Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

23. August 2010

Eiserne Herzen (2/3)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 12:42

Der Plan meines zweiten Spielversuchs mit der Sowjetunion war wie folgt:
– Offensives Vorgehen gegen Japan, dabei grobe Wiederholung des Verfahrens aus dem vergangenen Spiel.
– Defensives Vorgehen im Westen unter maximaler Ausnutzung der vermuteten Vorbereitungszeit.
– Offensive im Westen nach Bereitstellung der im Osten nach dem Sieg über Japan frei gewordenen Divisionen.

Es gibt viele Festungswerke auf dem Spielplan, aber nur eines (auf zwei Provinzen verteilt), dessen Wert das Maximum von 10 beträgt: Die Maginot-Linie… an der lächerlich kurzen deutschen Westgrenze. Ich nehme ein Titanenwerk in Angriff: Unter Entblößung der westlichsten Provinzen entsteht eine Festungslinie von Polotsk über Smolensk bis nach Cherson am Schwarzen Meer, das heißt im Norden entlang der Düna, dann dem Dnjepr folgend bis zu seiner Mündung, insgesamt knapp 1500 km. Auf dieser Linie graben sich etwa 170 sowjetische Divisionen ein. Das bedeutet, abgesehen von der Provinz Smolensk genießt die Rote Armee einen dreifachen Verteidigungsbonus, weil sie hinter einem Fluss liegen (+10), weil sie eingegraben sind (+10), und weil sie in den dicksten Bunkern der Welt sitzen (noch mal +10). Die Deutschen dürfen kommen, aber erst sind die Japaner dran. Und für den Zeitpunkt, zu dem die erledigt sind, tritt der nächste Bauplan in Kraft: Der Ausbau des Verkehrsnetzes in allen Provinzen, die in einer Reihe zwischen der Westgrenze der Mongolei und dem Dnjepr liegen, damit die im Osten freigewordenen Divisionen auch schnell an die Westfront kommen. Der Spaß beginnt.

Im September 1939 greifen die Deutschen Polen an und werden spielend mit denen fertig. Wenig später folgt Skandinavien und Frankreich, und ich spiele mit dem Gedanken, den Deutschen in den Rücken zu fallen, während ihre Divisionen in Frankreich gebunden sind. Aber eigentlich habe ich ja ein ganz anderes Experiment vor.

Ich beteilige mich nicht an der polnischen Teilung und bleibe den Finnen gegenüber friedlich. Stalin wollte von denen ja einige Landstreifen im Vorfeld von Leningrad zur Verbesserung der „nationalen Sicherheit“ – die Finnen lehnten ab, Stalin stürzte sich in den katastrophalen Winterkrieg von 1939, und die Finnen reagierten mit dem einzigartigen Ereignis, dass sich eine Demokratie mit einer Diktatur verbündete. Aber ich wollte Ruhe im Norden, wählte unter den angebotenen Optionen also „Nichts tun“ anstatt „Pressebehauptungen“.
Das ist so ein Wort, an dem sich die Amateurhaftigkeit der Übersetzung offenbart. Denn was hatte die Presse damit zu tun? Nichts natürlich. Übersetzen wir „Pressebehauptungen“ zurück ins Englische, wo der Text einmal herkam, dann lesen wir „press claims“ – bimmelt da ein Glöckchen? Oder doch gleich der ganze Kölner Dom?

Zu guter Letzt habe ich im Laufe der Jahre die deutsche Regierung immer wieder beeinflusst – eine ganz normale politische Option. Man zahlt einen Obolus und die Beziehungen zum Zielstaat verbessern sich mehr oder weniger gut. Handelt es sich um einen relativ wirtschaftsschwachen Staat, kann man diesen auch mit großem oder sehr großem Erfolg beeinflussen. Dies hat zur Folge, dass sich dessen Regierungssystem in einem Punkt auf die eigene Linie zu bewegt. Macht man das mehrfach, kann man den Zielstaat politisch völlig angleichen. Da Deutschland aber über ein gewisses wirtschaftliches Niveau verfügt, gelang mir das nicht. Aber immerhin konnte ich die Beziehungen bis auf das Maximum von +200 heben. Nutzt aber nichts. 1941 kommen sie dennoch.
Abgesehen von meiner besonnenen Außenpolitik habe ich auch auf die Säuberungen von 1937 verzichtet, was mir einen ausreichend großen Kreis von Generälen bescherte.

