Sonntag, 29.02.2004 – Im Wolfspelz
Das Schaltjahr macht sich bemerkbar. Wie? Indem ich feststelle, dass meine Fünf-Euro-Zwiebel, die sich Digitaluhr nennt, keine Option für das Verstellen des Datums besitzt!
Heute ist Schnee angesagt. Viele kleine und feine Schneeflocken rieseln aus den Wolken, als ich bereits anfing zu hoffen, mit dem Schnee sei es jetzt vorbei. Und morgen soll es nicht besser werden.
Ich verbringe den Tag mit dem Lesen in meinem neuen Buch „Dogs of War“, während Melanie in die Stadt fährt, um allerlei Bastelmaterial zu kaufen – für die bereits erwähnten Papierhemden im Miniformat, die letztendlich die Verzierung eines Papier-Pappe-Rahmens werden sollen. In den Rahmen selbst kann man dann nach Wunsch allerlei Nachrichten einfügen, die dem Besucher an der Tür eine gewisse Ahnung von der Machbarkeit irgendwelcher Ideen für Aktivitäten mit der Person geben sollen, die hinter der Tür wohnt. Melanie bereitet also „Herzlich willkommen“, „Betreten verboten“ oder „Gernots müssen draußen bleiben!“ vor. Das Präsent richtet sich an Ricci, und den Insiderwitz erkläre ich jetzt nicht.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gehe ich Getränke kaufen und im Anschluss in die Videothek, weil ich „Jin Roh“ ausleihen möchte. Auf halbem Weg dahin, die Einkäufe habe ich bereits hinter mir, kommt mir Melanie entgegen. In der Annahme, ich ginge gerade einkaufen, bittet sie mich, auf sie zu warten und ich schlage vor, dass sie zur Videothek kommen soll, wenn sie ihr Zeug abgelegt hat.
Es gibt natürlich nur eine Version des Videos, das ich haben will – Original ohne Untertitel. Üblicherweise – bei „einfachen“ Filmen, soll das heißen – stört mich das nicht so sehr, weil ich im Notfall anhand von Bildern und/oder Kontext auf die Dialoge schließen kann, aber bei „Jin Roh“ ist das ein bisschen anders. Der Film hat eine gewisse philosophische Tiefe und man muss die Dialoge verstehen, um auf das schließen zu können, was damit gemeint ist. Dennoch nehme ich den Film mit. Ich habe ihn schon einmal gesehen, vor viereinhalb Jahren in Koblenz, um genau zu sein. Ich denke, ich werde mich im Laufe des Films an genügend Sachen erinnern, die mir das Verständnis des Films ermöglichen. Um 22:00 fangen wir an, den Film zu sehen und bringen ihn pünktlich vor dem Datumswechsel wieder zurück.
Zuvor allerdings testen wir die Kopierfähigkeit des Videos – und es geht! Ich bin erstaunt, dass das Videoband über keinen Kopierschutz verfügt. In Deutschland ist das Standard. In Japan gibt es offenbar nur eine relativ geringe Anzahl von kopiergeschützten Videos. Jetzt könnte ich mich hier natürlich zum Dauerkopierer machen, aber ich glaube, ich verzichte darauf. Erstens halte ich das Kopieren von Videos für unangebracht und zweitens bin ich jemand, der Filme kauft, wenn sie gut sind. Gute Filme sind ihr Geld normalerweise wert. Wenn ich einen Film in der Hand halte, und der Preis ist mir zu hoch, dann heißt das entweder, dass ich sparen muss, um den Film zu bekommen, oder aber, dass der Film nicht so gut ist, dass ich die betreffende Summe bezahlen würde. Ganz zu schweigen davon, dass mir das Konzept des Videobandes nicht mehr zusagt.[1] Melanie lässt sich eine eigene Mitgliedskarte machen, und das dauert zwanzig Minuten. In dieser Zeit sehen wir uns die Regale mit den Serien an und versuchen herauszufiltern, was uns gefallen könnte.
[1] Entgegen des Eindrucks, den ich bisher gemacht habe, kaufe ich auch Spiele, Musik und Serien, die mir gefallen, sobald ich das Geld dafür habe.
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