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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

23. April 2008

In seinem Essen stochert er nicht so rum…

Filed under: My Life — 42317 @ 0:44

Im Dienste der Wissenschaft (und meines Geldbeutels) war ich mal wieder unterwegs, zum Labor am Johanniterufer. Als „alter Hase“ habe ich Bescheid von der neuen Serie erhalten, bevor der Aufruf für Versuchspersonen über den Univerteiler gelaufen ist.

Ich war wohl zwanzig Minuten zu spät dran, was mir natürlich unangenehm ist, zumal ich vor Ort einen sehr guten Ruf genieße, aber der Doc hatte das gar nicht bemerkt, weil er zu tief in sein Netsurfing vertieft und ich außerdem der einzige Proband an jenem Tag war. Letzten Donnerstag, heißt das.

Diesmal sollte man aus zwei Dutzend Bildern, die in schneller Reihenfolge auf dem Bildschirm erschienen, den Prozentsatz einer bestimmten Art von Bildern schätzen, also zum Beispiel die lachenden Gesichter unter den 24 Bildern, die lachende, ärgerliche und neutrale Gesichter zeigten. Es ging auch wieder um Cortisolinjektion per Verweilkanüle und um eine Blutabnahme, die ich zwar nicht für diesen Versuch brauchte (weil meine letzte noch gültig ist), aber für den nächsten, voraussichtlich im Mai.

Wirklich von Bedeutung dabei war nur der Vorgang der Blutabnahme. In der Regel gibt es mit meinen Venen keine Probleme, trotz einer Kurve der Vene in meiner linken Armbeuge, aber diesmal war das alles ein bisschen verhext. Zuerst machte Doc Steffen einen Anstich, der zu nichts führte, dann einen zweiten, dann kam der Abteilungsleiter, Professor Schächinger, herein, und sorgte dafür, dass ich ein Déja-vu hatte.

Vor 10 Jahren:
In der Brigadesanitätsstelle. Der SanGefreite desinfiziert meinen Arm und will Blut abnehmen. Da kommt der SanFeldwebel rein und ruft: „Ach, loss mi des mache, i hob des scho lang nimmer g’macht.“ Sprach’s und ging ans Werk.

Vor 5 Tagen:
Im Labor am Johanniterufer. Doc Steffen hat meine übliche vene beim zweiten Versuch verfehlt und überlegt sich, den rechten Arm zu nehmen. Da kommt der Professor rein uns ruft: „Klappt das nicht? Soll ich das mal versuchen?“ Sprach’s und ging ans Werk, nachdem er sich vergewissert hatte, dass der massiv aussehende Kerl auf dem Stuhl nicht aggressiv würde, wenn er einen Fehler machte… wie dem auch sei, ich hatte also die Ehre, vom Chef persönlich angezapft zu werden. Ohne Erfolg allerdings.

Der gab dann gleich auf und überließ dem Dr. med. wieder das Feld. Der probierte den rechten Arm aus, obwohl das mit der Verkabelung eng werden würde, aber wenn der linke nicht wollte? Aber auch aus dem rechten Arm war nichts zu holen, entweder waren meine Venen heute sensibel oder das Personal hatte einen schlechten Tag.
„Sollen wir’s lassen? Wir können das mit dem Blut abnehmen auch machen, wenn der nächste Versuch ansteht – das könnten wir uns halt komplett sparen, wenn’s heute geht, und in die Vene müssen wir wegen der Infusion heute sowieso.“
„Ach was, jetzt bin ich schon mal da…“
Also besann er sich auf einen Trick, den er mir zu merken empfahl.
Und zwar verwendete er bei diesem fünften Stich nicht nur ein flexibles Band, um das Blut im Arm anzustauen, sondern den „Schwimmflügel“ vom altmodischen Bluttdruckmessgerät. Und da klappte das ganz wunderbar, auch wenn er diesmal die so genannte „Anästhesistenvene“ verwendete, die nicht umsonst diese Bezeichnung trägt.