Sehen wir, was im Osten läuft, während noch Bunker und Straßen gebaut werden.
Zuerst garantiere ich die Unabhängigkeit Nationalchinas – das gibt mir einen Kriegsgrund, sobald die Japaner mit dem Säbel rasseln. Verbünden wollen sich die Jungs ja nicht, die ideologischen Unterschiede sind dann wohl doch zu groß. Erklärt man einfach so jemandem den Krieg, steigt die nationale Unruhe zu sehr, was die Wirtschaftsleistung negativ beeinflusst. Es ist immer besser, einen plausiblen Grund in den Zeitungen veröffentlichen zu können, also: So wie ein Hund an Laternenpfähle pinkelt, garantiert ein Staat die Unabhängigkeit eines anderen – dann kann guten Gewissens man auf die Pauke hauen, sobald einer im abgesteckten Revier rumstrolcht.
Spätestens 1938 marschieren die Japaner auf Peking, und die Mandschurei hinterdrein. Also erkläre ich beiden den Krieg und überrolle den Marionettenstaat binnen weniger Wochen, und noch ein wenig später ist Korea sowjetisch rot. Wie üblich ist kurz hinter der chinesischen Grenze Schluss mit dem Vormarsch, weil die Versorgung dort aufhört.

Der Flottenbau läuft auch wieder auf Hochtouren, um viele, viele möglichst moderne U-Boote zu produzieren, damit diese die japanische Flotte aus dem Pazifik fegen. Anders als im letzten Versuch fasse ich diesmal alle Ressourcen in einer möglichst großen Flotte zusammen. Die Pazifikschlacht zieht sich über Monate dahin, und am Ende ist die Kaiserliche Flotte vernichtet, während ich nicht mehr als zehn Boote verloren habe. Dann lande ich wieder in Fukuoka und Kanazawa, erobere Japan und danach eine Reihe von Inseln, Okinawa, Taiwan, Hainan. Irgendwann Ende 1942 greifen die ziemlich flottenlosen Japaner Pearl Harbor an, und ein knappes Jahr später ergeben sie sich den Amerikanern und werden deren Marionettenstaat. Diesmal darf ich meine Eroberungen in Japan allerdings behalten – möglicherweise ein Programmfehler. Im Herbst 43 machen sich also der Großteil der 60 ostasiatischen Divisionen auf den Weg nach Westen, um an der Westfront die Offensive einzuläuten. Wenn man einer Armee, die in Mukden stationiert ist, den Befehl gibt, nach Sewastopol zu verlegen, dann wird die übrigens einen ganz anderen Weg wählen, als den kürzesten, oder den am besten ausgebauten. Niemand weiß warum. Ich lotse die Jungs also von einem Autobahnabschnitt zum nächsten, aber für ein irgendwann vielleicht zu machendes, weiteres UdSSR-Spiel weiß ich, dass man anfangs einer Truppe einen Marschbefehl nach Sewastopol gibt und sich beim Straßenbau auf die Provinzen konzentriert, die dabei als Marschweg angezeigt werden. Das spart auf jeden Fall Zeit, die man in Befehle investieren müsste.

Im Westen waren jedenfalls im Herbst 1941 die Deutschen in der UdSSR einmarschiert, trotz eines blendend guten politischen Verhältnisses. Was einem ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbarn bringt, muss mir überhaupt erst mal einer erklären. Es bringt weder Handelsvorteile noch macht es die Beteiligten geneigter, sich an einem militärischen Bündnis zu beteiligen.
Wie dem auch sei, die Verbände der Wehrmacht mögen sich gewundert haben, warum sie auf keinen Widerstand stießen und man sie einfach so ins Land ließ. Es gab dort nichts mehr zu holen. Die Industrieanlagen waren bereits nach Osten verlegt worden.
Dann trafen 180 deutsche Divisionen auf Düna und Dnjepr. Und nichts geschah. Die besahen sich, was sich ihnen da für ein Anblick bot – ein Festungswerk neben dem anderen am gegenüberliegenden Ufer – und blieben, wo sie waren. In den kommenden zwei Jahren wurde kein einziges Gefecht geführt, die Befestigungen waren scheinbar zu Respekt einflößend. Sitzkrieg an der Ostfront, wer hätte das gedacht.

