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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

22. April 2011

Ackern im Garten

Filed under: Arbeitswelt,Spiele,Uni — 42317 @ 16:01

Meine Freundin hat also zu Beginn des Monats ihre eigene Magisterprüfung erfolgreich hinter sich gebracht, womit wir nun offiziell ein Akademikerpaar wären. Nur fühlen wir uns nicht so, und wie es aussieht, fühlt sich auch keiner zu akademischer Arbeit hingezogen.
Vorerst bedeutet dies jedoch, dass man nun vom Beginn einer geregelten Freizeit sprechen kann, in dem Sinne, dass es wieder Sinn macht, Spieltermine zu planen, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Ich habe Anfang April nach dreimonatigem Zurückhalten das „Battlestar Galactica“ Brettspiel gekauft, und als Mitbringsel aus den USA haben wir einen Ableger des „FLUXX“ Kartenspiels geschenkt bekommen, das könnte man alles mal in Angriff nehmen.

Die Zeit seitdem ist mit nicht wenig fernsehen verbracht worden, da wir natürlich, jeder für sich, eine Menge Zeug haben, dass sich im Laufe der Zeit angesammelt hat, aber nie angesehen werden konnte. Ich selbst habe mittlerweile ein paar Sachen zum ersten oder auch zum dritten Mal gesehen, und muss feststellen, dass die „Powerpuff Girls“ Serie besser ist als „Dexter’s Lab“. Trotz diverser Schwächen in einigen der dargebotenen Geschichten sind die Genusshöhen von Bubbles, Blossom und Buttercup höher als die von Dexter.

Man soll aber nicht glauben, ich hätte nichts zu tun. Meine Chefin hat dieses Jahr, begünstigt durch das frühe sommerliche Wetter, mit der Neugestaltung ihres Gartens begonnen, eine Arbeit, die sich seit Jahren aus verschiedenen Gründen verzögert hat. Den Garten selbst haben wir im vergangenen Herbst bereits umgestaltet, und in den letzten vier Wochen ging es an die Anbauten des zum Garten gehörenden Häuschens.
Es handelte sich um einen Toilettenanbau und einen Lagerraum, die weg und durch etwas Neues ersetzt werden müssen. So gibt es ab demnächst einen neuen Lagerschuppen aus Stein anstatt aus Brettern und Dachpappe, und die neue Toilette wird mittels eines noch zu öffnenden Durchgangs mit dem Innenraum des Häuschens verbunden. Die Fläche, die übrig bleibt, soll als Brennholzlager dienen.
Den Aufbau der neuen Raumanordnung übernimmt der Bruder der Chefin, offiziell ein versierter Installateur mit Meistertitel, tatsächlich aber ein respektabel fähiger Allrounder im Handwerksbereich. Lediglich der Abriss und das Hin- und Herschleppen von Material übernahmen Leute wie ich.

Zwei Freunde von Halina wurden angeworben, um bei den Hilfsarbeiten zu helfen, und einen Großteil der ersten Mauer haben die zwei ohne mich abgerissen. Mangels technischem Gerät wurde und wird das mit dem Vorschlaghammer gemacht. Ich kam also für den zweiten Mauerteil an und hörte zu, wie sich die beiden über die Mühsamkeit der Aktion unterhielten – man muss dabei aber beachten, dass der Größere wegen eines Unfalls seinen rechten Arm nicht mehr voll einsetzen kann, außerdem ist er Diabetiker, und dass der Kleinere dürr wie ein Streichholz ist. Es kommt noch dazu, dass beide dauerarbeitslos sind und scheinbar in der Regel bis nach Mitternacht vorm Fernseher hängen und erst gegen Mittag aufstehen. Es ist also ganz klar, dass die von anstrengender Arbeit eine andere Vorstellung haben als ich. Ich sah mir den Rest der Mauer des ersten Schuppens kurz an (uralte Hohlblocksteine, lachlachlach) klopfte binnen 20 Minuten alles weg, und mir wurde gerade mal warm dabei. Abreißen macht Spaß, das wusste ich ja schon. Fünf Bauschuttschubkarren später war der Platz frei und die Ytongplatten für den Neubau konnten her.

Ich weiß natürlich nicht, wie eine ordentliche Ausbildung auf dem Bau aussieht, aber ich könnte mir vorstellen, dass man bereits in der ersten Woche beigebracht bekommt, wie man Steine stapelt – nämlich überlappend, damit sich die einzelnen Schichten gegenseitig stabilisieren.
Die beiden Helfer stapelten so, wie ihnen die Steine gerade in die Hand kamen. Ich erklärte es ihnen dreimal und zeigte es zweimal, aber der Große sagte, das solle ja nur ein paar Tage stehen, und es sei nicht davon auszugehen, dass sich ein Erdbeben ereigne. Der Haufen stehe stabil genug. Nach der Plackerei heute (die beiden hatten die Steine in den Hänger geladen) sei ihm das auch völlig egal.
Ja, mit solchen Sorgfaltsaufgaben ist es möglicherweise wie mit der Zockerei mit gefährlichen Wertpapieren: So lange alles gutgeht, sind alle glücklich, aber wenn es schiefläuft, ist das Geschrei groß (gerade weil es sich hierbei um die Art von „Stein“ handelt, die man als Straßenkreide verwenden kann, das heißt die Blöcke sind anfällig für Sturzschäden). Ich gab also der Chefin darüber Bescheid – nicht um zu petzen, sondern wegen der militärischen Grundregel „Melden macht frei“: Das bedeutet, ich mache mich frei von der Verantwortung für diese Nachlässigkeit, indem ich den Handlungsbedarf an eine höhere Stelle abgebe.
Kurz: Die beiden haben weder die Disziplin noch die Energie, eine mittelmäßig anstrengende Arbeit über einen ganzen Arbeitstag durchzuhalten. Wo soll die Energie auch herkommen, wenn man alle halbe Stunde eine rauchen muss? Und „die ernähren sich ausschließlich von Pizza und Fastfood“, wurde mir gesagt. Sie sind ja keineswegs unsympathisch, nur zum Arbeiten sind sie nicht zu gebrauchen. Dabei sollte man doch annehmen, dass man sich wenigstens bei solchen Freundschaftsdiensten Mühe gibt?

Ein ähnliches Muster zeigte sich beim Abriss des zweiten Schuppenteils ein paar Tage später, das heißt eine Mauer von zwei mal zwei Metern, bei der es sich um Hohlblocksteine gemischt mit Ziegelsteinen handelte.
„Hm, mit (elektrischem) Meißelhammer dauert das wohl einen halben Tag. Mit Vorschlaghammer einen ganzen,“ sagt der Große.
Soso.
Die meiste Zeit brauchte das Wegfahren des Schutts danach, die zweitmeiste Zeit das Leerräumen der Regale davor. Insgesamt dauerte die Aktion einen Nachmittag. Die Entfernung der Wand selbst brauchte 30 Minuten.

Das Freiräumen drumherum war allerdings mühselig, da sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte eine Menge Erde angesammelt hatte, und die musste abgetragen werden, um eine gerade Lagerfläche zu erhalten und um eine neue Mauer ziehen zu können, deren Vorgänger wohl vor langer Zeit einmal unter dem Einfluss der Erdmassen des höher liegenden Grundstücks dahinter und einiger Baumwurzeln eingestürzt war.
Hätte es sich nur um Erde gehandelt, wäre die Sache ja gut gewesen, aber zuerst zeigte sich, dass nicht geringe Mengen an grobem Schutt mit da lagen, dann entdeckten wir armdicke Wurzeln, und letztendlich legten wir ein kreisrundes Blech frei, in dem sich Erde, Bauschutt, und ein zusammengeknülltes Plastiknetz fanden. Was mochte das sein?

Leider handelte es sich nicht um das Versteck einer geplanten Altersversorgung des Vorbesitzers, sondern, wie einer der Nachbarn anmerkte, um die vermutlich erste Toilette, die das Häuschen irgendwann einmal erhalten hatte. Der viele Sandsteinschutt, der sich im Boden finde, sei außerdem damit zu erklären, dass der Hügel nach Mariahof hinauf, an dessen Fuß das Häuschen steht, am Ende und im Nachhinein des Kriegs als Abraumhalde verwendet worden sei. Wir wühlten also gerade in Kriegstrümmern.

Nach dem Freiräumen konnte die Estrichplatte des neuen Schuppens gegossen werden, und jedes Säckchen Estrich wiegt 40 Kilo. Eine knappe Tonne davon haben wir zur Verwendung für den Neubau vom Parkplatz herschleppen müssen.
Dass die Chefin oft günstiges Arbeitsmaterial einkauft, machte sich auch gleich im ersten Kübel bemerkbar, dessen Inhalt verrührt werden wollte: Der dafür vorgesehene Bohrer (mit aufgestecktem Quirl) signalisierte nach einer Minute mit stinkenden Rauchzeichen sein Ableben. Es musste also von Hand, beziehungsweise mit der Schaufel, gemischt werden. Der Kleine hatte wohl mal im Straßenbau gearbeitet, aber seine körperliche Leistungsfähigkeit reichte nicht aus, um den Estrich so anzurühren, dass das Endprodukt völlig durchfeuchtet war. Seufz. Also nahm ich mir die Schaufel und nahm mich des Problems an. Beim dritten Sack hatte ich die vor Jahren mal gelernte Technik wieder drin und es lief den Umständen gemäß ganz wunderbar, wobei der Kleine beim weniger fordernden Gießen und Glattstreichen gute Arbeit leistete.
Nebenbei lernte ich an dem Tag die Verwendungsfähigkeit von Malzbier als Energydrink zu schätzen, da der enthaltene Traubenzucker auftretende Energietiefs schnell überbrückte.

Ein anderer Nachbar der Gartenkolonie fiel mir übrigens weniger positiv auf, was nichts mit dem Umbau des Grundstücks zu tun hat, mich aber dennoch ärgerte, weil ich das Gefühl habe, dass man mich auf den Arm nehmen wollte.
Während ich den Schutt auf den Hänger lud, der am Vereinsheim der Kleingärtner bereitstand, rief mich der gerade mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigte Eigner eines Häuschens (neben jenem Vereinsheim) an: Ob ich einen großen Winkel dabei hätte.
Ich überlegte kurz, was der meinen könnte, sagte dann aber, dass ich ihm leider nicht helfen könne. Anstatt dass er dann sowas sagt wie „Schade, dann halt nicht“ oder „Okay, danke“, sah er mich weiter eindringlich an, als erwarte er, dass ich schnell einen „großen Winkel“ für ihn stricke oder sowas. Ich ging also davon aus, dass er noch was sagen wollte, so sahen wir uns etwa zehn weitere Sekunden lang an, und als nichts kam, ging ich einfach wieder.
Als ich ein paar Minuten später mit der nächsten Schubkarre zurückkam, rief er mich wieder an: Ob ich einen großen Winkel gefunden hätte. Dass ich nicht darauf kam, was der von mir wollte, und dass er sich nicht klarer ausdrückte, frustrierte mich nicht wenig, und um nichts unfreundliches zu sagen (sollte ich ihm alternativ ein UTM-Gitter anbieten?), gab ich ihm per Körpersprache zu verstehen, dass ich keine Ahnung hatte, von was er redet und ließ ihn erneut stehen.

Nicht, dass ich meine Arbeit nicht mögen würde, aber so langsam ist es genug. Ich verlange doch schon nicht mehr, als ein Dach über dem Kopf und saubere Hände. Ist das zu viel verlangt? Wohl kaum. Aber so manchem potentiellen Arbeitgeber schmeckt vielleicht mein Generalistenstatus nicht, und da ich kein konkretes Tätigkeitsfeld außerhalb des universitären Elfenbeinturms gelernt habe, verstehen sie womöglich auch meine Motivation nicht, genau bei ihnen zu arbeiten.
Ist seinen Lebensunterhalt ohne fremde Hilfe bestreiten zu können, etwa kein Grund? Natürlich will kein Arbeitgeber hören, dass es mir völlig schnuppe ist, wo ich arbeite, so lange ich meine geringen Ansprüche erfüllt bekomme, also sollte ich diesen Gedanken unter Verschluss halten.

10. Februar 2011

MAGNA! CUM! LAUDE!

Filed under: Uni — 42317 @ 13:53

Wenige Monate nach meiner leidlichen Magistrierung hat ein Schulfreund sein Promotionsverfahren bestanden und ich hatte die Ehre und das Glück, zur Thesenverteidigung anwesend gewesen zu sein.

Der Vortrag fand in Homburg auf dem Campus der Uniklinik statt, und hingefahren bin ich mit dem Rheinland-Pfalz-Ticket der Deutschen Bahn, das es für 21 E erlaubt, am Tag des Erwerbs innerhalb von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes alle Nahverkehrszüge zu benutzen. Wenn man bedenkt, dass eine gewöhnliche Fahrkarte nach Saarbrücken schon 15,80 E kostet, muss man das als Schnäppchen bezeichnen. Das Dumme ist halt, dass ich ein solches Ticket nicht für meine Besuche der Großeltern (mit dem oft eingeschobenen Spielnachmittag und -abend) verwenden kann, weil es nur am Erwerbstag gültig ist.

Ohne Wartezeit wechselte ich in Saarbrücken den Zug und befand mich zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung im sonnigen, aber auch zugigen und eisig kalten Homburg, wo, im Unterschied zu Trier, stellenweise auf Grünflächen noch Schnee lag. Hätte ich einen späteren Zug genommen, die im Zweistundentakt fahren, hätte ich jedenfalls nicht pünktlich erscheinen können. Ich „freue“ mich ja immer, wenn ich im öffentlichen Verkehr maximale Wartezeiten raushole.
Die halbe Stunde Fußmarsch vom Bahnhof zum Campus schlug immerhin etwas Zeit tot, und mit Ausnahme meines Gesichts war mir eigentlich recht warm wegen der Bewegung. Dazu kamen noch zwanzig Minuten, die ich an der Uniklinik brauchte, um das Gebäude zu finden, weil mich zwar ein erstes Schild hinter der Hauptzufahrt in die richtige Richtung wies, auf den danach folgenden Hinweisschildern dagegen das Gebäude Nr. 61 aber nicht mehr angegeben war. Ich ging also einmal zurück zum ersten Schild, um sicherzugehen, dass ich nichts übersehen hatte.

Ich hatte noch knapp mehr als eine Stunde Zeit, als ich endlich das Gebäude und darinnen den richtigen Hörsaal gefunden hatte. Ich las in einer Einführung in die Geschichte der menschlichen „Horizonterweiterungen“ von Asimov (Exploring the Earth and the Cosmos, 1982) und hörte nebenher eine Darlegung über irgendwelche Viren von zwei Studenten fünf Meter weiter, die wohl eine Prüfung vorbereiteten.

Um 1555 saß ich dann im Hörsaal. Abgesehen von den vier Prüfern befanden sich noch etwa ein Dutzend weiterer Zuhörer im Raum, zum Großteil seine Studienkollegen, aber auch seine Frau und der Sänger seiner Band, der mit mir der einzige im Raum war, der weder Computer- noch Naturwissenschaften studiert hatte.

Der Vortrag hatte keinen unkomplizierteren Titel als
„Development of a System for Optical High-Resolution Screening of Primary Cultured Cells“.
Ich kann nicht behaupten, einen Großteil der Ausführungen wirklich verstanden zu haben, aber immerhin erlaubte mir meine Allgemeinbildung, die Grundlagen über die Funktionen des Herzmuskels und von Zellen allgemein nachvollziehen zu können.

Es würde mir also schwerfallen, an dieser Stelle ein Protokoll zu verfassen, in dem es um eine automatische Versuchseinheit mit Muskelzellen in Nährlösung, um wechselnde Polarität von Reizstrom, und um ölabweisende („oleophobe“) Folien geht, die es erlauben, die Versuchsanordnung mittels einer darunter angebrachten Kamera, auf deren Linse ein Öltropfen schwimmt, zu filmen. Ich betone also, dass ich mich auf das beschränken muss, was mir auffallen konnte, und was in meinen verschwommenen Kompetenzbereich passte.

