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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

30. September 2008

Von gestellten Weichen

Filed under: My Life — 42317 @ 0:34

Ich sollte auch was Positives berichten. Am vergangenen Samstag war ich zu Gast auf der Hochzeitsfeier eines guten Schulfreundes, mit dem ich einige Wanderungen und Touren hinter mich gebracht habe, deren Erinnerungswert ich keinesfalls missen möchte, und dessen Initialen sich auf einer Tastatur wunderschön direkt nebeneinander befinden: 001.
(Die Namen der Hauptbeteiligten werden aus Gründen der Anonymisierung digital verschlüsselt.)

Wenn ich die Sache richtig sehe, dann ist seine amtliche Heirat bereits einige Monate her. Der Vorgang war so unauffällig, dass ich ihn mir nicht dauerhaft gemerkt habe und erst bei eben jener Gelegenheit wieder daran erinnert wurde, und „jene Gelegenheit“ ist die kirchliche Trauung der beiden gewesen, aus gegebenem Anlass in ökumenischer, also gemeinschaftlich katholischer und protestantischer Form abgehalten.

Organisatorische Hinweise gab es bereits frühzeitig, im Frühjahr, und die offizielle Einladung erfolgte im Juli. Ich besitze keinen fahrbaren Untersatz und könnte mir auch keinen leisten, weswegen ich zu Beginn bereits fragte, wie ich denn an den Veranstaltungsort kommen würde, der immerhin im Großraum Heidelberg liegt.  Wegen des Umstands, dass ich über keinerlei Kontakte zu seiner Familie verfüge, überließ ich die Angelegenheit seiner Planung, was aber wegen der Koordinierung von 80 Gästen dann aber erst im letzten Moment, in der Woche zuvor, angeleiert werden konnte.
Seine Eltern hatten die Karre voll, also bot er einen Onkel aus der Saarlouiser Gegend an. Nach einem klärenden Telefonat kam ich mit diesem überein, dass er uns am Völklinger Bahnhof abholen würde. „Uns“ heißt – unglaublich, aber wahr – dass Melanie an diesem Event teilnehmen würde. Ich weiß nicht, ob ich etwas besonderes dazu beigetragen habe, ihre sonst zurückhaltende Stimmung, was Kontakte mit meinen Freunden anbelangt, zu ändern. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass eine Trauung ein einzigartigerer Vorgang ist, als eine jährlich wiederkehrende Geburtstags- oder Silvesterfeier, von denen man wirklich sagen musste, dass sie immer gleich verliefen. Für alte Freunde mag das angenehm sein, aber für neu dazu gestoßene Freundinnen muss eine derartige, unbeabsichtigt geschaffene, Tradition sehr eintönig erscheinen.
Aber zu diesem Anlass war sie dabei, und ich habe mich darüber gefreut.

Am Stichtag lief irgendwie alles eine Stunde zu früh. Es war verabredet, dass wir um kurz nach Zehn morgens mit dem Herrn Onkel am Bahnhof zusammentreffen sollten. Allerdings bin ich bei der Überprüfung der Bahnverbindungen wohl um eine Zeile verrutscht, und so kam es, dass wir um Sechs aufstanden, eine halbe Stunde im Bahnhof rumsaßen, um Acht in den Zug stiegen, um kurz nach Neun in Völklingen ankamen, eine weitere Stunde im Zielbahnhof rumsaßen, und dann den Herrn bemerkten, der sich auffällig in der Halle umsah. Es war der richtige.

Die Fahrt ging technisch und geistig sehr schnell vonstatten. Technisch, weil die Autobahn frei war und es zu keinerlei Verzögerungen kam. Geistig, weil wir die ganze Zeit mit japanologischen Darlegungen beschäftigt waren, außerdem entpuppte sich unser fahrender Gastgeber als Frankreichkenner, der mit meiner Freundin Impressionen aus der Ardeche austauschen konnte. Gelangweilt hat sich also wohl keiner. Belustigt war ich, als er wegen der Beschreibung eines Ausflugs nach Vichy fragte, ob ich mit dieser Stadt irgendetwas assoziieren könne, nachdem sich das kulturelle Angebot der Stadt eher mager darstelle. Ich hätte beinahe gefragt, wieviel Zeit er mir für den Vortrag über das Regime des Marschall Petain geben würde, beließ es aber bei dem Einleitungsabschnitt des improvisierten Vortrags, in dem ich andeutete, dass ich mit diesem Teil der frz. Geschichte sehr wohl vertraut bin. Er hätte mich ebenso fragen können, ob ich das Märchen von Hänsel und Gretel kenne. Ich empfand es als einen lustigen Moment.

Wegen der mit wenigen Abweichungen haltbaren Durchschnittsgeschwindigkeit kam es dann dazu, dass wir eine Stunde früher als geplant in dem gesuchten Heidelberger Vorort ankamen. Wir suchten zwar zuerst einmal die Festhalle, in der die Festivität statfinden sollte, aber auch das ging flott von statten, und da wir, anders als der Onkel und seine Gattin, kein Hotelzimmer hatten, verbrachten wir diese Stunde zu zweit vor der Kirche, die so klein ist, dass wir zweimal daran vorbei fuhren, ohne sie zu entdecken, und unterhielten uns über ausgefallene Kindernamen.

Kann man zum Beispiel seine Tochter „Medea“ nennen? Ich behaupte ja, weil ich der Meinung bin, dass die Konnotation des Namens dem Großteil der Leute nicht geläufig ist. Melanie traut der durchschnittlichen Bevölkerung eine höhere Bildung zu, als ich, und behauptet das Gegenteil. Ebenso würde ich meinem hypothetischen Nachwuchs keinen Namen geben, der sich zu sehr nach Kirche und Bibel anhört, also keine Apostel oder Propheten und dergleichen, auch keine bekannteren Päpste. „Johannes Paul“ käme mir gar nicht in die Tüte. „Urban“ klingt völlig verstaubt, und „Innozenz“ erkennt man ja heute nicht mal mehr als Namen. „Romulus“ hat theoretisch den gleichen Anklang wie „Medea“, aber wer weiß heute schon, dass Romulus der klassische Brudermörder war, bis die Christen mit ihrem Kain aufwarteten?
Der Ausflug zu den Kaisern bringt auch nicht viel. Würde ein „Augustus“ über kurz oder lang „dummer August!“ gerufen? Klingt ein „Julius“ nicht so elitär und bourgeois, dass man ihm allein dafür ein Bein stellen und ihn auf dem Schulhof herumschubsen müsste? Müsste man beim „Markus Antonius“ nicht über den Anton, den aus Tirol, stolpern und vor lauter Schwindelgefühl einen Anfall von Brechreiz erleiden? Ich muss dagegen zugeben, dass mir der oströmische „Basileos“ gar nicht schlecht gefallen würde.

Während dieser Gedankengänge füllte sich der kleine Kirchenvorplatz mit anderen Eingeladenen, und wir stellten mit Belustigung fest, dass man dem einen oder anderen die alternative Einstellung durchaus ansah, die Braut, 000, trug ein Kleid, dessen leicht glänzende, weiße Oberfläche den Eindruck vermittelte, es handele sich um einen umgeschneiderten Regenmantel, und der Bräutigam ist immer noch so schmal, dass ich im Stillen bei mir denken musste, dass er bestimmt in jede Parklücke passt.

Um kurz vor Zwei fehlten noch zwei Leute, von denen ich wusste, dass sie eine Einladung erhalten hatten, ebenfalls Schulkameraden. Andreas kam dann auf den letzten Drücker, mit Anzug und Rucksack. Dieser Anzug schien im besser zu passen, als der letzte, in dem ich ihn gesehen habe, und ich erinnere mich nicht, bei welcher Gelegenheit das war. Jedenfalls hatte ich damals den Eindruck, dass ihm das Teil zu groß war. Wie dem auch sei… ich habe mich sehr darüber gefreut, Andreas und 001 mal wieder zu sehen, und meine Freude wäre sicher noch größer gewesen, wäre der Dritte per Sammelmail Eingeladene ebenfalls da gewesen. Der kam aber nicht, und noch heute weiß keiner, warum eigentlich, hat er doch erst in dieser Woche eine feste Anstellung in Koblenz gefunden. Ich bin sicher, dass er gute Gründe hat, aber schade war’s trotzdem.

Wir platzierten uns alle in der Kirche, in einer unauffälligen, hinteren Reihe, und das Brautpaar flanierte etwas steif zum Altar. Zumindest war das mein Eindruck. Der traditionelle Hochzeitsmarsch, bzw. einer der beiden, wurde nicht georgelt, stattdessen etwas Nichtssagendes, was in jeden Sonntagsgottesdienst gepasst hätte.
Obwohl ich sagen muss, dass ökumenische Gottesdienste leichter zu ertragen sind, als die katholischen, die ich aus meiner Kindheit kenne, ist mir nur wenig von dem Gesagten in Erinnerung geblieben. Wenn übermäßig von Gottes Gnade geredet wird, treten semantische Inhalte bei mir zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus, ohne im Zwischenraum auf Widerstand zu stoßen. Allein die Aussagen über „ein Rudel Kinder“ und den Hinweis auf die erotischen Inhalte der Bibel fand ich unterhaltsam.
In deutlicher Erinnerung geblieben ist mir das Anstecken der Ringe, was man scheinbar „im Namen des Vaters, des Sohnes, und des Heiligen Geistes“ macht: Ich hätte Probleme, diese Formel überhaupt über die Lippen zu bekommen. Ernsthaft. Ein inneres Widerstreben lässt mir diese und solche Worte im Hals stecken bleiben.
Andreas neben mir macht bei solch geballter Heiligkeit auch keinen allzu amüsierten Eindruck, aber ich habe davon abgesehen, ihn nach seinen Eindrücken und Meinungen zu fragen. Don’t ask, don’t tell, nur auf einem anderen Gebiet. (Nein, ich erkläre das jetzt nicht extra.)