Ende 1943, die rumänische Marine war bereits aus dem Schwarzen Meer vertrieben worden, trafen dann fünf der sechs sowjetischen Fernostarmeen im Südabschnitt ein, vier Armeen zu je neun Divisionen, eine Armee zu zwölf Divisionen. Eine Armee verblieb in Asien, und hielt ein wachsames Auge auf den Chinesen. Auch an der rumänischen Küste gab es interessanterweise unverteidigte Strände, also landete eine Armee dort, wartete auf die nächste, baute den Brückenkopf aus, und so weiter, bis alle Fernostdivisionen angelandet waren. Die Karpaten bereiteten ein paar Schwierigkeiten, aber im Frühsommer 44 war Rumänien geschlagen und die Achsentruppen waren daraufhin nur noch damit beschäftigt, nach Westen zu rennen. Die rote Armee stieß nach Prag vor, dann wurde die Front von Süden nach Norden aufgerollt, dutzende deutsche Divisionen wurden dabei in gigantischen Kesseln von der Größe Jugoslawiens vernichtet, etwa die Hälfte von denen, die die Ostfront einmal gebildet hatten. Die Rote Armee schwemmte auf dem Weg nach Westen alles weg. Einzig die Ostsee konnte ich nicht sichern – die deutsche Kriegsmarine war aus einem anderen Holz geschnitzt als ihr japanisches Pendant. Die modernen deutschen Zerstörer erwiesen sich meinen U-Booten als gewachsen, also blieben die im Kronstädter Hafen und überließen die Sache dem Heer. Und als die Rote Armee dann auf der Linie Freiburg-Stuttgart-Frankfurt-Hamburg stand, kapitulierten die Deutschen – worauf interessanterweise die Amerikaner das übernahmen, was übrig war und armeeweise Soldaten importierten. Lustig dabei war übrigens, auf welche Art und Weise die Luxemburger (Luxemburg besteht spieltechnisch ursprünglich nur aus der Provinz Luxemburg) von dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches profitierten: Sie erhielten die Provinzen Arlons und Reims zugesprochen!
Da das Risiko bestand, dass die USA mich präventiv angreifen würden, musste ich eine Wache zurücklassen, als die anderen nach Süden abdrehten, um den Italienern den Garaus zu machen. Aber auch in Italien war ich nicht schnell genug: In der Toskana angekommen, geschieht ein kleines Wunder – die Amerikaner landen in Italien! Das hatten sie sich in den letzten Jahren scheinbar nicht getraut. Ich kam, als ich sah, dass er siegte, oder was? Die Italiener ergeben sich jedenfalls den Amerikanern, die besetzen schnell die südlichen zwei Drittel. Immerhin habe ich die Häfen Genua und Venedig. Und ich kann mich meinem nächsten Ziel zuwenden… haben sich nicht auch in Spanien die Faschisten eingenistet?

Nach ein paar wenigen Monaten Mittelmeerkrieg erfolgt die Landung in Spanien, und wenn wir schon mal dabei sind, nehmen wir Portugal gleich mit. Man kann Staaten annektieren, wenn man alle Heimatprovinzen erobert hat, und Kolonien zählen nicht dazu. Ergibt sich der Staat, fallen auch die Kolonien an den Sieger. Die Sowjetunion hat nun also ein festes Standbein in Afrika.