Im Übrigen erzählte er, dass ein Team aus Luxemburg gerade eine Untersuchung mit dem Thema „Stress und Schmerz“ durchführe, mit Anspielung auf „James Bond 007: Goldfinger“. Da gibt es doch diese Szene, wo der weltweit beliebteste Brite mit einem Laser der Länge nach in zwei Teile geschnitten werden soll – und die Luxemburger schnallen die Hände ihrer Probanden fest und lassen einen roten Strahl darauf zu und darüber gleiten. Natürlich ist es kein Laser, stattdessen handelt es sich, wild ausgedrückt, um einen Partikelstrahl, und wenn man es einfach ausdrücken will, dann sagt man, dass eine Düse einen feinen, roten Strahl aus feinen Sandkörnchen auf die Haut schießt.
Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob der Partikelstrahl selbst irgendwelche Schwerzen hervorrufen soll oder ob man sich wegen der Analogie und der Beliebtheit der Filmserie darauf verlässt, dass der Proband in Erwartung von irgendwas Furchtbarem dann unter Phantomschmerzen leidet…

4. April 2008

Massugu GO!

Filed under: Japan,Manga/Anime — 42317 @ 22:14

Mika kommt zu spät zum Schwimmwettbewerb ihrer Oberschule und trifft auf dem Weg auf Manami, genannt Manabi, die sie auf ihrem Schweberoller mitnimmt…

So fängt die Geschichte „Gakuen Utopia Manabi Straight“ an, im Jahre 2035. Die Geburtenrate ist niedrig, Schulen werden geschlossen und zusammengelegt, traditionelle Wettbewerbe werden abgesagt und sterben aus.
Und da haben wir Manabi, Neuzugang der Seiô Oberschule, Optimistin, und auf diesem Gebiet ein Hardliner. Gleich nach ihrem motivierten Auftritt in der Vollversammlung wird sie zur Vorsitzenden der Schülervertretung gewählt und beginnt damit, ihre überfließende Energie und Liebe für das Leben als Schülerin auf ihre Umgebung zu übertragen, und gibt zuletzt alles, um das bedrohte Schulfest zu retten.

„Gakuen Utopia Manabi Straight“ ist ein bisschen wie „Azumanga Daiô“, erstens angesichts völlig abwesender romantischer Aspekte sonstiger Highschoolserien, und zweitens in Anbetracht der ganz ähnlichen Kernaussage, die die Serie macht:

Man geht nicht in die Oberschule, um etwas zu lernen, sondern um Freunde zu finden. Dass man Freunde auch in der Grund- und Mittelschule finden kann, wird von solchen Serien ausgeklammert, aber wenn man sich an dieser Logiklücke nicht stört, ist das Konzept sehr ansprechend. Ja, es handelt sich um eine “Slice of Life” Geschichte, in der es darum geht, dass fünf Mädchen durch dick und dünn für ihre gemeinsamen Überzeugungen gehen und so Freunde fürs Leben werden, aber wenn das alles wäre, würde ich das nicht weiter erwähnenswert finden.

Aus welcher Motivation heraus habe ich diese 13 Episoden lange Serie überhaupt angesehen?

So mancher wird wissen, dass ich ein Stimmenfetischist bin, das heißt, ich bin jemand, der in Serien reinschaut, weil ihm die Liste der Synchronsprecherinnen zusagt.

Zum einen haben wir Hayashibara Megumi als den zweifelsfrei bekanntesten Namen, obwohl sie in erster Linie Vorspann und Abspann singt und ansonsten in ihrer Rolle als “Schuldirektorin als Schülerin” in einem Flashback lediglich einen kurzen zusammenhängenden Satz sagt. Als nächstbekannteste Sprecherin steht Hisakawa Aya in der Liste, immerhin in einer bedeutenden Nebenrolle als Verwalterin der rivalisierenden Oberschule. Beide Sprecherinnen sind Veteranen des Geschäfts, die seit der zweiten Hälfte der Achtziger in unzähligen bekannten Rollen ans Mikro getreten sind.

Die Hauptrollen beinhalten unter anderem Inoue Marina, Hirano Aya und Horie Yui. Letztere, ein Jahr älter als ich, ist ebenfalls bereits eine Weile im Geschäft und hat Rollen wie Narusegawa Naru im Portfolio stehen, und Hirano Aya ist spätestens seit “Suzumiya Haruhi” ein bekannter Name in der Szene, und neben Inoue Marina eine der beliebtesten und erfolgreichsten Neuentdeckungen dieses Jahrzehnts.

Inoue Marina hat zwar (noch!) keine Sprechrollen im Lebenslauf, die “jeder” Animefan kennt, aber den Vergleich, dass sie sowohl Rosaly in “Tactics” als auch Mutsuki in “Manabi Straight” gesprochen hat, fand ich beeindruckend.