Ich weiß nicht mehr, wie lange das religiöse Brimborium gedauert hat, dessen auffälligstes optisches Element für mich wohl die Messdienerin war, wie ich unkeusch zugeben muss, die ich in fünf Jahren gerne wiedersehen würde, um das Ergebnis ihrer zwischenzeitlichen Entwicklung zu begutachten, aber nach dem „Schulsssegen“ (Originaltext des Beiblatts) war es dann vorbei und ich konnte endlich mal wieder richtig Luft holen. Ich fühlte mich irgendwie unruhig, und nachdem wir uns noch artig in das große Gruppenfoto eingereiht und dem „neuen“ Ehepaar beim Holzsägen zugeschaut hatten, machte ich mich mit Andreas und Melanie zu Fuß auf zur Festhalle, die etwa einen Kilometer entfernt von der Kirche steht.

Als schließlich auch alle anderen dort eingetroffen waren, begann der eher entspannende Teil, und der kam mir sehr japanisch vor. Ich habe in meinem Japantagebuch das eine oder andere über die festgefügte Gestaltung einer japanischen Party geschrieben. Natürlich waren wir hier nicht auf zwei Stunden festgelegt, aber die Art der Spielchen zum Auftakt kam mir verdächtig bekannt vor.
Jeder Tisch war auf acht Personen ausgelegt und war einem bestimmten grafischen Symbol zugeordnet, zum Beispiel „Berg“, „Buch“, „Blume“, usw. Gegenstücke dieser Symbole befanden sich in einer Schale, in Form von Losen, deren Anzahl der der geladenen Gäste entsprach. Jeder sollte eines ziehen und Ziel der Übung war es, dass man an einem zufällig zusammengestellten Tisch landen würde, um die kategorische Aufspaltung der Gesellschaft in Familien und Interessengruppen zu verhindern.

An sich ist das eine gute Idee, aber ich kann Andreas gut verstehen, dass es ihm nicht schmeckte, mit wildfremden Leuten zusammengesteckt zu werden, die er danach nie wieder sehen würde, anstatt mit den Freunden, die zu sehen er eigentlich gekommen war. 001 ließ sich von keinem Argument erweichen, und ich machte Witze, dass ihm das Dasein als höherer Beamter nach seinem Zweiten Staatsexamen scheinbar bereits zu Kopf gestiegen sei. Aber uns kam ein Denkfehler der Organisatoren zu Gute. Die Anzahl der Lose entsprach zwar der der Gäste, aber es war auch festgelegt, dass man Paare nicht auseinanderreißen würde, und so ergab es sich, dass, als wir als letzte noch standen, noch Lose übrig waren. Lapidar ausgedrückt besorgten wir uns auf diese Weise passende Lose und setzten uns dann an den Tisch, an dem noch drei Plätze frei waren.

Es gab keine offizielle Hochzeitstorte. Auch die wurde ausgelost, indem jeder mitgebrachte Kuchen eine Nummer und ein entsprechendes Los in einer anderen Schüssel erhielt. Das Los fiel auf die Nummer 10, und dabei handelte es sich um den wahrscheinlich schlichtesten Kuchen auf der gesamten Anrichte, ein rundes und niedriges braunes Etwas, das dann feierlich von den beiden angeschnitten wurde. Das Überangebot sorgte dann dafür, dass ich mehr Kuchen aß, als im gesamten vergangenen Jahr, und nach fünf Stücken hatte ich auch erst mal wieder genug (abgesehen davon, dass mir mein Vater am Tag darauf noch Stücke eines Sandkuchens anbot, von denen ich auch etwas nahm). Kuchen ist so richtig langweilig geworden seit meiner Kindheit, wo die Oma jeden Sonntag mindestens einen auf den Tisch gestellt hatte. Heutzutage bräuchte es wohl einen echten Rahm- oder Käsekuchen (mit Mürbeteigboden und Rosinen), um mein echtes Interesse zu wecken. Man mag mir das krumm nehmen, aber alles andere esse ich nur aus Höflichkeit, und auch nur dann, falls es sich um ein selbstgemachtes Exemplar handelt.

Zwischen Kuchen und Hauptmenü war etwas Zeit, um die Tischnachbarn kennen zu lernen. Wir hatten da eine Pädagogin, die sich mal an Japanologie versucht hatte und ein Bild von meinem Anzug machen wollte, und auf der anderen Seite einen 19 Jahre alten Bayern, der nach seinem Abitur Medizin studieren möchte und sich nicht ganz sicher zu sein scheint, ob er lieber verweigern oder dienen soll. Natürlich rate ich ihm zum Wehrdienst, und zwar, weil es sich um eine charakterfördernde Erfahrung handelt, aus der man einige positive Lehren ziehen kann, unabhängig davon, was auch immer man von den negativen Seiten halten mag oder zu wissen glaubt. Natürlich lasse ich bei meinen Schilderungen die negativen Seiten nicht aus, und die meisten Zuhörer sind mir in der Regel dankbar für meine Darstellungen, da man Informationen zum Thema Wehrdienst scheinbar nur von extremen Vertretern der Pro- oder Contra-Fraktion erhält. Ich lege ich ihm auch die Möglichkeit dar, sich freistellen zu lassen und nach seinem Studium zur Armee zu gehen. Ich bin sicher, dass Wehrdienst als Titularhauptmann was für sich hat.

Dann gibt’s die Hauptmahlzeit. Ich weiß nicht mehr im Einzelnen, was es war, obwohl ich mit dem Koch des Büffets eine ganze Weile darüber geredet habe. Ich erinnere mich an Karottensalat in einer Zitronenvinaigrette, Maultaschen in gelber Soße (hauptsächlich pürierte Möhren), Bandnudeln mit einer anderen Soße, Schweinefilets in einer hellen Soße, die aus Sahne besteht, in der man Petersilie mit etwas Salz gekocht hat, und gegartes Gemüse. Ich bin sehr zufrieden gewesen, und der Obstschnaps im Anschluss war nötig. Aber wenn ich bedenke, was ich vor zehn Jahren noch alles in mich hineinstopfen konnte, muss ich heute ungläubig den Kopf schütteln. Auch der Wein war nicht schlecht, und ich habe (vor dem Essen bereits) deutlich gespürt, wie zwei Gläser davon die ganze Sache viel lockerer erscheinen ließen.

Nicht gereicht hat das für ein Spielchen am Nachmittag. Unter dem Vorwand, die beiden sollten Blumen pflücken und einen Kranz daraus flechten, wurde das Brautpaar weggeschickt, und die Initiatorin dieser Aktion weihte die verbliebenen Gäste in Ihre Absichten ein. Sie hatte eine CD dabei, von der ein hebräischer Hochzeits- und Segenstanz zu hören war, und die versammelte Runde sollte, wortwörtlich, in zwei sich entgegenlaufenden Kreisen um das Brautpaar herumtanzen, sechs Schritte nach links, sechs Schritte nach rechts, einen Text mitsingen, der sich in „A-ja-ja“ erschöpfte, und dabei mit den Füßen auf den Boden stampfen. „Konsterniert“ ist ein schöner Ausdruck für meine Begeisterung. Die Pädagogin an unserem Tisch hatte vermutlich gar nicht so unrecht, als sie mich fragte, ob es mir zu peinlich sei, mitzumachen. Ich erklärte ihr, dass ich ungern das mache, was alle machen, vor allem dann, wenn es als was Tolles gepriesen wird, ich bin bis an mein Lebensende tanzgeschädigt, und außerdem wäre ich nicht ich, wenn ich so ohne weiteres an einem solchen Ringelpiez mitmachen würde.

Nach etwas Smalltalk gab es weitere Unterhaltungsprojekte. Nebenbei sei ein Spiel erwähnt, bei dem man vergleichen konnte, wieviele Alltagsdinge das Ehepaar so über den jeweils anderen wusste, und die seltsame Idee, den Bräutigam (Bauingenieur) einen Eimer mit Sand nach Münzen durchsieben zu lassen, während seine Frau (Ärztin) eine Plüschratte sezierte, um irgendwelche Fremdkörper aus den Innereien zu nehmen.
Interessanter fand ich das Wanderpaket, also einen Karton mit einem Geschenk drin, der mit mehreren Lagen Papier umwickelt war, und auf jeder Lage war eine Aufgabe zu finden, die der Öffner lösen musste. Das heißt, der Bräutigam bekam als erster das Geschenk und darauf war zum Beispiel geschrieben, er solle es „dem Herrn mit der größten Nase“ überreichen, der musste dann eine Schicht entfernen und bekam die Aufgabe, das Paket der Dame mit der schönsten Frisur zu geben, die es an den ältesten Gast weitergeben sollte und so weiter, bis die Sache dann, wie auf der vorletzten Schicht vermerkt, bei der Braut landete. Das Geschenk stammte wohl von einem argentinischen Freund, der heimische Spezialitäten, Tee und Kochzutaten, glaube ich, hineingepackt hatte. Nette Idee, aber meine zu Geschlechterstudien neigende Ausbildung machte sich darin bemerkbar, dass ich amüsiert darüber war, dass ein Geschenk, das mit dem Dasein einer Hausfrau in Verbindung zu bringen war, ausgerechnet für die junge Ehefrau bestimmt war. Würde es sich hierbei um eine zu analysierende Geschichte handeln, wäre dies wohl ein eigener Abschnitt im Kapitel „Sexismus“ geworden. Natürlich war ein solcher hier nicht beabsichtigt, aber vorhanden war er trotzdem.

