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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

24. Januar 2016

Exotik, Heil und Horror

Filed under: Japan,Zeitgeschehen — 42317 @ 14:20

Was lese ich da denn schon wieder?

Japan hat eigene Zugverbindung für elf Schüler

Hokkaidô ist ja in gewisser Hinsicht das MeckPomm Japans, daran kann man nicht wirklich zweifeln. Da gibt es kleine Dörfer, die in wenigen Jahren aufgegeben werden müssen, weil die Bevölkerung rückläufig ist, denn die jungen Leute wandern aus wirtschaftlichen Gründen in Städte ab. Was mich an dem Text stört, ist der Hinweis: „Die Fürsorge der Bahngesellschaft nähert sich dem Deutsche-Bahn-Niveau.“ Wegen der Ankündigung, dass im kommenden März, zum Ende des Schuljahres, Schluss sei und die Linie eingestellt werde. Die Polemik störte mich irgendwie und solcherlei Berichte über Nebensächlichkeiten in meinem Lieblingsland wecken natürlich meine Neugier, da die dortige Realität sich selten so verhält, wie sie in den Medien auf der anderen Seite der Weltkugel dargestellt wird.

Schauen wir also über den im Bericht genannten Tellerrand. Bei der Japanischen Eisenbahngesellschaft kann man nachlesen, dass die im Text aufgezeigte Bahnlinie mit der Bezeichnung Sekihokusen den größten Teil der Insel Hokkaidô durchquert, insgesamt 234 km lang, in mehrere Unterabschnitte organisiert ist, und 40 Bahnhöfe und Haltestellen aufweist. Der angeblich vor der Schließung stehende Streckenabschnitt von Shirataki bis nach Engaru liegt so ziemlich genau in der Mitte.

Erstens muss man sich doch fragen, warum man für nur elf Personen nicht einfach einen Kleinbus im Format 3,5 t fahren lässt? Das wäre doch billiger.
Zweitens würde es doch keinen Sinn machen, ein paar Kilometer in der Mitte der Sekihokusen stillzulegen und auf dem Rest einen so getrennten Betrieb aufrecht zu erhalten.
Ich will sagen, dass die auf ze.tt angebotenen Informationen allein zum Verständnis nicht ausreichen.

Zuerst: Von welchem Bahnhof reden wir nun eigentlich, wenn es um die Oberschülerin Kana geht? Im Text wird Shirataki genannt. Der Marker auf der Landkarte liegt aber auf Kyûshirataki, etwa fünf Kilometer weiter in Richtung Engaru. Und auf dem Foto, das diese seltsam vorindustrielle Hölzhütte zeigt (so sehen Landbahnhöfe in Japan oftmals aus), erkennt man den Haltestellennamen Kamishirataki (wenn man es denn lesen kann), was von Shirataki Hbf schätzungsweise drei Kilometer in die entgegengesetzte Richtung liegt, und das auch nicht der Bahnhof sein kann, an dem die verschneite Schülerin steht, weil man auf den ersten Blick erkennen kann, dass es sich um ein ganz anderes Gebäude handelt. Dieses Foto ist somit als sinnfreie Illustration entlarvt.
Denn wenn wir uns ein Bild von der Haltestelle Kyûshirataki ansehen, stellen wir als erstes fest, dass es sich nicht um einen Bahnhof im eigentlichen Sinne, sondern lediglich um einen Bahnsteig mit Unterstellhäuschen mitten in der Pampa handelt, also eine Gegebenheit, die man in Deutschland oft als „Milchkanne“ bezeichnet, weil so manche deutsche Regionalbahn ja angeblich an einer jeden solchen anhält.

Kyushirataki Haltestelle

Aber wir stellen zweitens auch fest: Es ist die richtige Milchkanne. Man sieht das vom Beobachter abgewandte kleine Schild, die Laterne neben dem Unterstand und das Fenster an der Giebelseite.

Wenn ich meine japanischen Quellen richtig verstehe, dann wurde beschlossen, wegen des geringen Passagieraufkommens in diesem Bereich das Angebot zu privatisieren und drei Haltestellen einzusparen (bzw. diese in reine Signalstationen umzuwandeln, wo entgegenkommenden Züge per Doppelgleis nur noch einander ausweichen), zu denen auch Kyûshirataki gehört. Shirataki Hbf und Engaru Hbf werden in Abstimmung mit dem überregionalen Expresszug, der die Endbahnhöfe der Linie verbindet, auch in absehbarer Zukunft fünfmal täglich angefahren, und das heißt, dass nur die seltenen Fahrgäste aus den kleinen Siedlungen fünf bis maximal sechs Kilometer nach Shirataki zurücklegen müssen, um von dort aus die Bahn nach Engaru (oder in die andere Richtung) nehmen zu können. Das ist für die Betroffenen zwar unbequem, klingt aber schon ganz anders als die in dem Bericht genannten, als alternativlos auffassbaren, 38 Kilometer bis Engaru.

Es wird also keineswegs die Bahnlinie eingestellt – nur diejenigen Haltestellen mit einem unwesentlichen Passagieraufkommen werden nicht mehr angefahren. Die Angabe von elf Schülern bezieht sich also scheinbar nur auf diese kleine Siedlung, die als Kyûshirataki auf der Landkarte verzeichnet ist, da sowohl in Engaru als auch in Shirataki genügend Menschen leben und mit dem Zug fahren, dass sich der Betrieb auch weiterhin lohnt. Das ist etwas ganz anderes und deutlich weniger krass. Denn Japan Railways fährt auch weiterhin in Dörfer (in Shirataki selbst wohnten vor zehn Jahren noch über 1150 Menschen), die die Deutsche Bahn aus Gründen mangelnder Rentabilität längst aufgegeben hätte. Das hat auch für einen politisch nach links neigenden Bürger wie mich nichts mit mangelndem Willen zur Dienstleistung zu tun, obwohl ich die Meinung teile, dass die Deutsche Bahn sich auf den Pendlernahverkehr konzentrieren sollte, wo sie kaum schlagbar wäre, anstatt prestigeträchtig auf Fernstrecken mit der Luftfahrt zu konkurrieren.

5. Januar 2014

Hirosaki bye-bye

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 12:59

Wie der aufmerksame Stammleser feststellen wird, sind die Hirosaki-Tagebucheinträge wieder aus dem Blog gelöscht worden. Die zeitlichen und Kräfte zehrenden Erfordernisse meines Broterwerbs haben das von mir angedachte „Tag-für-Tag“ Konzept ja bereits kurz nach Beginn des Projekts zerstört, und wenn ich dem Konzept nicht folgen kann, dann soll es halt nicht sein. Es macht aus meinem derzeitigen Blickwinkel jedenfalls keinen Sinn, einen Großteil meiner Wochenenden für weitere mehrstündige auf reine Nostalgie getrimmte Schreibmarathons zu opfern, gerade, wo die Notizen eines ganzen Arbeitsjahres darauf warten, in Fließtexte umgewandelt zu werden.
Ich warte also noch ein paar Jahre. Da ich auf runde Jubiläen stehe, werden also noch etwa fünf Jahre vergehen. Vielleicht aber auch noch einmal zehn. Das bleibt abzuwarten.

28. Juli 2013

Nebensächlichkeiten 2012 (Teil 2)

Filed under: Japan,Militaria,My Life,Zeitgeschehen — 42317 @ 15:15

LINGOARMAGEDDON
Das ist natürlich nicht der Titel des interessanten Beitrags des Deutschlandfunks im Umfeld der Veröffentlichung des Worts oder Unworts des Jahres durch die Gesellschaft für Deutsche Sprache, der allerlei Anrufern die Gelegenheit gab, sich über den, so wörtlich, „Verfall der deutschen Sprache“ auszulassen.
Alle diese Diskussionen verlaufen gleich. Man beschwert sich über Anglizismen und andere, wenn auch seltenere ausländische Einflüsse, über Jungendslang und über die allgemeine Aufweichung von Grammatik und Satzzeichensetzung. Die Kritik ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, ganz klar. Wie viele Leute mit akademischer Bildung haben Kommata im Griff? Den Konjunktiv der indirekten Rede? Wie viele von denen kommen mit Genitiv und Dativ klar?
Eine Universität in Ostdeutschland hat sich gutes Deutsch auf die Fahnen geschrieben und verordnet ihren Jurastudenten Deutschkurse – man kann über viele Gebiete diskutieren, aber ich denke, dass die Sprache juristischer Darlegungen präzise sein muss, gerade mit Blick auf die indirekte Rede, von daher halte ich das für eine sehr gute Idee.
Wenn Uniabsolventen da Mängel haben, bedeutende sogar, und da nehmen sich weder Geisteswissenschaftler noch der Deutschlandfunk selbst aus, welche Standards kann man in der allgemeinen Bevölkerung erwarten? Nach dem, was ich so an schriftlichen Beiträgen im Internet lese… gar keine. Sprache ist, was funktioniert? Zumindest ist das auch die Ansicht einiger Linguisten, die ich selbst als radikal bezeichnen möchte.

Ich habe mir im Laufe der Sendung mehrfach den Kopf aufs Lenkrad schlagen wollen, weil die Argumentation so manchen Anrufers den einfachen Schluss zulässt, dass sie oder er von Sprache an sich überhaubt keine Ahnung hat, von der Entstehung und der phonetischen und lexikalischen Evolution derselben. Scheinbar hört das Denken vieler Zeitgenossen in einer romantisierten Vergangenheit auf, was sie zu der Meinung bringt, die deutsche Sprache (oder welche auch immer) sei wie Boticellis Venus aus ihrer Muschel quasi aus dem Nichts sofort in einen unmittelbaren Zustand der Perfektion hinein entstanden. An sowas kann man doch nur glauben, wenn man der Bibel die Geschichte vom Turmbau zu Babel 1:1 abkauft. Dass bei gewählter Ausdrucksweise kein Weg um lateinische und griechische Einflüsse herum führt, die ja wohl auch irgendwann das „reine Deutsch“ verfälscht haben, kommt solchen Leuten scheinbar nicht in den Sinn, und spätestens der Dreißigjährige Krieg mit seiner Massenzuwanderung von Söldnervolk hat nicht nur der arischen, sondern auch der linguistischen Eigenstellung des Deutschen einen deutlichen Dämpfer versetzt. Mich würde wirklich interessieren, in welchem Zeitraum jene Anrufer eine Goldene Zeit der deutschen Sprache ansetzen, und ihre Großväter würde ich gern mal fragen, was sie vor über 50 Jahren von den sprachlichen Eigenheiten ihrer damals jugendlichen Enkel hielten, die die heutigen Großväter sind.
Sprache befindet sich ständig im Wandel, und das haben spätestens die Brüder Grimm in ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Germanisten belegt, deren nach ihnen benannte Sammlung von Hausmärchen jenen Romantikern vielleicht und unter anderem als Vorlage für unverfälschtes Deutsch dient. Fremdsprachen haben sich in Grenznähe und entlang wichtiger Handelsrouten immer untereinander vermischt und in einem Zeitalter globalisierter Kommunikationsmittel und Massenmedien wird sich diese Vermischung dauerhaft auf einer viel breiteren Basis abspielen; sprachwissenschaftliche Schätzungen sind dahingehend, dass jede Woche eine eigenständige Sprache auf diesem Planeten ausstirbt: Die Geschichte vom Turmbau zu Babel liest sich in der Tat rückwärts realistischer.

PARTEINAHME
Kommen wir zu einem anderen sprachlichen Punkt, der mir in den Nachrichten immer wieder auffällt, und zwar Parteinahme gegen Personen mit schlechtem Image, wo doch eigentlich Objektivität angebracht wäre. Zumindest dachte ich einmal, dass Objektivität ein Qualitätsmerkmal guter Informierung sei.
Es geht mir konkret um das Wort „Machthaber“. Spätestens seit dem Arabischen Frühling, seit der Krise in Tunesien und in Libyen, die zum Sturz der dortigen Regierungen führte, findet dieser eindeutig negativ konnotierte Begriff einen geradezu inflationären Gebrauch, zumindest wäre mir die Verwendung des Worts „Machthaber“ in dieser Konzentration noch nie aufgefallen.

Personen, die einst „Präsidenten“, „Premierminister“, oder weiß der Teufel was waren, werden plötzlich zu „Machthabern“, und es stellt sich wie immer die Frage, ob jemand die Volksmeinung auf diese Weise lenkt, oder ob das öffentliche Image der betroffenen Personen die Medien dazu verleitet, ihre Objektivität aufzugeben. Nun gut, in dem Fall ist die Frage einfach: Woher, wenn nicht aus den Medien, erfährt das Volk denn von zumindest angeblichen Greueltaten der Herrschenden? Und die Eindeutigkeit der Lenkung der Volksmeinung als Absicht bei der Verwendung des Begriffs könnte klarer nicht sein – oder ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, Frau Merkel als „die deutsche Machthaberin“ zu bezeichnen, die sie doch eindeutig ist?
Wie es scheint, gibt es derzeit nur zwei „Machthaber“ auf der Welt: Kim Jong-Un und Bashar al-Assad. In absehbarer Zeit wird Herr Putin wohl nicht vom „Präsidenten“ zum „Machthaber“ mutieren – das wird sich keiner trauen, Magnizkij und Nawalny hin oder her.

KLEINE WELT
Es begab sich zum Geburtstag einer Freundin in Saarbrücken, dass eine gemeinsame Bekannte, die wir vom Studium her kannten, sich dort ebenfalls einfinden würde, mit dem informativen Zusatz, sie werde mit ihrem Freund kommen. So weit, so nichtssagend.
Ich war dann mit meiner Liebsten früher dort, irgendwann klingelte es an der Tür und die beiden angekündigten Gäste kamen die Treppe hoch. Der besagte Freund schob sich in mein Sichtfeld und stellte sich den Leuten weiter vorne vor, und noch bevor er seinen Vornamen genannt hatte, war mein Unterkiefer bereits auf dem Weg Richtung Boden.
Der Typ aus Stuttgart hatte mit mir zusammen Grundausbildung in Cham gemacht, war dort der einzige gewesen, der bereits ein schmuckes Namensschild (vom Vater geerbt) hatte, während wir übrigen einen vorläufigen, handbeschriebenen Filzstreifen bekamen. Die Ausbildung „Retten und Bergen“ hab ich auch zum Teil mit ihm gemacht, und es ist gar nicht leicht, einen Kerl von knapp über 100 kg durch ein enges Stellungssystem und anschließend daraus heraus zu zerren. Immerhin habe ich ihn nicht aus der Oberluke des Zweieinhalbtonners hieven müssen (für sowas suchen sich die Ausbilder immer einen der schwersten Leute aus).
Auf den zweiten Blick hat er mich dann erkannt (während er nach meiner Wahrnehmung noch genauso aussieht, wie damals) und seine Freundin war auch nicht wenig geplättet. Sie hatte ein Praktikum bei BOSCH absolviert und war nach dem Studium für den Konzern nach Japan gegangen, wo sie denn meinen alten Kameraden kennen lernte, der für den selben Betrieb arbeitete. „Da hab ich erst nach Japan gehen müssen, um einen Deutschen zu treffen, mit dem man was anfangen kann.“ Dass jener Kamerad in Japan gelandet war, war scheinbar mehr dem Zufall geschuldet. Aber wieder einmal erwies sich die Welt als klein.

VERSCHWENDETES GELD
2012 war ich offiziell der Besitzer meines Elternhauses, und laut Überlassungsvertrag mit Nießnutzklausel war der Vorbesitzer, mein Großvater, dazu verpflichtet, die laufenden Kosten zu tragen – schließlich hatte ich es nicht dicke und ich wohnte auch nicht drinnen. Bedingt durch die fahrlässige Verarmung des Vorbesitzers kamen allerdings laufende Kosten auf mich zu, zumindest die Grundsteuern musste ich entrichten. Eine bittere Pille, spätestens zu dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass ich das Haus eh würde verkaufen müssen und keine Investition mir mehr irgendeinen Gewinn bringen würde.

Noch etwas Geld verschwendete ich im Zuge einer Zahlungsaufforderung der Bundeskasse in Halle, die mich an meine BaföG-Rückzahlungspflichten erinnerte. Leider hatte ich vergessen, der Bundeskasse auch mitzuteilen, dass ich zwischendurch umgezogen war. Für die Ermittlung meiner neuen Adresse (zu dem Zeitpunkt noch in Trier) wurde mir eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 25 E berechnet, aber um die Rückzahlung an sich in Gang zu setzen, war mein Einkommen zu niedrig. Die Sache wurde also ein Jahr lang ausgesetzt, und diesmal vergaß ich weder die Anzeige meiner Adressänderung noch den sanften Anstieg meines Einkommens.

NEBEN-BERUFLICHES
Ich gehe hier auf ein paar Ereignisse ein, die indirekt mit meiner Arbeit zusammenhängen.

Ich war an einem Tag mal wieder bei einem meiner Tierärzte, und bei der Übergabe der Fracht riss einer der Kartons unten aus und der Inhalt lag auf der Ladefläche.
„Kein Problem,“ sagte der Tierarzt, „das geht nicht kaputt.“
„Was ist das denn für schweres Zeug?“
Er zeigte mir ein zylinderförmiges schwarzes Etwas von der Länge eines Zeigefingers.
„Das sind Magnete.“
„Wozu braucht man die als Tierarzt?“
Er nahm daraufhin ein längliches Arbeitsgerät von mehr als einem halben Meter Länge aus dem Regal; es machte einen stabilen Eindruck, aus hell oliv-farbenem Plastik, ich hätte es für eine Art Sonde gehalten.
„Hier vorne“, er berührte mit dem Zeigefinger eine Fassung an der Spitze, „klemmt man den Magneten rein, dann schiebt man es der Kuh in den Hals und fischt damit metallische Gegenstände wie Nägel aus dem Magen.“
„Wie kommen die Nägel in den Kuhmagen?“
„Och, die sind oft im Tierfutter mit drin…“
Mir fiel spontan die Häufigkeit von Zigarettenkippen im Vogelwinterfutter ein und mein Vertrauen in die deutsche Viehzucht sank ein weiteres Stück.

Interessant fand ich auch, dass ein Kuheuter nicht einfach nur ein Hautsack mit Milch drin ist, die sind tatsächlich in vier Kammern unterteilt. Ich wusste das nicht und war wieder für eine Erweiterung meines Allgemeinwissens dankbar.
Auch interessant: Ich hatte vor langer Zeit mal gehört, dass verschiedene Arten von Säugetieren mitunter unterschiedliche Körpertemperaturen haben und fragte Dr. P in Waxweiler.
„Ja, das stimmt,“ sagte der, „ein Schwein kann 41° Fieber haben und überleben!“
Einzelheiten konnte er mir leider keine nennen, denn ich hatte in der Schule mal was gelernt über die Gefährlichkeit von Fiebern, die daher kommt, dass das Körpereiweiß irgendwann zu warm wird und ausfällt, was den Stoffwechsel unmöglich macht, exitus. Warum hält Schweineeiweiß mehr aus als Menscheneiweiß? Ich habe gedacht, Eiweiß sei Eiweiß, was die chemischen Eigenschaften betrifft?

An einem anderen angenehmen Tag hatte ich eine weitere Begegnung mit dem Apotheker in Daleiden, den ich in bester Laune erleben durfte. Ich hatte Zeit und ließ mich auf einen Plausch ein, den ich bald bereute. Er sprach an, dass der Job als Lieferfahrer doch hart sei, und ich sei doch sicherlich noch nicht zu alt, was aus mir zu machen – ich könne doch das Abitur nachholen?
Touché.
„Nein,“ sagte ich, „brauch ich nicht, ich hab einen Hochschulabschluss in Geisteswissenschaften.“
Erstaunen, Rückfragen, Floskeln.
„Dann haben Sie Ihre Lebensplanung bestimmt nach Bauchgefühl gestaltet, das ist immer ein Fehler.“
Touché.
„Ich musste aber auch was aussuchen, wofür ich genug Interesse und Motivation aufbringen würde, um die Sache auch zu Ende zu bringen.“
Es folgte eine kurze Darstellung seines eigenen Lebenslaufs – er hatte wohl in Chemie promoviert und dann festgestellt, dass die sich anbietenden Arbeitsstellen nicht zu seinem Gefallen waren, und hatte ein Studium der Pharmazie inklusive erneuter Promotion angeschlossen.
„Wenn man bereits Chemie studiert hat, dann ist Pharmazie keine Herausforderung mehr“ sagte er. Mitten im Studium habe seine Frau dann eine Tochter zur Welt gebracht und das sei schon eine harte Zeit gewesen, in der sie an allen Ecken und Enden hätten sparen müssen. Mit der Apotheke hier habe er eine gute wirtschaftliche Grundlage, von der man bequem leben könne. Dann ging er zum Werdegang seiner Tochter über, die in den USA promoviert habe und dort einen Haufen Geld bei einem Pharmakonzern verdiene; er ließ sich auch nicht nehmen, Fotos am Monitor zu zeigen.
Dann wurde die Angelegenheit skurril.
„Gehen Sie doch in die USA. Das ist vermutlich das einzige Land auf der Welt, wo sie als reiner Geisteswissenschaftler tatsächlich Ihr Glück machen können. Suchen Sie sich ne hübsche Amerikanerin, werden Sie Staatsbürger und machen Sie was aus sich.“
Ich hätte ihm an der Stelle sagen können, dass die USA eines der letzten Länder der Welt seien, in denen ich leben möchte und hätte das mit der tief verwurzelten Religiösität und dem grotesk öffentlichen Patriotismus der Leute dort begründen müssen; das war mir allerdings zu umständlich, also sagte ich nur (mit dem höflichsten Lächeln): „Ich habe bereits eine Freundin hier, ich glaube, die hätte was dagegen, wenn ich mir eine hübsche Amerikanerin suchen würde…“
„Ach, von solchen Sentimentalitäten dürfen Sie sich nicht aufhalten lassen. Vergessen Sie die, die ist Ihnen nur ein Klotz am Bein. Hören Sie auf mich.“
Ich war einen Moment lang wie vom Donner gerührt. Dann lag mir die Frage auf der Zunge, ob er das damals, als armer Student, ebenfalls getan hätte, also seine Frau und sein Kind verlassen, hätte sich ihm die Möglichkeit einer möglicherweise lukrativen Emigration geboten? Ich sparte mir die Frage und dankte ihm höflich für das Gespräch, das ich nicht vergessen würde.
„Sehen Sie? Da haben Sie sogar noch etwas Lebenshilfe von mir erhalten,“ meinte er, drückte meine Hand und strahlte übers ganze Gesicht. Der meinte das ernst, ansonsten müsste ich ihn für einen hervorragenden Schauspieler mit bitterbösem Humor halten. Ich verließ die Kreuz-Apotheke völlig perplex und konnte immer noch kaum glauben, was ich da eben gehört hatte.

Zum Abschluss dieses Themas springe ich ins Frühjahr 2013: Die Arztpraxis in Daleiden verkündete ihren Umzug in eine Ortschaft mit besserer Infrastruktur, in Folge dessen war der Kreuz-Apotheke die Grundlage entzogen und der Dr.rer.nat gab die Einstellung des Betriebs bekannt. Ich bedauere dies für die dort beschäftigten Damen, die allesamt sehr nett sind, aber den Apotheker vermisse ich garantiert nicht.

HAARSTRÄUBEND
Mein Kollege Felix hat eine Art besten Freund, der scheinbar bei UPS arbeitet und mit dem er einen Teil seiner Freizeit verbringt, zum Beispiel sind die beiden in Damenbegleitung schon in Freizeitparks gefahren. Man sollte für solche Freunde dankbar sein, und ich bin dem Schicksal dankbar, dass ich mehrere solche Freunde habe.
Mir stand aber wirklich der Mund vor Erstaunen offen, als Felix mir erzählte, er sei mit eben jenem Freund, diesmal ohne Damenbegleitung, auf einer so genannten Furry-Con gewesen.
Das wäre nun das letzte gewesen, was ich dem eigentlich dauergefrustet und leicht verklemmt anmutenden Felix zugetraut hätte.
„DU warst auf einer Furry-Con??? Was hat Dich denn auf den Trichter gebracht???“
„Na ja, ich wollte da eigentlich nicht hin, aber mein bester Freund hatte zwei Karten und der andere war abgesprungen, also fragte er mich, ob ich stattdesen mit will. Wenn’s denn schon umsonst ist…“
„Du weißt schon, dass Furry-Cons in erster Linie wegen ihrer intimen Gelegenheiten bekannt sind, oder?“
„Ja… aber nur, wenn man das auch will…“
Leider rückte er nicht mit Details raus und eigentlich würden mich Fotos brennend interessieren, aber so weit bekam ich ihn dann nicht. Scheinbar doch zu intim.

5. Februar 2012

Gelesen: Der Graf von Monte Christo

Filed under: Bücher,Manga/Anime — 42317 @ 17:45

Die Notizen sammeln sich… schneller, als ich ausformulieren kann (davon, dass ich bei jeder sich prinzipiell bietenden Gelegenheit nicht auch die notwendige Motivation dazu aufbringe, ganz zu schweigen). Ich muss ja zugeben, dass gewisse Möglichkeiten der Kurzweil mich manchmal eine ganze Weile aufhalten… Civilization zum Beispiel, nach dem Kauf eines neuen Flachbildschirms wieder verstärkt CounterStrike, oder in letzter Zeit auch Railroad Tycoon. Abgesehen davon habe ich mir die Zeit genommen, „Der Graf von Monte Christo“ von Dumas zu lesen. Nachdem ich vor ein paar wenigen Jahren die SciFi-Animeversion gesehen hatte, dachte ich mir, ich könnte die Vorlage mal lesen, und in Abwesenheit ausreichender Französischkenntnisse musste das halt die deutsche Ausgabe sein. An dieser Stelle also ausnahmsweise kein „Roadmovie“, sondern ein bisschen Literaturrezension.

Vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse im Frankreich des Jahres 1814 wird ein junger Mann mit dem Namen Edmont Dantes am Vorabend seiner Hochzeit als Folge von Neid, Missgunst und Egoismus auf einer Gefängnisinsel unweit von Marseille eingekerkert, ohne zu verstehen, was man ihm vorwirft und ohne je einen Richter gesehen zu haben.
Er verbringt 14 Jahre in Einzelhaft, gelangt aber durch heimliche Kommunikation mit einem Mitgefangenen an das Wissen über das riesige Vermögen einer mittlerweile ausgestorbenen Familie, das ein Opfer Cesare Borgias in Vorahnung seines baldigen Todes auf der italienischen Insel Montecristo versteckt hatte.
Nach dem Tod des Zellennachbarn gelingt ihm die Flucht, er eignet sich den Reichtum an und verbringt neun Jahre mit der Vorbereitung seiner Rache an den Leuten, die ihn ins Gefängnis gebracht haben, indem er alle auffindbaren Informationen über soziale Netzwerke, Geschäftsbeziehungen und auch alte Sünden, die sprichwörtlichen Leichen im Keller, einzieht, er lernt mehrere Sprachen bis zur Vollendung und baut selbst ein Netzwerk aus Geschäftspartnern, Freunden und Helfershelfern auf, das den gesamten Mittelmeerraum zu umspannen scheint. Er kommt als Graf von Monte Christo zurück (legt sich aber noch andere Tarnidentitäten zu) und vernichtet seine Widersacher, die mittlerweile zu Macht und Wohlstand gelangt sind.

Wenn man sich einmal an den antiquierten Sprachstil gewöhnt hat, liest sich die Geschichte sehr gut und auch schnell, obwohl ich sagen muss, dass die verwendeten Bauelemente manchmal ein bisschen simpel gehalten scheinen.

Schön ist zum Beispiel, wie aus dem Gefangenen Edmont der Graf wird:
Er wird eingekerkert und wird von einem nicht unfreundlichen Wärter bewacht, der ihn mit Namen anspricht. Nach einer Weile wechselt der Gouverneur der Insel und der Wärter geht mit. Der nachfolgende Wärter macht sich nicht die Mühe, sich die Namen der Gefangenen zu merken und ruft sie nach ihrer Zellennummer. Dantes, nun „Nummer 34“, verliert also seine Identität, was man ja scheinbar braucht, um sich eine neue anzueignen.
Durch seinen Zellennachbarn gelangt Nummer 34 also im Laufe der Jahre zu einer höheren Bildung, die es ihm später ermöglicht, sich realistisch als Aristokrat oder zumindest als Mitglied der gehobenen gesellschaftlichen Schicht auszugeben, denn Kleider machen zwar Leute, aber wenn einer, der sich „Graf“ nennt, weiterhin den Sprachstil eines Marseiller Seemanns verwendet, dann fällt das auf. Nun ja, zumindest realistisch betrachtet, denn es fällt in dieser Geschichte nicht wirklich auf, weil die einfachen Leute, die den jungen Seemann Dantes umgeben, nicht anders reden als die Aristokraten, die zu Wort kommen. So gern Dumas historische Figuren in seine Geschichten einband, so wenig wollte er sich wohl gleichzeitig mit dem Studium realistischer Soziolekte belasten. Das kann man ihm nicht nachtragen, denn er wollte ja wohl unterhalten und keinen Beitrag zur linguistischen Forschung seiner Zeit leisten.
Angesichts seines nahenden Todes weiht ihn der Mitgefangene schließlich in das Geheimnis des Schatzes ein, von dessen Existenz er überzeugt ist, was ihm jedoch niemand glaubt. Das Geldversteck befindet sich auf der Insel Montecristo und so fällt die Wahl des identitätslosen Gefangenen für seine neue Identität auf diese Bezeichnung.

Auffällig ist ebenfalls, wie das Vorleben der zu bestrafenden Personen die sie treffende Strafe beeinflusst: Hat sich die Person des Todes eines Menschen schuldig gemacht, so muss er oder sie sterben. Diejenigen, die sich nur moralischer oder nicht-tödlicher Verbrechen schuldig gemacht haben, dürfen leben. Leider schien es Dumas zum Ende seiner Erzählung hin eilig gehabt zu haben, weil das endgültige Schicksal zweier Charaktere, Benedetto, der jemanden getötet hat, und Danglars, der sich nur bereichert hat, unausgesprochen bleibt, wobei ersterer sich in seiner letzten Szene im Gerichtssaal befindet, wo er den Mord (oder einen davon) zugibt, und letzterer befindet sich in der Hand italienischer Banditen. Das Ende läuft irgendwie zackzackzack und lässt meines Erachtens die Ausarbeitung vermissen.
Übrigens verhindert nur die Rückbesinnung auf Edmont Dantes, dass der Graf selbst jemanden tötet, womit er ja selbst in das hier präsentierte Muster der Wechselwirkung von Verbrechen und Strafe gefallen wäre. Zwar tötet auch ein anderer, positiver Charakter eine Person, dies aber in einem fairen Duell frei von niederen Beweggründen, und Rache, der Antrieb des Grafen, ist ein niederer Beweggrund, der somit sein Ableben im Augenblick des Triumphs aus literarischer Sicht hätte notwendig machen können. (Der Duellist findet sich aber anderweitig vom Schicksal gestraft.)

Die Japaner haben sich in ihrem Anime übrigens in keiner Weise für diese Wechselwirkung interessiert: Da kommt es zu einem (oder dem) Duell und einer muss dran glauben – womit ein bedeutendes Standbein der in der Romanvorlage dargelegten Moralvorstellung von Verbrechen und Strafe missachtet wurde. Entweder sie haben es nicht erkannt oder sich gedacht, scheiß drauf, wenn einer stirbt, fesselt das den Zuschauer mehr, als wenn es knapp verhindert wird. Sie begründen die allgemeine Handlungsweise des Grafen aber auch anders, weil er im Anime nicht einfach nur sprichwörtlich von Rachsucht, sondern de facto von einer Art Dämon besessen ist. Diese Einflussnahme durch eine dritte Entität entschuldigt dann scheinbar die Abweichung.

Ganz lupenrein bleibt der Graf aber dennoch nicht, es gibt zwei Punkte, von denen ich annehme, dass der Autor sich nichts dabei gedacht hat.
Zum einen gibt es einen Stelle, an der Albert von seiner Mutter gewarnt wird, sich vor dem Grafen in Acht zu nehmen, aber er, der vom Grafen kurz zuvor aus den Händen italienischer Banditen gerettet wurde, antwortet nur, dass der Graf weder spiele noch Alkohol trinke, wo solle also die Gefahr sein? Nun ja, abgesehen von literarischen Erwägungen wird von dem Grafen eindeutig gesagt, dass er Haschisch in Geleeform zu sich nimmt, und dass er sich aus kantonesischem Opium und irakischem Haschisch Pillen fertigt, mit deren Hilfe er eine Wirkung erzielt, für die man heutzutage wohl RedBull verwendet. Dieser Drogenkonsum wird in keiner Weise negativ dargestellt. Interessant dabei ist, dass ebenfalls an mehreren Stellen ausgesagt wird, dass der Graf kaum Nahrung zu sich nehme; er lädt zu opulenten Mählern ein, rührt aber selbst kaum etwas an – dabei dachte ich, dass der Wirkstoff im Haschisch den Appetit anrege? Vielleicht ist diese Erkenntnis jünger als das Buch und Dumas hat es nicht gewusst.

Aber wie dem auch sei, der zweite Punkt, der mir bei den vernachlässigten und ungesühnten Machenschaften Monte Christos auffällt, ist die Art und Weise, wie er den Bankier Danglars angreift: Der Graf manipuliert die Börse und die Unternehmen, von denen Danglars abhängg ist; an mehreren Stellen findet sich die Aussage, dass es in dem Umfeld zu Bankrotten gekommen sei, in deren Verlauf Danglars Millionen an Investitionen verliert. Sollte da nicht jedem auffallen und aufgefallen sein, dass hierbei Unschuldige, billigend in Kauf genommen, ins zumindest wirtschaftliche Unglück gestürzt werden, um jemand ganz anderen zu treffen? Dantes‘ Gönner Morrel stand kurz davor, sich angesichts seiner Zahlungsunfähigkeit eine Kugel durch den Kopf zu schieben, man müsste wohl davon ausgehen, dass es in den vom Grafen ruinierten Unternehmen zu solchen Fällen gekommen ist – Familienschicksale also, deren Verlauf selbst als Vorlage für Rachegeschichten dienen könnte. Stattdessen bieten diese Ereignisse nur den Hintergrund, anhand dessen sich der unkritische Leser schadenfreudig am Niedergang des habgierigen Danglars erfreut.

Was mich wohl am meisten stört, ist die unangefochtene Über- und Allmacht des Grafen. Sein Reichtum gibt ihm Möglichkeiten der Einflussnahme, wie man sie in Computerspielen nur im Cheatmodus erreicht, seine Pläne sind perfekt, das eine Ereignis, das er weder vorhergesehen noch gewollt hat, hat keinerlei Auswirkungen auf den Gesamtverlauf und bleibt in der Kategorie „Kollateralschaden“, und an keiner Stelle ist der von ihm erdachte Ablauf der Ereignisse in irgendeiner Weise von einem Scheitern bedroht. In dieser Hinsicht fehlt dem Ganzen ein bisschen die Spannung, ob unser Held es nun schaffen wird oder nicht (obwohl jeder, der sich nur ein bisschen mit dem Geschichtenerzählen auskennt, weiß, dass der Held es immer schafft und sich nur die Frage des konkreten „Wie“ stellt), aber ich wage zu behaupten, dass jede Geschichte durch einen handlungsfähigen Gegenspieler an Reiz gewinnt. Im Buch von Dumas sind alle handelnden Personen nur passive Figuren auf dem Schachbrett des Grafen von Monte Christo.

13. August 2011

Otaku no Video

Filed under: Filme,Japan,Manga/Anime — 42317 @ 21:33

Es handelt sich hierbei um einen zweiteiligen Anime, der stellenweise durch Interviews unterbrochen wird, in dem es um so genannte Otakus geht. Ich will den Begriff nicht groß definieren, denn es ist schwierig, mit einer wechselvollen Geschichte, und könnte ein ganzes Buch füllen. Stattdessen will ich mich darauf beschränken, einen Otaku als Fan von populärkulturellen Phänomenen verschiedenster Art zu umschreiben, mit der Konnotation, dass sein Hobby auch sein Lebensinhalt ist. Die Beschreibung trifft sicherlich auch auf so manchen kleinbürgerlichen, deutschen Kegelbruder zu, und ich bin nicht der Meinung, dass man den Begriff Otaku eng fassen sollte oder kann, weil die im Fanbereich gängige Definition den Otaku auf japanische Populärkultur festlegt.

Die gezeichneten Teile (mit Charakterdesigns von Sonoda Kenichi) handeln von zwei solchen Otakus. Sie gründen ein Unternehmen, haben einen Riesenerfolg mit dem Verkauf von Modelkits, verlieren durch eine Intrige alles, fangen im Animebereich neu an, kaufen binnen weniger Jahre ihre alte Firma zurück, bauen einen riesigen Vergnügungspark für Otakus, und verlieren wieder alles durch den Anstieg des Meeresspiegels im Zuge der globalen Erwärmung.
Grafik und Animation sind ihrer Zeit angemessen, die Sprechrollen sind gut besetzt, nur leider weist die Geschichte ein paar Lücken auf und das Ende ist sehr interpretationsbedürftig. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Die Interviews dagegen zeigen nämlich echte Leute, die früher Otakus waren oder heute noch welche sind; daneben werden Statistiken eingeblendet, zum Beispiel eine, die aufzeigt, dass Cosplayer, also Menschen, die sich die Kostüme ihrer Lieblingscharaktere schneidern und damit zu Fantreffen gehen, relativ selten, dafür aber „Wiederholungstäter“ seien, oder aber, dass so genannte „Science Fiction (SF) Clubs“ an Universitäten in den frühen Achtzigern im Schnitt mehr Mitglieder hatten, als andere Clubs.

Ich habe diesen Film schon einmal gesehen, es wird so 1999 gewesen sein, und ich fand ihn damals sehr interessant – interessant genug, um ihn Jahre später auf meine Amazon-Wunschliste zu setzen, und Ricci war so nett, ihn mir zum Geburtstag zu schenken, wofür ich ihr sehr dankbar bin.
Ich denke, dass es wahr ist, dass man in der Regel mit den Jahren kritischer wird. Je älter man ist, desto mehr hat man bereits gesehen, die Vergleichsmöglichkeiten sind vielfältiger, und man wird wählerischer bei dem, worin man seine Freizeit investiert. Ich muss also sagen, dass ich Otaku no Video heute wesentlich kritischer betrachte, als vor über zehn Jahren, und es kommt ja hinzu, dass ich genau das studiert habe, nämlich japanische Populärkultur.

Zum einen ist mir völlig unklar, was der Anime, abgesehen davon, dass es um Fansubkultur geht, mit den Interviews zu tun hat. Der Anime zeigt zwar zwei Menschen, die ihre ganze Energie in ihr Hobby stecken, die aber damit Erfolg haben und nicht nur einen tiefen sozialen Fall überwinden, sondern nachher noch größer dastehen als zuvor. Sie geben nie auf und haben den Willen und die Energie, ihr Leben erfolgreich zu gestalten.
Ganz anders die in den Interviews dargestellten Personen, deren Namen verfälscht, deren Gesichter nicht gezeigt und deren Stimmen zum Großteil verzerrt werden, damit sie in der Öffentlichkeit nicht erkannt werden. Zwei sind als untere Konzernchargen zu erkennen, einer wird als „Verkäufer“ bezeichnet, der andere sagt, er programmiere Buchhaltungssoftware, einer ist scheinbar ein Missionar aus den USA, aber die übrigen sind alle im Sumpf der Unterschicht gelandet und stecken geblieben. Diese Leute wirken alle schmuddelig und manisch, und der einzige, der eigentlich ganz normal und nicht unsympathisch wirkt, ist ein Krimineller, der Cels und Skizzen von Produktionsfirmen stiehlt, um sie an Fans zu verkaufen.