Das Spiel geht jeweils erst am 30. Dezember 1947 zu Ende, bis dahin waren es noch mehr als zwei Jahre – was tun? Die Rote Armee beginnt ihre kleine Welttour durch alle Staaten, die keine militärischen Verbündeten haben: Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Persien, Afghanistan, Pakistan – Indien. Die Inder sind in der Tat von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen worden, aber ein Bündnis haben sie nicht.
Während Indien in den letzten Zuckungen liegt, tun mir die Nationalchinesen einen Gefallen: Sie greifen meine verbliebene Armee an der mandschurischen Grenze an. Diese eine Armee ist sämtlichen chinesischen Truppen mehr als gewachsen, also soll sie den Angriff zunächst aufhalten. Ich wollte dann von Bangladesh aus in das chinesisch besetzte Tibet einfallen, aber das ging nicht, weil die Gebirgspässe unpassierbar sind. Es gibt keine Landverbindung dorthin durch den Himalaya. Also: Alle Truppen einschiffen und in Dalian anlanden, und dann wurde mit den Chinesen der Boden aufgewischt. Leider erwischte mich das Spielende, bevor ich auch noch in Chunking einmarschieren konnte.

Während dieser Zeit schritt die Modernisierung meiner Truppen natürlich fort: Ich kann auf Interkontinentalraketen und Turbojetbomber umsteigen. Warum allerdings Fliegergeschwader sogar problemlos von Propeller auf Jet umgerüstet werden können, während jegliche Marineeinheiten nach einer Modernisierung völlig neu gebaut werden müssen, bleibt fraglich.
Aber strategische Jetbomber sind ungeheuer effektiv: Sechs Geschwader davon machen jeden Flug- und jeden Seehafen nieder, und erreichen von der Insel Hainan aus auch jeden chinesischen Winkel.
Es ist vorteilhaft, feindliche Flughäfen zu zerstören, weil dann keine Abfangjäger stören.
Wenig Sinn macht es, Industrieanlagen anzugreifen: Natürlich senkt man dadurch die feindliche Rohstoffproduktion, macht gegebenenfalls Handelsabkommen zunichte, senkt dessen IK (Industriekapazität), und erschwert dadurch die Versorgung der Truppen, aber das Problem ist die unglaubliche Wiederaufbauleistung des Spiels. Auch eine auf Null reduzierte Kapazität wird nach zwei oder drei Wochen wieder voll funktionsfähig sein.

19. August 2010

Das Spiel hat nur 90 Minuten

Filed under: My Life,Sport — 42317 @ 12:29

Eigentlich wollte ich noch was über Fußball schreiben, also über den Rest der Fußballweltmeisterschaft nach dem Ende der Vorrunde, aber das kann ich so langsam vergessen. Genau eben deshalb, weil ich die ganze Sache allmählich vergesse. Den größten Teil der Spiele habe ich mir angesehen und ich hatte auch ein paar ganz gute Gedanken dazu, denke ich, aber zwischen dem FIFA Endspiel und meinem Uni-Endspiel liegt ein ganzer Monat, der meine Gedanken doch in ganz andere Bahnen gelenkt hat, und mittlerweile ist das meiste verloren gegangen. Es lohnt sich nicht so wirklich, für die verbliebenen Fragmente einen Artikel ins Auge zu fassen. Schade eigentlich, ich hätte Notizen machen sollen.

15. August 2010

Eiserne Herzen (1/3)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 18:41

„WORLD WAR II GRAND STRATEGY“ steht groß auf dem Cover über dem eigentlichen Titel:

„HEARTS OF IRON II“.

Ein sehr viel versprechender Titel, mit vielen viel versprechenden Optionen. Aber so grand ist die Strategy am Ende doch nicht.

Aus erzählerischen Gründen will ich ein paar Eindrücke vom Spielablauf der Beschreibung der Inhalte und Mechaniken voranstellen.

Im ersten Durchgang habe ich Persien gespielt, um mir in Ruhe die Spielprinzipien anzusehen, also ohne alsbald in einen Krieg verwickelt zu werden, obwohl natürlich die Briten und die Sowjets den Iran quasi besetzt hatten, um den südlichen Nachschubweg in die UdSSR offen zu halten.

Ich habe es geschafft, meine Armee aufzustocken und modern zu halten. Hui, fünf Infanteriedivisionen mit Panzerwagenbrigaden! An Panzer und Luftwaffe war natürlich nicht zu denken – allein um eine neue Infanteriedivision bauen zu können, muss der Perser die ursprüngliche Industriekapazität schon ausbauen, wenn man die Bedürfnisse der Bevölkerung (das heißt die nationale Unruhe) nicht vernachlässigen, oder nicht ungebührlich lange warten will, bis die mit unzureichenden Ressourcen aufgestellte Division endlich mal fertig wird.

