ich werde einfach schreiben, wenn ich Zeit dazu habe.

Wir gehen also wieder zurück und gehen auch in den Supermarkt. Ich brauche Boco, Melanie und Ricci brauchen Milch, Ronald braucht Pepsi Light. Aber die ist ausverkauft – das Getränk ist derzeit „Angebot des Monats“ für 157 Yen (ca. 1,20 E) pro Flasche. Kein Wunder, dass da gehamstert wird.

Das abendliche Fernsehprogramm besteht aus „Gravitation“ und „Hana yori Dango“, letzteres nicht in der Animeversion. Wenn ich das richtig sehe, handelt es sich hierbei um die taiwanesische Live-Action Variante mit dem Titel „Meteor Garden“. Wie dem auch sei, ich hasse diese Serie und alle ihre Charaktere bereits nach zwei Episoden, und ich muss mir schwer überlegen, ob ich den Versuch wagen soll, mir die Animeserie anzusehen. Ich weiß nicht, ob meine Meinung nur auf den Charakteren beruht, oder ob ich die Schauspieler noch zusätzlich unsympathisch finde. Ich mag ihre Hackfressen nicht. Außerdem habe ich von Haus aus was gegen Feindseligkeiten und Intrigen in der Schule oder sonst wo, vor allem dann, wenn reiche Jugendliche auf diese Art und Weise ihr Reich-Sein ausleben.

Während Melanie zum Einkaufen weg ist, führe ich Ricci und Ronald die erste Episode von „Bôbobo“ vor – mit dem erwarteten Ergebnis… aber es diente nach diesem taiwanesischen TV-Müll meiner eigenen Entspannung.

14. Februar 2024

Samstag, 14.02.2004 – Kultour

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Neuer Tag, neues Glück. Für heute ist ein Besuch des hiesigen Tempels und der historischen Häuser hinter dem Rathaus angesetzt. Wir fahren mit dem Bus in Richtung Stadtmitte und steigen an der kleinen Geflügelbraterei aus. Wir biegen dann links in die Nebenstraße ein, gehen an dem überdachten Trinkwasserbrunnen vorbei, über die Brücke mit ihrem roten Geländer und erreichen wenige Minuten darauf das verschneite Tempelgelände. Wir gehen auch noch die paar Schritte bis zum Schrein, vor dem ein mehr als ein Meter hoher Schneewall liegt, den wir erst übersteigen müssen, um das Gelände auf der anderen Seite wieder verlassen zu können.[1] Ricci verliert in dem relativ weichen Haufen ihren Schuh, den sie, mit eiskalter Füllung, aus der weißen Masse erst wieder herausfischen muss.

Dann gehen wir in Richtung Rathaus, unterbrochen von einem Zwischenstopp in einem Konbini. Auf dieser kurzen Strecke äußert Melanie zweimal den Verdacht, dass wir bestimmt einen Umweg gegangen seien, aber ich weiß genau, wo wir sind und dass es der richtige Weg zu unserem Ziel ist. Unser erstes Ziel ist die alte Bibliothek, die ich bereits vor einigen Wochen beschrieben habe, ebenso wie das Lehrerhaus, wo wir die Geschichtsbücher von 1870 und „Meyers Konversationslexikon“ bewundern, bevor wir in das Kulturzentrum nebenan gehen, da unsere Eintrittskarte für 320 Yen alle diese Attraktionen abdeckt. Während dieser Tour beschließen Melanie und Ronald, heute Abend saarländische Mehlklöße zu machen – „Geheirate“ –, mit Kartoffeln und Speckrahmsoße.
Die beiden gehen also im Anschluss also in den „Universe“ Supermarkt, aber weder mir noch Ricci ist danach, sie dorthin zu begleiten. Ich kann Einkaufstouren nicht ausstehen und Ricci ist heute schon genug gelaufen. Wir gehen also nach Nakano zurück. Auch Ricci geht langsam. Aber erstens ist ihr Fitness-Zustand bedenklicher als der von Melanie, zweitens trägt sie (wie bereits erwähnt) Turnschuhe, die sofort durchnässen, sobald sie sich dem Schnee auch nur auf einen Meter nähern, drittens ist sie die Straßenverhältnisse nicht unbedingt gewohnt (auf glattem Schnee zu gehen ist doppelt anstrengend) und viertens habe ich es ja selbst nicht eilig, da es nichts zu verpassen gibt. Der Weg vom Rathaus nach Hause dürfte so etwa eine Stunde gedauert haben, und weil die anderen beiden auf dem Rückweg wohl einen Bus genommen haben, kommen sie nur fünf Minuten nach uns an.
Wir essen auch bald und ich bin sehr froh, mehr als erwartet, noch einmal die Gelegenheit erhalten zu haben, dieses heimatliche Gericht zu essen. Trotz kleinerer, aber unbedeutender Mängel.

Nachdem wir am Morgen das Making Of von „SailorMoon“ (2003) gesehen haben, ist heute der Rest der „Fumoffu!“ Serie dran, zuzüglich der beiden Episoden, die nie im Fernsehen ausgestrahlt worden sind. Ich bin sehr begeistert von dieser Serie. Muss ich haben. Da das Center während der Winterferien geöffnet hat, kann ich die CDs ja dort brennen, um Riccis Computer nicht zu sehr zu belasten. Ja, das heißt, das ist zwar in diesem Moment mein Plan, aber was mir noch nicht aufgefallen ist: Davon hat sie keine CDs, die ich mitnehmen könnte. Die Episoden befinden sich noch auf ihrer Festplatte. Dann muss es halt so gehen.

Am Abend geht Melanie noch in den HotSpar, um etwas zu kaufen. Aber nach 45 Minuten ist sie noch nicht wieder zurück. Der kleine Laden liegt aber nicht einmal 200 m weit weg. Mir wird schlecht. Ich ziehe mich an und gehe sie suchen. Der Angestellte sagt, sie sei da gewesen – aber vor mehr als zwanzig Minuten, mindestens. Ich klappere die anderen Konbini in der Gegend und den BenyMart auch noch ab, aber auch da ist sie nicht. Mein Abendessen läuft im Magen Amok und mir springt eine Zeile in den Sinn, die mir jemand mal geschrieben hat:
„Ich finde Dich auch am Nordpol!“
Im Falle des Falles – was sollte ich ihr wohl sagen? Aber ich finde meine Sorge unbegründet. Melanie ist wieder da. Sie ist nach Nishihiro gegangen, weil sie das, was sie suchte, im HotSpar nicht gefunden hatte. Mein Magen entspannt sich merklich. Ich fühle mich geradezu erschlagen vor Erleichterung.


[1]   Tempel und Schrein sind hier Nachbarn.

13. Februar 2024

Freitag, 13.02.2004 – Sind wir bald fertig?

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Heute ist Freitag und wir müssen wieder früh raus, weil Ogasawara-sensei eine Nachholstunde angesetzt hat. Wir sollen die Klausuren vom Wochenanfang zurückbekommen. Und, hurra, ich komme auf 58 %. Kein Grund zum Feiern, aber immerhin ist das besser als das letzte Mal. Außerdem sind heute nur vier Leute anwesend: Die Lehrerin selbst, die Chinesin Chong, Melanie und ich. Wie es scheint, werden Sondertermine gerne von mindestens zwei Dritteln des Kurses „vergessen“. Und zur Entspannung spielen wir im Anschluss ein Spiel, für das wir per Zufall kleine Papierzettel zugewiesen bekommen, auf denen Begriffe stehen, die wir erklären sollen, während der Rest der Anwesenden raten soll, was wir da erklären. Ich erkläre „Zahnbürste“, „Zahnpasta“, „Tageszeitung“ und „Mikrowelle“.[1]

Nach dem Unterricht arbeite ich die notwendigste Post ab, bringe ein Buch zu derselben und gehe dann nach Hause. Wir sehen uns im Laufe des Tages noch mehr Episoden an, darunter weitere Teile von „Fumoffu!“. Die Rugby-Episode muss der absolute Höhepunkt sein, weil ich mir keine Steigerung mehr vorstellen kann. Ich leide Schmerzen und weine Tränen vor Lachen.

Des Weiteren sehen wir Teile von „Ayatsuri Sakon“, wo es um einen Puppenspieler und seine Marionette geht, die „zusammen“ Kriminalfälle lösen. Ob der Puppenspieler, Sakon, einfach nur eine glatt gespaltene Persönlichkeit oder ob die Puppe, Ukon, ein Eigenleben hat, ist mir nicht klar geworden.[2] Auf jeden Fall verfährt auch diese Serie nach dem Prinzip, den Zuschauer völlig im Dunkeln zu lassen, was die Aufklärung betrifft und den Protagonisten am Ende einen aufklärenden Monolog führen zu lassen, was ich persönlich bedauere. Man erhält als Zuschauer keine Gelegenheit, sich selbst fundierte Gedanken zu machen, es erleichtert lediglich die Arbeit der Drehbuchautoren (da sie am Ende behaupten können, was immer sie wollen). Aber ansonsten ist die Serie empfehlenswert, die Zeichenqualität ist hervorragend und die Stimmung ist sehr passend inszeniert, zum Teil sehr düster, um genau zu sein.
Zuletzt sehen wir ein paar Episoden der „Gravitation“ TV-Serie an. Der doch als homoerotisch zu bezeichnende Inhalt ist nicht ganz mein Ding, aber die Charaktere sind zum Teil sehr sympathisch und lustig. Ich würde damit keinen Platz in meinem kleinen Regal verschwenden wollen, aber anschauen hat sich auf jeden Fall gelohnt.