Alle interviewten Personen sind negativ dargestellt, von objektiver Berichterstattung keine Spur. Die erste Person, der Verkäufer, beschreibt seine Aktivitäten im SF Club seiner Universität, wie zum Beispiel jeder sein Spezialgebiet hatte, wie man sich ergänzte, zusammen auf Fantreffen ging und feierte und derlei Dinge – wie der Interviewer dann trotz solcher Schilderungen auf die Idee kam, die Frage zu stellen, ob er damals „richtige Freunde“ („Shinyû“) gehabt habe, bleibt völlig schleierhaft, als wolle er ihn mit Gewalt in eine Schublade stopfen. Schließlich sind doch alle Otaku vereinsamte und verwahrloste Sozialkrüppel, oder?
Dass es ganz normale Fans gibt, die vielleicht nicht gern zugeben, dass sie Anime mögen, aber ganz normale Leben mit Familie und Beruf leben, wird völlig ausgeklammert. Stattdessen wird der Eindruck erweckt, bei Fans von Populärkultur handele es sich um irgendwelche Freaks. Dass man nicht noch Miyazaki Tsutomu erwähnt hat, den so genannten Otaku-Mörder, der die gesamte Subkultur in den Dreck zog und den Begriff „Otaku“ lange Jahre extrem negativ belastete, ist auch alles, was mich überrascht, denn Otaku no Video entstand Anfang der Neunziger, also nicht allzu viele Jahre nach Miyazakis Untaten.

Ich muss die Echtheit der Interviews allerdings in Zweifel ziehen. Der interviewte Programmierer sagte, er habe in seinem „Audio Club“ nur am Rande mit Anime und Cosplay zu tun gehabt, worauf der Interviewer ihn mit einem Fanzine („Dôjinshi“) und einem eingerahmten Foto konfrontiert, was den Programmierer peinlich berührt und in Erklärungsnot bringt. Was das Bild und das überreichte Comicheft mit dem Angesprochenen zu tun haben, wird weder gezeigt noch gesagt, das heißt, der Zusammenhang bleibt völlig und verdächtig suggestiv der Interpretation des Zuschauers überlassen. Was aber den letzten Rest meines Vertrauens in die Echtheit dieses Interviews im Speziellen quasi ausradiert hat (und mich an den übrigen allgemein zumindest stark zweifeln lässt), war am Ende, dass der Programmierer einen Gundam-Artikel, den Helm von Char Aznable, neben seinem Schreibtisch hervornahm, aufsetzte, und aus der Serie zitierte: „Niemand interessiert sich für die Fehler Deiner Jugend.“

GAINAX, Schöpfer von Evangelion und Fushigi no Umi no Nadia, ein Unternehmen, das von solchen Fans lebt, zeichnet sich mitverantwortlich für dieses Werk – was haben die sich dabei gedacht? Haben sie sich was dabei gedacht? Oder wurde das Material ohne deren Zutun zusammengeschnitten? Handelt es sich hierbei um eine subtil humoristische japanische Art, ein Parodievideo zu vertreiben, und die Lizenznehmer im Westen haben das nur nicht verstanden? Ich weiß es nicht.

Es wäre vermutlich ebenso wenig im Sinne von GAINAX (oder jedes Multimediaproduzenten) gewesen, hätte man die Dinge mit aufgenommen, die ich in dem Video vermisse. Mir fiele eine Reihe von ökonomischen Begleitumständen ein, die man kaum treffender bezeichnen kann, wenn man sagt, dass man in Japan als Fan elektronisch (oder elektrisch) dargebotener Produkte maßlos über den Tisch gezogen wird.
Während man mit einer Vielzahl von Manga zu erschwinglichen Preisen geradezu erschlagen wird, muss der Fan von Anime im Einzelnen und Filmen allgemein geradezu kriminell tief in die Tasche greifen.
Während man hierzulande Animeserien in relativ kostengünstigen Sammelboxen kaufen kann, mit vier, sechs, oder sogar mehr Episoden pro DVD, was zusätzlich Platz im Regal spart, beträgt die in Japan übliche Zahl von Episoden pro Scheibe gerade einmal zwei, und da dann aufklappbare Boxen ein Ding der Unmöglichkeit werden, nimmt eine TV-Serie von nur 52 Episoden einen knappen halben Meter Regalplatz ein.

Aber das ist natürlich nur ein minderes Problem, denn die Hauptbelastung liegt im Preis. Dass das früher bereits so war, erkannte ich 2003 daran, dass es dort keine Leervideokassetten zu kaufen gab, die mehr als 120 Minuten Spielzeit hatten. In Deutschland waren 240 Minuten die Norm, und 120er waren vermutlich ebenso selten wie 300er. Man sieht also, dass auch eine Sammlung von TV-Aufnahmen mit höheren Kosten verbunden war, als bei uns.
Und hier bei uns fällt auch der Preis eines Films auf DVD binnen eines Jahres nach seiner Veröffentlichung in der Regel auf einen Zehner, doch scheint dieses Phänomen in Japan nicht zu existieren. Selbst für ältere Filme, in meinem Fall waren das Sengoku Jieitai (1979) und Sailorfuku to Kikanjû (1981), bezahlt man noch 4000 Yen, anno 2004 etwa 30 E. Die irre Spitze bildete allerdings ein Pornofilm auf Videokassette, den Frisuren nach zu urteilen aus den tiefsten 90ern, den ich in einem Gebrauchtwarenladen für sage und schreibe 16000 Yen, also etwa 120 E, herumstehen sah. Man überlege sich, was das für eine Serie bedeutet, die auf 26 DVDs verteilt wird. Und es ist ja auch nicht so, dass es in Japan gar keine Sammelboxen gäbe: Ich erinnere mal an Attack No. 1, bei uns bekannt als Mila Superstar, für das man in Japan 2003 (bei der Veröffentlichung anlässlich der Volleyballweltmeisterschaft) 750 E hätte hinlegen müssen. Die komplette Serie gibt es in Deutschland auf 12 DVDs für weniger als ein Zehntel dieses Preises. Das bedeutet, dass ein wahrer japanischer Fan entweder viel Geld haben oder alternativ in ärmlichen Verhältnissen leben muss, wenn er seinem Hobby nachgehen will – was wiederum bedeutet, dass die japanische Preispolitik maßgeblich für das schlechte Image der Fans verantwortlich ist.

Und von alldem keine Rede in einem Film, der zumindest vorgeblich das Otaku-Phänomen beleuchten will. Ich komme allerdings zu dem Schluss, dass hier weniger informiert, als eher Vorurteile genährt werden sollen.

5. April 2011

Dienst an Europa

Filed under: Japan,Zeitgeschehen — 42317 @ 18:47

Gerade wo ich lese, dass die Kreditwürdigkeit Portugals erneut herabgestuft wurde, komme ich zu dem Schluss, dass man diese Krise als ein Problem von Banken einerseits und Steuerzahlern in ihrer Funktion als Melkvieh andererseits zu betrachten scheint (wobei es eine Schande ist, dass viele die gemeinsame Währung zum Teufel wünschen, aber eine Mehrheit den Banken weiterhin ihr Vertrauen ausspricht). Gerade die BILD Zeitung hatte sich ja im Falle Griechenlands dazu berufen gefühlt, durch Falschinformation und Halbwahrheiten das Land und das Volk pauschal zu verunglimpfen. Im Falle Portugals scheint das nicht so zu sein, aber ganz abgesehen von der Boulevardpresse vermisse ich die Beeinflussung der Öffentlichkeit, freiwillig zur Sanierung dieser Staaten etwas beizutragen – und zwar auf eine Art und Weise, die dem „Geldspender“ das Gefühl gibt, etwas für sein Geld bekommen zu haben, anstatt es Zähne knirschend einfach nur dem staatlichen und finanziellen Establishment zu überlassen, auf welche Art und Weise man dieser Zerreißprobe für Europa und sein Währungssystem begegnet.

Ganz kurz gesagt: Wäre dies nicht ein Anlass, massiv für Urlaubsreisen in diese Länder zu werben? Und nicht nur Portugal und Griechenland, auch für die Republik Irland und auch Island gilt ähnliches.
Ich kann mir im Sinne eines Preisleistungsverhältnisses jedenfalls keine sinnvollere Form der Unterstützung denken, und gleichzeitig entscheidet man selbst darüber, wieviel ausgibt, wo man es ausgibt, und welche Dienstleistungen man dafür in Anspruch nimmt.
Ist denn auf europäischer Ebene niemand auf die Idee gekommen?
Wäre vielleicht sogar eine kleine Subvention für Reisen in diese Staaten nicht sogar eine Ertrag versprechende Maßnahme?

Okay, vielleicht würde diese gezielte Subvention auf europäischer Ebene am Wettbewerbsrecht scheitern. Andererseits könnten doch Griechenland und Portugal im nationalen Rahmen solche Touristenlockangebote im europäischen Ausland unterstützen? Aber wenn ich Reiseangebote sehe, zum Beispiel bei Norma oder Aldi, fällt mir nichts dergleichen auf.

Aber zumindest könnte man doch die Bevölkerung freundlich dazu auffordern, sich bei ihren Reiseplänen grob in diese Richtung zu orientieren. Hätte ich Geld, ich würde es tun. Was wird getan, um das öffentliche Image dieser Länder positiv zu erhalten und sie als Reiseziel attraktiv erscheinen zu lassen? Ich weiß es nicht. Vielleicht wird etwas getan, aber nicht in den Medien, für die ich empfänglich bin?

Vielleicht macht sich manch einer Sorgen um die Anschläge linksgerichteter Gruppen? Immerhin scheint sich diese Art von Terrorismus internationalisiert zu haben, liest man doch mittlerweile auch, dass italienische Anarchisten einen Sprengsatz an den Direktor eines Athener Gefängnisses gesandt hätten.
Andererseits hat auch die ETA den Spanienurlaub nicht zum Erliegen gebracht, man ist trotz RAF in den Schwarzwald gefahren, die Roten Brigaden haben die Strände von Neapel ebenso wenig leergefegt wie die Mafia, und zu guter letzt hat auch die IRA die wenigsten Interessierten davon abgehalten, ein paar Tage in London zu verbringen.
Und selbst wenn man sich wegen dieser Situation in Griechenland nicht an den Peleponnes traut – für Portugal kann diese Ausrede nicht gelten. Die Lage dort ist politisch stabil.

Übrigens: Auch Japan kann Touristen derzeit gut gebrauchen. Japan ist nicht nur weit, sondern auch lang, und die Landesteile, die südwestlich von Tokyo liegen, haben allein genug kulinarische und kulturelle Höhen zu bieten, um mehrere Jahresurlaube zu füllen und sind gleichzeitig Hunderte von Kilometern von den Reaktoren in Fukushima entfernt.
Wenn man nach Breslau in Polen fährt, denkt man ja auch nicht gleich an Chernobyl.

18. März 2011

Schwerpunktsetzung

Filed under: Japan,Zeitgeschehen — 42317 @ 14:36

Seltsame Dinge geschehen auf der Welt, und ich rede weder von Plattentektonik noch von Kernphysik. Es geht mir um die Psychologie der Medienberichterstattung.

Alle Medien sind voll von Bildern, Berichten und Kommentaren in Bezug auf die gefährdeten Atomreaktoren in der Nähe von Fukushima. Ach ja, und da war ja auch noch ein Tsunami. Oh, das Erdbeben haben wir fast vergessen. Dass die aktuelle Naturkatastrophe in Bezug auf die offiziellen Opferzahlen das massive Hanshin-Beben von 1995 nach neuesten Erkenntnissen erst erreicht, wird meist als Randnotiz noch in die Berichterstattung über die Kühlmaßnahmen eingeworfen (und die Zahlen werden noch bedeutend steigen).

Meine Dreisprachigkeit ermöglicht mir dabei einen viel sagenden Überblick: Es wird nirgendwo mehr Wind um die mögliche Kernschmelze gemacht, als in Deutschland. Die Japaner gehen mit der Situation relativ ruhig um, und das mag vordergründig damit zusammenhängen, dass man sich dort mehr Gedanken um die aktuelle Notsituation macht, und weniger um eine, die derzeit lediglich denkbar ist.

Die bedeutenden amerikanischen und britischen Medien füllen ihre Frontseiten auch nicht mit Chernobyl-Panikmache, bevor es soweit ist. Natürlich hat man dort einen ganz anderen Blickwinkel auf die Atomkraft, und letztendlich übertreffen die US Amerikaner die Briten noch in ihrem Insulanerdenken – hier auch zu Recht, denn eine Strahlenwolke würde sich auf dem Weg über den Pazifik ausreichend verdünnen. Die Chancen, dass die Strahlung in Deutschland besorgniserregende Höhen erreichen wird, stehen jedenfalls ganz ganz schlecht.

Aber in Deutschland schlagen die Wellen hoch. Da macht man sich Sorgen um Nahrungsmittel, Jodtabletten und den Südostasienurlaub. Ist es dabei nicht bezeichnend, dass Thailand als einziges Land in der globalen Region seinen Bürgern die Ausreise aus Japan empfohlen hat? Wie man mir berichtete, sind die Deutschen am schnellsten in Massen geflohen. Von 5000 in Tokyo lebenden Deutschen seien derzeit noch 1000 übrig – wobei offen blieb, ob die lediglich zum Beispiel nach Ôsaka ausgewichen sind oder das Land verlassen haben.

Dabei muss man doch bestimmte Dinge mal eindeutig festhalten: Die Importmengen an japanischem Gemüse aus der möglicherweise betroffenen Region ist geringfügig. Inwiefern hier Fisch aus dem Pazifik konsumiert wird, kann ich nicht sagen, aber ich will gar nicht wissen, wie viel chemischer und nuklearer Müll bereits illegal im Pazifik entsorgt wurde, ganz zu schweigen von den Langzeitfolgen früherer Atomwaffentests. Über hundert Millionen Tonnen Plastikmüll treiben in riesigen Strömungswirbeln, deren Teilchen teilweise von Fischen gefressen werden und generell Giftstoffe ins Wasser abgeben. Das Phänomen ist seit Jahren bekannt, stört aber scheinbar keinen.

Die Aussage einer ZDF-Sondersendung, bei der auch das Thema Jodtabletten angesprochen wurde, war ebenfalls klar: Die Tabletten, die man einfach so in den Apotheken kaufen kann, enthalten 1 % des Wirkstoffs, der im Falle echten Bedarfs (das heißt zur Vermeidung der Einlagerung radioaktiven Jods in die Schilddrüse) unter ärztlicher Aufsicht verabreicht wird. Der Ankauf von rezeptfreien Jodpräparaten freut also in erster Linie die Apotheker und die Pharmaindustrie, aber einen gesundheitlichen Nutzen hat man davon genausowenig, wie ein gesundheitlicher Bedarf besteht.

In einem Interview mit einem Mitarbeiter des Bundesamts für Strahlenschutz wurde eine ebenso interessante Grafik gezeigt, die die in Deutschland gemessene Strahlenbelastung der Atmosphäre seit den Vierziger Jahren aufzeigte. Die Spitze, die sich durch den Reaktorunfall in Chernobyl anno 1986 ergab, war zwar deutlich zu sehen, aber ebenso deutlich konnte man auch als Laie ablesen, dass die Belastung in den Sechziger Jahren in Folge all der oberirdischen Atomtests dreimal höher war.

Der Punkt, in dem Chernobyl auch weiterhin heraussticht, besteht darin, dass Pilze und Wild aus Süddeutschland wegen der mit dem Wind vermittelten strahlenden Partikel in den kommenden 100 Jahre noch zum Großteil ungenießbar sein werden, weil die Grenzwerte heute, nach 25 Jahren, mehrfach überschritten werden. Darüber herrscht hierzulande Ruhe. Bayern und Schwaben raufen sich also im Moment mehr die Haare wegen einer möglichen Nuklearkatastrophe, die den halben Globus entfernt stattfinden könnte, als um die bedenkliche Strahlenbelastung vor ihrer Haustür. Wer mahnt den Massenexodus aus den betroffenen Gebieten an? Natürlich keiner. Oberammergau wurde deswegen jedenfalls nicht evakuiert und es erfreut sich weiterhin hoher touristischer Beliebtheit.

Um meine persönliche Meinung einzustreuen: Statt Laufzeiten zu verlängern, sollten wir uns darum bemühen, den Atomstrom so bald wie irgend möglich zu ersetzen. Dass die Atomlobby an ihren Reaktoren noch weiter Geld verdienen will, steht außer Frage und einer frühen Abschaltung entgegen, schließlich helfen die Meiler dabei, dass wir jährlich 17 Terawattstunden Strom ins Ausland verkaufen können.
Die Frage, ob wir in zwei, fünf, oder erst in fünfzehn Jahren über die Technologie verfügen, uns von der Energiegewinnung durch Kernspaltung zu trennen, kann ich nicht beantworten, weil es mir dafür eindeutig an Wissen mangelt. Deswegen sage ich nur „so bald wie irgend möglich“. Denn auch wenn wir in Zentraleuropa mit günstigem Klima und hoher tektonischer Stabilität gesegnet sind, bleibt menschliches Versagen immer eine Option. Es muss nur irgendjemand zur falschen Zeit am falschen Ort etwas Falsches tun. Die Chance mag gering sein, aber sie ist da, egal, wie sicher ein Reaktor ist.

Kehren wir also zum gegebenen Notstand zurück, denn japanische Technik- und Organisationslegenden zerbrechen gerade reihenweise.
Die ZEIT bescheinigt den Japanern gründliche Vorbereitung und Organisation, die New York Times tut das Gegenteil, und auch die TV-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender (was anderes sehe ich mir erst gar nicht an) lässt Zweifel aufkommen. Wenn man Bilder von verwüsteten Ortschaften zu sehen bekommt, sieht man auch immer Aufräumarbeiter und Leichensucher. Zu Fuß, mit behandschuhten Händen.
Wo ist denn das ganze Bergungsgerät? Immerhin habe ich mittlerweile in einem Video von Euronews mal einen Bagger gesehen. Natürlich ist die Situation wegen der zerstörten Straßen schwierig, aber das Einsatzgebiet ist ja trotz seiner Größe begrenzt, und an eben jener Grenze würde man doch Bilder von einem technischen Großeinsatz erwarten?
In den Notunterkünften mangelt es an Kerosin für die Heizgeräte – hat die japanische Regierung etwa keine keine strategischen Reserven? Kanister mit Heizöl kann man ganz ohne Straßen und Rollfelder per Hubschrauber anlanden, und letztendlich sollte man meinen, dass die Armee eines Industriestaates in der Lage sein müsse, die Versorgung auch in Extremsituationen sicherzustellen, denn für kriegsähnliche Zustände sollen sie ja da sein, denke ich, und wie im Krieg sieht es im Katastrophengebiet aus, nur die großflächigen Brandspuren fehlen.

Eine geradezu paradox anmutende Meldung lief gestern Abend über den Ticker der dpa: Japan habe über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Lieferung von ferngesteuerten Robotern für den Einsatz in den Kernkraftwerken erbeten.
Was sagt uns das über die tatsächliche Leistungsfähigkeit japanischer Roboter und der dahinter stehenden Forschung aus? Ist Japan als Heimat toller Roboter nicht immer wieder im Gespräch, zumindest in der Abteilung „Kurioses aus Fernost“?
Ich selbst habe bereits Ende 2003 die Ausstellung zum Thema Roboter des „Nihon Kagaku Mirai Kan“ (etwa „Japanisches Museum für Zukunftsorientierte Wissenschaften“) gesehen und mich auch im Gespräch mit Angestellten zum Thema informiert, da war bereits die Rede von rollenden Robotern, die in Gebieten eingesetzt werden könnten, wo es für Menschen zu gefährlich ist. Was ist daraus geworden? Hat die Forschung in den vergangenen acht Jahren geschlafen, auf den ASIMO-Lorbeeren ruhend? In Deutschland existieren entsprechend spezialisierte Maschinen scheinbar, und ausgerechnet in Japan, das sich selbst als Land der Roboter darstellt, wohl nicht.

Und was die „gute“ Organisation von Erdbeben- und Katastrophenhilfe angeht… meine persönliche Erfahrung mit einer solchen Erdbebenübung, die wegen der vielen ausländischenn Studierenden vorrangig ganz klar auf den Unterhaltungseffekt abzielte, haben mich nicht davon überzeugt, dass das – aktuell von der ZEIT gelobte – japanische Krisenmanagement zu einem spürbaren Teil mehr als Augenwischerei ist, die diejenigen beruhigen soll, die nicht weiter drüber nachdenken wollen.

Da forschte man an der Universität von Hirosaki anno 2004 daran herum, welche japanischen Begriffe statistisch betrachtet eher von Ausländern verstanden würden, um eben diese „leichteren“ Begriffe in die Radiodurchsagen einfließen zu lassen, anstatt dass man einfach auch Meldungen in englischer Sprache absetzte (was auch für die schriftlichen Fluchtpläne gelten sollte). Und ging scheinbar mit tödlicher Gewissheit davon aus, dass trotz Erdbebens die örtlichen Radiostationen weiter senden könnten, da immer darauf hingewiesen wurde, ein kleines Batterieradio mit sich zu führen, um Informationen zu Notunterkünften und dergleichen mehr zu erhalten. Dass für die Übung damals der simulierte Sammelpunkt im dritten Stock lag, anstatt dass man den natürlichen Fluchttrieb in Betracht zog und den Fluchtweg die Treppe hinunter leitete, kann ich heute noch nicht verstehen.

12. März 2011

Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein…

Filed under: Arbeitswelt,Japan,Militaria — 42317 @ 23:26

…doch ich armer Arbeitsloser wollte nicht mehr joblos sein.

Am 8. März erhielt ich einen Anruf in englischer Sprache, den ich erst gar nicht zuordnen konnte. Nach einigen Sätzen erst wurde klar, dass man mich zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Nach Oberammergau. Ob ich in zwei Tagen, am 10. März um 16 Uhr, kommen könne, oder ob mir ein Telefoninterview lieber sei. Ich bat mir zwei Stunden Zeit aus, um zu prüfen, ob mir ein Kommen technisch und finanziell überhaupt möglich war.

Oberammergau? Am Südende Deutschlands also. Und, ach Du lieber Himmel – Passionsfestspiele! Ich erinnerte mich nur dunkel, dort einmal eine Bewerbung hingeschickt zu haben. Laut meiner Unterlagen hatte ich mich Ende Dezember beworben. Nach zwei Monaten Wartezeit hatte ich die Hoffnung aufgegeben. Die Jobbeschreibung war nicht mehr aufzutreiben, und den Trick, wie man Seiten im Internet findet, die es eigentlich nicht mehr gibt, kenne ich nicht mehr. Aber in dem Moment hatte ich eher kurzfristige Sorgen. Natürlich wollte ich meine Motivation unter Beweis stellen und lieber hinfahren, als fast anonym angerufen zu werden. Abgesehen davon bin ich gern mit dem Auto unterwegs. Aber die Frage der Kosten musste geklärt werden.

Anruf beim Arbeitsamt, bei meinem Vermittler, etwa um halb drei. Da ging keiner ans Telefon. Also bemühte ich mein soziales Offlinenetzwerk, mein Dank an Alex, und erhielt die Versicherung, dass mich bald jemand anrufen werde, der mir weiterhelfen könne. In der Zwischenzeit organisierte ich mehrere Reiseetappen: Mein Vater musste mir sein Auto leihen, damit ich nicht vom fahruntauglichen Großvater in Saarbrücken abgeholt werden musste. Der Großvater musste mir wiederum sein Auto leihen, damit ich nach Oberammergau und wieder zurück kam, was die Kiste meines Vaters nicht gewährleistete. Und weil ich nicht knapp tausend Kilometer inklusive eines nervlich sicherlich nicht anspruchslosen Vorstellungsgesprächs am selben Tag bewältigen wollte, organisierte ich eine Übernachtung bei einem alten Kameraden in Stuttgart, den ich seit etwa elf Jahren nicht gesehen hatte.

Schließlich kam der Anruf vom Arbeitsamt. Mein Vermittler sei im Urlaub und seine Vertretung bereits um 12 gegangen. Eigentlich müsse ich den Antrag vor Reisebeginn stellen und dafür eine schriftliche Einladung des potentiellen Arbeitgebers vorlegen. Nun musste ich aber morgen bereits aufbrechen, weil ich sonst ja nicht am frühen Morgen des 10. März losgekommen wäre, und das ist zu knapp, um noch eine schriftliche Einladung zu erhalten und den Antrag zu stellen. Das sei aber in Ordnung, sagte die Dame am Telefon, sie habe meine mündliche Mitteilung festgehalten und ich könne und müsse die notwendigen Schriftstücke nachreichen, den Antrag werde sie mir umgehend zusenden.

Dann blieb also nur noch, mit dem amerikanischen Anrufer zu klären, wie das mit den Fahrtkosten handhabbar sei, außerdem wollte das Arbeitsamt natürlich wissen, wie denn die Organisation hieß, die cih besuchen würde. Da mir die Daten des Jobs nicht mehr zur Verfügung standen und meine Notizen nur sagten „Computer Assistant, Oberammergau, US Army“, musste ich natürlich noch ein bisschen was in Erfahrung bringen. Schließlich heißt es, dass Arbeitgeber es mögen, wenn man sich über ihren Laden informiert und zumindest oberflächliches Insiderwissen ins Bewerbungsgespräch einstreuen kann.
Nur kam der versprochene Rückruf um 1630 nicht. Ich rief um kurz nach fünf also selber an, aber da hatte der Anrufer scheinbar bereits Feierabend. Das würde die Angelegenheit ein bisschen verkomplizieren, aber es würde sich sicherlich eine Lösung finden.

Am Morgen des 9. März saß ich also ab 0800 neben meinem Handy und wagte kaum, aufs Klo zu gehen. Kurz vor halb Neun war es dann soweit: Der potentielle Arbeitgeber würde die Fahrtkosten wohl nicht übernehmen, aber man würde mir auf jeden Fall die notwendigen Dokumente zur Verfügung stellen, um meinen Rückerstattungsantrag (offiziell: „Antrag auf Gewährung einer Förderung aus dem Vermittlungsbudget gem. § 16 Abs. 1 Sozialgesetzbuch – Zweites Buch – (SGB II) i.V.m. § 45 Sozialgesetzbuch – Drittes Buch – (SGB III)“) zu ermöglichen.
Und bei dem Arbeitgeber handelte es sich um die „NATO School Oberammergau“ (NSO). Klingt sehr interessant. War natürlich lustig, als der Anrufer versuchte, mir klarzumachen, dass die Adresse „Am Rainenbichl 54“ lautet. Man versuche das mal als Amerikaner, der nur das allernotwendigste Deutsch spricht. Die etwa fünfminütige Unterhaltung wurde also zu einem nicht unwesentlichen Teil in Form von Buchstabierungen gemäß des NATO-Alphabets geführt, um sicherzugehen, dass wir die richtigen Daten übermittelten.
Im Anschluss gab ich die erhaltenen Daten noch telefonisch an das Arbeitsamt weiter und nachdem ich meinen Anzug verpackt hatte, konnte die erste Reiseetappe losgehen.

Bus zum Bahnhof. Verdammt, ich habe meine Kamera vergessen!
Zugfahrt Richtung Völklingen, kostet 13,90 E. Die Zeit konnte ich mir mit dem aktuellen Trierischen Volksfreund vertreiben, den ein Fahrgast an diesem Morgen liegen gelassen hatte. Darin ein Artikel zur Geschichte der Fastenzeit, in dem unter anderem zu lesen war, dass man Maultaschen in Schwaben wohl auch „Herrgottsbescheißerle“ nennt, weil man in der Teighülle Fleisch „verstecken“ konnte. Vielleicht hätten sie’s besser „Pfarrerbescheißerle“ genannt, denn wenn man an Gott glaubt, kann und muss man davon ausgehen, dass der sich in seiner allmächtigen, allwissenden und allsehenden Art wohl kaum von einer Teighülle täuschen lässt.

In VK einen Tee getrunken und in die Klapperkiste des Vaters gesprungen, und nach Gersheim gefahren. Nach dem Mittagessen habe ich einen alten Freund im Ort angerufen und ihn gebeten, mir seine Internetverbindung mitsamt Drucker und Papier zur Verfügung zu stellen. Ich recherchierte dort also die NSO und zog mir alle Texte über Geschichte, Aufgaben, und Unterrichtspläne, dazu noch die Grunddaten der NATO seit ihrer Gründung, insgesamt 25 klein bedruckte A4 Seiten. Das drückte ich mir den Nachmittag über in den Kopf, und am Abend entfernte ich den übermäßigen Haarwuchs auf demselben. Für einen Film am Abend hatte ich gar keine Zeit.
Die Seiten der NSO weisen eine Reihe von Grammatik- und Rechtschreibfehlern auf, zudem existiert dort ein Mischmasch von amerikanischem und britischem Englisch, und zuletzt wird dort mit militärischen Abkürzungen herumgeworfen, dass ein unbedarfter Leser keine Freude dabei haben dürfte. Akronyme wie SHAPE, SACEUR oder JFCOM werden entweder gar nicht oder erst an späterer Stelle erklärt. Auch das Webdesign erschien sogar mir stellenweise amateurhaft, hauptsächlich wegen der Uneinheitlichkeit zwischen den einzelnen Fachbereichen. Das hätte ich mir ein bisschen professioneller vorgestellt.
Als letztes schnitt ich mir noch die Haare auf die üblichen sechs Millimeter runter, Rasieren würde ich mich morgen früh.

Am andern Morgen Aufstehen um 0615. Gemäß dem mir innewohnenden Alarmwecker für Tage mit hoher nervlicher Belastung erwachte ich selbständig um exakt sechs Uhr, und das hatte seinen Grund nur zum Teil in der vermaledeiten Turmuhr am anderen Ende der Wohnung mit ihrem verdammten Glockenschlag.
Nach dem abendlichen Sechsmillimeterschnitt am oberen Ende am Morgen also Entfernung des Haarwuchses unterhalb der Brille. Wie schön, ich hatte auch meinen Rasierer vergessen. Das hieß, ich musste auf die Packung Einmal-Rasierer des Großvaters zurückgreifen. So ein widerliches Kroppzeug kann man sich kaum vorstellen, mein Gesicht sah nachher aus wie ein rohes Schaschlik, nur ohne Spieß drin. Ich entfernte die Blutkrusten durch eine letzte Gesichtswäsche, bevor ich mich aufmachte, und zum Glück war es damit dann gut.

Abfahrt Richtung Südosten um 0720. Das Navigationsgerät zeigt mir eine geschätzte Reisezeit von knapp fünf Stunden, aber bei einer Strecke von über 400 Kilometern ist es nicht auszuschließen, dass es Schwierigkeiten mit Baustellen und was weiß ich noch was geben kann. Ich rechne einfach mal mit sechs Stunden.
Landstraße nach Zweibrücken, Autobahn und Bundesstraße Richtung Landau, durch Hinterweidenthal und das Trifelsland. Schließlich Autobahn nach Karlsruhe, von dort in Richtung Stuttgart. Auf der Strecke holte ich mir mein erstes Premiumfoto wegen überhöhter Geschwindigkeit. LKW mit 120 überholt, währenddessen Begrenzung auf 100. Direkt nach Abschluss des Überholmanövers Begrenzung auf 80. In der Regel gehe ich nicht in die Eisen, sondern nehme einfach den Fuß vom Gas. Leider ging’s da aber leicht bergab – als es in der nächsten Kurve blitzte, standen immer noch etwa 100 km/h auf dem Tacho. Es gibt halt immer ein erstes Mal und bei der nächsten Gelegenheit bemühe ich halt lieber die Bremsklötze.

Die Nachrichten im Radio verkünden mir eine Weile später ein interessantes Urteil eines Kölner Gerichts: Es soll Hartz-IV-Empfängern verboten werden, Glücksspiele zu spielen. Klingt an sich vernünftig, weil man dabei in erster Linie an die dämlichen Automaten in der Kneipe und an verantwortungsloses Pokern in verrauchten Nebenzimmern denkt – aber wie ich später höre, schließt dieser Begriff ganz locker auch Lotto ein. Wie man als Betreiber einer Lottoannahmestelle einen Hartz-IV-Empfänger erkennt, ist mir nicht klar, aber vielleicht wird ja demnächst verlangt, dass man sich einen „Hartz-IV-Stern“ an die Jacke näht? Laut dem zitierten Urteil drohen bei Missachtung des Verbots bis zu sechs Monate Gefängnis oder eine Geldstrafe von 250.000 E. Zweihundertfünfzigtausend Euro. Von einem Sozialhilfeempfänger. Es gibt Dinge, die sind so scheiße, dass man drüber lachen muss, um mal den Feldwebel Diete (1998) zu zitieren.
Wie wäre es, wenn diese scheinbar gelangweilten Bürokraten die Leute mit den paar Kröten, die sie nicht zum nackten Überleben brauchen, machen ließen, was ihnen Spaß macht?

Von Stuttgart in Richtung Kempten, um kurz nach Elf machte ich eine kurze Pause. Ist das zu glauben? Der Fruchtsaft, den ich mir für die Fahrt gekauft hatte, steht noch in der heimatlichen Küche! Zum Aus-der-Haut-fahren ist das doch! Dann muss es eben ohne gehen, bis ich in Oberammergau vielleicht was zu trinken kaufen kann.
Im Radio hörte ich, wieder unterwegs und wohl anlässlich der christlichen Fastenzeit, einen Beitrag über Verzicht und Sucht, am Beispiel des Alkoholismus… wenn ich mir vornehme, eine Woche auf Alkohol zu verzichten und schaffe es nicht, dann ist der Fall wohl klar, aber ebenso bedenklich sei es, wenn allein die Überlegung eines solchen Verzichts schon Gegenreaktionen hervorruft („Ach was, das ist doch nicht nötig…“)

Irgendwo bei Kempten sollte ich dann von der Autobahn abfahren und auf der Landstraße weiter nach Oberammergau reisen. Ja, sollte, hätte, würde. Die Autobahn da unten ist nämlich neuer als die Daten im Navi. Das Navigationsgerät geht nämlich noch davon aus, dass die Autobahn mitten in der Vorgebirgspampa aufhört und in eine untergeordnete Straße überleitet. Ist aber nicht mehr so. An dem Punkt, wo mir die Abfahrt signalisiert wird, befindet sich keine solche, und auch danach kommt keine weitere Abfahrt. Schließlich durchfahre ich einen Tunnel und werde auf der anderen Seite durch ein Schild in Österreich willkommen geheißen, und die Autobahn hat sich in das Gegenstück zur deutschen Bundesstraße verwandelt.

Positiv an dieser Situation war aus ästhetischer Sicht eindeutig das schöne Wetter, das herrschte, denn bei Sonnenschein sehen die Alpen schlicht besser aus, als wenn es bewölkt ist, und aus technischer Sicht, dass das mir vorliegende Navigationsgerät auch Österreich mit einschließt. Ich wurde am so genannten Plansee vorbeigeführt, der zum Großteil geradezu malerisch zugefroren ist, durch ein beschauliches Dorf mit dem Namen „Kretzelmoos“, wo der Sprit auch nicht billiger zu sein scheint, als bei uns, anschließend über einen Pass, wo noch meterhoch der Schnee und stellenweise Eis auf der Straße liegt, bis ich dann auf einer unauffälligen Landstraße einen ebenso unauffälligen Grenzübergang überschritt, und mich auf den letzten 20 Kilometern Oberammergau von Südwesten her näherte, anstatt von Nordwesten.

Um kurz nach 13 Uhr war ich in Oberammergau und stand auf dem Parkplatz der dortigen Kaserne. Die Architektur der drei- bis vierstöckigen Gebäude aus den Dreißigern hat etwas Bedrohliches an sich. Die Anlage war 1934 eröffnet worden und beherbergte ursprünglich die 54. Gebirgsfernmeldekompanie der I. Gebirgsdivision. Die NSO befindet sich in einem weiter abgegrenzten Bereich der Kaserne, deren frei zugänglicher Teil die Verwaltungsschule der Bundeswehr beherbergt.
Ich hatte also noch drei Stunden Zeit. Ich nutzte sie, um meine Notizen zur NSO noch einmal durchzugehen und ging zwischendurch auf eine Toilette der Verwaltungsschule. Ich fragte eine der Angestellten, ob man hier irgendwo was zu trinken kaufen könne. Ja, es gebe eine Kantine… aber halt, die sei heute ausnahmsweise geschlossen, weil wegen des Faschings die Kurse später angefangen hätten und nichts los sei. Einen Supermarkt gebe es in der näheren Umgebung nicht. Diese Information erhielt ich übrigens in einwandfreiem Hochdeutsch, was ich hier in Bayern so nicht erwartet hätte.

Ich ging um 1530 zum Tor, wo ich mich anmelden sollte. Noch bevor ich begriff, dass es sich auch hier um eine private Sicherheitsfirma handelte, sprach ich den Wachmann in englischer Sprache an, sah dann das Abzeichen seiner Firma, und dann hörte ich die Art und Weise, wie er Englisch redet. Wir wechselten also zu Deutsch, und ich würde den Dialekt für zwei Drittel Österreichisch und ein Drittel Bayrisch halten. Eine interessant klingende Mischung, die mir weniger „großkopfert“ vorkommt, wie die Münchner Vorlage.

Wie dem auch sei, ich stand nicht auf der Besucherliste. Wie habe ich bei einer militärischen Organisation auch erwarten können, dass solcherlei Dinge glatt laufen? Wer mich denn eingeladen habe, fragte der Wachmann. Auch darauf konnte ich keine Antwort geben, weil ich diese Angabe am Telefon nicht verstanden habe. In der Regel nennt der Gegenüber seinen Namen in der kurzen Phase, die ich brauche, um auf Englisch umzuschalten. Ich machte also auf dem Absatz kehrt, ging zurück an das Auto, kramte mein Telefon hervor, und wählte die Nummer, von der die Anrufe bislang kamen. Mein Kontaktmann versprach, das zu klären. Ich ging also wieder zum Wachmann, der mir einen Besucherausweis für meinen Personalausweis überreichte und mich in ein kleines Nebengebäude 80 m weiter schickte. Dort sollte ich beim Master Sergeant vorsprechen.

In dem grauen Containerbau befinden sich ein großes und eine Handvoll kleinerer Büros, nebst einer Toilette direkt am Eingang. Ein klassisches Geschäftszimmer, eine Soldatin links am Rechner, ein Soldat rechts am Rechner. Ein paar eher unauffällige Details im Raum lassen die Vermutung zu, dass diese Verwaltungsstelle von der US Air Force betrieben wird. Ich müsse wohl noch etwa 20 Minuten warten, sagt der Soldat rechts und weist mir einen Bürostuhl neben der Eingangstür zu.
Wo ich den herkäme, wollte er dann wissen. Ich werde mit „Sir“ angesprochen, fühlt sich irgendwie irre an…
Saarland? „Äh…“ Kennt er nicht.
Trier? „Äh…“ Kennt er auch nicht.
Bitburg? „Ah!“ Davon hat er gehört. Ich unterlasse die Frage, ob er es wegen des Biers oder wegen des Luftwaffenstützpunkts in der Gegend kennt.
Ich fragte lieber, ob schwarze Stiefel bei der Armee außer Mode geraten seien. Er gab an, dass er zuletzt 2003 schwarze Stiefel getragen habe, seitdem gebe es eigentlich nur noch die sandbraunen Exemplare aus Wildleder. Das sind ja tolle Aussichten für mich, ein Paar schwarzer Armeestiefel aufzutreiben.
Kurz darauf kam ein amerikanischer Gefreiter herein und sagte, er überbringe eine schriftliche Anfrage („request“). Die Soldatin links nahm das Blatt entgegen, runzelte die Stirn und fragte ihn:
Wie schreibt man request?“
„Nun, R-E-Q…“ Er zögerte eine Sekunde.
„R-E-Q-U-E-S-T! Da ist ein U drin!“
„Echt? Oh…“ Er nahm eines von diesen Korrekturbändern vom Schreibtisch, strich das falsche Wort aus und schrieb es mit einem Kugelschreiber richtig drüber. Ich amüsierte mich prächtig. Elitäre Verhältnisse bei der NSO.