Bei all der Biologie ging nach meinem Ermessen beinahe ein bisschen unter, dass es in erster Linie gar nicht um Biologie, sondern um Informatik, das heißt um die Programmierung der Versuchssteuerung, und die verwendete Hardware ging.
Faszinierend war jedoch eindeutig die ölabweisende Folie (die für eine Anwendung in Olivenölflaschen wohl noch ein wenig unerschwinglich ist), und die Tatsache, dass erstmals viele kleine Behälter mit Nährflüssigkeit und Zellen verwendet wurden, anstatt eines (relativ) großen.

Ich kann die Gründe nur erraten, warum die Dissertation in englischer Sprache verfasst wurde. Ich nehme an, das dies damit zusammenhängt, dass so die Wissensvermittlung zwischen Saarbrücken und Yale (nur ein spontanes Beispiel) einfacher wird, wo doch die hochgebildete Akademikerkaste der USA für den Großteil wissenschaftlicher Publikationen auf diesem Planeten verantwortlich ist.
In Anlehnung daran wurde auch der Vortrag in englischer Sprache gehalten. Der einzige ernstzunehmende Grund, den ich mir dafür vorstellen kann, in Abwesenheit englischer Muttersprachler zumindest unter den Prüfern, ist, dass man dann einfach im Vokabular der Arbeit plaudern kann, ohne sich die Mühe machen zu müssen, sich auch noch die deutsche Terminologie anzueignen. Das ist nicht schlimm, ich habe das auch schon gemacht, damals zum spontan-unwirschen Unmut meiner späteren und aktuellen Freundin.

Wie dem auch sei, die Form des Vortrags war sehr gut, mit Stichpunkten und Bildern aus dem Beamer, die man auch in der letzten Reihe noch hervorragend sehen konnte, und einer schematischen Darstellung des Verfahrens, wie man Zellen, die nebeneinander oder übereinander liegen, als separate Zellen erkennt. Nur das Hören machte hier und da Probleme, weil kein Mikrofon verwendet wurde (und ich frage mich, ob der kleine Hörsaal überhaupt eine Soundanlage hat). Von mir jedenfalls eine „1-“ für die Form, das heißt „sehr gut mit kleinen Einschränkungen“ wegen der grenzwertigen Lautstärke.
„1-“ auch für „display of prowess“. Er schien nur an zwei Stellen, und das waren Rückfragen, kurz unsicher zu werden, zeigte im Großen und Ganzen aber Selbstbewusstsein und genug Gelassenheit, um auch mal zu sagen, dass die Frage zum aktuellen Zeitpunkt und Forschungsstand nicht beantwortet werden könne. Das klingt vielleicht nicht weiter bedeutend, aber viele Prüflinge (zumindest meiner akademischen Stufe) fangen bei Fragen, die sie nicht beantworten können, an, um den heißen Brei herum zu reden, um zum einen das Nichtwissen zu verbergen, und zum anderen in der Hoffnung, durch das bewusste „Wiederkäuen“ des vorhandenen Wissens vielleicht noch eine wenigstens halbwegs befriedigende Antwort zu finden.
Nein, ich glaube, das macht einen schlechteren Eindruck, als einfach zu sagen, dass man die Antwort nicht weiß (vielleicht auch nicht wissen kann), und zum nächsten Punkt überzugehen.

Das Englisch hatte Akzent, folgte aber korrekten Betonungsmustern und das Fachvokabular saß beeindruckend gut. Nur ein Detail im allgemeinen Vokabular fiel auf: Er meinte „Rede, Ansprache, Vortrag“ und sagte „talk“. Das ist nicht falsch (und der Biologiegelehrte unter den Prüfern verwendete das Wort ebenfalls in dieser Bedeutung), aber nach meinem Sprachgefühl hätte an dieser Stelle der Begriff „presentation“ mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit gepasst.
Das ist natürlich Korinthenkackerei. Ganz eindeutig sogar. Aber ich sagte ja, dass ich mich auf solche Punkte beschränken muss, die ich beurteilen kann.

Der Vortrag dauerte nur eine halbe Stunde, danach stellten die Prüfer noch 30 weitere Minuten lang Fragen, wobei der Biologe der fleißigste war – interessanterweise war mir dies vor ein paar Monaten genauso vorhergesagt worden, was bedeutet, dass die gewählte Optimierung der Vorbereitungsstrategie, anders als die schriftliche Arbeit mit mehr biologischem Fokus, tatsächlich wie der Schlüssel ins Schloss passte. Ebenfalls beeindruckend.

Nach kurzer Beratung vor dem Saal verkündeten die Prüfer das Ergebnis:
„Summa cum laude“ („mit größtem Lob“) für den Vortrag, „Magna cum Laude“ („mit großem Lob“) für die Dissertation, wegen der Gewichtung zu Gunsten der schriftlichen Arbeit insgesamt „Magna cum Laude“.

Einer Tradition der Fakultät folgend muss ein Doktorand seinen Talar selbst schneidern, und die Studienkollegen verewigen sich stickenderweise auf dem Rücken. Dazu erhielt er einen vorläufigen Doktorhut, der, ebenfalls einer Tradition entsprungen, etwas von einem Mobile hat, wobei die einzelnen Elemente – ein Modell der Versuchsanordnung, eine Computermaus, eine Gitarre, etc. – auf den Träger des Huts zugeschnitten wurden. Hinzu kam ein „Dr. House“ T-Shirt von der Gattin. Im Anschluss bilden wir eine lange Reihe, um die Glückwünsche zu übermitteln. „Magna cum Laude, Du Sack!“

War ja auch ein steiler Pfad, von dem demütigenden, aber scheinbar heilsamen, Schock des Sitzenbleibens in der neunten Klasse zum Magna cum Laude Doktor, der das Feld der Bioinformatik überhaupt erst mit aufbaut.
Hätte ich nicht damals mit echtem Eifer (und ohne egoistische Hintergedanken) ständig die Tafeln sauber gewischt (alle anderen Wischdienstleister, deren Pflicht ja durch die Klasse rotierte, hinterließen in ihrem nachlässigen Unwillen einen Grauschleier, der das Ablesen schwierig machte, also übernahm ich den Dienst allein), wäre ich in der neunten Klasse ebenfalls sitzengeblieben.
Meine Physiknote schwankte zwischen 4 und 5, mit Tendenz zur 5, aber der sonst strenge und oft cholerische Physiklehrer sagte (nach meiner Erinnerung wörtlich): „Eigentlich müsst ich Dir ne 5 geben… aber, hast die Tafel immer sauber gewischt, ich geb Dir ne 4.“

Hätte mir dieser Schock des absoluten Versagens ebenfalls genützt, mich die Kurve kratzen lassen und mich vor der mir anhaftenden Durchschnittlichkeit bewahrt? Ich weiß es nicht. Irgendwie glaube ich es auch nicht. Ich kenne mich ja. Ich wünsche mir nur, dass mir irgendwann mal jemand das effiziente Lernen beigebracht, und ich genügend Selbstreflexion besessen hätte, mein Verhalten zu erkennen und zu ändern.
Nu ja, das ist autobiografische Sentimentalität. Das kommt später mal, also zurück nach Homburg.

Im Anschluss an die Gratulationsrunde noch Speis und Trank in einem Besprechungsraum, Orangensaft und Sekt zum einen, kaltes Büffet zum anderen. Ich habe mich zurückgehalten – ich habe vermutlich mehr als die Hälfte, aber keine ganze Platte alleine gegessen. Obwohl das Angebot sehr verlockend die ganze Platte physisch möglich gewesen wäre.
Ich kann noch nicht mal sagen, was das alles war, weil ich die einzelnen Bestandteile nicht immer erkannt habe. Ich erinnere mich an Weißbrotschnitten mit Pizzabelag, gerollte gefüllte Pfannkuchenscheiben, Wurst im frittierten Teigmantel, irgendwo war Sauerkraut drin, Fleischbällchen, Käse-Trauben-Happen. Ein sehr leckeres Büffet war es jedenfalls. Nicht-kommerzielle Zubereitung eines Verwandten, also Hut ab.

Um 1830 machte ich mich auf den Rückweg, weil ich es natürlich wieder verpasst hatte, mir die Fahrzeiten vorher einzuprägen. Nach dem Rückmarsch, der bis auf einen roten (rosa) Wodka kotzenden Jugendlichen und seine zwei sich vor Lachen kugelnden Freunde ereignislos war, hatte ich eine halbe Stunde bis zum Zug, der am Stück nach Trier fuhr und mir so das Umsteigen ersparte.

5. November 2010

Abrechnung

Filed under: Japan,Uni — 42317 @ 13:28

Ich bin mit dem Stil der Betreuung der Magisterarbeit, wie sie Frau Scholz darbot, sehr zufrieden gewesen. Ich bin selbst völlig ideenlos, wie man ein Thema schlüssig aufzieht und gliedert, von daher hätte ich nie eine Abschlussarbeit schreiben können, wenn sie nicht nach jedem Arbeitsschritt in eine Richtung gedeutet hätte, in die ich meine Energien lenken konnte.
So weit, so gut. Was allerdings die Durchführung einer mündlichen Magisterprüfung anbelangt, so muss ich feststellen, dass Frau Scholz mir einen kräftigen Schubs in Richtung Abgrund gegeben hat.

Ich will die Prüfung nicht schönreden. Es gab da Details, die ich hätte wissen sollen, auf die ich aber nicht kam. Eine rationale Erklärung dafür, warum ein ganzes Jahrzehnt aus der Biografie Oda Nobunagas aus meinem Kopf wie ausradiert war, habe ich nicht.
Dann gab es da Sachen, die ich hätte wissen können, die ich mir aber nicht angeeignet hatte.
Zum Beispiel die Namen der Provinzen der Kinai Region zu der Zeit. Ich habe mich nicht explizit darum bemüht, sie mir zu merken, aber warum ich nicht einfach die nannte, die ich aus meinen Texten kannte? Vermutlich, weil dort nie explizit davon die Rede war, dass die von Nobunaga eroberten Provinzen eben jenes Kinai darstellten. Lamers hat den Begriff nie geklärt, ich dachte, es handele sich lediglich um das direkte Umland von Kyoto. Ich habe „Kinai“ nie bewusst mit dem umfassenden „Zentraljapan“ in Verbindung gebracht, obwohl nichts hätte eindeutiger erscheinen können. Erneut ein Akt mangelnder Kombinationsfähigkeit meinerseits.

Dann kam folgende Frage:
„Wo wurde Nobunaga geboren?“
„In der Provinz Owari.“
„In welcher Stadt?“
„Das weiß ich nicht.“
„Na, in Nagoya!“
„In Nagoya!?!“

Darauf hätte ich eine Antwort wissen können und sollen. Aber nur dann, wenn ich mir die Fußnote auf der entsprechenden Seite im Lamers gemerkt hätte – oder irgendetwas anderes, als das, was ich tatsächlich als gelesen angegeben habe. In meiner vorrangigen Quelle, Japonius Tyrannus, einer Dissertation des Niederländers Jerome Lamers aus dem Jahr 1998, ist auf Seite 32 folgender Abschnitt zu lesen (den ich aus dem Englischen übersetze):

„Oda Nobunaga wurde vermutlich am 9. Juli 1534 auf Burg Shobata in der Provinz Owari (heute Teil von Saori-chô in der Präfektur Aichi) geboren (Tenbun 3.V28).“

Dieser Satz führt zu folgender Fußnote:

„Shobata ist der wahrscheinlichste Geburtsort Oda Nobunagas, obwohl noch zwei andere Burgen hier und da genannt werden: Nagoya, das sich 1534 noch nicht unter der Kontrolle des Oda Clans befand, und Furuwatari, das zu jenem Zeitpunkt noch nicht gebaut war. (…)“

Mein Teil der Schuld: Ich hätte diese Textstelle explizit kennen müssen, aber ich hatte sie vergessen. Shobata ist kein Ort, der mir aus meinem weiteren Studium der japanischen Geschichte bekannt wäre, von daher ist er meinem Gedächtnis wieder entschlüpft. Aber Nagoya? Nagoya ist eine der bedeutendsten Städte Japans und jedermann kann seinen Arsch darauf verwetten, dass ich Nagoya nicht vergessen hätte, wenn es als der definitive Geburtsort angegeben gewesen wäre!
Und damit fing das Drama erst an.

„Welche Taktiken hat Nobunaga verwendet?“
Mir fällt die Schlacht von Nagashino 1579 ein: „Nobunaga hat unter anderem Gräben und Palisaden verwendet.“
„Nein, denken Sie doch mal an Arkebusen.“
„Ich weiß, dass er Arkebusen massenhaft einsetzte…“
„Ja, er hat sie in Wellen eingesetzt… während die erste Reihe nachlud, feuerte die zweite und so weiter.“
Diese Detailinformation ist in keiner meiner Quellen enthalten. In KEINER.
Was eindeutig drin steht, ist, dass Nobunaga bei Nagashino einen langen Wall errichten ließ, dessen linke Grenze die Felsen eines Bergfußes war, und dessen rechte Grenze von einem Fluss gebildet wurde. Die feindliche Kavallerie war somit nutzlos und verblutete in Frontalangriffen auf die Palisaden, hinter denen mehrere Tausend Schützen die Sturmabwehr übernahmen. Meine Aussage war nicht falsch, nur nicht das, was sie hören wollte.

Fast ebenso verlief folgender Dialog:
„Wer ist Matsudaira Motoyasu?“
„Den Namen habe ich noch nie gehört. Ich weiß nur, dass Tokugawa Ieyasu früher mal Matsudaira hieß…“
„Ja, genau, Matsudaira Motoyasu ist Tokugawa Ieyasu.“
Auch das steht in keiner der Quellen, die ich für die Prüfung angegeben habe. Dass Tokugawa mal Matsudaira hieß, hatte ich nebenläufig irgendwo aufgenommen und es mir als Kuriosum gemerkt (zusammen mit der Information, dass er angeblich seinen Stammbaum fälschen ließ, um eine entfernte Verwandtschaft zur Kaiserfamilie zu konstruieren – eine Voraussetzung, um der Shôgun werden zu können und der Grund, warum sein womöglich weniger skrupellose Rivale Toyotomi Hideyoshi es nicht wurde).

Es zeigten sich noch andere Wissensdifferenzen:
Nach meinem Wissen, das ich aus dem Lamers habe, hat Oda Nobunaga die Tochter seines Rivalen Saitô Dôsan geheiratet, der ihn daraufhin bis zu seinem Tod unterstützte. Saitôs Sohn und Nachfolger wandte sich dann allerdings gegen Nobunaga. Laut Frau Scholz war aber auch Saitôs Sohn mit Nobunaga verbündet, und erst dessen Sohn habe sich dem Bündnis der Gegner Nobunagas angeschlossen.

„Nobunaga hat also den militanten Buddhismus bekämpft – wem nutzte das?“
„Letztendlich nutzte es Tokugawa Ieyasu, der als einziger Machtblock übrig blieb.“
„Nein, es nutzte den Jesuiten.“
In der Situation habe ich nicht schnell genug gedacht, um zu widersprechen. Denn nach meiner Quellenlage war diese Aussage schlicht falsch. Die Jesuiten glaubten lediglich, sie würden von der Niederlage der buddhistischen Sektierer profitieren, aber sie taten es nicht. Ihre 30 Jahre währende Bekehrungsmission auf Honshû hatte bis Anfang der 1580er Jahre eine Menge Geld gekostet, aber so gut wie nichts erreicht. Nobunaga bediente sich der Jesuiten, der exotischen Ausländer, um als Gönner aufzutreten, um seinen Ruf und seinen Ruhm zu steigern, aber er hatte kein Interesse daran, die Jesuiten irgendwelche Macht erlangen zu lassen und wusste es zu verhindern. Wegen seiner Gunst betrachteten die Jesuiten Nobunaga als „Christenfreund“, während er eigentlich bekennender Atheist war, und nur sehr oberflächliche Bindungen an die Lotussekte unterhielt. Er hatte auch gar nichts gegen Buddhisten oder andere Religionen. Er hatte nur was gegen Leute, die sich seinem Machtanspruch in den Weg stellten. Die Jesuiten waren eine Art behütetes Haustier. Profitiert haben sie von der Zerschlagung der mächtigen Sekten in keiner Weise.