[1] Die ersten beiden Begriffe kann ich leicht umschreiben, weil ich mir Details aus dem Werbefernsehen gemerkt habe.

[2] „Ukon“ und „Sakon“ sind übrigens die Bezeichnungen der beiden Bäume, die rechts bzw. links vom Eingang des Kaiserpalastes in Kyoto stehen.

12. Februar 2024

Donnerstag, 12.02.2004 – Kauftour

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Die letzte Klausur des Semesters erwartet uns. Sie kommt mir besser zu bewältigen vor als die vorherige, aber… warum ist es bloß immer das letzte Drittel einer Arbeit, das meinen Karren in den Dreck schieben muss?

Danach findet heute kein Unterricht mehr statt. Aber noch ist das Semester nicht vorbei. Wir haben noch eine Stunde bei Ogasawara-sensei vor uns, morgen. Ich sehe nach meiner Post und in „mein“ Forum, aber viel steht nicht an, also bin ich zeitig wieder daheim. Entsprechend der Tatsache, dass jetzt vier Leute in unserem Apartment wohnen, muss öfters Wäsche gewaschen werden, das heißt: Heute, jetzt sofort, und morgen gleich wieder.

Am Nachmittag fahren wir mit dem üblichen Bus zum Ito Yôkadô, steigen dort in den 100-Yen-Bus um und fahren zum „Cub Center“, einem „GLOBUS“ ähnlichen Verbrauchermarkt, das sich fast genau gegenüber vom Book Off befindet. Es schneit wieder stark, und der Schnee ist nass. Die Bürgersteige neben der Hauptstraße sind nicht geräumt und wir müssen uns auf kleinen Trampelpfaden fortbewegen, die nicht nur glatt, sondern zum Teil auch noch sehr abenteuerlich mit Eistrümmern „verziert“ sind, die vom Räumdienst von der Straße entfernt wurden. Man kommt sich vor wie in den Bergen! Und das ist ausnahmsweise kein Lob an die Landschaft.

Was die anderen drei im Book Off kaufen, habe ich mir nicht gemerkt, ich jedenfalls nehme die CD „Fuwari“ von Hayashibara Megumi mit, und das für 750 Yen. Billiger werde ich sie kaum bekommen. Zwischendurch muss ich aber auch kurz in das nebenan befindliche Restaurant eilen, um eine Toilette aufzusuchen… Boco ist da fast so gut wie Pfirsich-Eistee von Solevita! Danach suche ich für Freunde nach dem Hörspiel zur Manga-Reihe „Skip Beat!“ und nach dem Album „ID“ von Aikawa Nanase. Leider sind die Titel nicht verfügbar. Es sind aber noch zwei oder drei Läden übrig, in denen ich nach gebrauchten CDs fragen kann. Wir verlassen den Laden erst bei Anbruch der Dunkelheit und kehren nach Hause zurück.

Wir fangen an, die Serien, die Ricci mitgebracht hat, anzusehen, und die erste Nummer ist „Full Metal Panic – Fumoffu!“. Ich lache mir einen Ast und bin bemüht, nicht vom Stuhl zu fallen. Hinterher tut mir der Kopf weh vor Lachen. „Full Metal Panic“ war schon eine hervorragende Serie mit Humoreinlagen, die meinen Geschmack ziemlich genau trafen, nicht zuletzt, weil ich Teile meiner Persönlichkeit in der männlichen Hauptfigur Sagara Sôsuke wiedererkenne. „Fumoffu!“ ist eine Art Zugabe. Es geht dabei nicht darum, irgendeine Handlung aus der ursprünglichen Serie weiterzuführen, oder etwa eine eigene, neue, auf die Beine zu stellen. Die paar Episoden sind locker zusammengemischt und der rote Faden fehlt ihnen. Es geht wohl nur darum, das Verhältnis von Sôsuke und Chidori weiter auszuschmücken und den übertriebenen, militärisch-rationalen Unsinn von Sôsuke noch stärker zu betonen. Man könnte die „Fumoffu!“ Episoden wahrscheinlich ganz unauffällig in die Hauptserie einfügen, ohne dass es einem Uneingeweihten auffallen würde.

Wir sehen uns dann abends „Ace o nerae“ an, was, wie ich vermutet habe, von unserem Besuch natürlich nicht mit allzu viel Ernst betrachtet wird. Das wäre auch fehl am Platze, auch wenn die Serie möglicherweise durchaus ernst gemeint ist. Aber der Schmalz darin reizt doch immer wieder zu zwanglosen Kommentaren. Von „Doll House“ können wir nur noch die letzte halbe Stunde sehen, weil sich die Sendezeit aufgrund des Fußballspiels Japan-Malaysia verschoben hat.

11. Februar 2024

Mittwoch, 11.02.2004 – Willkommen im Schnee

Filed under: Filme,Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Wir stehen um 05:30 auf und steigen um 06:47 in den Bus in Richtung Busbahnhof, wo wir um 07:05 ankommen. Ricci und Ronald sind bereits da und wir müssen zuerst 40 Minuten Zeit totschlagen, bis ein Bus zurück nach Nakano fährt. Wir gehen also in einen der Konbini und frühstücken. Das heißt, die anderen drei essen. Ich habe etwas gegessen, bevor wir aufgebrochen sind. Schließlich hieven wir das Gepäck in den passenden Bus und fahren nach Hause.

Die beiden sind erstaunlich wach, dann war die Fahrt offenbar relativ entspannend. Die Koffer werden, soweit notwendig, ausgepackt und wir ergehen uns in mehr oder weniger normalen „Eröffnungsgesprächen“, die uns, ich weiß nicht mehr warum, in Richtung Horrorfilme führen. Bestimmt ist Ronald daran schuld. Wenige Sekunden später sind wir uns einig und ich gehe mit ihm in die Bibliothek, um „Battle Royal“ auszuleihen.
Wir nehmen die DVD-Version mit, da Riccis Laptop mit einem entsprechenden Laufwerk ausgestattet ist. Der Film läuft auch, aber… wir kriegen keinen Ton aus dem Gerät raus. Ricci probiert eine DVD aus, die sie mitgebracht hat – und die macht keine Probleme. Was tun? Ricci probiert das Extremste zuerst und ruft Thomas (in Trier!) an. Und der ist gar nicht begeistert, um 06:45 aus dem Bett geklingelt zu werden. Aber er kann uns nicht weiterhelfen. Also will ich in die Videothek gehen, um die Scheibe umzutauschen. Und da meint Melanie doch ganz spontan (ohne sich was Böses dabei zu denken natürlich), dass Ronald vielleicht besser mitgehen solle, weil sein Japanisch besser ist. Zack! Das hat gesessen. Aber weniger, weil sie meine Fähigkeiten in Frage stellt, als eher deshalb, weil hier zur Schau gestellt wird, wie gerne man sich auf andere verlässt – was ich überhaupt nicht gerne mache. Ach, was soll’s… ich werde ja wohl noch ein Video umgetauscht bekommen! Erstaunlicherweise rege ich mich kein bisschen darüber auf.

Ich gehe also alleine zurück in die Videothek und schildere dem Angestellten mein Problem. Das sei gar kein Problem, sagt er und drückt mir einen Zettel in die Hand, der aussagt, dass ich ein Video bezahlt, aber keines mitgenommen habe. Ich gehe also mit dem Zettel zu der Videowand, wo „Battle Royal“ zu finden ist, nehme die Videokassette, gehe zurück zur Theke, gebe den Zettel wieder ab und verlasse die Videothek mit dem Film. So einfach geht das.

Und wir sehen uns „Battle Royal“ schließlich an. Ich will die Handlung („Nur einer darf überleben!“) nicht im Detail beschreiben. Sagen wir einfach, der Film stellt dar, wie leicht der Instinkt, zu überleben, die Oberhand über die Vernunft gewinnt und Menschen zu Tieren macht, und dass Egoismus und Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft ständig zunehmen.
Ich habe meine Zweifel, ob ich den zweiten Teil wirklich sehen will. Der Film ist gut, zumindest auf gewisse Art und Weise, wenn man meine Kurzbeschreibung im Hinterkopf behält. Das Töten wird in diesem Film recht trocken angeboten, reduziert auf die Erfüllung des reinen Überlebenswillens. Es geht zum Teil recht mechanisch vor sich, blutig zwar, aber schnell und einfach. Ich sage nicht, dass die Angelegenheit unspektakulär wäre. Ganz und gar nicht. Aber ich fühle mich irgendwie an „Gesichter des Todes“ erinnert, eine Serie, die sehr schön dargestellt hat, dass der Tod, realistisch betrachtet, eine langweilige Angelegenheit ist. Darstellungen von Unfällen und Morden würden niemanden ins Kino locken, wären die Darstellungen in Filmen nicht entweder übertrieben oder auf andere Art und Weise publikumsgerecht zurechtgemacht.
In kurzen Worten: Ich empfinde „Battle Royal“ als langweilig. Es macht keinen Spaß, den Film anzusehen, und es kommt auch, meiner Meinung nach, keine Spannung und kein echtes Mitgefühl mit den dargestellten Personen auf. Es berührt mich nicht. Bis auf die Szene, wo ein Mädchen erschossen wird und man ihr ein Megaphon vor den Mund hält, um ihr Wimmern zu verstärken. Aber sonst färbt das einfache Volk eben mit seinem Blut die Felder rot und es ist mir völlig egal. Natürlich mag das in der Absicht der Hersteller liegen. Aber ich lege mir keine Filme zu, die mich weder berühren noch andere Vorteile bieten. Michael scheint seinen Spaß gehabt zu haben. Er lobt den Film ja in den höchsten Tönen und hat mir seit geraumer Zeit bereits immer wieder den Vorschlag gemacht, den Film anzusehen. Viel Spaß weiterhin! Aber nicht für mich.