Dann kam der Master Sergeant herein. Ich hätte, der Stimme am Telefon nach zu urteilen, alles mögliche andere erwartet, aber nicht einen Schwarzen Ende 20 von 1,65 m. Immerhin macht er einen geistig wacheren Eindruck als sein dröges GeZi-Personal. Er führte mich in das größere Gebäude nebenan, in das Besprechungszimmer, wo das Bewertungskomittee saß. Mich empfing ein dicker Oberst der Bundeswehr, neben ihm ein Oberstleutnant der gleichen Armee, und eine Dame um die Fünfzig in Zivil. Der Master Sergeant war der einzige Amerikaner im Raum, und der ist noch nicht mal von der Army, an die ich die Bewerbung mal geschickt hatte. Ich war etwas verwirrt. Man wies mir auf Deutsch einen schwankenden Stuhl zu (also einen Bürosessel, dessen Ausrichtung sich dem jeweiligen Körperschwerpunkt angleicht) und führte dann das Gespräch in englischer Sprache weiter. Die beiden Leute von der Bundeswehr haben einen schier grausamen Akzent, ihre Grammatik weist Fehler auf. „Thank you for your informations.“ Alles klar? Warum musste ich gerade von solchen Leuten interviewt werden? Nicht, dass die beiden Offiziere unsympathisch wären, aber ihre Art, Englisch zu sprechen, hat auch nicht dazu beigetragen, dass ich in die Situation hineinfand.

Ich glaube nicht, dass das Gespräch günstig für mich gelaufen ist. Ich habe mir eine Menge Zeug zurecht gelegt, aber da ich in mündlichen Prüfungssituationen zur Nervosität neige, habe ich die Hälfte davon vergessen, was zum Beispiel die Heraushebung persönlicher Stärken betrifft. Ich muss davon mal eine schriftliche Liste erstellen, damit ich mich an die auch unter Stress erinnern kann. Ich hätte spontan erwähnen können, dass ich Englisch besser schreibe, als so mancher Muttersprachler hier am Standort.
„Warum bewerben Sie sich für diese Stelle?“ fragte der Oberst gleich zu Beginn. Anstatt also die landschaftlichen Vorzüge des Allgäus zu loben, auf Alpenurlaube meiner Kindheit hinzuweisen (womit ja eine persönliche und emotional nachvollziehbare Motivation genannt worden wäre), und letztendlich vom guten Ruf der NSO zu lobhudeln, wo meine Anstellung nur verglichen werden könne mit dem Videospielfreak, der ein Jobangebot von Nintendo erhält, zerschoss ich mein Anliegen sofort mit der ebenso wahren Geschichte, dass ich lediglich wegen der Jobbeschreibung, in der von Berufserfahrung keine Rede war, auf den Gedanken gekommen war, dass ich für die Arbeit geeignet sei und dass ich im Grunde nur versuchen wolle, auf dem Jobmarkt Halt zu bekommen. Die Aussage tat mir im gleichen Moment leid, in dem ich den Satz beendet hatte. Goodbye, Oberammergau.
Von der Frage nach meiner Erfahrung im Bildungsbereich müssen wir gar nicht reden. Bis zu genau dem Zeitpunkt bin ich davon ausgegangen, es handele sich um einen Verwaltungsjob, für den man eben MS-Office-Kenntnisse braucht. Erst, als die Frage nach meiner Erfahrung im Bildungsbereich kam, ging mir ein Licht auf: Es geht nicht nur um Verwaltung – es geht um die Entwicklung und die Bereitstellung von Lerninhalten für die internationale Gemeinschaft von Offizieren und Unteroffizieren, die hier weitergebildet werden soll. Ich konnte an der Stelle nur darauf verweisen, dass Zweitspracherwerb mit Hilfe von elektronischen Korpora immerhin ein Schwerpunkt meiner Universitätsausbildung war, und dass ich zumindest über theoretisches Wissen über die Anwendung pädagogischer Inhalte am Rechner verfügte. In dem Moment fragte ich mich, warum die mich überhaupt eingeladen hatten, denn schließlich möchte ich mal ausschließen, dass hier Dutzende von Leuten vorsprechen und nicht ein Großteil von denen bereits über das hier geforderte Hintergrundwissen verfügt.
Ich glaube, die einzig gute Antwort, die mir einfiel, gehört zu der Frage, warum ich der Meinung sei, ich sei der beste für diesen Job geeignete Bewerber. In einem Anfall von rhetorischem Geschick (und selbst das ist im Nachhinein fragwürdig) wies ich darauf hin, dass es dumm von mir wäre, genau das zu behaupten, nämlich der beste zu sein, dass ich aber stattdessen mit gutem Gewissen behaupten könne, die mir gestellten Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen zu erledigen.
„Haben Sie noch Fragen?“ Mir fällt in der Regel auf die Frage nie was ein, aber in diesem Fall interessierte mich natürlich, ob mir im Falle des Falles jemand helfen könne, eine Wohnung für zwei zu finden, und wie die Mieten seien. Ja, Hilfeleistung bei der Wohnungssuche sei auf jeden Fall drin, und die Warmmieten für 2ZKB lägen so bei 450 E.
Außerdem interessierte mich die Frage, warum man jemanden wie mich, der über keinerlei konkrete Berufserfahrung in dem gewünschten Feld verfügt, denn überhaupt eingeladen habe. Das entscheide die Personalstelle des Hauptquartiers in Stuttgart, erzählte mir der Oberst. Er erhalte nur die Daten der Auserwählten, lade sie ein, stelle ihnen die notwendigen Fragen, und gebe anschließend seine Auswahlempfehlung weiter.

Kurzum, wenn man mich nicht wegen meines sympathischen Auftretens nimmt, ist dieser Zug abgefahren. Ich verabschiedete mich nach etwa 20 Minuten und ging zum Auto zurück. Da war es zwanzig vor Fünf. Ein eher zufälliger Blick auf meine Notizen offenbarte mir aber etwas, an das ich hätte denken sollen: Ich brauche schriftliche Nachweise meiner Einladung und meiner Anwesenheit. Ich wählte erneut die Nummer des Master Sergeants, aber der war in jenem Moment bereits mit dem nächsten Bewerber beschäftigt und ich erwischte nur den geografisch unbegabten GeZi-Soldaten. Ich solle in 30 Minuten noch einmal anrufen, sagt der.

Ich döste also im Auto vor mich hin, bei offenem Fenster. Auf dem Parkplatz, auf den die Sonne herabschien, war es fast frühlingshaft warm. Ein paar Meter links von mir befand sich eine Mauer, hinter der sich die Wohnanlage der NSO verbirgt. Ein paar Kinder spielten direkt hinter der Mauer, am deutlichsten dabei ein Englisch sprechender kanadischer Junge, der im Laufe der halben Stunde dreimal „What the balls!?“ ausrief. „What the fuck?“ ist für Angehörige von Offizieren wohl zu vulgär, und auch „What the hell?“ scheint irgendwie verpönt. Ich hätte daher mit „What the heck?“ gerechnet, aber „What the balls?“ ist mir völlig neu, und auf Grund der dennoch inneliegenden sexuellen Anspielung sehr amüsant. Dass es sich um einen jungen Kanadier handelte, konnte ich daraus erfahren, dass im Laufe meines Zuhörens weitere Kinder den abgesperrten Bereich betraten, denen er sich dann als Kanadier vorstellte.

Um Viertel nach Fünf rief ich erneut im Geschäftszimmer an, aber der Master Sergeant war immer noch nicht da. Ich schilderte also dem Soldaten am anderen Ende der Leitung die Lage quasi zweimal, bis ich das Gefühl hatte, dass er verstanden hatte, was ich brauche, damit mir die Bürokratie meine Reisekosten ersetzt. „Das ist aber nett!“ sagte er dazu. Ich hätte ihm beinahe einen Vortrag über den Unterschied zwischen sozialer Sicherheit einerseits und dem amerikanisch-konservativen Hirngespinst von der „sozialistischen Sicherheit“ andererseits gehalten, aber ich hielt mich zurück.

Um zwanzig nach Fünf aß ich mein zweites Brötchen und machte ich mich dann endgültig auf den Weg, und binnen der kommenden 30 Kilometer brauchte ich dringend eine Tankstelle. Ein Supermarkt wär auch nicht schlecht gewesen, denn ich hatte mittlerweile Durst. Ich fuhr in den Ort hinein, um zu sehen, ob ich vielleicht eines der bekannten Markenschilder entdecken konnte. Die Gassen sind eng und verwinkelt, die Verkehrsführung unübersichtlich, weil hier die Häuser scheinbar nach Zufallsprinzip nebeneinander gestellt wurden und Jahrhunderte später hat man einfach an den breitesten Stellen eine Straße durchgeführt. Ich fand eine Apotheke, das Rathaus, das sich von den anderen Häusern nicht so deutlich unterscheidet, einen Laden für Schnitzereien, für sonstige Andenken, zwei kleine Elektroläden, Pensionen und Hotels, aber der einzige Laden, in dem es was zu trinken gibt, ist ein Spirituosengeschäft.
Wie durch ein Wunder fand ich ohne große Probleme wieder aus der dörflichen Innenstadt heraus und fuhr zurück Richtung Kempten, diesmal ohne Ausflug nach Österreich.

Nach Oberammergau durchquerte ich Unterammergau… später tankte ich dann in Saulgrub… die Bayern haben schon lustige Ortsnamen. Wenn hier in Kenn lauter Kenner wohnen, dann muss ich wohl davon ausgehen, dass da unten in Söld ausschließlich Söldner leben.
Ein Kalauer, hahaha!
Im Radio lief ein Informationsprogramm zum Thema Darmkrebs, dessen Auftreten bei Menschen über 50 sprunghaft ansteigt, für den es allerdings mittlerweile gute Früherkennungs- und Heilverfahren gebe. Spätestens ab dem 54. Lebensjahr kann man anscheinend von der Krankenkasse bezahlte Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

In Saulgrub hatte ich meine erste feindliche Begegnung mit der E10 Zapfsäule und ging erst mal an die Kasse, um Informationen zu meinem Autotyp zu erhalten. Zu Peugeot stand da geschrieben, dass alle Modelle, die nach 2000 gebaut worden sind, E10 vertragen. Ich glaube mich allerdings zu erinnern, dass das vorliegende Modell bereits Ende der Neunziger gebaut worden ist. Ich hätte in den Papieren nachsehen können, aber ich kam in dem Moment nicht drauf. Abgesehen davon tanke ich grundsätzlich Super Plus, bzw. Treibstoff mit einer Oktanzahl von mehr als 95, weil der Motor besser läuft und das Plus an Reichweite den Preisunterschied ausgleicht. Auch die Angestellte hier sprach ein überraschend sauberes Hochdeutsch. Sind es dann letztendlich doch die Schwaben, bei denen man niemanden findet, der es beherrscht?

Mein erster Versuch, auf die Autobahn zu kommen, scheitert ebenso wie mein vergangener Versuch, sie zu verlassen: Statt einer Auffahrt sehe ich an der im Navigationsgerät vorgesehenen Stelle eine Baustelle von einem halben Hektar. Dann also weiter durch die Landschaft, versorgt mit Informationen zum Thema Darmkrebs. Als der Sender auf der Autobahn Richtung Stuttgart dann zu schwach wurde, fand ich woanders einen Beitrag über eine Buchhändlerin, das heißt die Besitzerin der so genannten „Literaturhandlung“, aus München, eine Frau Dr. Rachel Salamander. Scheinbar eine interessante Persönlichkeit, die mit Literaturgrößen wie Reich-Ranitzky auf Du-und-Du ist, und natürlich konnte der Moderatur sich den Seitenhieb nicht verkneifen, indem er fragte, ob sie denn eine „echte“ Doktorin sei. Ja, sie hat summa cum laude in Mediävistik promoviert.

Bei der Einfahrt in Stuttgart dann eine Sendung zum Thema Hartz-IV, die ich leider nicht zu Ende hören konnte. Es ging um einen Geisteswissenschaftler, der unter anderem Philosophie studiert hatte und nach seinem Abschluss ein Jahr arbeitslos gewesen war. In diesem Jahr hat er wohl seine Erfahrungen mit den Arbeitsämtern protokolliert und dann ein Buch darüber herausgegeben, und vieles von dem, was er erzählte, entsprach voll und ganz meinen eigenen Eindrücken: Dass zum Beispiel das Personal der Arbeitsämter mit Universitätsabsolventen völlig überbeansprucht ist und selbst nicht weiß, was man mit denen anfangen kann, und dem entsprechend fielen die wenigen Jobangebote und Fortbildungsmaßnahmen aus, die er in dieser Zeit von dort bekam. Er sagte, er sei nur einmal an eine junge, scheinbar neu eingestellte Urlaubsvertretung geraten, die ihm von sich aus von Fördermitteln erzählte, auf die er Anspruch habe, und die ihm auch was nutzten. Sie war scheinbar noch nicht von ihrer Umgebung befleckt, sagte er, und mutmaßt weiterhin, dass wohl niemand, der über die Kontakte und die Anlagen verfügt, etwas anderes in dem Feld zu finden, als Vermittler beim Arbeitsamt (bzw. ArGe/“Jobcenter“) bleibe. Ich interpretiere: Wenn ich als Zivilist für nichts tauge, melde ich mich zur Armee, und wenn ich für die Armee grade einen Tick zu gut bin, dann bewerbe ich mich beim Arbeitsamt. Ich sehe Alex schon indigniert die Stirn runzeln…

Um halb Neun erreichte ich die Adresse, wo ich übernachten möchte, und ein dieser Tage bärtiger Kamerad aus den Zeiten bei der eben erwähnten Armee empfing mich sehr herzlich. Wir tranken zwei Flaschen Wein und unterhielten uns über dies und das, wobei seine negative Weltsicht einen nicht unwesentlichen Teil zum Inhalt beisteuerte. Ich kann’s ihm auch nicht verdenken, schließlich ist er seit mehreren Jahren arbeitslos, das frisst am Selbstbild. Er zeigte mir ein Jobangebot, Vollzeitstelle, aber bei „Zoo & Co.“ brauche er sich erst gar nicht zu bewerben, weil die ihn schon einmal abgewiesen hätten, wo ich mir denke „Na und?“ Eine Standardbewerbung zu versenden kostet nicht wirklich ultimativ viel Mühe, aber mich beschleicht das Gefühl, dass er in dieser Hinsicht schlicht aufgegeben hat. Dass er sein eigenes Ding mit Internetgeschäften machen will, ist natürlich gut, ich hoffe aber inständig, dass sich dieses Projekt letztendlich nicht als auf Sand gebaute Realitätsflucht erweist. Als Laie diagnostiziere ich hier einen manisch-depressiven Zustand, und ich habe eine gute Vorstellung davon, wie so jemand tickt. Ich verspreche jedenfalls, an Arbeit beizusteuern, was ich kann, denn mit dem Englischen hat er es nicht so, und ich bin weit davon entfernt, irgendjemanden hängen zu lassen. Vielleicht sollte ich das mal ganz oben auf der Liste meiner persönlichen Stärken festhalten.

Die Wohnung macht einen ganz ähnlichen Eindruck wie sein Innenleben. Aufgeräumt, ja, wenn auch mit einer Menge Krempel vollgestopft, aber ich meine mehr die Grundvoraussetzungen, die diese Wohnung bietet. Es handelt sich um einen Altbau, dessen widerliche Backsteinarchitektur den Eindruck macht, er stamme aus dem finstersten Industriezeitalter in der späten Kaiserzeit. Die Heizung ist uralt, die Fenster entsprechen keinem Umwelt- oder Energiestandard der vergangenen 30 Jahre. Zum Waschbecken im „Bad“ muss ich mich zum Zähneputzen sehr tief herabbeugen oder mich auf die Toilette setzen. Der Boden dieses 0,5 qm kleinen Raums besteht aus Holz, von einem Bodenabfluss keine Spur. Der Geruch der sanitären Anlage zeugt vom Sanierungsbedarf der Rohrleitungen. Und das allerverrückteste: Wenn man duschen oder baden möchte, muss man hierzu in die Küche gehen! Gegenüber der Kochzeile mit Waschmaschine befindet sich ein metallener Deckel von 1×2 Metern, unter dem sich eine Badewanne verbirgt. Und für dieses Loch zahlt man in Stuttgart über 400 Euro Warmmiete. Ich gehe davon aus, dass meine Wohnung in Trier ein paar Quadratmeter weniger hat, aber dafür befindet sich das Haus in einem allgemein viel besseren Zustand.

Um halb zwei war ich dann so müde, dass ich die Augen kaum noch offen halten konnte. Ich nahm daher in einem Schlafsack, der gerade so breit ist, dass ich noch problemlos reinpasse, die linke Hälfte seines Doppelbetts in Beschlag. Mein Gastgeber ging um etwa Drei ins Bett und stand um Acht wieder auf. Bis ich die Augen aufkriegte, war es bereits Zehn.

Ich betrat das Wohnzimmer und hätte wegen des kalten Zigarettenrauchs schon kotzen können. Dann wurde ich empfangen mit der Nachricht, dass in Japan ein kleiner Weltuntergang stattgefunden habe, dass es in Sendai starke Zerstörungen gegeben habe und wegen des Ausfalls eines Kühlsystems in einem Kernreaktor bei Fukushima eine nukleare Katastrophe drohe. Ich sah auf dem Computerbildschirm Szenen von meterhohen Gerölllawinen, die sich durch Ortschaften und über Reisfelder ergießen, Autos, die wie Spielzeug einfach weggespült werden, brennende Häuser, die auf der Welle schwimmen. Nicht ganz Taiyô no Mokushiroku („Die Apokalypse der Sonne“, ein Anime mit Endzeitthema und sozialem Anspruch), aber nah dran. Das Hanshinbeben in Kobe (1995) hat damals 4500 Menschenleben gekostet. Je nach Vorwarnzeit könnten es diesmal mehr sein, vermutlich aber weniger als in Tokyo anno 1923, das mit über 140.000 Toten kaum zu übertreffen sein dürfte.
Das aktuelle Beben wird mit 8,9 auf der Richterskala angegeben… ach Du meine Güte! Hätte dieses Beben die Insel direkt getroffen, wäre jede Stadt in dem Gebiet in Schutt und Asche versunken. Ich glaube, die Wolkenkratzer in Tokyo halten nur Stärke 8 aus, und das Kantôgebiet, in dem sich die Metropole befindet, beherbergt ein Wirtschaftsvolumen, das dem ganz Frankreichs entspricht – man stelle sich vor, ganz Frankreich würde zerstört. Unglaublich.

Nach 20 Minuten war klar, dass die Faktenlage noch viel zu unsicher ist, um mehr als das Allergröbste zu erfahren, außerdem waren die Webseiten der Nachrichtensender völlig überlastet, was das Betrachten der wenigen verfügbaren Videos schwierig machte. Es wird wohl Tage dauern, bis handfeste Informationen verfügbar sein werden, und bis dahin wird sich die Presse dankbar auf den kritischen Zustand des Atommeilers stürzen. Das verkauft sich wegen Chernobyl (1986) noch besser als eine überspülte Landschaft und eine verwüstete Großstadt, die beide weit weg von hier sind.
Meine Sorge gilt jedenfalls in erster Linie meinen Freunden Kanako und Yui, die an der Universität von Sendai studieren. Den Bekanntschaften im Rest des Landes werde ich ich später schreiben, in Stuttgart verfügte ich ja nicht über japanische Tastaturunterstützung.

Um halb Zwei machte ich mich wieder auf in Richtung Heimat und warf die nicht mehr benötigten Notizen, die ich vor meiner Reise ausgedruckt hatte, in einen Papiermüllbehälter in dem kleinen Hof des Mietshauses. Um Stuttgart herum viel Stau, die Autobahn nach Karlsruhe wird auch vielerorts ausgebessert, zum Teil Stop-and-Go. Die Radiosender hatten kein anderes Thema als das Seebeben vor der japanischen Küste. Quasi nach jedem Lied gab es einen Einschub, in dem darauf hingewiesen wurde und die Moderatoren telefonierten live mit Deutschen in Tokyo und auf Hawaii, wo das andere Ende der Flutwelle gegen 15 Uhr erwartet wurde. Dabei gab es keine neue Lageinformation, und auch die persönliche Sichtweise der Anrufer änderte daran nichts, dass einem das Thema nach zwei Stunden auf den Keks ging. Da wurde viel geredet, aber nur wenig Neues gesagt, und das Neue kam in homöopathischen Dosen.

Noch einmal Stau auf der B14, die streckenweise wegen einer Baustelle nur einspurig ist, die Autobahn in Richtung Zweibrücken dagegen erwies sich als frei. Zuletzt brachte ich den Tank noch auf den Füllstand, den er vor der Fahrt hatte. Die Tankkosten betragen 95 E, zuzüglich weiterer 15 E, die ich später am Abend noch in die Kiste meines Vaters tankte, um ihn für die gefahrenen Kilometer etwas zu entschädigen.

Im Gau musste ich dann den endgültigen Kilometerstand festhalten und stellte bei der gelegenheit ein weiteres Versäumnis fest: Ich hatte den Zettel mit dem Kilometerstand am Start in Stuttgart mit in die Tonne geworfen! Soviel Eselei müsste eigentlich wehtun. Ich rief also den Kameraden in Stuttgart noch einmal an und bat ihn, den Zettel zu bergen und mir die gesuchte Zahl zu übermitteln. Er werde das mangels Handy per Mail tun, versprach er. Dann packte ich nach einer halbstündigen Pause lediglich noch meine Sachen zusammen, nahm von den Großeltern noch dankbar eine kleine Lebensmittelspende entgegen, und machte mich auf den vorletzten Teil des Rückwegs.
Am Tisch des Vaters verspeiste ich dann ein Kilo Fleisch in Form von knusprigen Hähnchenschenkeln, dazu noch ein paar Pommes und etwas Gemüse, bevor ich gerade noch den Zug in Richtung Trier erreichte.

Das nächste Dilemma erwartete mich dort: Ich brauchte nämlich noch einen Fahrschein, und wenn ich mir einen am Automaten gezogen hätte, hätte ich den Zug verpasst. Aber es heißt ja, wenn man aktiv den Fahrbegleiter aufsucht und ihm die Situation schildert, könne man Kulanz erwarten und das Ticket im Zug nachlösen.
Ein junger Mann im Trainingsanzug mit, hihi, „Migrationshintergrund“ hatte das gleiche Problem, aber der war bereits da gewesen, als ich am Bahnsteig ankam. Statt eines Schaffners fanden wir jedenfalls erst einmal zwei weibliche Angestellte der „DB Security“, deren Gesprächsinhalte etwa ebenso vulgär rüberkamen, wie die beiden fett waren. BMI deutlich über 30, würde ich schätzen. Ich schilderte also erst mal denen die Lage und sie sagten, damit sei meiner Sorgfaltspflicht in einem solchen Fall genüge getan, allerdings würden sie in Merzig aussteigen. Ich machte mich also lieber auf, den Schaffner selbst zu suchen. War aber keiner da, worauf ich die Auskunft bekam, dass es sein könne, dass ein Schaffner in Merzig zusteige. Auch das passierte nicht. Na, dann war immerhin diese eine Fahrt kostenfrei.

Bis ich dann zuhause war, war es etwa Viertel vor Elf, und ich hatte keinen Nerv, noch lange aufzubleiben. Abgesehen davon stanken meine Klamotten abscheulich und ich wollte sie schnellstmöglich „abstoßen“.

Am folgenden Morgen fand ich dann in der Tat zwei Mails vom Master Sergeant vor. In der ersten schickte er mir ein Einladungsschreiben per PDF, das auf den 9. März datiert war, und in der zweiten eine auf den 11. März datierte Bestätigung meiner Anwesenheit in Oberammergau. Und laut Unterschrift ist er tatsächlich von der Air Force.
Der Kilometerstand liegt mir nun in seiner Gesamtheit vor und ich bin insgesamt 933 Kilometer gefahren, und dazu muss man eigentlich den Weg von Trier nach Gersheim noch addieren, was ja noch weitere 300 sein dürften.
Auch der Antrag für die Fahrtkostenerstattung kam heute mit der Post, und den gilt es noch auszufüllen.

Außerdem fand sich in Post ein mittlerweile zweites Hinweisschreiben der Blieskastler Notarin, dass sie bitte einen Überweisungsnachweis für die Grundschuldtilgung zur Übergabe des Gersheimer Hauses erhalten möge. Ich rief daher gleich den Großvater an, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Ja, sagte der, diese Rechnung sei noch gar nicht bezahlt, das Geld müsse er erst einmal auftreiben, weil er in den letzten Wochen so viele hohe Rechnungen erhalten habe (unter anderem erwähnte er 900 Euro für das Auto). Klingt ja toll. Ich gehe also mal davon aus, dass er sich vor der Aktion mit der notariellen Übergabezeremonie nicht darüber informiert hat, was die ganze Sache kosten würde. Am Montag will er also die Notarin besuchen, um ich weiß nicht was zu klären. Vielleicht kann man den Betrag ja stunden. Aber ich hoffe, dass diese Sache nicht noch allzu heiter wird.

3. Dezember 2010

Kaichô wa Maid-sama

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 22:58

Der letzte Artikel in dieser Kategorie ist vom Januar 2009? Das müssen wir gleich ändern, und „Kaichô wa Maid-sama“ bietet sich direkt an.

Schmissige Übersetzung? Gibt’s nicht. Wahrheitsgemäß aber langatmig läuft der Titel hinaus auf
„Die Vorsitzende der Schülervertretung ist ein Hausmädchen französischen Stils“.

Stellen wir zur besseren Klärung also die beiden Hauptcharaktere vor:

Misaki, die Protagonistin. 17 Jahre alt, gut aussehend, intelligent, topfit, soziale Unterschicht. Ihre Schule wurde erst vor kurzer Zeit für beide Geschlechter zugänglich, davor war sie eine reine Jungenschule, mit üblem Ruf. Als Schülersprecherin will sie das Image der Schule aufmöbeln, indem sie die Jungs diszipliniert, um die Frauenquote (aktuell 25 %) zu erhöhen. Um sicherzustellen, dass sie sich durchsetzen kann, hat sie einen Dan (Meistergrad) in Aikidô erworben, stemmt Gewichte, und lernt fleißig, um die Nase vorn zu haben, um einer Vorbildfunktion gerecht zu werden.
Da ihre Familie arm ist (der Vater hat Schulden angehäuft und hat sich dann davongemacht), muss sie aber auch arbeiten, um essen zu können, und sie hat wegen des guten Stundenlohns eine Anstellung in einem Maid Café mit dem Namen „Maid Latte“.

Bei einem Maid Café handelt es sich um einen Gastwirtschaftsbetrieb, bei dem es weniger um das kulinarische Angebot, als um eher um Optik und Atmosphäre geht. Dazu sprechen die ausschließlich weiblichen Servicekräfte allerfeinstes Japanisch mit all seinen verschnörkelten Höflichkeitsformen und tragen dabei einen Kleidungsstil, den man im Englischen als „French Maid“ bezeichnet:

Frz Hausmädchen, jap Interpretation

Das ist per se nichts Anzügliches, obwohl sich damit ein Fetisch verbindet, wie es mit allen Arten von Uniformen der Fall ist.

Misaki arbeitet also in einem solchen Café („in einem Nachbarort“) zusammen mit einer Anzahl weiterer junger Frauen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nun ist ein solcher Job aber per Definition mit Servilität und einer mindestens implizierten Art von Unterwerfung verbunden, ganz zu schweigen von dem angesprochenen Sex Appeal – von daher will sie nicht, dass irgendjemand von ihrer Schule davon erfährt. Diese Art von Nebenjob ist zwar durch Schulregeln nicht verboten, aber ihre Autorität als Schülersprecherin würde zweifelsfrei darunter leiden.

Kommen wir zur männlichen Hauptrolle: Takumi, meist „Usui“ genannt.
Gleicher Jahrgang wie Misaki, gleiche Attribute: Gut aussehend, intelligent, topfit. Er bleibt weitgehend ein Geheimnis für den Zuschauer, man kann über sein Privatleben anhand einer Handvoll Informationen nur Vermutungen anstellen. Dass er keine Familie hat, dass er steinreich ist und in der feinen Lebensart extrem bewandert. Er ist auf eine Art und Weise so offen und ehrlich mit seinen Gefühlen für Misaki, dass sie ihm seine Zuneigung nicht abkauft. Außerdem hat er die Angewohnheit, sie zu necken, was sie ihm natürlich negativ auslegt – dabei genießt er lediglich ihre Reaktion. Ein Verhalten, das ich nicht weiter absonderlich finde, ich mache das nämlich ebenfalls.

Es handelt sich also um eine romantische Komödie, die ihren Humor daraus schöpft, dass einerseits der männliche Protagonist aus seiner Liebe keinen Hehl macht und sie auf ungewöhnliche Art und Weise zeigt, während andererseits die weibliche Protagonistin sich ihrer Gefühle nicht sicher ist und ihre entgegengesetzten Rollen getrennt wissen will.

So weit, so gut, denn ich will die Handlung nicht zu sehr auswalzen. Ich hatte Spaß, die Serie anzusehen, da die Charakterinteraktion viele schöne und lustige Szenen bereit hält, abgesehen davon ist die grafische Gestaltung sehr schön, die SynchronsprecherInnen zeigen ein hohes Niveau, und der Soundtrack ist nicht zuletzt geradezu empfehlenswert, wenn man im Großen und Ganzen japanischen Animesoundtracks etwas abgewinnen kann.

Nur einen Pferdefuß hat die ganze Sache: Geschlechterdarstellung.
Deswegen hat es auch gereicht, nur in Kürze auf die Hauptcharaktere einzugehen. Denn die Sache stellt sich so dar:
Die Autoren stellen Misaki eingangs als starkes, intelligentes und selbständiges Mädchen vor, das den unwilligen Jungs ihrer Schule Paroli bietet und damit Erfolg hat. Die Jungs verdammen sie zwar als eine Art Dämon, aber letztendlich haben sie Respekt vor ihr und sie hat die Schule damit im Griff.
Aber wehe, falls diese Ihre Domäne verlassen wird. Man könnte sie beinahe mit dem „Alten“, dem Kapitänleutnant in Buchheims „Das Boot“, vergleichen: Unbesiegbar auf dem Meer, entkommt den haarsträubendsten Situationen – und kaum setzt er seinen Fuß wieder an Land, wird er getötet.

Misaki wird natürlich nicht getötet. Sie „rettet“ mehrfach Mädchen ihrer Schule aus unangenehmen Situationen, aber wenn sie auf Schwierigkeiten und Gegner außerhalb der eigenen Schule trifft, muss sie ständig von Usui gerettet werden, der sie unter Einsatz seines Lebens und seiner Gesundheit beschützt; sei es, dass der Gegner ebenfalls ein Kampfsportass ist, oder sei es einfach nur, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt wegen einer Erkältung „zufällig“ nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte ist.
Das, was sie, quasi zum Ausgleich, außerhalb für ihn tut, sind alles typisch weibliche Dienstleistungen: Sie bedient ihn im Café, und sie kocht ihm Reisbrei, als er krank ist. (Es ist überhaupt zu bemerken, dass es unter den weiblichen Charakteren zwar auch „Vorgesetzte“ gibt – die Besitzerin des „Maid Latte“ und ihre Schwester, die ebenfalls eine Art Restaurant hat – aber auch die bieten „nur“ Dienstleistungen an, sie sind im weitesten Sinne „caretakers“, deren Lebensinhalt daraus besteht, sich um das Wohl anderer Leute zu kümmern.)

Was sagt uns diese Art der Darstellung über Misaki:
„Ja, sie sieht gut aus, ist intelligent und topfit, aber letztendlich ist sie halt doch nur ein Mädchen.“
Und das finde ich sehr schade. Eine Chance vergeben, einen selbständigen weiblichen Charakter zu führen. Ich verlange nicht, dass SIE es ist, die IHN rettet, aber eine Frau, die nicht immer wieder mal vor Unbill gerettet werden muss, ist durchaus eine Erholung in der Welt der fiktionalen Unterhaltung.

5. November 2010

Abrechnung

Filed under: Japan,Uni — 42317 @ 13:28

Ich bin mit dem Stil der Betreuung der Magisterarbeit, wie sie Frau Scholz darbot, sehr zufrieden gewesen. Ich bin selbst völlig ideenlos, wie man ein Thema schlüssig aufzieht und gliedert, von daher hätte ich nie eine Abschlussarbeit schreiben können, wenn sie nicht nach jedem Arbeitsschritt in eine Richtung gedeutet hätte, in die ich meine Energien lenken konnte.
So weit, so gut. Was allerdings die Durchführung einer mündlichen Magisterprüfung anbelangt, so muss ich feststellen, dass Frau Scholz mir einen kräftigen Schubs in Richtung Abgrund gegeben hat.

Ich will die Prüfung nicht schönreden. Es gab da Details, die ich hätte wissen sollen, auf die ich aber nicht kam. Eine rationale Erklärung dafür, warum ein ganzes Jahrzehnt aus der Biografie Oda Nobunagas aus meinem Kopf wie ausradiert war, habe ich nicht.
Dann gab es da Sachen, die ich hätte wissen können, die ich mir aber nicht angeeignet hatte.
Zum Beispiel die Namen der Provinzen der Kinai Region zu der Zeit. Ich habe mich nicht explizit darum bemüht, sie mir zu merken, aber warum ich nicht einfach die nannte, die ich aus meinen Texten kannte? Vermutlich, weil dort nie explizit davon die Rede war, dass die von Nobunaga eroberten Provinzen eben jenes Kinai darstellten. Lamers hat den Begriff nie geklärt, ich dachte, es handele sich lediglich um das direkte Umland von Kyoto. Ich habe „Kinai“ nie bewusst mit dem umfassenden „Zentraljapan“ in Verbindung gebracht, obwohl nichts hätte eindeutiger erscheinen können. Erneut ein Akt mangelnder Kombinationsfähigkeit meinerseits.

Dann kam folgende Frage:
„Wo wurde Nobunaga geboren?“
„In der Provinz Owari.“
„In welcher Stadt?“
„Das weiß ich nicht.“
„Na, in Nagoya!“
„In Nagoya!?!“

Darauf hätte ich eine Antwort wissen können und sollen. Aber nur dann, wenn ich mir die Fußnote auf der entsprechenden Seite im Lamers gemerkt hätte – oder irgendetwas anderes, als das, was ich tatsächlich als gelesen angegeben habe. In meiner vorrangigen Quelle, Japonius Tyrannus, einer Dissertation des Niederländers Jerome Lamers aus dem Jahr 1998, ist auf Seite 32 folgender Abschnitt zu lesen (den ich aus dem Englischen übersetze):

„Oda Nobunaga wurde vermutlich am 9. Juli 1534 auf Burg Shobata in der Provinz Owari (heute Teil von Saori-chô in der Präfektur Aichi) geboren (Tenbun 3.V28).“

Dieser Satz führt zu folgender Fußnote:

„Shobata ist der wahrscheinlichste Geburtsort Oda Nobunagas, obwohl noch zwei andere Burgen hier und da genannt werden: Nagoya, das sich 1534 noch nicht unter der Kontrolle des Oda Clans befand, und Furuwatari, das zu jenem Zeitpunkt noch nicht gebaut war. (…)“

Mein Teil der Schuld: Ich hätte diese Textstelle explizit kennen müssen, aber ich hatte sie vergessen. Shobata ist kein Ort, der mir aus meinem weiteren Studium der japanischen Geschichte bekannt wäre, von daher ist er meinem Gedächtnis wieder entschlüpft. Aber Nagoya? Nagoya ist eine der bedeutendsten Städte Japans und jedermann kann seinen Arsch darauf verwetten, dass ich Nagoya nicht vergessen hätte, wenn es als der definitive Geburtsort angegeben gewesen wäre!
Und damit fing das Drama erst an.

„Welche Taktiken hat Nobunaga verwendet?“
Mir fällt die Schlacht von Nagashino 1579 ein: „Nobunaga hat unter anderem Gräben und Palisaden verwendet.“
„Nein, denken Sie doch mal an Arkebusen.“
„Ich weiß, dass er Arkebusen massenhaft einsetzte…“
„Ja, er hat sie in Wellen eingesetzt… während die erste Reihe nachlud, feuerte die zweite und so weiter.“
Diese Detailinformation ist in keiner meiner Quellen enthalten. In KEINER.
Was eindeutig drin steht, ist, dass Nobunaga bei Nagashino einen langen Wall errichten ließ, dessen linke Grenze die Felsen eines Bergfußes war, und dessen rechte Grenze von einem Fluss gebildet wurde. Die feindliche Kavallerie war somit nutzlos und verblutete in Frontalangriffen auf die Palisaden, hinter denen mehrere Tausend Schützen die Sturmabwehr übernahmen. Meine Aussage war nicht falsch, nur nicht das, was sie hören wollte.

Fast ebenso verlief folgender Dialog:
„Wer ist Matsudaira Motoyasu?“
„Den Namen habe ich noch nie gehört. Ich weiß nur, dass Tokugawa Ieyasu früher mal Matsudaira hieß…“
„Ja, genau, Matsudaira Motoyasu ist Tokugawa Ieyasu.“
Auch das steht in keiner der Quellen, die ich für die Prüfung angegeben habe. Dass Tokugawa mal Matsudaira hieß, hatte ich nebenläufig irgendwo aufgenommen und es mir als Kuriosum gemerkt (zusammen mit der Information, dass er angeblich seinen Stammbaum fälschen ließ, um eine entfernte Verwandtschaft zur Kaiserfamilie zu konstruieren – eine Voraussetzung, um der Shôgun werden zu können und der Grund, warum sein womöglich weniger skrupellose Rivale Toyotomi Hideyoshi es nicht wurde).

Es zeigten sich noch andere Wissensdifferenzen:
Nach meinem Wissen, das ich aus dem Lamers habe, hat Oda Nobunaga die Tochter seines Rivalen Saitô Dôsan geheiratet, der ihn daraufhin bis zu seinem Tod unterstützte. Saitôs Sohn und Nachfolger wandte sich dann allerdings gegen Nobunaga. Laut Frau Scholz war aber auch Saitôs Sohn mit Nobunaga verbündet, und erst dessen Sohn habe sich dem Bündnis der Gegner Nobunagas angeschlossen.