Aus einem ähnlichen Grund lustig fand ich die Tanzvorführungen des Brautvaters (obwohl ich mir nicht mehr sicher bin, ob er das war, vielleicht war’s auch ein Onkel). Während mein freundlicher Fahrer ganz eindeutig zu den Frankophilen zu zählen ist, hatte der tanzende Herr einen Narren an Griechenland gefressen. In landschaftlichen Dingen muss ich ihm zustimmen, Griechenland hat sehr schöne Orte zu bieten, seien sie nun ästhetisch oder historisch interessant, die ich selbst leider nur aus Büchern und Filmen kenne. Man sollte es wohl gesehen haben, kann ich mir denken.
Aber was die Kultur betrifft… die Griechen folgten spätestens nach dem Fall des Oströmischen Reiches dem Beispiel ihrer italienischen Nachbarn, lebten unter wechselnden Fremherrschern (Serben und Türken) bis zu ihrer Selbständigkeit 1830, und verblieben in einem Zustand völliger politischer und kultureller Bedeutungslosigkeit bis zur Vertreibung der Osmanen im Zuge der Balkankriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wie gelangte die wie auch immer wiederentdeckte (oder neu erfundene?) griechische Kultur in das Bewusstsein der übrigen Welt? Durch Anthony Quinn und „Alexis Sorbas“. Der Film beruht zweifelsfrei auf einer griechischen und teilbiografischen Vorlage (geschrieben von Nikos Kazantzakis), aber das macht keine Aussage darüber, wie alt die derzeit zelebrierte griechische Kultur tatsächlich ist. Ein mir bekannter Rumäne, den ich in Hirosaki getroffen habe, lachte über den Begriff moderner griechischer Kultur, als wir von eben jenem Tanz redeten und sagte: „Alle sagen, dies sei der griechische Tanz. Die Griechen hatten gar keinen Tanz, bevor ihnen dieser Film einen gegeben hat!“ Und in Erinnerung an dieses Zitat musste ich auch am Abend der Hochzeit lachen, denn mich beschleicht der Verdacht, dass der immens beliebte Film aus einer lokalen Eigenart ein nationales Merkmal gemacht hat.

Ein bemerkenswertes Highlight waren die Diashows der beiden Väter, die ein paar Bilder aus dem Leben ihrer Sprösslinge kommentierten. Ich bekam ein Bild von 001 zu sehen, das ihn nach der Abiturzeugnisübergabe zeigt. Damals hatte er lange Haare, was ihm einen „Grunge-Look“ verpasste, dem er mit seinem Verhalten nicht gerecht wurde. Das war sehr nostalgisch und sah gleichzeitig so abgefahren aus, dass ich laut lachen musste. Der Herr Vater nahm das natürlich zur Kenntnis und sagte: „Der Dominik muss gar nicht so lachen. Wenn ich gewusst hätte, dass der heute kommt, hätte ich noch ein paar andere Bilder mitgebracht, auf denen er ebenfalls zu sehen ist.“ Ich muss zugeben, dass ich drei Sekunden gebraucht habe, um darauf zu kommen, was er damit wohl gemeint hat. Dabei hatte ich es damals wegen meiner Erscheinung sogar als „Farbtupfer“ in die Saarbrücker Zeitung geschafft. Ich habe jedenfalls großes Interesse an diesen Bildern, von denen er sprach, weil ich von keinen anderen weiß, die von mir am 27. Juni 1997 gemacht wurden.

Der restliche Abend lief vor sich hin, und zwar ohne, dass ich mich gelangweilt hätte. Immerhin brachte 001 noch einen angemessenen Walzer zustande, den man am Nachmittag nochmal geübt hatte. Einen solchen würde ich wohl auch noch hinbekommen, aber nur mit einer kurzen Einübung wie er, und außerdem brauche ich auch jemanden, mit dem ich tanzen könnte. Melanie tanzt nicht, und ich tanze nicht mit irgendjemandem. Ich nutzte das allgemeine Tanzen, um meine Hälfte von der Flasche „Trollinger“ Rotwein (2006) und alles andere, was ich so getrunken hatte, wieder rauszulassen.

Ab halb Zwölf war mit mir nichts mehr anzufangen, und Melanie schlief schon fast im Sitzen. Andreas hatte sich schon zu einem Gang um den Block aufgemacht, um der sich einstellenden Müdigkeit und verbrauchten Luft im Saal entgegenzuwirken. Etwa um Mitternacht habe ich aufgegeben, und es lief auch nichts mehr, was zu verfolgen sich lohnte, also packte ich den Schlafsack mit Isomatte, den man mir geliehen hatte, verabschiedete mich von Andreas, der in sein Hotel einkehrte, sagte meinen Gastgebern Gute Nacht und begab mich mit Melanie in den Keller des Gebäudes, wo sich ein Raum befindet, der von den Geräuschen der Halle oben drüber weitgehend abgeschirmt und dunkel ist. Ein Paar aus Schleswig Holstein, Ole und Nina, hatte sich ebenfalls dort eingenistet, aber die kamen erst runter, als ich schon nichts mehr davon merkte.

Beachtlicherweise schlief ich bis um Neun Uhr, und das ist deswegen beachtlich, weil auch eine Isomatte den harten Linoleumboden nicht wirklich abschwächt. Ich bin also immer wieder mal aufgewacht, weil meine Hüfte schmerzte, und musste mich umdrehen, um wieder eine bis zwei Stunden Ruhe zu haben. Melanie scheint komplett durchgeschlafen zu haben, mit der Einschränkung, dass sie wegen Oles Schnarchen wohl Gehörschutz verwendet hat.

Am Morgen danach also ein feudales Frühstück, das aus den Brötchenresten des vergangenen Tags plus einer Anzahl frischer Butterhörnchen bestand. Danach war ich satt für den ganzen Tag und hätte mir noch einen Schnaps gewünscht, aber es ging auch so. Ich habe ein paar Bilder von der Frühstücksversammlung gemacht, an der 001, seine Eltern, sein Bruder, 000, Ole, Nina, Melanie und meine Wenigkeit teilnahmen, aber nur eines ist was geworden, und gerade das wird Nina überhaupt nicht gerecht, die durchaus besser aussieht, als das Foto vermuten lässt. Vielleicht waren auch noch ein oder zwei Leute mehr da, aber ich kann mich nicht erinnern.

Nach dem Frühstück wurde dann der Saal inklusive Küche aufgeräumt und besenrein hinterlassen. Wieder einmal wurde alles zu früh fertig. Ich hatte mit dem Onkel aus Saarlouis ausgemacht, dass er uns um 1430 vor der Halle abholen sollte. Da er noch nie in Heidelberg gewesen war, wollte er die Gelegenheit nutzen, die Stadt auch anzusehen. Nun war es Ein Uhr und die verbliebenen Leute abfahrbereit, 001 und 000 verabschiedeten sich und traten den Heimweg an.

Wir hatten genug zu lesen dabei und außerdem ein paar Sitzkissen, die ich als Stopfmaterial aus Gründen der improvisierten Kopfkissenbequemlichkeit in meinen Rucksack gesteckt hatte, wir hätten also auch auf der Treppe der Gemeinschaftshalle warten können. Stattdessen luden uns die Eltern ein, auf den Heiligenberg zu fahren, wo sich unter anderem eine so genannte Thingstätte befindet. Dabei handelt es sich um einen Veranstaltungsort nach nationalsozialistischem Gepräge, also eine halbrunde Bühne aus wuchtigen Steinquadern, deren Mauer man auch für den Aufmarsch von Fahnen- und Standartenträgern verwenden konnte, und davor mehrere tausend Sitz- und Stehplätze. Stimmungsvoll ist die Atmosphäre dort bei abendlichen Großveranstaltungen bestimmt. Jetzt ist aber grade Mittag und der Berg hat noch was anderes zu bieten.

Wie es scheint, handelt es sich um eine Kultstätte altgermanischer Art, die bereits vor über 2000 Jahren besiedelt war. Die Römer bauten hier ebenfalls einen Tempel, und nach der Christianisierung der Gegend wurde im 9. Jh. der ehemals römische Tempel zu einem Kloster ausgebaut, der Tempelbereich selbst zur Kirche umfunktioniert. Heute sind davon nur noch Ruinen zu besichtigen. Aber immerhin sind es saubere und kommentierte Ruinen, denn an vielen Stellen des Baus kann man Tafeln sehen, auf denen zu lesen ist, in was für einer Art Raum man sich gerade befindet.

Ich stieg mit dem Herrn K auf einen der verbliebenen Türme und wir betrachteten die Rheinebene. Leider sind die Bäume im direkten Umfeld der Anlage zu hoch und verdecken den Ausblick auf etwa drei Viertel der weiteren Umgebung. Sehr schade. Aber mein „Fremdenführer“ ist ein eloquenter Gesprächspartner, der so einiges zu erzählen weiß, und ich genieße solche Gelegenheiten immer sehr. Allein seine Gattin überraschte mich mit der Anfrage, ob man denn, da es ja bereits früher Nachmittag sei, nicht eine Brotzeit einlegen sollte. Ah, danke, ich spüre mein Frühstück immer noch.