Ich weiß nicht, welche Quellen Frau Scholz zur Vorbereitung meiner Prüfung verwendet hat – die auf meiner Literaturliste waren es jedenfalls nicht. Fragen zu dem zusätzlichen Aufsatz über den konstruierten Mythos der Samuraitreue bekam ich jedenfalls nicht gestellt. Am Platz von Frau Gössmann lagen alle Bücher, die ich für ihre Themen ausgeliehen hatte. Frau Scholz begnügte sich bei der Durchführung zur Inspiration für Fragen scheinbar mit dem Artikel in der englischen Ausgabe der Kôdansha Enzyklopädie, die ich nicht verwendet hatte.

Zur Verbesserung dieser Darstellung habe ich auf das Prüfungsprotokoll zurückgegriffen, das ich einsehen, aber nicht kopieren darf. Besser gesagt: Ich wollte darauf zurückgreifen. Das Protokoll ist nämlich nur eine extrem kurze Notizensammlung, deren Wert sich auf den kurzen Moment nach der Prüfung beschränkt, weil man wenige Tage später die Details, die man zur Füllung der Lücken des Protokolls benötigt, wieder vergessen hat. Das Protokoll hatte keinen informativen Wert mehr. Zuletzt war der Lamers nach meinem Abschluss über Wochen ausgeliehen, sodass ich erst vor kurzem meine Zweifel habe prüfen können. Und ich hatte Recht mit meinen Zweifeln – na besten Dank!

15. August 2010

Das Jahrzehnt ist zu Ende

Filed under: Sport,Uni — 42317 @ 0:37

Dieser Song kam mir heute spontan in den Sinn, und ich glaube, er trifft meine momentane Stimmung recht gut:

Alles gelaufen, alles vorbei, ich brauch nur noch mein Zeugnis und dann ist Ende mit Uni. Freitag nach der Prüfung hab ich den ganzen Tag nur StarCraft gespielt. Ein ganz neues Gefühl, ohne schlechtes Gewissen Zeit verplempern zu können.

Mein Schulkamerad 001 hat mir zwar empfohlen, nach der Prüfung was zu machen, an das ich mich mein Leben lang erinnern würde… aber das Wegbrechen des Prüfungsdrucks machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Ich wollte nur meine Ruhe haben. Das unvergessliche Erlebnis am letzten Prüfungstag stellte sich zum Abend ein: Der Türmechanismus ging kaputt. Die Klinke griff den Riegel nicht mehr. Ich versuchte, die Tür auszuhebeln, aber das ging leider nicht. Ich versuchte, den Riegel mit einem Schraubenzieher zu erreichen, aber auch das schlug fehl. Die Tür öffnet nach innen, in dem Fall zu mir, also konnte ich sie nicht eintreten. In der Situation griff ich zum Werkzeugkasten, nahm den Hammer raus und schlug das Schloss aus der Tür – Pappmachée mit Laminatüberzug. Ich hoffe mal, dass das nicht allzu viel kostet, aber Geldspenden nehme ich gern entgegen. 🙂

Samstag bin ich sechs Stunden durch die Gegend geradelt. Über Gusterath nach Riveris und von Waldrach zurück nach Kürenz. Ausschlafen wollte ich eigentlich. Stattdessen war ich um sechs bereits hellwach und bin um sieben aufgestanden. In den letzten Jahren habe ich mich nach dem Aufwachen grundsätzlich wie durchgekaut und ausgespuckt gefühlt. Scheinbar hat der Schlaf jetzt als Realitätsflucht ausgedient. Ich fänd’s jedenfalls toll, wenn ich öfters so früh aufwachen und vor Energie schier platzen könnte.

Das Aufladen der Batterien meiner Kamera habe ich jedenfalls vergessen, und deshalb gibt’s von der Tour leider keine Bilder. Dabei habe ich ausgerechnet bei Bonerath etwas gesehen, was mir noch nie zuvor untergekommen ist: Ein Wegkreuz zur Erinnerung an den Krieg von 1870-71. Aber ganz allgemein ist die Gegend da schön. Und die Leute scheinen mir wesentlich freundlicher als in der Stadt.

Ganz in der Nähe von Bonerath liegt die Riveris Talsperre, und da wollte ich als Zwischenziel hin. Nun gibt es in Bonerath zwar die Bushaltestelle, die viel sagend „Talsperrenblick“ heißt, aber von dem See ist von dort rein gar nichts zu sehen.

Und als ich da unentschlossen in der Gegend rumstand, ob ich links oder rechts fahren sollte, kam ein älterer Anwohner auf mich zu und fragte mich ganz unvermittelt, wo ich denn hinwolle und ob er mir weiterhelfen könne.

Letztendlich bin ich dann links runter gefahren, über einen reichlich holprigen Wanderweg, bis nach Waldrach immer bergab. Und dort stand ich wieder vor der Wahl „links oder rechts“. Nach rechts ging’s nach Ruwer, nach links zur Anhöhe oberhalb von Tarforst. Der Weg nach Ruwer war mit sechs Kilometern angegeben, und es würden wohl nochmal so viele Kilometer bis nach Hause sein. Der linke Weg war kürzer, dafür aber mit einer kilometerlangen Bergstrecke gesegnet.

Wie es meine Art ist, wählte ich den Weg des Schmerzes. Manchmal muss man mit sich kämpfen und auch mal ans Limit gehen. Was ich auch haargenau schaffte. Als ich in Korlingen ankam, war mir kotzübel. Über den letzten Bergkilometer musste ich an jedem Straßenpfosten kurz verschnaufen, weil ich kaum noch einen Schritt machen konnte, der mich nicht viel Überwindung kostete. An Fahren war nicht zu denken. Dafür reichte der Saft nicht aus. Muskelschmerzen hatte ich keine, nur die Energie ging zur Neige. Das mit dem klar Sehen wollte auch nicht mehr so klappen. Mein Sehfeld verdunkelte sich immer wieder etwas, und mein Kopf fühlte sich so dröge an, dass ich mich des Bedürfnisses erwehren musste, mich einfach so in die Wiese fallen zu lassen.

Zuhause zuerst das Fahrrad wankend in den Keller gestellt. So hinüber habe ich mich auch lange nicht mehr gefühlt. Aber es war ein körperliches „Hinüber“, und das ist viel besser als das seelisch-moralisch-psychische Hinüber der letzten Jahre. Ich bin ausnahmsweise mit dem Lift nach oben gefahren, danach eine Birne essen, Brot schmieren, ein Nickerchen, einkaufen, Grillen. Es war die beste Birne, die ich seit langem gekostet habe.

Montag ist Arbeitsamt angesagt. Die werden mir wohl mal meine Krankenkassenbeiträge abnehmen und zumindest einen Teil meiner Miete zahlen. Ich kann, bis ich eine Anstellung finde, mit Hartz-IV nur besser dran sein, als es in den vergangenen Jahren der Fall war, wo ich im Monat ein „freies Geld“ von ein paar Dutzend Euro hatte, die von Nebenkosten- und Versicherungsrechnungen aufgefressen wurden. Mein gesamtes Barvermögen beträgt derzeit nicht einmal 700 Euro. Aber ich fühle mich ungleich freier jetzt.

21. Juli 2010

Wir stolpern weiter den Weg entlang

Filed under: Uni — 42317 @ 17:31

Mein mündliches Examen in der Japanologie habe ich heute bestanden. Zum Thema Nobunaga fand ich mein Gehirn wie freigepustet. Es wäre sinnvoll gewesen, eine Zusammenfassung der Zusammenfassung zu lernen, so hatte ich Schwierigkeiten, mich auf die grundlegendsten Daten zu besinnen. Der Teil zur japanischen Bildung ging zu Beginn etwas holprig, war zum Ende hin aber ganz solide, und erst der Abschnitt Populärkultur/Anime riss den Karren noch aus dem Dreck. Eindeutig kein Glanzstück, aber bestanden.

Inoffiziell wurde mir auch mitgeteilt, dass meine Magisterarbeit zur Erreichung des Studienziels ausreichend sei. Die Arbeit weist erhebliche Mängel bei der Einhaltung wissenschaftlicher Arbeitsstandards auf – was mir nie jemand bewusst gemacht hat. Kann es denn sein, dass alle meine Hausarbeiten der vergangenen Jahre nur oberflächlich durchgeblättert worden sind? Aber gut, ebenfalls kein Glanzstück, aber scheinbar bestanden. Der schmückende Rest kann bleiben, wo er will.

Noch drei Wochen Durchhalten, und dann hoffe ich, vom akademischen Arbeiten für den Rest meines Lebens verschont zu bleiben.

16. Juli 2010

Das Wort zum Dreiunddreißigsten

Filed under: Filme,Japan,My Life,Uni — 42317 @ 14:42

Auch dieses Jahr mein Dank an alle, die an mich gedacht haben.
Am frühesten dran war mein Kamerad aus Stuttgart, der mich um acht Uhr morgens nur deshalb nicht geweckt hat, weil just in diesem Moment der Tee vom Abend zuvor wieder raus wollte. Meine Großeltern waren dennoch ebenfalls früh dran und riefen mich um etwa halb Neun an.

Ich habe auch eine sehr interessante Mail von dem Freund erhalten, dessen Namen ich ja auf seinen Wunsch hin nicht im Blog nennen darf. Er hat ganz eindeutig Recht: In der Examensvorbereitungszeit erlebt man die kleinen Dinge des Alltags zum Teil sehr intensiv, und man sollte das nutzen, um besondere Erinnerungen zu schaffen. Ich muss mir noch überlegen, was ich direkt nach der letzten Prüfung am 13. August tun werde.

Ich weiß sehr wohl, welche Spiele ich seit Jahren mal wieder spielen wollte, welche Fernsehserien ich unbedingt noch einmal sehen muss, und welche Flasche Wein ich zum Anlass (oder im Falle) der Übergabe meines Abschlusszeugnisses öffnen werde, aber das ist ja nichts, was man eben mal schnell direkt nach der Prüfung macht.
Hey, vielleicht setze ich mich sofort hin und schreibe eine kurze Zusammenfassung meiner Eindrücke der letzten 10 Jahre? Es ist natürlich möglich, dass ich erst mal ins Bett falle und zwei Tage lang schlafe, aber das muss ja nicht sein, wenn es sich vermeiden lässt.

Der Anruf vom Kameraden Ritter dann tags drauf. Dem geht’s scheinbar gut, Familie gesund, auf dem Sprung zum Verwandtenbesuch am anderen Ende der Welt, und demnächst auch mal wieder berufsbedingt in Wittlich. Dann können wir das TV-Programm ja alsbald absprechen.

Angerufen hat auch mein Vater. Der erzählte, er mache gerade eine künstlerische Pause beim Malen – und habe sich stattdessen zur Abwechslung dem Schreiben zugewandt. Damit schließt sich gewissermaßen eine Lücke, denn auch sein Vater hat in seiner Freizeit kleine Gedichte geschrieben (ich frage mich, ob davon etwas erhalten geblieben ist?), und ich tue es schließlich ebenfalls. Natürlich sucht er einen Lektor, und ich werde das in vier Wochen gern übernehmen. Ich bin auch sehr gespannt, was das wird. Auf Anhieb klingt es nach proletarischer Literatur ohne Einfluss von Marxismus. 🙂

Der Vollständigkeit halber will ich auch die SMS von Karl erwähnen. Da stand nichts Welt bewegendes drin, so wie Karl kein Mann für Welt bewegende Worte ist, aber immerhin eine SMS. Besten Dank.

Der Esszimmertisch bog sich geradezu unter den Geschenken. Melanies Mutter schenkte mir zwei DVD Boxen, „Millenium Actress“ und eine Sammlung von Kurosawa Filmen. Dann bekomme ich auch endlich „Yôjimbô“ zu sehen, nachdem ich bislang nur die Remakes gesehen habe: „Für eine Handvoll Dollar“, „Last Man standing“, und „Sukiyaki Western Django“. „Rashômon“ und „Kagemusha“ sind in der Fünferbox leider nicht drin, aber da ich ohne die nicht in Frieden sterben kann, müssen die auch noch irgendwann in meinem Besitz landen.

Ricci schenkte mir die DVD Box „Band of Brothers“. Ich hab mich sehr gefreut, auch wenn ich mir ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen konnte.

Von Melanie kamen „Der 13te Krieger“„Erleuchtung garantiert“ und „Soweit die Füße tragen“, in der Filmfassung von 2001. Über „Erleuchtung garantiert“ muss ich bei Gelegenheit einen eigenen Blogeintrag schreiben.
Ja, „Der 13te Krieger“ ist bestimmt kein Meisterwerk an Charakterdarstellung und erzählerischem Tiefgang. Ich muss zugeben, dass ich den Film in erster Linie deshalb interessant finde, weil hier auf originelle Art und Weise der Spracherwerb jenes Dreizehnten aufgezeigt wird – er ist der arabische Ausländer unter einem Dutzend Skandinaviern. Die reden Norwegisch (nehme ich zumindest an), aber im Laufe der Reise mischen sich immer mehr Begriffe in ihre Dialoge, die der Hauptcharakter, und damit der Zuschauer, versteht. Coole Idee vom Regisseur, oder von wem auch immer der Einfall kam. Aus Sicht der Spracherwerbsforschung sicher nicht ganz lupenrein (immerhin schlussfolgert er im Laufe weniger Monate linguistische Inhalte aus der vagen Körpersprache der Beteiligten), aber wenn man ihm einen hohen Grad an Intelligenz und Intuition zuordnet, ist die Darstellung vertretbar, denke ich.

Von meinem Häuslebauer bekam ich einen Akkuschrauber – einen Ixo von Bosch. Passt in jede Hosentasche und der Akku hält so einiges her. Zwei Aufsätze, um rechtwinklig und nah an Innenkanten schrauben zu können, sind auch dabei. Ich habe den Großteil der Wärmedämmplatten mit einem solchen Ding angeschraubt und fand das Gerät super. Ich hätte allerdings weder gehofft noch gewünscht, einen geschenkt zu bekommen. Aber der Mann war so zufrieden mit meiner Arbeitsleistung (ich fasse das später noch zusammen), dass er mir so ein Ding schenkte (und diverse andere Dinge, u.a. einen Pullover zum Arbeiten im Winter und zwei Gläser Marmelade von seiner Frau). Gut, dass ich vier Tage später Geburtstag haben würde, war ihm in dem Moment vielleicht nicht klar, aber das Timing war für mich jedenfalls unbeschreiblich.

Dann war da noch das schwere Paket aus Stuttgart. Ich will allerdings an dieser Stelle nichts über den Inhalt verraten, da ich mir über den rechtlichen Status nicht ganz im Klaren bin. Loose Lips sink Anime Clubs, also bin ich mal still und füge den Gegenstand nach einer Stunde auspacken und zusammensetzen meiner Reliquiensammlung im heimatlichen Keller hinzu.

Mit der Spielgruppe hatte ich für den Abend ein zwangloses Grillen angeleiert, und wie sich das für mein nur minimal vorhandes Konto an Glückspunkten nunmal gehört, musste es am Nachmittag natürlich kräftig regnen, und auch der Abend blieb von Regen nicht ganz verschont. Wir zogen uns also unter das Vordach am Hintereingang zurück. Wir haben auch nur ganz wenige Leute daran gehindert, auf dem bequemsten, direkten Weg ins Haus zu gelangen (die mussten halt im Bogen um unsere Sitzgruppe herum gehen), und es hat auch nur einer wegen des Geruchs sein Fenster zugemacht. Bei der Gelegenheit bekam ich von Volkers Vater noch eine Flasche toskanischen Wein geschenkt. Dann schaun wir mal, wie sie in zehn oder vielleicht auch erst in 20 Jahren schmeckt.
Eigentlich muss ich dem Regen auch dankbar sein, denn dann wars auch nicht so schrecklich heiß den Tag über, und ich komme wegen der Hitze mit meinen Examensvorbereitungen schon quälend genug voran. So wars ein angenehmer Tag, und ich werd ihn gern in Erinnerung behalten.

11. Juni 2010

Der Marathon geht weiter

Filed under: Spiele,Uni — 42317 @ 15:34

Ich bin noch da. Das wissen die meisten meiner Abonnenten natürlich auch so, aber vielleicht schreibe ich mal was für zwischendurch?

