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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

28. Juli 2013

Nebensächlichkeiten 2012 (Teil 2)

Filed under: Japan,Militaria,My Life,Zeitgeschehen — 42317 @ 15:15

LINGOARMAGEDDON
Das ist natürlich nicht der Titel des interessanten Beitrags des Deutschlandfunks im Umfeld der Veröffentlichung des Worts oder Unworts des Jahres durch die Gesellschaft für Deutsche Sprache, der allerlei Anrufern die Gelegenheit gab, sich über den, so wörtlich, „Verfall der deutschen Sprache“ auszulassen.
Alle diese Diskussionen verlaufen gleich. Man beschwert sich über Anglizismen und andere, wenn auch seltenere ausländische Einflüsse, über Jungendslang und über die allgemeine Aufweichung von Grammatik und Satzzeichensetzung. Die Kritik ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, ganz klar. Wie viele Leute mit akademischer Bildung haben Kommata im Griff? Den Konjunktiv der indirekten Rede? Wie viele von denen kommen mit Genitiv und Dativ klar?
Eine Universität in Ostdeutschland hat sich gutes Deutsch auf die Fahnen geschrieben und verordnet ihren Jurastudenten Deutschkurse – man kann über viele Gebiete diskutieren, aber ich denke, dass die Sprache juristischer Darlegungen präzise sein muss, gerade mit Blick auf die indirekte Rede, von daher halte ich das für eine sehr gute Idee.
Wenn Uniabsolventen da Mängel haben, bedeutende sogar, und da nehmen sich weder Geisteswissenschaftler noch der Deutschlandfunk selbst aus, welche Standards kann man in der allgemeinen Bevölkerung erwarten? Nach dem, was ich so an schriftlichen Beiträgen im Internet lese… gar keine. Sprache ist, was funktioniert? Zumindest ist das auch die Ansicht einiger Linguisten, die ich selbst als radikal bezeichnen möchte.

Ich habe mir im Laufe der Sendung mehrfach den Kopf aufs Lenkrad schlagen wollen, weil die Argumentation so manchen Anrufers den einfachen Schluss zulässt, dass sie oder er von Sprache an sich überhaubt keine Ahnung hat, von der Entstehung und der phonetischen und lexikalischen Evolution derselben. Scheinbar hört das Denken vieler Zeitgenossen in einer romantisierten Vergangenheit auf, was sie zu der Meinung bringt, die deutsche Sprache (oder welche auch immer) sei wie Boticellis Venus aus ihrer Muschel quasi aus dem Nichts sofort in einen unmittelbaren Zustand der Perfektion hinein entstanden. An sowas kann man doch nur glauben, wenn man der Bibel die Geschichte vom Turmbau zu Babel 1:1 abkauft. Dass bei gewählter Ausdrucksweise kein Weg um lateinische und griechische Einflüsse herum führt, die ja wohl auch irgendwann das „reine Deutsch“ verfälscht haben, kommt solchen Leuten scheinbar nicht in den Sinn, und spätestens der Dreißigjährige Krieg mit seiner Massenzuwanderung von Söldnervolk hat nicht nur der arischen, sondern auch der linguistischen Eigenstellung des Deutschen einen deutlichen Dämpfer versetzt. Mich würde wirklich interessieren, in welchem Zeitraum jene Anrufer eine Goldene Zeit der deutschen Sprache ansetzen, und ihre Großväter würde ich gern mal fragen, was sie vor über 50 Jahren von den sprachlichen Eigenheiten ihrer damals jugendlichen Enkel hielten, die die heutigen Großväter sind.
Sprache befindet sich ständig im Wandel, und das haben spätestens die Brüder Grimm in ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Germanisten belegt, deren nach ihnen benannte Sammlung von Hausmärchen jenen Romantikern vielleicht und unter anderem als Vorlage für unverfälschtes Deutsch dient. Fremdsprachen haben sich in Grenznähe und entlang wichtiger Handelsrouten immer untereinander vermischt und in einem Zeitalter globalisierter Kommunikationsmittel und Massenmedien wird sich diese Vermischung dauerhaft auf einer viel breiteren Basis abspielen; sprachwissenschaftliche Schätzungen sind dahingehend, dass jede Woche eine eigenständige Sprache auf diesem Planeten ausstirbt: Die Geschichte vom Turmbau zu Babel liest sich in der Tat rückwärts realistischer.

PARTEINAHME
Kommen wir zu einem anderen sprachlichen Punkt, der mir in den Nachrichten immer wieder auffällt, und zwar Parteinahme gegen Personen mit schlechtem Image, wo doch eigentlich Objektivität angebracht wäre. Zumindest dachte ich einmal, dass Objektivität ein Qualitätsmerkmal guter Informierung sei.
Es geht mir konkret um das Wort „Machthaber“. Spätestens seit dem Arabischen Frühling, seit der Krise in Tunesien und in Libyen, die zum Sturz der dortigen Regierungen führte, findet dieser eindeutig negativ konnotierte Begriff einen geradezu inflationären Gebrauch, zumindest wäre mir die Verwendung des Worts „Machthaber“ in dieser Konzentration noch nie aufgefallen.

Personen, die einst „Präsidenten“, „Premierminister“, oder weiß der Teufel was waren, werden plötzlich zu „Machthabern“, und es stellt sich wie immer die Frage, ob jemand die Volksmeinung auf diese Weise lenkt, oder ob das öffentliche Image der betroffenen Personen die Medien dazu verleitet, ihre Objektivität aufzugeben. Nun gut, in dem Fall ist die Frage einfach: Woher, wenn nicht aus den Medien, erfährt das Volk denn von zumindest angeblichen Greueltaten der Herrschenden? Und die Eindeutigkeit der Lenkung der Volksmeinung als Absicht bei der Verwendung des Begriffs könnte klarer nicht sein – oder ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, Frau Merkel als „die deutsche Machthaberin“ zu bezeichnen, die sie doch eindeutig ist?
Wie es scheint, gibt es derzeit nur zwei „Machthaber“ auf der Welt: Kim Jong-Un und Bashar al-Assad. In absehbarer Zeit wird Herr Putin wohl nicht vom „Präsidenten“ zum „Machthaber“ mutieren – das wird sich keiner trauen, Magnizkij und Nawalny hin oder her.

KLEINE WELT
Es begab sich zum Geburtstag einer Freundin in Saarbrücken, dass eine gemeinsame Bekannte, die wir vom Studium her kannten, sich dort ebenfalls einfinden würde, mit dem informativen Zusatz, sie werde mit ihrem Freund kommen. So weit, so nichtssagend.
Ich war dann mit meiner Liebsten früher dort, irgendwann klingelte es an der Tür und die beiden angekündigten Gäste kamen die Treppe hoch. Der besagte Freund schob sich in mein Sichtfeld und stellte sich den Leuten weiter vorne vor, und noch bevor er seinen Vornamen genannt hatte, war mein Unterkiefer bereits auf dem Weg Richtung Boden.
Der Typ aus Stuttgart hatte mit mir zusammen Grundausbildung in Cham gemacht, war dort der einzige gewesen, der bereits ein schmuckes Namensschild (vom Vater geerbt) hatte, während wir übrigen einen vorläufigen, handbeschriebenen Filzstreifen bekamen. Die Ausbildung „Retten und Bergen“ hab ich auch zum Teil mit ihm gemacht, und es ist gar nicht leicht, einen Kerl von knapp über 100 kg durch ein enges Stellungssystem und anschließend daraus heraus zu zerren. Immerhin habe ich ihn nicht aus der Oberluke des Zweieinhalbtonners hieven müssen (für sowas suchen sich die Ausbilder immer einen der schwersten Leute aus).
Auf den zweiten Blick hat er mich dann erkannt (während er nach meiner Wahrnehmung noch genauso aussieht, wie damals) und seine Freundin war auch nicht wenig geplättet. Sie hatte ein Praktikum bei BOSCH absolviert und war nach dem Studium für den Konzern nach Japan gegangen, wo sie denn meinen alten Kameraden kennen lernte, der für den selben Betrieb arbeitete. „Da hab ich erst nach Japan gehen müssen, um einen Deutschen zu treffen, mit dem man was anfangen kann.“ Dass jener Kamerad in Japan gelandet war, war scheinbar mehr dem Zufall geschuldet. Aber wieder einmal erwies sich die Welt als klein.

VERSCHWENDETES GELD
2012 war ich offiziell der Besitzer meines Elternhauses, und laut Überlassungsvertrag mit Nießnutzklausel war der Vorbesitzer, mein Großvater, dazu verpflichtet, die laufenden Kosten zu tragen – schließlich hatte ich es nicht dicke und ich wohnte auch nicht drinnen. Bedingt durch die fahrlässige Verarmung des Vorbesitzers kamen allerdings laufende Kosten auf mich zu, zumindest die Grundsteuern musste ich entrichten. Eine bittere Pille, spätestens zu dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass ich das Haus eh würde verkaufen müssen und keine Investition mir mehr irgendeinen Gewinn bringen würde.

Noch etwas Geld verschwendete ich im Zuge einer Zahlungsaufforderung der Bundeskasse in Halle, die mich an meine BaföG-Rückzahlungspflichten erinnerte. Leider hatte ich vergessen, der Bundeskasse auch mitzuteilen, dass ich zwischendurch umgezogen war. Für die Ermittlung meiner neuen Adresse (zu dem Zeitpunkt noch in Trier) wurde mir eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 25 E berechnet, aber um die Rückzahlung an sich in Gang zu setzen, war mein Einkommen zu niedrig. Die Sache wurde also ein Jahr lang ausgesetzt, und diesmal vergaß ich weder die Anzeige meiner Adressänderung noch den sanften Anstieg meines Einkommens.

NEBEN-BERUFLICHES
Ich gehe hier auf ein paar Ereignisse ein, die indirekt mit meiner Arbeit zusammenhängen.

Ich war an einem Tag mal wieder bei einem meiner Tierärzte, und bei der Übergabe der Fracht riss einer der Kartons unten aus und der Inhalt lag auf der Ladefläche.
„Kein Problem,“ sagte der Tierarzt, „das geht nicht kaputt.“
„Was ist das denn für schweres Zeug?“
Er zeigte mir ein zylinderförmiges schwarzes Etwas von der Länge eines Zeigefingers.
„Das sind Magnete.“
„Wozu braucht man die als Tierarzt?“
Er nahm daraufhin ein längliches Arbeitsgerät von mehr als einem halben Meter Länge aus dem Regal; es machte einen stabilen Eindruck, aus hell oliv-farbenem Plastik, ich hätte es für eine Art Sonde gehalten.
„Hier vorne“, er berührte mit dem Zeigefinger eine Fassung an der Spitze, „klemmt man den Magneten rein, dann schiebt man es der Kuh in den Hals und fischt damit metallische Gegenstände wie Nägel aus dem Magen.“
„Wie kommen die Nägel in den Kuhmagen?“
„Och, die sind oft im Tierfutter mit drin…“
Mir fiel spontan die Häufigkeit von Zigarettenkippen im Vogelwinterfutter ein und mein Vertrauen in die deutsche Viehzucht sank ein weiteres Stück.

Interessant fand ich auch, dass ein Kuheuter nicht einfach nur ein Hautsack mit Milch drin ist, die sind tatsächlich in vier Kammern unterteilt. Ich wusste das nicht und war wieder für eine Erweiterung meines Allgemeinwissens dankbar.
Auch interessant: Ich hatte vor langer Zeit mal gehört, dass verschiedene Arten von Säugetieren mitunter unterschiedliche Körpertemperaturen haben und fragte Dr. P in Waxweiler.
„Ja, das stimmt,“ sagte der, „ein Schwein kann 41° Fieber haben und überleben!“
Einzelheiten konnte er mir leider keine nennen, denn ich hatte in der Schule mal was gelernt über die Gefährlichkeit von Fiebern, die daher kommt, dass das Körpereiweiß irgendwann zu warm wird und ausfällt, was den Stoffwechsel unmöglich macht, exitus. Warum hält Schweineeiweiß mehr aus als Menscheneiweiß? Ich habe gedacht, Eiweiß sei Eiweiß, was die chemischen Eigenschaften betrifft?

An einem anderen angenehmen Tag hatte ich eine weitere Begegnung mit dem Apotheker in Daleiden, den ich in bester Laune erleben durfte. Ich hatte Zeit und ließ mich auf einen Plausch ein, den ich bald bereute. Er sprach an, dass der Job als Lieferfahrer doch hart sei, und ich sei doch sicherlich noch nicht zu alt, was aus mir zu machen – ich könne doch das Abitur nachholen?
Touché.
„Nein,“ sagte ich, „brauch ich nicht, ich hab einen Hochschulabschluss in Geisteswissenschaften.“
Erstaunen, Rückfragen, Floskeln.
„Dann haben Sie Ihre Lebensplanung bestimmt nach Bauchgefühl gestaltet, das ist immer ein Fehler.“
Touché.
„Ich musste aber auch was aussuchen, wofür ich genug Interesse und Motivation aufbringen würde, um die Sache auch zu Ende zu bringen.“
Es folgte eine kurze Darstellung seines eigenen Lebenslaufs – er hatte wohl in Chemie promoviert und dann festgestellt, dass die sich anbietenden Arbeitsstellen nicht zu seinem Gefallen waren, und hatte ein Studium der Pharmazie inklusive erneuter Promotion angeschlossen.
„Wenn man bereits Chemie studiert hat, dann ist Pharmazie keine Herausforderung mehr“ sagte er. Mitten im Studium habe seine Frau dann eine Tochter zur Welt gebracht und das sei schon eine harte Zeit gewesen, in der sie an allen Ecken und Enden hätten sparen müssen. Mit der Apotheke hier habe er eine gute wirtschaftliche Grundlage, von der man bequem leben könne. Dann ging er zum Werdegang seiner Tochter über, die in den USA promoviert habe und dort einen Haufen Geld bei einem Pharmakonzern verdiene; er ließ sich auch nicht nehmen, Fotos am Monitor zu zeigen.
Dann wurde die Angelegenheit skurril.
„Gehen Sie doch in die USA. Das ist vermutlich das einzige Land auf der Welt, wo sie als reiner Geisteswissenschaftler tatsächlich Ihr Glück machen können. Suchen Sie sich ne hübsche Amerikanerin, werden Sie Staatsbürger und machen Sie was aus sich.“
Ich hätte ihm an der Stelle sagen können, dass die USA eines der letzten Länder der Welt seien, in denen ich leben möchte und hätte das mit der tief verwurzelten Religiösität und dem grotesk öffentlichen Patriotismus der Leute dort begründen müssen; das war mir allerdings zu umständlich, also sagte ich nur (mit dem höflichsten Lächeln): „Ich habe bereits eine Freundin hier, ich glaube, die hätte was dagegen, wenn ich mir eine hübsche Amerikanerin suchen würde…“
„Ach, von solchen Sentimentalitäten dürfen Sie sich nicht aufhalten lassen. Vergessen Sie die, die ist Ihnen nur ein Klotz am Bein. Hören Sie auf mich.“
Ich war einen Moment lang wie vom Donner gerührt. Dann lag mir die Frage auf der Zunge, ob er das damals, als armer Student, ebenfalls getan hätte, also seine Frau und sein Kind verlassen, hätte sich ihm die Möglichkeit einer möglicherweise lukrativen Emigration geboten? Ich sparte mir die Frage und dankte ihm höflich für das Gespräch, das ich nicht vergessen würde.
„Sehen Sie? Da haben Sie sogar noch etwas Lebenshilfe von mir erhalten,“ meinte er, drückte meine Hand und strahlte übers ganze Gesicht. Der meinte das ernst, ansonsten müsste ich ihn für einen hervorragenden Schauspieler mit bitterbösem Humor halten. Ich verließ die Kreuz-Apotheke völlig perplex und konnte immer noch kaum glauben, was ich da eben gehört hatte.