Pünktlich für die Abfahrzeit machten wir uns auf den Weg zurück zur Halle, wo wir denn in den Wagen des Onkels umsteigen sollten. Auf dem Weg dahin kamen wir nicht umhin, einen Umweg zu fahren, damit ich ein Foto vom Heidelberger Schloss und dem Stadttor machen konnte. Auch für diese Gelegenheit bin ich sehr dankbar. Wie es der Zufall will, mussten wir nicht die gesamte Strecke bis zum Treffpunkt fahren, weil der Onkel eben zu dieser Zeit aus der Stadt zurückkehrte und an einer roten Ampel direkt hinter uns landete. Sein Hupen, mit dem er auf sich aufmerksam machte, hätte den vor uns haltenden Ford beinahe dazu gebracht, bei Rot über die Ampel zu fahren, aber der Fahrer bemerkte es nach fünf Zentimetern (anders als ein anderer PKW, der wenige Minuten später die rote Ampel überfuhr und dabei geblitzt wurde).

Die Wagen wurden also ein paar Meter weiter am Straßenrand geparkt und es wurde noch ein bisschen geplaudert – scheinbar redet die ganze Familie gern – und nach einer weiteren Viertelstunde räumten wir unsere Sachen um und fuhren gen Heimat, wieder ungelangweilt durch Gespräche, und nur kurz durch ein liegen gebliebenes Fahrzeug auf der Autobahn aufgehalten. Weil ich erwähnte, dass mein Vater in Ludweiler wohnt, wurde Melanie in Völklingen am Bahnhof abgesetzt, während ich nach Ludweiler gefahren wurde, weil meine derzeitigen Gastgeber über den Warndt nach Hause fahren wollten, und weil ich morgen eh noch die Großeltern besuchen wollte, was eine Rückfahrt nach Trier überflüssig gemacht hätte. Wir verabschiedeten uns und ich stapfte mit meinem weitgehend vollen Rucksack die Kopfsteinpflasterstraße zu meinem Vater hoch, der zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, dass ich kommen würde…

Aber mein Vater ist flexibel. Wir redeten also den Nachmittag über bis in die Nacht auf die uns eigene Art und Weise in fließendem Übergang über verschiedenste Themen, wobei ich etwa zwei Liter Schwarzen Tees trank. Ich schlief trotzdem wie ein Stein, was verwundert zur Kenntnis genommen wurde – aber der Zitronentee, den ich seit 25 Jahren täglich literweise trinke, enthält Schwarzteeextrakt, von daher nehme ich an, dass ich gegenüber dem eigentlich anregenden Wirkstoff gegenüber bereits völlig immun bin.

Alles in allem… ein gelungenes Wochenende, das ich gern in Erinnerung behalten möchte.
Und deswegen steht es hier.
Dabei möchte ich erwähnen, dass dieser Artikel knapp 4200 Wörter beinhaltet, das heißt, es handelt sich vom Umfang her um zwei komplette Proseminarsarbeiten, die ja auf 2000 Wörter (plus Literatrurliste) ausgelegt sind. Ich habe auch nur die letzten sieben Stunden gebraucht, den Text zu verfassen, zu lesen, und zu korrigieren. Wenn ich doch bloß meine Arbeiten mit dieser schlafwandlerischen Sicherheit und Motivation schreiben könnte… mein Leben wär vermutlich richtig toll.

29. September 2008

Das Schwellenwertprinzip

Filed under: My Life — 42317 @ 15:47

Haareraufen! Für einen Wohngeldantrag muss man Folgendes beachten:
Den Antrag darf man nur stellen, wenn man soviel verdient, dass man mindestens die Miete zahlen kann, weil sonst die Bundesanstalt für Arbeit mit ihren Möglichkeiten der Arbeitsvermittlung und damit der Einkommenserhöhung verantwortlich ist.

Mein Einkommen schwankt wie seit Monaten und Jahren zwischen 250 und 350 E, manchmal ist es mehr, manhchmal ist es weniger. Melanie verdient derzeit gar nichts, weil der letzte Job körperlich nicht auf Dauer machbar war, und ich will mich an dieser Stelle nicht einmal darüber beschweren, dass sie den eben zu Ende gehenden Monat untätig in der Hoffnung auf die private Jobvermittlung ihrer letzten Arbeitgeberin verbracht hat, denn Tatsachen sind Tatsachen und sie lassen sich nicht mehr ändern. Mein Besuch auf dem Amt für Wohngeld ergab jedenfalls, was ich eben andeutete: Unser gemeinsames Einkommen muss so hoch sein, dass wir auf monatlich mindestens unseren Mietsatz in Höhe von 429 E kommen. Erst dann greift der Antrag und wir kriegen mehr Geld. Es klingt geradezu paradox.

Angesichts der Tatsachen, dass mein monatlicher Krankenkassenbeitrag sich wegen meines Alters gerade von 54 E auf 106 E geradezu verdoppelt hat, und dass Melanie mangels Einkommen weder ihren Miet- noch ihren Internet- und Telefonanteil zahlen kann, würde ich prognostizieren, dass zumindest der Oktober ziemlich hart werden dürfte.

Ins Leere gestürmt

Filed under: Filme,Japan — 42317 @ 15:31

„Sakigake! Otoko-juku!“ habe ich mir angesehen, und zwar den Realfilm von 2008. Das Wort „Sakigake“ interpretiere ich als Verb in imperativer Form, und in Deutschland würde man in einem angemessenen militärischen Jargon wohl sagen „Sprung, auf, marsch-marsch!“, was bedeutet, dass man aufgefordert wird, nach vorne zu stürmen. Interpretiert man „Sakigake“ als Nomen, so ist das wohl derjenige, der eben jenes tut, nämlich als erster noch vorne zu stürmen. „Vorhut“ wäre dabei eine sehr zahme Übersetzung, und „Stürmer“ klingt ein bisschen zu sehr nach sportlichem Wettkampf.
„Otoko-juku“ sagt aus, dass es sich um eine Bildungsanstalt für Jungs handelt.

Es lohnt sich kaum, über die Handlung des Films zu sprechen, weil man sie ziemlich vergeblich zwischen den Zweikämpfen und übersteigert-maskulinen Sprüchen sucht. Aus dem Film kann man ersehen, dass es sich um eine Schule handelt, wo man den Schülern mit den Vorkriegsmethoden der japanischen Armee Disziplin beizubringen versucht, das heißt mit Gewalt und Folter. Es ist bezeichnend, dass einer der Ausbilder eine japanische Dschungeluniform und der andere eine deutsche Reichswehruniform mitsamt Stahlhelm und Säbel trägt.
Grob gesagt, geht es darum, wie verschiedene Typen von neuen Schülern sich zu einem loyalen Haufen zusammenfinden, die sich bis in den Tod treu bleiben.

Das klingt nach einem ernsten Gewalt- und Psychodrama?
Ist aber eine Komödie. Zumindest steht das in der Genrebezeichnung.

Angefangen hat die Sache 1985 mit einem Manga – wen wundert es – und der lief bis 1991. Anno 1988 wurde eine Animeserie mit der ungewöhnlichen Episodenzahl von 34 aufgenommen, und mittendrin wurde eine Movie-Version produziert. Dann geschah 20 Jahre lang nichts, und 2008 hatte jemand die nicht so glänzende Idee, ein live-action Remake zu machen. Ich habe keine Ahnung, inwiefern sich dieser Realfilm möglicherweise an den Animefilm von ’88 hält, und welche Dinge der alte Film bereits an der Serie, von der ich mir nicht sonderlich viel erwarten würde, verbrochen hat. Es scheint jedenfalls so, als sei der aktuelle Film eine Art Kurzfassung der 34 Episoden langen Serie, wobei man die Zusammenfassung auf die wichtigsten Dialoge und ein paar bedeutende Kampfszenen beschränkt hat, die so viel auslassen, dass die ganze Sache zur Farce wird.

Die Schule ist ein völlig widersprüchlicher Ort. Zuerst wird ein Protagonist aus gutem Hause eingeführt, dessen Mutter von ihm verlangt, dass er der Schule beitritt, um ein echter Mann zu werden (und nicht so zu enden wie sein Vater, was nicht weiter ausgeführt wird). Die Mutter weist darauf hin, dass diese Schule seit der Edozeit zahllose Helden und danach führende Persönlichkeiten der Regierung hervorgebracht habe. Man fragt sich, wie das sein kann, nachdem man einen Blick auf die dort versammelten Personen geworfen hat. Es ist übrigens kein ungewöhnliches Stilmittel, dass ein an sich anständiger Schüler an einer Schule mit potentiell üblen Gesellen landet, um in diesem Spannungsfeld Humor zu generieren. In „Sakigake! Cromartie Kôkô“ („Kôkô“ = „Highschool“) wurde dieses Genre verdientermaßen und in übrigens sehr unterhaltsamer Form durch den Kakao gezogen.

Die „Otoko-juku“ präsentiert sich, wie in den Beschreibungen des Anime nachzulesen, eher als Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter (Otoko-juku oder Knast?) denn als Eliteschmiede für künftige Minister (es sei denn, man wolle hierunter eine sarkastische Anspielung auf das verborgene Naturell japanischer Politiker verstehen), und zwar solche von niederster Vorbildung. Zum einen wird vorgeführt, dass die höchste Tugend die Disziplin ist, und für Vergehen an dieser Tugend wird man mit Faustschlägen und Folter bestraft. Die mangelnde Fähigkeit des durchschnittlichen Schülers, ohne Zuhilfenahme seiner Finger im Bereich des grundlegenden Einmaleins zu rechnen, wird jedoch nicht geahndet oder überhaupt kommentiert.