„Nobunaga hat also den militanten Buddhismus bekämpft – wem nutzte das?“
„Letztendlich nutzte es Tokugawa Ieyasu, der als einziger Machtblock übrig blieb.“
„Nein, es nutzte den Jesuiten.“
In der Situation habe ich nicht schnell genug gedacht, um zu widersprechen. Denn nach meiner Quellenlage war diese Aussage schlicht falsch. Die Jesuiten glaubten lediglich, sie würden von der Niederlage der buddhistischen Sektierer profitieren, aber sie taten es nicht. Ihre 30 Jahre währende Bekehrungsmission auf Honshû hatte bis Anfang der 1580er Jahre eine Menge Geld gekostet, aber so gut wie nichts erreicht. Nobunaga bediente sich der Jesuiten, der exotischen Ausländer, um als Gönner aufzutreten, um seinen Ruf und seinen Ruhm zu steigern, aber er hatte kein Interesse daran, die Jesuiten irgendwelche Macht erlangen zu lassen und wusste es zu verhindern. Wegen seiner Gunst betrachteten die Jesuiten Nobunaga als „Christenfreund“, während er eigentlich bekennender Atheist war, und nur sehr oberflächliche Bindungen an die Lotussekte unterhielt. Er hatte auch gar nichts gegen Buddhisten oder andere Religionen. Er hatte nur was gegen Leute, die sich seinem Machtanspruch in den Weg stellten. Die Jesuiten waren eine Art behütetes Haustier. Profitiert haben sie von der Zerschlagung der mächtigen Sekten in keiner Weise.

Ich weiß nicht, welche Quellen Frau Scholz zur Vorbereitung meiner Prüfung verwendet hat – die auf meiner Literaturliste waren es jedenfalls nicht. Fragen zu dem zusätzlichen Aufsatz über den konstruierten Mythos der Samuraitreue bekam ich jedenfalls nicht gestellt. Am Platz von Frau Gössmann lagen alle Bücher, die ich für ihre Themen ausgeliehen hatte. Frau Scholz begnügte sich bei der Durchführung zur Inspiration für Fragen scheinbar mit dem Artikel in der englischen Ausgabe der Kôdansha Enzyklopädie, die ich nicht verwendet hatte.

Zur Verbesserung dieser Darstellung habe ich auf das Prüfungsprotokoll zurückgegriffen, das ich einsehen, aber nicht kopieren darf. Besser gesagt: Ich wollte darauf zurückgreifen. Das Protokoll ist nämlich nur eine extrem kurze Notizensammlung, deren Wert sich auf den kurzen Moment nach der Prüfung beschränkt, weil man wenige Tage später die Details, die man zur Füllung der Lücken des Protokolls benötigt, wieder vergessen hat. Das Protokoll hatte keinen informativen Wert mehr. Zuletzt war der Lamers nach meinem Abschluss über Wochen ausgeliehen, sodass ich erst vor kurzem meine Zweifel habe prüfen können. Und ich hatte Recht mit meinen Zweifeln – na besten Dank!

16. Juli 2010

Das Wort zum Dreiunddreißigsten

Filed under: Filme,Japan,My Life,Uni — 42317 @ 14:42

Auch dieses Jahr mein Dank an alle, die an mich gedacht haben.
Am frühesten dran war mein Kamerad aus Stuttgart, der mich um acht Uhr morgens nur deshalb nicht geweckt hat, weil just in diesem Moment der Tee vom Abend zuvor wieder raus wollte. Meine Großeltern waren dennoch ebenfalls früh dran und riefen mich um etwa halb Neun an.

Ich habe auch eine sehr interessante Mail von dem Freund erhalten, dessen Namen ich ja auf seinen Wunsch hin nicht im Blog nennen darf. Er hat ganz eindeutig Recht: In der Examensvorbereitungszeit erlebt man die kleinen Dinge des Alltags zum Teil sehr intensiv, und man sollte das nutzen, um besondere Erinnerungen zu schaffen. Ich muss mir noch überlegen, was ich direkt nach der letzten Prüfung am 13. August tun werde.

Ich weiß sehr wohl, welche Spiele ich seit Jahren mal wieder spielen wollte, welche Fernsehserien ich unbedingt noch einmal sehen muss, und welche Flasche Wein ich zum Anlass (oder im Falle) der Übergabe meines Abschlusszeugnisses öffnen werde, aber das ist ja nichts, was man eben mal schnell direkt nach der Prüfung macht.
Hey, vielleicht setze ich mich sofort hin und schreibe eine kurze Zusammenfassung meiner Eindrücke der letzten 10 Jahre? Es ist natürlich möglich, dass ich erst mal ins Bett falle und zwei Tage lang schlafe, aber das muss ja nicht sein, wenn es sich vermeiden lässt.

Der Anruf vom Kameraden Ritter dann tags drauf. Dem geht’s scheinbar gut, Familie gesund, auf dem Sprung zum Verwandtenbesuch am anderen Ende der Welt, und demnächst auch mal wieder berufsbedingt in Wittlich. Dann können wir das TV-Programm ja alsbald absprechen.

Angerufen hat auch mein Vater. Der erzählte, er mache gerade eine künstlerische Pause beim Malen – und habe sich stattdessen zur Abwechslung dem Schreiben zugewandt. Damit schließt sich gewissermaßen eine Lücke, denn auch sein Vater hat in seiner Freizeit kleine Gedichte geschrieben (ich frage mich, ob davon etwas erhalten geblieben ist?), und ich tue es schließlich ebenfalls. Natürlich sucht er einen Lektor, und ich werde das in vier Wochen gern übernehmen. Ich bin auch sehr gespannt, was das wird. Auf Anhieb klingt es nach proletarischer Literatur ohne Einfluss von Marxismus. 🙂

Der Vollständigkeit halber will ich auch die SMS von Karl erwähnen. Da stand nichts Welt bewegendes drin, so wie Karl kein Mann für Welt bewegende Worte ist, aber immerhin eine SMS. Besten Dank.

Der Esszimmertisch bog sich geradezu unter den Geschenken. Melanies Mutter schenkte mir zwei DVD Boxen, „Millenium Actress“ und eine Sammlung von Kurosawa Filmen. Dann bekomme ich auch endlich „Yôjimbô“ zu sehen, nachdem ich bislang nur die Remakes gesehen habe: „Für eine Handvoll Dollar“, „Last Man standing“, und „Sukiyaki Western Django“. „Rashômon“ und „Kagemusha“ sind in der Fünferbox leider nicht drin, aber da ich ohne die nicht in Frieden sterben kann, müssen die auch noch irgendwann in meinem Besitz landen.

Ricci schenkte mir die DVD Box „Band of Brothers“. Ich hab mich sehr gefreut, auch wenn ich mir ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen konnte.

Von Melanie kamen „Der 13te Krieger“„Erleuchtung garantiert“ und „Soweit die Füße tragen“, in der Filmfassung von 2001. Über „Erleuchtung garantiert“ muss ich bei Gelegenheit einen eigenen Blogeintrag schreiben.
Ja, „Der 13te Krieger“ ist bestimmt kein Meisterwerk an Charakterdarstellung und erzählerischem Tiefgang. Ich muss zugeben, dass ich den Film in erster Linie deshalb interessant finde, weil hier auf originelle Art und Weise der Spracherwerb jenes Dreizehnten aufgezeigt wird – er ist der arabische Ausländer unter einem Dutzend Skandinaviern. Die reden Norwegisch (nehme ich zumindest an), aber im Laufe der Reise mischen sich immer mehr Begriffe in ihre Dialoge, die der Hauptcharakter, und damit der Zuschauer, versteht. Coole Idee vom Regisseur, oder von wem auch immer der Einfall kam. Aus Sicht der Spracherwerbsforschung sicher nicht ganz lupenrein (immerhin schlussfolgert er im Laufe weniger Monate linguistische Inhalte aus der vagen Körpersprache der Beteiligten), aber wenn man ihm einen hohen Grad an Intelligenz und Intuition zuordnet, ist die Darstellung vertretbar, denke ich.

Von meinem Häuslebauer bekam ich einen Akkuschrauber – einen Ixo von Bosch. Passt in jede Hosentasche und der Akku hält so einiges her. Zwei Aufsätze, um rechtwinklig und nah an Innenkanten schrauben zu können, sind auch dabei. Ich habe den Großteil der Wärmedämmplatten mit einem solchen Ding angeschraubt und fand das Gerät super. Ich hätte allerdings weder gehofft noch gewünscht, einen geschenkt zu bekommen. Aber der Mann war so zufrieden mit meiner Arbeitsleistung (ich fasse das später noch zusammen), dass er mir so ein Ding schenkte (und diverse andere Dinge, u.a. einen Pullover zum Arbeiten im Winter und zwei Gläser Marmelade von seiner Frau). Gut, dass ich vier Tage später Geburtstag haben würde, war ihm in dem Moment vielleicht nicht klar, aber das Timing war für mich jedenfalls unbeschreiblich.

Dann war da noch das schwere Paket aus Stuttgart. Ich will allerdings an dieser Stelle nichts über den Inhalt verraten, da ich mir über den rechtlichen Status nicht ganz im Klaren bin. Loose Lips sink Anime Clubs, also bin ich mal still und füge den Gegenstand nach einer Stunde auspacken und zusammensetzen meiner Reliquiensammlung im heimatlichen Keller hinzu.

Mit der Spielgruppe hatte ich für den Abend ein zwangloses Grillen angeleiert, und wie sich das für mein nur minimal vorhandes Konto an Glückspunkten nunmal gehört, musste es am Nachmittag natürlich kräftig regnen, und auch der Abend blieb von Regen nicht ganz verschont. Wir zogen uns also unter das Vordach am Hintereingang zurück. Wir haben auch nur ganz wenige Leute daran gehindert, auf dem bequemsten, direkten Weg ins Haus zu gelangen (die mussten halt im Bogen um unsere Sitzgruppe herum gehen), und es hat auch nur einer wegen des Geruchs sein Fenster zugemacht. Bei der Gelegenheit bekam ich von Volkers Vater noch eine Flasche toskanischen Wein geschenkt. Dann schaun wir mal, wie sie in zehn oder vielleicht auch erst in 20 Jahren schmeckt.
Eigentlich muss ich dem Regen auch dankbar sein, denn dann wars auch nicht so schrecklich heiß den Tag über, und ich komme wegen der Hitze mit meinen Examensvorbereitungen schon quälend genug voran. So wars ein angenehmer Tag, und ich werd ihn gern in Erinnerung behalten.

16. Juni 2010

Die ersten Spiele sind gelaufen!

Filed under: Japan,Spiele,Sport — 42317 @ 18:59

Die FIFA Fussballweltmeisterschaft (so die offizielle Schreibweise) geht natürlich auch an mir nicht spurlos vorüber. Als Japanologe sieht man sich auch die Spiele der japanischen Mannschaft an, sofern man Zeit dazu hat, und ich bin so frei, dies zu tun.
Da spielte Japan also vor wenigen Tagen gegen Kamerun, und ich kann nicht anders, als meine Eindrücke in die Worte eines 20 Jahre alten Computerspiels zu kleiden:

Müdes Ballgeschiebe in Bloemfontain

Das langweilige Spiel Japan gegen Kamerun endete 1:0. Das Spiel fand mit Japan einen glücklichen Sieger. Einige Spieler schienen nicht mit der rechten Einstellung auf dem Platz gewesen zu sein. Angesichts der schwachen Leistungen beider Mannschaften ist das Ergebnis für den Sieger als eher schmeichelhaft zu bezeichnen.

Ich habe den Schlagzeilen- und Kommentargenerator von „Bundesliga Manager Professional“ immer geliebt. 🙂 Aber ich habe in der Tat noch nie ein so schlechtes Spiel gesehen.

Ich sehe gewisse Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung der jeweiligen Nationalmannschaft in Japan bzw. in Deutschland. Die deutsche Mannschaft wird im eigenen Land, scheint mir, im Voraus gern unterschätzt. Das Management der DFB Auswahl ist daran nicht unerheblich beteiligt, aber es ist ja auch nur gerecht, dass man auf die Qualität des nächsten Gegners hinweist – wenn’s nichts wird kann man sagen „Ich hab doch gesagt, dass Ihr den Sekt besser erst mal im Supermarkt lasst!“ Der gern motzende und meckernde und viel zu oft miesepetrige Volksmund mischt rege mit und blökt, spätestens im Achtelfinale sei es eh aus, also was solle der Hype. Ja, und dann landen wir am Ende doch auf dem Treppchen für die ersten drei.

Ganz anders in Japan. Da wird das Image der Mannschaft von den Mainstreammedien gebügelt und gepflegt und in alle Himmel gelobt. „Wir kommen ins Halbfinale!“ wird der japanische Nationaltrainer, Okada Takeshi, zitiert.
Wie kommt er denn darauf? Japan spielte in der Qualifikation gegen Qatar im ersten Spiel 1:1 und im zweiten Spiel 1:0, dabei ist Qatar nicht unbedingt eine sportliche Landmarke. Abgesehen davon spielte man gegen Australien, verlor erst 2:1 und gewann dann 0:1. Das würde ich mal „sich gerade so in die Endrunde gemogelt“ nennen. Aber Australien, ja, Australien!, hieß es, sei ja auch ein starker Gegner, da könne man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Jenes Australien, das erst auf Einflussnahme eines wohlhabenden Bürgers (fußballtechnisch) dem Kontinent Asien zugeschlagen worden war, um gegen Mannschaften spielen zu können, die die Mannschaft mehr fordern, als vielleicht, na ja, Amerikanisch-Samoa? Wie wir wissen, wurde das laut japanischer Presse so starke Australien vor ebenfalls nicht allzu langer Zeit wie im Training vorgeführt und 4:0 versenkt.

Die Aussage, bis ins Halbfinale zu kommen, kann man nach dem vergangenen Spiel nur als lächerlich bezeichnen. Klar, Japan war auch schon Asienmeister, aber was da gegen Kamerun gezeigt wurde, war besseres Bolzplatzniveau. Passgenauigkeit und Spielaufbau tendierten gegen Null. Der japanische Torwart nicht weniger springfreudig als alle anderen, aber völlig ziel- und sinnlos. Das Tor kam aus einer eher zufällig entstandenen Situation, sofern ich mir die Einschätzung anhand meines Eindrucks des generellen Spielflusses erlauben darf. Was sagt uns das über das Niveau des asiatischen Fußballs?

Auf die Japaner jedenfalls warten noch Niederländer und Dänen, das heißt leichter wird der Weg zu dem gesteckten Ziel nicht. Wenn da keine Steigerung mehr kommt, scheidet Japan in der Vorrunde aus. Man könnte sich ja mal von einem Ausländer mit Ahnung trainieren lassen. So wie Ottmar Hitzfeld – der eben dem spanischen Europameister gezeigt hat, wie der schweizer Hase läuft.

Damit haben alle Favoriten einmal gespielt. Und bisher haben nur Deutsche und Brasilianer eine gute Figur gemacht. Die Argentinier haben zwar ohne Gegentor gewonnen, aber auch nur 1:0 gegen, ui, Nigeria. Alle anderen haben unentschieden gespielt und mussten darum kämpfen, dass es nicht schlimmer kommt. Der Weltmeister kam gegen Paraguay nach einem 0:1 Rückstand gerade noch auf ein Remis. Der Europameister geht gegen die Schweiz baden. Die Franzosen spielen ein klägliches 0:0 gegen Uruguay und wollen sich damit herausreden, dass sie zu früher Stunde von Vuvuzela-Lärm geweckt worden seien. Ja ja, hab ich mir gedacht, Ausreden sind wie Arschlöcher, jeder hat eins und alle stinken. Und die Engländer… ach, was rede ich überhaupt von den Engländern? Man kann ja durchaus England-Fan sein, aber die englische Mannschaft für einen Titelanwärter zu halten, ist völlig übertrieben.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf weitere Tendenzen in der Vorrunde. Wenn die alle so weiter spielen, läuft es wieder auf ein Endspiel Deutschland – Brasilien hinaus. Aber: Man soll die Italiener nie abschreiben. 🙂

16. November 2009

Das Omen?

Filed under: Japan,Militaria,Uni — 42317 @ 18:18

Ich habe die offizielle Bestätigung des Themas meiner Magisterarbeit am Freitag, dem 13. November erhalten!?

Ich bin nicht abergläubisch, aber so ein bisschen ungläubig die Stirn runzeln musste ich in dem Fall schon. Das Abgabedatum ist der 14. Mai 2010 – aber bis dahin bin ich längst drüber. Die ganze Sache muss am 20. April 2010 vorbei sein, Arbeit abgegeben und das letzte Wort der mündlichen Prüfungen gesagt, denn an jenem Tag endet die Toleranzfrist innerhalb des nächsten Sommersemesters, bis zu der ich noch keinen weiteren Studienbeitrag in Höhe von etwa 830 E zahlen muss, den ich mir nicht leisten kann.
Am 20. April (auch so’n ganz tolles Datum) endet mein Studium. Egal wie.

Ich schreibe also über „Das Internationale Militärtribunal für den Fernen Osten und seine Darstellung auf der Bühne durch Kinoshita Junji“. Und das ist von mir so formuliert, weil ich verstanden haben möchte, dass mein Schwerpunkt auf der Darstellung eines historischen Vorgangs liegt, und dass ich das Theaterstück „nur“ als künstlerische Interpretation desselben mitbehandle. Die Quellenlage zum Theaterstück („Shinpan“, dt. „Das Urteil“, aus dem Doppelwerk „Kami to Hito to no aida“, dt. „Zwischen Göttern und Menschen“) ist nicht schlecht, aber sie ist mir nicht gut genug, als dass ich mein Hauptaugenmerk darauf legen wollte und sicher sein könnte, auch was gutes zu Stande zu bringen. Denn leider sind die Theaterzeitschriften, die uns zur Verfügung stehen, in diesem besonderen Falle wenig aussagekräftig. Das Stück ist von 1970, wenn ich mich jetzt nicht irre, und das ist über zehn Jahre vor den Jahrgängen, die wir haben. Auch Internetrecherche ergab keine weiteren Ergebnisse. Wir haben umfangreiche Schriften eines Theaterfachmanns namens Ozasa, aber der beschäftigt sich mit Kinoshita nur allgemein und hat einen Schreibstil so frisch wie die stinkende Makrele auf dem Kopfsteinpflaster nach dem Fischmarkt. Ich durfte die Arbeit an den Büchern einstellen, nachdem mir mehrfach der Kopf auf die Tischplatte gefallen war.

Eine Zusammenfassung des Tribunals und des Theaterstücks, sowie die Biographie des Autors und eine Interpretation ist bereits fertig, und als nächstes verfasse ich die Herleitung des Tribunals: Eine Kurzfassung der japanischen Geschichte seit der Meijizeit mit Schwerpunkt auf den Expansionismus, und eine etwas detailliertere Kurzfassung des Pazifischen Kriegs ab Beginn des Konflikts mit China 1931 bis zur Kapitulation 1945. Ich hoffe, das alles auf 10 Seiten unterbringen zu können.

21. Oktober 2009

Wenn der Schöpfer sich langweilt – Final Fantasy Legend I (2/2)

Filed under: Japan,Rollenspiele,Spiele — 42317 @ 13:48

World of Ocean
Man beginnt diese Ebene auf einer Insel im Südwesten der Karte, und in deren Südosten befindet sich ein Dorf. Dort gibt es bereits eine ganze Reihe neuer Ausrüstung zu kaufen, aber im Hinblick auf das angesprochene Finanzmanagement sollte man sich hier vielleicht zurückhalten und mit den Langschwertern der World of Continent vorlieb nehmen (sofern man eine teure Menschengruppe spielt). Es ist viel wichtiger, Geld für weitere Lebenspunkte und Anabolika zu haben. Ein Spaziergang zurück ins erste Stockwerk, um verbrauchte Waffen zu ersetzen, dient letztendlich auch der Sanierung der Kriegskasse. Es ist allerdings immer besser, mit möglichst starken Monstern zu kämpfen, weil die das meiste Geld abwerfen, und solche findet man in möglichst hohen Dimensionsebenen. Leider befinden sich hier keine fest installierten Monster, von daher muss man tatsächlich im Kreis um die Insel oder im Vorhof des Turms herum rennen, um Geld mit Zufallsbegegnungen zu verdienen – die Steigerung der Charakterdaten ist es aber allemal wert.

Die Lebenspunkte sind bevorzugt zu steigern, weil sie es ermöglichen, immer längere Touren durchzuhalten. Wenn das Maximum der erhältlichen Tränke erreicht ist, kann man Stärke und Geschicklichkeit aufwerten, bis man glaubt, genug für den Schwierigkeitsgrad dieser Welt zu haben. Man darf aber ruhig in großzügigen Dimensionen denken.

Nördlich vom Dorf befindet sich eine Höhle, die ein Labyrinth enthält, durch das man unter dem Meeresboden zu anderen Inseln gelangen kann. Es gibt eine einzige dieser Inseln, die an ihrer Westseite zwei kleine Plattformen aufweist, und die obere der beiden kann man als Boot verwenden. Das Labyrinth kann dann bestenfalls noch auf Schätze durchsucht werden.

Im Südosten der Karte befindet sich eine Insel, die zwar nicht Beermuda heißt, aber dort wächst das „Airseed“ in den Palmen und niemand muss arbeiten. Dieses Artefakt wird benötigt, um unter Wasser atmen zu können, und das ist nötig, wenn man sich in den Strudel im Nordwesten stürzt. Unter Wasser befindet sich ein Dorf, wo man HP400 kaufen kann, immer eine gute Investition. Abgesehen davon befindet sich hier unten das Schloss von Seiryû, und nachdem man die Lebenspunkte (und die übrigen Attribute, wenn man möchte) weiter gesteigert hat, kann man sich den Endgegner vornehmen.

Im Süden der Insel befindet sich ein Schacht, der in ein weiteres Labyrinth führt. Der rechte Gang mündet in eine große Halle, deren Nordwand eine Anzahl weiterer Gänge aufweist, deren Ende man von der Halle aus nicht sehen kann. Der vierte Gang von rechts führt zu Seiryûs Schloss.

Im Schloss muss man im ersten Stock zuerst den Blue Key finden. Im dritten Stock gelangt die Gruppe vom großen Saal aus in den dritten Raum, in dem lauter runde Eier in Reih und Glied herumliegen. Wenn man das möchte, kann man sich hier mit Geld eindecken, denn in jedem Ei befindet sich ein Gegner, und davon eine unbegrenzte Anzahl – nur in einem davon steckt der Red Orb: In der dritten Kugel von rechts in der dritten Reihe von oben.

Sobald man den Orb in der Hand hält, wird Seiryû erscheinen und es kommt zum Kampf. Mit den aktuellen Werten dürfte das jedoch kein Problem sein, und so mancher fleißiger Spieler hat seinen menschlichen Helden schon jetzt den nominellen Höchstwert auf Stärke und Geschicklichkeit in Höhe von 99 Punkten verpasst.

Auf dem Rückweg kann man viel Zeit sparen: Nach dem Verschwinden des Drachen wird der  Krebslaich im Raum gewissermaßen zu Teleportern. Sobald man ein Ei anklickt, findet sich die Gruppe am Bootssteg wieder.

Die nächste Etappe ist die mittlere Insel im Osten der Hauptkarte. Dort befindet sich ein alter Mann, dem man ein Battlesword zeigen muss, und er gibt dafür den Blue Orb her. Danach ist die World of Ocean erledigt und man kann zum Turm zurückkehren, um in die World of Sky aufzusteigen.

World of Sky
Westlich vom Turmtor liegt ein Dorf, wo man die nächstbesseren Rüstungen kaufen kann. Für Waffen gilt weiterhin das strategische Prinzip, auf die Ausrüstung der letzten besuchten Welt zurückzugreifen. Hier gibt es erstmal mehrere Gasthäuser – das „Inn“ ist weiterhin für die Heilung der Helden zuständig, aber es gibt hier auch ein „Pub“ am Nordende der kleinen Ortschaft, wo man nicht übernachtet, sondern nur rumhängt und trinkt. Dort trifft man auf Wachsoldaten im Dienst von Byakko, dem Zauberer. Die Soldaten sind ein bisschen überheblich und es kommt zu einem kurzen Kampf. Aus der Froschperspektive heraus machen sie der Gruppe den Vorschlag, doch ebenfalls für Byakko zu arbeiten und bringen sie ins Schloss – ein Angebot, das man wegen der nicht gegebenen Entscheidungsfreiheit nicht ablehnen kann.

Aus dem Schloss wieder heraus nimmt man mit den Schwestern Jeanne und Mileille (Mireille?) Kontakt auf und bedient sich des neu gefundenen Flugzeugs, um die übrigen Wolken zu besuchen. Im Zentrum der Karte befindet sich eine Felsengruppe inklusive Höhle. Mit den Monstern darin macht man kurzen Prozess und redet anschließend noch einmal mit Jeanne.

Dann ist es Zeit, zum Schloss zurückzukehren und nach Schätzen zu suchen, unter denen der „Whitkey“ (White Key) der wichtigste ist. Er öffnet eine Schatzkammer, an deren Truhen man sich bedienen kann.

Spätestens jetzt sollte man die Lebenspunkte der Gruppe auf die 600er Marke bringen und falls nötig die Attributswerte auf 99 bringen. Dann kann man erneut in das Schloss eindringen und Byakko ein paar Ohrfeigen verpassen. Mit der White Sphere lässt sich im Anschluss das Turmtor zur nächsten Welt öffnen.

World of Ruins
Diese Welt trägt diesen Namen nicht umsonst. Es handelt sich um eine riesige, in Trümmern liegende Stadt, durch deren Häuserschluchten man sich bewegt – bzw. zuerst einmal besser nicht bewegt. Es gibt ein halbwegs intaktes Kanalnetz, das man zu diesem Zeitpunkt bevorzugt zur Fortbewegung nutzen sollte. Suzaku, der Feuervogel, sitzt nicht in einem bequemen Schloss und wartet darauf, dass übermütige Abenteurer vorbeikommen, stattdessen fliegt er Patrouille. Und weil er nicht blöde ist, verwendet er ein Kraftfeld, das ihn vor jeglichem Schaden schützt. Seine Angriffe mit Beak (Schnabel) und Feuer reißen aber mal gern 200 HP weg, also Vorsicht.

Im Südwesten befindet sich eine kleine noch von Widerstandskämpfern bewohnte Enklave mit Läden und Gasthaus. Im Gasthaus trifft man So-Chu, den lokalen Obermacker, der, ähnlich wie ein paar unglückselige Wachen vor nicht allzu langer Zeit, einen Streit vom Zaun zu brechen versucht. Die Konfrontation wird allerdings von seiner Schwester Sayaka verhindert – ob das nun daran liegt, dass sie die Neuankömmlinge für gute Verbündete hält, oder ob sie das untrügliche Gefühl hat, dass die Gruppe alle Anwesenden im Raum problemlos niedermachen kann, ist der Fantasie des Spielers überlassen.

Man versöhnt sich also mit So-Chu und seiner Gang und bekommt sogar sein Motorrad geliehen, das ist das Ding, das vor der Tür steht. Denken wir mal nicht weiter darüber nach, wie vier Leute auf einer Maschine unterwegs sein können.

Damit fährt man in das nordöstliche Dorf. Dort stehen zehn Läden mit teilweise sehr nützlichen Waren, aber das Interesse gilt zunächst einer Tür, durch die man auf die Hinterseite der Ladenstraße gelangt. Dort hält sich eine Kontaktperson auf, von der man ein „Board“ braucht (kein „Brett“, sondern ein „Keyboard“, eine Tastatur), aber bevor sie die den Helden überlässt, will sie zuerst ein ROM, also eine Speichereinheit, haben.

Dieses ROM findet man in einem Laborkomplex, der nordöstlich des großen Sees südlich vom Dorf verborgen ist. Man muss ein bisschen herumkurven, bis man plötzlich mittendrin steht. Abgesehen von dem Datenspeicher kann man in dem Labor auch ein paar interessante Schätze finden. Dann kann man sich die Tastatur holen.

In diesem Dorf kann man interessanterweise wieder HP200 kaufen. Da es keine Tränke mit höherem Niveau als HP600 gibt, handelt es sich hierbei um eine vergleichsweise günstige Methode, um von 600 auf 999 HP zu kommen. Das dauert allerdings eine Weile und man braucht eine Menge der Tränke, weil nach Überschreiten des Tranklevels jeder Trank nur noch einen Punkt bringt. Die Größe des Item Menüs kommt einem Zeit sparend zu Gute, aber das Geld muss man halt haben.

Nachdem man die Tastatur bekommen hat, hält man Rücksprache mit So-Chu und schläft sich erst mal aus. Nach dieser Nacht kommt es zu einer Begebenheit, die man vielleicht mit einem Übersetzungsfehler begründen muss: Die Heldengruppe will sich aus dem Staub machen, wird aber von den Anwohnern gestellt und zu einem Kanalschacht gebracht. Aus diesem Kanal sollen sie eine Portion Plutonium mitbringen, die von einem Roboter bewacht wird.

Tastatur, ROM, und Plutonium ergeben ein Gerät mit der Bezeichnung „Erase99“, mit dessen Hilfe man das Kraftfeld Suzakus neutralisieren kann. Suzaku hat in der Zwischenzeit das kleine Dorf ausgeräuchert und So-Chus Schwester Sayaka ohne erkennbaren Grund entführt.

Suzaku versteckt sich nach der Fertigstellung von Erase99 in seinem Hort im Nordwesten der Stadt. Es handelt sich dabei um ein umfangreiches Labyrinth, und es empfiehlt sich, für die Mutanten „Rods“ (Zauberstäbe mit Heilzauber) oder alternativ eine entsprechende Anzahl von Heiltränken mitzunehmen.

Die vielen Treppen, die man findet, führen scheinbar nach unten, denn am Ende befindet man sich in einer U-Bahn-Station. Die Tür zum Abteil lässt sich nur mit Hilfe des Erase99 öffnen, und bei Suzaku angekommen, eliminiert man das Kraftfeld und schafft ihn aus der Welt. Er lässt die Red Sphere fallen.

Zurück im Dorf sind alle von den Toten auferstanden. Was bleibt, ist Heilen und Vorräte auffüllen, bevor die Gruppe sich zum Turm aufmacht.

Im 23. Stockwerk wartet Ashura. Ein kräftiger Endboss, aber mehr als fünf Runden sollte er nicht durchhalten. Hinter ihm befindet sich eine Tür, hinter der sich ein Lift oder vielleicht auch ein Teleporter verbirgt. Geht man durch die Tür, landet man wieder auf der ersten Etage, in der World of Continent.

Das Endspiel
Die World of Continent ist im Großen und Ganzen die selbe geblieben, da strolchen immer noch haufenweise lächerlicher Goblins herum, aber die Turmstadt hat sich in ihrem Warenangebot sehr verändert. Es wird also schnell klar, dass die Lösung des Ganzen wieder im Turm wartet (schließlich hat die ganze Sache mit der Legende begonnen, dass der Turm ins Paradies führe), und an dieser Stelle deckt man sich idealerweise mit den modernsten Waffen ein, die man finden kann: Glass- und Sunswords für Menschen, „Flare“ Zauber für die Mutanten, dazu eine ausreichende Anzahl an Heilzaubern und Tränken. Da hiernach das Ende der Geschichte naht, kann man ruhig seine gesamte Barschaft für Ausrüstung ausgeben.

„Rod“ ist ein wichtiger Gegenstand, falls man Mutanten in der Gruppe hat, weil der Heilstab die Leistungsfähigkeit der ganzen Gruppe ungeheuer erweitert. Es ist schwer, den Turm, dessen 23 Stockwerke man jetzt erneut hinter sich bringen muss, ohne eine solche Hilfe zu überleben. Medizin gegen „Blind“ Zauber sollte man für den Endkampf ebenfalls dabeihaben.

Hier gibt es zwei Ausrüstungsgegenstände, über die man Bescheid wissen muss:

Zum einen die so genannte „Power“ Rüstung. Es handelt sich scheinbar um einen Schutzanzug für den gesamten Körper, weil man dazu keine Helme, Schilde, oder Schuhe tragen kann. Dafür bietet die Powerrüstung einen Rüstungsschutz von 70 Punkten, und mehr geht nicht, zumindest nicht für nichtmagische Lebewesen.

Zum anderen gibt es eine Strahlenwaffe mit der Bezeichnung „Hyper“. Sie hat drei Anwendungen und hat die Fähigkeit, dreimal eine komplette Gegnergruppe in ihre Atome aufzulösen. Das ist den Preis von 100.000 GP aber niemals wert, weil man mit allen verbliebenen Gegnern auch so fertig wird, und spätestens der Chefoberboss ist natürlich immun dagegen. Allein Rakshasas sind sehr unangenehme Gegner, die erschreckend gut austeilen können.

Am Ende der Leiter steht der Creator (jap. „Kami-sama“ = Gott), ein wirklich harter Brocken – immerhin hat er die ganze Welt geschaffen. Er wird in den ersten paar Runden nichts tun, er ist sich seiner Sache sehr sicher. Dann wird er für ein paar weitere Runden dazu übergehen, Blendzauber zu sprechen, die keinen HP-Schaden verursachen, dafür aber eben blind machen, mit allen logischen Auswirkungen auf die Trefferwahrscheinlichkeit.

Die Nahkampfwaffen werden einen ziemlich durchschnittlich anmutenden Schaden an ihm verursachen, aber was ihm wirklich wehtut, ist das Flare. Wenn man ihm davon einen nach dem anderen reinjagt, ist der Creator besiegbar, aber man muss auch darauf achten, die Wunden wieder zu heilen, die er mit seinem Flächenzaubern reißt, und die sind nicht lustig.

Powergaming
Kommen wir nun zu dem ganz am Anfang angesprochenen Quasigötterstatus für Menschen.

Laut Tabelle haben Stärke und Geschicklichkeit einen offiziellen Höchstwert von 99, aber dabei handelt es sich nur um den grafisch angezeigten Wert. Die Attribute lassen sich nämlich durch weiteren Hinzukauf entsprechender Tränke auf einen nicht angezeigten Wert von schätzungsweise 250 anheben. Nachdem 99 erreicht wurden, kann man den menschlichen Helden noch einmal achteinhalbe Bildschirme im Item Menü voller Tränke verabreichen, bevor der Zähler, wie auch bei der Geldanzeige, wieder von vorn beginnt. Rechtzeitig abspeichern ist das Gebot der Stunde, und sich dann langsam an den Höchstwert herantasten.

So ausgestattet, wird der Creator vielleicht noch dazu kommen, seinen ersten „Blind“ Zauberspruch abzusetzen, bevor er besiegt ist.

Dieser Cheat funktioniert in der GameBoy Version. Ob dies auch auf die für den PC emulierte Version zutrifft, kann ich nicht sagen.
Außerdem kann ich mir vorstellen, dass ein Kampf von vier Menschen mit „echten“ 99er Werten gegen den Creator eine recht interessante Sache werden dürfte.

14. Oktober 2009

Wenn der Schöpfer sich langweilt – Final Fantasy Legend I (1/2)

Filed under: Japan,Rollenspiele,Spiele — 42317 @ 19:02

ZU BEGINN…

Es handelt sich hierbei um das erste jener klassischen und eigentlich schon legendär zu nennenden Rollenspiele der „Makai Tôshi SaGa“ Reihe, die erst von Nintendo, später von Sony elektronisch umgesetzt wurden. Im Westen wurde der Titel aus werbetechnischen Gründen an die bereits erfolgreiche „Final Fantasy“ Serie angelehnt, aber ein direkter Zusammenhang besteht nicht.

Der Spieler steuert eine Gruppe von vier Spielfiguren in Vogelflugperspektive durch eine stimmungsvoll inszenierte Welt voller Abenteuer und verschiedenartigster Monster, um letztlich dem Guten zum Sieg zu verhelfen. Man kann, nachdem man zu Beginn einen Hauptcharakter festgelegt hat, weitere Kämpfer in städtischen Gilden anwerben, bzw. neue, um gefallene Kameraden zu ersetzen. Nur der Tod des Hauptcharakters beendet das Spiel sofort.

Final Fantasy Legend I (FFLI) verfügt über 3 Charakterklassen: Menschen, Mutanten (in der japanischen Version Esper genannt), und Monster. Menschen sind grundsätzlich Kämpfer mit physischen Attacken, Mutanten sind grundsätzlich Magier, Monster können je nach Art das eine oder das andere oder auch beides sein. Unter Menschen und Mutanten gibt es sowohl Männer als auch Frauen, die sich nur in ihrer äußeren Erscheinungsform unterscheiden, während Monster kein Geschlecht haben. Genau genommen müsste es eigentlich heißen: Da viele Monster irgendeiner mythologischen Vorlage entlehnt sind, dürften einige davon auch eine geschlechtliche Zuordnung haben, Medusen zum Beispiel, aber es ist überflüssig, das weiter zu diskutieren.

In diesem Spielsystem gibt es keine Erfahrungsstufen und auch keine Erfahrungspunkte. Die Steigerung der fünf Attribute Stärke (Strength), Geschicklichkeit (Agility), Rüstung (Defense), Magie (Magic), und zuletzt HP („hit points“, Lebenspunkte) erfolgt auf ganz anderem Wege.

Individuelle Monster steigern ihre Werte streng genommen überhaupt nicht. Um stärker zu werden, müssen sie zu mächtigeren Monstern mutieren, und das ist nur möglich, indem sie das Fleisch getöteter (stärkerer) Gegner essen – ein eher abstrakter Begriff, denn man kann sogar das Fleisch von Skeletten finden. Im Rahmen ihrer jeweiligen Erscheinungsform sind ihre Werte allerdings festgefroren.

Die Attribute von Mutanten steigen in der Folge von Kämpfen nach einem scheinbar zufälligen Prinzip. Ob die Verwendung einer Waffe, deren Schaden z.B. auf Stärke beruht, dieses Attribut bevorzugt ansteigen lässt, muss noch untersucht werden, denn anders als im Nachfolgespiel „Final Fantasy Legend II“ erhält der Spieler keine Rückmeldung über die Veränderung der Charakterdaten. Veränderungen bemerkt man an einem ungewohnt höheren Schaden, oder indem man regelmäßig die Zahlen überprüft. Fakt ist allerdings, dass Mutanten meistens Magie anwenden, und dass dieser Wert kontinuierlich ansteigt. Es ist also anzunehmen, dass dieses Prinzip beim Mutanten auf alle Attribute angewendet wird. Daher ist  es auch möglich, die körperlichen Attribute der Mutanten zu steigern, aber es ist ein langwieriger Prozess.

Der Nachteil von Mutanten ist zum einen ihre relativ langsame Entwicklung, da sie anders als Menschen ehrlich trainieren müssen, sozusagen, und zum anderen ihr zufällig wechselndes Angebot an Zaubern. Es kann z.B. wohl passieren, dass der Mutant nur „Mirror“ und „ESP“ auf der Liste hat, oder etwas anderes, dessen Sinn sich einem entzieht, weil es in der Anleitung nicht beschrieben ist. „Mirror“ (Spiegel) erschafft eine Reihe von täuschend echt wirkenden Spiegelbildern des Charakters, so dass Gegner eine hohe Chance haben, ihren Angriff auf eine Illusion zu verschwenden. Leider ist das Spiel nicht hart genug, als dass sich dieser Spruch ernsthaft lohnen könnte. Und was „ESP“ macht, hat bis heute vermutlich noch niemand herausgefunden, der nicht an der Konzeption beteiligt war. Ich glaube, es macht gar nichts, außer durch seine Anwendung die Chance ins Leben zu rufen, dass nach dem Kampf der Magiebasiswert des Charakters steigt.

Menschen wenden Doping an. Besser kann man es gar nicht umschreiben. Menschen steigern Stärke, Geschicklichkeit und HP durch die Einnahme von leistungssteigernden Tränken, die sie in entsprechenden Läden kaufen. Durch das Töten von Gegnern verdienen Menschen lediglich das Geld, das sie für den Kauf dieser Tränke brauchen. Es gibt keine Tränke für Rüstung, und falls welche zur Steigerung der Magiefähigkeit existieren, sind sie extrem selten.