Zum Abschluss dieses Themas springe ich ins Frühjahr 2013: Die Arztpraxis in Daleiden verkündete ihren Umzug in eine Ortschaft mit besserer Infrastruktur, in Folge dessen war der Kreuz-Apotheke die Grundlage entzogen und der Dr.rer.nat gab die Einstellung des Betriebs bekannt. Ich bedauere dies für die dort beschäftigten Damen, die allesamt sehr nett sind, aber den Apotheker vermisse ich garantiert nicht.

HAARSTRÄUBEND
Mein Kollege Felix hat eine Art besten Freund, der scheinbar bei UPS arbeitet und mit dem er einen Teil seiner Freizeit verbringt, zum Beispiel sind die beiden in Damenbegleitung schon in Freizeitparks gefahren. Man sollte für solche Freunde dankbar sein, und ich bin dem Schicksal dankbar, dass ich mehrere solche Freunde habe.
Mir stand aber wirklich der Mund vor Erstaunen offen, als Felix mir erzählte, er sei mit eben jenem Freund, diesmal ohne Damenbegleitung, auf einer so genannten Furry-Con gewesen.
Das wäre nun das letzte gewesen, was ich dem eigentlich dauergefrustet und leicht verklemmt anmutenden Felix zugetraut hätte.
„DU warst auf einer Furry-Con??? Was hat Dich denn auf den Trichter gebracht???“
„Na ja, ich wollte da eigentlich nicht hin, aber mein bester Freund hatte zwei Karten und der andere war abgesprungen, also fragte er mich, ob ich stattdesen mit will. Wenn’s denn schon umsonst ist…“
„Du weißt schon, dass Furry-Cons in erster Linie wegen ihrer intimen Gelegenheiten bekannt sind, oder?“
„Ja… aber nur, wenn man das auch will…“
Leider rückte er nicht mit Details raus und eigentlich würden mich Fotos brennend interessieren, aber so weit bekam ich ihn dann nicht. Scheinbar doch zu intim.

7. August 2011

Da Base!

Filed under: Militaria,My Life — 42317 @ 17:27

Am vergangenen Wochenende hat mich mein Schulfreund Andreas besucht, mit dem ich bei diesen seltenen Gelegenheiten normalerweise was essen und ein bisschen spazieren gehe, um aus meinem Gedächtnis irgendwelche möglichst neuen Informationen anderer Schulkameraden zu kramen, weil er sich darum rein gar nicht kümmert und vielleicht auch nur deswegen fragt, weil ihm nichts besseres einfällt.
Wie dem auch sei – wie es der Zufall wollte, hatte die Spangdahlem Air Force Base dieses Wochenende Tag der offenen Tür, „Open House“, also haben wir uns in sein Auto gesetzt und sind dorthin gefahren.

Mit der Sicherheit nahm man es dort natürlich sehr ernst, und der Besucherstrom war beachtlich. Vor dem Einlass eine 100 m lange Warteschlange. Zum Glück kam nach wenigen Minuten ein Soldat, der ansagte, dass Besucher ohne Taschen und Rucksäcke an der Schlange vorbeigehen und gleich zu den Abtastern gehen düften. Die untersuchten jeden Besucher mit einem stangenförmigen Detektor auf metallene Gegenstände, dann durfte man weitergehen und sich in die Warteschlange für den Bus einreihen, denn man durfte sich nicht auf der gesamten Basis frei bewegen, sondern nur auf einem abgesperrten Teil des Flugfelds, wohin man eben mit dem Bus gefahren wurde.

Aber erst mal musste man in den Bus kommen. Mehrere davon fuhren im Dauerbetrieb und dennoch entstanden nicht unerhebliche Wartezeiten – wegen der Sicherheit. Denn nach jeder Fahrt wurde der Bus untersucht, und als ein vergessenes Gepäckstück, eigentlich nur eine weiße Plastiktüte, auftauchte, ging sofort nichts mehr. Niemand durfte die Busse besteigen oder verlassen, das Einlasstor wurde abgeriegelt, und so standen wir erst mal eine halbe Stunde, bis wieder grünes Licht gegeben wurde und der Betrieb weiterlief.

Die Busfahrt zum Flugfeld dauerte ein paar Minuten, weil es sich um ein großräumiges Areal handelt. Aus dem Fenster heraus konnte man erst den Wohnbereich, danach fast leere Löschwasserteiche am Rand des Flugfelds, und dann die Fressbuden auf dem Flugfeld selbst sehen. Da man zur Haltestelle an der Rückseite der Buden vorbeifuhr, konnte man gut sehen, was da angeboten wurde, und große Grillsteaks erweckten meine Aufmerksamkeit.
Aus dem Bus ausgestiegen, sahen wir uns kurz um und stellten sofort zwei Dinge fest. Erstens hielt sich die Ausstellung sehr in Grenzen und zweitens war die Schlange der Leute, die auf den Bus zur Ausfahrt warteten, um ein mehrfaches länger, als am Eingang. Wie wir später merkten, hing das damit zusammen, dass es zwei Eingänge gab, einen am Haupttor und einen auf der gegenüberliegenden Seite Richtung Binsfeld.

Die Fahrzeuge wollte ich erst einmal ignorieren, denn schließlich waren wir ja zu Gast bei der Luftwaffe, und ich machte ein paar Bilder von den geparkten Flugzeugen.

Joint Strike Fighter

Die Oberfläche des Joint Strike Fighters ist übrigens ganz glatt und scheint aus Plastik zu bestehen, im Gegensatz zu den zumindest noch üblichen Metallkonstrukten mit ihren Nieten und Klappen und derlei Unförmigkeiten mehr.
Darüber hinaus besahen wir uns eine 20 mm Gatling und die Sammlung der üblichen US Infanteriewaffen wie zum Beispiel die Beretta, die 12mm Barrett, den M4 Carbine und die leichten Maschinengewehre. Der M4 ist übrigens trotz seiner augenscheinlich geringen Größe erstaunlich schwer und das optische Visier mit dem kleinen roten Punkt verfügt über keinerlei Vergrößerung oder Zielhilfen – ich bleibe bei H&K, da weiß man, was man hat.

Dann gingen wir die Reihe der Imbissbuden ab, und die hatten von Marketing keine Ahnung. Bei gerade einmal zweien von knapp 20 konnte man auf den ersten Blick erkennen, was da angeboten wurde. Zu allen übrigen musste man erst hingehen und einen Blick auf die klein gedruckte Preisliste werfen.
Für Kinder gab es eine Hüpfburg, und für alle, die mal wollten, gab es „Jousting“: Da stehen sich zwei Leute auf wackligem, aufgeblasenem Gummiuntergrund gegenüber, jeder einen Stock in den Händen, dessen beide Enden dick wattiert sind, und das Ziel der Übung ist es, den Gegner von seinem Sockel zu stoßen. Das würde mir zwar Spaß machen, aber ich wollte das jetzt nicht in aller Öffentlichkeit.
Dann gab es noch ABC-Ausrüstung, und wenn man das wollte, konnte man den 35 kg schweren Panzeranzug eines Kampfmittelräumers anziehen.
Das von einer lokalen Brauerei gesponserte Zelt mit der Livemusik drin fanden wir dann nicht so anziehend…

Im Großen und Ganzen muss man sagen: Hier war nicht viel los. Das heißt, gemessen an der Zahl der Zuschauer war eigentlich einiges los, aber geboten wurde für meine von Bundeswehrbesuchstagen mit Panzerfahrten verwöhnten Verhältnisse nicht viel.

Einzig die Flugshow war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kracher und ich muss erneut bedauern, dass meine Kamera eine so lächerliche Auflösung hat. Das Formationsfliegen ist scheinbar seit der Katastrophe in Ramstein vor Jahren abgeschafft, aber eine F16 zeigte Flugmanöver bei Mach 2, bei einer Flughöhe von 50 bis 100 Metern – da flatterte das Trommelfell.

Ja… und dann war’s das eigentlich auch schon. Klar hätten wir uns was zu essen gönnen können, aber der eigentliche Plan war, zu dem Burgerladen in Herforst zu gehen, wo ich letztlich mit Melanie gewesen war, also reihten wir uns in die Schlange der Wartenden ein. Und wir standen über eine Stunde lang, immer wieder ein paar wenige Meter gewinnend, um dann festzustellen, dass wir in der falschen Schlange standen. Die Hinweisschilder darauf, zu welchem Parkplatz die Busse fuhren, ich erwähnte ja, dass es zwei gab, fanden sich erst auf den letzten paar Metern, anstatt an den Enden der jeweiligen Warteschlange. Die Einweiser waren aber flexibel genug, uns einfach direkt zum richtigen Fahrzeug gehen zu lassen, was noch dadurch erleichtert wurde, dass vor „unserem“ eine Gruppe von 20 Leuten stand, die nicht getrennt werden wollte und daher die nächste Gelegenheit abwartete.

Wir genossen also zuletzt unsere Burger, fuhren dann zurück nach Trier und verabschiedeten uns wieder von einander. Ich glaube, von einem simplen Spaziergang hätten wir mehr gehabt, als von der Warterei mit kurzem Besichtigungsintermezzo in Spangdahlem. Drei Stunden waren wir da und zwei Stunden haben wir mit Warten verbracht. Eins ist daher sicher: Zu denen gehe ich am Tag der offenen Tür nie wieder.

12. März 2011

Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein…

Filed under: Arbeitswelt,Japan,Militaria — 42317 @ 23:26

…doch ich armer Arbeitsloser wollte nicht mehr joblos sein.

Am 8. März erhielt ich einen Anruf in englischer Sprache, den ich erst gar nicht zuordnen konnte. Nach einigen Sätzen erst wurde klar, dass man mich zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Nach Oberammergau. Ob ich in zwei Tagen, am 10. März um 16 Uhr, kommen könne, oder ob mir ein Telefoninterview lieber sei. Ich bat mir zwei Stunden Zeit aus, um zu prüfen, ob mir ein Kommen technisch und finanziell überhaupt möglich war.

Oberammergau? Am Südende Deutschlands also. Und, ach Du lieber Himmel – Passionsfestspiele! Ich erinnerte mich nur dunkel, dort einmal eine Bewerbung hingeschickt zu haben. Laut meiner Unterlagen hatte ich mich Ende Dezember beworben. Nach zwei Monaten Wartezeit hatte ich die Hoffnung aufgegeben. Die Jobbeschreibung war nicht mehr aufzutreiben, und den Trick, wie man Seiten im Internet findet, die es eigentlich nicht mehr gibt, kenne ich nicht mehr. Aber in dem Moment hatte ich eher kurzfristige Sorgen. Natürlich wollte ich meine Motivation unter Beweis stellen und lieber hinfahren, als fast anonym angerufen zu werden. Abgesehen davon bin ich gern mit dem Auto unterwegs. Aber die Frage der Kosten musste geklärt werden.

Anruf beim Arbeitsamt, bei meinem Vermittler, etwa um halb drei. Da ging keiner ans Telefon. Also bemühte ich mein soziales Offlinenetzwerk, mein Dank an Alex, und erhielt die Versicherung, dass mich bald jemand anrufen werde, der mir weiterhelfen könne. In der Zwischenzeit organisierte ich mehrere Reiseetappen: Mein Vater musste mir sein Auto leihen, damit ich nicht vom fahruntauglichen Großvater in Saarbrücken abgeholt werden musste. Der Großvater musste mir wiederum sein Auto leihen, damit ich nach Oberammergau und wieder zurück kam, was die Kiste meines Vaters nicht gewährleistete. Und weil ich nicht knapp tausend Kilometer inklusive eines nervlich sicherlich nicht anspruchslosen Vorstellungsgesprächs am selben Tag bewältigen wollte, organisierte ich eine Übernachtung bei einem alten Kameraden in Stuttgart, den ich seit etwa elf Jahren nicht gesehen hatte.

Schließlich kam der Anruf vom Arbeitsamt. Mein Vermittler sei im Urlaub und seine Vertretung bereits um 12 gegangen. Eigentlich müsse ich den Antrag vor Reisebeginn stellen und dafür eine schriftliche Einladung des potentiellen Arbeitgebers vorlegen. Nun musste ich aber morgen bereits aufbrechen, weil ich sonst ja nicht am frühen Morgen des 10. März losgekommen wäre, und das ist zu knapp, um noch eine schriftliche Einladung zu erhalten und den Antrag zu stellen. Das sei aber in Ordnung, sagte die Dame am Telefon, sie habe meine mündliche Mitteilung festgehalten und ich könne und müsse die notwendigen Schriftstücke nachreichen, den Antrag werde sie mir umgehend zusenden.