Diese Ansammlung von bekannten Namen musste anziehend auf mich wirken und ich wurde nicht enttäuscht. Alle Seiyû geben eine erstklassige Vorstellung, aber ich bin der Meinung, dass sich Hirano Aya hier selbst übertroffen hat. Ihre Leistungen in “Lucky Star” und “Suzumiya Haruhi” waren sehr gut, aber es handelte sich um archetypische „Genki“ Rollen lebhafter Mädchen mit viel Emotion und wenig Ratio, die mit dem Kopf durch die Wand gehen oder mit der Tür ins Haus fallen, aber ihre Nuancen in “Manabi Straight” sind sehr fein und gaben der stillen und intelligenten, vernunftbetonten Figur der Etô Mei sehr viel Leben und Liebenswürdigkeit.

Das allgemeine Charakterdesign ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist extrem niedlich gehalten und tendiert zu dem, was der Otaku „moe“ nennt, sofern ich das in diesem speziellen Fall als eine Steigerung von „kawaii“ definieren kann. Der erste Begriff, die mir dazu einfiel, ist „knubbelig“. Das soll ausdrücken, dass die Designer jedes Mittel angewandt haben, um Archetypen von niedlichen Animemädchen zu gestalten, die jedes Kindchenschema erfüllen. Die Mädels haben nicht nur die üblichen runden Köpfe und großen Augen, sondern auch halbwüchsige und runde Körperformen, die man augenblicklich mit Kindern verbindet. Man übersieht darüber sehr schnell, dass es sich bei den Protagonistinnen um 16-jährige handelt, die eben ihre letzten drei Schuljahre in Angriff nehmen, und neigt eher dazu, sie für 11-jährige zu halten. Es braucht möglicherweise etwas Zeit, bis sich dieses Wissen auch im Bewusstsein des Betrachters festgesetzt hat.

Überraschenderweise fand ich den Soundtrack sehr interessant, inklusive einiger seiner gesangslosen Hintergrundstücke. In der Regel fällt mir der Hintergrundsoundtrack überhaupt nicht auf (ob das eine gute oder eine schlechte Sache ist, sei dahingestellt), und ich habe normalerweise auch überhaupt kein Interesse an Hintergrundmelodien, in denen eben nicht gesungen wird, aber in diesem Fall fand ich die Musik weitgehend überzeugend.

Die Hauptattraktion bleiben natürlich die Gesangsstücke. Was sollte ich auch erwarten, wenn unter dem Stichwort Soundtrack Namen wie Hayashibara Megumi, Horie Yui, Hirano Aya und Chihara Minori zu finden sind? Die übrigen Hauptrollen singen natürlich auch, aber die kannte ich vorher noch nicht, und Hisakawa Aya gibt leider nichts zum Besten.

Der Soundtrack hat mich nicht aus den Latschen gehauen, wie das bei dem „Pani Poni Dash!“ Soundtrack der Fall war (der noch mehr Seiyû auflistet, von denen ich mir auch eine Steuererklärung oder den Bundeshaushaltsplan vorlesen lassen könnte, ohne mich zu langweilen), aber es war nahe dran.

Die Image Album Sammlung (Songs, die als Merchandising auf die Charaktere zugeschnitten sind und die nicht in der Serie vorkommen) war in dieser Hinsicht wie üblich sehr interessant, aber der Originalsoundtrack hat für mich seine ganz eigenen Perlen, wie zum Beispiel „Seiô Kôka“ (das Lied der Seiô Schule), gesungen von Horie Yui (in zwei Versionen), und „Sakura mau kono Yakusoku no Chi de“, also etwa „Die Kirschblüten tanzen am Ort unserer Verabredung“, gesungen von Chihara Minori.

Dieses Rock-lastige Lied wird auf dem Schulfest gesungen und aufgeführt, und die Szene erinnert in gewissem Maße an den Bandauftritt in „Suzumiya Haruhi“. Das mag nicht weiter verwundern, denn letztlich kommen alle Bandauftritte auf Schulfesten irgendwie ähnlich rüber, in Anime oder Realität, aber es gibt noch einen weiteren Faktor, wegen dem ich auf die Idee gekommen bin, es könnte sich dabei um eine Art Anspielung auf „Suzumiya Haruhi“ handeln, nämlich der Umstand, dass die Leadsängerin auf dem Seiô Schulfest von Chihara Minori gesprochen und gesungen wird. Warum dieses? Chihara Minori ist die „Stimme“, die während der Aufführung von „God knows“ und „Lost my Music“ nur Gitarre spielen durfte – in Form von Nagato Yuki.