Man muss an dieser Stelle hinzufügen, dass auch Menschen und Mutanten durch den „Genuss“ der sterblichen Überreste getöteter Gegner zu einer Art Monster werden können. Der Prozess ist irreversibel und der betroffene Charakter ist fortan den Entwicklungsregeln für Monster unterworfen.

Die Geschichte von FFLI beruht darauf, dass ein geheimnisvoller Turm existiert, der vier verschiedene Welten miteinander verbindet, die „World of Continent“, die „World of Ocean“, die „World of Sky“, und die „World of Ruin“. Der Turm steht nicht verborgen in einem mysteriösen Land hinter den Sieben Bergen bei den Sieben Zwergen, sondern dort, wo ihn jeder sehen kann. Jeder Bewohner ist sich des Turms voll bewusst, dass er verschiedene Dimensionsebenen miteinander verbindet, und letztendlich ins Paradies führen soll; die Anlehnung an den biblischen Turm von Babel ist also nicht zu übersehen. Allerdings sind die Türen versiegelt, und dem Normalsterblichen ist der Durchgang so verwehrt.

Alle Welten, bzw. deren rechtschaffene Bewohner, werden natürlich von bösen Kreaturen unterdrückt, heimgesucht, oder zumindest bedroht, und die Heldengruppe bricht auf, um das Böse zu besiegen. Ethische Grundsätze und eine gewisse Neugier reichen den vier jungen Leuten aus, um den Rucksack zu packen und loszuziehen.

Interessanterweise handelt es sich bei einigen der Endgegner um „alte Bekannte“ aus der chinesischen Mythologie: Genbu, die schwarze Schildkröte, Seiryû, der blaue Drache, Byakko, der weiße Tiger, und Suzaku, der rote Feuervogel. Aber auch deren Untergebene bestehen aus einem Sammelsurium verschiedenster mythologischer Hintergründe, wie z.B. Anubis, Beholder, Drachen, Gargoyles, Harpyien, Hydren, Kobolde, Medusen… sogar Musashi.

In der Spielanleitung sind ein paar Tipps und Tricks für die erste Welt enthalten, darunter auch Hinweise zur Gestaltung einer Gruppe. Aus irgendeinem Grund wird darin empfohlen, zwei Menschen, einen Mutanten, und ein Monster in die Gruppe aufzunehmen – und ich muss mich fragen: „Wieso denn das?“

Monster haben nur einen einzigen Vorteil: Sie können auf einen Schlag wesentlich stärker werden, und sie machen den Start ins Abenteurerleben durch ihre relative Stärke einfacher. Je weiter sich das Spiel entwickelt, desto mehr werden die Monster allerdings zum Klotz am Bein, weil ihre Wandlungsfähigkeit nicht mit den Erfordernissen des steigenden Schwierigkeitsgrads Schritt hält. Auch das stärkste Monster, in das sie sich letztlich verwandeln können, ist schwächer als der durchschnittliche Mensch im Endstadium des Abenteuers.

Weiterhin empfohlen werden zwei Menschen und zwei Mutanten als Gruppe. In der Tat eine gute Zusammenstellung, vermutlich die beste unter Missachtung des Programmierfehlers, der Menschen in den Quasigötterstatus katapultiert. Dazu später mehr. Mit zwei Mutanten und zwei Menschen hat man zwei Nahkämpfer (heutzutage nennt man solche Charaktere wohl „Tanks“), einen Kampfmagier mit Flächenzauber, der sich die Gegner gruppenweise vornimmt (in D&D Begriffen ein „Controller“), und einen Heiler, der über die HP-Werte seiner Kameraden wacht. Soweit zumindest der ideale Fall. In der Regel erhält man durch diese Charakterauswahl allerdings ein ausgewogenes Spiel, das auch Spaß macht.

Abgeraten wird einem von vier Mutanten, was ich gut verstehen kann, da es zu lange dauert, bis diese Gruppe überlebensfähig wird. Mutanten entwickeln sich zu langsam, können keine Rüstung tragen, und steigern ihre Attribute eher durch Zufall als durch gezielte Maßnahmen. Die Bande wird irgendwann mal ein richtig cooles Team, wenn die Werte mal eine bestimmte Mindestgrenze überschritten haben (sogar das Attribut „Rüstung“ steigt von allein und auf für Menschen unerreichbare Werte), aber zumindest im Anfangsstadium wird man sich viel Frust holen, weil die vier nichts gebacken bekommen und zu wenig einstecken können.

Von vier Monstern brauchen wir erst gar nicht zu reden.

Aber warum sollte ich keine vier Menschen zusammenstellen? Sie haben geradezu explosive Nahkampfwerte, und heilen können sie sich auch mit Tränken, von denen eine ganze Menge in den Rucksack (das Item-Menü) passen.

Das Hauptgegenargument sind die mit Menschen verbundenen hohen Kosten. Heilung für unterwegs müssen sie sich in Form von Tränken kaufen, und jede Waffe, die sie benutzen, hat nur eine begrenzte Zahl von Anwendungen, bevor sie unbrauchbar wird. Der erforderliche ständige Neukauf von Waffen reißt immer wieder ein tiefes Loch in die Kriegskasse, was dadurch verstärkt wird, dass Menschen ihren hohen Schaden nur auf einzelne Ziele anwenden können, während die Mutanten mit ihrer Magie oft ganze Gruppen angreifen können. Physische flächendeckende Waffen wie „SMG“ („sub-machinegun“, Maschinenpistole) sind vernachlässigbar schwach, weil sie ihr Schadensvolumen anteilig auf die individuellen Kreaturen einer anvisierten Gruppe verteilen, während ein magischer Flammenangriff z.B. jeden dieser Gegner in vollem Umfang trifft.

Menschen haben wie Mutanten einen schwierigen Start. Sie müssen sich erst einmal das Geld verdienen, das sie brauchen, um sich einen Grundstock an Heiltränken zuzulegen, den sie brauchen, weil Tränke immer noch billiger sind als die Gasthäuser, wo man für Heilung soviel Geld ausgeben muss, wie man Schaden erlitten hat. Wenn das aber mal geschafft ist, geht es mit dem rein menschlichen Team rapide bergauf.

Allerdings muss man vorausplanen und auf sein Geld achten. Es ist wichtig, im Auge zu behalten, dass die Anwendungen einer Waffe, die man braucht, um ein Monster zu töten, in ihrem anteiligen Gesamtwert nicht den Betrag überschreiten, den man durch den Sieg über das fragliche Monster erhält. Wenn man eine Waffe verwendet, die 5000 GP („gold pieces“, Goldstücke) kostet und 50 Anwendungen hat, dann hat jede Anwendung einen Einzelwert von 100 GP. Wenn man für einen bestimmten Gegner zwei Schläge braucht, um ihn zur Strecke zu bringen, dieser Gegner aber nur 150 GP „Preisgeld“ abwirft, dann ist die Verwendung der Waffe unwirtschaftlich. In diesem Zusammenhang ist es bedauerlich, dass Gegner ungeachtet ihrer spieltechnischen Ausstattung nur Geld abwerfen, aber keine Ausrüstung.

Dem Geldschwund begegnet man am effektivsten, indem man sich mit älteren, und damit günstigeren, Waffen aus einer der vorherigen Welten eindeckt. Da man die benötigten Attribute relativ schnell hochtreiben kann, gleichen diese die niedrigere Qualität der „veralteten“ Waffen wieder aus.

Das heißt, Menschen leiden prinzipiell an den selben Startschwierigkeiten wie Mutanten; da man sie aber gezielt und willkürlich weiterentwickeln kann, ist es möglich, diese Startschwierigkeiten durch intelligentes Management schnell zu lösen.

Beim Geld muss man allerdings auch darauf achten, die Summe von einer Million nicht zu erreichen – überschreitet das Vermögen 999.999 GP, fängt die Zählung wieder bei Null an und alles ist verloren.

WORLD OF CONTINENT

Man sollte das Spiel beginnen mit einem vorsichtigen Ausbau der Fähigkeiten der Charaktere, und „vorsichtig“ bedeutet, dass man sich in unmittelbarer Nähe zu der Stadt aufhält, in der der Weltenturm steht. Bei den geringen Startwerten kann man es nicht wagen, irgendwelche Ausflüge zu unternehmen, und man kann sich darauf einstellen, zu Beginn nach jedem Kampf ins Gasthaus zurückkehren zu müssen, um zu vermeiden, dass jemand stirbt.

Aber überspringen wir das dröge Training. Nachdem man durch den Ausbau der Lebenspunkte und die Steigerung der Kampffähigkeiten eine gewisse operative Bewegungsfreiheit erlangt hat, kann man damit anfangen, die anderen Ortschaften abzuklappern und das eigentliche Abenteuer in Angriff zu nehmen.

Anfangen kann man im Norden, indem man King Armour besucht. Er schickt die Heldengruppe nach Süden auf eine Hilfsmission. Das südliche Dorf wird von einer räuberischen Bande heimgesucht, und diesem Problem müssen die Helden Abhilfe schaffen.

Südwestlich von diesem Dorf befindet sich eine Höhle, in der Lizards als Wachen herumstehen, und hier zeigt sich, was ich zuvor in Bezug auf die statistischen Werte der Menschen als „rapide bergauf“ bezeichnet habe. Denn diese Wachen sind fest installiert, und das bedeutet, dass sie nicht verschwinden, nachdem man einen Kampf erfolgreich abgeschlossen hat. Ich weiß nicht, ob es sich dabei um Absicht oder um einen Fehler im Spiel handelt, aber sobald die Spielgruppe in der Lage ist, mit drei Lizards fertig zu werden, ist das Gröbste überstanden. Das beschriebene Verfahren ist wesentlich effektiver, als stundenlang über die Landkarte zu laufen und auf Zufallsbegegnungen zu warten. Man kämpft so lange gegen diese Wachen (und kehrt bei Bedarf ins Dorf zurück, um sich neu mit Tränken einzudecken), bis sich der Kauf der „HP200“ Tränke nicht mehr lohnt oder die Sache langweilig wird… bis dahin hat man sicherlich 50 Punkte auf dem Attribut Stärke oder Geschicklichkeit jedes Charakters gesammelt und die Sache kann angehen.

Der böse Räuberhauptmann ist ein Powerfrog (P-Frog), und bei den angesprochenen Werten dürfte eine kräftige Ohrfeige genügen, um ihn aus den Pantinen zu hauen und ihn um Gnade bitten zu lassen.

Im Anschluss kehrt man zu King Armour zurück und bekommt seine Rüstung als Belohnung.

Die übrigen Könige kann man sich dann in Reihenfolge vornehmen: King Sword und King Shield, von denen man nach verschiedenen Schwierigkeiten die Ausrüstung erhält, nach der sie benannt sind. Die Lösung ist jeweils offensichtlich, und über den Verlauf der Geschichte muss ja nicht zu viel verraten werden.

Rüstung, Schild, und Schwert müssen zur der Statue in dem zentralen Dorf gebracht werden, und sobald das geschafft ist, wird man von Genbu angegriffen. Die Schildkröte ist gut gepanzert, es schadet also nicht, die Attribute der Charaktere entsprechend gesteigert zu haben. Aber Genbu ist kein schwerer Gegner, wenn man nicht völlig unvorbereitet auf ihn trifft. Bei ihm findet man die erste „Sphere“, ein Artefakt, mit dessen Hilfe man die Tür des Turmes öffnen und bis zur World of Ocean im fünften Stock vordringen kann.

Auf dem Weg durch den Turm gibt es keine Läden, von daher sollte man Ersatzwaffen und Tränke mit sich führen, um nicht in einem ungünstigen Zeitpunkt mit heruntergelassenen Hosen da zu stehen, und die Monster im Turm sind schon aus einem anderen Holz geschnitzt als die bisherigen.

22. September 2009

Von Nagaoka und unsichtbaren Panzern

Filed under: Japan,Militaria,My Life — 42317 @ 18:39

Ein großes Wochenende hätte es sein können, der 19. und der 20. September. Zum einen sollte Freitag auf Samstag das Nagaoka Festival unter dem Titel „Konstantin lädt ein“ stattfinden, zum anderen hatte die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 41) gegenüber Kürenz für Samstag und Sonntag „Tage der Information“ angekündigt, und ich habe bereits vier Jahre gewartet, dass sich ein solches Ereignis wiederholen würde.

Am Samstag Morgen um 1015 stand ich an der Bushaltestelle vor meinem Haus, um in den Bus Richtung Avelertal zu steigen. Irgendwas gefiel mir an der Art, wie das Sonnenlicht auf die Hausseite traf und wie sich dieses Bild durch die sich verfärbenden Bäume an der Haltestelle darstellte. Ich nahm die Kamera aus der Hosentasche, um ein Foto zu machen, hatte auf dem Bildschirm allerdings das Gefühl, durch eine Jalousie zu schauen – was ist da los?

Ein Blick auf das Objektiv der Kamera zeigte mir, dass die obere Hälfte der Blende, die als Staub- und Kratzschutz vor der Linse fungiert, aus ihrer Führungsrille gesprungen war und sich nicht mehr öffnen ließ. Scheinbar bin ich in den vergangenen Tagen bei irgendeiner Gelegenheit mit irgendeiner Kante – möglicherweise ein Teppichstapel – genau daraufgestoßen.
Es stellte sich schnell heraus, dass weder meine Fähigkeiten noch das mir in jenem Moment zur Verfügung stehende Werkzeug den Schaden beheben können würde.

Dennoch fuhr ich zu dem Parkplatz am Avelertal und nahm den Shuttleservice der WTD in Anspruch, sowie einen Flyer entgegen, der mir einen Überblick über das Programm verschaffte.
Ich sah mir eine Teststrecke an, auf der Fahrwerke unter kontrollierten Bedingungen auf ihre Geländefähigkeit überprüft werden können. Sie besteht aus fünf Betonfahrspuren mit verschieden hohen Erhebungen, und eine Zahl von Ketten- und Radfahrzeugen fuhr unter den Kommentaren eines Ansagers immer wieder darüber hinweg, darunter ein Dingo Geländefahrzeug, ein Zehntonner LKW, ein Leo2 und eine Panzerhaubitze 2000.

Die Ausstellung der historischen Fahrzeuge war ein wenig gewachsen. Wie beim letzten Mal fanden sich auch an diesem Wochenende ein JgPz I (etwa 2 m hoch, halb offene Kuppel, mit 47 mm PaK), eine „Hummel“ Selbstfahrlafette mit 150 mm Kanone, ein Pz III (Flamm), ein Pz V „Panther“, ein M5A1 „Stuart“, und ein sowjetischer T-34/85. Neu dazugekommen waren der Bergepanzer auf dem Fahrwerk des Pz IV (Bj. 1941) und der Jagdpanther. Beeindruckendes Gerät.

Auf dem Hof mit den Radfahrzeugen befand sich ein moderner Funktrupp auf einem 7,5t LKW, und daneben das dazugehörige Aggregat, das heutzutage scheinbar ebensoviel Platz braucht. Zu meiner Zeit war das auf einem Anhänger untergebracht, heute braucht sowas scheinbar ein eigenes Fahrzeug. Aber dieser SatTrupp ist technisch auch umfangreicher als mein alter Kilowatt-Trupp.
Der Feldwebel und der Hauptgefreite hier hatten keine Stabantenne mehr, sondern eine 4,5 m Satellitenschüssel, sie verwendeten auch keinen FS-200 Fernschreiber, sondern einen Desktop PC, dem entsprechend auch keine Lochstreifen mehr, sondern E-Mail. Der SatTrupp ist wohl seit 2001 im Einsatz.

Ich unterhielt mich mit den beiden eine Weile und kam zu dem Schluss, dass sich an der Gesprächskultur der Bundeswehr nichts geändert hat. Nein, ich meine nicht die Dreifaltigkeit von Frauen, Autos und Fußball. Vielmehr unterhielten wir uns über den Leistungsmangel des Bundeswehrmaterials gegenüber dem nicht-militärischen Äquivalent, die unverschämt höheren Preise dieser qualitativ eingeschränkten Versionen, die mangelnde Anpassungsfähigkeit des Materials im Allgemeinen an die sich verändernden Aufgaben der Bundeswehr, und die Realitätsferne mancher Beschaffungsaufträge. Der Feldwebel wies an einer Stelle mit dem Daumen in Richtung der Kettenfahrzeuge im Hof nebenan und erwähnte den dort aufgestellten Marder mit Wüstentarn als Beispiel:
„Dem seine Tarnung ist nicht aufgepinselt, sondern besteht aus einem Plastiküberzug, dessen Einzelteile mit Klettverschlüssen zusammengehalten werden.“ Sicherlich flexibler als ein klassischer Tarnanstrich, und muss, anders als Farbdosen und Pinsel, auch nicht immer wieder neu gekauft werden, aber „wenn das Ding mal zu dicht an einem Baum vorbeifährt, reißt es den Überzug runter und das Ding ist wieder grün.“ Und je nach Situation möchte oder kann man vielleicht nicht sofort aussteigen, um den Missstand zu korrigieren.

Danach stattete ich dem Sozialdienst der Bundeswehr und dem natürlich anwesenden Wehrdienstberater einen Besuch ab, denn ich wollte ja gern ein oder zwei Kissen haben, wie sie in BW Kasernen verwendet werden. Darauf liege ich mir meine Schulter nachts nicht zu Mus. Das heißt, im Sommer habe ich keine Probleme, aber im Winter spüre ich mein Schultergelenk nachts ganz deutlich, was erst besser wird, wenn es nach dem Aufstehen irgendwann warm geworden ist.
Aber von den Anwesenden konnte mir keiner sagen, wie ich da rankommen könnte, und man empfahl mir, mich direkt an die Truppe zu wenden.

Vom Sozialdienst bekam ich einen Katalog mit Urlaubsangeboten, wo ich als Mitglied 10 % Preisnachlass erhalten könne, aber ich habe meine Mitgliedschaft im Bundeswehrverband noch zu gut schlecht in Erinnerung, wo man mich ebenfalls mit Rabattangeboten hinlockte – und ich nach Inspektion der entsprechenden Läden feststellte, dass es sich um kleine Einzelhändler handelte, die trotz (5 %) Rabatt in ihren Preisen von großen Fachmärkten wie MediaMarkt, Blitz, oder ProMarkt locker unterboten wurden.

Ich kam nicht umhin, dem Oberleutnant von der Wehrdienstberatung meine Erfahrungen mit seinem Metier zu schildern, und er beteuerte, dass das heute ganz anders gemacht werde, dass er umfassend informiere, und nicht nur Fragen beantworte, die man ihm auch stelle… denn es hätte mich schon gefreut, damals, 1997, zu erfahren, dass man als Soldat auf Zeit gleich voll bezahlt wird… meine Unterschrift unter den W10+13 „W-Flex“ Vertrag hat der Bundeswehr letztendlich 17000 Mark an Löhnung gespart, die ich in den ersten 11 Monaten bekommen hätte, wenn ich statt verlängertem Wehrdienst gleich SaZ-2 gewählt hätte, was damals, nach meinem Wissen, in der Mannschaftslaufbahn möglich war.

Zum Abschied kriegte ich insgesamt den eben genannten Katalog, zwei Kugelschreiber, zwei Schlüsselbänder, und ein Mousepad mit 3D-Effekt.

Die Frustration über die verflossene Möglichkeit, Fotos und Videos zu machen, färbte deutlich auf meine Laune ab. Ich verließ das Gelände wieder, ohne mir das Panzertauchen mit Notausstieg unter Wasser, oder das übliche Zerquetschen von Schrottautos anzusehen. Ich wollte versuchen, in der Stadt einen Laden zu finden, der die Kamera aufschrauben und in Ordnung bringen konnte.

Nach einem Besuch entsprechender Läden stand eines fest:
„Das könne ma net hier mache, das müsse ma einschicke.“
Wunderschön, ich brauche die Kamera aber heute! Jetzt! Sofort!
Nix is. Wieder mal ein leckeres Stück Pustekuchen.
Als ich aus dem letzten Laden kam, war ich nahe daran, die Knipse auf den Bürgersteig zu klatschen. Aber ich lasse es. Erstens waren noch 2 GB Extraspeicher drin, und zweitens bestand ja die Möglichkeit, dass ich für den Reparaturpreis plus ein paar Kröten mehr noch keine neue Kamera kriege.

Wenn ich schon mal da war, dann blieb ich auch hier und sah mir das Nagaoka Festival an. Immerhin hatte ich mich mit fünf Bildern an dem von der City-Initiative ausgeschriebenen Fotowettbewerb beteiligt, und wollte gerne sehen, was andere Leute beigesteuert hatten. Ich ging an der Bühne am Hauptmarkt vorbei, wo eine Karate-Vorführung zu sehen war, und ging gleich in das Zelt auf dem Domfreihof. Im Zelt war es trotz der Eingangsöffnung von 2,5 auf drei Metern unangenehm wärmer und schwüler als draußen, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Zelt oder irgendein Bestandteil davon nach Pferd roch. Ich habe nichts gegen Pferdegeruch, ich empfinde das nicht als störend, aber es war doch auffällig.
In dem Zelt traf ich auch Kolleginnen von „Trier spielt“ wieder und helfe ein bisschen beim Origamifalten. Nicht, dass ich viel davon verstehen würde, aber die Bastelanleitungen aus dem entsprechenden Buch erschienen mir nachvollziehbarer als der frustrierten Bastlerin.

Ich sah mir die vorhandenen Fotos für den Wettbewerb an und schätzte, dass es sich etwa um 50 handelte, was bedeutet, dass meine Freundin und meine Wenigkeit für schätzungsweise 20 % der Ausstellung gesorgt hatten. Die meisten Bilder waren das, was ich nicht sehen wollte, nämlich wunderhübsche Klischeebilder. Da sind Gartenanlagen, Tempeltore, Schreine, Kirschblüten, und eine Maiko (Geisha in Ausbildung) oder allgemein weibliche Menschen im Kimono. Wenig klischeehaft sind nur wenige Bilder, wie das eines mir bekannten, verklärt wirkenden Studenten unter einer Leuchtreklame, die sich „Yume (nozomi)“ („Träume (Wünsche)“) liest. Ein gutes Bild nach meinem Ermessen, aber sein wie auch mein Übel an diesem Wettbewerb ist, dass jeder Besucher, der teilnehmen will, ein Lieblingsbild auswählen darf, das heißt in erster Linie Leute, die keine Ahnung vom Thema haben. Die wählen natürlich die schönen Klischeebilder, und nicht solche, die davon abweichen oder eben solche, deren dargestellten Text man mangels Sprachkenntnis nicht lesen kann. Die Kollegin von „Trier spielt“ konnte mit dem Bild von dem Schrottauto, das ich eingereicht habe, auch nichts anfangen, bis ich es ihr erklärt hatte.

Schrott

Das Foto wurde von mir im März 2004 in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet ein paar Kilometer südlich von Hirosaki aufgenommen. Es ist anscheinend üblich, dass Bauern, die überall ihre Apfelbäume pflanzen und pflegen, ihre alten Autos nicht verschrotten, sondern als Schuppenersatz auf die Plantage stellen, um darin Werkzeug zu lagern, das sie für die Apfelzucht brauchen. Einige dieser Autos, wie das beschriebene, befinden sich in einem bereits fortgeschrittenen Stadium der Zersetzung, werden aber dennoch nicht entsorgt – wohl angesichts der damit verbundenen Kosten.
Unter dem rechten Vorderrad des dargestellten Wagens befand sich als Stütze eine Autobatterie, die ebenso alt wie der Wagen sein dürfte. Aus dieser Batterie lief alles mögliche aus (was auch immer außer Säure da drin sein mag), was in der kleinen Vertiefung eine widerliche schwarze Schlacke gebildet hatte.
Das Bild soll ausdrücken, dass Japaner zwar ein ästhetisches Umweltbewusstsein haben, was man an der effizienten Landschaftspflege und am künstlerischen Gartenbau sehen kann, dass es ihnen aber an Umweltschutzbewusstsein noch sehr mangelt. Das Foto soll einen bewussten Contrapunkt zu den anderen Darstellungen bilden, von denen mir völlig klar war, dass sie auftauchen würden.

Ein weiteres schönes Bild war wohl der Teich, mit dem ich was über scheinbare Oberflächlichkeit und faktische kulturelle Tiefe sagen wollte… aber das wäre bestenfalls einer Expertenjury aufgefallen, denn leider war es nicht möglich, einen erklärenden Text mit dazu abzugeben. Den hätte ich in das Bild drucken müssen, und das habe ich erst erfahren, als ich die fertigen Ausdrucke abgab.

Ich wechselte von den Fotos zum Tisch in der Mitte und ignorierte dabei den Aikido Verein am Fußende des Zelts. Ich redete ein bisschen mit der Fachschaftsvertretung, deren Namen ich zwar vergessen habe, deren Gesichter ich aber immerhin wiedererkenne. Die Besucherfragen sind typisch und die Antworten eingeübt: „Japanisch ist doch sicher schwer? Und was macht man dann damit?“ Ich empfehle jedem Japanologen, und denen, die es werden wollen, sich so schnell wie möglich Antworten auf diese Fragen zu überlegen, denn man wird immer wieder von verschiedenen Seiten aus damit gelöchert.

Von der Fachschaft wechselte ich zum Herrn Uchita und stellte dort meine mangelnde Begabung für Kalligrafie unter Beweis. Das interessante Wechselspiel von breiten und dünnen Strichen, das sich zwangsweise aus der Form des Pinsels ergibt, rettet meine infantile Pinselschrift auch nicht.
Die freiwillige Aufgabe des Herrn Uchita, der sich in seiner Freizeit nicht nur mit moderner, sondern auch altertümlicher Kalligrafie beschäftigt, bestand darin, vorbeiwandernde Besucher dazu einzuladen, ihren Namen mit dem genannten Pinsel in Katakana zu schreiben, und wenn ihm was originelles einfiel, steuerte er auch noch eine Kanjischreibung bei.

Da kam zum Beispiel ein Mädchen mit Mutter vorbei. Herr Uchita komplimentierte sie auf die Sitzbank und forderte sie auf, ihren Namen zunächst auf Deutsch auf das Blatt zuschreiben.
Katharina.
Dann zeigte er ihr die korrespondierenden Katakana in der Liste, und Katharina wurde zu
????.
Das heißt, sie schrieb im ersten Versuch, während ich die Strichreihenfolge erklärte.
Uchita schrieb dann die schöne Variante, und die junge Kundin schließlich eine deutlich verbesserte eigene.
Da er wohl eine Eingebung hatte, steuerte er noch eine Kanjischreibung hinzu:
????.
Diese Version liest sich ebenso wie der ursprüngliche Name. An den Schriftzeichen kann man dann eine von der deutschen Ethymologie (gr. „katharos“ = „die Reine/Aufrichtige“) abweichende Bedeutung festmachen:
? = mehr
? = viel
? = Heimat
? = (alter Fragepartikel ohne Bedeutung, etwa „Was“ oder „Wie“)
Ich bot als Interpretation an „Zuhause ist es am schönsten“ an, und damit waren alle zufrieden.

Ich hatte schon fast vergessen, wie viel Lob ein einzelner Japaner in kürzester Zeit zu äußern im Stande ist, Herr Uchita sprudelte über davon. Meisterwerke habe ich bei der Handvoll von Schreibern nicht im Ansatz gesehen, aber schließlich machen diese Leute das auch zum ersten Mal und ich halte es für deutlich, dass Kinder mehr Geschick an den Tag legen, als Erwachsene, was mit ihrer größeren Übung im Malen zusammenhängen könnte. Von den Erwachsenen zeigte eine Innenarchitektin mehr Begabung als der Durchschnitt, wohl aus einem ganz ähnlichen Grund.

Etwa an dieser Stelle sah ich Peter und Marco vom Animeclub (plus eines weiteren Bekannten, der wohl ebenfalls dazugehört, mir aber nicht weiter vorgestellt wurde – nennen wir ihn X) und wanderte mit denen durch die Innenstadt, auf der Suche nach interessanten Dingen. Ganz klar zu beobachten war, dass sich die Anzahl der anwesenden Japaner sehr in Grenzen hielt. Ich hätte wegen der Vielzahl japanischer Firmen in Luxemburg mit mehr gerechnet, aber vermutlich drückten die sich alle in dem großen JTI (Japan Tobacco Industries) Zelt an den Kaiserthermen rum. Das knappe Dutzend Japaner, an die ich mich erinnern kann, bestand zum geringeren Teil aus Austauschstudenten, die als Besucher da sind, und zum größeren Teil aus freiwilligen Helfern an den Fressbuden, die es natürlich auch hier geben muss.

Auch hier wurden Klischees eingehalten: Es gab Frühlingsrollen und Misosuppe. Dabei sind mir Frühlingsrollen in Japan nicht dauerhaft im Gedächtnis geblieben. Gyôza schon eher (chinesische Ravioli?). Auf Sushi hatte man vermutlich wegen der fehlenden Kühlmöglichkeiten und den abschreckenden Preisen verzichtet. Aber wo waren die Yakisoba? Wo die so genannten „Frankfurter“ Würste und Bananen mit Schokoüberzug am Stiel? Wo waren die Süßkartoffeln? Wo die Takoyakibällchen, und Ikayaki, der gegrillte Tintenfisch? Ramen und o-Nigiri waren ebenfalls abwesend. Mir fehlte hier so viel, dass ich darüber völlig vergaß, was es eigentlich in der Tat zu essen gab. Außer Misosuppe und Frühlingsrollen. Ich habe aber sicher auch so einiges übersehen, Augenzeugen mögen mich also bitte korrigieren, falls notwendig.

Abgesehen vom Zelt vorm Dom handelte es sich hier um eine für mich leider völlig uninteressante Veranstaltung. Das breit angekündigte „japanische Feuerwerk“ am Abend könnte für mich nicht unbedeutender sein. Auf dem Kornmarktplatz war allerdings für 15 Uhr eine japanische Geigerin angekündigt, und weil X auf Geigenmusik steht, gingen wir halt hin. Ihr Name wurde in der Broschüre transkribiert als „Ruri Takitsawa… soso… ist mir die Existenz einer Silbe „tsa“ bislang entgangen, oder hat da jemand in Unkenntnis den mir bekannten Namen „Takizawa“ verunstaltet?
Der Ansager der kleinen Bühne hat es jedenfalls nicht gebacken bekommen, den Namen vorher zu üben, oder zu fragen, wie man ihn denn ausspricht, denn er braucht drei Versuche, bis er es durch Zuruf der Geigerin hinbekommt. Sie komme aus Yokohama, sagt er dann, und sei zwölf Jahre alt.
Das muss aber ein Talent sein, wenn man die extra aus Yokohama herbestellt!

Dummer Gedanke! Diese von Spenden getragene Veranstaltung verfügt gar nicht über die Mittel, echte Talente vom anderen Ende des Planeten einzufliegen. Ich ging also eher davon aus, dass die junge Dame auf dem Weg nach Trier den Umweg über Düsseldorf genommen hat, dass sie also möglicherweise in Yokohama geboren ist, aber derzeit in Düsseldorf lebt und irgendwie in diese Veranstaltung hineinbeschwatzt wurde.
Frl. Takizawa fiedelte in ihrem blauen Kimono also erst mal zwei klassische Stücke, bevor sie nach höchstens mal zehn Minuten eine Pause machte. Vielleicht war das aber auch notwendig, um dem lokalen Karnevalsverein (in friederizianischen Trachten) den singenden und klingenden Abmarsch zum Hauptmarkt zu ermöglichen, ohne, dass sich das Klangprogramm biss.
Ich muss allerdings über die Geigerin sagen, dass ich mich bereits nachdem sie zwei Takte gespielt hatte, nicht des Gedankens erwehren konnte, schon lange nicht mehr eine so durchschnittliche Leistung auf einer Violine gehört zu haben. Aber wen wundert’s? Die Solistin ist 12 Jahre alt und sie spielt exakt auf der Qualitätsstufe, die man von einem normalen und durchschnittlich begabten zwölf Jahre alten Kind erwarten kann. Nicht mehr. Warum sie öffentlich auftritt oder dazu ermuntert wurde, ist mir ein Rätsel. Was mir bleibt, ist der Respekt davor, dass sie sich traut, vor Publikum zu spielen. Zum letzten Mal hatte ich dieses Gefühl so stark, als ich vor zehn Jahren die Tanz- und Gesangsvorstellung stark übergewichtiger Sailor Senshi erlebte, die weder singen noch tanzen konnten.

Was machen wir als nächstes? Meine drei Begleiter wollten sich eine scharfe Currywurst geben und gingen in die Fressecke dieser vor etwas mehr als einem Jahr neu eröffneten Einkaufsgalerie in der Fußgängerzone. Die Wurst, bzw. die Soße dazu, gibt es dort in zehn Schärfegraden, wenn ich mich nicht irre; interessant wird das Ganze ab Stufe vier, und Stufe sechs ist schon nichts mehr für den Normalbürger. Stufe sechs gibt es erst „ab 18“, und höhere Stufen erhält man nur mit „Schärfepass“, einem Stück Glanzpapier, das einer Rabattkarte nicht unähnlich ist. Man erhält darin Stempel zur Dokumentation der bereits erreichten Stufen, und erst, wenn man einen Stempel für die Sechs erhalten hat, wird einem die Sieben oder höhere verkauft. Zum Mundspülen wird Hochwaldmilch angeboten, weil Wasser ja die ganz falsche Wahl wäre.

Viele Leute – in erster Linie männliche Testosteronsklaven, wie ich annehme – essen sowas als Mutprobe, wie ich höre, andere loben den Geschmack, obwohl das nur wenige sind. Ich habe von einigen Besuchern Kommentare gelesen, die die Wurst als bestenfalls durchschnittlich bezeichnen, während die Soße lediglich mit irgendeinem Konzentrat aufgemotzt wird, was sie zwar scharf mache, den Geschmack aber in den Hintergrund treten lasse.
Meine Männlichkeit braucht jedenfalls keine scharfe Wurstsoße zur Selbstbestätigung, von daher lehnte ich die angebotenen Stückchen dankend ab. Erstens bin ich kein Fan von Currywurst, und zweitens hatte ich nichts im Bauch. Auf nüchternen Magen eine sehr scharfe Soße zu essen, würde meine Magenschleimhaut nicht schätzen, und da steh ich nicht so drauf. Ich werde vielleicht irgendwann mal zum Einstieg eine Vier und eine Fünf essen, aber nicht auf leeren Magen.

Ich konnte Peter dafür gewinnen, sich im Anschluss die Panzer ebenfalls anzusehen. Er hatte am Tag darauf keine Zeit, und ich bedauerte es doch irgendwie, die Rundfahrt durchs Gelände nicht gemacht zu haben, also setzten wir uns in den Bus, der wegen einer NPD-Kundgebung an der Porta und der obligatorischen Antifa-Gegenveranstaltung am gleichen Ort einen Umweg fahren musste.
„Arbeit zuerst für Deutsche!“
Ja, was sind denn Deutsche? Sind das blond-blauäugige Mustermänner und -frauen aus Adolfs Märchenbuch? Oder sind das Leute mit einem einwandfrei deutschen Pass? Da die NPD und ihre Spießgesellen in konstruierten ethnischen Kategorien denken, wird die zweite Variante wohl flachfallen.
Rhetorisch ungeschickt aber auch die gegenüberliegende Ecke.
„Reichtum für alle!“ sagt das erste Plakat der LINKEN.
„Reichtum stärker besteuern!“ sagt das zweite.

Ich kam mit Peter um 1630 in der WTD an, reichlich spät, bedenkt man, dass die Jungs um 1700 Feierabend machen wollen. Wir schauten uns den Rest der Hundevorführung an, gingen dann aber gleich auf die Panzerbahn, wo die übliche Schlange vorm Podium stand. Wir warteten etwa 15 Minuten, bis wir dran waren (mit neun anderen), in dem Leo2 Chassis eine schnelle Runde zu drehen. Besser als eine Achterbahn, auf ihre Weise, und das völlig umsonst. Das Vehikel bringt es nur auf 70 km/h, schaukelt aber schön und fliegt auch schon mal von einer Kuppe zur nächsten.

Danach sahen wir uns in aller Ruhe die ausgestellten Fahrzeuge an und verließen um kurz nach halb sechs das Gelände. Nach unten versagte der Fahrdienst leider völlig, da musste man zu Fuß gehen.
Es sind über 250 Betonplatten bis zur Hauptstraße, und pro Platte benötige ich vier bis fünf Schritte, je nach Grad der Straßensteigung. An der Stelle „rettete“ uns allerdings Sönke, der nach einer Verabredung in Luxemburg heute nicht mehr rechtzeitig kommen konnte. Er ließ Peter an der Bushaltestelle raus und nahm mich mit vor die Hautür, wo ich allerdings feststellte, dass ich vergessen hatte, dass ich noch einkaufen muss. Also in den nächsten Bus und Richtung Bahnhof gefahren.

Dabei musste irgendwas mit meiner Zeitwahrnehmung schiefgegangen sein: Ich denke, zwischen Peters Aussteigen aus dem PKW und meinem Einsteigen in den Bus konnten keine zehn Minuten vergangen sein; als ich dann fünf bis zehn weitere Minuten später wieder an ihm vorbeifuhr, hatte er bereits die ganze Strecke bis zur ATU Zweigstelle zurückgelegt, in schätzungsweise etwas mehr als einer Viertelstunde. Er ist entweder besser zu Fuß, als man ihm ansieht, oder ich habe mich irgendwo zeitlich verschätzt.

Zu guter Letzt war es ein interessanter Samstag, wenn auch im Hinblick auf meine Kamera kein besonders guter. Ich muss die Woche also mal zu MediaMarkt tigern und mich erkundigen, was ich für eine Reparatur löhnen muss, und der Gedanke ist mir von Haus aus unangenehm.
Und wenn ich mir die Sache hier so ansehe, könnte ich auch eine neue Schreibtischlampe gebrauchen.

15. Juli 2009

Das Wort zum Zweiunddreißigsten

Filed under: Japan,My Life,Uni — 42317 @ 22:43

Zuerst mal Danke an alle, die an meinen Geburtstag gestern gedacht haben.

Meine Oma hat als erste um halb Neun angerufen. Mein Opa war da leider nicht zu erreichen, weil er es dieser Tage vorerst wieder einmal geschafft hat, dem Tod von der Sense zu hüpfen. Nach einigen Schwierigkeiten, die der Herzschrittmacher nicht wettmachen konnte, ist derzeit wieder die Rede von Kur und Reha.

Mein Vater und WSK haben leider abends angerufen, und dienstags ist das keine gute Idee, weil ich da Rennergebnisse auswürfele, den Sheriff manchmal unter Verschonung des Deputys erschieße, oder aber mich mit Dynamit in die Luft sprenge. Dies alles im Kreis werter Kameraden, die ich nicht missen möchte. Dienstag abends nach Acht anzurufen ist jedenfalls keine gute Idee. Dabei möchte ich erwähnen, dass einem das Brummen aus dem Telefonhörer auf den Keks gehen kann. Das könnte an der Internetleitung liegen, allerdings habe ich bemerkt, dass dieses Störgeräusch sich kurzzeitig beheben lässt, indem man am Hörer herumdrückt. Ein Funktionsfehler unseres sicherlich nicht teuren Telefons ist daher nicht auszuschließen, und die Alice-Flatrate möglicherweise völlig unschuldig!

Und da wird mir zugetragen, dass eben jener WSK sich beschwert habe, dass ich seine Kommentare nicht kommentiere. Hm… bislang war ich nach dem Lesen eigentlich der Meinung, alles notwendige sei gesagt worden, wozu also noch weiteres hinzufügen? Ihm sei gesagt, dass ich generell dankbar bin für Kommentare, auch für seine, dass ich dies aber nicht extra noch drunterschreibe. Wenn ich es für sinnvoll erachte, noch etwas hinzuzufügen, werde ich das jedenfalls mit Sicherheit tun.