Dann blieb also nur noch, mit dem amerikanischen Anrufer zu klären, wie das mit den Fahrtkosten handhabbar sei, außerdem wollte das Arbeitsamt natürlich wissen, wie denn die Organisation hieß, die cih besuchen würde. Da mir die Daten des Jobs nicht mehr zur Verfügung standen und meine Notizen nur sagten „Computer Assistant, Oberammergau, US Army“, musste ich natürlich noch ein bisschen was in Erfahrung bringen. Schließlich heißt es, dass Arbeitgeber es mögen, wenn man sich über ihren Laden informiert und zumindest oberflächliches Insiderwissen ins Bewerbungsgespräch einstreuen kann.
Nur kam der versprochene Rückruf um 1630 nicht. Ich rief um kurz nach fünf also selber an, aber da hatte der Anrufer scheinbar bereits Feierabend. Das würde die Angelegenheit ein bisschen verkomplizieren, aber es würde sich sicherlich eine Lösung finden.

Am Morgen des 9. März saß ich also ab 0800 neben meinem Handy und wagte kaum, aufs Klo zu gehen. Kurz vor halb Neun war es dann soweit: Der potentielle Arbeitgeber würde die Fahrtkosten wohl nicht übernehmen, aber man würde mir auf jeden Fall die notwendigen Dokumente zur Verfügung stellen, um meinen Rückerstattungsantrag (offiziell: „Antrag auf Gewährung einer Förderung aus dem Vermittlungsbudget gem. § 16 Abs. 1 Sozialgesetzbuch – Zweites Buch – (SGB II) i.V.m. § 45 Sozialgesetzbuch – Drittes Buch – (SGB III)“) zu ermöglichen.
Und bei dem Arbeitgeber handelte es sich um die „NATO School Oberammergau“ (NSO). Klingt sehr interessant. War natürlich lustig, als der Anrufer versuchte, mir klarzumachen, dass die Adresse „Am Rainenbichl 54“ lautet. Man versuche das mal als Amerikaner, der nur das allernotwendigste Deutsch spricht. Die etwa fünfminütige Unterhaltung wurde also zu einem nicht unwesentlichen Teil in Form von Buchstabierungen gemäß des NATO-Alphabets geführt, um sicherzugehen, dass wir die richtigen Daten übermittelten.
Im Anschluss gab ich die erhaltenen Daten noch telefonisch an das Arbeitsamt weiter und nachdem ich meinen Anzug verpackt hatte, konnte die erste Reiseetappe losgehen.

Bus zum Bahnhof. Verdammt, ich habe meine Kamera vergessen!
Zugfahrt Richtung Völklingen, kostet 13,90 E. Die Zeit konnte ich mir mit dem aktuellen Trierischen Volksfreund vertreiben, den ein Fahrgast an diesem Morgen liegen gelassen hatte. Darin ein Artikel zur Geschichte der Fastenzeit, in dem unter anderem zu lesen war, dass man Maultaschen in Schwaben wohl auch „Herrgottsbescheißerle“ nennt, weil man in der Teighülle Fleisch „verstecken“ konnte. Vielleicht hätten sie’s besser „Pfarrerbescheißerle“ genannt, denn wenn man an Gott glaubt, kann und muss man davon ausgehen, dass der sich in seiner allmächtigen, allwissenden und allsehenden Art wohl kaum von einer Teighülle täuschen lässt.

In VK einen Tee getrunken und in die Klapperkiste des Vaters gesprungen, und nach Gersheim gefahren. Nach dem Mittagessen habe ich einen alten Freund im Ort angerufen und ihn gebeten, mir seine Internetverbindung mitsamt Drucker und Papier zur Verfügung zu stellen. Ich recherchierte dort also die NSO und zog mir alle Texte über Geschichte, Aufgaben, und Unterrichtspläne, dazu noch die Grunddaten der NATO seit ihrer Gründung, insgesamt 25 klein bedruckte A4 Seiten. Das drückte ich mir den Nachmittag über in den Kopf, und am Abend entfernte ich den übermäßigen Haarwuchs auf demselben. Für einen Film am Abend hatte ich gar keine Zeit.
Die Seiten der NSO weisen eine Reihe von Grammatik- und Rechtschreibfehlern auf, zudem existiert dort ein Mischmasch von amerikanischem und britischem Englisch, und zuletzt wird dort mit militärischen Abkürzungen herumgeworfen, dass ein unbedarfter Leser keine Freude dabei haben dürfte. Akronyme wie SHAPE, SACEUR oder JFCOM werden entweder gar nicht oder erst an späterer Stelle erklärt. Auch das Webdesign erschien sogar mir stellenweise amateurhaft, hauptsächlich wegen der Uneinheitlichkeit zwischen den einzelnen Fachbereichen. Das hätte ich mir ein bisschen professioneller vorgestellt.
Als letztes schnitt ich mir noch die Haare auf die üblichen sechs Millimeter runter, Rasieren würde ich mich morgen früh.

Am andern Morgen Aufstehen um 0615. Gemäß dem mir innewohnenden Alarmwecker für Tage mit hoher nervlicher Belastung erwachte ich selbständig um exakt sechs Uhr, und das hatte seinen Grund nur zum Teil in der vermaledeiten Turmuhr am anderen Ende der Wohnung mit ihrem verdammten Glockenschlag.
Nach dem abendlichen Sechsmillimeterschnitt am oberen Ende am Morgen also Entfernung des Haarwuchses unterhalb der Brille. Wie schön, ich hatte auch meinen Rasierer vergessen. Das hieß, ich musste auf die Packung Einmal-Rasierer des Großvaters zurückgreifen. So ein widerliches Kroppzeug kann man sich kaum vorstellen, mein Gesicht sah nachher aus wie ein rohes Schaschlik, nur ohne Spieß drin. Ich entfernte die Blutkrusten durch eine letzte Gesichtswäsche, bevor ich mich aufmachte, und zum Glück war es damit dann gut.

Abfahrt Richtung Südosten um 0720. Das Navigationsgerät zeigt mir eine geschätzte Reisezeit von knapp fünf Stunden, aber bei einer Strecke von über 400 Kilometern ist es nicht auszuschließen, dass es Schwierigkeiten mit Baustellen und was weiß ich noch was geben kann. Ich rechne einfach mal mit sechs Stunden.
Landstraße nach Zweibrücken, Autobahn und Bundesstraße Richtung Landau, durch Hinterweidenthal und das Trifelsland. Schließlich Autobahn nach Karlsruhe, von dort in Richtung Stuttgart. Auf der Strecke holte ich mir mein erstes Premiumfoto wegen überhöhter Geschwindigkeit. LKW mit 120 überholt, währenddessen Begrenzung auf 100. Direkt nach Abschluss des Überholmanövers Begrenzung auf 80. In der Regel gehe ich nicht in die Eisen, sondern nehme einfach den Fuß vom Gas. Leider ging’s da aber leicht bergab – als es in der nächsten Kurve blitzte, standen immer noch etwa 100 km/h auf dem Tacho. Es gibt halt immer ein erstes Mal und bei der nächsten Gelegenheit bemühe ich halt lieber die Bremsklötze.

Die Nachrichten im Radio verkünden mir eine Weile später ein interessantes Urteil eines Kölner Gerichts: Es soll Hartz-IV-Empfängern verboten werden, Glücksspiele zu spielen. Klingt an sich vernünftig, weil man dabei in erster Linie an die dämlichen Automaten in der Kneipe und an verantwortungsloses Pokern in verrauchten Nebenzimmern denkt – aber wie ich später höre, schließt dieser Begriff ganz locker auch Lotto ein. Wie man als Betreiber einer Lottoannahmestelle einen Hartz-IV-Empfänger erkennt, ist mir nicht klar, aber vielleicht wird ja demnächst verlangt, dass man sich einen „Hartz-IV-Stern“ an die Jacke näht? Laut dem zitierten Urteil drohen bei Missachtung des Verbots bis zu sechs Monate Gefängnis oder eine Geldstrafe von 250.000 E. Zweihundertfünfzigtausend Euro. Von einem Sozialhilfeempfänger. Es gibt Dinge, die sind so scheiße, dass man drüber lachen muss, um mal den Feldwebel Diete (1998) zu zitieren.
Wie wäre es, wenn diese scheinbar gelangweilten Bürokraten die Leute mit den paar Kröten, die sie nicht zum nackten Überleben brauchen, machen ließen, was ihnen Spaß macht?

Von Stuttgart in Richtung Kempten, um kurz nach Elf machte ich eine kurze Pause. Ist das zu glauben? Der Fruchtsaft, den ich mir für die Fahrt gekauft hatte, steht noch in der heimatlichen Küche! Zum Aus-der-Haut-fahren ist das doch! Dann muss es eben ohne gehen, bis ich in Oberammergau vielleicht was zu trinken kaufen kann.
Im Radio hörte ich, wieder unterwegs und wohl anlässlich der christlichen Fastenzeit, einen Beitrag über Verzicht und Sucht, am Beispiel des Alkoholismus… wenn ich mir vornehme, eine Woche auf Alkohol zu verzichten und schaffe es nicht, dann ist der Fall wohl klar, aber ebenso bedenklich sei es, wenn allein die Überlegung eines solchen Verzichts schon Gegenreaktionen hervorruft („Ach was, das ist doch nicht nötig…“)

Irgendwo bei Kempten sollte ich dann von der Autobahn abfahren und auf der Landstraße weiter nach Oberammergau reisen. Ja, sollte, hätte, würde. Die Autobahn da unten ist nämlich neuer als die Daten im Navi. Das Navigationsgerät geht nämlich noch davon aus, dass die Autobahn mitten in der Vorgebirgspampa aufhört und in eine untergeordnete Straße überleitet. Ist aber nicht mehr so. An dem Punkt, wo mir die Abfahrt signalisiert wird, befindet sich keine solche, und auch danach kommt keine weitere Abfahrt. Schließlich durchfahre ich einen Tunnel und werde auf der anderen Seite durch ein Schild in Österreich willkommen geheißen, und die Autobahn hat sich in das Gegenstück zur deutschen Bundesstraße verwandelt.

Positiv an dieser Situation war aus ästhetischer Sicht eindeutig das schöne Wetter, das herrschte, denn bei Sonnenschein sehen die Alpen schlicht besser aus, als wenn es bewölkt ist, und aus technischer Sicht, dass das mir vorliegende Navigationsgerät auch Österreich mit einschließt. Ich wurde am so genannten Plansee vorbeigeführt, der zum Großteil geradezu malerisch zugefroren ist, durch ein beschauliches Dorf mit dem Namen „Kretzelmoos“, wo der Sprit auch nicht billiger zu sein scheint, als bei uns, anschließend über einen Pass, wo noch meterhoch der Schnee und stellenweise Eis auf der Straße liegt, bis ich dann auf einer unauffälligen Landstraße einen ebenso unauffälligen Grenzübergang überschritt, und mich auf den letzten 20 Kilometern Oberammergau von Südwesten her näherte, anstatt von Nordwesten.

Um kurz nach 13 Uhr war ich in Oberammergau und stand auf dem Parkplatz der dortigen Kaserne. Die Architektur der drei- bis vierstöckigen Gebäude aus den Dreißigern hat etwas Bedrohliches an sich. Die Anlage war 1934 eröffnet worden und beherbergte ursprünglich die 54. Gebirgsfernmeldekompanie der I. Gebirgsdivision. Die NSO befindet sich in einem weiter abgegrenzten Bereich der Kaserne, deren frei zugänglicher Teil die Verwaltungsschule der Bundeswehr beherbergt.
Ich hatte also noch drei Stunden Zeit. Ich nutzte sie, um meine Notizen zur NSO noch einmal durchzugehen und ging zwischendurch auf eine Toilette der Verwaltungsschule. Ich fragte eine der Angestellten, ob man hier irgendwo was zu trinken kaufen könne. Ja, es gebe eine Kantine… aber halt, die sei heute ausnahmsweise geschlossen, weil wegen des Faschings die Kurse später angefangen hätten und nichts los sei. Einen Supermarkt gebe es in der näheren Umgebung nicht. Diese Information erhielt ich übrigens in einwandfreiem Hochdeutsch, was ich hier in Bayern so nicht erwartet hätte.

Ich ging um 1530 zum Tor, wo ich mich anmelden sollte. Noch bevor ich begriff, dass es sich auch hier um eine private Sicherheitsfirma handelte, sprach ich den Wachmann in englischer Sprache an, sah dann das Abzeichen seiner Firma, und dann hörte ich die Art und Weise, wie er Englisch redet. Wir wechselten also zu Deutsch, und ich würde den Dialekt für zwei Drittel Österreichisch und ein Drittel Bayrisch halten. Eine interessant klingende Mischung, die mir weniger „großkopfert“ vorkommt, wie die Münchner Vorlage.

Wie dem auch sei, ich stand nicht auf der Besucherliste. Wie habe ich bei einer militärischen Organisation auch erwarten können, dass solcherlei Dinge glatt laufen? Wer mich denn eingeladen habe, fragte der Wachmann. Auch darauf konnte ich keine Antwort geben, weil ich diese Angabe am Telefon nicht verstanden habe. In der Regel nennt der Gegenüber seinen Namen in der kurzen Phase, die ich brauche, um auf Englisch umzuschalten. Ich machte also auf dem Absatz kehrt, ging zurück an das Auto, kramte mein Telefon hervor, und wählte die Nummer, von der die Anrufe bislang kamen. Mein Kontaktmann versprach, das zu klären. Ich ging also wieder zum Wachmann, der mir einen Besucherausweis für meinen Personalausweis überreichte und mich in ein kleines Nebengebäude 80 m weiter schickte. Dort sollte ich beim Master Sergeant vorsprechen.

In dem grauen Containerbau befinden sich ein großes und eine Handvoll kleinerer Büros, nebst einer Toilette direkt am Eingang. Ein klassisches Geschäftszimmer, eine Soldatin links am Rechner, ein Soldat rechts am Rechner. Ein paar eher unauffällige Details im Raum lassen die Vermutung zu, dass diese Verwaltungsstelle von der US Air Force betrieben wird. Ich müsse wohl noch etwa 20 Minuten warten, sagt der Soldat rechts und weist mir einen Bürostuhl neben der Eingangstür zu.
Wo ich den herkäme, wollte er dann wissen. Ich werde mit „Sir“ angesprochen, fühlt sich irgendwie irre an…
Saarland? „Äh…“ Kennt er nicht.
Trier? „Äh…“ Kennt er auch nicht.
Bitburg? „Ah!“ Davon hat er gehört. Ich unterlasse die Frage, ob er es wegen des Biers oder wegen des Luftwaffenstützpunkts in der Gegend kennt.
Ich fragte lieber, ob schwarze Stiefel bei der Armee außer Mode geraten seien. Er gab an, dass er zuletzt 2003 schwarze Stiefel getragen habe, seitdem gebe es eigentlich nur noch die sandbraunen Exemplare aus Wildleder. Das sind ja tolle Aussichten für mich, ein Paar schwarzer Armeestiefel aufzutreiben.
Kurz darauf kam ein amerikanischer Gefreiter herein und sagte, er überbringe eine schriftliche Anfrage („request“). Die Soldatin links nahm das Blatt entgegen, runzelte die Stirn und fragte ihn:
Wie schreibt man request?“
„Nun, R-E-Q…“ Er zögerte eine Sekunde.
„R-E-Q-U-E-S-T! Da ist ein U drin!“
„Echt? Oh…“ Er nahm eines von diesen Korrekturbändern vom Schreibtisch, strich das falsche Wort aus und schrieb es mit einem Kugelschreiber richtig drüber. Ich amüsierte mich prächtig. Elitäre Verhältnisse bei der NSO.