Am 31. Mai habe ich mein mündliches Examen in der Anglistik bestanden, was ich zwei Wochen davor noch für unmöglich gehalten hatte. Denn zum einen bin ich drei Wochen mit der Arbeit hinterher, die sich immer wieder verzögerte, weil ich den Bettelkram einfach nicht mehr sehen konnte, aber auch die Tatsache, dass ich mindestens zwei Tage der Woche zum Bestreiten meines Lebensunterhalts brauche, spielt da eine gewisse Rolle. Aber zum ersten Mal seit Jahren habe ich das Gefühl, dass das Gesamtunternehmen „Hochschulabschluss“ irgendwie zu machen ist.

Gedacht war eigentlich, Anfang Mai bereits mit den Vorbereitungen für das Examen in der Japanologie zu beginnen, aber so wie es gelaufen ist, musste ich meinen Prüfungstermin in der Anglistik vom 21. auf den 31. Mai verschieben, weil ich sonst nicht fertig geworden wäre. Das ist dann auch nur unter sträflicher Missachtung des sprachhistorischen Teils gelungen, und am Ende fehlten immer noch zwei Stunden um den kompletten Rest wiederholen zu können.

Ich habe ein Stressbewältigungsseminar in Anspruch genommen, bei dem es allerdings „nur“ um Vorbereitung von Vorträgen ging. Aber das war immerhin etwas. Leider waren die angesprochenen Verfahren mir bereits bekannt, oder aber ich war nicht der rechte Typ dafür, wie zum Beispiel Assoziationslisten: Man denke sich ein Thema, hole einmal tief Luft, und schreibe dann innerhalb von drei Minuten so viele damit zusammenhängende Begriffe wie möglich auf ein Liste, die alphabetisch von A bis Z angeordnet ist. Da meine assoziative Spontaneität gegen Null strebt (mir fällt nie was ein, wenn mich jemand fragt, ob ich noch Fragen habe), kriege ich vielleicht vier oder fünf Begriffe hin, sofern wir nicht über ein Thema reden, über das ich WIRKLICH Bescheid weiß.

Ich konnte aus dem Seminar nur wenig, aber immerhin etwas, zum Thema Vermeidung von Blackout mitnehmen. Ich entschied mich daher für eine Einzelsitzung mit der Leiterin – ein verpatztes Examen würde mich mehr kosten als die veranschlagten 15 E. Ein paar Tage zuvor gibt man ein paar Assoziationslisten ab, und beantwortet auf einem Fragebogen Fragen zur eigenen Meinung zur Prüfung, und wie man den Prüfer einschätzt. Auf dieser Basis wird die Sitzung dann vorbereitet.

Ich bin nicht sicher, ob das alles meine Bedürfnisse befriedigte. Ein wichtiger Punkt waren psychologische Kniffe, wie man einem Unzulänglichkeitsgefühl entgegenarbeitet. Dabei habe ich keine Minderwertigkeitskomplexe, auch nicht angesichts meiner Gewissheit, dass ich nicht zum Akademiker geboren bin. Ich bin mir dank guter Freunde über meine Qualitäten durchaus im Klaren, was mich ein bisschen drückt, ist nur der Eindruck, dass es sich nicht um Qualitäten handelt, die man in konkrete Jobchancen umrechnen kann.
Eine weitere Sache ist die Aufbesserung der subjektiven Wahrnehmung:
„Woran denkst Du vermutlich, wenn Du am Morgen der Prüfung aufstehst?“
„Vermutlich an ein Begräbnis.“
„Was ist für Dich das optische Gegenteil von einem Begräbnis?“
„Äh… vielleicht… ein Sonnenblumenfeld?“
„Gut! Wenn Dich das Bild vom Begräbnis überfällt, dann denk an ein Sonnenblumenfeld.“
Oder:
„Lachen hebt das Lebensgefühl. Druck Dir ein paar Witze aus, und wenn Deine Stimmung zu düster wird, dann lies Dir ein paar durch und lach mal.“

Das mit den Witzen habe ich nicht getan… aber der Gedanke an Sonnenblumenfelder, als ich vor der Bürotür der Dozentin saß, ließ mich doch lachen.

Am wichtigsten war aber meines Erachtens, die Prüfungssituation einmal durchzugehen, ein Rollenspiel. Also kurz vor die Tür gehen, hereingerufen werden, förmliche Sprache, Begrüßungsfloskeln, und die Aufforderung „Erklären Sie doch bitte mal, was XYZ ist.“ In meinem Fall „ein Korpus“. Ich redete auf Anhieb sechs Minuten lang, mit ein paar Sekunden Pause ab und zu, um den weiteren Redefluss zu koordinieren. Ich glaube, es hat mir sehr geholfen, die Situation ansatzweise schon mal erlebt zu haben, und auch noch erfolgreich hinter mich gebracht zu haben. Der Zuschuss an Selbstbewusstsein gab den Ausschlag, um das Lampenfieber klein zu halten.

Am Sonntag vor der Prüfung bin ich ganz von zuhause ausgerissen, um mir meine gesammelten Audiodateien beim Spazierengehen anzuhören. Ich arbeite diesmal mit einem neuen Verfahren des Lernens: Ich leihe Bücher aus oder kopiere sie, anstatt aber Textstellen nur anzustreichen, spreche ich sie in ein Mikrofon und nehme sie als MP3 Dateien auf, die ich zwecks Wiederholung dann beim Spazierengehen anhöre. Allein die Aufnahmen für die Anglistikprüfung belaufen sich (ohne die Hörtexte der Canterbury Tales) auf über neun Stunden. Ich hatte allerdings am Ende nur zwischen sieben und acht Stunden Zeit, bevor ich ins Bett gehen sollte, denn ausgeschlafen sein ist besser, als auch noch die letzten beiden Stunden irgendwie in den Kopf zu pressen.

Diesen Zeitraum verbrachte ich auf dem Petrisberg, nicht wenig davon auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau, wo ich den vermutlich coolsten Spielplatz, der mir je unter die Augen gekommen ist, vorfand.

Ich erinnere mich mal eben an die Zeiten vor über 25 Jahren:
Wir haben alle gern im Sandkasten gespielt, aber leider blieben die Kanäle, die wir gruben, immer trocken. Eine Gießkanne mit Wasser, um Flüsse zu simulieren, wurde nur ganz selten gewährt oder war gar nicht greifbar, und wenn doch, dann versickerte das Wasser recht schnell. Meist wurden Flüsse mit Hilfe des trockenen Oberflächensands simuliert.
Auf dem Petrisbergspielplatz gibt’s dagegen Wasser genug, und das ganze System ist sogar darauf ausgelegt, als Gruppe mit Arbeitsteilung zu agieren.

Ich weiß nicht, wo das Wasser hier oben genau herkommt, aber es macht einen sauberen Eindruck. Wie man sehen kann, holt man es auf drei Arten ins Spielsystem:

Das Rad läuft durch ein kleines, mit Wasser gefülltes Becken. In dem Rad sind becherförmige Schöpfer angebracht. Sie nehmen Wasser aus dem Becken auf und schütten es auf eine Rampe aus, womit sich die obere Kippe füllt, die sich bei entsprechendem Füllstand in die untere ergießt (die nach dem gleichen Prinzip funktioniert), und über die gelangt das Wasser dann in die Kanäle der Bodenkonstruktion. Die Fließrichtung des Wassers kann man dabei grob mit den Gummisperren beeinflussen, die man auf dem Bild erkennen kann.

So mancher Besucher geht allerdings mit etwas Ungeduld an das System heran. Dreht man das Schöpfrad zu schnell, trifft das Wasser aus den Bechern nicht die Rampe Richtung Kippe, sondern geht darüber hinaus und landet gleich wieder unten im Reservoir. Dieses ist auch nur in der Lage, so-und-so-viel Wasser pro Zeiteinheit abzugeben, das heißt, wenn man zu schnell am Rad dreht, trifft man wegen der Fliehkräfte nicht nur die Rampe nicht, sondern kriegt die Schöpfbecher erst gar nicht voll, weil der Pegel im Reservoir nicht schnell genug wieder steigen kann.

Dann gibt es da ganz gewöhnliche Handpumpen:

Immerhin treiben sie ein kleines Wasserrad an. Ich glaube, das ist für den Spaßfaktor nicht ohne Bedeutung, aber ich habe auch gern an solchen Pumpen gespielt, die kein Rad hatten. Der Brunnen an einer der Wanderhütten in der Nähe meines Heimatorts war ein Fixpunkt meiner Waldwanderungen, wenn ich im heißesten Sommer zu Fuß zu etwa zehn Kilometer entfernten Spielnachmittagen aufbrach. Ich muss bei Gelegenheit mal prüfen, ob die Pumpe noch da ist…

Im Hintergrund des Bildes kann man übrigens etwas sehen, was ein bisschen wie ein Marterpfahl aussieht, aber es handelt sich ebenfalls um eine Art Brunnen. In den Holzpfahl sind metallene Wasserröhrchen eingebaut, und der Pfahl steht in einem Becken von vielleicht 80 auf 80 cm. An der Außenseite befinden sich Plastikknubbel, zwei an jeder der beiden zugänglichen Seiten, und wenn man diese pumpend mit dem Fuß betätigt, beginnt Wasser aus den Rohren zu sprudeln, das dann ebenfalls in den Holzkanälen landet.

Zuletzt ist da noch etwas, das optisch mehr herhält, als seine Bedienung Spaß macht:

Ich glaube, das nennt sich „Archimedische Schraube“. Man dreht mal wieder am Rad und schöpft damit im Becken Wasser ab. Das Wasser kommt in Wasserglasmengen oben an und läuft über eine Rinne in ein Drehrad, das so ein bisschen wie eine Turbine aussieht. Man kann es wegen des Aufnahmewinkels leider nicht sehen. Es ist jedenfalls nicht möglich, schnell genug Wasser zu schöpfen, um diese „Turbine“ in Gang zu setzen, weil die in Intervallen ankommende Wassermasse dazu nicht ausreicht. Dem entsprechend gering fiel im Zeitraum meiner Beobachtung das Interesse an den Schrauben aus.

Von jedem dieser Konstrukte gibt es zwei, und sie leiten ihr Wasser erst einmal in das bereits erwähnte Kanalsystem.

Die Kanäle leiten das Wasser in hölzerne Rinnen, die ich in den Alpen bereits gesehen zu haben glaube.

Ganz klar, dass die Spielkinder bereits Sand in die Rinnen geworfen haben, um zu sehen, wie er wieder weggespült wird. Stattdessen hält er sich hartnäckig. An dieser Stelle habe ich den Sand mal in die Hand genommen und fand ein sehr feinkörniges Produkt vor, dass sich wirklich toll anfühlte, kein Vergleich zu dem gröberen Bausand, den ich in meiner Kindheit in Kindergartensandkasten und am Spielplatz hatte.

Über die Rinnen landet das Wasser dann im Sandbecken, und ich habe leider verpasst, eine Gesamtaufnahme davon zu machen. An jenem Tag war nicht so wirklich viel los, es regnete zeitweise und es war auch sonst eher bewölkt. Mit entsprechendem Arbeitseinsatz kann man den Sandkasten jedenfalls zu einem Tümpel machen, zur Freude der Kinder, und möglicherweise zum Grauen der Eltern, denen das Waschen der Kleidung obliegt, aber Beobachtungen an einem sonnigen, warmen Tag haben gezeigt, dass der Spaß der Kinder ein bedeutender Motivationsfaktor für die Wäscher und ihre Toleranz ist.

Und, ganz wichtig: An diesem Spielplatz lassen sich Sonnenschirme aufspannen. Wenn ich da an meinen Spielplatz denke… ich muss mich direkt wundern, dass da nicht öfter „Fremdenlegionäre im Wüstenfort“ gespielt wurde. Dort gab’s nur pralle Sonne und heißen Sand. Schatten war in den Büschen am Rand des Spielplatzes, in der rostigen Lokomotive und unter der Rutsche gegeben. Aber auf dem Petrisberg gibt’s nicht nur Spielwasser, sondern auch Trinkwasser: Neben den Pumpen, Schrauben und Schöpfern steht ein Brunnen aus Edelstahl, aus dessen Rohr feinstes Trinkwasser strömt, und nicht so eine Durst machende Kalklösung wie bei uns zuhause im Gau, und geschmacklich auch besser als das Leitungswasser im Apartmentblock gegenüber der Uni.

Der Sandkasten am Petrisberg bietet fest integriertes Spielzeug. Unter diesem hier kann ich mir nicht so recht was praktisches vorstellen, obwohl die Funktionsweise eigentlich klar ist:

Aber von weit größerem Interesse sind diese Dinger hier:

Irre, oder? Die haben Bagger im Sandkasten. Nicht diese einkaufstütengroße Mickey-Mouse-Kacke aus Plastik mit der Schaufelkapazität eines Eierbechers, sondern aus Metall, wo man mit echtem Körpereinsatz dran rummachen kann. Okay, sie können ihren Standort nicht ändern, aber auch ein Sechsjähriger kann die Ausrichtung verändern und 360° um sich herum Sand schaufeln (und Wassergräben anlegen), wie’s ihm Spaß macht. Alles, was fehlt, ist die Kurbel, mit der man das Teil vom Sitz aus schwenken kann. Man muss halt absteigen und drücken.

Von meinen sieben Stunden habe ich ca. zwei Stunden am Wasserrad zugebracht, das ist sehr beruhigend. Und noch einmal eine halbe Stunde in dem Bau nebenan, aus dem die Röhrenrutsche rausragt, weil es ganz heftig zu regnen begann. Ansonsten war ich in der Gegend unterwegs, meist auf befestigten Wegen, und entdeckte bei dieser Gelegenheit den Trierer Standort des Deutschen Wetterdienstes.

Irgendwann habe ich auch die Gärten der Trierer Partnerstädte bewundert (Italiener haben scheinbar mehr Ahnung von Gärten als Briten), darunter den kleinen japanischen Steingarten, der von der Stadt Nagaoka gesponsert wurde. Das heißt allerdings nicht, dass sie ihn auch angelegt hätten, also „jemand aus Nagaoka“. Wenn ich mich recht erinnere, zeichnet sich eine Kommilitonin aus meinen Japanisch-Grundkurs dafür verantwortlich. Ist auch hübsch geworden. Ich muss nur gestehen, dass es mir seltsam anmutet, wenn der in den Kies geharkte Fluss von einer Steininsel unterbrochen wird, und auf der anderen Seite fortgeführt wird, anstatt den Stein zu umfließen, aber ich verstehe zu wenig von Steingärten, um das beurteilen zu können.

Um etwa 2115 Uhr fing es wieder an zu regnen, und diesmal wollte es nicht wieder aufhören. Ich beschloss, mit dem Bus nach Hause zu fahren. Da saß ich dann an der Bushaltestelle „Am Wasserturm“ und löffelte den Rest aus meinem Joghurtpott, den ich mitgenommen hatte. Ich hätte mir dreißig Minuten dumm rumsitzen sparen können, wenn mir aufgefallen wäre, dass die auf dem Fahrplan angegebene Abfahrtszeit mit „AST“ gekennzeichnet ist: Das Anrufsammeltaxi heißt so, weil es nur kommt, wenn man sich zuvor telefonisch angekündigt hat. Um kurz vor Zehn spannte ich meinen Schirm auf und ging halt doch zu Fuß nach Hause.

Am nächsten Morgen um 1045 machte ich mich auf den Weg, „dressed for the occasion.“ Und diese Prüfung hatte einen ganz anderen Charakter als die von Mr. Stubbs. Der sitzt üblicherweise mit bierernstem Gesicht dem Prüfling gegenüber, seine Körpersprache allein macht mich (und nicht nur mich) schon nervös, und alle Antworten, die nicht so lauten, wie er es hören will, sind falsch.

„Was sind Kanji?“ fragte er mich damals, im November 2005.
Das erwischte mich völlig unvorbereitet. Er hatte in meinen Unterlagen gelesen, dass ich Japanologe bin, und dachte, er täte mir einen Gefallen, von daher nehme ich ihm das nicht übel. Aber in dem Moment brachte mich das völlig aus dem ohnehin kaum vorhandenen Konzept. Japanische Kanji wurden im Rahmen der mir vorliegenden Einführung in die Linguistik von Yule nur in dem Kapitel über die schriftliche Umsetzung von Sprache angerissen. Ich erklärte also etwas von Ideogrammen und Logogrammen, und dass man die aus dem Chinesischen stammenden Zeichen nicht einfach in eine dieser gegebenen Kategorien einordnen könne, weil es sich bei einigen um stilisierte grafische Darstellungen handele, während andere völlig abstrahiert seien, und wiederum ein paar wenige nur wegen ihrer phonetischen Eigenschaften übernommen worden seien.