Nach Filmende gebe ich das Band zurück und wir steigen in den Bus, der uns nach Dotemachi bringt. Dort steigen wir aus und gehen zu Fuß in den Park. Im Park von Hirosaki findet derzeit das diesjährige Schneefest statt, bzw. das „Schneelaternenfest“. Als wir ankommen, fängt es ziemlich heftig an zu schneien.
Im Park steht eine Vielzahl von Schneekonstrukten, die zum größten Teil die Form japanischer Steinlaternen haben, das heißt, der Kopf der Laterne ist hohl. Im Innern steht eine Kerze, und die Öffnungen sind mit verziertem Glas verschlossen, das Gesichter von Menschen oder Dämonen zeigt. Unterhalb des Burghügels stehen Dutzende von kleinen Schneebögen wie kleine Altäre mit Kerzen drin, die einen sehr schönen Anblick auf die gegebene Entfernung von knapp 200 m liefern. Kurz vor der Burg selbst steht ein Iglu, in den man hineinkriechen kann und dessen Mitte hoch genug ist, um mir das Stehen zu ermöglichen. In dem Iglu steht ein kleiner Altar, wo man, wie das bei Altären üblich ist, auch Geld spenden kann. Der Anteil von 50-Yen-Münzen in der Opferschale ist überraschend hoch, ansonsten findet man die üblichen Münzen im Wert von fünf oder 10 Yen. Vielleicht sind die Leute bei Schnee oder auf Festen spendabler?

Der Schnee, der auf uns niedergeht, ist recht feucht und ich spüre bereits jetzt, dass meine Jacke an den Schultern durchnässt ist. Immerhin habe ich, im Gegensatz zu meiner Begleitung, am Ende des Tages noch trockene Füße. Melanie hat, wider besseres Wissen, nur Turnschuhe angezogen, und Ricci und Ronald haben keine geeigneten Schuhe dabei. Bei dem Wetter für Warmduscher in Tokyo braucht man auch keine Stiefel, da reichen Turnschuhe halt.
Der Höhepunkt des Festes ist eine Ausstellung „moderner“ Schneeskulpturen am anderen Ende des Parks. Da stehen unter anderem Figuren von Doraemon und Anpan-man, aber die sind klein und „nur“ besser geformte Schneemänner. Die wirklichen Stars sind Skulpturen von etwas drei bis vier Metern Höhe, und sie stellen die verschiedensten Dinge dar: Donkey Kong, Tom & Jerry, zwei der Sieben Zwerge, einen dieser Köpfe von den Osterinseln[1], Totoro und Snoopy. Ein sehr schönes Stück ist das Schneemodell der methodistischen Kirche von Hirosaki, dessen Turm zwischen sechs und acht Metern hoch ist. Am unterhaltsamsten ist zweifelsohne der aufgeschüttete Hügel, den die Kinder auf Traktorreifen hinunterrutschen. Aber mein persönlicher Favorit befindet sich gegenüber davon: Eine Wand von sechs Metern Breite und vier Metern Höhe, die die Figuren aus der Animeserie „Atashin’chi“ zeigt. Und ausgerechnet an dieser Stelle ist der Speicher meiner Kamera voll. Ich kriege ausgerechnet davon kein Bild mehr in die Kamera! Und leider habe ich den Speicher bereits für andere lohnende Motive ausgemistet, die ich nicht hergeben will. Sehr bedauerlich.

In direkter Umgebung der Skulpturen findet man natürlich die obligatorischen Verkaufsstände, wo man warmen Sake, Fleischbällchen, Takoyaki und Fleischspieße kaufen kann, nebst anderem Zeug wie Souvenirs und Spielzeug. Und das alles wird natürlich zu besten Festtagspreisen angeboten. Dennoch haben wir hungrige Leute in der Gruppe. Marc hat mir vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass es im Bereich des Neputa-Dorfes neben dem Park einen ganz tollen Ramen-Stand (es handelt sich um eine offene Rollkarre) geben soll. Allerdings sei der nur sporadisch dort. Wir verspüren keine Motivation, uns auf unser Glück zu verlassen, außerdem wäre ein geschlossenes Gebäude nicht schlecht. Aber um diese Uhrzeit haben zumindest die kleinen Familienbetriebe bereits geschlossen, die machen um acht Uhr Abends dicht. Es gibt einen Laden auf dem Parkgelände, der dort offenbar fest installiert ist. Wir essen also dort. Ich bestelle Soba-Nudeln, und die Portion ist… niedlich.

Wir gehen zum Bus und kommen gerade pünktlich an, um festzustellen, dass der Planaushang etwas anderes anzeigt als Melanies Faltblatt. Laut Aushang fährt der nächste für uns geeignete Bus in einer halben Stunde. Ich bin nicht begeistert (weil: nass) und durchaus bereit, auch zu Fuß nach Hause zu gehen. Vielleicht dauert das genauso lange, aber immerhin wird mir dabei warm. Das ziehe ich dem kalten Warten in jedem Fall vor. Aber dazu kommt es nicht. Nur einen Augenblick später kommt der Bus, genau der, der in Melanies Faltblatt vermerkt ist. Der Fehler war eine Missinterpretation des Planaushangs an der Haltestelle, denn der richtige Bus hat eine andere Bezeichnung, als wir angenommen hatten. Also kommen wir doch noch schneller nach Hause.

Melanie und ich wiederholen zuhause noch einmal die wichtigsten grammatischen Inhalte für die Klausur morgen (so gut das eben geht, wenn man zweiköpfigen Besuch hat) und hoffen, dass es wirkt. Aber schwer zu verstehen ist das Lehrbuch ja nicht. Das Problem sind immer die Prüfungsaufgaben. Das heißt, die Bildung der Formen ist einfach, aber die Bedeutungen im einzelnen könnten Probleme machen, die sich so ausdrücken, dass ich missverstehe, was mit dem lückenhaften Satz ausgedrückt werden soll.

Um 22:00 haben wir noch kurz Ikeda im Haus, weil mal wieder kein Wasser läuft. Melanie ist zu SangSu gegangen, um die Eimer zu füllen, denn zwei Stockwerke tiefer gibt es solche Probleme offenbar nicht, und Ikeda ist eben zufällig da, ich weiß nicht genau, warum. Jedenfalls steht er auf einmal in der Tür und weil er auch nicht viel machen kann, erklärt er mir die Haupthähne im Erdgeschoss. Wenn es nachts besonders kalt würde, solle ich den Haupthahn für mein Apartment einfach zudrehen. Dann könne der Wasserleitung nichts passieren. Aber was bedeutet das schon? Ich müsste regelmäßig den Wetterbericht ansehen und dann nach Gutdünken den Hahn zudrehen, weil ich ja nicht hellsehen kann, wann es kalt genug ist, um die Leitung zuzufrieren.

Wir gehen schließlich ins Bett. Und kaum ist das Licht aus, ruft Kollege Sven aus Trier (!) bei Ronald an und meldet den neuesten Klatsch aus der japanologischen Fakultät – 45 Minuten lang. Obwohl er sich eigentlich nur nach einer Büchersendung erkundigen wollte. War aber schön, noch einmal „live“ von ihm zu hören.


[1]   Die werden „Moai“, oder „Moai Maea“ genannt: „Steinerne Figuren“

10. Februar 2024

Dienstag, 10.02.2004 – Die Leere

Filed under: Japan,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Heute wieder frühlingshafte Temperaturen nach der kältesten Nacht des bisherigen Winters, wie ich in einem Gesprächsfetzen auf dem Gang in der Uni mitbekomme. Ich habe mir schon so was gedacht, als ich in die Küche gekommen bin, um zum Bad zu gelangen. Frostig.