Dann kam der Master Sergeant herein. Ich hätte, der Stimme am Telefon nach zu urteilen, alles mögliche andere erwartet, aber nicht einen Schwarzen Ende 20 von 1,65 m. Immerhin macht er einen geistig wacheren Eindruck als sein dröges GeZi-Personal. Er führte mich in das größere Gebäude nebenan, in das Besprechungszimmer, wo das Bewertungskomittee saß. Mich empfing ein dicker Oberst der Bundeswehr, neben ihm ein Oberstleutnant der gleichen Armee, und eine Dame um die Fünfzig in Zivil. Der Master Sergeant war der einzige Amerikaner im Raum, und der ist noch nicht mal von der Army, an die ich die Bewerbung mal geschickt hatte. Ich war etwas verwirrt. Man wies mir auf Deutsch einen schwankenden Stuhl zu (also einen Bürosessel, dessen Ausrichtung sich dem jeweiligen Körperschwerpunkt angleicht) und führte dann das Gespräch in englischer Sprache weiter. Die beiden Leute von der Bundeswehr haben einen schier grausamen Akzent, ihre Grammatik weist Fehler auf. „Thank you for your informations.“ Alles klar? Warum musste ich gerade von solchen Leuten interviewt werden? Nicht, dass die beiden Offiziere unsympathisch wären, aber ihre Art, Englisch zu sprechen, hat auch nicht dazu beigetragen, dass ich in die Situation hineinfand.

Ich glaube nicht, dass das Gespräch günstig für mich gelaufen ist. Ich habe mir eine Menge Zeug zurecht gelegt, aber da ich in mündlichen Prüfungssituationen zur Nervosität neige, habe ich die Hälfte davon vergessen, was zum Beispiel die Heraushebung persönlicher Stärken betrifft. Ich muss davon mal eine schriftliche Liste erstellen, damit ich mich an die auch unter Stress erinnern kann. Ich hätte spontan erwähnen können, dass ich Englisch besser schreibe, als so mancher Muttersprachler hier am Standort.
„Warum bewerben Sie sich für diese Stelle?“ fragte der Oberst gleich zu Beginn. Anstatt also die landschaftlichen Vorzüge des Allgäus zu loben, auf Alpenurlaube meiner Kindheit hinzuweisen (womit ja eine persönliche und emotional nachvollziehbare Motivation genannt worden wäre), und letztendlich vom guten Ruf der NSO zu lobhudeln, wo meine Anstellung nur verglichen werden könne mit dem Videospielfreak, der ein Jobangebot von Nintendo erhält, zerschoss ich mein Anliegen sofort mit der ebenso wahren Geschichte, dass ich lediglich wegen der Jobbeschreibung, in der von Berufserfahrung keine Rede war, auf den Gedanken gekommen war, dass ich für die Arbeit geeignet sei und dass ich im Grunde nur versuchen wolle, auf dem Jobmarkt Halt zu bekommen. Die Aussage tat mir im gleichen Moment leid, in dem ich den Satz beendet hatte. Goodbye, Oberammergau.
Von der Frage nach meiner Erfahrung im Bildungsbereich müssen wir gar nicht reden. Bis zu genau dem Zeitpunkt bin ich davon ausgegangen, es handele sich um einen Verwaltungsjob, für den man eben MS-Office-Kenntnisse braucht. Erst, als die Frage nach meiner Erfahrung im Bildungsbereich kam, ging mir ein Licht auf: Es geht nicht nur um Verwaltung – es geht um die Entwicklung und die Bereitstellung von Lerninhalten für die internationale Gemeinschaft von Offizieren und Unteroffizieren, die hier weitergebildet werden soll. Ich konnte an der Stelle nur darauf verweisen, dass Zweitspracherwerb mit Hilfe von elektronischen Korpora immerhin ein Schwerpunkt meiner Universitätsausbildung war, und dass ich zumindest über theoretisches Wissen über die Anwendung pädagogischer Inhalte am Rechner verfügte. In dem Moment fragte ich mich, warum die mich überhaupt eingeladen hatten, denn schließlich möchte ich mal ausschließen, dass hier Dutzende von Leuten vorsprechen und nicht ein Großteil von denen bereits über das hier geforderte Hintergrundwissen verfügt.
Ich glaube, die einzig gute Antwort, die mir einfiel, gehört zu der Frage, warum ich der Meinung sei, ich sei der beste für diesen Job geeignete Bewerber. In einem Anfall von rhetorischem Geschick (und selbst das ist im Nachhinein fragwürdig) wies ich darauf hin, dass es dumm von mir wäre, genau das zu behaupten, nämlich der beste zu sein, dass ich aber stattdessen mit gutem Gewissen behaupten könne, die mir gestellten Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen zu erledigen.
„Haben Sie noch Fragen?“ Mir fällt in der Regel auf die Frage nie was ein, aber in diesem Fall interessierte mich natürlich, ob mir im Falle des Falles jemand helfen könne, eine Wohnung für zwei zu finden, und wie die Mieten seien. Ja, Hilfeleistung bei der Wohnungssuche sei auf jeden Fall drin, und die Warmmieten für 2ZKB lägen so bei 450 E.
Außerdem interessierte mich die Frage, warum man jemanden wie mich, der über keinerlei konkrete Berufserfahrung in dem gewünschten Feld verfügt, denn überhaupt eingeladen habe. Das entscheide die Personalstelle des Hauptquartiers in Stuttgart, erzählte mir der Oberst. Er erhalte nur die Daten der Auserwählten, lade sie ein, stelle ihnen die notwendigen Fragen, und gebe anschließend seine Auswahlempfehlung weiter.

Kurzum, wenn man mich nicht wegen meines sympathischen Auftretens nimmt, ist dieser Zug abgefahren. Ich verabschiedete mich nach etwa 20 Minuten und ging zum Auto zurück. Da war es zwanzig vor Fünf. Ein eher zufälliger Blick auf meine Notizen offenbarte mir aber etwas, an das ich hätte denken sollen: Ich brauche schriftliche Nachweise meiner Einladung und meiner Anwesenheit. Ich wählte erneut die Nummer des Master Sergeants, aber der war in jenem Moment bereits mit dem nächsten Bewerber beschäftigt und ich erwischte nur den geografisch unbegabten GeZi-Soldaten. Ich solle in 30 Minuten noch einmal anrufen, sagt der.

Ich döste also im Auto vor mich hin, bei offenem Fenster. Auf dem Parkplatz, auf den die Sonne herabschien, war es fast frühlingshaft warm. Ein paar Meter links von mir befand sich eine Mauer, hinter der sich die Wohnanlage der NSO verbirgt. Ein paar Kinder spielten direkt hinter der Mauer, am deutlichsten dabei ein Englisch sprechender kanadischer Junge, der im Laufe der halben Stunde dreimal „What the balls!?“ ausrief. „What the fuck?“ ist für Angehörige von Offizieren wohl zu vulgär, und auch „What the hell?“ scheint irgendwie verpönt. Ich hätte daher mit „What the heck?“ gerechnet, aber „What the balls?“ ist mir völlig neu, und auf Grund der dennoch inneliegenden sexuellen Anspielung sehr amüsant. Dass es sich um einen jungen Kanadier handelte, konnte ich daraus erfahren, dass im Laufe meines Zuhörens weitere Kinder den abgesperrten Bereich betraten, denen er sich dann als Kanadier vorstellte.

Um Viertel nach Fünf rief ich erneut im Geschäftszimmer an, aber der Master Sergeant war immer noch nicht da. Ich schilderte also dem Soldaten am anderen Ende der Leitung die Lage quasi zweimal, bis ich das Gefühl hatte, dass er verstanden hatte, was ich brauche, damit mir die Bürokratie meine Reisekosten ersetzt. „Das ist aber nett!“ sagte er dazu. Ich hätte ihm beinahe einen Vortrag über den Unterschied zwischen sozialer Sicherheit einerseits und dem amerikanisch-konservativen Hirngespinst von der „sozialistischen Sicherheit“ andererseits gehalten, aber ich hielt mich zurück.

Um zwanzig nach Fünf aß ich mein zweites Brötchen und machte ich mich dann endgültig auf den Weg, und binnen der kommenden 30 Kilometer brauchte ich dringend eine Tankstelle. Ein Supermarkt wär auch nicht schlecht gewesen, denn ich hatte mittlerweile Durst. Ich fuhr in den Ort hinein, um zu sehen, ob ich vielleicht eines der bekannten Markenschilder entdecken konnte. Die Gassen sind eng und verwinkelt, die Verkehrsführung unübersichtlich, weil hier die Häuser scheinbar nach Zufallsprinzip nebeneinander gestellt wurden und Jahrhunderte später hat man einfach an den breitesten Stellen eine Straße durchgeführt. Ich fand eine Apotheke, das Rathaus, das sich von den anderen Häusern nicht so deutlich unterscheidet, einen Laden für Schnitzereien, für sonstige Andenken, zwei kleine Elektroläden, Pensionen und Hotels, aber der einzige Laden, in dem es was zu trinken gibt, ist ein Spirituosengeschäft.
Wie durch ein Wunder fand ich ohne große Probleme wieder aus der dörflichen Innenstadt heraus und fuhr zurück Richtung Kempten, diesmal ohne Ausflug nach Österreich.

Nach Oberammergau durchquerte ich Unterammergau… später tankte ich dann in Saulgrub… die Bayern haben schon lustige Ortsnamen. Wenn hier in Kenn lauter Kenner wohnen, dann muss ich wohl davon ausgehen, dass da unten in Söld ausschließlich Söldner leben.
Ein Kalauer, hahaha!
Im Radio lief ein Informationsprogramm zum Thema Darmkrebs, dessen Auftreten bei Menschen über 50 sprunghaft ansteigt, für den es allerdings mittlerweile gute Früherkennungs- und Heilverfahren gebe. Spätestens ab dem 54. Lebensjahr kann man anscheinend von der Krankenkasse bezahlte Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

In Saulgrub hatte ich meine erste feindliche Begegnung mit der E10 Zapfsäule und ging erst mal an die Kasse, um Informationen zu meinem Autotyp zu erhalten. Zu Peugeot stand da geschrieben, dass alle Modelle, die nach 2000 gebaut worden sind, E10 vertragen. Ich glaube mich allerdings zu erinnern, dass das vorliegende Modell bereits Ende der Neunziger gebaut worden ist. Ich hätte in den Papieren nachsehen können, aber ich kam in dem Moment nicht drauf. Abgesehen davon tanke ich grundsätzlich Super Plus, bzw. Treibstoff mit einer Oktanzahl von mehr als 95, weil der Motor besser läuft und das Plus an Reichweite den Preisunterschied ausgleicht. Auch die Angestellte hier sprach ein überraschend sauberes Hochdeutsch. Sind es dann letztendlich doch die Schwaben, bei denen man niemanden findet, der es beherrscht?

Mein erster Versuch, auf die Autobahn zu kommen, scheitert ebenso wie mein vergangener Versuch, sie zu verlassen: Statt einer Auffahrt sehe ich an der im Navigationsgerät vorgesehenen Stelle eine Baustelle von einem halben Hektar. Dann also weiter durch die Landschaft, versorgt mit Informationen zum Thema Darmkrebs. Als der Sender auf der Autobahn Richtung Stuttgart dann zu schwach wurde, fand ich woanders einen Beitrag über eine Buchhändlerin, das heißt die Besitzerin der so genannten „Literaturhandlung“, aus München, eine Frau Dr. Rachel Salamander. Scheinbar eine interessante Persönlichkeit, die mit Literaturgrößen wie Reich-Ranitzky auf Du-und-Du ist, und natürlich konnte der Moderatur sich den Seitenhieb nicht verkneifen, indem er fragte, ob sie denn eine „echte“ Doktorin sei. Ja, sie hat summa cum laude in Mediävistik promoviert.

Bei der Einfahrt in Stuttgart dann eine Sendung zum Thema Hartz-IV, die ich leider nicht zu Ende hören konnte. Es ging um einen Geisteswissenschaftler, der unter anderem Philosophie studiert hatte und nach seinem Abschluss ein Jahr arbeitslos gewesen war. In diesem Jahr hat er wohl seine Erfahrungen mit den Arbeitsämtern protokolliert und dann ein Buch darüber herausgegeben, und vieles von dem, was er erzählte, entsprach voll und ganz meinen eigenen Eindrücken: Dass zum Beispiel das Personal der Arbeitsämter mit Universitätsabsolventen völlig überbeansprucht ist und selbst nicht weiß, was man mit denen anfangen kann, und dem entsprechend fielen die wenigen Jobangebote und Fortbildungsmaßnahmen aus, die er in dieser Zeit von dort bekam. Er sagte, er sei nur einmal an eine junge, scheinbar neu eingestellte Urlaubsvertretung geraten, die ihm von sich aus von Fördermitteln erzählte, auf die er Anspruch habe, und die ihm auch was nutzten. Sie war scheinbar noch nicht von ihrer Umgebung befleckt, sagte er, und mutmaßt weiterhin, dass wohl niemand, der über die Kontakte und die Anlagen verfügt, etwas anderes in dem Feld zu finden, als Vermittler beim Arbeitsamt (bzw. ArGe/“Jobcenter“) bleibe. Ich interpretiere: Wenn ich als Zivilist für nichts tauge, melde ich mich zur Armee, und wenn ich für die Armee grade einen Tick zu gut bin, dann bewerbe ich mich beim Arbeitsamt. Ich sehe Alex schon indigniert die Stirn runzeln…

Um halb Neun erreichte ich die Adresse, wo ich übernachten möchte, und ein dieser Tage bärtiger Kamerad aus den Zeiten bei der eben erwähnten Armee empfing mich sehr herzlich. Wir tranken zwei Flaschen Wein und unterhielten uns über dies und das, wobei seine negative Weltsicht einen nicht unwesentlichen Teil zum Inhalt beisteuerte. Ich kann’s ihm auch nicht verdenken, schließlich ist er seit mehreren Jahren arbeitslos, das frisst am Selbstbild. Er zeigte mir ein Jobangebot, Vollzeitstelle, aber bei „Zoo & Co.“ brauche er sich erst gar nicht zu bewerben, weil die ihn schon einmal abgewiesen hätten, wo ich mir denke „Na und?“ Eine Standardbewerbung zu versenden kostet nicht wirklich ultimativ viel Mühe, aber mich beschleicht das Gefühl, dass er in dieser Hinsicht schlicht aufgegeben hat. Dass er sein eigenes Ding mit Internetgeschäften machen will, ist natürlich gut, ich hoffe aber inständig, dass sich dieses Projekt letztendlich nicht als auf Sand gebaute Realitätsflucht erweist. Als Laie diagnostiziere ich hier einen manisch-depressiven Zustand, und ich habe eine gute Vorstellung davon, wie so jemand tickt. Ich verspreche jedenfalls, an Arbeit beizusteuern, was ich kann, denn mit dem Englischen hat er es nicht so, und ich bin weit davon entfernt, irgendjemanden hängen zu lassen. Vielleicht sollte ich das mal ganz oben auf der Liste meiner persönlichen Stärken festhalten.

