Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

31. März 2008

Konvertierung possible

Filed under: Filme,My Life — 42317 @ 21:54

In Bezugnahme auf meinen Artikel

„YouTube verschönert auch das Leben offline“

sei hinzugefügt, dass ich erst letztlich dazu gekommen bin, welche von den von YouTube gezogenen Videos auf einen Datenträger zu brennen und auf meinem großen Fernseher zuhause anzusehen.

Im Vorfeld wurden mir oft Zweifel vorgetragen, was die Qualität solcher Videos anbelangt, zumal das Downloadformat „FLV“ ist, das erst in „AVI“ umgewandelt werden muss, damit mein DVD Player die Daten akzeptiert.
Wenn natürlich das Basismaterial nicht viel an Auflösung zu bieten hat, dann ist auch von dem konvertierten Ergebnis nicht viel zu erwarten, aber viele YouTube Videos haben eine solide Basisqualität, mit der sich arbeiten lässt. Auf dem großen Bildschirm jedenfalls war der Mediengenuss  ungetrübt und das Bild keineswegs pixelig. Der Ton hinkte hier und da dem Bild hinterher, aber das hat mit der Konvertierung zu tun, und nicht mit dem Material an sich.

Ich werde also auch weiterhin Videos von YouTube ziehen und auf transportablen Datenträgern unterbringen, damit ich sie nicht immer auf dem Monitor betrachten muss, denn in der schier unendlich erscheinenden Fülle des Unterhaltungsangebotes befindet sich so einiges, was sich von der Couch aus zu betrachten lohnt.

Schritt für Schritt kommt man ans Ziel

Filed under: Bücher,Japan,Militaria — 42317 @ 21:36

Das Bezirksgericht von Osaka hat in einer Klage eines japanischen Kriegsveteranen gegen den Literaturnobelpreisträger Ôe Kenzaburô entschieden, dass die Kaiserliche Armee für die Massenselbstmorde von Zivilisten auf Okinawa während der US Invasion verantwortlich ist. Auch das Anliegen, die weitere Verbreitung von Ôes diesbezüglichen „Okinawa Notes“ zu verhindern, wurde zurückgewiesen. Das Gericht verwies dabei auf Daten, die belegen, dass es nur in solchen Dörfern zu Massenselbstmorden gekommen war, in denen japanisches Militär stationiert war.

Die Klage war 2005 zustande gekommen und im April 2006 hatte das japanische Bildungsministerium angekündigt, die Hinweise auf militärische Verantwortlichkeiten aus den Schulbüchern zu entfernen. Nach Protesten im vergangenen September und nach dem Rücktritt des Nationalisten Abe vom Amt des Premierministers wurden die entsprechenden Textstellen im Dezember wieder aufgenommen.

(Der Artikel stammt von der International Herald Tribune, über military.com.)

Die japanische Regierung muss damit einen Gesichtsverlust hinnehmen, nachdem man gegenüber Korea und China immer wieder betont hatte, dass die Lehrbücher japanischer Schulen frei von politischer Vorteilsnahme seien – was hiermit offiziell und für alle sichtbar widerlegt ist.

Man könnte beinahe auf die Idee kommen, dass der Schulbuchstreit das Äquivalent zum japanischen Autobahnbau ist, in dem Sinne, dass man der Schulbuchindustrie durch ständige Neudrucke von Lehrmaterial Gewinne zuschustert.

Die Perversion des Verlangens

Filed under: My Life — 42317 @ 21:11

Unglaubliche Dinge gehen hier vor, während Melanie im weit, weit entfernten Köln bei einer Freundin weilt.

Ich habe heute nichts anderes gegessen als einen Apfel zum Frühstück und dann im Laufe des Tages ein ganzes Pfund gebratener Nudeln mit viel Käse drauf.
Und es hat mir Spaß gemacht!