Die Klausur im Buddhismus-Seminar steht an, und auf dem Aufgabenblatt ist zu lesen:
„Erläutern Sie den Begriff der Leere im Buddhismus und beantworten Sie eine der übrigen vier Fragen.“
Na, das ist bei meinem derzeitigen Wissenstand nicht schwer. Ich nehme auch spontan die Frage nach der Entwicklung und Verbreitung des Buddhismus.[1] Von den ursprünglichen neun Teilnehmern sind noch vier übrig: Irena, Mélanie, David und meine Wenigkeit. Manche scheuten sich vor der Klausur, die sie in englischer Sprache würden schreiben müssen, und andere hatten mir unbekannte Gründe. Die beiden Japaner allerdings hätten für das Seminar sowieso keine Leistungspunkte bekommen können, also warum sollten sie sich mit einer nutzlosen Klausur belasten, wenn sie genug andere Dinge zu tun haben?
Nach der Klausur dürfen wir noch ein Bewertungsformular ausfüllen, darüber, was wir von dem Kurs gehalten haben, aufgeteilt in verschiedenartige Fragen, zu bewerten auf einer Skala von 1 bis 5. Allerdings weiß ich auch, dass alle anderen Kurse ihre Fragebogen bereits letzte oder vorletzte Woche ausgeteilt haben. Das Semesterende ist so nah, dass ich annehmen muss, dass die Fragebögen bereits jenseits der Abgabefrist sind.

Ich gehe in die Bibliothek. Und beschränke meine Computerarbeit auf 60 Minuten, weil Melanie mich gebeten hat, wegen der anstehenden Putzarbeiten frühzeitig zuhause zu sein. Ricci und Ronald werden heute Abend um 22:00 in Tokyo losrollen und morgen früh um 07:00 in Hirosaki eintreffen. Mir scheint, ich habe das etwas durcheinander gebracht. Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass ich einen Abreisetermin mit einer Ankunftszeit verwechsele. Ich sehe also nur meine Post an und stelle außerdem mit großer Befriedigung fest, dass „Combat Mission“ auf den Rechnern der Universität Hirosaki einwandfrei läuft. In Trier funktioniert das Spiel nicht, weil die nötige 3D-Grafikkarte fehlt. Die scheint in Hirosaki gegeben zu sein.
Ei, dann kann das Blei ja fliegen! Das Center hat durchgehend geöffnet, es sollte also möglich sein, hin und wieder einen Zug zu spielen und per E-Mail weiterzuleiten. Wenn jetzt natürlich das Rechenzentrum geöffnet hätte, dann wäre das natürlich die Ideallösung. Dann kann man nämlich ein ganzes Spiel in einem Stück fertig spielen, anstatt über Tage hinweg. Das Rechenzentrum ist nämlich relativ groß und normalerweise nur schwach gefüllt, während die Bibliothek und das Center viel Publikumsverkehr haben, und ich habe, anders als bestimmte Thailänder und Chinesen, nicht den Nerv, die Rechner stundenlang für Dinge zu missbrauchen, die definitiv nicht mit dem (zugegeben idealisierten) Grundsatz von „Forschung und Lehre“ zu vereinbaren sind, während andere Leute darauf warten, ihre Post zu checken. Die Thais spielen „Ragnarök Online“, die Chinesen spielen sogar „Halflife“, „Unreal Tournament“ oder „Counterstrike“. Anders als in Center oder Bibliothek, wo ständig jemand auf einen freien Rechnerplatz wartet, ist im Rechenzentrum immer genügend Platz, so dass ich niemanden daran hindere, E-Mails zu lesen oder Arbeiten zu schreiben.

Am frühen Abend bewaffne ich mich aber vorerst mit Putzhandschuhen, Schwamm, Scheuermilch und Handtuch und putze das Bad. Das Handtuch wird gebraucht, um die Oberflächen gleich trocken zu reiben, damit nicht gleich wieder alles anschimmelt. Ein Fenster im Badezimmer hätte Vorteile. Danach gehe ich einen neuen Sack Reis kaufen, stelle ihn abrufbereit in den Schrank und setze mich vor den Fernseher. Ich will mir die aufgenommene Episode von „Doll House“ noch ansehen und „Kochira wa Hon’ikegami-sho“.


[1] Der Buddhismus hat sich, wie andere Religionen auch, in und durch Perioden politischer Instabilität verbreitet.

9. Februar 2024

Montag, 09.02.2004 – Schlafzimmereinrichtung

Filed under: Japan,My Life,Spiele,Uni — 42317 @ 7:00

Starker Schneefall am Morgen um halb Zehn. Die Aussage meines Ölverkäufers, dass der Februar der schneereichste Monat sei, scheint sich zu bestätigen. Es ist natürlich lustig, dass es genau dann anfängt zu schneien, wenn wir Besuch kriegen sollen.

Nachdem Melanie in den letzten Tagen wiederholt angemerkt hat, dass meine derzeitige Art des Frühstücks – untertrieben ausgedrückt – „ungewöhnlich“ sei, esse ich meinen Reis heute wieder mit Mayonnaise und Nori. Ach ja, den Geruch (!) von warmer Mayonnaise mag sie ja auch nicht… Was ist also „meine derzeitige Art des Frühstücks“? Ich mische eine Soße an, die zu einem Drittel aus Sojasoße und zu zwei Dritteln aus Rotwein besteht (gerade so viel, dass der Boden der kleinen Pfanne bedeckt ist), rühre einen Kaffeelöffel Tonkatsu-Soße, einen Esslöffel Ketchup und Mayonnaise und eine Prise Pfeffer hinein, vielleicht noch einen Spritzer Essig, und köchele dann Rindfleischstreifen (ca. 2 mm dick) darin, bis sie gerade gar sind. Wenn man sie zu lange kocht, werden sie zu zäh, um noch den Reis damit umfassen zu können. Das schmeckt (mir) ganz hervorragend, und ein Kilo von diesem Fleisch kostet umgerechnet auch nur 5 E. Daraus mache ich fünf oder sechs Portionen.

Heute steht die Klausur für den A3-Kurs an. Wie neulich ist auch hier das letzte Drittel besonders knackig, eben wegen der Abfrage von Texten, die im Lehrbuch stehen. Aber diesmal habe ich mich immerhin soweit vorbereitet, dass ich mir die möglichen Texte mehr als nur angesehen habe. Das sollte ein paar Punkte retten. Aber wie üblich komme ich mir nach der Arbeit so blöde vor, als hätte ich nie auch nur eine Stunde Japanischunterricht genossen.

Danach verbringe ich den Tag weitgehend mit meiner Post und im Animetric Forum, bevor ich nach Hause gehe.

Ich finde Post auf dem Schuhschrank, die Melanie freundlicherweise hochgebracht hat. Es ist die „Combat Mission“ CD, die Karl vor ein paar Tagen in Deutschland weggeschickt hat. Das war schnell. Besten Dank. Mein eifriger Freund hat darüber hinaus nicht nur „Combat Mission“ auf die CD gebrannt, sondern auch noch „Panzer General“ und „Snow Craft“. Und seinen „Humor“ Ordner. Hm, vielen Dank. Misi ist immer auf der Suche nach interessanten Spielen, aber mit den Dateien im „Humor“ Ordner wird er möglicherweise wenig anfangen können, da er nur rudimentäres Deutsch spricht. Aber voreiliges Handeln ist besser als Versäumnis. (Ich wünschte, ich könnte so konsequent nach diesem Vorsatz leben, wie er mir immer von den Lippen fließt.)

Um 22:00 bin ich mit SangSu verabredet, weil ich etwas von dem Bettzeug leihen möchte, das Angela ihm überlassen hat. Ich ziehe also meine Schuhe an, als er schon an die Tür klopft. Er hat eine Decke in der Hand. Oh ja, das ist gut. Aber wir brauchen auch einen Futon. Nein, so was habe er nicht. Aber er könne uns noch eine weitere solche dicke Decke geben und ein Kopfkissen dazu. Ich gehe mit ihm hinunter und hole das Zeug.

Und wenn ich schon da bin, kann ich auch gleich mit Hilfe seines Laptops ausprobieren, ob die von Karl gebrannte CD auch den Transport überlebt hat – schließlich könnten kleine Kratzer die Lauffähigkeit verhindern. Außerdem bin ich, zugegeben, begierig, dieses Spiel der Spiele mal wieder zu sehen. Und es läuft. SangSu will sich auch gleich „Snow Craft“ kopieren. Er sagt, das kenne man auch in Korea und er habe es immer gerne gespielt. Ja, sicher, soll er. Vielleicht wird er ein weiteres Mitglied der „Combat Mission“ Spielgemeinde. Aber… wenn ich ihn so ansehe, mache ich mir da wenig Hoffnung, auch wenn er sagt, dass er das Spiel ausprobieren möchte. Ich lasse es also auf seiner Festplatte. Die CD dazu braucht man ja nicht.

8. Februar 2024

Sonntag, 08.02.2004 – Der Adler ist… aufgeschlagen

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Ich stehe um 08:45 auf und gehe um 09:30 in die Bibliothek. Ich verbreite mein japanisches Wissen im „Learning Japanese Thread“ auf Animetric.com. Das hat natürlich mit der morgigen Klausur wenig zu tun, aber positiv betrachtet wiederhole ich so grundlegende Lektionen der Grammatik. Ich will auch meinen Kontostand abrufen, aber der Server der Kreissparkasse meldet mir, dass eine Überarbeitung im Gange sei, also muss das warten.