Die Wohnung macht einen ganz ähnlichen Eindruck wie sein Innenleben. Aufgeräumt, ja, wenn auch mit einer Menge Krempel vollgestopft, aber ich meine mehr die Grundvoraussetzungen, die diese Wohnung bietet. Es handelt sich um einen Altbau, dessen widerliche Backsteinarchitektur den Eindruck macht, er stamme aus dem finstersten Industriezeitalter in der späten Kaiserzeit. Die Heizung ist uralt, die Fenster entsprechen keinem Umwelt- oder Energiestandard der vergangenen 30 Jahre. Zum Waschbecken im „Bad“ muss ich mich zum Zähneputzen sehr tief herabbeugen oder mich auf die Toilette setzen. Der Boden dieses 0,5 qm kleinen Raums besteht aus Holz, von einem Bodenabfluss keine Spur. Der Geruch der sanitären Anlage zeugt vom Sanierungsbedarf der Rohrleitungen. Und das allerverrückteste: Wenn man duschen oder baden möchte, muss man hierzu in die Küche gehen! Gegenüber der Kochzeile mit Waschmaschine befindet sich ein metallener Deckel von 1×2 Metern, unter dem sich eine Badewanne verbirgt. Und für dieses Loch zahlt man in Stuttgart über 400 Euro Warmmiete. Ich gehe davon aus, dass meine Wohnung in Trier ein paar Quadratmeter weniger hat, aber dafür befindet sich das Haus in einem allgemein viel besseren Zustand.

Um halb zwei war ich dann so müde, dass ich die Augen kaum noch offen halten konnte. Ich nahm daher in einem Schlafsack, der gerade so breit ist, dass ich noch problemlos reinpasse, die linke Hälfte seines Doppelbetts in Beschlag. Mein Gastgeber ging um etwa Drei ins Bett und stand um Acht wieder auf. Bis ich die Augen aufkriegte, war es bereits Zehn.

Ich betrat das Wohnzimmer und hätte wegen des kalten Zigarettenrauchs schon kotzen können. Dann wurde ich empfangen mit der Nachricht, dass in Japan ein kleiner Weltuntergang stattgefunden habe, dass es in Sendai starke Zerstörungen gegeben habe und wegen des Ausfalls eines Kühlsystems in einem Kernreaktor bei Fukushima eine nukleare Katastrophe drohe. Ich sah auf dem Computerbildschirm Szenen von meterhohen Gerölllawinen, die sich durch Ortschaften und über Reisfelder ergießen, Autos, die wie Spielzeug einfach weggespült werden, brennende Häuser, die auf der Welle schwimmen. Nicht ganz Taiyô no Mokushiroku („Die Apokalypse der Sonne“, ein Anime mit Endzeitthema und sozialem Anspruch), aber nah dran. Das Hanshinbeben in Kobe (1995) hat damals 4500 Menschenleben gekostet. Je nach Vorwarnzeit könnten es diesmal mehr sein, vermutlich aber weniger als in Tokyo anno 1923, das mit über 140.000 Toten kaum zu übertreffen sein dürfte.
Das aktuelle Beben wird mit 8,9 auf der Richterskala angegeben… ach Du meine Güte! Hätte dieses Beben die Insel direkt getroffen, wäre jede Stadt in dem Gebiet in Schutt und Asche versunken. Ich glaube, die Wolkenkratzer in Tokyo halten nur Stärke 8 aus, und das Kantôgebiet, in dem sich die Metropole befindet, beherbergt ein Wirtschaftsvolumen, das dem ganz Frankreichs entspricht – man stelle sich vor, ganz Frankreich würde zerstört. Unglaublich.

Nach 20 Minuten war klar, dass die Faktenlage noch viel zu unsicher ist, um mehr als das Allergröbste zu erfahren, außerdem waren die Webseiten der Nachrichtensender völlig überlastet, was das Betrachten der wenigen verfügbaren Videos schwierig machte. Es wird wohl Tage dauern, bis handfeste Informationen verfügbar sein werden, und bis dahin wird sich die Presse dankbar auf den kritischen Zustand des Atommeilers stürzen. Das verkauft sich wegen Chernobyl (1986) noch besser als eine überspülte Landschaft und eine verwüstete Großstadt, die beide weit weg von hier sind.
Meine Sorge gilt jedenfalls in erster Linie meinen Freunden Kanako und Yui, die an der Universität von Sendai studieren. Den Bekanntschaften im Rest des Landes werde ich ich später schreiben, in Stuttgart verfügte ich ja nicht über japanische Tastaturunterstützung.

Um halb Zwei machte ich mich wieder auf in Richtung Heimat und warf die nicht mehr benötigten Notizen, die ich vor meiner Reise ausgedruckt hatte, in einen Papiermüllbehälter in dem kleinen Hof des Mietshauses. Um Stuttgart herum viel Stau, die Autobahn nach Karlsruhe wird auch vielerorts ausgebessert, zum Teil Stop-and-Go. Die Radiosender hatten kein anderes Thema als das Seebeben vor der japanischen Küste. Quasi nach jedem Lied gab es einen Einschub, in dem darauf hingewiesen wurde und die Moderatoren telefonierten live mit Deutschen in Tokyo und auf Hawaii, wo das andere Ende der Flutwelle gegen 15 Uhr erwartet wurde. Dabei gab es keine neue Lageinformation, und auch die persönliche Sichtweise der Anrufer änderte daran nichts, dass einem das Thema nach zwei Stunden auf den Keks ging. Da wurde viel geredet, aber nur wenig Neues gesagt, und das Neue kam in homöopathischen Dosen.

Noch einmal Stau auf der B14, die streckenweise wegen einer Baustelle nur einspurig ist, die Autobahn in Richtung Zweibrücken dagegen erwies sich als frei. Zuletzt brachte ich den Tank noch auf den Füllstand, den er vor der Fahrt hatte. Die Tankkosten betragen 95 E, zuzüglich weiterer 15 E, die ich später am Abend noch in die Kiste meines Vaters tankte, um ihn für die gefahrenen Kilometer etwas zu entschädigen.

Im Gau musste ich dann den endgültigen Kilometerstand festhalten und stellte bei der gelegenheit ein weiteres Versäumnis fest: Ich hatte den Zettel mit dem Kilometerstand am Start in Stuttgart mit in die Tonne geworfen! Soviel Eselei müsste eigentlich wehtun. Ich rief also den Kameraden in Stuttgart noch einmal an und bat ihn, den Zettel zu bergen und mir die gesuchte Zahl zu übermitteln. Er werde das mangels Handy per Mail tun, versprach er. Dann packte ich nach einer halbstündigen Pause lediglich noch meine Sachen zusammen, nahm von den Großeltern noch dankbar eine kleine Lebensmittelspende entgegen, und machte mich auf den vorletzten Teil des Rückwegs.
Am Tisch des Vaters verspeiste ich dann ein Kilo Fleisch in Form von knusprigen Hähnchenschenkeln, dazu noch ein paar Pommes und etwas Gemüse, bevor ich gerade noch den Zug in Richtung Trier erreichte.

Das nächste Dilemma erwartete mich dort: Ich brauchte nämlich noch einen Fahrschein, und wenn ich mir einen am Automaten gezogen hätte, hätte ich den Zug verpasst. Aber es heißt ja, wenn man aktiv den Fahrbegleiter aufsucht und ihm die Situation schildert, könne man Kulanz erwarten und das Ticket im Zug nachlösen.
Ein junger Mann im Trainingsanzug mit, hihi, „Migrationshintergrund“ hatte das gleiche Problem, aber der war bereits da gewesen, als ich am Bahnsteig ankam. Statt eines Schaffners fanden wir jedenfalls erst einmal zwei weibliche Angestellte der „DB Security“, deren Gesprächsinhalte etwa ebenso vulgär rüberkamen, wie die beiden fett waren. BMI deutlich über 30, würde ich schätzen. Ich schilderte also erst mal denen die Lage und sie sagten, damit sei meiner Sorgfaltspflicht in einem solchen Fall genüge getan, allerdings würden sie in Merzig aussteigen. Ich machte mich also lieber auf, den Schaffner selbst zu suchen. War aber keiner da, worauf ich die Auskunft bekam, dass es sein könne, dass ein Schaffner in Merzig zusteige. Auch das passierte nicht. Na, dann war immerhin diese eine Fahrt kostenfrei.

Bis ich dann zuhause war, war es etwa Viertel vor Elf, und ich hatte keinen Nerv, noch lange aufzubleiben. Abgesehen davon stanken meine Klamotten abscheulich und ich wollte sie schnellstmöglich „abstoßen“.

Am folgenden Morgen fand ich dann in der Tat zwei Mails vom Master Sergeant vor. In der ersten schickte er mir ein Einladungsschreiben per PDF, das auf den 9. März datiert war, und in der zweiten eine auf den 11. März datierte Bestätigung meiner Anwesenheit in Oberammergau. Und laut Unterschrift ist er tatsächlich von der Air Force.
Der Kilometerstand liegt mir nun in seiner Gesamtheit vor und ich bin insgesamt 933 Kilometer gefahren, und dazu muss man eigentlich den Weg von Trier nach Gersheim noch addieren, was ja noch weitere 300 sein dürften.
Auch der Antrag für die Fahrtkostenerstattung kam heute mit der Post, und den gilt es noch auszufüllen.

Außerdem fand sich in Post ein mittlerweile zweites Hinweisschreiben der Blieskastler Notarin, dass sie bitte einen Überweisungsnachweis für die Grundschuldtilgung zur Übergabe des Gersheimer Hauses erhalten möge. Ich rief daher gleich den Großvater an, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Ja, sagte der, diese Rechnung sei noch gar nicht bezahlt, das Geld müsse er erst einmal auftreiben, weil er in den letzten Wochen so viele hohe Rechnungen erhalten habe (unter anderem erwähnte er 900 Euro für das Auto). Klingt ja toll. Ich gehe also mal davon aus, dass er sich vor der Aktion mit der notariellen Übergabezeremonie nicht darüber informiert hat, was die ganze Sache kosten würde. Am Montag will er also die Notarin besuchen, um ich weiß nicht was zu klären. Vielleicht kann man den Betrag ja stunden. Aber ich hoffe, dass diese Sache nicht noch allzu heiter wird.

1. September 2010

Eiserne Herzen (3/3)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 19:15

Zuletzt ein Spiel, das ich für eine mutige Entscheidung hielt: Polen.
Nun ja, vielleicht ist Polen eine mutige Entscheidung, wenn man weiß, was kommt, aber nichts dagegen tut.
Das Spiel beginnt am 01. Januar 1936, und als erstes muss die Armee auf den aktuellen Stand gebracht werden. Dann besetzten die Deutschen das Rheinland. Großbritannien und Frankreich schweigen betreten und ballen die Faust in der Hosentasche – aber Polen reagiert! Indirekt. Ohne besonderen Grund fege ich mit 45 Divisionen durch die Tschechoslowakei und Österreich, um den Deutschen die Ausgangsbasis für den Angriff auf Polen zu nehmen. Europa reagiert nervös. Ungarn, Jugoslawen und Rumänen verlegen eilig Truppen an ihre Grenzen. Nur die Deutschen nehmen die Sache locker. Nur, was mache ich da eigentlich?
Ich nehme über Winter noch ein paar Modernisierungen vor und Ende Frühjahr 1937 erkläre ich dem Deutschen Reich den Krieg. Warum auch nicht? Die Deutschen haben zu diesem Zeitpunkt 48 Divisionen, die Polen 45. Ein geringfügiger und unbedeutender Unterschied, beachtet man die Leistungsfähigkeit der KI. Am 18. Juli 1937 kapitulieren die letzten deutschen Divisionen im Kessel von Essen und das Deutsche Reich wird von Polen annektiert. Aus irgendeinem Grund kann ich keinen Marionettenstaat einrichten. Vielleicht ist das für den stolzen Führer der Achsenmächte nicht vorgesehen?
Man soll übrigens kaum glauben, wie schnell der Aufstand von General Franco in Spanien zusammenbricht, wenn die Deutschen ihm nicht helfen.

Da nichts besseres auf der Agenda steht und ein Krieg die Bedürfnisse der Bevölkerung an Verbrauchsgütern senkt, wende ich mich als nächstes Italien zu. Eine gute Übung, da Italien über Kolonien verfügt. Und zu Übungszwecken baue ich eine Einsatztruppe von neun Luftlandedivisionen inklusive der notwendigen Transportmaschinen auf.
Den italienischen Stiefel aufzuräumen, ist keine große Sache. Die Ostseeflotte verlegt ins schöne Mittelmeer, Sardinien fällt. Sizilien wird ausgebombt. Noch sitzen die Italiener stark in Afrika, zumindest ihre Flotte, was einen konventionellen Angriff über den Teich hinweg verhindert, weil sie alle meine Transporter versenken würden – so eine Landung dauert mehrere Stunden, was der Flotte des Verteidigers Zeit gibt, sich an Ort und Stelle einzufinden und einzugreifen, und mangels genügend starker Kampfeinheiten kann ich die Landungsflotte nicht vor ihrer Vernichtung bewahren. Es schlug die Stunde der Fallschirmjäger.