27. März 2008

Die Welt bei Wer-Kennt-Wen

Filed under: My Life — 42317 @ 21:28

Auf Einladung einer Freundin und rheinland-pfälzischen Patriotin bin ich vor einigen Monaten zu dem Internet-Netzwerk „Wer-Kennt-Wen“ gekommen, und ich habe es bislang nicht bereut. Man kann nach Namen und Orten suchen und so alte Bekannte finden, indem man ihnen eine „Ich kenne (Name)“ Anfrage schickt (oder, falls man wegen langjähriger Trennung und unzureichenden Informationen zur Person nicht sicher ist, indem man nur auf ihrer WKW-Profilseite auftaucht – weil das System dem User Zugriffe auf seine Seite meldet).

Ich habe alte Kontakte mit ehemaligen Schulkameraden erneuert und habe auch verschwunden geglaubte Bundeswehrkameraden aufgetrieben (von denen mir einer noch das Äquivalent von 17 Euro schuldet). Ich bekomme wegen meiner Mitgliedschaft dort nicht mehr SPAM Mails als zuvor, und aus den AGB konnte ich auch keine Weiterleitung von Daten zu Werbezwecken herauslesen (ein gründlicherer Leser könnte mich vielleicht korrigieren, wer weiß?).

Neuerdings spüre ich allerdings einen gewissen sozialen Druck. Ich bekomme Anfragen von Leuten, die lediglich irgendwann mal am Rande meines Bewusstseins aufgetaucht sind.

Zum Beispiel von der Mutter einer Frau, mit der ich in den Kindergarten und in die gleiche Grundschule (im Jahrgang darunter allerdings) gegangen bin. Mit der Tochter habe ich in meinem ganzen Leben keine zwei Sätze geredet (an die ich mich erinnern könnte), ganz zu schweigen von ihrer Mutter, die ich einmal bewusst wahrgenommen habe, als ich in meinem Heimatort Werbeprospekte verteilte, um mein Taschengeld aufzubessern.

Oder von dem Bruder einer Nachbarin und Klassenkameradin, die ich kenne, seit ich laufen kann. Aber ihren Bruder? Ich habe eine dunkle Erinnerung an eine Zusammenkunft im Vorgarten des Hauses jenes Nachbarn vor etwa 25 Jahren, ich glaube, dass es sich bei jenem Bruder um jene Person handelt, die mein Interesse am Lippenpfeifen so richtig ins Rollen gebracht hat. Ich glaube mich zu erinnern, aber ich weiß es nicht mit Bestimmtheit.

Ich weise solche Anfragen zurück, auch wenn ich es nicht gerne tue, darum bemüht, nicht unfreundlich zu sein. Bin ich hochmütig? Bin ich zu sehr in mich gekehrt? Ich „netzwerke“ nicht mit Leuten, die ich nur einmal im Leben gesehen habe, das sind Leute, die ich nicht kenne, es sind Fremde. Mir reicht nicht, im gleichen Ort zu wohnen (oder gewohnt zu haben) oder gemeinsame Bekanntschaften zu haben. Ich will nur Leute in meiner Kontaktliste, die ich auch KENNE, mit denen ich bewusste Gemeinsamkeiten habe, und – das sei mir gegönnt – die ich auch sympathisch finde.

Ja, aber ich könnte diese Leute doch noch kennen lernen?
?????????????? Nein, ich lerne Leute gerne von Angesicht zu Angesicht kennen. Kontakte, die über das Internet zustande kommen, sind flüchtig, wenn gemeinsame Interessen nicht offensichtlich sind, sie sind bedeutungslos, wenn sie keinen persönlichen Hintergrund haben. Ich selbst habe Leute in meiner Sammlung von Adressen, die ich nie persönlich getroffen habe. Aber die Kontakte sind auf Grund gemeinsamer Interessen entstanden, wurden gepflegt, so weit möglich, und einer gewissen Studentin in Konstanz fühle ich mich deshalb bis heute nahe.