Diplomatisch konnte ich kleine Erfolge feiern: Mittels Beeinflussung waren die Türken und Afghanen mit mir auf einer politischen Linie und der Handel florierte. Jeder will Öl. Aber warum sie kein militärisches Bündnis mit mir eingehen wollten, erklärt sich mir nicht durch einen Blick in die Anleitung. Daraus geht zwar hervor, dass man eigene Bündnissysteme (außerhalb von Achse und Allianz) aufstellen könne, aber wie viel mehr als das gleiche politische System wird dafür verlangt? Vielleicht war ich militärisch dann doch zu schwach, um als Bündnisführer durchzugehen. Die Afghanen zum Beispiel hatten dreimal so viele Divisionen wie ich, aber es handelte sich dabei um billige Milizen.

Die Zeit verging, Deutschland schluckte Österreich, das Sudetenland, die Tschechoslowakei, schließlich Polen, Benelux, Frankreich, und Skandinavien, lieferte sich über dem Kontinent Luftschlachten mit den Briten, und im November 1941 kam der große Moment: Die Deutschen marschierten in die UdSSR ein. Dabei waren sie mit den Finnen, den Italienern, den Ungarn, den Vichyfranzosen, den Slowaken, und den Rumänen verbündet. Südlich der Donau fiel interessanterweise nie ein Schuss (vielleicht mal abgesehen von Albanien, wo die Italiener einmarschierten). Südosteuropa blieb frei, sowohl von deutscher Besatzung als auch von britischer Agitation.

Theoretisch lief die Sache gut für die Alliierten: Das freie Frankreich und Großbritannien eroberten alle italienischen Gebiete in Afrika, mit Ausnahme der wüstesten Wüstenregionen – scheinbar bewegt sich keine Truppe je in ein Gebiet, dessen infrastrukturelle Entwicklung mit 0 % angegeben ist. Dann hätten sie ja eigentlich nach Sizilien hüpfen können. Taten sie aber nicht. Keiner weiß, warum. Stattdessen erklärte Venezuela dem Deutschen Reich den Krieg – und landete mit einer Division in Norwegen. Die Deutschen bereinigten die Situation schnell wieder, aber immerhin hatte eine Art Landung stattgefunden!

Mit dem Löwenanteil der deutschen Truppen im Osten hätten die Alliierten sich aussuchen können, wo sie die Festung Europa angreifen, aber sie ließen es einfach bleiben, und begnügten sich damit, hier und da taktische Bomber einzusetzen und dann und wann deutsche Schiffe zu versenken.

Die Wehrmacht indes hielt sich einige Wochen am Dnjepr auf (Flussüberquerungen geben dicke Abzüge auf die Offensivkraft), brachen dann aber durch und saßen im Frühjahr 1942 in Moskau. Von da an ging’s für die Russen nur noch rückwärts, und immerhin dauerte es bis 1944, bis die Deutschen in Wladiwostok angekommen waren. Irgendwann streiften sie an der persischen Nordgrenze vorbei und interessierten sich kein bisschen für dieses erdölreiche Land ohne Bündnispartner, das sie mit einer einzigen Armee hätten ausradieren können, ohne militärische Konsequenzen zu fürchten.

Immerhin interessant zu beobachten (in der Statistik) war, dass die Deutschen in ihren 200 Divisionen gerade mal sechs Panzerdivisionen hatten (und etwas mehr als ein Dutzend motorisierte Infanteriedivisionen) – scheinbar ist die KI darauf ausgelegt, möglichst Rohstoff sparend zu operieren.

Während all dieser Zeit tat ich als Schah nichts anderes, als ständig darauf zu warten, dass eine Forschung oder ein Bauauftrag fertig sein würde. Nicht sehr spannend, so als Kriegsunbeteiligter. Aber ich wollte ja auch erst mal sehen, wie der Hase läuft und wie die Bedienelemente funktionieren.