Sempai Pierre hat angerufen, zum Spieleabend, aber ich will mir zumindest mal einbilden, dass mein Geburtstag seine Hauptmotivation gewesen ist, zumal er ihn kaum vergessen kann, weil der werte Freund nämlich Franzose ist, und welcher Nachfahre der bastillestürmenden Massen könnte einen Geburtstag am 14. Juli vergessen?
Der jedenfalls fand die westliche Beta-Version eines japanischen Spiels nach der Serie „Higurashi no naku no koro ni“ so erschreckend schlecht, dass er umgehend Mails an die Lizenzeigner in Japan geschrieben hat. Alles sehr löblich, allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es an ein Wunder grenzt, auf offizielle Mails nach Japan irgendeine Antwort zu erhalten, zumal es auch nicht selten in den vergangenen Jahren aussah, als ob sich japanische Lizenzeigner einen Dreck dafür interessierten, was man mit ihren Produkten im Ausland machte. In Sachen Unterhaltung sind Japaner extrem auf den Binnenmarkt konzentriert.

Tolle Sache: VAG hat mir japanische Milchkaffeedosen mit Evangelion Sondermotiven geschenkt! Leider haben nicht alle die Reise ohne Beulen überstanden, aber vielleicht kann man das mit Innendruck wieder hinbiegen? Ich hab sie jedenfalls leergesoffen, mit Wasser gefüllt und ins Eisfach gestellt, und harre nun der Dinge, die da kommen, wie wir bei der Armee gerne sagten.

Apropos Armee, auch mein kommissarischer Feldwebel, mittlerweile vom Tiefpfälzer zum Mittelrheinländer mutiert, hat mich mit einem Anruf bedacht, der von dem Geschrei seines Nachwuchses im Hintergrund nur minimal gestört wurde. Auch der hat mir eine Geschenklichkeit angedeutet. Also, der Ex-Fw natürlich, nicht sein Nachwuchs. Ich bin nicht sicher, womit ich das immer verdient habe, aber dankbar bin ich allemal.

Ricci hat mir einen 15 E Amazon Gutschein geschenkt! Eitel Freude herrschte da. Und Kopfzerbrechen. Was von meiner langen Wunschliste soll ich denn nur kaufen? Nachdem Melanie mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass man für einen Zwanziger einkaufen muss, um versandkostenfrei zu kaufen, war die Wahl gefallen: „Band of Brothers“ kommt ins Haus!

Ein paar Leute haben wohl nicht sofort dran gedacht… aber das macht nichts… ich denke auch manchmal erst Wochen später an Geburtstage. Ich wäre also der letzte, der sich deswegen verstoßen vorkommt.

Verdammt, sogar der Mihel hat dran gedacht! Ein bitter  belustigtes „sogar“, möchte ich sagen. Mit nur vier Tagen Unterschied ist seine Tat auch nicht schwer gewesen, aber ich will mal abwarten, wie lang es noch dauert, bis ihm dämmert, dass ich ihm sehr übel nehme, dass er seine Hochzeit vor wenigen Wochen verschwiegen hat, während er anderen Leuten aus meinem Umkreis sehr wohl davon erzählt hat. Aber ich hab auch kein engelsgleich blondes Haar, und überhaupt fehlen mir vielleicht die weiblichen Formen, die es braucht, um meiner für solche Gelegenheiten zu gedenken. Egal. Er ist damit der zweite, der achtkantig aus meinen Dateien geworfen wurde.

Übrigens, meine/unsere Nebenkostennachzahlung… die war nur 160 E stark. Da war ich ein bisschen überrascht, muss ich zugeben. Aber vielleicht war auch die Bombe vom letzten Jahr nur eine Illusion in meiner wirtschaftlichen Dauerdepression?
Doch halt, Korrektur: Sie war dieses Jahr 212 Euro stark und die 160 E sind vom vergangenen Jahr. Die aktuelle Rechnung wurde trotz konstant gebliebenen Verbrauchs von den gestiegenen Energiepreise in die Fäkalientonne geritten.
Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls der Meinung, dass ein energieeffizienterer Eisschrank, Energiesparlampen, und nächtlich ausgeschaltete Computer im Vergleich zu früheren Jahren so einiges gerettet haben. Dann kann ich ja dem unibedingten Aderlass im nahen Herbst ein kleines bisschen entspannter entgegenblicken, wenn mich mein Magisterarbeitssemester 800 Flocken kosten wird.

Und die alte Band hat gratuliert. Ist das nicht nett von den undisziplinierten Nervensägen? Na ja, einer der eher Verschollenen hat sich gemeldet und ein Grillen im alten gauischen Domizil vorgeschlagen, mit den Eltern in einem fernen Urlaubsland weilend… da krieg ich ja direkt nostalgische Gefühle! Na, für einen Abend werd ich die Jungs wohl ertragen können.
Scherzle am Rande. Oder wie der Kamerad Jordan aus Karlsruhe zu sagen pflegte:
„Haha, Spässle g’macht, Witzle g’risse.“ Natürlich sagte er das nur, wenn jemand Witze auf seine Kosten machte. Zum Beispiel in Anbetracht seiner an eine Kartoffel erinnernde Körperform, von den Armen und Beinen mal abgesehen. Möchte wissen, was aus dem geworden ist… aber da der Suchdienst der Bundeswehr ja völlig inkompetent ist, kann ich das auf die Schnelle vergessen. Ich hab keine Ahnung, nach welchem Muster die jemanden finden. Den Kameraden Roppel haben sie gefunden, obwohl der mittlerweile mindestens einmal umgezogen war. Der Kamerad Ritter war auch nur einmal umgezogen, aber den haben sie nicht gefunden. Und der Kamerad Theuer war gar nicht umgezogen, hat aber niemals ein Schreiben von denen erhalten. Ja, ich habe die beiden letztgenannten sozusagen als Kontrollgruppe eingefügt. Ich gehe nicht davon aus, dass ich derart unbeliebt im Zug war, dass sich niemand außer dem ollen Roppel bei mir melden würde.

Ich schweife ab. Ich schweife ab? Was soll ich denn sonst noch so sagen?
Eine Sekretärin der Anglistik, Frau D., ist mit 62 Jahren in Rente gegangen. Was denn, die war 62? Die sah nicht unbedingt älter aus als 52. Zumindest sah sie jünger aus als die Obersekretärin Frau S., die immer noch da ist, was aber an dem nicht geringen Tabakkonsum der letztgenannten liegen könnte. Raucher der Welt, verwendet Nikotinpflaster! Da ist immer noch Suchtstoff drin, aber immerhin keiner der 4500 Giftstoffe des verarbeiteten Tabaks. Auch die Phonetik lehrende Dozentin Frau O. ist in Rente gegangen, aber die sah auch schon länger aus, als sei sie reif dafür. Und entgegen allen Unkenrufen kam man gut mit ihr aus. Zumindest außerhalb des Sprachlabors. Aber scheinbar – oder offensichtlich – war ihr Humor nicht jedermanns Sache. Der kam manchem ein bisschen grantig vor. Da saß ich anno 2005 im Sprachlabor in der ersten Reihe, der Saal voll. Neben mir eine Tasche auf dem Stuhl.
Da schaut sie mich strafend an und sagt: „Sie erinnern mich an diese BWL-Arschlöcher im Zug, die ihre Taschen auf den Sitz stellen und lieber alles und jeden stehen lassen, aber Hauptsache, die Tasche hat einen Platz. Also, runter damit!“ Dabei war das gar nicht meine, die Besitzerin war nur kurz vor Unterrichtsbeginn nach draußen gegangen. Vielleicht „e Angschdbach mache“, wie mein alter Freund HJK manchmal meint? Nee, wohl nicht… ich wollte dieses infame Wort auch nur mal in meine Schlagwörter aufnehmen, mal sehen, ob es irgendwann „Toilettenweisheiten“ als den Toppverweis auf mein Code Alpha Blog ablöst?

Auch im Animetric Forum hat man sich meiner erinnert, aber das ist auch nicht schwer, weil der Geburtstag eines Mitglieds automatisch auf der Hauptseite angezeigt wird. Ich würde mich beinahe noch mehr freuen, wenn ich bei den derzeitigen Verlosungen mal wieder was gewinnen würde, was wegen der langen Warteliste der Dinge, die ich vorher sehen möchte, wahrscheinlich erst in ein paar Jahren in meinem DVD Player landet, aber gehabt ist gehabt, und gewonnen ist doppelt so gut wie gekauft.
Und sobald Wettbewerbe und Verlosungen ausgeschrieben werden, kommen sie aus ihren Löchern, die so genanten Lurker. Sie sind eingeschriebene Mitglieder, aber man liest das ganze Jahr über kein Wort von ihnen. Aber wenn es was zu gewinnen gibt… ja dann sind die auf einmal so aktiv wie Ameisen, denen auf einmal verdammt viel einfällt, was sie schreiben und vorschlagen können, um was geschenkt zu bekommen… um ganz ehrlich zu sein, nervt mich das ein bisschen… wozu Preise an Leute verteilen, die kein bisschen daran mitarbeiten, die Popularität der Webseite zu steigern? Mehr Posts, mehr Themen, daraus folgt: mehr Begriffe, über die man das Forum mittels einer Suchmaschine finden kann. Kriegt man von denen aber nicht. Sie behaupten, sie würden Forumseinträge nur lesen. Ja Chekov, basst scho. Vielleicht sollte man Lose verteilen, deren Anzahl sich nach den eigenen Beiträgen in den Diskussionsforen richtet. Das wär fein, vor allem bei der Masse meiner eigenen Beiträge. Ach, vergessen wir das, das wird nicht geschehen, unser Admin ist Demokrat, und er vergibt auch Preise an Leute, die sich nur dafür eingeschrieben haben und danach wieder in den Weiten des WWW verschwinden.

Abgesehen davon habe ich an einem Wettbewerb des Japan-Vloggers BusanKevin teilgenommen (der nennt sich so, weil er auch ein paar Jahre in Südkorea zugebracht hat), dessen Ergebnis noch aussteht. Ja, ich rede von YouTube. Er hat dem zufällig zu ziehenden Gewinner jedenfalls eine Kiste voll japanischen Krempels versprochen, darunter eine große Tüte Wasabi-Furikake (das sind gefriergetrocknete Streusel für den gekochten Reis, dessen Feuchtigkeit die Streusel genießbar macht, ich habe vor Jahren mal in meiner Japanrundmail davon berichtet, und was Wasabi ist, muss ich wohl nicht extra erklären).

Last but not least… es wurde viel geredet über den bundesweiten Studentenprotest im vergangenen Monat, der sich gegen die derzeitige Erscheinungsform der Bachelor und Master Studiengänge richtet. „Fünf Jahre zu spät!“ sagt ein Dozent und hat vermutlich Recht. Und da waren wohl einige Protestierer so gefrustet vom bösen Staat, dass sie mit Hilfe von Schablonen diverse Abbildungen und Sprüche mit Lackfarbe an die Unigebäude, auf Böden, und auf Glasscheiben gesprüht haben, die man nicht so einfach wieder runterwischen kann. Herzlichen Dank ihr Arschgeigen. Das macht mir das Anliegen der Aktion so richtig sympathisch. Von mir aus könnt ihr im BaMa Studiengang verrotten, denn Hände abhacken is ja bei uns nich. Dabei kam mir das nach einer Vorzugsbehandlung mit speziellen Arschtrittstiefeln erst als zweites in den Sinn.

17. Juni 2009

Augen offen halten!

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 11:45

Eigentlich bin ich Abonnent der kostenlosen Onlineausgabe der Japan Times.
Eigentlich. In der Tat erhalte ich allerdings nur hie und da mal eine entsprechende E-Mail mit Meldungen, deren Format die Schlussfolgerung nicht zulässt, dass es sich um einen halbjährlichen Service handelte.

Wie dem auch sei, ich erhielt letztlich eine solche elektronische Ausgabe und fand darin eine interessante Meldung: Die Summe des in Japan im vergangenen fiskalischen Jahr gefundenen und bei zuständigen Stellen abgegebenen Bargeldes beläuft sich auf 14,2 Milliarden Yen. Das sind umgerechnet etwas mehr als 100 Millionen Euro. Umgerechnet auf schätzungsweise 120 Millionen japanische Einwohner macht das etwa 118 Yen, bzw. 83 Cent pro Person, unabhängig davon, ob es sich um einen Greis oder um ein neugeborenes Kind handelt.

Das beweist ganz klar: Kleinvieh macht auch Mist. Und leider verteilt sich dieser Kleinmist auf eine derartig große Fläche, dass die Chancen eigentlich gleich Null sind, dass ein einzelnes Individuum auch nur ein Prozent davon finden könnte. Was ich persönlich natürlich schade finde.

Mein großes Glück hatte ich wohl bereits, als ich als Zwölfjähriger einen Hundertmarkschein auf der Straße fand. Ich muss gestehen, dass ich ihn im Laufe der folgenden Monate verfressen habe. Würde ich an einen Gott glauben, hätte ich ihn an jenem Tag im März 1990 für einen Zyniker gehalten, denn das kam so:

Auf dem Weg von meiner Schule zur Bushaltestelle kam ich am örtlichen Buchladen vorbei und traf dort meine Freundin an, die mir eröffnete, dass sie mit mir Schluss machen wolle. Die Pille war natürlich bitter, und weil sie anschließend in Richtung Bushaltestelle ging, machte ich auf dem Absatz kehrt und ging in die entgegengesetzte Richtung, es gab ja noch alternative Routen. Und wie ich dann an der Hausecke ankam, wo ich rechts abbiegen musste, um über den Marktplatz zu gehen, da leuchtete mir eng am Fuße der linken Hausecke dieses markante, rechteckige Blau entgegen. 100 Mark! Die hätte ich nicht gefunden, wenn ich reif genug gewesen wäre, um die soeben vergangene Beziehung zu erhalten. Mitleid oder Zynismus? Wer weiß das schon, ich kann mir da nicht einig werden, und mittlerweile ist es eigentlich egal, nur noch eine Anekdote aus meinem sich hinziehenden Leben.

Mich würde jedenfalls interessieren, ob es auch in Deutschland eine Statistik darüber gibt, wieviel Bargeld als Fundsache bei den Behörden abgegeben wird, und wie hoch man die Dunkelziffer schätzt, denn schließlich wird nicht alles, was gefunden wird, auch abgegeben.

9. Januar 2009

Der letzte Befehl (Bd. 11)

Filed under: Bücher,Japan,Manga/Anime — 42317 @ 19:41

Man hat mir den aktuellen Band von „Battle Angel Alita (eigentlich Gunmu) – Last Order“ von Kishiro Yukito ausgeliehen – dem zu folgen ich wegen der Zeitspanne zwischen den Veröffentlichungen kaum noch in der Lage bin – und ich fand zwei lustige Sachen darin.

In Bezug auf die teuflischsten militärisch nutzbaren Substanzen wird unter anderem auch „Trioxin 245“ genannt, mit dem Hinweis: „Ein Gas, das aus Leichen Zombies macht, wurde 1969 von der US Armee eingesetzt. (c) Dan o’Bannon“ (Kishiro Y., Last Order Bd. 11, S. 158).
Schöne Anspielung auf klassische Zombiefilme. Da ich aber kein Spezialist bin, kann ich die Frage nicht beantworten, ob der Film, den Dan o’Bannon 1985 gedreht hat, „Return of the Living Dead“, auch im Jahre 1969 spielt, oder ob in dem Romero Klassiker von 1968, „Night of the Living Dead“, auch tatsächlich die Rede von Trioxin ist – denn soweit ich weiß, ging es bei Romero um einen abgestürzten Satelliten, der irgendwas „zombifizierendes“ mitgebracht hatte.

Zuletzt ist aber die angefügte Beschreibung eines Infanteriegewehrs sehr amüsant. Das Modell heißt „ZANBER KZ90“, wobei „Zanber“ der auf dem Mars ansässige Hersteller ist.

Ich zitiere ein paar Ausschnitte der Beschreibung (auf den Seiten 196 und 197):

Sicherheitsgriff
„Sicherheit wird garantiert durch doppelte Benutzererkennung, zum einen durch den Check des Benutzer-ID-Chips, zum anderen durch einen Netzhautscan, der durch die Zieloptik durchgeführt wird. Sollte ein anderer als der Besitzer den Abzug betätigen, wird ihm durch eine eingebaute Daumenguilloutine der Daumen abgetrennt.“

Sicherheitskolben (das heißt eigentlich nicht Kolben, sondern Schulterstütze, Anm. d. A.)
„Ist mit dem Benutzererkennungssystem gekoppelt. Wenn die Sicherheitskammer mit einer Gewehrpatrone geladen ist, wird dem Dieb dieser Waffe die Schulter durchschossen, sobald er den Abzug betätigt. Alternativ kann er auch todsicher in die Luft gejagt werden, wenn man die Kammer stattdessen mit elektrisch zündbarem Sprengstoff lädt.
Sofortbesteller erhalten eine Gewehrpatrone gratis!

Das heißt, wenn ich so ein Ding klaue und auch benutze, dann wird mir nicht nur der Daumen abgeschnitten und meine Schulter durchschossen, sondern ich werde u.U. sogar in die Luft gesprengt! Humor durch Übertreibung – es hätte sicherlich gereicht, den Abzugsmechanismus zu blockieren, um ein unbefugtes Abfeuern zu verhindern, aber das wäre ja nicht grotesk lustig.

Laufkühlsystem
„Mit einer Kombination aus Abwärmerohr und Seebeck-Generator wird die Hitze des Laufs effizient in Strom umgewandelt, mit dem der Akku geladen wird.“

Dazu muss man wissen, dass „Seebeck“ der Name des Übersetzers ist.

Variable Tarnlackierung
„Muster und Farbe des Anstrichs verändern sich je nach Wetter, Umgebung oder ihrer Stimmung vielfältig.“

Moodrings mit Knalleffekt für Söldner?

Ein Teufel von einem Feldwebel auf dem Submonitor (entspricht wahrscheinlich dem kurzen jap. Begriff „Onigunsô“, Anm. d. A.)
„In den Submonitor, der alle möglichen Daten anzeigt, lässt sich die virtuelle Figur des Teufels von einem Feldwebel einblenden. Er gibt nicht nur strategische Tipps, sondern beschimpft den Feind auch an Ihrer Stelle („Leck mich an Arsch!“), falls Ihnen die rhetorischen Mittel dazu fehlen. Außerdem tritt Ihnen dieser zuverlässige harte Kerl ebenso in den Hintern, wie er sie anfeuert. Die Figur kann individuell angepasst werden.“

Wo hat Seebeck wohl diesen Begriff her? Ein „Teufel von einem Feldwebel“?
Das passendste Wort, das mir dazu einfällt, ist „Schleifer“… zur Betonung hätte man ihn auch einen „fluchenden“, oder „gnadenlosen Schleifer“ nennen können. Ich sehe keinen Grund, sich bei existenter Idiomatik so eng an den Originalwortlaut (Oni = Teufel, Dämon/Gunsô = Feldwebel) zu halten. Ein „Teufel von einem Feldwebel“ halte ich nicht für einen lebendigen Ausdruck, sowas sagt doch keiner (mehr). Sogar der verwandte „Teufelskerl“ wird alt, das Wort stirbt aus und wird bestenfalls in der Schriftsprache weiterleben.

In den Sonderoptionen für Mitglieder (des Sturmgewehr-Fanclubs?) befinden sich unter anderem
Lebende Zielscheiben
„Gefüllt mit Eingeweiden vermitteln diese Zielscheiben nicht nur ein realistisches Treffergefühl, sondern sind auch noch umweltverträglich, weil sie zu 100 % aus biologisch abbaubarem Material gefertigt sind.“

Ganz richtig erkannt hat der Autor außerdem die Möglichkeit eines Mehrfachmikrofonsystems, das es ermöglicht, durch Peilung des Fluggeräuschs eines Projektils die Richtung zu bestimmen, aus der ein Schuss abgefeuert wurde. Ein solches System gibt es bereits heute, nur ist mir über seine Verbreitung in den Streitkräften nichts bekannt.

Leider sehe ich bei dieser zweiten Gunmu-Serie einen argen Hang zur Verzettelung. Der Leser wird von einem Turnier zum nächsten geschickt, während deren die Handlung nicht wirklich fortschreitet. Stattdessen werden mehr oder minder interessante Arien auf verschiedene Pro- und Antagonisten gesungen, und man verliert nicht zuletzt wegen der niedrigen Veröffentlichungsfrequenz das Hauptanliegen, die Haupthandlung völlig aus den Augen. Ich zum Beispiel kann mich nicht erinnern, um was es hier bei Last Order eigentlich geht.

Normalerweise ist das eine Eigenart von Endlosserien im Shônen Bereich, wo ein paar Auftaktkapitel und grob unterscheidbare Charaktere entworfen werden, und wenn die Plotideen ausgehen, dann fahren wir halt ein Turnier auf, protzen mit den irrsten Kampftechniken, und ziehen die Sache in die Länge, bis uns wieder eine Story für „normale“ Kapitel einfällt (also solche, in denen es nicht ausschließlich ums Kämpfen geht).
In der ursprünglichen Serie gab es ebenfalls Turnierkämpfe und „Sportereignisse“ wie „Motorball“ (?), aber das waren kurze und spannende Episoden, deren Highlights ein paar Seiten füllten – nicht aber eine komplette Ausgabe für ein oder bestenfalls zwei Duelle.

Aber Last Order begeht nicht nur die „Turniersünde“, wie ich es mal nennen will. Kishiro hatte, zumindest über eine Handvoll Bände hinweg, die Marotte, seine Fans dazu aufzufordern, eigene Ideen für Charaktere und Designs einzusenden, von denen er sich welche aussuchte und tatsächlich übernahm. Aber dabei geht es mitnichten nur um Gastauftritte, sondern auch um wichtige Gegenspieler – ein klares Zeichen für die Konzeptlosigkeit des Werks.

Persönlich abgestoßen fühlte ich mich im vorliegenden Band von einem monströsen Gegner mit der Bezeichnung „Anomalie“ („die Libido-Bestie“), dessen Kampfmittel ein nicht minder monströser Penis ist. Das war mir dann doch eine Spur zu vulgär.

Zu guter Letzt muss ich auch festhalten, dass mir das Cover, dass die Heldin Gally (im Westen „Alita“ genannt) zeigt, eine Spur zu lasziv für meinen Geschmack ist:

Abgesehen davon, dass ich ihre „neuen“ Lippen noch nie mochte – warum muss das so sexy sein? Gally war immer ein starker Charakter, ein Cyborg mit einem menschlichen Herzen (im positiven Sinne natürlich), und eigentlich auch ein ziemlich cooles Mädchen – warum muss man sie durch solche Darstellungen auf die sexuelle Ebene schieben? Läuft der Verkauf vielleicht nicht so gut, wie erhofft? Das könnte ich bei dem schleppenden Handlungsfortgang jedenfalls gut verstehen.

30. November 2008

Engel in der Nacht

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 23:55

Wegen einer Mail von einer jungen Frau zum Thema Phonetik, deren „Wer-weiß-was“ Nutzername „Misuko“ ist, war ich kurz nach meiner nächtlichen Rückkehr aus Saarbrücken, bzw. Dillingen, damit beschäftigt, japanische Vornamen im Netz nachzuforschen. Dabei stieß ich auf zwei deutsche Seiten. Ich kann sie nicht nennen, weil ich mich nicht so weit darum gekümmert habe, aber immerhin haben sie mich dazu veranlasst, Kommentare zu schreiben.

Nummer 1 war da noch kurz zu fassen. Der Betreiber hatte den Namen „Nanami“ mit „Sieben Meere“ übersetzt (Tico lässt grüßen), die Silben aber „Na-nami“ getrennt, „na“ für „sieben“ und „Nami“ für „Meer“. Das geht natürlich nicht, also schickte ich ihm eine kurze Stellungnahme, für die er sich am Folgetag auch bedankte. Garantiert nicht bedankt hat sich „Tenshi“, die Betreiberin der zweiten gefundenen Seite. Ihr angegebener Japanbezug: Sie war als Kind mal dort gewesen und hatte (vorübergehend?) ein japanische Kindermädchen gehabt, aber ein wissenschaftlicher Bezug war nicht gegeben.

Das merkte man deutlich. Auch dort waren ein paar Patzer bei den Namen – die Bedeutung des Namens „Ami“ zum Beispiel gab sie mit „Freund“ an und verwechselte das Wort offensichtlich mit dem französischen Begriff. Okay, mir will es auch nicht mehr ohne größeren Konzentrationsaufwand gelingen, einen französischen Satz zu beginnen, ohne ihn japanisch zu beenden, dafür habe ich Verständnis. Aber für einen offensichtlichen Laien hatte sie neben Namenskunde auch noch eine beachtliche Reihe anderer Themen, darunter auch „Schule in Japan“. Da musste ich einfach reinschauen, ich hatte die Klickmotivation gar nicht mehr unter Kontrolle…

Was da für ein Mist drin steht.. ich will gar nicht mehr dran denken und hoffe, dass ich den Trieb unterdrücken kann, ihre Seite nach weiteren starken Stücken zu durchforsten und in der Luft zu zerreißen.

Tut mir leid, aber so viel Einseitigkeit treibt mir das Wasser in die Augen. Ich weiß ja nicht, wo ihre Informationen herkommen, aber ich erinnere mich an den Kommentar eines Bekannten aus Florida, der sich mal über Leute lustig machte, die eine Woche Urlaub in New York oder LA gemacht haben und dann der Meinung sind, sie würden die USA kennen…

Ich streite nicht ab, dass es extreme Formen der Schülerkontrolle gibt, aber sie sind nicht so allgemein verbreitet, wie man das glauben könnte, wenn man Tenshis Artikel liest. Ich habe in einer japanischen Kleinstadt gewohnt und mich währenddessen umgesehen und unter anderem mit einigen Schülern unterhalten.

– Die Tore werden nicht mit dem letzten Glockenschlag geschlossen.
– Die Schüler tragen keinen Registrierchip bei sich, der jeden, der das Tor nicht passiert, sofort als Schulschwänzer entlarvt.
– Die meisten Schüler, vor allem Mädchen, äußerten die Meinung, dass Schule Spaß macht.
– Niemand, den nicht irgendwelche Umstände dazu zwingen, geht früher als notwendig zur Schule, ich wüsste jedenfalls nichts davon, dass die Schüler brav eine halbe Stunde vorher kommen.
– Anders als in Deutschland betrachten japanische Schüler den Lehrer nicht als eine Art Feindbild. Ich habe auf Schulveranstaltungen erlebt, dass vorführende Lehrer lautstark von ihren Schülern angefeuert wurden.
– Die meisten Eltern lassen Ihre Kinder den Beruf ergreifen, den die Kinder erlernen möchten und zwingen sie nicht, auf Eliteunis zu gehen.
– „Ganztagsschule“ heißt in Japan, dass man den Nachmittag mit Freunden in den Clubs verbringt, wo man Sport treibt, Musik macht, bastelt, Theater spielt, oder zusammen Geschichten schreibt.
– Clubteilnahme ist nicht zwingend
– Hikikomori sind nur EINE Form des Schulschwänzers, weil das Phänomen in allen Altersgruppoen auftreten kann. Ich würde das eher mit „Realitätsflüchter“ übersetzen.
– Wenn das japanische Schulsystem so fantasiefeindlich ist, wie erklärt sie sich dann die Tatsache, dass in Japan – ganz abgesehen von der unüberschaubaren Zahl an Manga-Veröffentlichungen – mehr einheimische Literatur (nicht nur Sachbücher, sondern auch Fiction) in den Regalen der Bücherläden steht, als man das von Deutschland sagen kann?

Wenn ich japanischen Schülern (und Studenten) erzähle, was für eine Meinung der gewöhnliche Deutsche von japanischen Schulen hat, lachen die mich aus. Von daher würde ich jedem raten, die ihm über dieses Land zur Verfügung stehenden Informationen anhand sozialwissenschaftlicher Studien kritisch zu prüfen und nicht einfach aus der Presse abzuschreiben.

Je weiter ein Völkchen weg lebt, desto mehr Unsinn kann man den Leuten darüber erzählen.
Genau wie von den Eskimos. Die haben ja angeblich 300 Wörter für Schnee.

27. Oktober 2008

Was man aus Japan so liest (1)

Filed under: Japan — 42317 @ 11:09

Japanerin nach „Mord“ an virtuellem Ehemann festgenommen

Tokio – In Japan hat eine Frau im Cyberspace ihren virtuellen Ehemann eiskalt ausgelöscht – und wurde nun wegen Diebstahls seiner Zugangsdaten verhaftet.

Wie die japanische Tageszeitung Yomiuri Shimbun am Samstag auf ihrer Internetseite berichtete, hatte sich die 43-jährige aus der südjapanischen Provinz Miyazaki illegal die Daten eines Angestellten aus dem nördlichen Sapporo für das Onlinespiel Maple Story verschafft.

Bei dem virtuellen Rollen-Spiel gehen Onlinecharaktere „soziale Beziehungen“ miteinander ein und kämpfen gegen virtuelle Gegner. Die Frau hatte ihren Partner „geheiratet“, doch dieser ließ sich wieder „scheiden“. Daraufhin nutzte sie die Zugangsdaten des Mannes und löschte seine Onlineexistenz aus. Wie die Frau an die Daten gelangte und welche mögliche Strafe ihr droht, ist nicht bekannt.

Dieser Artikel stammt aus der Onlineausgabe der Rhein-Zeitung (27. Oktober 2008).
Er ist irgendwie lustig, aber die Überschrift ist für’n Arsch.

29. September 2008

Ins Leere gestürmt

Filed under: Filme,Japan — 42317 @ 15:31

„Sakigake! Otoko-juku!“ habe ich mir angesehen, und zwar den Realfilm von 2008. Das Wort „Sakigake“ interpretiere ich als Verb in imperativer Form, und in Deutschland würde man in einem angemessenen militärischen Jargon wohl sagen „Sprung, auf, marsch-marsch!“, was bedeutet, dass man aufgefordert wird, nach vorne zu stürmen. Interpretiert man „Sakigake“ als Nomen, so ist das wohl derjenige, der eben jenes tut, nämlich als erster noch vorne zu stürmen. „Vorhut“ wäre dabei eine sehr zahme Übersetzung, und „Stürmer“ klingt ein bisschen zu sehr nach sportlichem Wettkampf.
„Otoko-juku“ sagt aus, dass es sich um eine Bildungsanstalt für Jungs handelt.

Es lohnt sich kaum, über die Handlung des Films zu sprechen, weil man sie ziemlich vergeblich zwischen den Zweikämpfen und übersteigert-maskulinen Sprüchen sucht. Aus dem Film kann man ersehen, dass es sich um eine Schule handelt, wo man den Schülern mit den Vorkriegsmethoden der japanischen Armee Disziplin beizubringen versucht, das heißt mit Gewalt und Folter. Es ist bezeichnend, dass einer der Ausbilder eine japanische Dschungeluniform und der andere eine deutsche Reichswehruniform mitsamt Stahlhelm und Säbel trägt.
Grob gesagt, geht es darum, wie verschiedene Typen von neuen Schülern sich zu einem loyalen Haufen zusammenfinden, die sich bis in den Tod treu bleiben.

Das klingt nach einem ernsten Gewalt- und Psychodrama?
Ist aber eine Komödie. Zumindest steht das in der Genrebezeichnung.

Angefangen hat die Sache 1985 mit einem Manga – wen wundert es – und der lief bis 1991. Anno 1988 wurde eine Animeserie mit der ungewöhnlichen Episodenzahl von 34 aufgenommen, und mittendrin wurde eine Movie-Version produziert. Dann geschah 20 Jahre lang nichts, und 2008 hatte jemand die nicht so glänzende Idee, ein live-action Remake zu machen. Ich habe keine Ahnung, inwiefern sich dieser Realfilm möglicherweise an den Animefilm von ’88 hält, und welche Dinge der alte Film bereits an der Serie, von der ich mir nicht sonderlich viel erwarten würde, verbrochen hat. Es scheint jedenfalls so, als sei der aktuelle Film eine Art Kurzfassung der 34 Episoden langen Serie, wobei man die Zusammenfassung auf die wichtigsten Dialoge und ein paar bedeutende Kampfszenen beschränkt hat, die so viel auslassen, dass die ganze Sache zur Farce wird.

Die Schule ist ein völlig widersprüchlicher Ort. Zuerst wird ein Protagonist aus gutem Hause eingeführt, dessen Mutter von ihm verlangt, dass er der Schule beitritt, um ein echter Mann zu werden (und nicht so zu enden wie sein Vater, was nicht weiter ausgeführt wird). Die Mutter weist darauf hin, dass diese Schule seit der Edozeit zahllose Helden und danach führende Persönlichkeiten der Regierung hervorgebracht habe. Man fragt sich, wie das sein kann, nachdem man einen Blick auf die dort versammelten Personen geworfen hat. Es ist übrigens kein ungewöhnliches Stilmittel, dass ein an sich anständiger Schüler an einer Schule mit potentiell üblen Gesellen landet, um in diesem Spannungsfeld Humor zu generieren. In „Sakigake! Cromartie Kôkô“ („Kôkô“ = „Highschool“) wurde dieses Genre verdientermaßen und in übrigens sehr unterhaltsamer Form durch den Kakao gezogen.

Die „Otoko-juku“ präsentiert sich, wie in den Beschreibungen des Anime nachzulesen, eher als Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter (Otoko-juku oder Knast?) denn als Eliteschmiede für künftige Minister (es sei denn, man wolle hierunter eine sarkastische Anspielung auf das verborgene Naturell japanischer Politiker verstehen), und zwar solche von niederster Vorbildung. Zum einen wird vorgeführt, dass die höchste Tugend die Disziplin ist, und für Vergehen an dieser Tugend wird man mit Faustschlägen und Folter bestraft. Die mangelnde Fähigkeit des durchschnittlichen Schülers, ohne Zuhilfenahme seiner Finger im Bereich des grundlegenden Einmaleins zu rechnen, wird jedoch nicht geahndet oder überhaupt kommentiert.

Bei der „Einweisung“ der Neuankömmlinge durch die Schüler des zweiten Jahrgangs geht es nicht weniger gewalttätig zu, wie man nicht anders erwarten kann, und es werden durch den Wortführer der älteren Gruppe drei Regeln vorgestellt:
1. Disziplin
2. Loyalität
3. Mut
Und was man von der vollmundigen Vorführung zu halten hat, wird deutlich, wenn der Maulheld angesichts eines stärkeren Gegners das Hasenpanier ergreift und seine „Untergebenen“ nach vorne schickt. Regel Nummer Drei wird also sofort von einer Vorbildsperson (einem Senpai) gebrochen, zusammen mit Regel Nummer Zwei, da er ihnen nicht beisteht, sondern sich aus der direkten Gefahrenzone zurückzieht. Wenn man einen Schritt weiter denkt, bemerkt man, dass der Senpai auch die Regel Nummer Eins bricht, indem er zulässt, dass auf Grund seiner Provokationen ein Kampf zwischen den Neuzugängen und dem älteren Jahrgang ausbricht. Da wird einem vorm Fernseher gleich der Mittelfinger lang.

Im Rahmen meines geschichtlichen Wissens bekommt man hier zum einen alte Foltermethoden vorgeführt, und zum anderen das Ausbildungsgehabe einer Militärakademie bis 1945.

Ersteres äußert sich zum Beispiel im Ölbad, überliefert aus feudalen Zeiten, in dem jemand sitzen bleiben musste, bis eine Kerze, die in einem hölzernen Boot mit in der Wanne schwamm, heruntergebrannt war – oder so lange, bis er dem Kerkermeister gesagt hatte, was dieser hören wollte. Nicht nur, dass es körperlich unmöglich ist, in einem Ölbad zu sitzen, das mittels eines Feuers unter dem Topf langsam und allmählich zu kochen beginnt, nein, die Kerze in dem Boot zwingt den Betroffenen auch noch dazu, still zu halten, denn wenn er sich zu sehr bewegt, kentert das Boot und die Kerze setzt das Öl in Brand.

Letzteres, die „Bildungsmethoden“, halte ich für eine realistische Darstellung des täglichen Lebens auf einer alten Imperialen Militärakademie und auch in der Grundausbildung. Da wird Disziplin mit Gewalt eingetrichtert, denn nur mit Disziplin erreicht man im Leben was. Diese Aussage für sich allein ist schon richtig, aber ich muss an die Schilderungen ehemaliger japanischer Soldaten denken, die von den Unteroffizieren grün und blau geschlagen wurden, mit den Worten: „Ich schlage Sie nicht, weil ich Sie hasse. Ich schlage Sie, weil ich Sie wie einen Sohn liebe!“ Das wird zwar in diesem Film nicht gesagt, aber es wird so gemeint, und nur, wenn ich das Geschichtsbewusstsein eines japanischen Jugendlichen hätte, würde mir dabei nicht der Spaß vergehen. Die deutsche Produktion „Obersalzberg“ basiert schon auf einem sehr wagemutigen Humorexperiment, das aber funktioniert, und wohlgemerkt nur dann funktioniert, wenn man die Handlungen der dargestellten Charaktere in einen historischen Rahmen einordnen kann. Würde man in Deutschland etwas wie „Sakigake!“ herstellen wollen, müsste man jugendliche Straftäter in einem Camp darstellen, dass sich der Ausbildungsmethoden der SS bedient, ohne durch die Verulkung führender Persönlichkeiten der Zeit darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Parodie und nicht um Geschichtsverklärung handelt – und nichts anderes ist „Sakigake!“ Ich würde aber zu sagen wagen, dass sie nicht mit einer revisionistischen Absicht vorgenommen wird, sondern eben jenem Mangel an Geschichtsbewusstsein entspringt.

In diesem Film wirkt fast alles unglaubwürdig, und ich führe das auf die zumindest vermutete Komprimierung der Handlung zurück. Die Charaktere werden so schnell eingeführt, dass man kaum eine Chance hat, sie irgendwie voneinander zu unterscheiden oder gar Sympathien für sie zu entwickeln, und die immerhin vorhandene Charakterentwicklung des Weicheis Hidemaru zum opferbereiten Mitglied der Gruppe läuft so schnell, dass man ihr nicht wirklich folgen kann, als hätte man die Kernszenen aus „Macbeth“ mit einer Webcam aufgenommen, die nur alle paar Sekunden ein Bild aufnimmt.
Toramaru zum Beispiel wird gleich zu Beginn von einer gut aussehenden Frau angefahren, und weil sie so umwerfend ausieht, entschuldigt er sich dafür, ihr im Weg gestanden zu haben. Auf einem Waldweg. Togashi andererseits wird von einem Mädchen aufgefordert, mit ihr auszugehen und muss feststellen, dass es sich um eine Mutprobe, um eine „Aufnahmeprüfung“ für irgendeine Clique handelt, wobei das Mädchen nicht den Eindruck macht, als habe sie andere Gründe als Gruppenzwang (also von der Sorte, die ihr Tun anschließend ernsthaft bedauern). In beiden Fällen denkt sich der Zuschauer, dass diese Nebenpersonen an irgendeiner Stelle noch einmal auftauchen würden, um der Vertiefung des jeweiligen Charakters zu dienen. Aber wie heißt mein Lieblingsnachtisch? Pustekuchen!