Was sollte ich mit „toten“ Kontakten in meiner Liste von WKW Bekanntschaften? Mit Leuten, von denen ich nicht mal weiß, worüber ich mit ihnen reden soll, weil es keine Grundlage dafür gibt? Ich fürchte, ich werde deshalb im Laufe der Zeit noch mehr Absagen schreiben. Es gefällt mir nicht, weil Leute sich hochmütig zurückgewiesen vorkommen oder gar verletzt fühlen könnten, aber wenn man eine Entscheidung getroffen hat, sollte man auch konsequent sein (obwohl ich mich durch ein der Anfrage beigefügtes Anschreiben gerne in meiner Entscheidung beeinflussen lasse).

16. März 2008

Bist DU Deutschland?

Filed under: Spiele — 42317 @ 9:48

Weil’s Spaß macht:

Hier ist der Große Einbürgerungstest, von der TAZ angeboten.

Isch bin gute genug, Deutscher zu sein dürfen.
Nur die Frage zur Züchtigung des eigenen Nachwuchses und zum Standort des Europaparlaments hatte ich falsch. Abgesehen davon muss ich mich fragen, ob es wichtig ist, zu wissen, wieviele Einwohner Deutschland hat…

Viel Spaß…

Nachtrag:

Den ganzen Fragenkatalog gibt es bei Verlag Ruhr.

14. März 2008

The Fast and the Furious: Tokyo Drift

Filed under: Filme,Japan — 42317 @ 19:19

Ich habe die ersten beiden Filme nicht gesehen, ich hatte es nie vor, und nach dem Genuss des dritten Teils weiß ich, dass das auch so bleibt.

Meine Gründe für diesen Medienkonsum erscheinen offensichtlich. Die Darstellung Japans in einem großen westlichen Film ist natürlich interessant, aber ausschlaggebend war die Anwesenheit von Kitagawa Keiko.

Unser 18 Jahre alter Held, Sean, liefert sich ein illegales Rennen mit einem Halbaffen aus dem Footballteam und wird erwischt. Es ist dabei mehr als auffällig, dass der 1982 geborene Darsteller Lucas Black optisch viel zu alt für die Rolle eines Oberschülers wirkt. Wie dem auch sei, um dem Knast zu entgehen, verspricht er der Polizei, die Stadt zu verlassen und zieht zu seinem Vater, einem Navy-Offizier mit Standort in Tokio.

Das ist ja super, muss ich mir da denken! Sollte ich selbst mal aus Hirnverbranntheit einige Tausend Euro Sachschaden anrichten, dann werd ich auch einfach nach Japan auswandern, um einer Gefängnisstrafe anhänglich Schadenersatzforderung zu entgehen.

Sein Vater ist ganz Soldat und betont die Notwendigkeit von Regeln, zum Beispiel, dass Sean kein Auto anfasst. Natürlich lassen Gelegenheiten nicht auf sich warten, weil der Quotenschwarze in dem Film, wie könnte es anders sein, auch der Verticker von Hehlerware ist, mit Verbindungen zu einem illegalen Rennclub, der ein Subunternehmen der lokalen Yakuza ist.

Der Held findet dort sofort einen Gönner, der ihm eine getunte Karre zur Verfügung stellt. Neben dem Gönner betritt natürlich auch gleich der Böse die Bühne, Neffe des Yakuza Chefoberbosses von Kabukichô (oder so), genannt „DK“, und das steht für „Driftkönig“. Der Böse und der Gute fahren also gegeneinander, Sean in einem Wagen seines Gönners, und stellt sich dabei an, als sei er noch nie Auto gefahren.
Das Rennen findet statt in einem geräumten Parkhaus, scheinbar vom untersten Stockwerk bis aufs Dach, und impliziert – man kann es sich denken – eine Menge Driften. Sean fährt das Auto völlig zu Schrott, zumindest die Karosserie.

Wieso das? Ich dachte, der Typ wär der ultimative Fahrer? Man kann ja nicht erwarten, dass er auf so ungewohntem Gelände gleich gewinnt (wär auch der gewollten Dramatik abträglich), immerhin ist der Boden in Parkhäusern oft glatt poliert, und enge Auffahrten sind halt was anderes, als Anzugrennen auf einem geraden Highway, aber dass er dermaßen abstinkt, ist ja schon lächerlich. Aber das mag man sehen, wie man will. Ich hielt die Vorstellung für extra-arm.