Er wollte aber hören „Kanji sind Morpheme“. Ja, jetzt, wo Sie’s sagen, fällt’s mir auf. Ich habe mich selbst in der Japanologie nie mit den theoretischen linguistischen Grundlagen der Schriftzeichen auseinandersetzen müssen. Die Beschäftigung mit dem Wortlevel konzentrierte sich auf gebundene Morpheme, also wie man einen Passiv oder einen Kausativ oder was weiß ich noch alles konstruiert. Die Kanji selbst waren halt einfach da. Nicht einmal Frau Katsuki sagte jemals explizit „Kanji sind Morpheme“. Zumindest kann ich mich nicht erinnern. Hier zeigte sich in erster Linie meine Assoziationsschwäche, verschiedene Informationsschnipsel aus verschiedenen Gebieten miteinander zu kombinieren: Wäre ich in dieser Hinsicht begabter, wäre nichts klarer gewesen, als dass Kanji Morpheme sind.

Wie dem auch sei, bei Frau Sand läuft das ganz anders. Während im Herbst 2005 kritisch dreinblickende bärtige Männer am Tisch saßen, wirkte meine Prüferin (und die Beisitzerin ebenso) eher entspannt (was nicht ohne positive Wirkung bleiben konnte), lächelte sogar dann und wann, und sogar einem drögen Beobachter wie mir musste auffallen, dass sie betont langsam sprach, um das bessere Verständnis der Fragen zu gewährleisten (und womöglich auch, um damit Zeit zu schinden). Zu meiner eigenen Überraschung schaffte ich es, meine Sprechgeschwindigkeit unter Kontrolle zu halten. In der „Generalprobe“ war mir das noch nicht gelungen. Nach etwa fünf Minuten hatte sich mein Herzschlag normalisiert und ich konnte mich auf die Fragen konzentrieren.

Der Abschnitt Korpuslinguistik lief recht gut. Jargon/Slang nicht ganz so gut, aber auch nicht schlecht. Gefragt, welche Begriffe (aus der Unterweltsprache der Dreißiger und Vierziger Jahre) man denn in der heutigen Sprache finde, vergaß ich natürlich die unverfänglichen Dinge wie „to get roped into something“, oder „a Shill“, oder „Shylock“ wäre wohl ein schönes Beispiel mit literarischem Hintergrund gewesen, oder „pot“. Stattdessen wurde mein Gehirn geflutet von einer Fülle sexueller Begriffe in Bezug auf Prostitution („gobbledeegook“), Homosexualität („gay“ oder „butch“), oder sonstig von der Norm abweichendem Sexualverhalten („queer“), und irgendwie hatte ich Hemmungen, dies angesichts zweier weiblicher Gegenüber auch zu verwenden. Mir fiel aber „to take the Mickey“ ein, weil der Begriff in dem Artikel über Spott als Humorform in der IT Industrie zu finden ist, abgeleitet aus dem „Mickey Finn“ der Vierziger, als der Begriff in Drogenkreisen eine Betäubungsdosis bezeichnete (Zigarrenasche in Limonade???), die man jemanden verabreichte, der einem auf den Keks ging und den man auf diese Weise aus der intimen Sphäre der „Opiumhöhle“ entfernte.
Ganz und gar kein Glanzpunkt war der sprachhistorische Teil, in dem ich nur kurz Anfang und Ende der mittelenglischen Periode kurz definierte, und mich radebrechend daran versuchte, die Unterschiede des Mittelenglischen zum modernen Englisch darzulegen. An der Stelle rettete mich gewissermaßen der Gong.
Mit 2,3 fiel diese Teilnote schon ein Stück besser aus als mein Abitur.

Im Anschluss an die Prüfung „musste“ ich als erstes die Medientechnik besuchen, von der ich weiß, dass da ein Schrankregal voll alkoholischer Getränke rumsteht (die ich als ACT Vertreter zum Großteil selbst dorthin gebracht habe). Zwei Gläser Schnaps wollte ich mir gönnen, doch am Ende sind es fünf geworden, und mein Nachhauseweg verlief nicht ganz so gradlinig.

Aber in diesem Sinne geht es in diesen Wochen weiter. Ich vertone also gerade eine Biografie von Oda Nobunaga, von Jeroen Pieter Lamers, eine Dissertation von 1998. Bei den japanischen Artikeln wäre es wohl besser, wenn ich eine Übersetzung einspreche… das macht das Einprägen einfacher, und letztendlich wird die Prüfung in deutscher Sprache stattfinden.

Der Countdown läuft also, und X = 0 ist am 14. August. Na ja, eigentlich dann, sobald ich die Prüfung in Phonetik hinter mich gebracht habe, was so zwischen dem 10. und dem 14. August angepeilt ist. Der 14. August ist deshalb von Bedeutung, weil ich meine schriftliche Arbeit am 14. Mai abgegeben habe, und drei Monate danach alles unter Dach und Fach sein muss.

Zwischendurch habe ich sogar ein paar Bewerbungen geschrieben… den Großteil an die US Armee in Kaiserslautern, die innerbetriebliche Weiterbilder, Arbeitsleistungsinspektoren, und was weiß ich noch alles braucht, und dafür nicht schlecht zahlt (im Falle meiner Bewerbungen über 1900 E Einstiegsgehalt, brutto, steigt schrittweise im Laufe der Monate und Jahre). Das Bewerbungsverfahren ist denkbar einfach: Man füllt ein Formular aus und schickt es mit der Post nach Lautern. Man braucht kein geschwollenes Anschreiben, kein Bewerbungsbild, keine Zeugnisse, nur eine grobe Darlegung des Lebenslaufs und Erfahrungshintergrunds. Alles, was über das Formular hinausgeht nur auf Anfrage.

Eine Bewerbung habe ich auch an das Bundessprachenamt gesendet, die zwei Stellen für Fremdsprachenassistenten Englisch zu vergeben haben, mit Aussicht auf Verbeamtung als „Regierungsrat“ im höheren Dienst. Die wiederum erlauben die Bewerbung per Mail. Dann packt man halt mal alles in eine PDF und versucht sich bei der Gelegenheit an einem Anschreiben. Dort soll man Angehörigen des BMVg (und der Bundeswehr) nicht nur Englisch eintrichtern, sondern soll dabei das „interaktive Klassenzimmer“ anwenden, das zufällig auch Teilthema meiner mündlichen Prüfung in der Anglistik war. Das schmiert man dem Personalchef natürlich gleich aufs Brot, dass man in der Richtung bereits Grundlagen hat.
Die zahlen etwa 200 E weniger Anfangsgehalt als die Amerikaner, aber beamtete Sicherheit klingt für mich persönlich verlockender als Gewinnmaximierung.

Ich hab schon gar nicht mehr gewusst, wie Hoffnung riecht. Neuerdings habe ich ernsthaft das Gefühl, dass zur Abwechslung mal alles tatsächlich klappen wird und vielleicht doch nicht kompromisslos auf Blut, Schweiß und Tränen hinausläuft.

21. Januar 2010

So stehen die Dinge

Filed under: My Life,Uni — 42317 @ 17:02

Vielleicht schreibe ich mal ein paar kurze Notizen zu meiner akademischen und gesundheitlichen Lage nieder, damit das Blog nicht möglicherweise den ganzen Januar über brach liegt.

Meine Magisterarbeit hat mittlerweile die Form eines 95 Seiten umfassenden Fließtextes. Hinzu kommen noch Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Bibliografie, also bis auf insgesamt etwas mehr als 100 Seiten. Zumindest ist das die aktuelle Prognose, denn das kann sich noch ändern, nachdem ich auf dem kommenden Kolloquium meine bisherige Arbeit vorgestellt habe. Ich werde vermutlich zum Kürzen angehalten, und ich sehe es noch kommen, dass der theaterwissenschaftliche Anteil auf Kosten des historischen vergrößert werden muss. Sobald der Termin allerdings gelaufen ist, werde ich die Arbeit einem bereits freiwillig gemeldeten Leserkreis zur Begutachtung zukommen lassen.

Nerven tut mich auch die noch zu verfassende Einleitung, in der drinstehen soll, wie ich auf das Thema gekommen bin, wo ich die Signifikanz des Themas sehe, und was der Leser auf den darauf folgenden Seiten zu lesen bekommen wird. Aus irgendeinem nicht erfassbaren Grund bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich an diesen Teil herangehen soll.

Und am Ende bloß nicht vergessen, dass die Magisterarbeit in dreifacher Ausfertigung vorgelegt werden muss, und zwar gebunden!

Themen für die Japanologie werden sein
– Populärkultur mit Schwerpunkt Anime
(damit ich die Bücher, die der ACT gespendet hat, auch mal in der Hand hatte)
– Schulwesen
– Geschichte mit Schwerpunkt auf dem 16. Jahrhundert, Sengoku-jidai, und insbesondere Oda Nobunaga
(mein Dank an Frank für das „Shôgun“ Brettspiel)

Themen für Anglistik:
– Sprachgeschichte mit Schwerpunkt Mittelenglisch
(da könnt ich grad kotzen, weil das so spannend und praktikabel ist)
– Corpus Linguistik mit Schwerpunkt auf Anwendungen im Sprachunterricht
– Slang/Jargon im Englischen

Themen für Phonetik:
– Veränderungen der Stimme im Alter
– Pathologische Zustände des Gehörs
– (noch unentschieden)

Wichtiger noch auf dem akademischen Gebiet ist meine Entscheidung, die Deadline vom 20. April zu kippen. „There’s no chance in hell“ (wie man im Amerikanischen so schön sagen kann), dass ich das gesamte verlangte Lesepensum bis dahin bewältigen kann. In dem von mir geplanten Monat zur Vorbereitung auf die mündliche Examensprüfung in der Anglistik hätte ich mal eben alle drei Tage ein Buch lesen und verinnerlichen müssen. Das übersteigt meine Fähigkeiten.

Ergo: Ich greife in den Pott, hole erneut 850 Euro heraus, und bezahle für ein weiteres Semester – womit ich vier weitere Monate Zeit erhalte: Mein Abgabetermin für die schriftliche Arbeit ist der 14. Mai 2010, danach habe ich drei Monate, bis zum 14. August, um alle mündlichen Prüfungen hinter mich zu bringen. Wenn ich will, kann ich meine erste Prüfung gleich am 15. Mai machen. Werde ich nicht, aber in der zweiten Maihälfte will ich Englisch hinter mich bringen. Die anderen beiden Prüfungen kann ich dann frei so verteilen, wie es mir (und den Prüfern) in den Terminplan passt, es gibt keine Vorgabe, wieviel Zeit maximal zwischen den Prüfungen liegen darf. So lange bis Mitte August alles erledigt ist, geht die Sache auf dieser Schiene klar. Ich muss nur alle Examen mit mindestens 4- bestehen.

Abgesehen davon steige ich auf schnellere, wenn auch möglicherweise weniger effiziente, und gleichzeitig kostenintensivere Lernmethoden um: Ich leihe die Bücher nicht mehr und schreibe keine Zusammenfassungen mehr, sondern werde den Krempel kopieren und per Textmarker das anstreichen, was ich ansonsten abgetippt hätte. Aus der Anglistik wurde mir zum Thema „effizient lernen“ gesagt, das käme darauf an, was für ein Lerntyp ich sei. Ich hab keine Ahnung. Ich weiß grade mal, dass die aktuelle Pädagogik verschiedene Lerntypen unterscheidet – das ist alles, was ich darüber weiß. Man könnte auch allgemeiner sagen, dass ich das Lernen nie gelernt habe.

Das macht mich zwar arg ärmer, aber es nimmt mir auch Stress, womit ich meine Lebenserwartung nach oben schraube, und damit die Zeit, den finanziellen Verlust wieder einzufahren.

Womit ich bei meiner Gesundheit wäre. In der zweiten Dezemberhälfte hat mich ein lästiger, staubtrockener Husten zum ersten mal seit 1999 zum Arzt getrieben – natürlich genau zwei Tage vor Ablauf des Quartals, ich musste beim Nachfolgetermin also gleich nochmal Praxisgebühr zahlen, ganz zu schweigen von den 32 E, die ich für Medikamente berappen musste. Aber was soll ich machen, wenn ich wegen des Hustens zwei Stunden lang nicht einschlafen kann?

Was sagt der Arzt? Mein Blutdruck ist völlig normal, und auch meine Blutfettwerte sind noch im grünen Bereich. Das „böse“ Cholesterin liegt auf einem akzeptablen Wert, und nur das „gute“ Cholesterin liegt ein bisschen niedrig, aber deswegen müsse ich mir jetzt keine Sorgen machen. Sorgen machen müsse ich mir bestenfalls wegen des in meiner Familie vorhandenen Hangs zu Herzinfarkten und Schlaganfällen, aber im Gegensatz zu Vater bzw. Großvater habe ich nie geraucht, ich trinke nur selten Alkohol, und auch nicht literweise schwarzen Kaffee.

… und der Herr Großvater war schon wieder in Luxemburg tanken. Diesmal hat er zwar nicht das Bezahlen vergessen, aber den Geldbeutel auf der Ablage zuhause im Esszimmer liegen lassen. Der Pächter ließ sich allerdings überreden, eine Überweisung zuzulassen.

Ein Blick aufs Datum sagt mir, dass es an der Zeit wäre, über den Tellerwäscherjob zu schreiben, den ich vom 17. Dezember 2008 bis zum 22. Januar 2009 hatte… dabei hätte ich diese Wochen gern verdrängt. Das gibt’s demnächst auf Code Alpha – und ich sage das deshalb, damit ich die Sache nicht verschieben kann, bis ich sie tatsächlich vergessen habe.

16. November 2009

Das Omen?

Filed under: Japan,Militaria,Uni — 42317 @ 18:18

Ich habe die offizielle Bestätigung des Themas meiner Magisterarbeit am Freitag, dem 13. November erhalten!?

Ich bin nicht abergläubisch, aber so ein bisschen ungläubig die Stirn runzeln musste ich in dem Fall schon. Das Abgabedatum ist der 14. Mai 2010 – aber bis dahin bin ich längst drüber. Die ganze Sache muss am 20. April 2010 vorbei sein, Arbeit abgegeben und das letzte Wort der mündlichen Prüfungen gesagt, denn an jenem Tag endet die Toleranzfrist innerhalb des nächsten Sommersemesters, bis zu der ich noch keinen weiteren Studienbeitrag in Höhe von etwa 830 E zahlen muss, den ich mir nicht leisten kann.
Am 20. April (auch so’n ganz tolles Datum) endet mein Studium. Egal wie.

Ich schreibe also über „Das Internationale Militärtribunal für den Fernen Osten und seine Darstellung auf der Bühne durch Kinoshita Junji“. Und das ist von mir so formuliert, weil ich verstanden haben möchte, dass mein Schwerpunkt auf der Darstellung eines historischen Vorgangs liegt, und dass ich das Theaterstück „nur“ als künstlerische Interpretation desselben mitbehandle. Die Quellenlage zum Theaterstück („Shinpan“, dt. „Das Urteil“, aus dem Doppelwerk „Kami to Hito to no aida“, dt. „Zwischen Göttern und Menschen“) ist nicht schlecht, aber sie ist mir nicht gut genug, als dass ich mein Hauptaugenmerk darauf legen wollte und sicher sein könnte, auch was gutes zu Stande zu bringen. Denn leider sind die Theaterzeitschriften, die uns zur Verfügung stehen, in diesem besonderen Falle wenig aussagekräftig. Das Stück ist von 1970, wenn ich mich jetzt nicht irre, und das ist über zehn Jahre vor den Jahrgängen, die wir haben. Auch Internetrecherche ergab keine weiteren Ergebnisse. Wir haben umfangreiche Schriften eines Theaterfachmanns namens Ozasa, aber der beschäftigt sich mit Kinoshita nur allgemein und hat einen Schreibstil so frisch wie die stinkende Makrele auf dem Kopfsteinpflaster nach dem Fischmarkt. Ich durfte die Arbeit an den Büchern einstellen, nachdem mir mehrfach der Kopf auf die Tischplatte gefallen war.