Die sollten versuchsweise auf dem zumindest nicht durch Landeinheiten verteidigten Dodekanes landen, das ist eine Inselgruppe vor der Küste der Türkei. Jetzt bemerkte ich das Konzept, nach dem in diesem Spiel Luftlandungen behandelt werden: Die Weltkarte besteht nicht nur aus einzelnen Provinzen, sondern auch aus Gebieten, die grob den Nationalstaaten entsprechen, und Regionen, die man vielleicht mit Bundesländern vergleichen kann, so wie u.a. die Provinzen Stuttgart und Freiburg die Region „Baden Württemberg“ bilden. Als Ziel für Fallschirmjäger kann man keine einzelnen Provinzen, sondern nur Regionen auswählen. Der Dodekanes gehört zur Region „Östliches Mittelmeer“, und wenn ich die Region als Ziel markiere, dann landen die Fallschirmjäger automatisch auf Kreta. Und nirgendwo sonst. Ob ich an Kreta interessiert bin, oder ob ich Kreta selbst besitze, spielt überhaupt keine Rolle. Jede Region hat eine Art Hauptprovinz, und nur dort kann man luftlanden.
Dann lasse ich den Dodekanes halt bleiben und lande gleich in Libyen.
Italienische Truppen gibt es dort kaum, und Benghazi ist schnell genommen. Da das Ausladen in einem besetzten Hafen im Nullkommanichts geht, lande ich ein paar Heeresdivisionen aus und nehme die Luftlandearmee zurück nach Italien zur Auffrischung, bevor ich sie inmitten der libyschen Wüste absetze, während die Armee an der Küste entlang nach Westen auf Tripolis vorgeht.
Dabei entdecke ich, dass Luftversorgung nach dem gleichen Muster abläuft wie Luftlandung: Versorgungsgüter werden nicht dort abgesetzt, wo die Armee sie braucht, sondern in der jeweiligen Hauptprovinz der Region. Was für ein Quatsch ist denn das? Denn das heißt doch, dass es unmöglich ist, eine eingekesselte Armee aus der Luft zu versorgen, egal wie klein die Armee, und egal wie groß die Luftflotte ist, wenn die eingeschlossene Truppe nicht zufällig in der „richtigen“ Provinz sitzt!

Nach der Eroberung Libyens war die italienische Flotte verschwunden, hatte sich in Luft aufgelöst. Ich konnte ungestört auf dem Dodekanes landen, und anschließend Äthiopien und Somalia befreien. Ich beglückte die Afrikaner noch mit je einem modern ausgestatteten Hafen und entließ sie dann in die Unabhängigkeit.

Dann war niemand mehr da, der Stunk machen konnte. Mit Ausnahme der Japaner, aber an die kam ich nicht ran. Nur irgendwann 1939 erhielt ich noch eine Meldung, dass der deutsche Außenminister Ribbentrop von Polen eine Verkehrstrasse zwischen Pommern und Ostpreußen forderte. Dabei gab es weder ein deutsches Außenministerium, noch einen deutschen Staat. Dämliche Skripte!
Ich spielte noch mit dem Gedanken, mich mit den Russen anzulegen, aber wozu? Da die Spannung des Spiels gezwungenermaßen mit den Deutschen steigt und fällt, gab ich das Spiel dann Mitte 1939 auf.

Die Konzepte im Hintergrund

Prinzipiell handelt es sich weder um ein runden- noch um ein echtzeitbasiertes Strategiespiel. Oben rechts im Hauptbildschirm läuft eine Uhr, eine Stunde nach der anderen vergeht, je nach gewähltem Szenario vom 1. Januar 1936 bis zum 31. Dezember 1947. Die Geschwindigkeit, mit der die Stunden vergehen, lässt sich im Menü einstellen, und die Zeit kann jederzeit zu planerischen Zwecken angehalten werden.

Der Ansatz ist eigentlich klasse. In Strategiesimulationen, die den Zweiten Weltkrieg zum Thema haben, hat man als Spieler üblicherweise die Auswahl zwischen den hauptsächlich beteiligten Großmächten, aber Hearts of Iron 2 geht an das Maximum des Möglichen: Man kann jeden Staat spielen, der 1936 auf dem Globus zu finden war. Okay, es gibt Ausnahmen. Liechtenstein, Andorra, oder Monaco wird man vergeblich suchen. Aber man findet zum Beispiel Uruguay. Oder Nepal. Oder Albanien. Oder Luxemburg. Schon mal von Tannu Tuva gehört? Oder von Guangxi?

Das Spielen der Kleinen kann spaßig sein, auch, wenn sie von den größeren Nachbarn mit hoher Wahrscheinlichkeit überrollt werden. Luxemburg fällt der Wehrmacht zum Opfer, Albanien wird von den Italienern geschluckt, Nepal ist überhaupt ein britischer Marionettenstaat, Tannu Tuva geht früher oder später in der UdSSR auf, und Guangxi im geeinten China. Die Chancen dafür sind hoch, aber nicht bei 100 %. Das macht den Reiz aus.

Man muss als Nationenverwalter keinen Anteil am Zweiten Weltkrieg haben oder suchen. Als Südamerikaner, weit ab vom Schuss, kann man ziemlich ungestört sein eigenes Süppchen kochen. Auch als kleine, neutrale Nation in Europa oder Asien kann man versuchen, das beste aus der Situation zu machen. Der Iran z.B. könnte unter Aufbietung seines gesamten mit Ölexporten geschmierten Potentials, das nie und nimmer für Panzer oder Luftwaffe reicht, seine Infanteriekräfte ausbauen und Afghanistan schlucken. Oder die Türkei. Oder beide. Die Polen könnten sich ranhalten und mit der Eroberung der potentiellen deutschen Bündnispartner beginnen, bevor diese der Achse beitreten und damit ihr industrielles Potential dem falschen Pool zukommen lassen. Oder die Deutschen, solange sie noch schwach sind, gleich überrennen. Die Möglichkeiten sind jedenfalls gegeben.

Das im Spiel enthaltene Tutorial ist eine super Sache, um sich mit den Steuerungselementen und den Optionsmenüs bekannt zu machen, wenn man völlig neu in das Spiel einsteigt. Man muss einen Plan in der Tasche haben, wenn man das Spiel gewinnen will, denn hinter dem Mann an der Front muss eine funktionierende Kriegswirtschaft stehen, und die wiederum braucht brauchbaren Input aus Rohstoffen (Öl, Erz, seltene Materialien, Energie, Geld, und Nachschubgüter) einerseits, und verschiedenen Forschungsgebieten andererseits. Und man muss (oder sollte vielleicht) Schwerpunkte setzen, was man dem Mann an der Front in die Hand gibt. Man kann nicht alles haben, dafür reichen die Kapazitäten nicht aus. Wenn aus der geostrategischen Situation heraus klar ist, dass man hauptsächlich in Landkonflikte verwickelt wird, wird man dem Heer und der Luftwaffe den Vorzug geben und die Marineforschung auf das Notwendigste beschränken. Wenn der große Feind oder man selbst sich wirtschaftlich auf ein globales Koloniensystem stützt, dann wird man der Marine viel mehr Aufmerksamkeit widmen müssen, und statt normaler Infanterie eher zu Marineinfanterie und vielleicht Luftlandetruppen neigen.

Die Versorgung mit Rohstoffen funktioniert bequem, wenn man eine Landmacht ist. Probleme gibt es, wenn man sie aus überseeischen Gebieten beziehen muss und obendrein auch noch ein Feind mit Marine draußen lauert. Feindliche U-Boote durchkämmen dann die Meere zwischen Kolonie und Mutterland, und immer wieder werden Konvois und/oder Eskorten versenkt.
Dem kann man auf zwei Arten entgegenarbeiten: Erstens sollte man genügend solcher Schiffe gebaut haben, damit die Rohstoffversorgung nicht zum Erliegen kommt. Konvois und Eskorten sind ein zusätzlicher Produktionspunkt neben Transportflotten (die nur Truppen transportieren) und Zerstörern, die für offensive Zwecke in Schlachtflotten eingebunden werden. Zweitens kann man die Effizienz der Eskorten durch Marineforschung („Zerstörer“) erhöhen.
Wenn man das möchte, kann man die Planung der Konvois automatisieren und der Computer wird Konvoischiffe und Zerstörer zuteilen, aber ob man mit dem zugeordneten Verhältnis von Transportern und Kampfschiffen einverstanden ist, bleibt dem jeweiligen Spieler überlassen. Ein Zerstörer auf zehn Transporter mutet wenig an, wogegen andere Konvois auch mal mehr Zerstörer als Transporter bekommen, ohne, dass ein nachvollziehbarer Grund für die Prioritätensetzung vorläge.

Forschung ist eine große Sache in diesem Spiel. Das Forschungsmenü teilt sich in eine nicht geringe Anzahl von Teilbereichen, unter denen man seine Prioritäten auswählen kann.
„Industrie“ fasst ganz verschiedene Dinge zusammen, zum Großteil natürlich verbesserte Herstellungstechniken (z.B. Fließbandproduktion, die die Herstellungszeit von Einheiten verkürzt), aber auch Radar-, Nuklear-, Raketen-, Computer-, Verschlüsselungs-, und Agrartechnik.
Unter „Infanterie“ erforscht man verschiedene Infanterieformen, von den gewöhnlichen Landsern abgesehen gibt es technische Entwicklungen für Kavallerie, motorisierte und mechanisierte Infanterie, Fallschirmjäger, Gebirgsjäger, und Marineinfanterie, sowie logistische Neuerungen.
Der Bereich „Panzer und Artillerie“ dient der Erforschung neuer Divisionen von leichten und mittleren Panzern, schweren Panzerbrigaden, und verschiedenen Formen von Artillerie, Rohr- oder Raketen, selbst fahrend oder gezogen, Flak oder Pak.
Unter „Marine“ kann man neue Schiffstypen entwickeln und weiterentwickeln, die übliche Reihe von U-Booten und Zerstörern bis zu Schlachtschiffen und Flugzeugträgern, in den technischen Variationen von Vorkriegsstandard bis zu atomgetrieben (sofern man Atomtechnologie unter „Industrie“ erforscht).
Der Abschnitt „Flugzeuge“ ist ebenso selbsterklärend, es gibt Abfang-, Begleit-, und Mehrzweckjäger, taktische und strategische, sowie Marinebomber, Stukas und Lufttransporter.

Des weiteren gibt es drei Gebiete für Doktrinen, für Land-, Wasser- und Luftgefechte. Theoretisch gibt es mehrere Richtungen, in die man jeweils forschen kann, wie Massenangriffstaktiken, Feuerkraftfokus oder Mobilität beim Heer, verbesserten Flugtaktiken bei der Luftwaffe, oder verschiedenen Seekampfschwerpunkten bei der Marine, was den Einheiten Boni auf potentielle Eigenschaften gibt, die zu positiven Ereignissen während der Schlachten führen können. In der Praxis ist es bei den technisch fortgeschrittenen Staaten allerdings so, dass diese bereits die grobe Richtung vorgegeben haben. Man kann also als Deutscher z.B. nicht (mehr) statt Mobilitäts- (= Blitzkrieg-) den Feuerkraftfokus wählen. Eine einmal gewählte Richtung eliminiert alle Alternativen.

Zuletzt ist da das Kapitel „Geheimwaffen“. Dort entwickelt man aus der Raketentechnik die kriegerischen Anwendungen wie Raketen allgemein (sowohl Interkontinental- als auch Luft-Luft-, Luft-Boden-, und Boden-Luft-Raketen) und Düsenflugzeuge, setzt die bislang friedliche Atomforschung in Nuklearwaffen und atomgetriebene Schiffe um, bringt aber auch frühe elektronische Rechner – Computer – hervor, um die Forschung weiter zu fördern.

Diplomatie ist ebenfalls ein Lieblingsthema des Spiels.
Innenpolitisch kann man in jedem Jahr eine Reform durchführen, also ob man mehr zur Diktatur oder mehr zur Demokratie neigt, ob die Politik eher dem linken oder dem rechten Spektrum zuzuordnen ist, ob man Pazifist oder Kriegstreiber ist, eher isolationistisch auftritt oder aktive Intervention bevorzugt, ob man freie Märkte oder lieber Planwirtschaft will, und so weiter. Jede dieser Entscheidungen hat Vor- und Nachteile – so muss eine Diktatur weniger IK für Konsumgüter ausgeben, um die Bevölkerung zufrieden zu stellen, als eine vom Konsum verwöhnte Demokratie, und während Berufsheere eine höhere Organisationsstruktur aufweisen, können Einheiten aus Wehrpflichtigen mit weniger Aufwand an IK aufgestellt werden.

Je nach Konstellation dieser Schieber hat man als Spieler Einfluss auf die Zusammensetzung des eigenen Kabinetts, das aus dem Staatsoberhaupt, dem Regierungschef, Ministern für Äußeres, Rüstung, Sicherheit und Geheimdienst, sowie dem Chef des Generalstabs und den Kommandeuren der Teilstreitkräfte besteht. Jeder Minister bringt Vor- und Nachteile mit sich. Genau genommen gibt es ein paar Minister, die Vor- und Nachteile haben, während andere nur Vor-, und wieder andere nur Nachteile aufweisen. Je nach politischer Situation ist die Auswahl aber begrenzt, und manchmal bleibt nur die Wahl zwischen dem Teufel, der „-20 % auf Geldproduktion“ hat, und dem Beelzebub, der die Senkung der Unruhe behindert.

Durch Klicken auf die entsprechenden Flaggen in der linken Leiste erhält man eine Übersicht über den diplomatische Status verschiedener Nationen, welche Bündnisse sie unterhalten, mit wem sie Krieg führen, ob sie Gebietsansprüche an jemanden stellen, usw. Darunter sieht man das Kabinett des Staates und grobe Informationen über die Persönlichkeit der einzelnen Minister. Oben rechts erscheinen die diplomatischen Optionen, von denen die meisten eine finanzielle Investition notwendig machen.