Er wäre nicht der erste Held, der sich (dem Zuschauer gegenüber) einen Ruf aufgebaut hat, indem er eine Leistungsstufe meistert, um sich dann (aus dramatischen Gründen) wieder anzustellen, wie der letzte Mensch. Zuletzt gesehen in „Daiundôkai“.

Aber was macht ein Held, wenn er schändlich geschlagen vom Schlachtfeld kriechen muss? Ganz klar, er zieht sich zurück, trainiert hart, und kommt dann wieder. Wie ein Ork. Die verlieren auch nie. Die ziehen sich zwar mal zurück, kommen dann aber wieder und gewinnen halt dann. Zumindest sehen das die Orks so. Und Sean.

Wenn es doch nur dabei bliebe. Nein, Für weiteres Drama muss auch noch eine Dreiecksbeziehung her, Eifersucht, ei, gib mir schon mal den Knüppel. Sean nimmt nämlich gleich nach seiner Ankunft Fühlung zu der Freundin des Bösen auf, leider nicht Kitagawa Keiko, und kriegt für seine Frechheit ein paar aufs Maul. Aber bei Helden heilt das ja ganz schnell wieder.

Zu guter Letzt stellt der örtliche Yakuza Oyabun (gespielt von Sonny Chiba) fest, dass der Partner des Bösen – gleichzeitig der Gönner des Guten – Mafiagelder veruntreut hat, also muss der Gönner sterben. Ein Pluspunkt: Unser böser Driftkönig offenbart dabei eine menschliche Seite.

Der Oyabun ist natürlich nicht begeistert ob des Gesichtsverlusts seines Neffen und stimmt zu, dass ein Rennen zwischen dem Amerikaner und dem Driftkönig die Entscheidung bringen soll, um den kindischen Streit zu beenden (wobei hier nicht nur um das „Recht haben“ und männlichen Stolz gespielt wird, sondern auch um die Frau). Sean und sein Boxenteam nehmen daraufhin den Motor des Wagens, den er auf seiner „Jungferngfahrt“ in Tokio zu Schrott gefahren hat, und bauen ihn in einen restaurierungsbedürftigen Camaro ein (man frage mich nicht, welche Version), den sein Vater rein zufällig einige Zeit zuvor irgendwo auf dem Marinestützpunkt entdeckt hat.

Der Film verschwand sofort wieder dahin, wo er hergekommen war. Das muss ich mir nicht nochmal ansehen. Das war völlig sinnfrei, ein Film für Rennfetischisten und Freunde getunter Autos, aber mehr auch nicht.

Wenn man mit den entsprechenden Namen der Charaktere etwas anfangen kann und einen Blick auf die Liste der Darsteller wirft, dann wird man feststellen, dass alle „Japaner“ mit Dialogrollen in Wirklichkeit Koreaner und oder Chinesen sind. Man muss als Japanischsprecher mal hinhören. Die „Japaner“ sprechen Englisch mit einem Akzent, der kein japanischer Akzent ist, und sie sprechen Japanisch mit Akzent und kein echtes Japanisch, wie sie es tun müssten, wenn sie echte Japaner und Yakuza wären (die gerne alten Tokiodialekt reden, wenn man den Medien glauben darf).

In dem Film kommen auch Japaner vor, aber die sind nur Alibi, schmückendes Beiwerk, und möglicherweise wegen ihres berüchtigt schlechten Englischs ohne Sprechrollen. Zum Beispiel Tsumabuki Satoshi, dessen Rolle nur als „Exceedingly Handsome Guy“ beschrieben wird. Ich glaube, der macht nichts anderes, als ein Startsignal zu geben. Erwähnenswert auch der Auftritt des Sumoringers Konishiki, dessen Rolle daraus besteht, unseren Helden zweimal aus einem Badehaus zu schmeißen.