Eine Zusammenfassung des Tribunals und des Theaterstücks, sowie die Biographie des Autors und eine Interpretation ist bereits fertig, und als nächstes verfasse ich die Herleitung des Tribunals: Eine Kurzfassung der japanischen Geschichte seit der Meijizeit mit Schwerpunkt auf den Expansionismus, und eine etwas detailliertere Kurzfassung des Pazifischen Kriegs ab Beginn des Konflikts mit China 1931 bis zur Kapitulation 1945. Ich hoffe, das alles auf 10 Seiten unterbringen zu können.

12. Oktober 2009

Geben Sie uns Geld!

Filed under: Uni — 42317 @ 17:55

Tröröö, der nächste Troubadour finanzieller Notwendigkeiten steht vor der Tür.
Diesmal in Form des Bundesverwaltungsamts.

Dieses Amt ist zuständig für das Eintreiben von BaföG-Schulden, und laut Auskunft ist meine erste Rate nach fünf Jahren des maximalen Bewilligungszeitraums fällig: Im kommenden März. Nach meinem Verständnis des in schönstem Beamtendeutsch verfassten Schreibens muss ich die erste Vierteljahresrate in Höhe von 315 E zahlen, und zwar unabhängig von meiner Einkommenssituation und unabhängig davon, ob meine Ausbildungszeit bereits vorüber ist. In diesem Punkt kann ich mich allerdings irren, möglicherweise ist auch allein das Ende der Ausbildung unbedeutend für den Start der Rückzahlungen und geringes Einkommen zählt immer als Aufschubgrund.
Die weiteren Raten kann ich auf jeden Fall mit Hinweis auf ein zu niedriges Einkommen – die Grenze liegt irgendwo knapp über 1000 E – um ein Jahr verschieben, wonach ich erneut begründet verschieben kann oder aber zahlen muss, falls ich kann.

Nach dem augenblicklichen Stand, also ohne mein Aufschubgesuch, müsste ich ab März 2010 bis ins Jahr 2014 hinein monatliche Raten in Höhe von 105 E zahlen. Leider habe ich derzeit nicht so viele Rippen, als dass ich das alles da rausschneiden könnte.
Wenn ich mir auf die Schnelle den gesamten fälligen Betrag (zwischen 5000 und 6000 E)  zinslos leihen könnte, wäre ich sogar in der Lage, einen dicken Batzen Geld zu sparen – aber woher nehmen?
Weitere Sparmaßnahmen bestehen aus Fällen wie „Ausbildung innerhalb des Bewilligungszeitraums abgeschlossen“ (oder wenige Monate danach), oder „als einer der besten 30 % der Jahrgangsteilnehmer abgeschlossen“… jaja, völlig ausgeschlossen bei einem derart unmotivierten Fall von „Hauptsache, weg hier!“ wie mir.

Was ich auf jeden Fall sofort zahlen muss, sind 25 E Bußgeld. Und zwar dafür, dass ich dem Bundesverwaltungsamt meinen Wohnungswechsel nicht angezeigt habe. Da musste meine Sachbearbeiterin wohl irgendwo anrufen, um herauszufinden, wo ich wohne, und unabhängig von den entstandenen Kosten dieser Arbeit sind pauschal 25 E an Vadder Staat abzuführen. Aber was soll’s, mea culpa, selber Schuld, und das kostet halt Geld. Leb damit oder häng Dich auf, wenn’s das wert ist.

15. Juli 2009

Das Wort zum Zweiunddreißigsten

Filed under: Japan,My Life,Uni — 42317 @ 22:43

Zuerst mal Danke an alle, die an meinen Geburtstag gestern gedacht haben.

Meine Oma hat als erste um halb Neun angerufen. Mein Opa war da leider nicht zu erreichen, weil er es dieser Tage vorerst wieder einmal geschafft hat, dem Tod von der Sense zu hüpfen. Nach einigen Schwierigkeiten, die der Herzschrittmacher nicht wettmachen konnte, ist derzeit wieder die Rede von Kur und Reha.

Mein Vater und WSK haben leider abends angerufen, und dienstags ist das keine gute Idee, weil ich da Rennergebnisse auswürfele, den Sheriff manchmal unter Verschonung des Deputys erschieße, oder aber mich mit Dynamit in die Luft sprenge. Dies alles im Kreis werter Kameraden, die ich nicht missen möchte. Dienstag abends nach Acht anzurufen ist jedenfalls keine gute Idee. Dabei möchte ich erwähnen, dass einem das Brummen aus dem Telefonhörer auf den Keks gehen kann. Das könnte an der Internetleitung liegen, allerdings habe ich bemerkt, dass dieses Störgeräusch sich kurzzeitig beheben lässt, indem man am Hörer herumdrückt. Ein Funktionsfehler unseres sicherlich nicht teuren Telefons ist daher nicht auszuschließen, und die Alice-Flatrate möglicherweise völlig unschuldig!

Und da wird mir zugetragen, dass eben jener WSK sich beschwert habe, dass ich seine Kommentare nicht kommentiere. Hm… bislang war ich nach dem Lesen eigentlich der Meinung, alles notwendige sei gesagt worden, wozu also noch weiteres hinzufügen? Ihm sei gesagt, dass ich generell dankbar bin für Kommentare, auch für seine, dass ich dies aber nicht extra noch drunterschreibe. Wenn ich es für sinnvoll erachte, noch etwas hinzuzufügen, werde ich das jedenfalls mit Sicherheit tun.

Sempai Pierre hat angerufen, zum Spieleabend, aber ich will mir zumindest mal einbilden, dass mein Geburtstag seine Hauptmotivation gewesen ist, zumal er ihn kaum vergessen kann, weil der werte Freund nämlich Franzose ist, und welcher Nachfahre der bastillestürmenden Massen könnte einen Geburtstag am 14. Juli vergessen?
Der jedenfalls fand die westliche Beta-Version eines japanischen Spiels nach der Serie „Higurashi no naku no koro ni“ so erschreckend schlecht, dass er umgehend Mails an die Lizenzeigner in Japan geschrieben hat. Alles sehr löblich, allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es an ein Wunder grenzt, auf offizielle Mails nach Japan irgendeine Antwort zu erhalten, zumal es auch nicht selten in den vergangenen Jahren aussah, als ob sich japanische Lizenzeigner einen Dreck dafür interessierten, was man mit ihren Produkten im Ausland machte. In Sachen Unterhaltung sind Japaner extrem auf den Binnenmarkt konzentriert.

Tolle Sache: VAG hat mir japanische Milchkaffeedosen mit Evangelion Sondermotiven geschenkt! Leider haben nicht alle die Reise ohne Beulen überstanden, aber vielleicht kann man das mit Innendruck wieder hinbiegen? Ich hab sie jedenfalls leergesoffen, mit Wasser gefüllt und ins Eisfach gestellt, und harre nun der Dinge, die da kommen, wie wir bei der Armee gerne sagten.

Apropos Armee, auch mein kommissarischer Feldwebel, mittlerweile vom Tiefpfälzer zum Mittelrheinländer mutiert, hat mich mit einem Anruf bedacht, der von dem Geschrei seines Nachwuchses im Hintergrund nur minimal gestört wurde. Auch der hat mir eine Geschenklichkeit angedeutet. Also, der Ex-Fw natürlich, nicht sein Nachwuchs. Ich bin nicht sicher, womit ich das immer verdient habe, aber dankbar bin ich allemal.

Ricci hat mir einen 15 E Amazon Gutschein geschenkt! Eitel Freude herrschte da. Und Kopfzerbrechen. Was von meiner langen Wunschliste soll ich denn nur kaufen? Nachdem Melanie mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass man für einen Zwanziger einkaufen muss, um versandkostenfrei zu kaufen, war die Wahl gefallen: „Band of Brothers“ kommt ins Haus!

Ein paar Leute haben wohl nicht sofort dran gedacht… aber das macht nichts… ich denke auch manchmal erst Wochen später an Geburtstage. Ich wäre also der letzte, der sich deswegen verstoßen vorkommt.

Verdammt, sogar der Mihel hat dran gedacht! Ein bitter  belustigtes „sogar“, möchte ich sagen. Mit nur vier Tagen Unterschied ist seine Tat auch nicht schwer gewesen, aber ich will mal abwarten, wie lang es noch dauert, bis ihm dämmert, dass ich ihm sehr übel nehme, dass er seine Hochzeit vor wenigen Wochen verschwiegen hat, während er anderen Leuten aus meinem Umkreis sehr wohl davon erzählt hat. Aber ich hab auch kein engelsgleich blondes Haar, und überhaupt fehlen mir vielleicht die weiblichen Formen, die es braucht, um meiner für solche Gelegenheiten zu gedenken. Egal. Er ist damit der zweite, der achtkantig aus meinen Dateien geworfen wurde.

Übrigens, meine/unsere Nebenkostennachzahlung… die war nur 160 E stark. Da war ich ein bisschen überrascht, muss ich zugeben. Aber vielleicht war auch die Bombe vom letzten Jahr nur eine Illusion in meiner wirtschaftlichen Dauerdepression?
Doch halt, Korrektur: Sie war dieses Jahr 212 Euro stark und die 160 E sind vom vergangenen Jahr. Die aktuelle Rechnung wurde trotz konstant gebliebenen Verbrauchs von den gestiegenen Energiepreise in die Fäkalientonne geritten.
Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls der Meinung, dass ein energieeffizienterer Eisschrank, Energiesparlampen, und nächtlich ausgeschaltete Computer im Vergleich zu früheren Jahren so einiges gerettet haben. Dann kann ich ja dem unibedingten Aderlass im nahen Herbst ein kleines bisschen entspannter entgegenblicken, wenn mich mein Magisterarbeitssemester 800 Flocken kosten wird.

Und die alte Band hat gratuliert. Ist das nicht nett von den undisziplinierten Nervensägen? Na ja, einer der eher Verschollenen hat sich gemeldet und ein Grillen im alten gauischen Domizil vorgeschlagen, mit den Eltern in einem fernen Urlaubsland weilend… da krieg ich ja direkt nostalgische Gefühle! Na, für einen Abend werd ich die Jungs wohl ertragen können.
Scherzle am Rande. Oder wie der Kamerad Jordan aus Karlsruhe zu sagen pflegte:
„Haha, Spässle g’macht, Witzle g’risse.“ Natürlich sagte er das nur, wenn jemand Witze auf seine Kosten machte. Zum Beispiel in Anbetracht seiner an eine Kartoffel erinnernde Körperform, von den Armen und Beinen mal abgesehen. Möchte wissen, was aus dem geworden ist… aber da der Suchdienst der Bundeswehr ja völlig inkompetent ist, kann ich das auf die Schnelle vergessen. Ich hab keine Ahnung, nach welchem Muster die jemanden finden. Den Kameraden Roppel haben sie gefunden, obwohl der mittlerweile mindestens einmal umgezogen war. Der Kamerad Ritter war auch nur einmal umgezogen, aber den haben sie nicht gefunden. Und der Kamerad Theuer war gar nicht umgezogen, hat aber niemals ein Schreiben von denen erhalten. Ja, ich habe die beiden letztgenannten sozusagen als Kontrollgruppe eingefügt. Ich gehe nicht davon aus, dass ich derart unbeliebt im Zug war, dass sich niemand außer dem ollen Roppel bei mir melden würde.

Ich schweife ab. Ich schweife ab? Was soll ich denn sonst noch so sagen?
Eine Sekretärin der Anglistik, Frau D., ist mit 62 Jahren in Rente gegangen. Was denn, die war 62? Die sah nicht unbedingt älter aus als 52. Zumindest sah sie jünger aus als die Obersekretärin Frau S., die immer noch da ist, was aber an dem nicht geringen Tabakkonsum der letztgenannten liegen könnte. Raucher der Welt, verwendet Nikotinpflaster! Da ist immer noch Suchtstoff drin, aber immerhin keiner der 4500 Giftstoffe des verarbeiteten Tabaks. Auch die Phonetik lehrende Dozentin Frau O. ist in Rente gegangen, aber die sah auch schon länger aus, als sei sie reif dafür. Und entgegen allen Unkenrufen kam man gut mit ihr aus. Zumindest außerhalb des Sprachlabors. Aber scheinbar – oder offensichtlich – war ihr Humor nicht jedermanns Sache. Der kam manchem ein bisschen grantig vor. Da saß ich anno 2005 im Sprachlabor in der ersten Reihe, der Saal voll. Neben mir eine Tasche auf dem Stuhl.
Da schaut sie mich strafend an und sagt: „Sie erinnern mich an diese BWL-Arschlöcher im Zug, die ihre Taschen auf den Sitz stellen und lieber alles und jeden stehen lassen, aber Hauptsache, die Tasche hat einen Platz. Also, runter damit!“ Dabei war das gar nicht meine, die Besitzerin war nur kurz vor Unterrichtsbeginn nach draußen gegangen. Vielleicht „e Angschdbach mache“, wie mein alter Freund HJK manchmal meint? Nee, wohl nicht… ich wollte dieses infame Wort auch nur mal in meine Schlagwörter aufnehmen, mal sehen, ob es irgendwann „Toilettenweisheiten“ als den Toppverweis auf mein Code Alpha Blog ablöst?

Auch im Animetric Forum hat man sich meiner erinnert, aber das ist auch nicht schwer, weil der Geburtstag eines Mitglieds automatisch auf der Hauptseite angezeigt wird. Ich würde mich beinahe noch mehr freuen, wenn ich bei den derzeitigen Verlosungen mal wieder was gewinnen würde, was wegen der langen Warteliste der Dinge, die ich vorher sehen möchte, wahrscheinlich erst in ein paar Jahren in meinem DVD Player landet, aber gehabt ist gehabt, und gewonnen ist doppelt so gut wie gekauft.
Und sobald Wettbewerbe und Verlosungen ausgeschrieben werden, kommen sie aus ihren Löchern, die so genanten Lurker. Sie sind eingeschriebene Mitglieder, aber man liest das ganze Jahr über kein Wort von ihnen. Aber wenn es was zu gewinnen gibt… ja dann sind die auf einmal so aktiv wie Ameisen, denen auf einmal verdammt viel einfällt, was sie schreiben und vorschlagen können, um was geschenkt zu bekommen… um ganz ehrlich zu sein, nervt mich das ein bisschen… wozu Preise an Leute verteilen, die kein bisschen daran mitarbeiten, die Popularität der Webseite zu steigern? Mehr Posts, mehr Themen, daraus folgt: mehr Begriffe, über die man das Forum mittels einer Suchmaschine finden kann. Kriegt man von denen aber nicht. Sie behaupten, sie würden Forumseinträge nur lesen. Ja Chekov, basst scho. Vielleicht sollte man Lose verteilen, deren Anzahl sich nach den eigenen Beiträgen in den Diskussionsforen richtet. Das wär fein, vor allem bei der Masse meiner eigenen Beiträge. Ach, vergessen wir das, das wird nicht geschehen, unser Admin ist Demokrat, und er vergibt auch Preise an Leute, die sich nur dafür eingeschrieben haben und danach wieder in den Weiten des WWW verschwinden.

Abgesehen davon habe ich an einem Wettbewerb des Japan-Vloggers BusanKevin teilgenommen (der nennt sich so, weil er auch ein paar Jahre in Südkorea zugebracht hat), dessen Ergebnis noch aussteht. Ja, ich rede von YouTube. Er hat dem zufällig zu ziehenden Gewinner jedenfalls eine Kiste voll japanischen Krempels versprochen, darunter eine große Tüte Wasabi-Furikake (das sind gefriergetrocknete Streusel für den gekochten Reis, dessen Feuchtigkeit die Streusel genießbar macht, ich habe vor Jahren mal in meiner Japanrundmail davon berichtet, und was Wasabi ist, muss ich wohl nicht extra erklären).