Nächstes Spiel, gleich in die Vollen. Ich spiele die Sowjetunion. Ich sorge erst mal dafür, dass alle Truppen auf höchstem Stand sind und bemühe mich, ein Drittel der Gesamtstärke als Panzerdivisionen zur Verfügung zu haben, und zwei Drittel der Panzerdivisionen erhalten eine Brigade schwerer Panzer vom Typ KV-2. Teuer, aber effektiv: Lange, bevor die Deutschen sich irgendwie regen, missfällt mir der japanische Angriff auf China. Die mit Japan verbündete Mandschurei tut mir den Gefallen, meinen Verbündeten Mongolei anzugreifen. Die Nationalchinesen kriegen schwer was auf den Deckel. Ich biete Chiang Kai-shek ein Bündnis an. Er lehnt ab. Ich biete Mao ein Bündnis an: Er lehnt ab. Sind die größenwahnsinnig? Die Folgen des Nicht-bündnisses bekomme ich später selbst zu spüren.

Zuerst wird die Mandschurei überrollt, und die Landverbindung zwischen dem japanisch besetzten Korea und den japanischen Truppen in Nordchina gekappt. Die Kapitulation der Mandschurei führt zunächst dazu, dass mein Verbündeter Mongolei zwei Provinzen derselben zugesprochen bekommt, ob mir das passt oder nicht. Schließlich erobert die Rote Armee Korea. Die Kwantung Armee ist in Nordchina zwischen den chinesischen Truppen und der Roten Armee eingeklemmt, ich hole zum Todesstoß aus… und komme nicht weiter. Warum? Weil die Chinesen nicht meine Verbündeten sind. Das heißt, sie helfen nicht bei der Versorgung meiner Truppen. Stoße ich über die Grenzprovinzen hinaus vor, geht meinen Truppen der Nachschub aus, die Panzer können nicht mehr rollen, die Soldaten haben nichts zu essen. Stillstand. Die Operationen beschränken sich auf die Abwehr japanischer Gegenoffensiven. Oder „japanischer Nadelstiche“, das trifft es eher.

Ich habe neben der Armee auch die Luftwaffe kräftig gefördert: Ich habe drei Luftflotten mit taktischen Bombern und eine Luftflotte mit strategischen Bombern (Stand von 1939 halt), und die dazu gehörenden Begleitjäger, und nutze diese, um die japanische Flotte mürbe zu machen. Leider ist das nicht effektiv genug. Dann entdecke ich, dass die Provinzen Kanazawa und Fukuoka keine Verteidigungsgarnison aufweisen. Aha!

Dann muss ein Flottenbauprogramm her. Ich brauche neun Transportflotten, um eine ganze Armee auf einmal transportieren zu können. Aber erst muss ich die feindliche Marine ausschalten und baue dazu eine große U-Boot Flotte. U-Boote erscheinen geradezu unheilig effektiv. Sie versenken im Laufe des folgenden Jahres ein Großkampfschiff nach dem anderen, Schlachtschiffe, Kreuzer, und Träger, bis nur noch ein paar Kreuzer und zwei Dutzend Zerstörer übrig sind. Dabei dauerte eine Schlacht drei Monate, was meinem siegreichen Admiral eine unglaubliche Anzahl an Erfahrungspunkten bescherte, und damit einen unglaublichen Effizienzbonus für seine Truppen.

Anfang 1941 landen zwei sowjetische Armeen in Japan, wenige Wochen später sind die Hauptinseln, sowie Okinawa, Iwojima, Hainan, und Taiwan, erobert. Aber Japan offiziell annektieren geht nicht: Die Hauptstadt wird im Falle der Eroberung woanders hin verlegt, und die japanische Hauptstadt befindet sich neuerdings auf einer kleinen Pazifikinsel außerhalb meiner Reichweite. Und in dieser demütigenden Situation greifen die Japaner Pearl Harbor an. Mit was eigentlich? Keine Ahnung. Sie lösen jedenfalls die Option „Angriff“ aus (sie hätten es auch lassen können), vielleicht reicht das schon, vielleicht muss nicht wirklich ein Angriff geführt werden? Wer weiß. Die Amerikaner machen jedenfalls kurzen Prozess: Wenige Wochen später ergeben sich die Japaner den Amerikanern, die setzen einen Marionettenstaat ein – und meine Eroberungen sind nichtig. Ohne, dass ich ein Wörtchen mitreden konnte, ist Japan unter amerikanischer Führung wieder frei und meine Truppen stehen auf einem Stück Land, von dem aus sie nicht versorgt werden können. Also rein in den Transporter und zurück nach Korea.