Und was ist mit Kitagawa Keiko, die in Japan von der Kinopresse für ihren Auftritt in diesem international erfolgreichen (zumindest international bekannten) Film gepriesen und gefeiert wurde und wegen der ich überhaupt erst den Plan fasste, den Film anzusehen?

Ihr Gesicht ist in drei Szenen zu sehen, sie äußert einen halben Satz (sowas wie „Geht in Ordnung“) und später einen Ejektiv („Hey!“).

13. März 2008

Gelesen: Die Päpstin

Filed under: Bücher — 42317 @ 23:36

Das Buch lag auf dem Wohnzimmertisch. Einsam und verstoßen sah es aus, meine Freundin hatte beschlossen, zur Erhöhung unseres Etats einige ihrer Drucksachen zu verkaufen, und „Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross war dabei. Das wollte ich eigentlich schon immer mal lesen, also eignete ich es mir klammheimlich an, stellte meinen bereits ansatzweise behandelten Kafka wieder nach hinten, und verstaute das Werk in meinem Rucksack, von wo ich es immer auf dem Weg zur Arbeit und zurück und auch sonst auf Reisen in öffentlichen Verkehrmitteln, hervorholte.

Was muss ich von einem Buch halten, das mir im Titel bereits verrät, wie es ausgeht?
Bei genauerem Überlegen sagt mir der Titel nicht, wie das Buch ausgeht, sondern nur, welches Schicksal die Geschichte für die Protagonistin bereithält.

Die Protagonistin, mit dem Namen Johanna, wird also an einem schaurig kalten und stürmischen Wintertag zu Beginn des 9. Jh. n. Chr. geboren, und im Großen und Ganzen wired in der Geschichte keine Gelegenheit ausgelassen, den verbreiteten Aberglauben der Menschen zu jener Zeit darzustellen:

Die Hebamme will Kräuter gegen die Geburtsschmerzen einsetzen, der Vater, seines Zeichens der Dorfpriester, wirft die sie mit Hinweis auf die Bibel („Unter Schmerzen sollst Du gebären Deine Kinder!“) ins Feuer.
Als sie Jahre danach durch Gicht erwerbsunfähig wird und der Gemeinschaft zur Last fällt, wird sie der Hexerei beschuldigt und der Wasserprüfung unterzogen, wobei sie ertrinkt.
Die staatliche Rechtsprechung baut auf Gottesurteile, als gäbe es nichts verlässlicheres.
Die Pest ist natürlich eine Strafe Gottes.
Männer haben immer Recht, und Gelehrsamkeit von Frauen ist ein Anzeichen für Teufelswerk.

Nein, auf den Inhalt will ich im Detail gar nicht weiter eingehen.
Es sei so viel gesagt, dass die Heldin durch schicksalhafte Ereignisse in einer Männerrolle landet, und mit viel Herz und Verstand schließlich Mitte der 850er zum Papst gewählt wird. Das war damals scheinbar viel einfacher als heute. Damals wählte offenbar das Volk von Rom, und keine Versammlung von Kardinälen.

In der Mitte des Romans war ich drauf und dran, das Buch einfach zur Seite zu legen und es zu vergessen, weil mich die Achterbahnfahrt der Gefühle so abgestoßen hat. Johanna wird von ihrem sozialen Umfeld entweder geliebt oder gehasst. Dazwischen gibt es nichts. Und in diesem emotionalen Spannungsfeld steckt viel Potential für Drama. Wenn die Heldin etwas erreicht hat, zum Beispiel das Lesen oder die griechische Sprache gelernt oder eine Liebe gefunden, dann weiß man sofort, dass direkt nach der Darstellung des kleinen Höhepunkts der jähe Absturz in die nächste Katastrophe kommen wird.
Sie lernt lesen – der Vater schlägt sie halb tot.
Sie lernt Griechisch mit einem Buch – der Vater hält es für Hexensprüche. Und schlägt sie halb tot.
Sie darf auf eine Schule gehen – die Jungen und ihr Lehrer behandeln sie wie eine Aussätzige.
Sie küsst ihren Liebsten – ein neidischer Beobachter verrät es seiner ungeliebten Frau.

