Sonntag, 11.01.2004 – SMAPurai
Wegen der in den letzten beiden Tagen rapide gesunkenen Temperaturen (nachts, heißt das) säuft unser Ofen mehr Öl als gewöhnlich. Die Tagestemperaturen sind in Ordnung, aber nachts kühlt es sehr ab und der Ofen braucht eine Zeitlang, bis er das Zimmer auf Temperatur gebracht hat. Er läuft zwei Stunden lang in Dauerschleife. Sobald er sich bei 24 Grad wieder ausschaltet, sinkt die Temperatur, und der Ventilator, der die warme Luft aus dem Ofen pustet, ist noch nicht ausgelaufen, bis die Temperatur wieder auf die untere Grenze von 21 Grad gesunken ist, und die Flamme wird aufs Neue entzündet. Ich lasse also in den kommenden Tagen den Ofen nachts auf 12 Grad heizen, um dem Auskühlungseffekt entgegenzuarbeiten. Vielleicht spare ich dadurch Material.[1] Aber auch sonst ist heute ein echter Wintertag. Kräftiger Wind mit teils sehr starken Böen treibt den Schnee übers Land, und davon nicht zu wenig. Es schneit den ganzen Tag, bis etwa um 22:00, dann erst ist wieder Ruhe. Aber bis dahin liegen schon 40 cm Neuschnee auf unserem Balkon.
Ich muss mich heute um einige Lesearbeit kümmern, die ich vernachlässigt habe. Schrecklich viel ist es nicht. Was mich viel mehr wurmt, ist der Arbeitsauftrag, einen wissenschaftlich vertretbaren Text jeweils über Uhren und über Universitäten zu schreiben, jeweils etwa eine Seite lang. Das Ganze muss natürlich in japanischem Essaystil verfasst werden, und die Japaner (vertreten durch Yamazaki-sensei) sind da sehr penibel. Ich muss quasi für jede zweite Zeile ins Lehrbuch schauen, ob ich mich auch an die vorgeschriebene Reihenfolge von Argumentation und Untermauerung gehalten habe… ich könnte diesen ganzen formalistischen Krempel auf den Mond schießen! Der Leseteil meiner Arbeit besteht u.a. aus der „Diamantenen Sutra“, natürlich buddhistischer Natur. In den Pausen lese ich Teile eines „Combat Mission“ After Action Reports, also die schriftliche Darlegung eines Schlachtverlaufs, gespielt mit dem Strategiespiel „Combat Mission“. Die ersten Kapitel sind jeweils die Aufstellungsphasen der Spieler, welche Truppen sie warum wohin gestellt haben, und es ist lustig zu lesen, wie sich die beiden Gegner gegenseitig abwägen und zum Teil völlig aneinander vorbei denken. Das Spiel dürfte also einige Überraschungen parat halten, für beide. Und natürlich für mich als Leser.
Um 20:00 startet ein neues Samurai TV-Drama, „Shinsengumi“ heißt es, und das Besondere daran ist, dass Katori Shingo eine der Hauptrollen besetzt. Katori Shingo ist Mitglied der Band SMAP, und sieht eigentlich eher wie ein Milchbubi aus, und nicht wie jemand, der als Samurai überzeugend wirkt. Und Shingo hat nicht etwa eine Hauptrolle – er hat die Hauptrolle. Es geht wohl um zwei Freunde, die 1854 die erzwungene Öffnung Japans erleben und auch begrüßen, aber wohl völlig verschiedene Auffassungen von der Art und Weise der weiteren Entwicklung haben. Ich interpretiere, dass einer der beiden in zehn Jahren für das Shogunat und der andere für die „Reformer“ arbeiten wird, die letztendlich den Sieg davontragen. Die Geschichte beginnt mit einem kurzen Ausflug ins Jahr 1864 und ich glaube, dass sich die beiden Freunde zu diesem Zeitpunkt als Feinde gegenüberstehen. Aber ich kann mich auch irren. Ich werde mir weitere Episoden ansehen, um sicherzugehen. Auch wenn Katori Shingo wirklich nicht überzeugend wirkt. J
Schließlich sehen wir den zweiten Teil von „Jurassic Park“ im Fernsehen – nur um wieder die ewig gleichen Synchronstimmen zu hören. Ich bin es so richtig satt, diesen Mist zu hören, aber ich nicht vor, einen Stereovideorekorder zu kaufen, nur, um auf O-Ton umschalten zu können.
[1] Das Haus verfügte über keinerlei Isolation, da nutzte auch Minimalheizen nichts
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