Die verlangen übrigens auch bald ihre Unabhängigkeit, aber man weiß ja, wohin das führt: Kurz danach löst sich die Volksrepublik Korea im Norden und die Teilung ist perfekt. Warum auch immer! Schließlich wurde die Teilungslinie damals durch den russischen Vormarsch im Sommer 1945 bestimmt, und meiner endete doch erst am Südende der Halbinsel! Dumme Skripte.

Mittlerweile band der Westen meine Aufmerksamkeit. In Vorbereitung auf den deutschen Angriff hatte ich meine Verteidigungslinie hinter den Dnjepr zurückgezogen, auf die paar Westprovinzen konnte ich verzichten, gerade im Hinblick auf die Verlegung der Industrie hinter den Ural. Die Finnen hatte ich beruhigt, indem ich die stalinschen Wünsche ignorierte und keinen Winterkrieg anzettelte. Von Norden würde nichts kommen, auch wenn die Deutschen in Norwegen saßen. Östlich der baltischen Staaten saßen meine Truppen am Nordufer der Düna eingegraben. Dort ergab sich eine Schwachstelle bei Smolensk, weil da kein Fluss war. Im Süden war eine ähnliche Situation durch die Lücke zwischen Dnjepr und Dnjestr entstanden, dem Grenzfluss zum feindlichen Rumänien. Im Vertrauen auf meine Panzer wollte ich diese Lücken halten.

Aber es wollte nicht. Deutsche und Rumänen holten sich blutige Nasen, hatten aber eine lokale Übermacht, und erzwangen unter schwersten Verlusten die Räumung der Linie und meinen Rückzug hinter den südlichen Dnjepr. Auch im Norden ständig neue Angriffe, die meine Truppen zu taktischen Rückzügen zwangen. Die jeweilige Nachbararmee musste eingreifen, warf die Deutschen zurück, und wurde wegen der Aufgabe ihres Verschanzungsbonus zum nächsten Ziel. Die unglaublichen Verluste überstiegen bald die industrielle Kapazität und als der Zusammenbruch vor der Tür stand, brach ich das Spiel ab und begann ein neues, sowjetisches, Spiel – allerdings mit einer Strategie in der Tasche.

Das Jahrzehnt ist zu Ende

Filed under: Sport,Uni — 42317 @ 0:37

Dieser Song kam mir heute spontan in den Sinn, und ich glaube, er trifft meine momentane Stimmung recht gut:

Alles gelaufen, alles vorbei, ich brauch nur noch mein Zeugnis und dann ist Ende mit Uni. Freitag nach der Prüfung hab ich den ganzen Tag nur StarCraft gespielt. Ein ganz neues Gefühl, ohne schlechtes Gewissen Zeit verplempern zu können.

Mein Schulkamerad 001 hat mir zwar empfohlen, nach der Prüfung was zu machen, an das ich mich mein Leben lang erinnern würde… aber das Wegbrechen des Prüfungsdrucks machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Ich wollte nur meine Ruhe haben. Das unvergessliche Erlebnis am letzten Prüfungstag stellte sich zum Abend ein: Der Türmechanismus ging kaputt. Die Klinke griff den Riegel nicht mehr. Ich versuchte, die Tür auszuhebeln, aber das ging leider nicht. Ich versuchte, den Riegel mit einem Schraubenzieher zu erreichen, aber auch das schlug fehl. Die Tür öffnet nach innen, in dem Fall zu mir, also konnte ich sie nicht eintreten. In der Situation griff ich zum Werkzeugkasten, nahm den Hammer raus und schlug das Schloss aus der Tür – Pappmachée mit Laminatüberzug. Ich hoffe mal, dass das nicht allzu viel kostet, aber Geldspenden nehme ich gern entgegen. 🙂

Samstag bin ich sechs Stunden durch die Gegend geradelt. Über Gusterath nach Riveris und von Waldrach zurück nach Kürenz. Ausschlafen wollte ich eigentlich. Stattdessen war ich um sechs bereits hellwach und bin um sieben aufgestanden. In den letzten Jahren habe ich mich nach dem Aufwachen grundsätzlich wie durchgekaut und ausgespuckt gefühlt. Scheinbar hat der Schlaf jetzt als Realitätsflucht ausgedient. Ich fänd’s jedenfalls toll, wenn ich öfters so früh aufwachen und vor Energie schier platzen könnte.