Muss ich extra betonen, dass es völlige Zeitverschwendung ist, sich diesen Film anzuschauen?
Dass sich darin ein in Actionfankreisen berühmtes Duo als Widersacher gegenübersteht – Sakaguchi Tak und Sakaki Hideo, die mit „Versus“ einen viel besseren Film hingelegt haben – macht die Sache nicht besser. Leider. Dabei ist es nicht schwer, die beiden wegen ihrer Ausstrahlung zu mögen. Einzig positiv auffällig ist der Charakter Togashi, der aussieht wie ein junger Charles Bronson, weil er so aussieht, inklusive Frisur und Schnurrbart.

15. Juni 2008

Pani Poni Dash!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 21:21

„Pani Poni Dash“ ist eine irre Show für Spezialisten. Für hardcore Animefans. Für Filmfreaks. Die Serie beinhaltet eine unglaubliche Anzahl von Anspielungen, für deren Verständnis man viel gesehen haben muss, und jedes Mal, wenn man sich eine Episode anschaut, entdeckt man etwas Neues. Das fängt schon mit der Klassifizierung der Charaktere in RPG Begriffen und dem ständig wechselnden Tafelbild an…

Die zentrale Figur der Serie ist Rebecca Miyamoto. Sie ist ein Wunderkind und hat im Alter von 11 Jahren einen Abschluss am MIT gemacht – um Oberschullehrerin in Japan zu werden. Da sie ein auffälliges Exemplar der Gattung Mensch ist, beschließt eine Forschungsgruppe von Außerirdischen, sie genauer unter die Lupe zu nehmen und beobachtet ihre Aktivitäten von einer geostationären Umlaufbahn aus.

Als erstes muss Becky die Schule finden, wo sie arbeiten soll, dann muss sie mit ihren Schülern klarkommen – den sechs oder sieben, die Namen haben, heißt das. Alle anderen werden schlicht „Nokori-sama“ genannt – „die Übrigen“.

Die Serie lebt von den verrückten Charakteren um Rebecca, die von ihren Schülerinnen Becky genannt wird, von dem Slapstick, den Anspielungen, den Parodien auf alles und jeden, den abgefahrenen Plots, und der Frage, ob das, was man da sieht, wirklich passiert. Außerdem hat die Serie eine Sprecherbesetzung, die in etwa die creme de la creme der Gegenwart darstellt, da sind Yukino Satsuki, Orikasa Fumiko, Higuchi Chieko und Horie Yui, und das sind nur die, die auffallen, wenn man sich nur oberflächlich mit Seiyû auseinandersetzt.

Wer „Azumanga Daioh“ für die Interaktionen der mindestens ebenso überdrehten Charaktere mochte, wird auch diese Serie mögen. Bedingungslos, bis in den Tod. *lol* Die fast unüberschaubare Ansammlung von Anspielungen auf andere Serien ist das, was „Pani Poni Dash“ der Konkurrenz voraus?hat. Um nur die im Westen bekanntesten davon zu nennen:

Angelic Layer, Azumanga Daioh, Cutey Honey, Devilman, DragonBall, Final Fantasy, Fist of the Northstar, Friday the 13th, Full Metal Jacket, Gunbuster, Gundam, Indiana Jones, James Bond, Kamichû, Lord of the Rings, Lupin III., Macross 7, Mahô tsukai-tai, Metal Gear Solid, Ninja Scroll, Planet of the Apes, Ranma, SailorMoon, Sexy Commando Gaiden…

Der Soundtrack kommt sehr gut in den Ohren an, stilistisch gestreut, ist für jeden, der dem großzügig formulierten Genre „Anime Musik“ zugetan ist, etwas dabei, meines Erachtens handelt es sich um einen der besten Comedy Soundtracks der letzten Jahre, möglicherweise muss man die „Project A-Ko“ Image-Alben aus der Mottenkiste kramen, um ähnlich unterhaltsame Texte zu bekommen.

Sehr zufrieden stellend ist in diesem Zusammenhang, dass alle Songs von dem originalen Seiyû gesungen werden, ohne „Fremdbeitrag“ einer von außen kommenden Band, von denen ein Stück für die Serie herausgesucht wurde. Nein, alle Sängerinnen sind auch als Sprecherinnen im Anime zu hören.

Minami-ke

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 20:54

„Minami-ke“ („Die Familie Minami“) ist ein reiner Slice-of-Life Anime über das mehr oder weniger alltägliche Leben der Minami-Schwestern Haruka (17), Kana (14) und Chiaki (11). Die Serie verfolgt keinerlei durchgehende Geschichte, und von ein paar kleinen Anspielungen und den eingeführten Charakteren abgesehen, kann man sie auch in beliebiger Reihenfolge ansehen, deshalb “reiner Slice-of-Life Anime”. Was man wissen muss, ist, dass die drei Schwestern aus einem ungenannten Grund ohne ihre Eltern in einem Apartment wohnen, und dass die älteste Schwester die Rolle der Mutter für die jüngeren beiden übernimmt. Der einzige ältere Verwandte ist Takeru, ein Cousin der Mädchen, den sie aber nichtsdestotrotz “Onkel” (“Oji-san”) nennen.

Die drei Schwestern sind archetypische Charaktere, also Haruka ist die wohlwollende und warmherzige ältere Schwester, Kana das hyperaktive Spatzenhirn, und Chiaki ist die intelligente und introvertierte Realistin, deren humoristische Momente auf ihrem Mangel an Lebenserfahrung beruhen. Weitere Charaktere sind zum Beispiel besagter Takeru, ständig ohne Freundin aber mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt, und eine Reihe von hauptsächlich weiblichen Freunden der Schwestern.

Man kann – muss – ganz eindeutig feststellen, dass die Serie sehr “moe” ist. Da ist eine Reihe niedlicher Mädchen, es gibt Entkleidungsszenen und ausgelebten Unsinn, aber man bekommt nichts Explizites zu sehen, es hält sich alles in einem Rahmen, der die Serie uneingeschränkt für Jugendliche geeignet macht. Hinzu kommt ein sehr gutes Charakterdesign, sehr schönes Artwork und überzeugende SynchronsprecherInnen, dann weiß jeder, von was für einer Art lockerer Unterhaltung wir sprechen.

Die komödischen Elemente sind in erster Linie Slapstick und Humor durch Übertreibung, und auch der gegebene Grad an “häuslicher Gewalt” (vergleiche “Crayon Shin-chan”), wenn Kana zum Beispiel unerlaubt Chiakis Kuchen isst, senkt den Spaßlevel in keiner Weise. Viel Humor kommt allerdings auch aus Parodien auf japanische Fernsehnachrichten und Fernsehdramen, in denen jedes Klischee durch den Kakao gezogen wird.

Sehr auffällig bleibt ein Element von Beginn bis Ende: Geschlechterrollen.
Chiaki hat einen Klassenkameraden namens Makoto, der dazu neigt, aus Ungeschicklichkeit Fehler zu machen und deshalb von Chiaki vom gemeinsamen Hausaufgabenmachen mit Freunden im Minami Haushalt verbannt wird. Makoto allerdings himmelt Haruka an und ist begierig, in die Runde zurückzukehren, also eröffnet Kana ihm den Plan, dass er sich als Mädchen verkleiden soll, und stellt ihn/sie als ihre jüngere Mitschülerin Mako-chan vor. Verwicklungen unterschiedlichster Art und Druck von Kana zwingen ihn, das Doppelleben aufrecht zu erhalten, das heißt, in der Schule ist er Makoto und bei den Minami-Schwestern ist er Mako-chan.

Und dann gibt es da noch Tôma. Tôma ist ein Mädchen, aber auf Grund der Tatsache, dass sie mit drei älteren Brüdern zusammenlebt (das heißt, sie hat kein weibliches Vorbild), ist sie in der Tat einer der klarsten Fälle von Tomboy, die man jemals sehen wird. Sie lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass sie ein Mädchen ist, bis Chiaki sich aus irgendeinem Grund dazu entschließt, die ein paar Monate ältere Tôma zu ihrem jüngeren Bruder zu erklären. Daher, wann immer sie die Minamis besucht, schlüpft Tôma in die Rolle eines Jungen.

Natürlich generiert dieser Widerspruch einen eigenen Humor, wo auch sonst als in Strand-, Onsen- und Schwimmbadepisoden, da Mako-chan ihre wahre Identität vor Chiaki und Haruka geheim hält, während Tôma, warum auch immer, ihr wahres Geschlecht vor Kanas Klassenkameraden Fujioka versteckt (der sich in Kana verliebt hat). Es macht Spaß, diese Konflikte zu beobachten und wie sich das Verhalten und die Sprache der Betroffenen ändert, wenn sie in die jeweils andere Rolle schlüpfen. Interessant ist dabei, zu bemerken, dass Tôma eine tiefere Stimme hat als Makoto (die Sprecherinnen sind beide weiblich).

Es gibt eine zweite Staffel zur Serie, die sich “Okawari” nennt, also “Nachschlag”, wie man beim Essen so schön sagt. Leider hat die zweite Staffel nichts Neues zu bieten, außer einem bebrillten neuen Klassenkameraden von Chiaki. Vielleicht wollten die Produzenten das geschlechtliche Ungleichgewicht beheben, oder aber jemand war der Meinung, dass man etwas brauchte, was an ein romantisches Element heran kommt?

Auf den zweiten Blick muss man vielleicht doch sagen, dass es eine ganze Menge neuer Dinge in “Okawari” gibt – aber sie sind dem Publikum nur schwer oder gar unmöglich zu erklären. Es scheint, als habe man die Charaktere in der Show gelassen und alles andere ausgetauscht – die Schulen, die die Schwestern besuchen, sehen völlig anders aus, denn während zum Beispiel Harukas Schule in der ersten Staffel ein Standardgebäude war, nach dessen Muster eine Menge Schulen in Japan gebaut sind, erscheint sie in der zweiten Staffel optisch wie eine Eliteanstalt mit toppmoderner Architektur.

Das Haus, in dem die Mädchen wohnen, sieht ganz anders aus, so war in der ersten Staffel die Treppe/der Fahrstuhl rechts von der Apartmenttür, und neuerdings befindet sich das Apartment ganz rechts im Stockwerk, mit der Treppe zur Linken.
Das Innere des Apartments hat sich völlig verändert – anfangs war die Küchenzeile vom Esszimmer mit einem Plastikvorhang abgetrennt, jetzt gibt es eine relativ große Küche mit einem Esstisch darin. In der ersten Staffel hatte jede der Schwestern ihr eigenes Zimmer, und in der zweiten Staffel müssen sich Chiaki und Kana ein Zimmer teilen, und natürlich sind die Möbel darin inzwischen ganz andere. Diese Unbeständigkeit ist leider sehr bedauerlich.

“Okawari” hat sehr schöne und auch sehr lustige Momente, aber insgesamt kommt die zweite Staffel nicht mehr an die Qualität des Originals heran, was nicht zuletzt daran liegt, dass hier versucht wurde, mit einem Plus an Fanservice noch zu punkten. Es ist auch nicht notwendig, “Okawari” zu sehen, denn auch hier bleibt es beim Slice-of-Life ohne Storyline und ohne echten Klimax, und alles, was man verpasst, ist ein Nachschlag hübscher Mädchen für jeden Geschmack.

Übersehen wir nicht die dritte Staffel: „Okaeri“. Das bedeutet etwa „Willkommen zuhaus“. Auch hier sind die Umgebungselemente anders als in Staffel 1, halten sich aber weitgehend an die Umstände in „Okawari“. Positiv ist zu bemerken, dass man mit dem Humor „back to the roots“ gegangen ist, das heißt, der Fanservice wurde wieder zurückgefahren, während man sich auf die Gagelemente der ersten Staffel besonnen hat.

Wie bereits gesagt, hat mir die Arbeit der SynchronsprecherInnen ganz hervorragend gefallen, und ich habe die Serie überhaupt nur angesehen, weil Inoue Marina eine Hauptrolle – als Kana – hat. Sie trägt damit maßgeblich zu meinem Vergnügen und Gefallen an der Serie bei, obwohl ich sagen muss, dass Higuchi Chieko (Tomo in “Azumanga Daiô”) noch einen Tick besser gewesen wäre.
Eine weitere gute Besetzung ist Chihara Minori als Chiaki. Nachdem sie in “Suzumiya Haruhi” die Rolle der stillen Nagato Yuki hatte, zeigt sie in “Minami-ke” viel Talent für die Stimme der selbstbewussten und oft emotionalen jüngsten Schwester.

Yami to Bôshi to Hon no Tabibito

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 13:44

Schon wieder so ein schwerer Fall von Anime, wenn man ihn denn beschreiben will. Denn „Yamibô“, wie der japanische Fan die Serie abkürzt, hat schon mal kein festes Setting, es sei denn, man will „Multidimensionale Abenteuer“ ein Setting nennen, wo man doch schon nur unter wohlwollenden Bedingungen von einem Genre sprechen kann.

Dabei fängt die Sache ganz „normal mysteriös“ an. Die Oberschülerinnen Hazuki und Hatsumi leben im selben Haushalt, und während ihr gemeinsamer Familienname eine geschwisterliche Beziehung suggeriert, bleiben dennoch die Yuri-Elemente ihres Verhältnisses sehr vordergründig. Hazuki fällt dabei die Rolle des Tomboys zu, resolut, aber auch sensibel, während Hatsumi offenbar stumm und ein sehr zurückhaltendes Mädchen ist, das zu Beginn der Serie am Vorabend ihres sechzehnten Geburtstags steht. Während der Nacht verschwindet sie auf geradezu magische Art und Weise, und Hazuki macht sich auf die Suche nach ihr, wobei der Weg durch verschiedenste Dimensionen führt, in denen Hatsumi immer eine bedeutende Rolle zu spielen scheint, und das unter verschiedenen Namen.

Die grafische Erscheinung von „Yamibô“ (von Carnelian) ist sehr ansprechend, was sich in erster Linie an den Charakterdesigns bemerkbar macht, obwohl diese in einzelnen Fällen vielleicht einen Tick zu weit ins Erotische rutschen (ohne jedoch in irgendeiner Weise explizit zu werden, „FSK 16“ wäre eigentlich schon vorauseilender Gehorsam) – die Serie ist nicht umsonst im japanischen Nachtprogramm gelaufen, ich müsste jetzt mein Japantagebuch zu Rate ziehen, um die genaue Uhrzeit nachzuvollziehen, aber ich glaube, die Sendezeit lag so zwischen 23 Uhr und Mitternacht. Aber auch ohne die sanfte Erotik, die sich in erster Linie in der Kleidung weniger Charaktere niederschlägt, bekommt man erstklassige Grafik und Animationsqualität.

Die wechselnden Settings der Geschichte sorgen an sich bereits für Spannung, denn man weiß nie, was man als nächstes geboten bekommt, sei es ein Agentenabenteuer in einem fahrenden Zug (Agatha Christie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen), ein Opferkult vorzeitlicher Menschen, ein fantastisch angehauchtes, frühmodernes Japan oder ein klassischer (japanischer) Gebäudekomplex zwischen allen Dimensionen. Es wird nie langweilig, und intelligente „story twists“ und die Charaktere tragen ebenfalls viel zur Stimmung bei.

Die Leistung der SynchronsprecherInnen hält sich ebenfalls auf einem hohen Niveau, und ich muss mich eigentlich wundern, dass ich lediglich zwei mir auf Anhieb bekannte Namen (Inoue Kikuko und Paku Romi) in der Liste finde, und das in Nebenrollen. Dennoch: Hut ab. Sehr stimmig und passend, da hat man sich im Studio Mühe gegeben.

Nur der Soundtrack steht im Schnitt etwas zurück – was nicht heißen soll, dass er schlecht wäre, nein, ganz und gar nicht. Der Soundtrack ist sehr schön, Opening und Ending können ebenso gefallen wie auch der Hintergrundsoundtrack sich hervorragend in die Bilder einfügt, aber es ist nichts dabei, von was ich persönlich sagen müsste: „Das will ich unbedingt haben!“

Mir „Yamibô“ anzusehen entsprang dem Gedanken, mir ein Bild von existierenden kurzen Serien zu machen, also im Rahmen von bis zu 13 abgeschlossenen Episoden. Für einen kurzweiligen Nachmittag kann ich diese Serie allen empfehlen, die japanischen Animationsfilmen etwas abgewinnen können, ich bin sicher, es wird keine Zeitverschwendung sein.

10. Juni 2008

Baccano!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 17:42

Es ist schon eine Herausforderung, etwas über Baccano!“ zu sagen, aber wenn ich die Serie für das kommende Programm des ACT vorschlagen will, dann muss ich gemäß meiner selbst gesetzten Regeln etwas sinnvolles darüber zu Papier bringen (im übertragenden Sinne, da diese Zeilen vermutlich nie auf Papier landen werden).

Angesetzt in den USA der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts findet man eine Ansammlung von Charakteren, die alle mehr oder minder mit der Mafia zusammenhängen, deren verschiedene Familien in blutige Fehden um Macht und Überleben verstrickt sind, aber es geht nicht um illegale Whiskeybars oder Al Capone, obwohl Mafiaterrorismus durchaus eine Rolle spielt. Denn es gibt da eine heterogene Gruppe von Unsterblichen mit Regenerationsfähigkeiten, die ganze Clans von Highlandern beschämen würden, erschaffen von einer dämonischen Präsenz, die nur einem von ihnen das Rezept für das Elixir verraten hat. Aber die Jagd verschiedener Leute nach diesem Wissen ist nur ein Teil des Ganzen.

„Baccano!“ anzusehen, kann den Zuschauer in große Verwirrung stürzen, denn die Geschichte entfaltet sich wie eine Trilogie, und davon alle Bücher zur gleichen Zeit. Man muss Storyelemente aus den Jahren 1930, 1931 und 1932 im Auge behalten, die in nicht-chronologischer Reihenfolge szenenweise dargeboten werden. Das wiederum macht es am Ende jedoch um so interessanter, zu sehen, wie die einzelnen Fäden zusammengefügt werden, um ein Ganzes zu ergeben, aber bis dahin erlebt man wirklich irre Erzählweise, die schon mit der Einführung in die Geschichte durch Charaktere beginnt, die keine Rolle in dem Erzählten spielen.

Ich fand die Charaktere sehr interessant, möglicherweise aus dem Grund, dass es sich bei fast allen um hochgradig erfahrene Kämpfer und Killer handelt, und die Darstellung ihres Könnens hält geradezu grotesk brutale Szenen bereit, ohne jedoch geschmacklos und gewaltverherrlichend zu wirken. Mit Ausnahme von Miria und Isaac, einem Paar geistig minderbemittelter, aber wohlmeinender Räuber mit einer Menge Glück zu ihren Diensten, gibt es kaum einen Charakter, der wirklich sympathisch wäre (über Ennis könnte man reden…), was an sich ein fetter Minuspunkt ist… was an sich ein fetter Minuspunkt wäre, wenn die Ansammlung von mehr oder minder unsympathischen Gesellen nicht auch dicke Boni auf „Coolness“ hätten. Es handelt sich um eine „garstige“ Art von Coolness, aber dennoch… ich meine zum Beispiel, sobald man den so genannten „Rail Tracer“ mit seinem verzerrten Sinn für Gerechtigkeit zu mögen beginnt, tut er etwas… abartiges. Von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, kann man auch an den abgefahrensten Vertretern dieser Leute doch noch eine menschliche Seite erkennen.

Die Animationsqualität ist sehr gut, dasselbe lässt sich über die Choreografie von Kämpfen sagen, sehr spannend und ein Genuss für Actionfans, mit regelmäßigen Cliffhangern, wenn die Story von einer Handlungsebene zur nächsten wechselt.

Der Hintergrundsoundtrack bleibt seinem Namen treu und bleibt im Hintergrund. In diesem Falle ist das ein echter Bonus, und zwar nicht, weil die Musik schlecht wäre, sondern ganz im Gegenteil, weil die Musik sehr schön zur Zeit und zur Stimmung der Szenen passt und die Serie so ganz hervorragend untermalt. Wenn man den Soundtrack für sich allein anhört, wird man schnell zu dem Urteil kommen, dass er eigentlich nur was ist für Freunde von Fahrstuhl- und Smooth Jazz Lounge Music.

Um zu meinem Lieblingsthema zu kommen, kann ich der Synchro ein großes Lob aussprechen, und das, obwohl man keine großen Namen in der Sprecherliste findet, mit Ausnahme von Yamaguchi Kappei (Inuyasha) in einer kleinen Nebenrolle als irrer Foltermeister der Mafia mit einer Vorliebe für Scheren.

„Baccano!“ lädt ganz eindeutig dazu ein, mehrfach angesehen zu werden, um den Zusammenhang der Handlungsfäden neu zu überdenken, sofern man nicht von dem hohen Grad an Gewalt abgeschreckt wird, mit einer Unzahl von Schusslöchern, Messerschnitten, spritzendem Blut, platzenden Köpfen und abgetrennter Gliedmaßen. Es mag schwierig sein, nach einem Mal ansehen die Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinander zu verstehen, und es gibt eine Menge Charaktere. Offenbar genügend, um die Produzenten dazu zu verleiten, die Namen in jedem Intro laufen zu lassen.

Amüsant dabei wirkt, dass es sich um eine Liste von Namen handelt, die der Schöpfer für italienische, deutsche und amerikanische Namen hielt:

„Isaac Dian“,
„Miria Harvent“,
„Firo Prochainezo“,
„Maiza Avaro“,
„Keith, Berga and Luck Gandor“,
„Szilard Quates“,
„Ennis“,
„Lua Klein“,
„Ladd Russo“,
„Chane Laforet“
„Nice Holystone“ (pronounced like „niece“),
„Jacuzzi Splot“,
„Eve and Dallas Genoard“,
„Czeslaw Meyer“.

Einige davon mögen realistisch sein, die meisten sind es, denke ich, nicht. Aber ich glaube, wenn nicht alle Namen so schön lesbar in westlicher Schrift im Intro auftauchen würden, dann hätten die Leute, die die Untertitel zur Verfügung gestellt haben, ein paar echt harte Nüsse zu knacken gehabt.

4. April 2008

Massugu GO!

Filed under: Japan,Manga/Anime — 42317 @ 22:14

Mika kommt zu spät zum Schwimmwettbewerb ihrer Oberschule und trifft auf dem Weg auf Manami, genannt Manabi, die sie auf ihrem Schweberoller mitnimmt…

So fängt die Geschichte „Gakuen Utopia Manabi Straight“ an, im Jahre 2035. Die Geburtenrate ist niedrig, Schulen werden geschlossen und zusammengelegt, traditionelle Wettbewerbe werden abgesagt und sterben aus.
Und da haben wir Manabi, Neuzugang der Seiô Oberschule, Optimistin, und auf diesem Gebiet ein Hardliner. Gleich nach ihrem motivierten Auftritt in der Vollversammlung wird sie zur Vorsitzenden der Schülervertretung gewählt und beginnt damit, ihre überfließende Energie und Liebe für das Leben als Schülerin auf ihre Umgebung zu übertragen, und gibt zuletzt alles, um das bedrohte Schulfest zu retten.

„Gakuen Utopia Manabi Straight“ ist ein bisschen wie „Azumanga Daiô“, erstens angesichts völlig abwesender romantischer Aspekte sonstiger Highschoolserien, und zweitens in Anbetracht der ganz ähnlichen Kernaussage, die die Serie macht:

Man geht nicht in die Oberschule, um etwas zu lernen, sondern um Freunde zu finden. Dass man Freunde auch in der Grund- und Mittelschule finden kann, wird von solchen Serien ausgeklammert, aber wenn man sich an dieser Logiklücke nicht stört, ist das Konzept sehr ansprechend. Ja, es handelt sich um eine “Slice of Life” Geschichte, in der es darum geht, dass fünf Mädchen durch dick und dünn für ihre gemeinsamen Überzeugungen gehen und so Freunde fürs Leben werden, aber wenn das alles wäre, würde ich das nicht weiter erwähnenswert finden.

Aus welcher Motivation heraus habe ich diese 13 Episoden lange Serie überhaupt angesehen?

So mancher wird wissen, dass ich ein Stimmenfetischist bin, das heißt, ich bin jemand, der in Serien reinschaut, weil ihm die Liste der Synchronsprecherinnen zusagt.

Zum einen haben wir Hayashibara Megumi als den zweifelsfrei bekanntesten Namen, obwohl sie in erster Linie Vorspann und Abspann singt und ansonsten in ihrer Rolle als “Schuldirektorin als Schülerin” in einem Flashback lediglich einen kurzen zusammenhängenden Satz sagt. Als nächstbekannteste Sprecherin steht Hisakawa Aya in der Liste, immerhin in einer bedeutenden Nebenrolle als Verwalterin der rivalisierenden Oberschule. Beide Sprecherinnen sind Veteranen des Geschäfts, die seit der zweiten Hälfte der Achtziger in unzähligen bekannten Rollen ans Mikro getreten sind.

Die Hauptrollen beinhalten unter anderem Inoue Marina, Hirano Aya und Horie Yui. Letztere, ein Jahr älter als ich, ist ebenfalls bereits eine Weile im Geschäft und hat Rollen wie Narusegawa Naru im Portfolio stehen, und Hirano Aya ist spätestens seit “Suzumiya Haruhi” ein bekannter Name in der Szene, und neben Inoue Marina eine der beliebtesten und erfolgreichsten Neuentdeckungen dieses Jahrzehnts.

Inoue Marina hat zwar (noch!) keine Sprechrollen im Lebenslauf, die “jeder” Animefan kennt, aber den Vergleich, dass sie sowohl Rosaly in “Tactics” als auch Mutsuki in “Manabi Straight” gesprochen hat, fand ich beeindruckend.

Diese Ansammlung von bekannten Namen musste anziehend auf mich wirken und ich wurde nicht enttäuscht. Alle Seiyû geben eine erstklassige Vorstellung, aber ich bin der Meinung, dass sich Hirano Aya hier selbst übertroffen hat. Ihre Leistungen in “Lucky Star” und “Suzumiya Haruhi” waren sehr gut, aber es handelte sich um archetypische „Genki“ Rollen lebhafter Mädchen mit viel Emotion und wenig Ratio, die mit dem Kopf durch die Wand gehen oder mit der Tür ins Haus fallen, aber ihre Nuancen in “Manabi Straight” sind sehr fein und gaben der stillen und intelligenten, vernunftbetonten Figur der Etô Mei sehr viel Leben und Liebenswürdigkeit.

Das allgemeine Charakterdesign ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist extrem niedlich gehalten und tendiert zu dem, was der Otaku „moe“ nennt, sofern ich das in diesem speziellen Fall als eine Steigerung von „kawaii“ definieren kann. Der erste Begriff, die mir dazu einfiel, ist „knubbelig“. Das soll ausdrücken, dass die Designer jedes Mittel angewandt haben, um Archetypen von niedlichen Animemädchen zu gestalten, die jedes Kindchenschema erfüllen. Die Mädels haben nicht nur die üblichen runden Köpfe und großen Augen, sondern auch halbwüchsige und runde Körperformen, die man augenblicklich mit Kindern verbindet. Man übersieht darüber sehr schnell, dass es sich bei den Protagonistinnen um 16-jährige handelt, die eben ihre letzten drei Schuljahre in Angriff nehmen, und neigt eher dazu, sie für 11-jährige zu halten. Es braucht möglicherweise etwas Zeit, bis sich dieses Wissen auch im Bewusstsein des Betrachters festgesetzt hat.

Überraschenderweise fand ich den Soundtrack sehr interessant, inklusive einiger seiner gesangslosen Hintergrundstücke. In der Regel fällt mir der Hintergrundsoundtrack überhaupt nicht auf (ob das eine gute oder eine schlechte Sache ist, sei dahingestellt), und ich habe normalerweise auch überhaupt kein Interesse an Hintergrundmelodien, in denen eben nicht gesungen wird, aber in diesem Fall fand ich die Musik weitgehend überzeugend.

Die Hauptattraktion bleiben natürlich die Gesangsstücke. Was sollte ich auch erwarten, wenn unter dem Stichwort Soundtrack Namen wie Hayashibara Megumi, Horie Yui, Hirano Aya und Chihara Minori zu finden sind? Die übrigen Hauptrollen singen natürlich auch, aber die kannte ich vorher noch nicht, und Hisakawa Aya gibt leider nichts zum Besten.

Der Soundtrack hat mich nicht aus den Latschen gehauen, wie das bei dem „Pani Poni Dash!“ Soundtrack der Fall war (der noch mehr Seiyû auflistet, von denen ich mir auch eine Steuererklärung oder den Bundeshaushaltsplan vorlesen lassen könnte, ohne mich zu langweilen), aber es war nahe dran.

Die Image Album Sammlung (Songs, die als Merchandising auf die Charaktere zugeschnitten sind und die nicht in der Serie vorkommen) war in dieser Hinsicht wie üblich sehr interessant, aber der Originalsoundtrack hat für mich seine ganz eigenen Perlen, wie zum Beispiel „Seiô Kôka“ (das Lied der Seiô Schule), gesungen von Horie Yui (in zwei Versionen), und „Sakura mau kono Yakusoku no Chi de“, also etwa „Die Kirschblüten tanzen am Ort unserer Verabredung“, gesungen von Chihara Minori.

Dieses Rock-lastige Lied wird auf dem Schulfest gesungen und aufgeführt, und die Szene erinnert in gewissem Maße an den Bandauftritt in „Suzumiya Haruhi“. Das mag nicht weiter verwundern, denn letztlich kommen alle Bandauftritte auf Schulfesten irgendwie ähnlich rüber, in Anime oder Realität, aber es gibt noch einen weiteren Faktor, wegen dem ich auf die Idee gekommen bin, es könnte sich dabei um eine Art Anspielung auf „Suzumiya Haruhi“ handeln, nämlich der Umstand, dass die Leadsängerin auf dem Seiô Schulfest von Chihara Minori gesprochen und gesungen wird. Warum dieses? Chihara Minori ist die „Stimme“, die während der Aufführung von „God knows“ und „Lost my Music“ nur Gitarre spielen durfte – in Form von Nagato Yuki.

Wie ich bereits sagte, hätte ich kaum soviel über diese Serie geschrieben, wenn es nur um Freundschaft gegangen wäre, solche Serien gibt es eine ganze Menge, und unbeirrbare Optimisten gibt es im Anime ebenfalls wie Sand am Meer, aber da ist noch etwas mehr als nur das. Es geht auch um jugendliche Ungeduld und Spontaneität, und um rebellischen Aktionismus, gegen gefühlte Ungerechtigkeit zu kämpfen. Davon war ich irgendwie positiv überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hätte.

Die Seiô Oberschule soll mit der renommierten Aikô Oberschule fusionieren, und die Verwalterin der Aikô sagt im Zuge der Zusammenlegung das Schulfest der Seiô ab, mit der Begründung, es handele sich nur um eine unbedeutende Spaßsache, die mit den Pflichten von Schülern nichts zu tun habe. Angeführt von Manabi beginnt die Schülervertretung den Kampf „gegen die Tyrannei der Verwaltung“, ganz stilecht mit den japanischen, gelben Arbeitshelmen und Postern und Flaggen, auf denen Wahlsprüche und Kampfslogans wie „Unnachgiebiger Geist“ zu lesen sind. Der bedeutendste Feind in der Angelegenheit ist jedoch nicht die „gegnerische“ Schulverwaltung, sondern die Ignoranz der eigenen Mitschülerinnen, die sich statt für das Schulfest mehr für eine Tanzveranstaltung interessieren, die am gleichen Tag stattfindet, für den neuen Schulsong, und dafür, welche Kombinationen die neuen Schuluniformen zulassen. Angesichts der Anordnung geben Sie die Sache verloren, doch Manabi und ihre Freundinnen wollen das Seiô Gemeinschaftsgefühl nicht zugunsten eines anderen aufgeben, zumal die Aikô einen eher kühlen und elitären Eindruck macht, auch schön zu sehen im Vergleich der Architektur der Schulen.

Solch eine Hommage an vergangene Zeiten von Schüler- und Studentenprotesten gibt dem Werk eine interessante politische Dimension, aber gleichzeitig ist das Thema auch nicht so aufdringlich, dass jemand mit einem unterentwickelten Interesse an Geschichte deswegen zurückstecken müsste.

Ich liebe diese Serie, und ich weiß, dass sie nicht für jeden geeignet ist, auch, wenn man Anime gegenüber generell positiv eingestellt ist. Sie ist generell sehr niedlich in ihren Designs, Themen und Dialogen, und wenn man ungetrübte Niedlichkeit nicht aushält, wird man „Manabi Straight“ wahrscheinlich nicht mögen.

Es ist eine Serie für Fans der Genres „Slice of Life“ und „Highschool Komödie“, die sich an der Abwesenheit von romantischen Themen nicht stören (oder eine solche Abwesenheit vielleicht auch begrüßen), und im Hinblick auf die erwähnten soziopolitischen Aspekte auch ungewöhnliche Einflüsse zu schätzen wissen.

31. März 2008

Schritt für Schritt kommt man ans Ziel

Filed under: Bücher,Japan,Militaria — 42317 @ 21:36

Das Bezirksgericht von Osaka hat in einer Klage eines japanischen Kriegsveteranen gegen den Literaturnobelpreisträger Ôe Kenzaburô entschieden, dass die Kaiserliche Armee für die Massenselbstmorde von Zivilisten auf Okinawa während der US Invasion verantwortlich ist. Auch das Anliegen, die weitere Verbreitung von Ôes diesbezüglichen „Okinawa Notes“ zu verhindern, wurde zurückgewiesen. Das Gericht verwies dabei auf Daten, die belegen, dass es nur in solchen Dörfern zu Massenselbstmorden gekommen war, in denen japanisches Militär stationiert war.

Die Klage war 2005 zustande gekommen und im April 2006 hatte das japanische Bildungsministerium angekündigt, die Hinweise auf militärische Verantwortlichkeiten aus den Schulbüchern zu entfernen. Nach Protesten im vergangenen September und nach dem Rücktritt des Nationalisten Abe vom Amt des Premierministers wurden die entsprechenden Textstellen im Dezember wieder aufgenommen.

(Der Artikel stammt von der International Herald Tribune, über military.com.)

Die japanische Regierung muss damit einen Gesichtsverlust hinnehmen, nachdem man gegenüber Korea und China immer wieder betont hatte, dass die Lehrbücher japanischer Schulen frei von politischer Vorteilsnahme seien – was hiermit offiziell und für alle sichtbar widerlegt ist.

Man könnte beinahe auf die Idee kommen, dass der Schulbuchstreit das Äquivalent zum japanischen Autobahnbau ist, in dem Sinne, dass man der Schulbuchindustrie durch ständige Neudrucke von Lehrmaterial Gewinne zuschustert.

14. März 2008

The Fast and the Furious: Tokyo Drift

Filed under: Filme,Japan — 42317 @ 19:19

Ich habe die ersten beiden Filme nicht gesehen, ich hatte es nie vor, und nach dem Genuss des dritten Teils weiß ich, dass das auch so bleibt.

Meine Gründe für diesen Medienkonsum erscheinen offensichtlich. Die Darstellung Japans in einem großen westlichen Film ist natürlich interessant, aber ausschlaggebend war die Anwesenheit von Kitagawa Keiko.

Unser 18 Jahre alter Held, Sean, liefert sich ein illegales Rennen mit einem Halbaffen aus dem Footballteam und wird erwischt. Es ist dabei mehr als auffällig, dass der 1982 geborene Darsteller Lucas Black optisch viel zu alt für die Rolle eines Oberschülers wirkt. Wie dem auch sei, um dem Knast zu entgehen, verspricht er der Polizei, die Stadt zu verlassen und zieht zu seinem Vater, einem Navy-Offizier mit Standort in Tokio.

Das ist ja super, muss ich mir da denken! Sollte ich selbst mal aus Hirnverbranntheit einige Tausend Euro Sachschaden anrichten, dann werd ich auch einfach nach Japan auswandern, um einer Gefängnisstrafe anhänglich Schadenersatzforderung zu entgehen.

Sein Vater ist ganz Soldat und betont die Notwendigkeit von Regeln, zum Beispiel, dass Sean kein Auto anfasst. Natürlich lassen Gelegenheiten nicht auf sich warten, weil der Quotenschwarze in dem Film, wie könnte es anders sein, auch der Verticker von Hehlerware ist, mit Verbindungen zu einem illegalen Rennclub, der ein Subunternehmen der lokalen Yakuza ist.

Der Held findet dort sofort einen Gönner, der ihm eine getunte Karre zur Verfügung stellt. Neben dem Gönner betritt natürlich auch gleich der Böse die Bühne, Neffe des Yakuza Chefoberbosses von Kabukichô (oder so), genannt „DK“, und das steht für „Driftkönig“. Der Böse und der Gute fahren also gegeneinander, Sean in einem Wagen seines Gönners, und stellt sich dabei an, als sei er noch nie Auto gefahren.
Das Rennen findet statt in einem geräumten Parkhaus, scheinbar vom untersten Stockwerk bis aufs Dach, und impliziert – man kann es sich denken – eine Menge Driften. Sean fährt das Auto völlig zu Schrott, zumindest die Karosserie.

Wieso das? Ich dachte, der Typ wär der ultimative Fahrer? Man kann ja nicht erwarten, dass er auf so ungewohntem Gelände gleich gewinnt (wär auch der gewollten Dramatik abträglich), immerhin ist der Boden in Parkhäusern oft glatt poliert, und enge Auffahrten sind halt was anderes, als Anzugrennen auf einem geraden Highway, aber dass er dermaßen abstinkt, ist ja schon lächerlich. Aber das mag man sehen, wie man will. Ich hielt die Vorstellung für extra-arm.

Er wäre nicht der erste Held, der sich (dem Zuschauer gegenüber) einen Ruf aufgebaut hat, indem er eine Leistungsstufe meistert, um sich dann (aus dramatischen Gründen) wieder anzustellen, wie der letzte Mensch. Zuletzt gesehen in „Daiundôkai“.

Aber was macht ein Held, wenn er schändlich geschlagen vom Schlachtfeld kriechen muss? Ganz klar, er zieht sich zurück, trainiert hart, und kommt dann wieder. Wie ein Ork. Die verlieren auch nie. Die ziehen sich zwar mal zurück, kommen dann aber wieder und gewinnen halt dann. Zumindest sehen das die Orks so. Und Sean.

Wenn es doch nur dabei bliebe. Nein, Für weiteres Drama muss auch noch eine Dreiecksbeziehung her, Eifersucht, ei, gib mir schon mal den Knüppel. Sean nimmt nämlich gleich nach seiner Ankunft Fühlung zu der Freundin des Bösen auf, leider nicht Kitagawa Keiko, und kriegt für seine Frechheit ein paar aufs Maul. Aber bei Helden heilt das ja ganz schnell wieder.

Zu guter Letzt stellt der örtliche Yakuza Oyabun (gespielt von Sonny Chiba) fest, dass der Partner des Bösen – gleichzeitig der Gönner des Guten – Mafiagelder veruntreut hat, also muss der Gönner sterben. Ein Pluspunkt: Unser böser Driftkönig offenbart dabei eine menschliche Seite.

Der Oyabun ist natürlich nicht begeistert ob des Gesichtsverlusts seines Neffen und stimmt zu, dass ein Rennen zwischen dem Amerikaner und dem Driftkönig die Entscheidung bringen soll, um den kindischen Streit zu beenden (wobei hier nicht nur um das „Recht haben“ und männlichen Stolz gespielt wird, sondern auch um die Frau). Sean und sein Boxenteam nehmen daraufhin den Motor des Wagens, den er auf seiner „Jungferngfahrt“ in Tokio zu Schrott gefahren hat, und bauen ihn in einen restaurierungsbedürftigen Camaro ein (man frage mich nicht, welche Version), den sein Vater rein zufällig einige Zeit zuvor irgendwo auf dem Marinestützpunkt entdeckt hat.