Um kurz vor Vier habe ich alles gemacht, was ich in der Bibliothek machen wollte und gehe nach Hause. Da es gestern Nacht und heute tagsüber wieder heftig geschneit hat, 30 cm Neuschnee, kann man sich die Straßenverhältnisse lebhaft vorstellen. Und heute stelle ich zum ersten Mal Bodenkontakt her! Lasst uns feiern! Die Trampelpfade auf den Bürgersteigen sind nur etwa 40 cm breit und als ich einer entgegenkommenden Großmutter ausweiche, trete ich auf eine schiefe Stelle, die sich unter der Schneedecke verbirgt. Wie gut, dass ich vor Jahren mal das richtige Fallen gelernt habe. Die Oma stört sich an meinem Aufschlag nicht im Geringsten. Warum auch? Ich bin groß und stabil und passiert ist mir ja nichts. Der umgekehrte Fall hätte viel mehr Anlass zur Sorge gegeben. Wegen des frischen Schnees habe ich mich noch nicht einmal schmutzig gemacht.

Zuhause sehe ich mir die Aufnahmen vom Morgen an, „Zorori“ und „Purikyua“. Vielleicht habe ich ja Glück und irgendjemand untertitelt den Fuchs. Ich würde mir das Fansub sofort besorgen.

Ich vertiefe mich ein wenig in den Regeln für japanische Essays. Sie erscheinen mir eigentlich weniger schwer als die englischen. Aber ich glaube, das hängt damit zusammen, dass meine Ausdrucksfähigkeit auf Japanisch viel zu gering ist, als dass ich meinem „bunten“ Stil nachgehen könnte. Dennoch… ich glaube, dass ich mich in englischen Essays einem komplexeren Formalismus gegenübersehe. Aber ich könnte das jetzt nicht fundieren.

7. Februar 2024

Samstag, 07.02.2004 – Ein Toast!

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Ein Morgen mit Schnee und Sonne, aber vorerst ohne fließend Wasser – das kommt erst um 08:30 zurück.

SailorMoon“ bietet mir heute eine Episode, in der Minako vorführt, dass sie nicht nur die „ThreeLights“, sondern auch gleich Haruka und Michiru ersetzt: Die bösen Kreaturen zu verfolgen und zu vernichten, ist wichtiger als das Leben der Senshi. Minako legt leider die Abgehobenheit und die Zickigkeit der beiden Outer Senshi an den Tag. Sie ist damit deutlich unsympathischer als ihr Gegenstück in der Animeserie. Und sie hat die mieseste Choreografie von allen. Das will ihr natürlich nicht ihr in die Schuhe schieben, schließlich erhält sie ihre Anweisungen aus dem Drehbuch. Aber hin und wieder bewegt sie sich wie ein Roboter, da ist kein Fluss in den Bewegungen, und die Aktion sieht richtig tot aus.[1]
Über die Rahmenhandlung gibt es nur so viel zu sagen, dass mich die christliche Symbolik heute schier erschlägt. Und Mamoru hat nicht nur „eine Freundin“, mit der er ausgeht – sie ist seine Verlobte! Usagi ist davon wenig begeistert, aber sie strickt weiter an einem Schal für ihn und ist verständnisvoll genug, ihm alles Gute für seine Beziehung zu wünschen, in der bereits Heiratspläne erwähnt werden. Natürlich kommt Usagis Charakter auf diese Art und Weise arg überzeichnet daher.

Danach schreibe ich in meinem Tagebuch herum, und als ich damit fertig bin, ist es auch schon 09:30. Jetzt brauche ich mich auch nicht mehr hinlegen. Ich mache mich also fertig und gehe in die Bibliothek.
Neben der üblichen Post schreibe ich auch einen Bericht über den 01.01.2004, aber die Klausur am Montag hält mich heute ebenfalls auf Trab, weshalb ich mit dem Bericht bis um Fünf nicht ganz fertig werde. Die letzten paar Zeilen werde ich später schreiben müssen.

Im Übrigen entdecke ich, dass japanisches Toastbrot auch ganz hervorragend ohne Belag schmeckt[2], und man kann es bequem im Gehen essen[3]. Und die Bratkartoffeln kurz darauf verraten mir, dass ich sie in Zukunft lieber selber mache.


[1]   Wenn man Komatsu Ayakas Karriere in den darauffolgenden Jahren verfolgt hat, kann man aber eindeutig feststellen: Es liegt an ihr. Ein begabtes Fotomodell mit Gefühl für Pose und Gesichtsausdruck – aber sobald sie sich bewegen und einen Text aufsagen muss, zeigen sich ihre Grenzen.

[2]   Es ist ein weiches Weißbrot mit eindeutig süßer Note.

[3]   Gilt in Japan als Unsitte

6. Februar 2024

Freitag, 06.02.2004 – Zieh mit, Feuer, zieh mit mir…

Filed under: Japan,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Heute Morgen gehe ich noch einmal im Schnellverfahren Grammatik und Kanji durch, aber bei letzteren gibt es nicht mehr viel rauszuhauen, weil ich mich zu sehr auf die Grammatik gestürzt habe in den letzten Tagen. Zu allem Überdruss komme ich auch noch spät weg und schaffe es gerade noch, vor dem Unterricht da zu sein und einem dringenden Bedürfnis nachzukommen.

Zwei Drittel der Klausur sind an sich nicht schwer, aber das letzte Drittel hat es in sich. Da werden unter anderem die Dialogtexte aus dem Lehrbuch abgefragt, und ich hatte kein wie auch immer geartetes Interesse daran, diese auswendig zu lernen. Die exakten, einzusetzenden Vokabeln sind mir daher auch fast unbekannt.[1] Und natürlich ein Kanjitest. Wenn ich davon die Hälfte richtig habe, schätze ich mich bereits recht glücklich. Bei zwei Zeichen weiß ich weder Lesung noch Schreibung, aber immerhin die Bedeutung. Ich schreibe die Bedeutung in das freie Feld und hoffe, dafür vielleicht noch einen halben Punkt rausholen zu können. Wie üblich gehöre ich zu den letzten vier, die ihre Arbeit abgeben. Ich hoffe auf 60 %. Mehr als 50 % werden es wohl immerhin werden.

Ich kümmere mich dann um meine E-Mails und finde eine von meiner Mutter vor. Offenbar war mein letzter Brief an sie etwas… scharf formuliert. Ihr aktuelles Schreiben erfüllt den Zweck einer beruhigenden Geste. Ich sehe ein, dass ich meine Wortwahl wohl etwas unklug getroffen habe. Ich habe wohl irgendwann in meinem Tagebuch geschrieben, dass es kalt sei, was meine Mutter dazu veranlasst hat, mir ein „Notpaket“ zu besorgen, mit Handschuhen und anderen (von ihr nicht näher genannten) Sachen drin (die sie wegen der extremen Postgebühren aber nicht versandte). Ich schrieb zurück, dass ich schon alleine klarkäme. Natürlich bin ich dankbar, dass sie sich Sorgen macht, aber derartige Dinge treffen einen empfindlichen Punkt: Ich komme mir nicht gerne bemuttert vor. Es gibt mir das Gefühl von Abhängigkeit. Leider ist meine Abneigung gegen dieses Gefühl in meine Antwort eingeflossen. Ich muss diplomatischer sein. Und weniger emotional reagieren. Es tut mir leid.

Ich hatte in diesen Tagen auch schriftlichen Kontakt zu meinem Bruder. Ich finde es sehr beruhigend, dass ihm seine Arbeit offenbar zusagt… auch wenn er überhaupt nicht aussieht, wie man sich einen Metzger vorstellt. Ich wünsche ihm jedenfalls alles Gute für den weiteren Weg, den er gewählt hat. Auch wenn er mich für diesen Abschnitt für völlig bekloppt halten und möglicherweise der Meinung sein wird, dass ich mich zu sehr für seine Privatangelegenheiten interessiere. Aber trotz aller Meinungsverschiedenheiten: Bruder bleibt Bruder. Und ich habe mehr als 20 Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Es ist unnötig, darüber zu witzeln, dass das daran liege, dass ich alt und weise geworden sei. Ich bin nämlich eigentlich weder das eine noch das andere. Zumindest noch nicht. Allen jungen Leuten, die sich zuhause mit ihren Geschwistern in den Haaren liegen, sei gesagt, dass man viel besser miteinander auskommen wird, wenn man sich nicht mehr jeden Tag auf der Pelle sitzt.

Da heute Freitag ist, schließt das Center bereits um 17:00, also weiche ich in die Bibliothek aus, aber dort ist das nahende Semesterende immer noch deutlich zu spüren. Die Jungs und Mädchen schreiben sich immer noch die Finger an ihren Arbeiten wund und man muss immer noch eine Zeitlang warten, bis man endlich einen Platz bekommt. Natürlich könnte ich auch in den großen CIP-Pool ausweichen, aber das Procedere stört mich da ein wenig: Straßenschuhe aus- und (für mich) viel zu kleine Latschen anziehen, Studentenausweis abgeben, sich in die Liste eintragen.[2] Zumindest ist das ab fünf Uhr nachmittags so. Ich habe aber Glück; Jû wird gerade fertig mit was auch immer er hier gemacht hat und überlässt mir seinen Platz. Er werde seinen Geburtstag leider nicht feiern, sagt er.

Karl schreibt mir, dass er meine Bestellung (ich habe ihn um eine Kopie von „Combat Mission“ gebeten, damit ich mit Misi spielen kann)[3] auf den Weg geschickt hat und dass ich ihm vier Euro Porto schulde. Ich überweise sie auf sein Konto und harre der Dinge, die da kommen.