Das Aufladen der Batterien meiner Kamera habe ich jedenfalls vergessen, und deshalb gibt’s von der Tour leider keine Bilder. Dabei habe ich ausgerechnet bei Bonerath etwas gesehen, was mir noch nie zuvor untergekommen ist: Ein Wegkreuz zur Erinnerung an den Krieg von 1870-71. Aber ganz allgemein ist die Gegend da schön. Und die Leute scheinen mir wesentlich freundlicher als in der Stadt.

Ganz in der Nähe von Bonerath liegt die Riveris Talsperre, und da wollte ich als Zwischenziel hin. Nun gibt es in Bonerath zwar die Bushaltestelle, die viel sagend „Talsperrenblick“ heißt, aber von dem See ist von dort rein gar nichts zu sehen.

Und als ich da unentschlossen in der Gegend rumstand, ob ich links oder rechts fahren sollte, kam ein älterer Anwohner auf mich zu und fragte mich ganz unvermittelt, wo ich denn hinwolle und ob er mir weiterhelfen könne.

Letztendlich bin ich dann links runter gefahren, über einen reichlich holprigen Wanderweg, bis nach Waldrach immer bergab. Und dort stand ich wieder vor der Wahl „links oder rechts“. Nach rechts ging’s nach Ruwer, nach links zur Anhöhe oberhalb von Tarforst. Der Weg nach Ruwer war mit sechs Kilometern angegeben, und es würden wohl nochmal so viele Kilometer bis nach Hause sein. Der linke Weg war kürzer, dafür aber mit einer kilometerlangen Bergstrecke gesegnet.

Wie es meine Art ist, wählte ich den Weg des Schmerzes. Manchmal muss man mit sich kämpfen und auch mal ans Limit gehen. Was ich auch haargenau schaffte. Als ich in Korlingen ankam, war mir kotzübel. Über den letzten Bergkilometer musste ich an jedem Straßenpfosten kurz verschnaufen, weil ich kaum noch einen Schritt machen konnte, der mich nicht viel Überwindung kostete. An Fahren war nicht zu denken. Dafür reichte der Saft nicht aus. Muskelschmerzen hatte ich keine, nur die Energie ging zur Neige. Das mit dem klar Sehen wollte auch nicht mehr so klappen. Mein Sehfeld verdunkelte sich immer wieder etwas, und mein Kopf fühlte sich so dröge an, dass ich mich des Bedürfnisses erwehren musste, mich einfach so in die Wiese fallen zu lassen.

Zuhause zuerst das Fahrrad wankend in den Keller gestellt. So hinüber habe ich mich auch lange nicht mehr gefühlt. Aber es war ein körperliches „Hinüber“, und das ist viel besser als das seelisch-moralisch-psychische Hinüber der letzten Jahre. Ich bin ausnahmsweise mit dem Lift nach oben gefahren, danach eine Birne essen, Brot schmieren, ein Nickerchen, einkaufen, Grillen. Es war die beste Birne, die ich seit langem gekostet habe.

Montag ist Arbeitsamt angesagt. Die werden mir wohl mal meine Krankenkassenbeiträge abnehmen und zumindest einen Teil meiner Miete zahlen. Ich kann, bis ich eine Anstellung finde, mit Hartz-IV nur besser dran sein, als es in den vergangenen Jahren der Fall war, wo ich im Monat ein „freies Geld“ von ein paar Dutzend Euro hatte, die von Nebenkosten- und Versicherungsrechnungen aufgefressen wurden. Mein gesamtes Barvermögen beträgt derzeit nicht einmal 700 Euro. Aber ich fühle mich ungleich freier jetzt.