Wie ich bereits sagte, hätte ich kaum soviel über diese Serie geschrieben, wenn es nur um Freundschaft gegangen wäre, solche Serien gibt es eine ganze Menge, und unbeirrbare Optimisten gibt es im Anime ebenfalls wie Sand am Meer, aber da ist noch etwas mehr als nur das. Es geht auch um jugendliche Ungeduld und Spontaneität, und um rebellischen Aktionismus, gegen gefühlte Ungerechtigkeit zu kämpfen. Davon war ich irgendwie positiv überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hätte.

Die Seiô Oberschule soll mit der renommierten Aikô Oberschule fusionieren, und die Verwalterin der Aikô sagt im Zuge der Zusammenlegung das Schulfest der Seiô ab, mit der Begründung, es handele sich nur um eine unbedeutende Spaßsache, die mit den Pflichten von Schülern nichts zu tun habe. Angeführt von Manabi beginnt die Schülervertretung den Kampf „gegen die Tyrannei der Verwaltung“, ganz stilecht mit den japanischen, gelben Arbeitshelmen und Postern und Flaggen, auf denen Wahlsprüche und Kampfslogans wie „Unnachgiebiger Geist“ zu lesen sind. Der bedeutendste Feind in der Angelegenheit ist jedoch nicht die „gegnerische“ Schulverwaltung, sondern die Ignoranz der eigenen Mitschülerinnen, die sich statt für das Schulfest mehr für eine Tanzveranstaltung interessieren, die am gleichen Tag stattfindet, für den neuen Schulsong, und dafür, welche Kombinationen die neuen Schuluniformen zulassen. Angesichts der Anordnung geben Sie die Sache verloren, doch Manabi und ihre Freundinnen wollen das Seiô Gemeinschaftsgefühl nicht zugunsten eines anderen aufgeben, zumal die Aikô einen eher kühlen und elitären Eindruck macht, auch schön zu sehen im Vergleich der Architektur der Schulen.

Solch eine Hommage an vergangene Zeiten von Schüler- und Studentenprotesten gibt dem Werk eine interessante politische Dimension, aber gleichzeitig ist das Thema auch nicht so aufdringlich, dass jemand mit einem unterentwickelten Interesse an Geschichte deswegen zurückstecken müsste.

Ich liebe diese Serie, und ich weiß, dass sie nicht für jeden geeignet ist, auch, wenn man Anime gegenüber generell positiv eingestellt ist. Sie ist generell sehr niedlich in ihren Designs, Themen und Dialogen, und wenn man ungetrübte Niedlichkeit nicht aushält, wird man „Manabi Straight“ wahrscheinlich nicht mögen.

Es ist eine Serie für Fans der Genres „Slice of Life“ und „Highschool Komödie“, die sich an der Abwesenheit von romantischen Themen nicht stören (oder eine solche Abwesenheit vielleicht auch begrüßen), und im Hinblick auf die erwähnten soziopolitischen Aspekte auch ungewöhnliche Einflüsse zu schätzen wissen.

Der Process

Filed under: My Life — 42317 @ 16:08

Nein, ganz und gar nicht der von Kafka, schon gar nicht so kompliziert, auch nicht meiner, sondern der von Andreas L. – wer zum Teufel ist Andreas L.?

Andreas L. ist meine „Bekanntschaft“ vom 16. September 2007, der Typ, der mir einen Faustschlag ans Kinn verpasste und mir zwei Monate lang wegen der überstreckten Kiefersehne das Kauen schwer machte.
Ich war ein bisschen verwundert darüber, dass in der Vorladung nur die Rede von „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ war, aber es stellte sich heraus, dass es sich um einen kombinierten Prozess handelte, der alle Straftaten des Angeklagten der vergangenen Zeit zusammenfasste und verhandelte.

Der Termin war um 0945 angesetzt, ich war mit Melanie um 0925 vor Ort.
Der erste, der sonst eintraf, war der lustige Junge, der mich gefragt hatte, ob ich ein Taschentuch brauche und keine dabei hatte. Und der plauderte während der Wartezeit munter drauf los, was mich etwas erstaunte, denn er erzählte frei heraus, dass er auf dem Helenenberg untergebracht sei, einer offenen Anstalt für straffällig gewordene Jugendliche nahe der Hauptstraße zwischen Trier und Bitburg. Für viele, nicht für alle, eine letzte Bewährungschance vor dem Knast.
Er erzählte von der Organisation und und von pädagogischen Maßnahmen der Institution, und dass er am selben Tag noch zwei weitere offizielle Termine habe, wobei er an einem nicht ganz unschuldig sei; um einen Ausgleich („Handschlag“) mit einem Opfer ging es da. Ich will das nicht weiter auswalzen, und ich habe auch nicht gefragt, obwohl mich wunderte, was er auf dem Kerbholz haben möge, dieser 15jährige, der den Eindruck eines 12jährigen macht und eigentlich ganz vernünftig schien.