Als ich nach Hause komme, darf ich auch gleich wieder losstiefeln, weil Melanie das Tomatenmark für die Hackfleischsoße vergessen hat. Die Soße wird auch gut, wenn auch sehr „knoblauchlastig“ und mit einem seltsamen Gewürz geschärft, das aussieht wie Chilipulver und in stärkerer Konzentration nach Pfeffer schmeckt. Was habe ich da gerade gegessen? Aber es rafft mich keine Vergiftung dahin und damit bin ich zufrieden.

Wir sehen uns die Aufnahme der aktuellen Episode von „Ace wo nerae!“ an und ich komme zu dem Schluss, dass es ein interessantes Spiel wäre, sich vor den Fernseher zu setzen und jedes Mal einen Schnaps zu trinken, wenn Hiromi „Ojôfuji…“ sagt, in diesem schmelzend zarten Ton, den sie dabei so gekonnt draufhat. Zur Erklärung: „Ojôfuji“ ist die Bezeichnung, die sie gegenüber ihrem Vorbild (?) Tatsuzaki Reika verwendet, und das bedeutet etwa „hohe Tochter“ oder „junge Dame“, soweit ich das interpretieren kann. Alternativ dazu könnte man zwei Trink-Teams bilden. Die einen trinken bei „Ojôfuji“ und die anderen heben immer dann einen, wenn Hiromi sich mit Hingabe auf dem Tennisplatz räkelt, weil sie – mal wieder – angesichts der Härte des Trainings zu Boden gesunken ist. Und jedes Mal, wenn sie auch noch den Staub vom Boden im Gesicht hängen hat, einen Doppelten. Das könnte ein lustiger Abend werden.
Die Darstellung der Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinander erweckt den Eindruck, dass eine Beziehung zwischen Hiromi und Reika weitaus wahrscheinlicher ist, als das Zusammenkommen von Hiromi mit… diesem jungen Kerl mit der „Drei-Wetter-Taft-Frisur“… „Tôdô“ heißt der. Seinen Vornamen kann ich mir nicht merken. Jedenfalls sehe ich hier das auffälligste Yuri-Team, das mir je unter die Augen gekommen ist. Das Vokabular verstehen natürlich nur Insider, und es reicht mir auch voll und ganz aus, wenn nur die es verstehen.

Zuletzt bleibt für den Abend noch „Skyhigh 2“, was sich als lohnende Serie herausgestellt hat. Die Hauptdarstellerin (Shaku Yumiko) würde eine ganz hervorragende SailorPluto abgeben – sollte „SailorMoon“ je so weit kommen. Ich würde das begrüßen. Vermutlich habe ich das bereits erwähnt. Die Uhr zeigt nach Mitternacht. Ich bin müde und ich spüre keine Motivation mehr, mir auch noch die Aufnahme von „Doll House“ anzusehen. Das kann warten. Es handelt sich eh um eine der Serien, über die man lachen kann, weil sie eigentlich ganz furchtbar schlecht sind.


[1] Das japanische System baut stark auf das Auswendiglernen von Daten, eine solche Art von Klausur ist also nur folgerichtig.

[2] … und schlecht geheizt, möchte ich hinzufügen.

[3] Ich besitze eine lizenzierte Kopie von dem Spiel, aber das Original wollte ich mir nicht über den halben Globus hinweg schicken lassen.

5. Februar 2024

Donnerstag, 05.02.2004 – Der Anfang vom Ende

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Über Nacht hat es 10 cm Neuschnee gegeben und der Himmel am Morgen ist strahlend blau. Die Aussicht aus der Balkontür ist sehr schön, aber ich muss davon ausgehen, dass es knochig kalt ist. Der erste Schritt vor die Haustür bestätigt diesen Verdacht. Und natürlich ist es glatt. Also vorsichtig gehen.

Yamazaki-sensei arbeitet heute mit uns Übungsblätter durch, nachdem wir gestern mit dem Lehrbuch fertig geworden sind. Ich hätte mir gewünscht, dass er vielleicht die wichtigsten Inhalte noch einmal wiederholt, angesichts der Klausur kommende Woche. Mit Anteilen aus der ersten Semesterhälfte, aber mit Schwerpunkt auf der zweiten, sagt er. Das kann ja heiter werden.

Die Endphase des Semesters beginnt dann heute mit der ersten Abschlussarbeit, der Kultur-Klausur. Ich empfinde sie als nicht wirklich schwer, aber Essay-Aufgaben waren noch nie mein Ding, weil ich nie sicher bin, ob ich den Punkt auch treffe. Hinzu kommt, dass ich eigentlich zu gut gelaunt bin. Das ist mir verdächtig, weil ich mir den Zustand nicht erklären kann. Vielleicht ein Ausdruck von Nervosität. Einige meiner Formulierungen lassen sogar ein gewisses Maß an Ironie erkennen. Aber schließlich geht es unter anderem um die Verbreitung des Christentums in Japan – wie könnte ich da ernst bleiben? Ich schreibe abschließend einen Vermerk darunter, in dem ich Sawada-sensei bitte, doch auch meinen Stil zu kommentieren. Es sind noch zwei Minuten bis zum Schlussgong. Ich nutze damit die Zeit und den Raum (eine Doppelstunde und zwei Seiten Papier im Format A3) optimal aus, ohne Eile, aber auch ohne zu wissen, ob das nun gut oder schlecht war.

Nach der Arbeit mache ich einen elektronischen Abstecher ins Forum von Animetric.com. Bis heute habe ich 16 Episoden der irren Serie „Oruchûban Ebichû“ gesammelt, und hier finde ich den Hinweis, dass es insgesamt 27 davon gibt. Oder „geben soll“. Na hurra. Ich habe keine Idee, wo ich den Rest auch noch herbekommen könnte. Elf der Episoden sind also offenbar nie von den FanSub Teams bearbeitet worden… eigentlich schade. Immerhin handele es sich dabei, so ist da zu lesen, um eine Reihe von einzelnen Episoden, die untereinander nur einen lockeren Zusammenhang haben und nicht wirklich auf eine Art Ende hinzuarbeiten scheinen. Also werde ich vorerst damit leben können.

Ich verständige mich anschließend schriftlich mit Ricci, um ihr, wie auch Melanie, mitzuteilen, was sie alles für die Dauer ihres Besuchs bitte mitbringen soll. In erster Linie geht es dabei um TV-Serien, aber ich möchte auch Zugriff auf die Unzahl ihrer Musiktitel (4000?) erhalten, die sich auf ihrer Festplatte befinden.

Am späten Nachmittag sehe ich eher zufällig meine verehrte Tutorin wieder, die sich dafür entschuldigt, den letzten Termin vergessen zu haben. Aber so ernst nehme ich diesen Zwischenfall nun wirklich nicht, da ich inzwischen alleine ausgetüftelt habe, wie das mit dem Bankautomaten funktioniert. Ich hoffe nur, mir das alles bis zum nächsten Mal merken zu können.

Die morgige Klausur verhindert leider, dass ich den TV-Abend voll nutzen kann. Bis auf „Mujin Wakusei Survive!“ („Überleben auf einem unbewohnten Planeten!“) muss alles aufgenommen werden. Und ich finde es übertrieben, die Serie so zu nennen, weil sich die Handlung lediglich auf einer kleiner Insel abspielt, die offenbar mitten in einem riesigen Ozean liegt. Und die Insel ist so klein, dass die gestrandeten Kinder sie zu Fuß binnen eines Tages von Süden nach Norden durchqueren können, inklusive Klettertour.

4. Februar 2024

Mittwoch, 04.02.2004 – Datensammlung

Filed under: Japan,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Heute findet Unterricht wie an Dienstagen statt. Das heißt Yamazaki-sensei „versüßt“ uns die ersten beiden Stunden, danach habe ich etwas Pause und dann findet das Seminar über Buddhismus statt.
Philips ist heute ebenso wenig informativ wie gestern, weil er das Buch noch immer nicht gefunden hat. Er redet also über verschiedene andere Dinge, die mehr oder weniger mit Buddhismus zusammenhängen. Aus- und Abschweifen ist eine seiner besonderen Fähigkeiten. Aber da ich das von meinem Vater her schon kenne (dessen Gespräche dieser Art ich eigentlich immer genossen habe), stört mich das nur aus rein akademischer Sicht (und ich betrachte mich nicht als akademisch begabt), ansonsten höre ich mir gerne an, was er zu erzählen hat.