Auf Dauer etwas anstrengend. Aber nachdem ich die Hälfte schon gelesen hatte, wollte ich auch wissen, wie sich das Ende gestaltet.

Drei Päpste treten auf: Gregor IV. (aber nur kurz), Sergius II. und Leo IV. Unabhängig von ihrer jeweiligen persönlichen Charakterisierung werden die Päpste dargestellt als Gefangene ihres eigenen Systems. Sie sind umgeben von Vertretern und Handlangern zerstrittener Parteien und sind ständigen Intrigen (und Mordgefahr) ausgesetzt. Man könnte anhand der Handlung auch auf die Idee kommen, der größte Feind des Papstes sei die römische Ärzteschaft gewesen, in deren Fürsorge er sich befand. Wenn die Ärzte nichts besseres zu bieten haben, als ständigen Aderlass und Gebete am Bett des Kranken (dem man so den notwendigen Schlaf raubt), dann kann ich das auch gut verstehen.

Wenn man eine Portion Schmalz in Geschichten mag und einen Löffel voll Melodramatik als Nachschlag verträgt, und sich für kreative Ausschmückung historischer Begebenheiten erwärmen kann, dann kann man das Buch ganz bedenkenlos lesen, es wird keine Zeitverschwendung sein. Wenn man gegen Schmalz und Schmierendrama ein bisschen allergisch ist, wie ich (wenn schon Schmalz, dann bitte ich wenigstens um hübsche Garnierung), dann könnte es ein Fehler sein, das Werk in die Hand zu nehmen.

Letztendlich fand ich es nicht schlecht wegen der historischen Atmosphäre, die einem entgegen strömt. Da bekommt man richtig finsteres, dreckiges Mittelalter zu sehen, ohne die für solche Geschichten geradezu archetypische (spanische) Inquisition – die es im 9. Jh. noch nicht gab. Aber es war interessant, sehr lebhaft dargestellt zum Teil.

Lustig fand ich die Erwähnung von Gabeln als Essbesteck im Kloster zu Fulda, denn Gabeln haben sich in Europa erst nach der Renaissance durchgesetzt. Zu Zeiten vergehender fränkischer Reichsherrlichkeit schlürfte man Suppe aus der Schüssel, bestenfalls mit einem Holzlöffel, und Nahrungbrocken wurden mit Messern aufgespießt, zerteilt und dann mit den Händen gegessen.
Ich kann natürlich nicht sicher sein, dass besagte Stelle vielleicht nicht einfach ein Übersetzungsfehler ist – man bedenke die Dehnbarkeit des Begriffs „cutlery“ und das Gehalt des durchschnittlichen Übersetzers. 🙂
Unbedacht fand ich auch die Stelle, wo Dörfler nach der Verbrennung einer angeblichen Hexe rufen; dabei sind Verbrennungen von Hexen erst viel später eingeführt worden und waren – als heidnischer germanischer Brauch – in der dargestellten Zeit sogar verboten, per Dekret Karls des Großen.

Begegnungen – Der Zwielichtige

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 21:21

Da diese „Serie“ scheinbar gut ankommt, möchte ich hier auf eine alte Geschichte eingehen. Diese Begegnung hat bereits im Frühjahr 2006 stattgefunden und war, soweit ich mich erinnere, die erster ihrer Art.

Da kam ein Herr um die Mitte 50 herein, seine Kleidung war schlicht, wenn auch nicht unter Standard (von Teppichkunden diesen Alters). Die Chefin war näher an der Tür, also sprach er sie an, in einem auffälligen russischen Akzent:

„Gutten Tag. Ich bin Spezialist für rrussiche Teppiche. Darrf ich mich umsehen?“
Natürlich durfte er. Sein Blick blieb allerdings schnell an dem Kazak haften, der damals noch unter dem Gästetisch lag. Ein nicht allzu hochwertiges Produkt aus den späten Siebzigern, wenn ich mich nicht irre, und wohl etwas von der Sorte, von der die Chefin sagt, dass sie es gerade noch mit ihrem Gewissen vereinbaren könne, diese Qualitätsstufe anzubieten.