Es wurde ihm auch nicht wenig Zeit gegeben, es dauerte nämlich bis etwa 1030, bis ich nach der Zeugenbelehrung als vierter Beteiligter gehört wurde, u.a. nach einem schwarzen Busfahrer, der vom Angeklagten irgendwann im vergangenen Sommer ebenfalls im Laufe einer „Diskussion“ geschlagen worden war, und Melanie.

Den Busfahrer, der mich gefragt hatte, warum ich den Typen nicht umgehauen habe, habe ich auch wieder getroffen. Er sagte, als er die Vorladung bekommen habe, sei er davon ausgegangen, dass man dem Angeklagten auch den Diebstahl seines Quads anlastete, bevor er sich erinnerte, dass an der Bushaltestelle ja noch mehr gelaufen war.

Auch die Polizisten, die im ersten Einsatzwagen eingetroffen waren, waren da, und der ältere war immer noch „bewegt“ davon, dass der Angeklagte auf der Wache noch sehr ausfallend gewesen sei, mit allerlei Drohungen, was er mit den Frauen und Kindern der Beamten machen würde.
Als der schwarze Busfahrer wieder rauskam, berichtete der, der Angeklagte habe sich entschuldigt, was er akzeptiere. Der Polizeibeamte grunzte darüber und sagte, dass der sich seine Entschuldigungen sonstwohin stecken möge, nach dem Aufstand auf der Wache („wie der Mann im Kalkofen“, sagt man bei uns wohl). „Dem sein Anwalt sagt ihm natürlich, dass er sich entschuldigen soll, weil’s beim Richter einen guten Eindruck macht! Von mir hat er kein Mitleid zu erwarten.“ sagte er dazu.

Meine Aufgabe von wenigen Minuten bestand aus der Darstellung meiner Version des Tathergangs der Körperverletzung, zum Thema des „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte“ brauchte er von mir nichts zu hören, dazu waren die Polizeibeamten auch zweifelsfrei besser geeignet, und ich erinnere mich auch nur undeutlich an Gezetere, Geschimpfe und eine ungeschickte Handgreiflichkeit.

Meine Darstellung der Dinge ist aus meinem entsprechenden Blogeintrag vom 16. September ersichtlich, ich muss also auf die Fragen, die mir der Richter stellte, nicht weiter eingehen. Ich bekam allerdings die Fotos zu sehen, die man damals von meiner Unterlippe gemacht hatte. Rot-blau geschwollen, ja, aber ich verstand nicht, warum der jüngere Polizist so das Gesicht verzogen hatte.

Natürlich kam vom Verteidiger des Angeklagten die Frage, ob ich, im Hinblick auf meine Kleidung an jenem Tag (US Armeehosen) und am heutigen Tag (Kampfschuh BW) möglicherweise militaristische Tendenzen hätte. Ich fand die Frage geradezu belustigend. Also sagte ich ihm, dass ich zu dem Gelöbnis stünde, das ich bei der Armee geleistet habe, dass dies aber wohl kaum bedeuten könne, dass ich ein Militarist sei.

Zuletzt entschuldigte sich der Angeklagte auch bei mir.
Ich kann damit leben, geschlagen und beleidigt worden zu sein, allerdings nehme ich ihm übel, Melanie eine Hure genannt zu haben, und seine ethnische Aufzählung der Dinge, die meine Mutter angeblich in den Mund nimmt.

Damit war die Sache gelaufen. Ich bedankte mich bei den gekommenen und noch wartenden Zeugen am Tisch und trat den Heimweg an.

2. April 2008

Abfahrt verpasst

Filed under: My Life — 42317 @ 12:48

Einer meiner besten Freunde heiratet HEUTE (standesamtlich), und ich erfahre es HEUTE zufällig aus seinem neuesten Blogeintrag vom 20. März. Da sitzt man erst mal wie eingefroren vor dem Monitor – das hat gesessen.
Ich finde keine Worte, um diese Enttäuschung auszudrücken…

Bleibt nur, alles Gute zu wünschen, und das von Herzen.