Auch diesmal bleibe ich der einzige, der Fragen stellt. Zum Beispiel möchte ich, im Hinblick auf die kommende Klausur, wissen, wo denn nun der Unterschied zwischen Mahayana und Teravada, den beiden Hauptströmungen des Buddhismus, eigentlich liege. Die erschöpfende Antwort: Mahayana beruht auf Glauben und Teravada auf Praxis. Im Klartext heißt das, dass Mahayana Anhänger zu den Boddhisatvas (den zur Erleuchtung gelangten „Normalsterblichen“) beten und hoffen, dadurch in der Lebenszeit des nächsten Buddha geboren zu werden, um von diesem zur Erleuchtung geleitet zu werden, denn nur der Buddha und seine direkten Schüler sind zu dieser Anleitung fähig (nach Ansicht des Mahayana). Die Anhänger des Teravada dagegen glauben, dass man durch geistige Übungen – wie Meditation – das Ziel, selbst ein Boddhisatva zu werden, ohne Anleitung eines Buddha oder eines Arhat (Buddha-Schülers) erreichen kann.
Man kann sich ja aussuchen, was einfacher erscheint. Und dafür haben die Oberdruiden vor 1200 Jahren ein (inoffizielles) Schisma geschaffen. Inoffiziell deshalb, weil die dogmatische Spaltung der reinen Lehre eine Todsünde darstellt, für die man unweigerlich sofort und für alle Zeiten in die nächste Hölle verbannt wird. Das ist an sich alles. Allerdings mögen den Buddhisten die Gründe für die Spaltung der christlichen Kirche ebenso unbedeutend vorkommen. Philips jedenfalls grinst mich an und meint: „Haben Sie vielen Dank, dass Sie so viele Fragen stellen. Sie haben mir eben ein paar gute Ideen für Klausurfragen gegeben. Ich hoffe, ihre Mitstudierenden sind nicht nachtragend.“

Nach dem Unterricht stelle ich im Center ein paar Dinge über den Datentransfer von einem Rechner zum anderen fest. Es gibt in der Tat ein Netzwerk (innerhalb des Centers) und somit einige Rechner, auf deren Laufwerke man von den anderen Rechnern im Raum zugreifen kann. Theoretisch. Es funktioniert nämlich in den seltensten Fällen, und das häufigste Erlebnis bei dem Versuch, einen Rechner im Netzwerk anzusteuern, ist ein Systemabsturz nach dem anderen. Und ausgerechnet der Rechner, auf dem ich die meisten Daten gelagert habe, ist überhaupt nicht per Intranet zu erreichen. Ich habe mich extra vergewissert, dass das Laufwerk, von dem ich Daten abrufen will, auch anwählbar und zugriffsbereit ist, aber ich kann den Rechner mit seinem Laufwerk von einem anderen Rechner aus im Netzwerk dennoch nicht finden.

Ich kann aber endlich auf Misis Angebot zurückkommen, seinen Memorystick zu verwenden. Ich hinterlege seine Daten in einem entsprechenden Ordner, lösche dann die Speichereinheit und transferiere langsam und allmählich meine Daten auf einen Computer, der auch einen Brenner besitzt. Der Datentransfer dauert eine Weile, also suche ich ein wenig auf den Festplatten herum, ob da nicht etwas Interessantes für mich zu finden sein könnte. Ich finde eine Handvoll MP3 Musikdateien, aber auch eine Tonaufnahme von einer 50-minütigen Vorlesung über die Relativitätstheorie, vorgetragen von einem Professor Feynman in amerikanischem Englisch. Ich habe den Namen noch nie gehört, aber für Eingeweihte ist er eine wahre Koryphäe, der in einer Reihe neben Einstein steht. Ich kopiere diese Datei, man weiß ja nie, ob man sie nicht vielleicht mal brauchen kann. Und sei es zur Erweiterung des Allgemeinwissens, das mir weit mehr bedeutet als alles Fachwissen.

Ich werde nebenbei auf eine Seite aufmerksam gemacht, von der man Musik anhören und auch runterladen kann – aber nur, wenn man eingetragener Nutzer und darüber hinaus auch noch koreanischer Staatsbürger ist. Ich finde die Idee zur Eindämmung wilder Downloads gar nicht so dumm. Aber ich kenne ja Koreaner. Vielleicht findet sich was auf der Seite… aber ich weiß derzeit nur von zwei oder drei Liedern, die mich interessieren, und vielleicht erübrigt sich das auch, nachdem Riccis Festplatte bei uns aufgeschlagen ist, höhöhö.

Der Tag zieht sich hin und ich „genieße“ das Wetter.
Es schneit.
Es ist bitterkalt.
Unter dem frischen Schnee lauert immer noch der spiegelglatte Eispanzer auf unachtsame Fußgänger.

Am Abend ist wieder Lernen angesagt, in erster Linie für das Kulturseminar, aber auch die Grammatik will behandelt sein. Das dauert lange, aber mittwochs macht das nicht viel aus, weil eh nichts im Fernsehen läuft, was sich anzusehen lohnt. Wir probieren auch an meinem Wordtank herum und Melanie findet heraus, wie man englische Begriffe und japanische Komposita markieren kann, um diese erklären oder übersetzen zu lassen. Das ist vor allem praktisch für die Teile des Lexikons, die rein japanisch gehalten sind. Es ist ja schon wirklich toll genug, dass ich Erklärungen übersetzen muss, um zur Übersetzung zu gelangen.

Übrigens hat Jû heute Geburtstag, womit er exakt fünf Monate und zehn Tage älter ist als ich. Was mich daran erinnert, dass ich noch ein paar weitere solcher Daten sammeln wollte, um meine Geburtstagsliste zu erweitern. Ich glaube, ich habe eigentlich schon zu lange gewartet. Ein bedeutender Teil meiner neuen Bekannten dürfte bereits Geburtstag gehabt haben.

3. Februar 2024

Dienstag, 03.02.2004 – Lernbestrebungen

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Heute ist „Setsubun“, der „Tag vor Frühlingsanfang“. Und gerade heute merkt man davon überhaupt nichts. Das, was gestern Abend von Himmel geregnet ist, ist über Nacht gefroren. Was gestern Abend noch aufgeweichter Schnee war, ist heute Morgen ein dicker Eispanzer auf dem Bürgersteig; aber auch der Wasserfilm auf der Strasse ist vereist. Wenn der Bus, neben dem ich herlaufe, auf der Straße bremst, rutscht er erst einmal einen Meter weit – bei Schrittgeschwindigkeit. Vor allem der Parkplatz der Universität ist schwer vereist. Er sieht mehr wie ein zugefrorener See aus.

Yamazakis Unterricht kann ich heute nur schwer folgen, denn a) Ich habe zu wenig geschlafen, und b) der Mann ist heute tödlich langweilig. Natürlich könnte dieser Eindruck auch von meiner Müdigkeit herrühren. ich komme aber durch, ohne vom Stuhl zu fallen.

Danach will auch der Unterricht über Buddhismus nicht so recht in die Gänge kommen. Philips hat ein Buch nicht gefunden, das er eigentlich schon seit zwei Wochen besprechen will und hat deshalb ein Notprogramm zusammengebastelt. Darüber hinaus wirkt er müde, um nicht zu sagen völlig kraftlos. Auffällig ist immerhin, dass seine Brille inzwischen repariert oder ersetzt worden ist. Es hängt also wieder auf jedem Ohr ein Bügel.

Im Anschluss sehe ich noch ein paar Sachen durch und begeistere SangSu für „Bôbobo“. Das heißt, in erster Linie begeistert ihn Animesuki.com und er möchte wissen, wie das funktioniert. Ich erkläre es ihm, aber ich bin nicht ganz sicher, ob er meine Ausführungen zum Thema „Installation des Bittorrent Client“ verstanden hat. Na, er wird schon durchsteigen. Doof ist er ja nicht.

Dann sehe ich mir meine Grammatik an. So lange, bis Marc vorbeikommt und mich eine Stunde lang in ein Gespräch verwickelt, heißt das. Als ich dann wieder mein Buch in der Hand habe, kommt Misi und will wissen, was mein Kanjitank so alles kann. Ich komme also erst zuhause dazu, effektiv was zu lernen. Das englischsprachige Lehrbuch mit seinen Erläuterungen und Beispielsätzen ist dabei eine echte Hilfe, vor allem, wenn es um die Erfassung kleiner Nuancen geht.

2. Februar 2024

Montag, 02.02.2004 – Die Februar-Prognose

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Hirosaki-Wetter at its best! Das Wetter macht, was es am besten kann: Regen. Den ganzen Tag.

Etwa genauso trüb wie das Wetter sind meine Gedanken, wenn ich an die kommenden Klausuren denke. Und mitten in der Klausurenwoche, am 10. Februar, kommen Ricci und Ronald aus Tokyo zu uns. Ich halte das nicht für das beste Timing, aber es scheint nicht anders zu gehen. Und sie bleiben dann für zwei Wochen. Ich frage mich: Was machen wir zwei Wochen lang? Wir können doch nicht zwei Wochen lang fernsehen!? Gut, ich kann das. Aber nur wenige andere können das. Ob der prophezeite Schnee noch kommt, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich mache ich mir (ausnahmsweise?) zu viele Gedanken. Lassen wir es einfach auf uns zu rollen.

Um 16:00 findet eine Nachholstunde bei Ogasawara-sensei statt. Bis dahin versuche ich, notwendige Vokabeln und Formen zu lernen, aber meine Konzentration ist heute nicht die beste und die Lernplätze in der Bibliothek finde ich unbequem. Ogasawara-sensei gibt uns die Hausaufgaben zurück, die wir für gestern hatten machen sollen. Ein Arztgespräch sollte es sein – aber das ist mir doch viel zu langweilig! Ein Dialog nach Art von „Was fehlt Ihnen?“, „Machen sie mal den Mund auf, bitte.“ oder „Beachten Sie bitte dieses und jenes: …“ war noch nie mein Ding. Ich habe einen kurzen Einakter geschrieben. Die Lehrerin bemängelt ein paar Ausdrucksfehler und Vokabeln, schreibt aber „Bene!“ darunter. Italienisch? Gut, ich weiß ja, warum sie sich in diesem Fall dieser Sprache bedient. Ich bewahre den Zettel auf und werde ihn mit nach Trier nehmen. Shinnenkai oder Tanabata werden Verwendung dafür finden.