Bei der „Einweisung“ der Neuankömmlinge durch die Schüler des zweiten Jahrgangs geht es nicht weniger gewalttätig zu, wie man nicht anders erwarten kann, und es werden durch den Wortführer der älteren Gruppe drei Regeln vorgestellt:
1. Disziplin
2. Loyalität
3. Mut
Und was man von der vollmundigen Vorführung zu halten hat, wird deutlich, wenn der Maulheld angesichts eines stärkeren Gegners das Hasenpanier ergreift und seine „Untergebenen“ nach vorne schickt. Regel Nummer Drei wird also sofort von einer Vorbildsperson (einem Senpai) gebrochen, zusammen mit Regel Nummer Zwei, da er ihnen nicht beisteht, sondern sich aus der direkten Gefahrenzone zurückzieht. Wenn man einen Schritt weiter denkt, bemerkt man, dass der Senpai auch die Regel Nummer Eins bricht, indem er zulässt, dass auf Grund seiner Provokationen ein Kampf zwischen den Neuzugängen und dem älteren Jahrgang ausbricht. Da wird einem vorm Fernseher gleich der Mittelfinger lang.

Im Rahmen meines geschichtlichen Wissens bekommt man hier zum einen alte Foltermethoden vorgeführt, und zum anderen das Ausbildungsgehabe einer Militärakademie bis 1945.

Ersteres äußert sich zum Beispiel im Ölbad, überliefert aus feudalen Zeiten, in dem jemand sitzen bleiben musste, bis eine Kerze, die in einem hölzernen Boot mit in der Wanne schwamm, heruntergebrannt war – oder so lange, bis er dem Kerkermeister gesagt hatte, was dieser hören wollte. Nicht nur, dass es körperlich unmöglich ist, in einem Ölbad zu sitzen, das mittels eines Feuers unter dem Topf langsam und allmählich zu kochen beginnt, nein, die Kerze in dem Boot zwingt den Betroffenen auch noch dazu, still zu halten, denn wenn er sich zu sehr bewegt, kentert das Boot und die Kerze setzt das Öl in Brand.

Letzteres, die „Bildungsmethoden“, halte ich für eine realistische Darstellung des täglichen Lebens auf einer alten Imperialen Militärakademie und auch in der Grundausbildung. Da wird Disziplin mit Gewalt eingetrichtert, denn nur mit Disziplin erreicht man im Leben was. Diese Aussage für sich allein ist schon richtig, aber ich muss an die Schilderungen ehemaliger japanischer Soldaten denken, die von den Unteroffizieren grün und blau geschlagen wurden, mit den Worten: „Ich schlage Sie nicht, weil ich Sie hasse. Ich schlage Sie, weil ich Sie wie einen Sohn liebe!“ Das wird zwar in diesem Film nicht gesagt, aber es wird so gemeint, und nur, wenn ich das Geschichtsbewusstsein eines japanischen Jugendlichen hätte, würde mir dabei nicht der Spaß vergehen. Die deutsche Produktion „Obersalzberg“ basiert schon auf einem sehr wagemutigen Humorexperiment, das aber funktioniert, und wohlgemerkt nur dann funktioniert, wenn man die Handlungen der dargestellten Charaktere in einen historischen Rahmen einordnen kann. Würde man in Deutschland etwas wie „Sakigake!“ herstellen wollen, müsste man jugendliche Straftäter in einem Camp darstellen, dass sich der Ausbildungsmethoden der SS bedient, ohne durch die Verulkung führender Persönlichkeiten der Zeit darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Parodie und nicht um Geschichtsverklärung handelt – und nichts anderes ist „Sakigake!“ Ich würde aber zu sagen wagen, dass sie nicht mit einer revisionistischen Absicht vorgenommen wird, sondern eben jenem Mangel an Geschichtsbewusstsein entspringt.

In diesem Film wirkt fast alles unglaubwürdig, und ich führe das auf die zumindest vermutete Komprimierung der Handlung zurück. Die Charaktere werden so schnell eingeführt, dass man kaum eine Chance hat, sie irgendwie voneinander zu unterscheiden oder gar Sympathien für sie zu entwickeln, und die immerhin vorhandene Charakterentwicklung des Weicheis Hidemaru zum opferbereiten Mitglied der Gruppe läuft so schnell, dass man ihr nicht wirklich folgen kann, als hätte man die Kernszenen aus „Macbeth“ mit einer Webcam aufgenommen, die nur alle paar Sekunden ein Bild aufnimmt.
Toramaru zum Beispiel wird gleich zu Beginn von einer gut aussehenden Frau angefahren, und weil sie so umwerfend ausieht, entschuldigt er sich dafür, ihr im Weg gestanden zu haben. Auf einem Waldweg. Togashi andererseits wird von einem Mädchen aufgefordert, mit ihr auszugehen und muss feststellen, dass es sich um eine Mutprobe, um eine „Aufnahmeprüfung“ für irgendeine Clique handelt, wobei das Mädchen nicht den Eindruck macht, als habe sie andere Gründe als Gruppenzwang (also von der Sorte, die ihr Tun anschließend ernsthaft bedauern). In beiden Fällen denkt sich der Zuschauer, dass diese Nebenpersonen an irgendeiner Stelle noch einmal auftauchen würden, um der Vertiefung des jeweiligen Charakters zu dienen. Aber wie heißt mein Lieblingsnachtisch? Pustekuchen!

Muss ich extra betonen, dass es völlige Zeitverschwendung ist, sich diesen Film anzuschauen?
Dass sich darin ein in Actionfankreisen berühmtes Duo als Widersacher gegenübersteht – Sakaguchi Tak und Sakaki Hideo, die mit „Versus“ einen viel besseren Film hingelegt haben – macht die Sache nicht besser. Leider. Dabei ist es nicht schwer, die beiden wegen ihrer Ausstrahlung zu mögen. Einzig positiv auffällig ist der Charakter Togashi, der aussieht wie ein junger Charles Bronson, weil er so aussieht, inklusive Frisur und Schnurrbart.

15. September 2008

Zaa~ Zaa~ !!

Filed under: My Life — 42317 @ 14:00

Ich freue mich jedes Jahr auf „Trier spielt“, und das war dieses Jahr nicht anders. Gesteigert wurde diese Vorfreude durch das Wissen, dass ich wieder am Viehmarkt stehen würde, wo für dieses Jahr eine Überschneidung mit der „Looney Tunes Sport Party“ geplant war, also mit Leuten in lustigen Kostümen, wie man sie aus den Warner Bros. Cartoons so kennt. Es hatte zu „Trier spielt“ noch nie geregnet, also hoffte man in der Organisation weiterhin auf dieses Glück, allerdings handelte es sich bei 2008 um das Verflixte Siebte Jahr.

Nach einem kurzen Briefing ab 0800 im Haus des Handels brachten wir unser Material zu den vorgesehenen Standorten, gut zu erkennen an den großen Heliumflaschen, die am Laternenpfahl befestigt waren. Wie üblich hatte die ausliefernde Feuerwehr (oder das THW?) nicht darauf geachtet, die Ventilöffnungen auch in einer passenden Richtung anzubringen, nämlich idealerweise in Richtung Infostand, sondern seitlich vom Laternenpfahl weg zeigend. Aber gut, es hätte schlimmer sein können. Leider kam es schlimmer.

Um 0915 war der Infostand aufgebaut, die Verkaufsware ausgelegt, und alles andere so gut wie möglich verstaut. Und dann fing es an zu regnen. Und es regnete ununterbrochen bis mindestens sechs Uhr abends. Als ich vor meinem Wohnblock ausstieg, da regnete es nicht mehr, aber das könnte in dem Moment auch an der gefahrenen Distanz gelegen haben.

Im Laufe der verregneten Stunden meldeten sich aus unserem Zuständigkeitsbereich vier Veranstalter ab, die wegen mangelndem Publikumsverkehr keinen Sinn darin sahen, weitere Zeit zu investieren, aber die Jungs von den Looney Tunes ließen sich ihre Motivation durch nichts erschüttern. Sie verzichteten zwar darauf, Kostüme zu tragen, aber ansonsten zogen sie ihr Programm durch und lockten die wenigen, scheinbar ebenso unerschütterlichen Familien auf dem Platz durch moderne Marktschreierei. Mit Geschicklichkeitsspielen, die auf der überdachten Bühne stattfanden, konnte man T-Shirts gewinnen, und ein paar ganz Harte ließen sich auch vom Regen nicht abschrecken und machten Korbwürfe an „Daffy Duck’s Dunk“ Wand, ohne Dach.

Hin und wieder kam der eine oder andere der Animateure in den Pausen zu uns rüber, um ein bisschen zu plaudern. Dies sei der letzte der 26 Termine der Deutschlandtour, und während der Hälfte der Termine habe es geregnet, sagt einer, der Heiko heißt. Sie hätten so oft bei Regen auf- und abgebaut, dass ihnen das letzte Mal hier auch nichts mehr ausmache. Ich wünschte Ihnen weiterhin viel Glück, während ich andauernd das angesammelte Regenwasser vom Zeltdach schütte und meine vier Mitarbeiter mit mehr oder weniger langen Gesichtern auf der Sitzbank im Zelt sitzen. So ab drei Uhr war es mit dem Sitzen dann allerdings vorbei, weil Wind aufkam und wir hin und wieder das Zelt festhalten und weggewehte Artikel aufsammeln mussten.
Wir hatten dabei noch das Glück, dass unsere beiden Zeltwände so positioniert waren, dass sie Wind und Regen abhielten. Der Stand auf dem Domfreihof hatte seine Öffnung genau in den Wind. Dort war alles nass geregnet. Aber die dort Eingeteilten nahmen das mit überraschend viel Humor und boten den Dombesuchern lauthals T-Shirts für Kinder und Enkel, Buttons und Luftballons an.