Einen Krieg zu erklären kostet zumindest kein Geld, muss aber mit einem Anstieg der nationalen Unruhe, einem Absinken der betroffenen Staatenbeziehung auf den Minimalwert von -200, und den sonst logischen Folgen bezahlt werden.
Ganz teuer ist es, einen Putsch anzuzetteln, um eine freundlich gesinnte Regierung einzusetzen, und ob der gelingt, hängt irgendwie von der Unruhe des Zielstaats ab und von den Fähigkeiten der Minister für Sicherheit und Nachrichtendienste. Interessanterweise kann man keinen Staatsstreich bei einer Nation versuchen, mit der man sich im Krieg befindet.
Billiger kommt es vielleicht, eine Nation nur zu beeinflussen. Dazu fördert man freundlich gesinnte Politiker finanziell, was bei geringem Erfolg zu einem Anstieg des Zahlenwerts für diplomatische Beziehungen führt, und bei größerem Erfolg zu einer Annäherung der innenpolitischen Einstellungen des Zielstaats an die eigenen Werte.
Handelsabkommen können angeboten und aufgelöst werden. Das kostet kein Geld, aber der Bruch eines Abkommens belastet natürlich die diplomatischen Beziehungen.
„Verhandlungen eröffnen“ ist genau das, nur geht es hier nicht um Handel, sondern eher um Tausch, zum Beispiel von Provinzen. Dieser Punkt ist im Handbuch unter „Offene Verhandlungen“ zu finden… keine sinnige Übersetzung von „open negotiations“.
Des weiteren gibt es die Möglichkeit, jemandes Unabhängigkeit zu garantieren, einen Nichtangriffspakt vorzuschlagen oder aufzuheben, jemanden ins eigene Bündnis einzuladen, oder aus einem Bündnis auszutreten, Truppen an Verbündete zu senden, einen Durchmarschbefehl für die eigenen Truppen zu fordern, oder gleich den Oberbefehl über die verbündeten Truppen zu übernehmen – vorausgesetzt, die betroffenen Politiker stimmen dem zu.

Man sollte ganz zu Beginn einstellen, welche Nachrichten man deutlich angezeigt bekommt, und ob diese den Zeitablauf unterbrechen sollen oder nicht. Es ist empfehlenswert, sich auf das wichtigste zu beschränken, sonst verbringt man sehr viel Zeit damit, Nachrichtenfenster wieder zu schließen. Jede Nachricht kann jederzeit über das „Logbuch“ abgerufen werden, der Unterschied besteht darin, dass man sich die Mühe machen muss, dem Ablauf der internationalen Ereignisse bewusst zu folgen. Aber das meiste davon ist unwichtig.

Nicht ganz unwichtig sind die verschiedenen Darstellungen, die man sich auf die Karte projizieren lassen kann. Neben der Standardansicht gibt es zum Beispiel eine Wetterkarte. Schlechtes Wetter unterstützt grundsätzlich den Verteidiger, also möchte man vielleicht den Wetterbericht ansehen, bevor man eine Offensive in Auftrag gibt. Weiterhin gibt es eine Ansicht, die über Partisanentätigkeit in den einzelnen (eroberten) Provinzen Auskunft gibt. Diesen Widerstandsgruppen muss man mit Garnisonsdivisionen und Polizeibataillonen begegnen. Interessant ist auch die Darstellung der Wirtschaft, wo man sehen kann, welche Rohstoffe es in den jeweiligen Provinzen gibt. Man sollte sich bei seinen Angriffen aber weniger von Rohstoffen, als eher von einer haltbaren Frontlinie leiten lassen.
Zuletzt erwähnenswert ist die Geländekarte. Berg- und Hügelregionen sind nicht nur leichter zu verteidigen, sondern auch schwerer zu durchqueren, man sollte also aufpassen, wo man hinläuft.

Spielerleichterung

Gibt es ein Spiel ohne Cheats? Es gibt zwar auch hier die üblichen Wörter und Phrasen, die man während des Spiels irgendwie eingibt, worauf man unrealistische Vorteile erhält, es gibt aber originellere Methoden.

Die Spiele werden unter anderem in Dateien mit der Endung .eug gespeichert. Diese Dateien kann man mit dem Texteditor öffnen und einfach alle Werte ändern, die man verbessern möchte. Zum Beispiel kann man den Namen eines im Spiel vorkommenden Wissenschaftlers suchen und dessen Spezialgebiete ändern. Oder man sucht sich einen General und gibt ihm irgendwelche Fähigkeiten. Man muss sich nur an die in der Datei verwendete Syntax halten. Was man nicht tut, ist den Fertigkeitswert einer Person erhöhen; stattdessen setzt man die Werte auf „1“ fest – weil dieser Wert nur eine Aussage darüber macht, wieviel die Dienste dieses Forschungsteams kosten. Der Fertigkeitswert macht keine Aussage über die Forschungsgeschwindigkeit. Das Vorhandensein eines Spezialgebiets gibt einen Bonus, das ist alles.

Taugt es was?

Ja, prinzipiell schon. Da man sich den Staat, den man spielen möchte, beliebig aussuchen kann, ist es möglich, intuitiv einen Schwierigkeitsgrad festzulegen, den es so im Spiel nicht gibt.

Das Planen, Bauen und Befehlen macht schon Spaß, und natürlich ist es viel interessanter, einen Krieg zu führen, als darauf zu achten, dass der Rohstoffimport mit dem Wirtschaftswachstum Schritt hält. Das politische Taktieren hat etwas für sich, aber noch ist mir nicht ganz klar geworden, was mir die Außenpolitik eigentlich bringt, sieht man einmal von der Rohstoffeinfuhr ab. Es ist zum Beispiel völlig schleierhaft geblieben, was es bringt, einen anderen Staat politisch zu beeinflussen.

Grafisch kommt das Spiel eher spartanisch daher, aber es ist erstens auch nicht mehr ganz neu, und zweitens muss ein Strategiespiel auch nicht grafisch auf dem neuesten Stand sein. Wozu auch? Es braucht ja nur erkennbare Symbole auf einer Weltkarte.
Die Icons der einzelnen Divisionstypen ändern sich je nach Modernisierungsgrad, das reicht meines Erachtens völlig aus.

Die Klangeffekte sind ein schöner Punkt. „Krieg ist die Hölle, aber der Sound ist verdammt geil!“ hieß es bei uns früher, und Hearts of Iron II bietet ebenfalls Kampfgeräusche, wenn es zu feindlichen Begegnungen kommt, gerade bei Luftangriffen und Seegefechten. Mir zumindest haben Sie gefallen.

In der deutschen Version des Spiels sind manche Namen bedeutender Nazipersönlichkeiten verfälscht: Göhring ist Gorink, Himmler ist Heimmler, und Hitler ist Hiller. Aber Ribbentrop, Bormann, und Kaltenbrunner dürfen so heißen, wie sie nunmal hießen. Interessant war auch zu sehen, dass „Heimmler“ den Kommandeursposten einer Armee inne hat. Schwachsinn pur.

Es ist natürlich auch wieder einmal schade, dass der vom Computer gesteuerte Gegner von minderer Qualität ist. Es ist allein schon auffällig, dass der Gegner nur die billigsten Kampfeinheiten, Infanterie, baut. Vielleicht auch noch kleine Marineeinheiten. Ich möchte jedenfalls vermuten, dass alles andere, was die Deutschen zum Beispiel in die Schlacht werfen, lediglich modernisierte Versionen der Einheiten sind, die sie bereits zu Spielbeginn hatten, dass aber zum Beispiel keine Panzer oder Flugzeuge nachgebaut werden, dafür habe ich bislang viel zu wenige von denen vorgefunden. Das ist einerseits unrealistisch, andererseits senkt der Mangel an motorisierten Einheiten den Ölverbrauch und damit den Bedarf an Einfuhren ganz erheblich. Im Rahmen der beschränkten Logik des Spiels macht das also Sinn, aber begeistert bin ich von diesem Detail dennoch nicht.

Es gibt auch eine Multiplayer-Option, ich habe sie allerdings nicht ausprobiert. Das könnte wiederum interessant sein, aber vermutlich ist es auch extrem zeitintensiv.

23. August 2010

Eiserne Herzen (2/3)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 12:42

Der Plan meines zweiten Spielversuchs mit der Sowjetunion war wie folgt:
– Offensives Vorgehen gegen Japan, dabei grobe Wiederholung des Verfahrens aus dem vergangenen Spiel.
– Defensives Vorgehen im Westen unter maximaler Ausnutzung der vermuteten Vorbereitungszeit.
– Offensive im Westen nach Bereitstellung der im Osten nach dem Sieg über Japan frei gewordenen Divisionen.

Es gibt viele Festungswerke auf dem Spielplan, aber nur eines (auf zwei Provinzen verteilt), dessen Wert das Maximum von 10 beträgt: Die Maginot-Linie… an der lächerlich kurzen deutschen Westgrenze. Ich nehme ein Titanenwerk in Angriff: Unter Entblößung der westlichsten Provinzen entsteht eine Festungslinie von Polotsk über Smolensk bis nach Cherson am Schwarzen Meer, das heißt im Norden entlang der Düna, dann dem Dnjepr folgend bis zu seiner Mündung, insgesamt knapp 1500 km. Auf dieser Linie graben sich etwa 170 sowjetische Divisionen ein. Das bedeutet, abgesehen von der Provinz Smolensk genießt die Rote Armee einen dreifachen Verteidigungsbonus, weil sie hinter einem Fluss liegen (+10), weil sie eingegraben sind (+10), und weil sie in den dicksten Bunkern der Welt sitzen (noch mal +10). Die Deutschen dürfen kommen, aber erst sind die Japaner dran. Und für den Zeitpunkt, zu dem die erledigt sind, tritt der nächste Bauplan in Kraft: Der Ausbau des Verkehrsnetzes in allen Provinzen, die in einer Reihe zwischen der Westgrenze der Mongolei und dem Dnjepr liegen, damit die im Osten freigewordenen Divisionen auch schnell an die Westfront kommen. Der Spaß beginnt.

Im September 1939 greifen die Deutschen Polen an und werden spielend mit denen fertig. Wenig später folgt Skandinavien und Frankreich, und ich spiele mit dem Gedanken, den Deutschen in den Rücken zu fallen, während ihre Divisionen in Frankreich gebunden sind. Aber eigentlich habe ich ja ein ganz anderes Experiment vor.

Ich beteilige mich nicht an der polnischen Teilung und bleibe den Finnen gegenüber friedlich. Stalin wollte von denen ja einige Landstreifen im Vorfeld von Leningrad zur Verbesserung der „nationalen Sicherheit“ – die Finnen lehnten ab, Stalin stürzte sich in den katastrophalen Winterkrieg von 1939, und die Finnen reagierten mit dem einzigartigen Ereignis, dass sich eine Demokratie mit einer Diktatur verbündete. Aber ich wollte Ruhe im Norden, wählte unter den angebotenen Optionen also „Nichts tun“ anstatt „Pressebehauptungen“.
Das ist so ein Wort, an dem sich die Amateurhaftigkeit der Übersetzung offenbart. Denn was hatte die Presse damit zu tun? Nichts natürlich. Übersetzen wir „Pressebehauptungen“ zurück ins Englische, wo der Text einmal herkam, dann lesen wir „press claims“ – bimmelt da ein Glöckchen? Oder doch gleich der ganze Kölner Dom?

Zu guter Letzt habe ich im Laufe der Jahre die deutsche Regierung immer wieder beeinflusst – eine ganz normale politische Option. Man zahlt einen Obolus und die Beziehungen zum Zielstaat verbessern sich mehr oder weniger gut. Handelt es sich um einen relativ wirtschaftsschwachen Staat, kann man diesen auch mit großem oder sehr großem Erfolg beeinflussen. Dies hat zur Folge, dass sich dessen Regierungssystem in einem Punkt auf die eigene Linie zu bewegt. Macht man das mehrfach, kann man den Zielstaat politisch völlig angleichen. Da Deutschland aber über ein gewisses wirtschaftliches Niveau verfügt, gelang mir das nicht. Aber immerhin konnte ich die Beziehungen bis auf das Maximum von +200 heben. Nutzt aber nichts. 1941 kommen sie dennoch.
Abgesehen von meiner besonnenen Außenpolitik habe ich auch auf die Säuberungen von 1937 verzichtet, was mir einen ausreichend großen Kreis von Generälen bescherte.

Sehen wir, was im Osten läuft, während noch Bunker und Straßen gebaut werden.
Zuerst garantiere ich die Unabhängigkeit Nationalchinas – das gibt mir einen Kriegsgrund, sobald die Japaner mit dem Säbel rasseln. Verbünden wollen sich die Jungs ja nicht, die ideologischen Unterschiede sind dann wohl doch zu groß. Erklärt man einfach so jemandem den Krieg, steigt die nationale Unruhe zu sehr, was die Wirtschaftsleistung negativ beeinflusst. Es ist immer besser, einen plausiblen Grund in den Zeitungen veröffentlichen zu können, also: So wie ein Hund an Laternenpfähle pinkelt, garantiert ein Staat die Unabhängigkeit eines anderen – dann kann guten Gewissens man auf die Pauke hauen, sobald einer im abgesteckten Revier rumstrolcht.
Spätestens 1938 marschieren die Japaner auf Peking, und die Mandschurei hinterdrein. Also erkläre ich beiden den Krieg und überrolle den Marionettenstaat binnen weniger Wochen, und noch ein wenig später ist Korea sowjetisch rot. Wie üblich ist kurz hinter der chinesischen Grenze Schluss mit dem Vormarsch, weil die Versorgung dort aufhört.