Nach dem Unterricht gehe ich wegen meiner Post in die Bibliothek zurück, aber ich finde erst um 19:00 einen freien Rechnerplatz. Man spürt, dass die ganze Universität an irgendwelchen Hausarbeiten schreibt.

Dem entsprechend spät komme ich nach Hause, nass geregnet. Melanie hat „Montana“ und „Kochira wa Hon’ikegami-sho“[1] aufgezeichnet, also verpasse ich nichts.


[1] Es handelt sich dabei um eine neue der vielen komödischen Polizeiserien um die Abenteuer einer Revierbelegschaft.

1. Februar 2024

Sonntag, 01.02.2004 – Neue Serien

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 7:00

Ich muss noch ein paar Fakten über die hiesige Kultur auswendig lernen, um in der kommenden Klausur auch etwas präsentieren zu können, also gehe ich nicht in die Bibliothek. Außerdem muss auch hier noch was getan werden. Das übliche Wäschewaschen gehört dazu.

Wir haben am Morgen ein paar Animeserien aufgenommen, die uns nichts sagten, um mal zu sehen, was davon zu halten ist. Da wäre „Tantei Gakuen Q“, also „Detektivschule Q“. Die Grafik ist gut – wirklich. Aber meines Erachtens handelt es sich dabei um einen „Meitantei (Detektiv) Conan“ Klon: Ein Team von Schülern löst Kriminalfälle, hin und wieder muss auch eine/r von ihnen gerettet werden und gegen Schluss hält der Anführer einen ewig langen Monolog, in dem er die Tat herleitet, das Warum und Weshalb und vor allem auch das Wie, und wie man dem bösen Täter denn nun auf die Schliche gekommen sei. Das muss nicht sein. Außerdem läuft die Serie ja bereits seit einer Weile und es macht wenig Sinn, sich in die laufende Handlung zu schalten. Obwohl ich eher annehme, dass die Reihenfolge der Episoden völlig unwichtig und die Folgen so in sich geschlossen sind, dass alles, was man verpasst haben kann, die Vorstellung der Charaktere gewesen sein dürfte.

Und was ist das hier… „Duel Masters“? Der Name verheißt schon nichts Gutes. Und siehe da, wie ich mir dachte geht es um – tadaa! – Duelle mit Spielkarten! Eine Merchandisingserie für Jungs, die darauf abzielt, ein Kartenspiel zu vermarkten. Als ob es davon nicht bereits genug gäbe. Das Original war schon Schrott.

Aber es gibt auch eine neue Serie für Mädchen: „Futari wa Purikyua“ heißt sie. „Purikyua“ ist japanisch kurz für (engl.) „pretty cure“, also „hübsche Heilung“. „Futari“ sagt aus, dass es sich um zwei Personen handelt. Und die Serie sprüht vor Originalität! Oh Himmel… hier wurde das Genre „Mahô Shôjo“ („Magical Girls“, also weibliche Helden, die sich verwandeln und die Welt retten) mit „Yû Gi Ô“ verschmolzen.
Wir haben hier zwei Mädchen, die eine intelligent und analytisch, die andere sportlich und impulsiv, die sich mit Hilfe von Karten – ja: schon wieder Karten! – in Kämpferinnen für das Gute verwandeln, indem sie diese durch ein Lesegerät ziehen, das sie immer mit sich führen. Die Verwandlungssequenz der beiden ist fast zwei Minuten lang – und sie läuft jedes Mal! Böse Dämonen fahren in technische Gegenstände, saugen Leuten Energie ab und die beiden Mädels machen sie wieder ’putt. Alles wie gehabt. Aber die Bösen haben einen gewissen Coolnessfaktor, weswegen ich mir das Programm zumindest sporadisch ansehen werde. Außerdem geht der Regisseur die Angelegenheit ein wenig parodistisch an, warum also nicht. Natürlich rollt die Werbung gleich von Anfang an mit, und man kann die Karten und Lesegeräte mit den passenden Gürteltaschen kaufen. Wenn man die Karten einliest, erscheint auf dem Display ein eher sinnfreier Text, der wohl eine Art Tagesmotto ausgeben soll.[1]

Mein persönlicher Lichtblick ist „Kaiketsu Zorori“. Das Titellied gefällt mir. Es wird nie in den Top 100 landen, und es wird vom Sprecher Zororis (das ist der Name des Protagonisten) selbst gesungen. Wenn ich den Namen im Abspann richtig lese, handelt es sich bei dieser Person um keinen geringeren als Yamadera Kôichi!
Nicht-Eingeweihte kennen den natürlich nicht, und das ist ja auch in Ordnung. Animefans müssten zumindest ins Grübeln gekommen sein, aber Liebhaber der Serie „Cowboy Bebop“ müssen sich in Grund und Boden schämen, wenn sie den Mann nicht vom Namen her kennen: Yamadera Kôichi ist die Stimme von Spike Spiegel. Wenn ich mir jetzt vorstelle, wie Spike „Hassuru! Hassuru!“ singt, muss ich schon fast lachen.

Na, wie dem auch sei. „Kaiketsu Zorori“ ist recht offensichtlich für Kinder gemacht, mit Tiercharakteren. Das Setting ist – wie soll ich sagen? – „romantisiert euro-japanisch“. Man stelle sich also mal einen rollenden Nudelsuppenverkäufer in Rothenburg o.d.T. vor, wie er eine Holzkarre mit Töpfen und japanischer Aufschrift auf den Marktplatz stellt. Natürlich ist das Ganze in der fantastischen Welt der Märchen und Sagen angesiedelt. Es gibt Könige und Prinzessinnen, Ritter und Drachen, Magier und umherziehende Abenteurer. Zorori, der Held, ist ein solcher. Er ist ein Fuchs, und diese Metapher sagt im Westen und im Osten etwa das gleiche aus. Er freundet sich mit den Kindern Ishishi und Noshishi (der Japanologe kann anhand dieser Namen erraten, dass es sich bei den beiden um Wildschweine = „Inoshishi“ handelt) an, indem er die bereits erwähnte Rollkarre mit den Suppentöpfen klaut und im Schweinsgalopp aus der Stadt verschwindet, um sich zusammen mit den beiden Brüdern den Bauch vollzuschlagen. Er trägt in dieser sehr europäisch anmutenden Welt ein Ronin-Kostüm mit japanischem Strohhut, Umhang und Strohsandalen, wie man das von wandernden, herrenlosen Samurai quaasi gewohnt ist. Aber wenn er sich als Held in Szene setzen will, dann reißt er sich das in einem Ruck vom Leib und erscheint als Zorro, mit spanischem Hut, Augenmaske, Umhang und Degen. Beim Saltosprung vom Balkon verschätzt er sich in der Höhe aber auch schon mal um zwei Meter. Einer der wenigen Helden, die beim Angeben auf die Schnauze fallen. Ich mag ihn.

Natürlich drängt es ihn nach Reichtum, Macht und hübschen Frauen, und er tut so einiges, um das zu erreichen. So bastelt er z.B. einen mechanischen Drachen (man beachte das Setting!), den er mit seinen beiden neu gefundenen Schülern steuert, um eine Prinzessin zu entführen. Er will dann als Retter auftreten, die Prinzessin heiraten und das halbe Königreich als Belohnung erhalten, wie es ja Brauch gewesen zu sein scheint. Den eigentlichen Ritter lässt er von den verkleideten Ferkeln mit irgendwelchen toll aussehenden, aber völlig nutzlosen Gegenständen ausrüsten und eignet sich dessen Rüstung selbst an, bevor… bevor er den Ritter mit… mit einem riesigen Reisbällchen überrollen lassen will. Ich lache mich schief. Natürlich schlägt sein Plan fehl, womit er sich in die Reihe der sympathischen Antihelden neben dem Kater Sylvester und dem genialen Kojoten einreihen dürfte.
Auch hiervon gibt es sofort Merchandising – „Zorori“ Schlafanzüge!


[1] Pretty Cure wurde eine meiner Lieblingsserien, oder genauer: Die erste und die zweite Staffel, in denen Honoka und Nagisa die Hauptrollen sind. Pretty Cure wurde allerdings auch ein nie endendes Medienmonster – es kommt etwa jedes Jahr eine neue Staffel heraus, in der Regel mit neuen Protagonistinnen, die sich alle im gleichen Handlungsuniversum aufhalten, weswegen es mehrere „All Stars“ Filme zur Serie gibt, in denen alle bisherigen magischen Mädchen gleichzeitig auftreten. Zu meiner Überraschung gibt auch „Otona PreCure“ Staffeln, in denen die Protagonistinnen eben keine Schülerinnen, sondern erwachsene junge Frauen sind. Leider finde ich keine Gelegenheit, etwas davon zu sehen.