Mit fünf Personen am Stand waren wir situationsbedingt hoffnungslos überbesetzt. In der Regel läuft die Sache ja auch so, dass wir ständig Trauben von Kindern ums Zelt rum stehen haben, die die Gasballons schneller abgreifen wollen, als wir sie füllen können. Dieses Jahr würde ich schätzen, dass um die zwei Dutzend Ballons vergeben wurden. So alle halbe Stunde kam mal jemand und bat um einen oder zwei. Ich hätte den Stand alleine schmeißen können und wäre nie ins Schwitzen gekommen. Ganz im Gegenteil froren die anderen vier und verkrümelten sich einzeln hin und wieder zum Eingang der Tiefgarage neben der Sparkasse, weil dort ein warmer Luftstrom herauswehte.

Natürlich ging auch alles andere schlecht, was den Warenverkauf anging. Unser Stand hat fünf T-Shirts und drei Buttons verkauft. Jeweils drei davon an die selbe Person, einen gutgelaunten Unternehmer aus Kanzem, der seinen drei Kindern was mitbringen wollte.
Bei einer Gelegenheit stand da ein Großvater mit seinem Enkel, der sich eines der gelben Hemden wünschte, was der Großvater in wohlwollendem Ton auch begrüßte – bis er erfuhr, dass eines davon unerhörte sieben Euro kostete. „Dann nehm ich das nicht, ich dachte die seien umsonst für die Kinder.“ Verzeihung, irgendwie muss sich Trier spielt auch finanzieren!
Ein anderer Großvater kam eine Stunde später mit seiner Enkelin an den Stand, die wohl knapp 1,50 groß war. Meine Kollegin wollte ihr eins in ihrer Größe anbieten, aber ich sagte ihr, sie sollte vielleicht eine Nummer größer nehmen, da man im Alter von 12 Jahren wohl immer noch wächst. Also fragte sie den Kunden, wie es denn mit Größe 152 stehe. „Ist das nicht auch ein bisschen wenig?“ fragte der Herr, und sie gab an, die Hemden fielen größer aus, als das offizielle Maß, sie selbst trage Größe 152 (sie ist schlank und etwa 1,70 lang). Und da sagt der zu ihr: „Ach, Sie sind doch nicht erwachsen, Sie haben doch keine Ahnung!“ Sprach’s und verschwand. Nun ja, sie ist 24. Aber vielleicht verschwimmt die Alterseinschätzung zu sehr, wenn man mal über 60 ist?
Na ja, es kamen auch nette Leute vorbei, die zwar nichts kauften, aber uns alles Gute bei dem miesen Wetter wünschten. Ich war ihnen für die aufmunternden Worten sehr dankbar, wurde ich doch heuer um das Beste an der ganzen Sache betrogen: freie Kommunikation mit Leuten und Kindern. Sehr schade.

Dieses Jahr ist garantiert ein dickes Minus in der Kasse. Ein schwacher Trost besteht wohl darin, dass T-Shirts und Buttons (mit dem „Trier spielt“ Logo) ja nicht schlecht werden und im kommenden Jahr wieder angeboten werden können.

Es waren auch wieder zehn Kubikmeter Spielsand geliefert worden, für die die Volksbank verantwortlich war, aber die strichen so gegen 13 Uhr die Segel, und der Sand lag in der Gegend rum. Ursprünglich war er abgedeckt worden, aber der Wind hatte die Abdeckung im Laufe des Tages nutzlos gemacht. Sagenhafterweise fanden sich zwei etwa Fünfjährige, die sich, nicht einmal zum Entsetzen ihrer Eltern, in den feuchten Sand stürzten und zehn Minuten darin wühlten.

Interessant dabei war auch, dass ein örtlicher Spielzeugladen Gutscheine gespendet hatte, vier Stück für jeden Stand, im Sinne von: Man kauft für dreißig Euro ein und bekommt zehn geschenkt. Diese Gutscheine sollten wir an Besucher abgeben, die uns besonders sympathisch erschienen. Einen davon gaben wir dem Herrn aus Kanzem, weil er wirklich ein netter Kerl war. Als dann später die beiden Kinder im Sand spielten, dachten wir, der Familie könnten wir ja ebenfalls einen geben, weil diese Kinder eben die einzigen waren, die den Sand überhaupt beachteten. Als der Kollege dann gerade den (laminierten) Gutschein aus dem Karton nahm, sah er, wie die beiden „Gören“ anfingen, den Sand fröhlich quer über den Platz zu werfen, und zwar ohne, dass ihre Eltern das irgendwie für unangebracht hielten. Der Gutschein verschwand wieder in dem Karton.

Dann gibt es eine Sorte „Besucher“, die sich scheinbar auch vom Regen nicht abhalten lässt, unsere Stände einen nach dem anderen heimzusuchen: Unverschämte Luftballongammler. Nach fünf Jahren Erfahrung will ich es wagen, eine allgemeine Beobachtung zu äußern: Diese Gruppen sind ausschließlich männlich, haben vier bis fünf Mitglieder, sind nie älter als 15, neigen dazu, Diebstahl zumindest anzudeuten, und bestehen in vier von fünf Fällen aus Jugendlichen „mit Migrationshintergrund“, wie man so schön sagt.

Und genau solche waren auch dieses Jahr unterwegs. Die fragen nicht einfach nach ein paar Luftballons – die wollen immer die ganze Tüte. Und wenn die Tüte exponiert herumliegt, dann nehmen sie die schon mal vorsorglich in die Hand. Die hier beschriebenen vier Jungs waren bereits zum zweiten Mal da.
„Kann ich das haben?“ fragt einer, mit der Tüte in der Hand, weil ich nicht schnell genug war.
„Gib das wieder her!“
„Was machen Sie denn, wenn ich jetzt einfach wegrenne?“
„Dann müsste ich Dich verfolgen und zur Strecke bringen. Das macht Dir weniger Spaß als mir.“
Er legt die Tüte wieder auf die Theke. Da reißt ein anderer einen der vier Buttons in der Auslage vom Pappaufsteller und fragt, ob er den haben könne.
„Die kosten ein Euro pro Stück.“
„Ja, ich zahl einen Euro.“
„Okay, wenn Du zahlst, kannst Du ihn behalten.“
Worauf er den Button wieder an den Aufsteller heftet und mich fragt:„Wer kauft denn so’n Scheiß?“
„So Leute gibt’s.“
In dem Moment spüre ich einen Luftzug in der linken Gesichtshälfte. Ein weiterer von den Fatzkes hat einen Luftballon halb aufgeblasen, hält mir die Öffnung ins Gesicht und bedenkt mich mit seiner Atemluft. Für einen Sekundenbruchteil habe ich erwogen, ihm dafür die Nase zu brechen, aber ich bin ja ein beherrschter Mensch.
„Lass den Scheiß!“ (Oha, das habe ich vor genau 363 Tagen schonmal zu jemandem gesagt.)
Da schaut der mich mit treuem Hundeblick an und sagt: „Verzeihung, tut mir ganz schrecklich leid.“
„Verzieht Euch. Ihr habt schon beim ersten Mal Luftballons bekommen.“
„Wir sind zum ersten Mal hier! Ausländer sehen alle gleich aus, oder? Fremdenfeindlich oder was?“ Allein für das dämliche Grinsen dabei hätte man ihm die Beine brechen sollen.
„Ich hab nichts gegen Ausländer. Ich hab was gegen unverschämte Leute. Und jetzt zieht Leine!“

Sie zogen auch tatsächlich davon und kamen nur einmal wieder, um zu zeigen, dass man an der Looney Tunes Bühne T-Shirts geschenkt bekommt. Ich wünschte, diese Deppen würden mich damit verschonen, sich gegenseitig ihre Männlichkeit zu beweisen.
Später stellte ich fest, dass einer der vier Buttons an dem Pappaufsteller fehlte, aber der Aufsteller war zu diesem Zeitpunkt bereits zwei- oder dreimal vom Wind auf den Platz geschleudert worden, von daher könnte es auch sein, dass das Stück irhendwohin davongerollt war.

Dass diese Stadt hier überreichlich mit Bekloppten gesegnet ist, wissen wir schon länger, aber vielleicht war es dieses Jahr wegen der großen Lücken zwischen den einzelnen Besuchern auffälliger. Es gibt in Trier diese offenbar geistig verwirrte Frau, ich schätze sie auf etwas älter als 40, die Fahrgäste zum Beispiel in den Stadtbussen mit intimsten Anfragen belästigt („Zeig mir mal Deine Klitoris!“), und kaum, dass am Freitag Mittag zufällig in meiner Anwesenheit die Rede von ihr war, durfte ich sie dann am Samstag live erleben, wie sie im Laufe weniger Stunden viermal den Viehmarkt durchschritt und unter Verwendung vulgärster Ausdrucksweisen ihren wo auch immer herstammenden Unmut kundtat. Sie sprach niemanden direkt an, sondern schrie den Leuten im Vorbeigehen aus einiger Entfernung wüste Beleidigungen zu. Bei ihrem ersten Durchmarsch brüllte sie was von „ihr dreckigen Huren!“, und die folgenden drei Male ignorierte ich ihre Inhalte und hörte nur noch ihre überschnappende Stimme, das war mir dann genug.