Der Kazak jedenfalls schien ihm auffällig. Dann fragte er:
„Chaben Sie auch antike Teppiche?“
„Nein,“ sagte die Chefin im Brustton der Überzeugung, „nur, was Sie hier sehen.“
Ganz ohne Euphemismen ausgedrückt: Eine glatte Lüge.
Der Herr ließ es damit bewenden, bedankte sich und ging wieder.
Mein fragender Blick konnte nur auffallen.

„Ich mache grundsätzlich keine Geschäfte mit Russen.“ Und der hier hatte offenbar in dem Moment verloren, als er sich ganz auf den an sich neu zu nennenden Kazak konzentrierte. Den für Laien ordinär aussehende, aber 200 Jahre alten Adlerkazak an der offen ersichtlichen Wand im Rücken des Büroteils hatte er nur eines kurzen Blickes gewürdigt.
„Ich bin Shpezialist für rrussische Teppiche, habe Ahnung von gar nix!“ machte Sie sich über ihn lustig.

Jetzt war die Abneigung gegen Russen aber immer noch nicht so ganz geklärt, und die dazu gehörige Geschichte kam später zur Sprache. Ich erinnere mich allerdings nicht, ob es der gleiche Tag war.
Sie erzählte von einem Trierer Telekommunikationshändler, der Mitte der Neunziger (?) fette Gewinne gerochen und eine Außenstelle seines Geschäfts in Petersburg eröffnet hatte, unter der Leitung seines Sohnes, der wohl Russisch konnte.
Einige Tage nach der Eröffnung kam ein Herr im Geschäftsanzug in den Laden und sagte in deutscher Sprache:
„Ich kaufe alles, was sie haben“ und legte einen halben Aktenkoffer voller Dollarscheine auf den Tisch. Da wurde erst gar nicht gezählt, sondern die Ware ausgeliefert.
Wochen danach wiederholte sich die Szene mit dem gleichen Herrn. Wieder kaufte er den kompletten Bestand und wieder zahlte er bar mit bündelweise Dollarnoten, die man erst gar nicht abzählte.

Als er einige Wochen darauf wieder kam, kaufte er nicht wieder die ganze Ladenauslage, sondern ließ, in einem nicht näher ausgeführten Gespräch, durchblicken, dass er für seine Großzügigkeit gewisse Gegenleistungen und Gefälligkeiten erwarte.

Das war dem Trierer Kaufmann dann doch unheimlich, bestellte seinen Sohn aus Russland zurück und veräußerte die Petersburger Außenstelle. Nichtsdestotrotz stand der Petersburger Herr einige Monate später in seinem Trierer Laden.
Es heißt, die ganze Familie sei daraufhin mit polizeilicher Hilfe untergetaucht.

Ich habe Verständnis für das Argument. Ich würde auch keine Geschäfte in Russland machen wollen, das Gelände erscheint mir zu sumpfig. Es ist natürlich bedauerlich, dass wegen der Schafe im schwarzen Mafiapelz Russen und vor allem Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR in erster Linie mit solchen Hintergründen in Verbindung  gebracht und deshalb in der Regel von Einheimischen gemieden werden – weswegen die unter sich bleiben, eine eigene Subkultur bilden, was zu weiterer Abschottung und zu weiteren Vorurteilen führt.
Ich bin jedenfalls angewiesen, niemandem gegenüber die Antiquitäten in der oberen Etage zu erwähnen, der nicht zur bereits bekannten Kundschaft gehört oder der nicht durch sein geäußertes Vorwissen erkennen lässt, dass er auch Ahnung davon hat. Einem Laien einen alten Kazak zu zeigen, ist reine Zeitverschwendung, und nur eine verschwindende Anzahl von Leuten denkt sich etwas bei einem seidenen Shirvan.