Der Film verschwand sofort wieder dahin, wo er hergekommen war. Das muss ich mir nicht nochmal ansehen. Das war völlig sinnfrei, ein Film für Rennfetischisten und Freunde getunter Autos, aber mehr auch nicht.

Wenn man mit den entsprechenden Namen der Charaktere etwas anfangen kann und einen Blick auf die Liste der Darsteller wirft, dann wird man feststellen, dass alle „Japaner“ mit Dialogrollen in Wirklichkeit Koreaner und oder Chinesen sind. Man muss als Japanischsprecher mal hinhören. Die „Japaner“ sprechen Englisch mit einem Akzent, der kein japanischer Akzent ist, und sie sprechen Japanisch mit Akzent und kein echtes Japanisch, wie sie es tun müssten, wenn sie echte Japaner und Yakuza wären (die gerne alten Tokiodialekt reden, wenn man den Medien glauben darf).

In dem Film kommen auch Japaner vor, aber die sind nur Alibi, schmückendes Beiwerk, und möglicherweise wegen ihres berüchtigt schlechten Englischs ohne Sprechrollen. Zum Beispiel Tsumabuki Satoshi, dessen Rolle nur als „Exceedingly Handsome Guy“ beschrieben wird. Ich glaube, der macht nichts anderes, als ein Startsignal zu geben. Erwähnenswert auch der Auftritt des Sumoringers Konishiki, dessen Rolle daraus besteht, unseren Helden zweimal aus einem Badehaus zu schmeißen.

Und was ist mit Kitagawa Keiko, die in Japan von der Kinopresse für ihren Auftritt in diesem international erfolgreichen (zumindest international bekannten) Film gepriesen und gefeiert wurde und wegen der ich überhaupt erst den Plan fasste, den Film anzusehen?

Ihr Gesicht ist in drei Szenen zu sehen, sie äußert einen halben Satz (sowas wie „Geht in Ordnung“) und später einen Ejektiv („Hey!“).

16. Februar 2008

Im Wilden Osten

Filed under: Filme,Japan — 42317 @ 18:51

Vor „dausendundeinem Jahr“ habe ich, ich erinnere mich nicht, wo, einen interessanten Spruch gefunden, den ich sofort in meine Zitatensammlung aufnahm:

„Wenn Du Dir vorstellen kannst, den Terminator oder den schweigsamen Revolvermann zu spielen, dann bist Du ein Rollenspieler. Wenn Du Dir aber vorstellen kannst, wie Clint Eastwood den Terminator an der Seite von Schwarzenegger als Obiwan Kenobi in einer Star Wars Neuverfilmung verkörpern würde, dann bist Du ein verdammt guter Rollenspieler.“

Hasta la vista, Vader?

Natürlich ist das nur ein Jux, aus meiner Sicht sogar Blödsinn, denn P&P Rollenspiele hatten für mich immer was mit Spaß und Stressabbau zu tun, und nichts mit schauspielerischen Leistungen, aber etwas in dieser Art musste sich Miike Takashi gedacht haben, als er sich das Setting für „Sukiyaki Western Django“ ausdachte. Man müsste obige Aussage etwa so zurechtbiegen:

„Wenn Du Dir vorstellen kannst, wie der einsame Rächer das geplagte Volk vor dem Machthunger Taira (Heike) no Kiyomoris und Minamoto (Genji) no Yoshitsunes in einer Neuinterpretation des Heike Monogatari retten könnte, dann hast Du wahrscheinlich einen Krug Sake zu viel getrunken.“

Aber genauso ist es gekommen. Nach einem kurzen Prolog mit absichtlich schaurig-schlechter Kulisse, in dem man einen Sukiyaki essenden Quentin Tarantino bewundern kann, der Katori Shingo erschießt, wechselt die Szenerie zu einem dunklen, nebligen Landstrich.  Ein einsamer Reiter erreicht ein kleines Nest mit dem Namen „Nevada“, was man scheinbar hervorragend auch mit japanischen Kanji schreiben kann. Es schreibt sich mit „Wurzel“ („ne“) und „Feld“ („batake“): ??.

Japanisch-großzügig hat man die letzte Silbe von „Batake“ ignoriert und baut phonetisch auf den nicht vorhandenen Unterschied zwischen den Lauten „b“ und „w“ im Japanischen.

Der Ort bietet ein interessantes Bild. Auf den ersten Blick würde man ein klassisches Westernkaff vermuten, wäre da nicht das typisch japanische Tempeltor (mit einem Erhängten) am Ortseingang. Auch die Hauptquartiere der verfeindeten Gruppen, der Heike (in Rot) und der Genji (in Weiß), muten sehr asiatisch an. Das schmutzige Erscheinungsbild der dargestellten Leute ist eine optische Täuschung, vermutlich durch einen Filtereffekt hervorgerufen. Die durch ihre Muster an niedere Yakuza-Fußtruppen erinnernden, eigentlich modernen, Outfits sind bei genauerem Hinsehen in bester Verfassung.

Zwischen den Stühlen befindet sich ein unsympathischer Sheriff mit gespaltener Persönlichkeit, der versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen, das heißt, er versucht, sich bei beiden Seiten einzuschmeicheln.

Beide Gruppen werben um den Fremden, der mit seiner Waffe umzugehen weiß, aber der entscheidet sich für eine neutrale Unterkunft. Er erfährt, dass die Heike auf der Suche nach einem Schatz hergekommen seien und die Einwohner für den Zweck des Suchens und Grabens versklavt hätten. Als kurze Zeit später die Genji eintrafen, wurden sie als Befreier begrüßt, da sie die Heike in Schach hielten, aber auch die „Weißen“ waren nur hinter dem Gold her und verfügten willkürlich über die vorhandenen menschlichen und materiellen Resourcen.

Wer den Film „Für eine Handvoll Dollar“ kennt, weiß, wie die Geschichte weitergeht.
Der einsame Reiter entschließt sich, den armen Leuten zu helfen und befreit eine Frau aus den Fängen der Bösen, wird ganz heftig verprügelt, erholt sich, kommt zurück und es kommt zum Endkampf.

Ein paar Änderungen gibt es natürlich. Zum Beispiel „Bloody Benten“, im Rahmen des Handlungsuniversums eine Legende unter Revolverschwingern, und natürlich die ganzen Einstreuungen aus der klassischen japanischen Literatur, auf Grundlage derer hier der Gempei-Krieg im kleinen Rahmen und unter neuem Gewand nach Nevada verlegt wird.

Das Wetter verändert sich mit der Zeit radikal, und das finde ich interessant – zuerst der ungemütliche Nebel, kurz darauf das hitzegeplagte Wüstenkaff, dann regnet es in der Mitte der Geschichte stark, worauf sich alles in Morast verwandelt, und während des Showdowns beginnt es zu schneien.

Es ist alles irgendwie irre. Ein bisschen Sergio Leone, ein bisschen Kurosawa Akira, ein kleines Stück Clint Eastwood (der Reiter ist nämlich einsamer, als er schweigsam ist), und ein Hauch von William Shakespeare. Taira Kiyomori ist nämlich von der Lektüre „Heinrich VI.“ so angetan, dass er sich von seinen Leuten fortan „Henry“ nennen lässt.

Wie er allerdings gerade auf Heinrich VI. gekommen ist, um sich nach ihm zu benennen und um seine Leute auf den Sieg einzuschwören, ist mir völlig schleierhaft – schließlich ist Henrys Haus Lancester, dessen Wappen die rote Rose ist, von den Yorks, mit der weißen Rose, geschlagen worden. Und nicht nur geschlagen, sondern auch ausgerottet. Ist das eine Dummheit des Charakters oder ein Mangel an Autorenrecherche? Ich komme in dieser Frage zu keinem Ergebnis, tendiere aber zu der Meinung, dass man dem wissenden Zuschauer damit einen Hinweis auf das Ende geben will.

Wirklich irre ist allerdings, dass alle japanischen Schauspieler Englisch sprechen. Nein, nicht als Synchro, sondern „in echt“, im Originalton. Das führt zu dem paradoxen Zustand, dass ich von dem Film vermutlich mehr verstanden hätte, wenn sie Japanisch geredet hätten. Ihr Englisch ist extrem mit japanischem Akzent versetzt, und dazu kommt noch, dass, so nehme ich persönlich an, alle Dialoge erst auf Japanisch geschrieben und dann ins Englische übersetzt wurden. Die Zeile „Now I can risk my life to the death“ halte ich nicht für natürliches Englisch.

Insgesamt: Ein Spaß, den man sich mal geben sollte. Die Schwächen sind in erster Linie oberflächlich, denke ich, denn die Story, wenn sie schon nicht originell ist, ist unterhaltsam und spannend, und man kann dem Streifen auch einen gewissen künstlerischen Anspruch nicht absprechen. Man spürt den Einfluss Kurosawas.

18. Januar 2008

Odysseus ist heimgekehrt

Filed under: Manga/Anime,My Life — 42317 @ 19:37

Will sagen: Die „Spiral“ DVD-Box, die ich vor zwei Monaten gewonnen habe, ist angekommen.

Der Absender hatte ursprünglich eine falsche Postleitzahl angegeben, und irgendeine wohlmeinende Person hat sie korrigiert – zum Falschen. Stattdessen wurde die PLZ der Universität angegeben, gegenüber derer ich wohne. Der Wohltäter dachte wohl, dass Weidengraben und Uni dieselbe Zahl hätten, aber das ist ja nicht so. Das wiederum führte dazu, dass die Zollbenachrichtigung, in der man mich aufforderte, mein Paket abzuholen, ins Leere geschickt wurde – ich erfuhr nichts davon, die 20 Tage gesetzlicher Aufbewahrungsfrist verstrichen und das Paket ging wieder an den Absender nach Florida zurück.

Ich habe das Paket nur oberflächlich begutachtet. Es ist unbeschädigt, neuwertig und alle DVDs, die drin sein sollten, sind auch drin. Ich müsste halt mal nachsehen, ob sie auch laufen, aber das hat an sich Zeit.

14. Januar 2008

Die Stixi-Achse

Filed under: Bücher,Japan,Militaria — 42317 @ 15:13

„Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg“ lautet der Titel eines Buches, das man mir zu Weihnachten geschenkt hat, und angesichts der Vertiefung meines Kenntnisstandes zum Thema „Dreierpakt“, bzw. „Achse Berlin-Rom-Tokio“, fühle ich mich extrem dankbar dafür.

Seit Weihnachten habe ich das Buch stückweise während meiner Zug- und Busfahrten gelesen und verwunderliche Dinge entdeckt.

Dass die Achsenmächte keine gemeinsame Kriegsführung hatten, wie das bei den Alliierten der Fall war, war mir ja bekannt, dass die militarische Zusammenarbeit minimal war, wusste ich ebenfalls, oder ich glaubte es zu wissen, denn dass eine militärische Zusammenarbeit überhaupt nicht gegeben war, das wusste ich nicht.

Die politischen Ziele Deutschlands und Japans waren von vorneherein viel zu verschieden, als dass ein Vertrag wie der so genannte „Dreimächtepakt“ das Papier wert gewesen wäre, auf dem er gedruckt war. Die Deutschen wollten Lebensraum im Osten, das heißt Kolonialisierung durch Vernichtung der slawischen Bevölkerung, während die Japaner, brutal wie sie dabei waren, ihre „Großoastasiatische Wohlstandssphäre“ errichten wollten. Ein kaum weniger rassistisches Konzept, mit dem man Asien von den Weißen befreien wollte. Die betroffenen Völker würden dann zwar asiatische statt europäische Herren haben, aber immerhin war keine ethnische Gruppe per se zur Vernichtung vorgesehen.

In Deutschland regierte Hitler alleine und für den war von Anfang an klar, dass der Hauptfeind die Sowjetunion war. In Japan herrschte eine autoritäre Oligarchie, das heißt, es waren mehrere Meinungen zur Diskussion vertreten, wenn man diese auch auf die Rivalität von Heer und Marine polarisieren kann. Das Kaiserreich war wohl der Antikomintern beigetreten, aber nach zwei relativ kleinen Gefechten mit der Roten Armee, bei denen das japanische Heer etwa eine Division einbüßte, setzte sich die Marine mit ihrem Plan von der Südexpansion durch, obwohl im Fernen Osten anno 1941 ein Truppenverhältnis gegeben war, das es den Japanern erlaubt hätte, die Sowjets einfach von der Landkarte zu fegen.

Das japanische Heer war bis 1943 immer noch daran interessiert, den sowjetischen Fernen Osten anzugreifen, aber nicht nur die eigene Marine verhinderte solche Pläne, sondern auch der alleinige Entscheidungsträger strategischer Fragen bei den Deutschen: Hitler war ausgesprochen gegen ein japanisches Eingreifen gegen die UdSSR. Die Wehrmacht werde das alleine schaffen, davon war nicht nur Hitler, sondern auch der Wehrmachtsführungsstab überzeugt.

Die deutsche Seekriegsleitung auf der anderen Seite befürwortete ein gemeinsam koordiniertes Vorgehen auf den Weltmeeren, aber da hatten die japanischen Admirale was dagegen. Die Kombinierte Flotte würde das alleine schaffen. Sie wurden erst nach der Midway-Schlacht vom Juni 1942 und dem Totalverlust von vier Flugzeugträgern kleinlauter – aber nicht kooperationsbereiter. Entgegen dem Anliegen der deutschen Marine zeigte man in Tokio kein Interesse an einem Tonnagekrieg, sondern zog es weiter vor, U-Boote ausschließlich gegen Kampfschiffe einzusetzen, anstatt gegen Versorgungs- und Transportschiffe. Dass die stärkste Trägerflotte machtlos ist, wenn man ihre Tankschiffe versenkt, ist der Admiralität offenbar nie in den Sinn gekommen.
Warum? Auch diese Frage bleibt bislang unbeantwortet. Ich persönlich glaube nicht, dass es mit dem Bushidô, der Kriegerehre, zusammenhing, dafür habe ich Japaner als zu pragmatisch kennen gelernt.

Gleichzeitig versuchten die Japaner immer wieder, im Krieg zwischen dem Dritten Reich und der Sowjetunion zu vermitteln, was der Deutsche natürlich aus ideologischen Gründen ablehnte. Erst, als der Hammer längst gefallen war, 1944, ging man ernsthafter an ein gemeinsames Wirken heran. Aber zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die bislang strittigen Punkte zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill beigelegt, und Stalin hatte sich nicht nur der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation angeschlossen, sondern sich auch bereit erklärt, drei Monate nach Ende der Kampfhandlungen in Europa gegen Japan in der Mandschurei loszuschlagen. Dabei gibt es Anzeichen, dass bei entsprechendem deutschen Willen noch 1943 ein Sonderfrieden mit den Sowjets realisierbar gewesen wäre.

Alle beteiligten Seiten sahen im Dreimächtepakt nur ein propagandistisches Mittel. Vielleicht haben sich die Italiener mehr davon erhofft, aber deren politischer Einfluss war zusammen mit ihrem militärischen in Afrika dahingeschmolzen. Die Hauptverbündeten, will man sie überhaupt so nennen, hatten jedoch viel zu verschiedene Ziele vor Augen, als dass eine Zusammenarbeit fruchtbar hätte sein können. Im Extremfall, wenn die politischen Manöver der Deutschen einerseits und der Japaner andererseits aufgegangen wären, hätte sich eine Konstellation gebildet, in der Deutschland zusammen mit Briten und Amerikanern gegen Sowjets und Japaner gekämpft hätten.

Dieses interessante Szenario hat sogar einen realen Aufhänger. Und dieser Aufhänger ist das, was ich in dem Buch vermisse. Denn wie kann man die Entwicklungen der Beziehungen Japans und Deutschlands im Zweiten Weltkrieg aufzeigen, ohne im Einleitungskapitel darauf hinzuweisen, dass es eine offizielle Militärmission des Dritten Reiches gab, die sich zur Beratung und Ausbildung der Truppen Chiang Kai-sheks in China aufhielt? Dazu noch zeitweise unter Führung des ehemaligen Chefs der Heeresleitung Hans von Seeckt, also niemand unwichtigem eigentlich. Erst 1938 wurde das Unternehmen eingestellt. Man wandte sich den Japanern zu, ließ die Chinesen fallen und schnitt sich damit von einer bedeutenden Rohstoffquelle ab.
Irgendwo wird in einem Nebensatz erwähnt, dass der deutsche Generalstab traditionell gute Beziehungen nach China gehabt habe, aber das war’s dann auch. Dieses Thema wird generell unter den Teppich gekehrt oder ignoriert, es gibt nur wenige Publikationen dazu.

Der Artikel bei Feldgrau stützt sich auf ein halbes Dutzend, von daher stammt mein Wissenstand, nachdem ich in den TIME LIFE Videos „Das Jahrhundert der Kriege“ ganz baff Chinesen unter dem Kommando Chiang Kai-sheks in Wehrmachtsgrau sehen konnte, ohne dass der Kommentator darauf irgendwie einging. Und dann dauerte es bis Winter 2003, bis ich zufällig über die oben genannte Webseite „Feldgrau“ stolperte, denn trotz meiner mehr oder minder regelmäßigen Begutachtung entsprechender Literatur in den Auslagen von Buchläden habe ich nie etwas darüber in gedruckter Form gesehen.

Ein interessantes Szenario für Alternativhistoriker?

Japan mit der UdSSR gegen die USA und Großbritannien.
Die USA in Asien mit Deutschland gegen Japan.
Deutschland hält Westeuropa gegen die Briten und bindet die Sowjets auf der Linie Murmansk-Sewastopol.

Hm… „Axis & Allies“ braucht ganz dringend einen flexiblen Editor für geostrategische Szenarien. 🙂

Drei Mädels aus Okinawa

Filed under: Japan,Musik — 42317 @ 14:50

Man stelle sich vor, John McClane wäre in seinem ersten Abenteuer nicht an Weihnachten nach Los Angeles, sondern im Sommer nach Okinawa gefahren. Er steigt dort am Flughafen in die bereitgestellte Limousine und hört absonderliche Musik aus dem Radio.

„Sag mal, sollte hier nicht eher Okinawa Musik laufen?“

„Hey Mann, das IST Okinawa Musik…“

Bleach„Odoru Kubi“

6. Januar 2008

Odyssee auf dem Postweg

Filed under: Filme,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 16:39

Vor einiger Zeit hatte ich eine DVD-Box gewonnen – siehe Wettbewerb auf Animetric. Der Administrator schrieb mir einige Tage später, dass er das Paket versendet habe und ich antwortete, dass ich mich melden würde, sobald ich das Paket empfangen hätte. Die Wochen vergingen und nichts geschah.

Dieser Tage nun meldete er sich wieder bei mir und teilte mir mit, dass die Sendung wieder zurück gekommen sei. Abgesehen davon, dass er statt der richtigen PLZ „55296“ draufgeschrieben hat (was die Post hier dazu veranlasste, die Angabe in „54292“ zu ändern, d.h. Universität), fand er einige neue Aufkleber auf dem Paket vor, die er mich zu übersetzen bat:

1. Waren, die die Voraussetzungen der Artikel 9 und 10 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft nicht erfüllen.“
Ich habe keine Ahnung, was da drin steht, und die Verträge diesen Namens, die ich im Netz finden kann, sind offenbar älterer Fassung oder anderweitig zusammenhanglos.
2. Nicht Zulässig – Non Admis“
Warum auch immer.
Seit wann ist es denn unzulässig, DVDs aus den USA zu importieren?

3. Rechnung (zweifach; allgemein verständliche Warenbezeichnung in deutscher Sprache)“

4. Nachweis über den gezahlten Kaufpreis (z.B. Paypal-Beleg, Kontoauszug, Kreditkartenabrechnung o.ä.)“
Ich hab das Ding aber gewonnen, d.h. es sollte unter „Geschenk“ laufen…

Der Absender hat mir versichert, dass er sowohl einen Bescheid des US-Zolls, sowie eine Wertinformation als auch Inhaltsangabe auf das Paket geklebt hat. Vielleicht war die Angabe nicht detailliert genug? Weiß der Geier. Ich habe ihn gebeten, vorerst zu warten, bis ich das Problem am Montag mit dem Zoll besprochen habe.

27. Oktober 2007

Was sich so ansammelt – Wettbewerb auf Animetric

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 19:50

Und als letztes:
Mitte letzten Monats, also im September, wurde auf dem Animetric Forum der dritte Wettbewerb ausgerufen. Im ersten ging es um die Gestaltung der Hauptseite des Animetric Forums, im zweiten Wettbewerb hatte der Administrator um die Gestaltung einer Signatur gebeten (im Sinne eines Bildes von etwa 150×600 Pixeln, das unter seinen Forumseinträgen erscheinen sollte), und jedesmal waren Mitglieder aufgerufen, etwas beizutragen, und der Gewinner würde einen Preis erhalten. Welches die Preise für diese ersten beiden Wettbewerbe waren, weiß ich nicht mehr. Es betraf mich auch nicht so effektiv, weil beide Male kreative Arbeit am PC gefragt war, und von grafischer Gestaltung, auch wenn es nur um gut aussehendes Zusammenwürfeln bereits existierender Bildelemente ging, habe ich keine Ahnung.

Aber der dritte Wettbewerb… da waren meine Chancen viel besser. Der Administrator stelle die Aufgabe, Anime Musikvideos (AMVs) zu posten, um dann das auszuwählen, das ihm am besten gefallen würde. Man musste also kein Video selbst machen, sondern nur die besten, die man kannte, auswählen und anbieten. Das ist natürlich viel eher mein Ding. Ich habe etwa 20 AMVs gepostet und stellte damit etwa die Hälfte aller gemachten Eingaben. Ich hätte noch viel mehr Videos anbieten können, da die Zahl pro Mitglied nicht begrenzt war, aber das hätte mich die Arbeit gekostet, die ganzen Mixvideos (also solche, in denen mehr als ein oder zwei Titel vertreten sind) auseinander zu basteln, weil er nur solche Videos anerkennen wollte, deren Anime er auch zu Ende gesehen hatte – und die Titel, die er besonders mochte, hatten dann natürlich in Form eines AMV größere Chancen.

Kurzum, es gab zwei Preise und es hätte mich arg gewundert, wenn ich nicht zumindest einen bekommen hätte – der zweite Platz und Preis ist meiner! Bei dem Preis handelt es sich um die komplette Box einer Animeserie mit dem Titel „Spiral“, von der ich nie zuvor gehört hatte… aber die Beschreibung auf der offiziellen Seite hört sich zumindest nicht schlecht an. Vielleicht hätte mir der erste Preis – die Box „Ghost in the Shell – 2nd Gig“ besser efallen, aber andererseits macht es mir keine Probleme, mir dieses Produkt bei Bekannten auszuleihen.

Interessant war dabei für mich zu erfahren, dass ich den Preis für ein Video bekommen habe, dass ich nur deshalb genommen hatte, weil es sich um einen fast legendären Anime handelt, der weit oben auf seiner Liste steht, ein hervorragendes AMV, das ich nur deshalb gewählt hatte, um neben den Action- und Comedyvideos auch was ruhiges und ernsthaftes drin zu haben: Mononoke-hime – The Mummer’s Dance.

Mein Preis wird also in den kommenden Tagen über den Ozean schippern oder fliegen, und um den sentimantalen Wert zu erhöhen, habe ich den Admin gebeten, die Box zu signieren. Denn selbst wenn der Anime mir nicht gefallen sollte, wird die Box an sich doch ein schönes Souvenir sein.

11. Oktober 2007

Pannen beim Animeclub!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 21:43

Es ist ja geradezu verhext, was uns da alles passiert so kurz vorm Semesterbeginn.
Letzte Woche war der Hörsaal zu und Ranjith musste erst mal vom Wachdienst aufmachen lassen. Okay, das war noch meine Schuld, weil ich die Raumreservierung ab Oktober noch nicht eingereicht hatte. Nachdem die Tür dann offen war, gab es aber keine weiteren Probleme.

Diese Woche war der Hörsaal offen, weil ich den Antrag nachgeholt hatte – dafür funktionierte erst einmal nichts, was funktionieren sollte, mal abgesehen von der Notbeleuchtung.

19:55 – erst mal die Medientechnikerin Sandra angeschrieben. Die verweist mich an den Leitstand im Keller.
19:58 – der verspricht, sich die Sache anzusehen und bringt nach wenigen Minuten auch was zu Stande.
20:06 – Der Beamer reagiert auf Knopfdruck und unsere Serie erscheint auf der Leinwand. Allerdings ohne Sound. Also probieren wir erst mal ein paar kreative Kabel- und Steckerkombinationen aus, aber erfolglos.
20:10 – der Leitstand antwortet auf meine Anfrage hin, der Sound sei Sache der Medientechnik, damit könne er uns nicht helfen…
20:13 – noch einmal bei Sandra angerufen, ob man denn wegen den Lautsprechern nicht was machen könne. Jetzt verweist sie mich an den Wachdienst. Der solle den Vorführraum von unserem Hörsaal aufschließen und die Zeitschaltuhr aus der Anlage nehmen. Wenn der Leitstand vorübergehend den Strom abgestellt habe, sei es möglich, dass die Zeitschaltuhr nicht mehr ginge, wir sollten die Soundanlage also direkt an den Strom stöpseln.
20:18 – wir entfernen die Zeitschaltuhr, stecken die Soundanlage direkt ein und… nichts passiert. Wir hadern mit dem Schicksal. Ich lasse die wartenden Mitglieder wissen, dass wohl nichts mehr gehe, weil wir die Serie ja nicht als Stummfilm ansehen können. Trotz Untertitel geht dabei ja doch was verloren.
20:19 – die Dame vom Wachdienst meldet uns, sie habe an der Anlage den „Power“ Knopf gefunden und aktiviert. Eine Überprüfung der Mikrofonanlage verläuft positiv und lässt Gutes hoffen. Wir lassen die Leute rein, und um schneller anfangen zu können, beschließe ich, die Unkostenpauschale erst im Anschluss zu kassieren. Das war eine gute Idee.
20:20 – anders als das Mikrofon am Rednerpult hat unser DVD-Player keinen guten Kontakt zu den Boxen. Wenn wir unseren Verstärker bis zum Anschlag hochdrehen, erhalten wir eine Ausgabe, fast wie aus einem Telefonhörer, etwa so laut und etwa in dieser Qualität. Wir probieren noch einmal unsere Steckeroptionen aus.
20:25 – alles ohne Erfolg. Wir teilen also mit, dass die Veranstaltung heute ausfallen muss (nervig für Leute, die aus Konz anreisen) und kündigen an, nächste Woche bereits um 19:45 Uhr anzufangen. Für den 18. Oktober war eigentlich die dreiteilige Genshiken OVA plus ein Überraschungsspecial geplant, aber das Special muss ausfallen und durch die letzten Episoden der Serie ersetzt werden, die eigentlich heute hätten laufen sollen.

2. August 2007

Spirit of the Sun?

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 10:54

So lautet die Übersetzung des Titels

Taiyô no Mokushiroku

Nun heißt „Mokushiroku“ meines Wissens nach aber „Apokalypse“ (im biblischen Sinne oft verwendet), und wenn man sich zumindest den ersten der beiden jeweils knapp 80 Minuten langen Filme dieses Titels ansieht, versteht man auch, warum das eigentlich passender ist. Vielleicht wollten die Übersetzer die Sonne auf den Protagonisten bezogen wissen? Ich halte die Übersetzung jedenfalls für fragwürdig.

Die Sonne ist das Wahrzeichen Japans, wie dargestellt in den offiziellen japanischen Flaggen (mal mit und mal ohne Sonnenstrahlen), und in dem Film ist einiges los.

Als erstes ein Erdbeben über Stärke 8 in Kantô (wo Tokio liegt)!
Die Stadt versinkt in Schutt und Asche!
Dann rauscht ein Tsunami von unglaublicher Höhe über das Trümmerfeld!
Der Berg Fuji bricht aus, speit Lava, Felsbrocken und Asche!
(Und an seinem Hang verbleibt ein hässlicher Krater, der somit eindeutig den Iwaki bei Hirosaki zum schönsten Berg Japans macht.)
Und als ob das nicht genug wäre, verwüstet ein Erdbeben der Stärke 8,8 die Kansai Region mit Umland, vernichtet Osaka, Kyoto, Kobe und Nagoya, und öffnet eine gigantische Erdspalte, die in Folge Japan ziemlich genau in zwei Hälften spaltet, geteilt durch eine Meerenge!

Japan ist selbst nicht in der Lage, einer solchen Katastrophe Herr zu werden.
Man nimmt also Hilfsangebote der Amerikaner und Chinesen an, und um den Aufbau zu effektivieren (?) übernehmen die Chinesen den neu entstandenen Nordteil und die Amerikaner den Süden. Die beiden Staaten wollen im Gegenzug für Ihre Aufbauhilfe natürlich Zugeständnisse bei der Neugestaltung des Landes.

Japan ist also mal wieder in Nord und Süd geteilt. Es scheint sich dabei um ein historisches Erbe zu handeln, das dieses Inselvolk nicht so leicht vergisst. 1336 bis 1392 hatte es in der japanischen Geschichte auf Grund dynastischer Unstimmigkeiten eine Zeit der Nord-Süd-Trennung gegeben, die bereits in anderen Anime aufgegriffen und in moderneren Zeiten neu inszeniert worden ist (z.B. „Kumo no mukou Yakusoku no Basho“)

Der erste „Taiyô“ Film beschäftigt sich hauptsächlich mit diesem ausgedehnten Prolog, denn diese Apokalypse (anno 2002) ist nur der Hintergrund für die sich entspinnende Geschichte.
Viele Japaner sind aus ihrer Heimat geflohen und es gibt in den umliegenden Staaten offenbar Flüchtlingscamps, und das noch 15 Jahre nach der Katastrophe. Der Grund dafür entzieht sich mir noch, da dargestellt wird, dass es 2017 bereits wieder eine funktionierende Infrastruktur gibt. Die Teilung ist ebenfalls noch aktuell, und die Darstellung der Grenze und der Zollaktivitäten erinnert ein bisschen an den Kalten Krieg.

Während der Katastrophenphase hört sich die Botschaft etwas nationalistisch an – „Japan muss leben!“, so in etwa. Aber ethnische Konflikte spielen eine bessere Rolle. Japan ist nun der Bittsteller, japanische Bürger leben aus Not im Ausland, in Lagern, und sind bei der Bevölkerung nicht beliebt. Als eine Japanerin und ihr kleiner Sohn auf Taiwan ermordet werden, drohen Unruhen auszubrechen. Das „Spiel“, das die Yakuza mit Einwanderern im realen Japan mitunter treibt, verkehrt in dieser Fiktion die Rollen, wenn sich zum Beispiel die Gemüsefrau weigert, ihre Waren an Japaner zu verkaufen. Eine halbwegs rationale Begündung für solches Verhalten gibt es natürlich nicht.
Und der Held mittendrin ist ein Japaner, der im Chaos der japanischen Apokalypse von Taiwanesen (Restaurantbetreibern) gerettet und in Taiwan aufgezogen wurde…

Ich war schon drauf und dran, die Filme für den Anime Club vorzuschlagen, durfte dann aber feststellen, dass der zweite Teil nur in einer so genannten „Raw“ Fassung verfügbar ist, das heißt ohne Untertitel. Vielleicht kommen noch Untertitel. Ich halte die Filme jedenfalls für geeignet.

15. Mai 2007

Noch einer

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 17:47

Das hab ich ja fast vergessen:
„Mein“ altes Forum, Animetric, ist wieder online, und zu meiner großen Freude haben sich auch einige Leute von damals wieder eingefunden.
Die Hauptseite existierte weiter, aber das Forum war vor etwa zwei Jahren eines Tages verschwunden. Die Administratorin sagte, es hätte irgendwelche Missverständnisse mit dem Betreiber gegeben, aber sie hatte vorher bereits durchblicken lassen, dass sie wegen einer Verschiebung ihrer Interessen (zweifache Mutter!) keine Motivation mehr verspüre, weiterzumachen.
Irgendwann stand die Originalseite zum Verkauf, die ich mir natürlich nicht hätte leisten können. Vor einem halben Jahr kaufte ein Student aus Florida die Seite und eröffnete im März das Forum auf’s Neue.
Ich war im Frühjahr 2004 auf das Forum gestoßen und habe mich dort immer recht wohl gefühlt – anders als auf deutschen Seiten, in deutschen Foren, wo man es scheinbar als Hauptzweck eines Message Boards betrachtet, sich miteinander zu streiten.

20. April 2007

Die Geschichte vom Schaf und vom Wolf

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 19:12

Nein, eigentlich ist es ja kein Schaf, sondern eine Ziege, und auch dieser Begriff ist irreführend, weil der Begriff „Ziege“ ein weibliches Tier suggeriert, während man es in „Arashi no Yoru ni“ („In einer stürmischen Nacht“) nun eigentlich mit einem jungen Bock zu tun hat.

In einer stürmischen Gewitternacht treffen sich also ein junger Geißbock und ein junger Wolf in einer dunklen Scheune. Beide können sich gegenseitig nicht riechen – weil sie erkältet sind, es ist dunkel und sie haben keine Ahnung, dass der eine mit seinem natürlichen Feind und der andere mit seinem Lieblingsessen redet. Sie unterhalten sich über Gemeinsamkeiten und beschließen, sich am kommenden Mittag zu treffen. Sie machen „Arashi no Yoru“ als Kennwort aus.

Das Treffen wird kurz und schmerzlos. Das Erstaunen über den Gegenüber wird zwar durch Nahaufnahmen der Gesichter hingezogen, aber die zwei finden sich erstaunlich schnell miteinander ab und werden Freunde.

Aber natürlich leben beide in völlig verschiedenen Gesellschaften, die sich gegenseitig nicht, bzw. nur unter eng gefassten Gesichtspunkten anerkennen: Jäger hier und Beute da.
Die gesellschaftlichen Normen belasten also die ungewöhnliche Freundschaft und die zwei beschließen, gemeinsam wegzulaufen und ein Land zu suchen, wo Wölfe und Ziegen in Eintracht miteinander leben können. Die Idee, dass ein solches, „reines“ Land existiert, muss ein wiederkehrendes Muster verzweifelter Flüchtlinge sein… in „The Plague Dogs“ von Richard Adams wollen die beiden Hunde auch zu so einem Ort schwimmen: „Wenn es eine Isle of Man gibt, dann gibt es doch auch eine Isle of Dog!“

Die Geschichte neigt doch hin und wieder ein bisschen zum Schmalz und zu klassischen Drama-Elementen. Zum Beispiel, wenn der Bock sich dem Wolf Gabu auf dem verschneiten Gebirgspass als Nahrungsration anbietet. Oder wenn der Showdown des Wolfs gegen sein altes Rudel von den Naturgewalten in Form einer Schneelawine unterbrochen wird und er durch den Schock der Todesgefahr sein Gedächtnis verliert. Und wenn der Wolf dann durch die Erwähnung des alten Kennwortes zu seinem Gedächtnis zurück findet.

Der Film hat einen Preis gewonnen, ich weiß nicht, welchen. Aber welcher es auch sein mag, ich kann mir keinen Grund denken, warum ausgerechnet dieser Film einen Preis bekommen haben könnte. Das Thema „Wahre Freundschaft/Liebe überwindet alle Schwierigkeiten“ ist kein neues mehr. Und ein paar erzählerische Mängel hat die Sache schon, gerade bei Spannungskurven:

Als Gabu beschließt, seinen Ziegenfreund zu schützen, stürzt er sich wie wild auf sein anrückendes Rudel. Ein paar schöne Aufnahmen zeigen, wie sich das Aufeinandertreffen anbahnt. Aber anstatt einen klimaktischen Aufprall zu präsentieren, um die Wildheit und Entschlossenheit (und Verzweiflung) des Wolfs grafisch schön zu zeigen, halten die Beteiligten inne, knurren sich an und es bildet sich ein reichlich statischer Kreis seiner Artgenossen um den Wolf. Und als dann sein Alpha die Bühne betritt, bleibt es bei einem einzigen Angriff, der deutlich zu Ungunsten des Protagonisten ausgeht. Das hätte man besser machen können.

Und als der Gabu dann, durch Gedächtnisverlust wieder „böse“ geworden, den Bock gefangen hält, um ihn im Mondschein erst zu verspeisen, kommt das erlösende Kennwort „Arashi no Yoru“ viel zu früh, und die sich im Aufbau befindliche Spannungskurve fällt jäh ab. Stattdessen hätte man mit seinem „Total Recall“ warten sollen, bis er schon die Zähne am Hals seines Pflanzen fressenden Freundes hat. Aber nee… sehr schade.

Man darf natürlich nicht glauben, der Film sei schlecht – das ist er ganz und gar nicht, er ist sogar sehr unterhaltsam. Ich beleuchte hier nur gerade im Besonderen das, was mir aufgefallen ist. Und es gibt einen m.E. durchaus positiven, zumindest interessanten Punkt:

Der Geschlechteraspekt spielt in dieser Handlung kaum eine Rolle.
Wir haben vor dem Film wohl alle geglaubt, dass die Ziege weiblich sein würde. Wir wussten, dass dieser Charakter „Mei“ heißen würde, und zumindest ich habe noch keinen Mann getroffen, der so heißt. Aber wie gesagt, handelt es sich dabei tatsächlich um einen jungen Bock. Weibliche Charaktere spielen nur am Rande eine Rolle:

Meis Mutter wird von den Wölfen zerrissen und ihr Sohn wird von der Oma aufgezogen.
In der Ziegenherde gibt es ansonsten nur eine einzige weitere weibliche Ziege mit Sprechrolle.
Im Rudel gibt es eine Wölfin, aber die gibt nur unartikulierte Laute von sich, abgesehen von einer klitzkleinen Sequenz, in der die Mutter von Gabu zu sehen und hören ist.

Ich finde es ganz gut, dass hier Geschlechterklischees nicht zum Zuge kommen, denn die Konstellation „Schwache Frau (Ziege) wird von starkem Mann (Wolf) gerettet“ wäre so abgedroschen gewesen, dass ich den Film an dieser Stelle wahrscheinlich nicht einmal erwähnt hätte.

29. März 2007

Mir träumte…

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 13:20

… und ich frage mich erst mal „Soll ich das wirklich schreiben?“
Aber was soll’s… Spaß muss sein.

Mir träumte jedenfalls, ich hätte eine erotische Begegnung mit Kitagawa Keiko.
Wie komme ich bloß zu dieser Ehre? 🙂

Ein Bild von Keiko für die Uneingeweihten:

Keiko

Man soll sich auch nicht zuviel dabei denken, das war nämlich so:

Ich sitze an einem Tisch. Rechts von mir eine Japanerin namens Aiko, die neuerdings bei uns im Haus wohnt und mir gegenüber eben jene Keiko. Wir unterhalten uns, die beiden albern ein bisschen rum und Aiko berührt das Brustbein von Keiko mit ihrer flachen Hand und lacht. Sonst nichts, aber mir stand der Mund weit offen und ich fragte, ob ich das auch dürfe.
„Ja, klar,“ sagt sie, und ich berühre ihr Brustbein mit der flachen Hand.
Sonst nichts.
Aber sehr interssant fand ich’s dennoch. 🙂
War auch das erste Mal, dass sich einer meiner (seltenen) Träume in japanischer Sprache abgespielt hat.

Und es war deutlich besser, als das, was mir da vorgestern Nacht durch dne Kopf ging:
Ich auf Reisen mit Leuten, an die ich mich nicht erinnern kann.
Tage und Nächte unterwegs, ich hundemüde.
Am Ende finde ich eine gemütliche Ecke, und als ich gerade die Augen schließe, klingelt mein Wecker.
So frustriert bin ich noch nie aufgestanden. 🙂