Eine andere Veranstaltung im Bereich Viehmarkt überschnitt sich zufällig mit unserer: Der rheinland-pfälzische Landesparteitag der CDU in der Europahalle, und zwar inklusive Bundeskanzlerin. Das Polizeiaufgebot war allerdings kaum wahrnehmbar. Ab und zu ein Streifenwagen, der vorbeifuhr. Ich hatte mit einem sichtbaren Aufgebot gerechnet, das mindestens 500 m Umkreis um die Halle absichern würde.
Aber die ganze Sache war irgendwie unauffällig. Da waren zwei Herren in Anzügen, die fragten, wo die Europahalle sei. Da war meine Bekannte Elisabeth, Mitglied der Jungen Union, die als Ordnerin eingeteilt war, und als solche nicht nur die Presse zurückdrängen musste, sondern auch Angelas Hand hatte schütteln dürfen. Bill Clinton berichtete etwas ganz ähnliches von einer Begegnung mit JFK. Und dann war da noch ein hemdsärmeliger CDU-Mensch Ende Dreißig, der das Spielangebot auf dem Platz lobte, weil er dachte, es sei das Kinderbetreuungsprogramm für den Parteitag.
Aber sonst? Ich hätte gedacht, dass ein solcher Parteitag mehr Leute zieht, die ja auch irgendwann mal durch den Eingang der Halle gehen müssen, und natürlich die Einsatzwagen der Presse. Die können ja wohl nicht alle schon vor uns da gewesen sein? Oder waren das so wenige?

Die Verpflegungsregelung hatte sich auch dieses Jahr wieder geändert. In den vergangenen Jahren hatte immer wieder eine Firma Gutscheine spendiert, zum Beispiel McDonald’s, Burger King, Backwerk, oder Hochwald. Das war dieses Jahr nicht der Fall. Stattdessen gab es dieses Jahr gesponserte Getränke aus dem nächsten Supermarkt. Aber in meiner Pause wollte ich schon gerne was essen, und man hatte erzählt, dass eine Konditorei am Domfreihof einen Stand habe, wo es umsonst Kaffee und Kuchen gebe. Da das erstens besser ist, als nichts, und darüber hinaus auch noch für umsonst, ging ich da gleich mal hin.
Es wurde zu einem Ereignis der Art „Zur rechten zeit am rechten Ort“. Als ich ankam, keinen Kuchen entdecken konnte, und auf den Infostand zuging, um zu fragen, wie es denn mit dem angeblichen Essen aussähe, kam auch eine Besucherin soeben mit einem mit Alufolie überdeckten Teller zum Infostand. Es stellte sich als ein Marmorkuchen heraus, scheinbar das letzte Stück des vor kurzem abgebauten „Verschenkstands“, und sie gab uns die Hälfte davon ab. Der Kuchen war noch warm, schmeckte gar nicht schlecht, war nur ein bisschen schwer zu schlucken, so ohne Flüssigkeit.

Mein Anteil war eher unbefriedigend in Anbetracht meines Frühstücksapfels um Sieben, also untersuchte ich die Angelegenheit und ging ins Café Walderdorff, aber dort wusste man nichts davon, von denen war die Aktion wohl nicht ausgegangen. Ich verabschiedete mich vom Domfreihof und ging zum ersten Fressladen, der mir ins Auge fiel – und das war der Kebapladen am Hauptmarkt.

Wenn Ihr in diese Stadt kommt, esst niemals, niemals nie Kebap am Hauptmarkt.
– Das Fleisch ist gepresstes Hack
– Es ist nicht wirklich gebraten, sondern nur zart angebräunt
– Die Portionen sind (geschätzt) ein Viertel kleiner als der regionale Schnitt
– Sie kosten 10 % mehr als der regionale Schnitt
– Die Bedienung ist schnellschnellschnell, bezahlen, da bitte, tschüß, der nächste bitte.
– Der Geschmack ist sehr mittelmäßig
– Der einzig positive Punkt ist das zur Abwechslung wirklich scharfe Chilipulver

Bereits ab Mittag begann unsere Belegschaft zu mutmaßen, ob denn nicht schon um drei Uhr Schluss sein würde, angesichts des sich nicht bessernden Wetters, aber es kam nicht dazu. Wir begannen halt um 17 Uhr mit Abbauen, anstatt, wie üblich, erst um halb Sechs. Die anderen vier bibberten wegen des nasskalten Wetters, während mir, wahrscheinlich, weil ich die ganze Zeit gestanden und mich mehr bewegt hatte, erst so gegen vier Ihr so langsam kühl wurde.
Wir packten alles, was von Wert war, in Müllsäcke, weil die Kartons durchgeweicht waren, entfernten die Sandsäcke, die das Zelt festhielten, und trugen das Konstrukt als ganzes unter die Arkaden der Sparkasse, wo wir es auseinandernahmen und in den dafür vorgesehenen Sack packten. Im warmen Luftzug der Tiefgarage warteten wir dann noch etwa 15 Minuten auf die Helfer von der Brotstraße.

Zurück im Haus des Handels breitete ich mit ein paar anderen die Zeltbestandteile auf dem Fußboden aus, damit sie besser trockneten. Ich hoffe, dass jemand daran denkt, das Material auch irgendwann umzudrehen, da ja beide Seiten nass geworden sind.

Ich frage mich, welcher Trottel sich diese Zelte ausgedacht hat. Die sind zwar aus PVC, die Nähte sind allerdings keineswegs dicht. Wir mussten also eine dafür eigentlich nicht vorgesehene Plane von der Qualität eines hausüblichen Müllsacks zwischen Gestänge und Dach anbringen, um nicht unterm Dach nass zu werden! Und weil das alles nicht so passte, wie es ideal wäre, bildeten sich darin Wassertaschen, die ständig vorsichtig nach außen weggestreift werden mussten. Die Folie ist dabei an mehr als einer Stelle gerissen, worauf wir immer wieder mit Klebeband aushelfen mussten.

Wie dem auch sei, um kurz vor Sechs war dann offiziell Feierabend. Ich hätte, wie im vergangenen Jahr, auch noch beim Wegschippen des Sands geholfen, aber nicht bei dem Wetter. Ich besah mir die Arbeiten im Vorbeigehen, aber im Gegensatz zu mir hatten die alle Regenkleidung an, und meine Klamotten waren wegen der organisatorisch notwendigen Ausflüge aus dem Unterstand heraus klamm und kalt, also fuhr ich lieber nach Hause.

Wegen meiner selbstlosen Überstunden im vergangenen Jahr, wo sich alle abgeseilt hatten, während der Spielsand noch weg musste, hat man mir dieses Jahr einen Bonus zugesprochen. Ich weiß noch nicht, wie viel es ist, und ich rechne mit maximal einem Zehner. Dann hätte sich das letztendlich doch noch gelohnt, denn letztes Jahr hatte man mir zwar anerkennend auf die Schulter geklopft, bildlich gesprochen, und eine Belohnung in Aussicht gestellt, aber bei der Überprüfung meines Konoauszugs war davon nichts zu spüren gewesen. Dann eben erst dieses Jahr, besser spät als nie.

So richtig verulkt kam man sich als Helfer dann am Tag darauf vor: Der Sonntag bot bestes Veranstaltungswetter mit strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Ich frage mich, wie viele Leute bei der City Initiative angerufen haben, um zu fragen, warum man die Veranstaltung am Samstag nicht einfach schon am frühen Morgen abgesagt, und stattdessen nicht auf den Sonntag verschoben habe.

Falls sich 2009 die Gelegenheit ergibt, werde ich mich wieder in mein gelbes Hemd werfen und es noch einmal mit dem Luftballonverteilen versuchen. Und auf besseres Wetter hoffen.

9. September 2008

IL-2 Sturmovic

Filed under: Spiele — 42317 @ 11:54

Eigentlich eine super Sache. Eigentlich. Denn ich mag Flugsimulatoren, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg befassen, ganz besonders gern. Aber „IL-2“ ist möglicherweise eine größere Herausforderung, als meine Motivation es zulässt.

Sehr schön sind die Trainingsmissionen, in denen der Spieler auf die grundlegenden Steuerelemente hingewiesen wird, also welche Tasten man drücken muss, um welchen Effekt zu erzielen, also Luft- und Radbremsen, Schubkontrolle, Seitenruder, usw.
Wer hätte gedacht, dass Starten schon so schwierig sein könnte? Mein Respekt vor den Fliegern der Zeit ist ein Stück gestiegen, denn mir will nicht recht klar werden, wie man problemlos gerade von einer Piste aus starten soll, die man wegen der Neigung des Flugzeugs gar nicht sehen kann, bis eine gewisse Geschwindigkeit erreicht ist! Leider bin ich bis dahin längst von der Startbahn abgekommen. Also benutz das Seitenruder oder stirb!

Aber immerhin, ich komme in die Luft und schraube mich langsam höher.
Dann geht’s ums Landen.
„Beginnen Sie Ihren Landeanflug etwa fünf Kilometer vor dem Rollfeld und fragen Sie nach Landeerlaubnis. Wenn Sie verweigert wird, kreisen sie ein wenig und fragen dann erneut.“
Gesagt, getan. Ich funke aus meiner Ilyushin heraus um Landeerlaubnis. Und werde von der Flugkontrolle auf Russisch zugetextet, und das ohne Übersetzung, wie es beim Funkverkehr unter den Piloten getan wird. Ich versuche es also einfach.
Der Trainer gibt eine Reihe von Anweisungen, die ich ausdrucken und auswendig lernen müsste, um mir alles zu merken, von wegen erst mal auf 400 Meter runter zu gehen, eine gewisse Geschwindigkeit einnehmen, dann auf 250 Meter runter, Luftbremsen und Fahrwerk raus, Geschwindigkeit zurücknehmen, mit minimalem Schub auf die Landebahn zugleiten, und zwar mit der Schnauze 5° nach oben (-> Landebahn nur erahnbar), noch einmal kurz Schub geben, aufsetzen, Radbremsen sanft (= ABS imitierend) einsetzen, um sich nicht zu überschlagen, und dann gemütlich zum Hangar rollen.