Last but not least… es wurde viel geredet über den bundesweiten Studentenprotest im vergangenen Monat, der sich gegen die derzeitige Erscheinungsform der Bachelor und Master Studiengänge richtet. „Fünf Jahre zu spät!“ sagt ein Dozent und hat vermutlich Recht. Und da waren wohl einige Protestierer so gefrustet vom bösen Staat, dass sie mit Hilfe von Schablonen diverse Abbildungen und Sprüche mit Lackfarbe an die Unigebäude, auf Böden, und auf Glasscheiben gesprüht haben, die man nicht so einfach wieder runterwischen kann. Herzlichen Dank ihr Arschgeigen. Das macht mir das Anliegen der Aktion so richtig sympathisch. Von mir aus könnt ihr im BaMa Studiengang verrotten, denn Hände abhacken is ja bei uns nich. Dabei kam mir das nach einer Vorzugsbehandlung mit speziellen Arschtrittstiefeln erst als zweites in den Sinn.

19. Dezember 2008

Strategisches Versagen

Filed under: Uni — 42317 @ 15:58

Genau so was habe ich mir gedacht, als ich meine Scheine mit den Studienordnungen verglichen habe – denn meine Anmeldung zur Magisterprüfung habe ich ganz gewaltig in den Sand gesetzt. Wie das?

Ich habe peinlich darauf geachtet, alle notwendigen benoteten Scheine zu sammeln, indem ich die notwendigen Leistungen erbringe… und habe darüber hinaus die so genannten frei wählbaren Veranstaltungen vergessen. Sowohl in der Phonetik als auch in der Anglistik fehlen mir jeweils noch zwei Semesterwochenstunden, also jeweils ein unbenotetes Seminar, wo Anwesenheit und ein kleines Referat ausreicht.

Das Dilemma gestaltet sich folgendermaßen:
Ich bin in einer Zwickmühle gelandet, die ich eigentlich hatte vermeiden müssen. Um die notwendigen Kurse besuchen zu können, müsste ich im kommenden Semester 800 E zahlen, und um meine Prüfungen ein Semester lang vorzubereiten, nochmal 800. Mit dem zweiten Job, den ich neuerdings habe, ist das finanziell zwar möglich, aber ich muss mich ernsthaft fragen, ob ich diese Menge Geld ausgeben will, während meine Hoffnungen, die mündliche Prüfung in englischer Linguistik zu schaffen, gegen Null streben. 1600 E ausgeben, um letztendlich an einem Blackout zu scheitern, wie damals im ersten Anlauf der Zwischenprüfung?

Prioritätenwechsel:
Es hilft mir zwar nicht, dass ich mich gerade in die schönste Wirtschaftskrise seit Anfang der Achtziger manövriert habe, aber in erster Linie sollte ich mich um einen Job bemühen. Meine erworbenen Fremdsprachenkenntnisse sind ja nicht wertlos.
Für den Fall, dass sich da nichts ergibt, kann ich ja immer noch zum Sommersemester wieder in die Uni einsteigen und erst mal die Kurse machen. Was natürlich schwierig sein dürfte, weil ich an vier von sieben Wochentagen arbeite und mir für Kurse nur ein ganzer und zwei halbe Tage zur Verfügung stehen.

Man könnte eine Weihnachtsphobie entwickeln… letztes Jahr bringt sich einer meiner Bekannten um, dieses Jahr stirbt mein Großonkel, und ich fahre mein Studium nach acht Jahren so ziemlich an die Wand.
Was kommt als nächstes?

4. September 2008

Fragen Sie im Dekanat!

Filed under: Uni — 42317 @ 17:20

Ich muss wegen neuer Informationen meinen Eintrag „Ausnahmen für Examenskandidaten“ selbst kommentieren. Nach einem Schriftwechsel mit dem Dekanat war ich um einige Informationen reicher, und herausstechend dabei ist die:

„Wenn die letzte zu erbringende Prüfungsleistung innerhalb der ersten vier Wochen des neuen Semesters stattfindet, d.h. in der Zeit vom 1.10. bis 31.10. oder in der Zeit vom 1.4. bis 31.4., dann müssen Sie sich nicht zurückmelden. Erfolgen noch Prüfungsleistungen nach diesen genannten Zeiträumen, melden Sie sich bitte zurück, da Sie eben die Dienstleistung der Universität auch noch in Anspruch nehmen.“

Das bedeutet, ich habe bis zum 30. April Zeit (weil es keinen 31.04. gibt) und muss daher meine Arbeit spätestens im Januar abgeben (weil die mündlichen Prüfungen drei Monate nach Abgabe der Arbeit stattfinden). Wenn denn jemand fragt, wie ich eine auf sechs Monate ausgelegte Arbeit in vier Monaten schreiben konnte, muss ich halt (wahrheitsgemäß) sagen, dass ich mir keine Studiengebühren leisten kann und nur dann effektiv arbeiten kann, wenn ich mittels eines Vorgesetzten oder eines Zeitlimits unter Druck stehe.

Und noch eine Information, die für Examenskandidaten interessant sein könnte:

„Die Angabe der Themen der mündlichen Prüfungen auf dem Anmeldeformular ist nicht verbindlich und kann in Absprache mit dem Prüfer jederzeit geändert werden.“

17. August 2008

Über die Verbesserungswürdigkeit von Verbesserungen

Filed under: Uni — 42317 @ 14:25

Ich habe im Laufe meines Studiums acht Hausarbeiten geschrieben.
Zu einer davon bekam ich einen kurzen mündlichen Kommentar, nachdem mir nach dem Empfang der Note „3“ die Frage entrutschte, ob sie denn wirklich so schlecht gewesen sei.
Zu einer weiteren bekam ich sechs Zeilen eines handschriftlichen Kommentars.
Erst bei der Abholung der Note meiner allerletzten Hausarbeit wurden mir in einem ausführlichen Gespräch die Gründe dafür dargelegt, warum sie nur mit einer „2“ benotet worden war.

Im Laufe dieses Gesprächs hatte ich mehrere „Aha!“ Erlebnisse, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen muss, weil es mir um etwas umfassenderes geht, nämlich das gängige Procedere bei der Abhandlung individueller Hausarbeiten.

Alle Fachbereiche, denke ich, bieten für das Grundstudium Kurse an, in denen man lernt, wie man Hausarbeiten so verfasst, dass der Prüfer sie nicht als Beleidigung seiner akademischen Ehre auffasst, und die meisten Fakultäten und viele Dozenten haben ganz eigene Auffassungen davon, wie zum Beispiel richtig zitiert wird, aber auch das ist nur ein kleiner, nervender Aspekt des hiesigen akademischen Ausbildungsprozesses. Dazu zählt auch das seltsame Phänomen innerhalb meiner eigenen Fakultät, dass die einen Dozenten eine Arbeit benoten und zurückgeben, während andere nur die Note bescheinigen und die Arbeit einbehalten, mit dem Hinweis, das sei so üblich. Ich muss nicht verstehen, warum das in einem Büro „so üblich“ ist und zwei Meter nebendran nicht.

Denn was mich so richtig stört, ist das praktische Nichtvorhandensein von Feedback. Ich schreibe eine Hausarbeit und erhalte eine Note darauf, aber wenn ich nicht gezielt nachfrage, wird man mir nicht einfach so erzählen, wie die Note begründet worden ist. Ist das eine Art Test? Eine Art Sieb, mit dem man die Spreu vom Weizen trennen will? Denn nur wirklich motivierte Studierende werden nachfragen und auf Anfrage Verbesserungsvorschläge für künftige Arbeiten erhalten, worauf sie diese verbessern und entsprechend höhere Noten erhalten können. „Hoffentlich-ist’s-bald-vorbei“ Studenten wie meine Wenigkeit kommen erst am Ende ihres Studiums auf die Idee, nach sowas zu fragen, und ich wage zu behaupten, dass ich in der Mehrheit bin.

Durch das Nichtaussprechen solcher Informationen wird jedenfalls die akademische Leistungsfähigkeit und gegebenenfalls die Motivation der Studierenden gedämpft, denn „selber Nachfragen zeugt von Intelligenz“ hin oder her, ich erwarte eigentlich von meinem Dozenten, dass er von sich aus auf meine Schwächen als Verfasser eingeht und sie mir erläutert, anstatt sich die Würmer aus der Nase ziehen zu lassen. Ein Sprechstundentermin dauert in der Regel 15 Minuten, und ich denke, das ist genug Zeit, die gegebene Note darzulegen.

Aber wenn man im Magisterstudiengang unterwegs ist, dann macht das eigentlich gar nichts aus. Die einzige Note, die für den Abschluss von Bedeutung ist, ist die Note auf die Examensarbeit, alles andere spielt überhaupt keine Rolle. Wenn ich mich denn all die Jahre gerade so mit der Parole „4 gewinnt“ durch die Seminare gewurschtelt habe, dann aber in einem Anflug von Genie eine 1A Magisterarbeit hinlege, dann ist das ja toll, aber der umgekehrte Fall wäre tragisch, denn eigentlich würden ja über Jahre gesammelte, mehrheitlich sehr gute Seminarsnoten mehr über meine Fähigkeiten aussagen, als die Abschlussarbeit allein, denn es ist ja nur eine Arbeit, und Scheiße passiert halt.

Aber egal, in Bezug auf die geschilderte Verbesserungswürdigkeit von Verbesserungen wird die Situation in der folgenden Zeit kritischer, und das liegt daran, dass sich Bachelor und Master Studiengänge durchgesetzt haben – und in diesen Studiengängen zählt jede Note. Da wird es wesentlich wichtiger, ein gutes Feedback zur Arbeit zu erhalten, um Wiederholungsfehler zu vermeiden.

Aber vielleicht wird auch das Teil eines Aussiebeverfahrens, denn mir scheint, dass das System elitisiert wird. Wie erfuhr ich von einem meiner Dozenten der Anglistik?
„Sie sind verpflichtet, bestimmte Module (Seminare) zu belegen, und wenn sie eines der Pflichtmodule nicht schaffen, dann sind Sie raus. Auf die Art und Weise hätte ich nie meinen Doktor geschafft!“

Ich habe mir nicht selbst eine Übersicht verschafft, von daher kann ich nicht sagen, ob die Aussage so absolut stimmt. Aber es klingt schon so ein bisschen nach Zwangsjacke, zumindest im Vergleich zu den laissez-faire Magisterzeiten, wo man seinen Stundenplan bauen konnte, wie es Spaß machte. Die Möglichkeiten, sich auf breiter Basis Wissen anzueignen, das vielleicht auch mal ein bisschen außerhalb der offiziellen Einschreibung liegt, fällt jedenfalls flach, und das finde ich persönlich sehr schade.

12. August 2008

Ausnahmen für Examenskandidaten?

Filed under: Uni — 42317 @ 14:56

Aus gegebenem Anlass habe ich beim Studentensekretariat hinterfragt, ob man weniger oder möglicherweise keine Studienbeiträge zahlen müsse, wenn man nach der Anmeldung für die Examensprüfung ins nächste Semester rutscht.

„Studienbeiträge“ – nicht zu verwechseln mit Semesterbeiträgen – ist ein Euphemismus, der mit dem Begriff „Studiengebühren“ viel besser umschrieben ist. Grob gesagt liegt jedem Fachbereich eine individuelle Regelstudienzeit zu Grunde, die irgendein Gremium auf Grund des erfahrungsgemäß notwendigen Zeitaufwands ermittelt hat, das heißt, die Regelstudienzeit kann sich von Fach zu Fach unterscheiden. Wenn man diese Regelstudienzeit in Rheinland Pfalz um eine festgelegte Zahl von Semestern überschreitet, muss man jene Gebühren zahlen, das heißt im Falle unserer Universität einen Semesterbeitrag in Höhe von etwas mehr als 170 E und einen Studienbeitrag in Höhe von 650 E.

Die erste Mitteilung, die ich als Antwort erhielt, war dergestalt, dass ich im September noch nichts zahlen muss, weil meine Zahlungspflicht erst im kommenden Sommer beginnt. Das heißt, ein Japanologe im Magisterstudiengang hat 17 Semester Zeit, fertig zu werden, und muss erst ab dem 18. Semester zahlen. Wenn man also nicht hin und wieder an depressiver Lethargie leidet, ist das auch ganz bequem zu schaffen (leider ist der nur durchschnittliche deutsche Student überdurchschnittlich anfällig für Stressdepressionen). Vielleicht sollte man mittlerweile sagen, dass man im Magisterstudiengang 17 Semester Zeit hatte, denn nach Einführung der Bachelor und Master Studiengänge werden Magister und Diplomanten scheinbar aussterben.

So weit, so gut. Aber meine allgemein gestellte Frage war damit ja nicht beantwortet. Auf eine erneute Nachfrage erreichten mich also noch zwei Antworten, die ich hier zusammenfassend wiedergebe:

§14 der Landesverordnung über die Einrichtung von Studienkonten vom 5. Juli 2007 besagt:

“ …die Pflicht zur Entrichtung des Studienbeitrages entsteht mit der Rückmeldung, Studienbeiträge werden mit ihrer Entstehung fällig. (…) eine Verrechung ist nicht möglich…“

Die 650 Euro sind in voller Höhe zu entrichten, unabhängig davon, ob die Abschlussarbeit schon angemeldet ist und unabhängig davon, ob man sich bereits 2 Monate später wieder exmatrikuliert.

Wenn Ihnen so ein Fall bekannt ist, hat das Fach einen Fehler gemacht. Kann aber nur bei Magisterstudiengängen passiert sein. Mittlerweile achten die Dekanate jedoch darauf, weil in der Einschreibeordnung festgelegt ist, dass Sie für jede Prüfung eingeschrieben sein müssen. Auch wenn die letzte Prüfung knapp in ein neues Semester fällt, müssen Sie die Rückmeldung vornehmen.  Da die Studienbeiträge bei Rückmeldung fällig werden, sind auch diese zu zahlen.

Im gleichen Atemzug kann ich die Frage so manches Komilitonen beantworten, wie es denn um finanzielle Unterstützung während der Zeit, während der man seine Abschlussarbeit schreibt, steht.

Dazu bin ich beim BaföG Amt vorstellig geworden, nachdem ich von denen seit fünf Jahren nichts mehr wissen wollte. Ich bin direkt überrascht, dass mit einigen neuen Mitarbeitern wohl auch der Umgangston wesentlich freundlicher geworden ist. Die beiden Sachbearbeiter, die ich zwischen Herbst 2000 und Sommer 2003 kennen lernen durfte, waren meist eher unwirsch, wenn man ihnen Rückfragen stellte.

Man kann für die Dauer der Abschlussarbeit bis maximal zum 15. Fachsemester Förderung beantragen, auch wenn diese über die Bewilligungsfrist eines möglicherweise vorher existierenden BaföG Anspruchs hinausgeht. Dieses Examens-BaföG (ich weiß nicht, ob es offiziell so heißt) ist allerdings ein Volldarlehen, das bedeutet, man muss es in voller Höhe (BaföG normalerweise nur die Hälfte) zurückzahlen, außerdem, ebenfalls anders, kommen 5 % Zinsen hinzu.

In meinem Fall heißt das, dass ich mich bis spätestens vergangenen März hätte anmelden müssen, um noch Anspruch auf solche Unterstützung zu haben. Die Dame vom BaföG Amt verwies mich an das Studentenwerk.

Auch beim Studentenwerk kann man ein Darlehen beantragen, und das weiß scheinbar kaum einer, es heißt offiziell „Examensabschlussdarlehen“. Das Infoblatt zählt sieben Punkte auf, deren kurzgefasste Kerninhalte folgendermaßen aussehen:

– Die Höchstsumme beträgt 1800 E
– Man braucht einen deutschen Bürgen mit regelmäßigem Einkommen
– Zwei Professoren oder Dozenten müssen die akademische Leistungsfähigkeit bescheinigen
– Das Darlehen wird mit 3 % verzinst, allerdings erst ab zwei Monate nach Ablegen des Examens.