WTF!?

Ich erinnere mich an alte „Their Finest Hour“ Spiele, da bin ich aus 500 m Höhe im Sturzflug auf den Beginn der Landebahn zugeschossen, hab dabei das Fahrwerk rausgefahren, die Maschine im letzten Moment wieder hochgezogen, die Luftbremsen ausgefahren, dann die Seitenlage ein bisschen korrigiert, und kam im letzten Drittel der Landebahn dann zum stehen. „Leider“ wartet „IL-2“ mit einer ausgefeilteren Physik auf.

Das mit dem Landen klappt also noch nicht ganz, aber ich will ja auch mal was erleben, also sah ich mir ein paar Einzelmissionen an. Für das Modell Mig-3 ist eine Mission verfügbar, in der man einen deutschen FW-186 Aufklärer abschießen soll, einer gegen einen. Sollte machbar sein – ja, Pustekuchen. Die feindliche Maschine hat natürlich MGs zur Verteidigung, und ich weiß nicht, was für ein Ass da drin sitzt, aber sobald mich eine Salve getroffen hat, leckt mein Tank, und das bedeutet, dass er in einer Minute zu brennen beginnen wird und ich aussteigen muss.

Dann eben mal eine Il-2 Mission gegen Bodenziele. Deutscher Angriff auf Witebsk, und der Auftrag lautet, soviel deutsches Material wie möglich zu vernichten, damit die Evakuierungsaktion der Roten Armee durchgeführt werden kann.
Und dann fliegt man erst mal ein paar Minuten lang, immer den Boden absuchend. Da! Da bewegt sich was! Befehl an den Rest der Rotte: „Angriff auf Bodenziele“. Sturzflug, im Bogen schön grade über den Konvoy hinweg, mit den Maschinenkanonen reinhalten.
Nehmt das, Faschistenpack! Ha! Zwei LKWs in Flammen!
Oh, das war unser Verwundetentransport… hm, Neustart.
Also nochmal. Diesmal geduldig bis zum Zielort geflogen, ohne Konvoys am Boden anzugreifen. Das heißt, zehn Minuten nichts machen und nur gradeaus fliegen. Dass es einen Autopiloten gibt, der die Wegpunkte automatisch abfliegt, und dass man einen Zeitraffer einschalten kann, erfuhr ich erst danach.
Wie dem auch sei, da unten ist jetzt Witebsk, und die Staubfahnen, die da von Westen her anrollen, sehe ich mir genauer an. Beim Überflug in 50 Meter Höhe wird auf mich geschossen, und dem Design nach sind es eindeutig deutsche Panzer mit Stummelrohr. Wende fliegen, Maschine ausrichten… nur machen 20 mm Kanonen einem Pz IV scheinbar nicht so viel aus, und wie man die angebrachten Bomben auslöst und effektiv einsetzt, muss ich in einer weiteren Trainingsmission wohl erst noch lernen…

Ach, dann müssen eben Luftziele herhalten. Ich springe von einer 41er Ilyushin in eine 43er Messerschmitt, um einen sowjetischwen Bomberangriff gegen einen Schwarzmeerhafen abzuwehren. Ich erhalte Zielansagen über die Position des Gegners in gutem Deutsch, und da tauchen die roten Brüder auch schon auf.
Ah, und wo ist bei der Messerschmitt das Fadenkreuz? Ich kann keines erkennen. Muss ich den Zielpunkt jetzt raten oder was? Die sowjetischen Maschinen haben ein wunderschönes Kreuz, aber das Visier der Messerschmitt muss ich scheinbar erst mal durchschauen.

Jetzt hab ich natürlich nur über Mängel geredet, aber das Spiel gefällt mir dennoch. Die Grafik hält einiges her, die Luftkämpfe sind spannend, die Physik ist realistisch, sofern ich das als Laie beurteilen kann (auch auf Grund von Aussagen der Betatester). Das ganze Schlachtfeld ist dynamisch, da fahren Panzer und LKW-Kolonnen ebenso wie Schiffe, und wer kann, feuert aus allen Rohren und macht Dir Dein virtuelles Leben schwer. Die „Their Finest Hour“ Zeiten, in denen man alleine mit einer einsamen Me-110 mit drei Stukas im Schlepptau bei jedem Einsatz eine ganze Staffel Hurricanes und Spitfires aus dem Himmel pflückte, sind allerdings vorbei.

Drei Spiele – für umsonst!

Filed under: My Life,Spiele — 42317 @ 10:55

Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie bin ich auf „Galactic Civilizations II“ gestoßen, und dachte mir, ich könnte ja den Versuch machen, es bei EBay für einen Euro abzugreifen. Das heißt, Angebote mit 0 Geboten beobachten, Wecker auf fünf Minuten vor Schluss stellen, immer wieder aktualisieren, und 10 Sekunden vor Schluss für den Mindestpreis abgreifen (dann hat keiner mehr Zeit, sein Angebot zu erhöhen).

Eine solche Gelegenheit bot sich mir in einem Dreierpack:
„Galactic Civilizations II“ (Raumkolonisierung inkl. technische Entwicklung, Diplomatie und Krieg)
„IL-2 Sturmovic“ (Flugsimulator im Bereich „Operation Barbarossa“)
„Pacific Storm“ (Strategie-, Taktik-, und Arcade Simulator in einem)
Diesen Dreierpack bekam ich dann für 4 E plus Versandgebühren. Die Lieferung war schnell und die Ware lag drei Tage später in meinem Briefkasten.

Da „Galactic Civilizations II“ vom größten Interesse für mich war, probierte ich das als erstes aus, musste aber feststellen, dass mein DVD Laufwerk die DVD nicht erkannte. Die Scheibe wurde zwar ordentlich gedreht, aber das war’s auch schon. Auffallend war allerdings von Anfang an gewesen, dass der Kassenzettel (Karstadt Leipzig, vom 16. August) in der Spielehülle drin lag. Meine Schlussfolgerung war, dass dem eigentlichen Käufer das Spiel nicht gefallen hatte (was er mir gegenüber in einer Mail auch bestätigte, rundenbasierende Spiele seien nicht so sein Geschmack), oder dass er wusste, dass das Spiel Probleme machen würde, und deswegen fairerweise den Kassenzettel beilegte, so als Entschuldigung dafür, in der Beschreibung nichts von Softwareproblemen geschrieben zu haben.

Auf die Idee, den Verkäufer wegen der technischen Mängel zu belangen, kam ich jedenfalls nie. Am Tag nach dem fehlgeschlagenen Installationsversuch stand ich schon in der hiesigen Karstadt Filiale, beschrieb mein Problem, legte den Kassenbon vor und bekam zehn Euro Neupreis „zurückerstattet“. Gegenüber der EBay Auktion hatte ich also ein paar Kröten Gewinn gemacht, und weil ich gerade in dem Moment zufällig an der „PC-Spiele Kramkiste“ vorbeiging, fiel mein Blick auf etwas anderes Interessantes: „Pacific Fighters“ – Schwesterspiel von „Sturmovic“, ebenfalls von UBI. Zusammen mit dem „Ace Expansion Pack“ kann man Pazifik und Ostfront technisch kombinieren, dass heißt, episch ausgedrückt, japanische Bomber können bei der Eroberung von Moskau helfen und die Deutschen revanchieren sich dann mit ein paar Messerschmitts, wenn’s um Guadalcanal geht.

Ich kam nicht umhin, dem Verkäufer für den Kassenbon zu danken. Er zeigte sich überrascht und sagte, das Spiel sei bei ihm einwandfrei gelaufen, er habe es lediglich wegen konzeptionellem Desinteresse verkauft, und den Kassenzettel packe er grundsätzlich mit ein, falls vorhanden.
Ich wünschte, das würden mehr Leute machen. Dann könnte man bei EBay einkaufen und dabei Gewinne abschöpfen, ohne Gebühren zahlen zu müssen.

4. September 2008

Fragen Sie im Dekanat!

Filed under: Uni — 42317 @ 17:20

Ich muss wegen neuer Informationen meinen Eintrag „Ausnahmen für Examenskandidaten“ selbst kommentieren. Nach einem Schriftwechsel mit dem Dekanat war ich um einige Informationen reicher, und herausstechend dabei ist die:

„Wenn die letzte zu erbringende Prüfungsleistung innerhalb der ersten vier Wochen des neuen Semesters stattfindet, d.h. in der Zeit vom 1.10. bis 31.10. oder in der Zeit vom 1.4. bis 31.4., dann müssen Sie sich nicht zurückmelden. Erfolgen noch Prüfungsleistungen nach diesen genannten Zeiträumen, melden Sie sich bitte zurück, da Sie eben die Dienstleistung der Universität auch noch in Anspruch nehmen.“

Das bedeutet, ich habe bis zum 30. April Zeit (weil es keinen 31.04. gibt) und muss daher meine Arbeit spätestens im Januar abgeben (weil die mündlichen Prüfungen drei Monate nach Abgabe der Arbeit stattfinden). Wenn denn jemand fragt, wie ich eine auf sechs Monate ausgelegte Arbeit in vier Monaten schreiben konnte, muss ich halt (wahrheitsgemäß) sagen, dass ich mir keine Studiengebühren leisten kann und nur dann effektiv arbeiten kann, wenn ich mittels eines Vorgesetzten oder eines Zeitlimits unter Druck stehe.

Und noch eine Information, die für Examenskandidaten interessant sein könnte:

„Die Angabe der Themen der mündlichen Prüfungen auf dem Anmeldeformular ist nicht verbindlich und kann in Absprache mit dem Prüfer jederzeit geändert werden.“