16. April 2007

Ich bin ich

Filed under: My Life,Uni — 42317 @ 18:06

In Bezugnahme auf meinen Beitrag „In der Kritik“ aus dem vergangenen Dezember:

Heute war die Vorsprechung der Japanologie zum Sommersemester 2007, und ich kam nicht umhin, in eigener Sache ein paar Dinge zu sagen, die so manchem Anwesenden jener Vorbesprechung vielleicht etwas hart erschienen sein mögen:

„Nachdem ich vor einem halben Jahr ebenfalls in dieser Erscheinung gesprochen habe*, wurde mir daraufhin über mehrere Ecken zugetragen, dass das doch irgendwie peinlich sei und den Ruf der Japanologie schädige…“
(Ein Seitenblick zu Frau Professor Gössmann, die diese Information ungläubig zur Kenntnis nahm und mich von dem Vorwurf entlastete.)
„Das wäre dann der Punkt. Und zuletzt hat es mich in meinem ganzen Leben noch nicht interessiert, was irgendwelche Leute von meinem Äußeren halten – und wem das nicht passt, der kann bleiben, wo der Pfeffer wächst. Das wäre dann wohl geklärt – kommen wir also zum Anime Club…“

Vielleicht hätte ich hinzufügen sollen, dass ich Kritik gerne persönlich und unmittelbar entgegennehme, und mir nicht die Kritik selbst, sondern die vermittelte Form nicht gepasst hat.
Aber ich habe gesagt, was ich sagen wollte und ich fühle mich ganz gut dabei.

* gemeint ist „in meinem schwarzen Anzug“, siehe Foto im Beitrag vom 02. Dezember 2007.

23. März 2007

Toilettenweisheiten

Filed under: Uni — 42317 @ 19:40

Überall hinterlassen Leute irgendwelche Sprüche an den Wänden der Toiletten, und da wir hier ja an der inoffiziellen „Karl-Marx-Universität“ sind, ist die Zahl politisch motivierter „Weisheiten“ nicht gering.

Da schreibt zum Beispiel einer: „Elite ist undemokratisch!“

Nun, seit wann ist die Natur demokratisch?
Zum einen gibt es Leute, die mit einer Art von Begabung geboren sind. Man sollte Begabungen fördern und sie zum Wohle der Gemeinschaft einsetzen, das sind soziale Anforderungen an die gegebene Situation, aber im Grunde handelt es sich um eine zufällige Zuweisung der Natur. Soll man solche Begabungen ignorieren, damit sich niemand zurückgestellt vorkommt?
Zum anderen gibt es Leute, die hart für ihren Erfolg arbeiten, und diesen Erfolg auch erleben, seien sie nun natürlich begabt oder nicht. Will man diesen Leuten ihre Mühen zum Weiterkommen verbieten, weil es dem demokratischen (?) Egalitätsgedanken widerspricht?
Ich fühle mich selbst nicht für irgendetwas Brauchbares begabt (und ehrgeizig bin ich auch nicht) – aber ich habe deswegen keine Komplexe und verstecke die nicht unter einem linken Pseudointellektualismus.

21. März 2007

Learning to fly

Filed under: Uni — 42317 @ 12:16

Die Frau Dr. Gerbig ignoriert entweder meine Anfrage, ihr Postfach, oder ihre Seminarvorbereitung unterhalb der technischen Ebene. Ihr StudIP-Eintrag sagt aus, dass sie in der Anglistik der Uni Trier zu finden sei, aber auf deren Homepage wird sie nicht unter den Dozenten aufgelistet, dem entsprechend hat sie keine Angaben zu Büro oder Sprechzeiten. Also: Anfrage vor Ort.
„Ach,“ sagt die Frau Daewel, „die Frau Gerbig war eine Weile nicht da. Sie kommt zum Sommersemester wieder. Ich habe ihr auch im Februar eine private Mail geschrieben, aber scheinbar ist die Adresse veraltet.“
Ist ja ne tolle Wurst. Wenn die erst auftaucht, wenn das Semester beginnt… pfff, ich hab sowas von verloren! Das bedeutet, dass meine kommunikativen Bemühungen um Aufnahme in den Kurs (in dem ich mittlerweile auf Platz 15 der Warteliste vorgerückt bin!) bis zur letzten Stunde der Wahrheit warten müssen.

Und weil das Leben weiter geht, fasse ich eine Bewerbung bei der Lufthansa ins Auge… und bei Japan Air Lines am besten gleich dazu.

2. März 2007

Nimm das!

Filed under: Uni — 42317 @ 16:42

Und am besten gleich zwei!

Die Bürokratie beutelt mich mal wieder und schubst mich an den Rand des Abgrunds. Frisch-fromm-fröhlich-frei setze ich mich letztlich am Morgen an den Rechner, um mich in ein benötigtes Seminar der Anglistik einzutragen, und ZACK! Ohrfeige!
„Das Seminar ist bereits voll. Sie befinden sich auf Warteplatz 16. Sie werden im Falle eines frei werdenden Platzes benachrichtigt“, bekomme ich da zu lesen. Nett… vor allem im Hinblick darauf, dass mein Studium finanziell nicht zu schaffen ist, wenn nicht an sofort alles nahezu perfekt läuft – und das fängt beim Ergattern eines freien Platzes in Seminaren an.
Die Damen und Herren mit DSL zuhause schmeißen sich vor der Nachtruhe um 00:01 mal noch schnell ans StudIP, um sich einzuschreiben. Meine bittere Wahrheit ist bislang: Ich kann mir einen Anschluss gar nicht leisten. Und deswegen bin ich neun Stunden zu spät dran. Also ist der Kurs bereits voll. Und der alternative ebenfalls. Geld haben hat Vorteile. Leider bin ich in eine Arbeiterfamilie hineingeboren.
Mehr als der Dozentin zu schreiben und um eine Extrawurst zu bitten, kann ich jetzt nicht machen.

Eines muss ich dabei gleich klarstellen: Ich könnte mir auf privater Basis genug Geld leihen, um ein Semester in die Gebühren hinein zu studieren. Aber ich werde es nicht tun. Nein, das hat nichts mit Stolz zu tun.
Vielleicht kann sich ja jemand eine Vorstellung davon machen, was für eine seelische und psychische Belastung es für mich bedeutet, mit geliehenem Geld zu verlängern, um dann möglicherweise an einer der drei mündlichen Prüfungen zu scheitern?
Nicht nur, dass ich klar feststellbar unter Prüfungsangst leide und sich alles, was ich mir an Wissen aneigne, sich in der Stunde der Wahrheit in einem Haufen zusammenhangsloser Informationsschnipsel verwandelt… der Druck, der dadurch entsteht, dass mir die Leihgabe eine zusätzliche seelische Bürde auflädt (ich würde meine Sponsoren schließlich nicht enttäuschen wollen), würde meine psychische und auch meine körperliche Gesundheit sehr in Mitleidenschaft ziehen.

Ich stelle fest, dass mich meine Anglistik Zwischenprüfung schwer beeinflusst hat. Beim ersten Versuch bin ich glatt durchgefallen. Klarer Blackout. Aber: Ich habe einige Fehlerquellen bei der Vorbereitung aufspüren und eliminieren können.

In den zweiten Versuch bin ich mit weit besseren Gefühlen gegangen. Ergebnis: „4-„.
Geschafft mit der Gnade der Prüfer, die mein „sehr gutes Englisch“ als Begründung dafür anführten, mir keine glatte „5“ gegeben zu haben.

Ich kann mich strukturiert vorbereiten und mir alles anlesen, was ich an Stoff brauche, aber wie ich den eiskalten Schweiß, das Zittern der Hände und die Hyperventilation mit dem einhergehenden luftigen Gefühl im Kopf und den brodelnden Magen weg bekomme, hat mir noch niemand klar machen können.

Im Nachhinein kommt mir auch meine wenige Tage danach stattfindende Phonetikprüfung wie ein eher unverdientes Gnadengeschenk vor: Statt der im Nebenfach üblichen 15 Minuten wurde ich 35 Minuten lang geprüft – ofenbar hatte ich erst dann genug Aussagen gemacht, die meine Endnote von „2“ rechtfertigten.
Ich sollte mich aber auch nicht schlecht reden… jener Professor hält die Prüfungen in der Art eines lockeren Gesprächs, das kostet Zeit, und ich kann mich auch nur an eine Stelle erinnern, wo ich mich in der Klemme fühlte.

Abschlussprüfungen sind von Natur aus doppelt so lang. Allein der Gedanke daran verursacht ein Gefühl der ausweglosen Beklemmung. Hätte ich mich auf mein Abitur vorbereitet, wie ich das hier mit großen Prüfungen mache (drei Monate lang jeden Tag fünf bis acht Stunden), hätte ich einen Prüfungsschnitt von besser als „2“ rausholen können, ohne einen Tag im Unterricht gewesen zu sein. 🙂
Vielleicht auch nicht… aber mein Abitur kommt mir als Prüfung heutzutage so richtig lächerlich vor. Abgesehen von der mündlichen Prüfung in Biologie, wo ich für den vielen Unsinn, den ich – statt eines strukturierten Vortrags – geredet habe, ja auch nur eine „4“ bekommen habe.

Das Problem scheint das Gleiche geblieben zu sein. Die gewünschte Hauptinformation fällt mir ein, aber ich kann sie nicht erläutern, weil mir das „Drumrum“ nicht in einer Form einfällt, die ich auch verbalisieren kann. Ich scheitere an der Realisation von „explizitem Wissen“. Ich war schon immer ein impliziter Typ.

19. November 2006

Der japanische Blick nach Asien

Filed under: Japan,Uni — 42317 @ 14:14

Da ist mir im Laufe eines aktuellen Hauptseminars ein Aufsatz von einem Herrn Tanaka in die Hände gekommen, betitelt mit „Enkan no soto he“ – „Aus dem Ring heraus“.

Der Text beschäftigt sich mit dem sich verändernden Verhältnis der Japaner zum asiatischen Kontinent, bedingt zum einen durch den japanischen Export von Populärkultur in Form von allen möglichen Medien, und zum anderen eigentlich noch mehr durch die steigende Beliebtheit von Importen aus Asien, seien es nun Möbel, Nahrungsmittel oder Popstars, und wie Asien demnach in japanischen Medien dargestellt wird.

Zur Darstellung der Entwicklung greift der Autor zu völlig legitimen Argumenten, aber ich muss doch hier und da ein wenig darüber lächeln. Bestimmend für das Verhältnis der Japaner zum Kontinent, sagt er, sei bisher eine gewisse Distanz gewesen. Japaner seien ganz überrascht, wenn man sie als Asiaten bezeichne. Darin mag viel Wahrheit liegen, aber dieser Umstand überrascht mich nicht. Welcher gestandene Engländer würde kein süffisantes Lächeln aufsetzen, wenn man ihn als Europäer bezeichnet? Bestimmte Bewusstseinszüge scheinen allen Inselvölkern inne zu wohnen. Vielleicht sollte man eine entsprechende Umfrage auf Madagaskar starten: „Betrachten Sie sich als Afrikaner?“

Dass die geistige Distanz der Japaner zum Kontinent unter anderem auch auf einem aus dem öffentlichen Bewusstsein weitgehend verdrängten mehrjährigen, zügellosen imperialistischen Feldzug inklusive einiger Millionen Toter und Erniedrigter beruht, steht da natürlich nicht, aber ich will es der Vollständigkeit halber dennoch erwähnen.

Also Japan wendet sich wieder Asien zu. Japaner fahren nach Korea und schwelgen darin, dass es dort so schön sei, „wie früher in Japan“. Man schwelgt also in romantischer Verklärung und es gelangt überhaupt nicht ins Bewusstsein, dass man den Koreanern damit Rückständigkeit bescheinigt. Und was soll das eigentlich heißen „Da ist es wie früher in Japan“? Was heißt „früher“?
Die Frage beantwortet sich mir nicht so einfach, aber ein Umstand aus der Populärkultur zeigt meines Erachtens grob in die Richtung der Wahrheit:
Wenn Japaner in meinem Alter von „Shôwa Idols“ reden (= Popstars der Shôwa Ära), dann meinen sie Sänger und Sängerinnen aus den Achtziger Jahren, und die sind gerade mal das letzte Jahrzehnt der genannten Ära. Dabei fängt das Shôwa-Zeitalter mit der Thronbesteigung des Kaisers Hirohito anno 1926 an. Das Zeitgefühl der Japaner, deren Konservative gerne die 2000jährige Geschichte des Kaiserhauses betonen, reicht also scheinbar im Allgemeinen nicht weit.

Von der Romantik zum Pragmatismus: Im Mittelpunkt japanischer Aufmerksamkeit stand die meiste Zeit im Laufe der Geschichte der Teil der Welt, von dem man etwas lernen zu können glaubte. Das war eine ganze Weile China, in der Neuzeit war es Europa, in der Folge des Zweiten Weltkrieges waren es die USA. In Anbetracht der wirtschaftlich schnell aufsteigenden und expandierenden Volksrepublik China scheint es mir also wenig verwunderlich, wenn kontinentale Angelegenheiten wieder näher – oder ganz – ins Zentrum der japanischen Aufmerksamkeit rücken.

Es ist natürlich ganz richtig, wenn Tanaka sagt, dass die Massenmedien einen bedeutenden Anteil am Fortschreiten dieser „Rückbesinnung auf Asien“ haben. Mir persönlich dünkt allerdings, dass die Medien exotische, romantische und zum einen heilsbringende, zum anderen Grauen erregende Aspekte hervorheben, während die im Gegensatz zur bunten Fernsehwelt in tristem, unpopulären Grau von Zahlenkolonnen erscheinenden wirtschaftlichen Anreize lediglich von dafür zuständigen Kreisen wahrgenommen und aufgegriffen werden. Die potentiellen Absatzmöglichkeiten für japanischen Stahl in China reißen im Frühstücksprogramm halt keinen so richtig vom Frühstück weg. Nur bei Bomben im Irak oder hübschen Koreanerinnen hält man beim Kauen vielleicht mal für fünf Sekunden inne.

China und Korea sind geografisch relativ nahe an Japan gelegen. Aber Asien ist groß, sehr groß, mit einer kaum überschaubaren Vielzahl von kulturellen Färbungen. Asien fängt gewissermaßen in Istanbul an und endet in Tokyo. Ein Großteil Asiens ist also ein fernes Land, und wegen dieser Entferntheit, sagt Tanaka, werde Asien zum Teil zu einem gewissermaßen fiktiven Ort.
Wenn man nicht weiter darüber nachdenkt, klingt das natürlich toll. Aber dass man sich in Ermangelung von Fakten ein Gewirr aus Gerüchten, Überlieferungen und Halbwahrheiten zu einer subjektiven Realität zusammenstrickt, ist auch nichts Neues. Ich glaube, die Römer wollten der Nachwelt weismachen, die Karthager würden neugeborene Kinder ihren Göttern opfern, indem sie sie bei lebendigem Leib in einen geweihten Glutofen warfen.

Und die multimediale Welt ist voll dabei, uns, je nach persönlichem Geschmack, in unserer Meinung zu bestärken, da wir gerne aufnehmen, was wir glauben wollen und alles andere lieber vergessen. Da heißt es bei uns zum Beispiel, in Japan ginge alles diszipliniert und wohl organisiert vor. Das beschere den Japanern ihre wirtschaftliche Stellung in der Welt. Als negative Konsequenz seien arbeitende Japaner und vor allem die dortigen Schüler einem erheblichen Stress durch Leistungsdruck ausgesetzt und viele stürzten sich vom Dach der Schule, weswegen man da oben Zäune gebaut hat. Zum anderen seien Japaner aber auch gleichzeitig so ausgeglichen – wegen des Buddhismus. Und sie essen in erster Linie gesunde kleine Reisbällchen mit Fisch drauf oder drin.
Wer auch immer sich das ausgedacht hat, muss woanders gewesen sein als ich. Aber ich fasse ja nur verschiedene Ansichten zusammen; bislang habe ich noch niemanden getroffen, der von allen diesen Punkten gleichzeitig überzeugt war.

Und die Konstruktion einer subjektiven Realität läuft in Japan eben nicht viel anders als bei uns. Auch die Leute dort weben und knüpfen sich den Flickenteppich Asien, wie es ihnen am besten gefällt – zusammengesetzt aus all dem, was man im Fernsehen so mitbekommt. Exotik und Romantik, Heil und Horror. Und alles scheint darauf zu beruhen, dass man „die Asiaten“ für rückständig hält.
In Südkorea sieht man die Werte und Tugenden des Konfuzianismus, die man im eigenen Land verloren glaubt, in Zentralasien sieht man Brutstätten für den internationalen Terrorismus, in Südostasien wechselt ein General gewaltsam den anderen ab und in Nordkorea sitzt die nukleare Bedrohung vor der eigenen Haustür, wie das in einem anderen politischen und geografischen Zusammenhang einmal in Kuba zur Realität zu werden drohte… und leider fehlt den Japanern der JFK, der das hinbiegt.