Der Flottenbau läuft auch wieder auf Hochtouren, um viele, viele möglichst moderne U-Boote zu produzieren, damit diese die japanische Flotte aus dem Pazifik fegen. Anders als im letzten Versuch fasse ich diesmal alle Ressourcen in einer möglichst großen Flotte zusammen. Die Pazifikschlacht zieht sich über Monate dahin, und am Ende ist die Kaiserliche Flotte vernichtet, während ich nicht mehr als zehn Boote verloren habe. Dann lande ich wieder in Fukuoka und Kanazawa, erobere Japan und danach eine Reihe von Inseln, Okinawa, Taiwan, Hainan. Irgendwann Ende 1942 greifen die ziemlich flottenlosen Japaner Pearl Harbor an, und ein knappes Jahr später ergeben sie sich den Amerikanern und werden deren Marionettenstaat. Diesmal darf ich meine Eroberungen in Japan allerdings behalten – möglicherweise ein Programmfehler. Im Herbst 43 machen sich also der Großteil der 60 ostasiatischen Divisionen auf den Weg nach Westen, um an der Westfront die Offensive einzuläuten. Wenn man einer Armee, die in Mukden stationiert ist, den Befehl gibt, nach Sewastopol zu verlegen, dann wird die übrigens einen ganz anderen Weg wählen, als den kürzesten, oder den am besten ausgebauten. Niemand weiß warum. Ich lotse die Jungs also von einem Autobahnabschnitt zum nächsten, aber für ein irgendwann vielleicht zu machendes, weiteres UdSSR-Spiel weiß ich, dass man anfangs einer Truppe einen Marschbefehl nach Sewastopol gibt und sich beim Straßenbau auf die Provinzen konzentriert, die dabei als Marschweg angezeigt werden. Das spart auf jeden Fall Zeit, die man in Befehle investieren müsste.

Im Westen waren jedenfalls im Herbst 1941 die Deutschen in der UdSSR einmarschiert, trotz eines blendend guten politischen Verhältnisses. Was einem ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbarn bringt, muss mir überhaupt erst mal einer erklären. Es bringt weder Handelsvorteile noch macht es die Beteiligten geneigter, sich an einem militärischen Bündnis zu beteiligen.
Wie dem auch sei, die Verbände der Wehrmacht mögen sich gewundert haben, warum sie auf keinen Widerstand stießen und man sie einfach so ins Land ließ. Es gab dort nichts mehr zu holen. Die Industrieanlagen waren bereits nach Osten verlegt worden.
Dann trafen 180 deutsche Divisionen auf Düna und Dnjepr. Und nichts geschah. Die besahen sich, was sich ihnen da für ein Anblick bot – ein Festungswerk neben dem anderen am gegenüberliegenden Ufer – und blieben, wo sie waren. In den kommenden zwei Jahren wurde kein einziges Gefecht geführt, die Befestigungen waren scheinbar zu Respekt einflößend. Sitzkrieg an der Ostfront, wer hätte das gedacht.

Ende 1943, die rumänische Marine war bereits aus dem Schwarzen Meer vertrieben worden, trafen dann fünf der sechs sowjetischen Fernostarmeen im Südabschnitt ein, vier Armeen zu je neun Divisionen, eine Armee zu zwölf Divisionen. Eine Armee verblieb in Asien, und hielt ein wachsames Auge auf den Chinesen. Auch an der rumänischen Küste gab es interessanterweise unverteidigte Strände, also landete eine Armee dort, wartete auf die nächste, baute den Brückenkopf aus, und so weiter, bis alle Fernostdivisionen angelandet waren. Die Karpaten bereiteten ein paar Schwierigkeiten, aber im Frühsommer 44 war Rumänien geschlagen und die Achsentruppen waren daraufhin nur noch damit beschäftigt, nach Westen zu rennen. Die rote Armee stieß nach Prag vor, dann wurde die Front von Süden nach Norden aufgerollt, dutzende deutsche Divisionen wurden dabei in gigantischen Kesseln von der Größe Jugoslawiens vernichtet, etwa die Hälfte von denen, die die Ostfront einmal gebildet hatten. Die Rote Armee schwemmte auf dem Weg nach Westen alles weg. Einzig die Ostsee konnte ich nicht sichern – die deutsche Kriegsmarine war aus einem anderen Holz geschnitzt als ihr japanisches Pendant. Die modernen deutschen Zerstörer erwiesen sich meinen U-Booten als gewachsen, also blieben die im Kronstädter Hafen und überließen die Sache dem Heer. Und als die Rote Armee dann auf der Linie Freiburg-Stuttgart-Frankfurt-Hamburg stand, kapitulierten die Deutschen – worauf interessanterweise die Amerikaner das übernahmen, was übrig war und armeeweise Soldaten importierten. Lustig dabei war übrigens, auf welche Art und Weise die Luxemburger (Luxemburg besteht spieltechnisch ursprünglich nur aus der Provinz Luxemburg) von dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches profitierten: Sie erhielten die Provinzen Arlons und Reims zugesprochen!
Da das Risiko bestand, dass die USA mich präventiv angreifen würden, musste ich eine Wache zurücklassen, als die anderen nach Süden abdrehten, um den Italienern den Garaus zu machen. Aber auch in Italien war ich nicht schnell genug: In der Toskana angekommen, geschieht ein kleines Wunder – die Amerikaner landen in Italien! Das hatten sie sich in den letzten Jahren scheinbar nicht getraut. Ich kam, als ich sah, dass er siegte, oder was? Die Italiener ergeben sich jedenfalls den Amerikanern, die besetzen schnell die südlichen zwei Drittel. Immerhin habe ich die Häfen Genua und Venedig. Und ich kann mich meinem nächsten Ziel zuwenden… haben sich nicht auch in Spanien die Faschisten eingenistet?

Nach ein paar wenigen Monaten Mittelmeerkrieg erfolgt die Landung in Spanien, und wenn wir schon mal dabei sind, nehmen wir Portugal gleich mit. Man kann Staaten annektieren, wenn man alle Heimatprovinzen erobert hat, und Kolonien zählen nicht dazu. Ergibt sich der Staat, fallen auch die Kolonien an den Sieger. Die Sowjetunion hat nun also ein festes Standbein in Afrika.

Das Spiel geht jeweils erst am 30. Dezember 1947 zu Ende, bis dahin waren es noch mehr als zwei Jahre – was tun? Die Rote Armee beginnt ihre kleine Welttour durch alle Staaten, die keine militärischen Verbündeten haben: Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Persien, Afghanistan, Pakistan – Indien. Die Inder sind in der Tat von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen worden, aber ein Bündnis haben sie nicht.
Während Indien in den letzten Zuckungen liegt, tun mir die Nationalchinesen einen Gefallen: Sie greifen meine verbliebene Armee an der mandschurischen Grenze an. Diese eine Armee ist sämtlichen chinesischen Truppen mehr als gewachsen, also soll sie den Angriff zunächst aufhalten. Ich wollte dann von Bangladesh aus in das chinesisch besetzte Tibet einfallen, aber das ging nicht, weil die Gebirgspässe unpassierbar sind. Es gibt keine Landverbindung dorthin durch den Himalaya. Also: Alle Truppen einschiffen und in Dalian anlanden, und dann wurde mit den Chinesen der Boden aufgewischt. Leider erwischte mich das Spielende, bevor ich auch noch in Chunking einmarschieren konnte.

Während dieser Zeit schritt die Modernisierung meiner Truppen natürlich fort: Ich kann auf Interkontinentalraketen und Turbojetbomber umsteigen. Warum allerdings Fliegergeschwader sogar problemlos von Propeller auf Jet umgerüstet werden können, während jegliche Marineeinheiten nach einer Modernisierung völlig neu gebaut werden müssen, bleibt fraglich.
Aber strategische Jetbomber sind ungeheuer effektiv: Sechs Geschwader davon machen jeden Flug- und jeden Seehafen nieder, und erreichen von der Insel Hainan aus auch jeden chinesischen Winkel.
Es ist vorteilhaft, feindliche Flughäfen zu zerstören, weil dann keine Abfangjäger stören.
Wenig Sinn macht es, Industrieanlagen anzugreifen: Natürlich senkt man dadurch die feindliche Rohstoffproduktion, macht gegebenenfalls Handelsabkommen zunichte, senkt dessen IK (Industriekapazität), und erschwert dadurch die Versorgung der Truppen, aber das Problem ist die unglaubliche Wiederaufbauleistung des Spiels. Auch eine auf Null reduzierte Kapazität wird nach zwei oder drei Wochen wieder voll funktionsfähig sein.

15. August 2010

Eiserne Herzen (1/3)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 18:41

„WORLD WAR II GRAND STRATEGY“ steht groß auf dem Cover über dem eigentlichen Titel:

„HEARTS OF IRON II“.

Ein sehr viel versprechender Titel, mit vielen viel versprechenden Optionen. Aber so grand ist die Strategy am Ende doch nicht.

Aus erzählerischen Gründen will ich ein paar Eindrücke vom Spielablauf der Beschreibung der Inhalte und Mechaniken voranstellen.

Im ersten Durchgang habe ich Persien gespielt, um mir in Ruhe die Spielprinzipien anzusehen, also ohne alsbald in einen Krieg verwickelt zu werden, obwohl natürlich die Briten und die Sowjets den Iran quasi besetzt hatten, um den südlichen Nachschubweg in die UdSSR offen zu halten.

Ich habe es geschafft, meine Armee aufzustocken und modern zu halten. Hui, fünf Infanteriedivisionen mit Panzerwagenbrigaden! An Panzer und Luftwaffe war natürlich nicht zu denken – allein um eine neue Infanteriedivision bauen zu können, muss der Perser die ursprüngliche Industriekapazität schon ausbauen, wenn man die Bedürfnisse der Bevölkerung (das heißt die nationale Unruhe) nicht vernachlässigen, oder nicht ungebührlich lange warten will, bis die mit unzureichenden Ressourcen aufgestellte Division endlich mal fertig wird.

Diplomatisch konnte ich kleine Erfolge feiern: Mittels Beeinflussung waren die Türken und Afghanen mit mir auf einer politischen Linie und der Handel florierte. Jeder will Öl. Aber warum sie kein militärisches Bündnis mit mir eingehen wollten, erklärt sich mir nicht durch einen Blick in die Anleitung. Daraus geht zwar hervor, dass man eigene Bündnissysteme (außerhalb von Achse und Allianz) aufstellen könne, aber wie viel mehr als das gleiche politische System wird dafür verlangt? Vielleicht war ich militärisch dann doch zu schwach, um als Bündnisführer durchzugehen. Die Afghanen zum Beispiel hatten dreimal so viele Divisionen wie ich, aber es handelte sich dabei um billige Milizen.

Die Zeit verging, Deutschland schluckte Österreich, das Sudetenland, die Tschechoslowakei, schließlich Polen, Benelux, Frankreich, und Skandinavien, lieferte sich über dem Kontinent Luftschlachten mit den Briten, und im November 1941 kam der große Moment: Die Deutschen marschierten in die UdSSR ein. Dabei waren sie mit den Finnen, den Italienern, den Ungarn, den Vichyfranzosen, den Slowaken, und den Rumänen verbündet. Südlich der Donau fiel interessanterweise nie ein Schuss (vielleicht mal abgesehen von Albanien, wo die Italiener einmarschierten). Südosteuropa blieb frei, sowohl von deutscher Besatzung als auch von britischer Agitation.

Theoretisch lief die Sache gut für die Alliierten: Das freie Frankreich und Großbritannien eroberten alle italienischen Gebiete in Afrika, mit Ausnahme der wüstesten Wüstenregionen – scheinbar bewegt sich keine Truppe je in ein Gebiet, dessen infrastrukturelle Entwicklung mit 0 % angegeben ist. Dann hätten sie ja eigentlich nach Sizilien hüpfen können. Taten sie aber nicht. Keiner weiß, warum. Stattdessen erklärte Venezuela dem Deutschen Reich den Krieg – und landete mit einer Division in Norwegen. Die Deutschen bereinigten die Situation schnell wieder, aber immerhin hatte eine Art Landung stattgefunden!

Mit dem Löwenanteil der deutschen Truppen im Osten hätten die Alliierten sich aussuchen können, wo sie die Festung Europa angreifen, aber sie ließen es einfach bleiben, und begnügten sich damit, hier und da taktische Bomber einzusetzen und dann und wann deutsche Schiffe zu versenken.

Die Wehrmacht indes hielt sich einige Wochen am Dnjepr auf (Flussüberquerungen geben dicke Abzüge auf die Offensivkraft), brachen dann aber durch und saßen im Frühjahr 1942 in Moskau. Von da an ging’s für die Russen nur noch rückwärts, und immerhin dauerte es bis 1944, bis die Deutschen in Wladiwostok angekommen waren. Irgendwann streiften sie an der persischen Nordgrenze vorbei und interessierten sich kein bisschen für dieses erdölreiche Land ohne Bündnispartner, das sie mit einer einzigen Armee hätten ausradieren können, ohne militärische Konsequenzen zu fürchten.

Immerhin interessant zu beobachten (in der Statistik) war, dass die Deutschen in ihren 200 Divisionen gerade mal sechs Panzerdivisionen hatten (und etwas mehr als ein Dutzend motorisierte Infanteriedivisionen) – scheinbar ist die KI darauf ausgelegt, möglichst Rohstoff sparend zu operieren.

Während all dieser Zeit tat ich als Schah nichts anderes, als ständig darauf zu warten, dass eine Forschung oder ein Bauauftrag fertig sein würde. Nicht sehr spannend, so als Kriegsunbeteiligter. Aber ich wollte ja auch erst mal sehen, wie der Hase läuft und wie die Bedienelemente funktionieren.

Nächstes Spiel, gleich in die Vollen. Ich spiele die Sowjetunion. Ich sorge erst mal dafür, dass alle Truppen auf höchstem Stand sind und bemühe mich, ein Drittel der Gesamtstärke als Panzerdivisionen zur Verfügung zu haben, und zwei Drittel der Panzerdivisionen erhalten eine Brigade schwerer Panzer vom Typ KV-2. Teuer, aber effektiv: Lange, bevor die Deutschen sich irgendwie regen, missfällt mir der japanische Angriff auf China. Die mit Japan verbündete Mandschurei tut mir den Gefallen, meinen Verbündeten Mongolei anzugreifen. Die Nationalchinesen kriegen schwer was auf den Deckel. Ich biete Chiang Kai-shek ein Bündnis an. Er lehnt ab. Ich biete Mao ein Bündnis an: Er lehnt ab. Sind die größenwahnsinnig? Die Folgen des Nicht-bündnisses bekomme ich später selbst zu spüren.

Zuerst wird die Mandschurei überrollt, und die Landverbindung zwischen dem japanisch besetzten Korea und den japanischen Truppen in Nordchina gekappt. Die Kapitulation der Mandschurei führt zunächst dazu, dass mein Verbündeter Mongolei zwei Provinzen derselben zugesprochen bekommt, ob mir das passt oder nicht. Schließlich erobert die Rote Armee Korea. Die Kwantung Armee ist in Nordchina zwischen den chinesischen Truppen und der Roten Armee eingeklemmt, ich hole zum Todesstoß aus… und komme nicht weiter. Warum? Weil die Chinesen nicht meine Verbündeten sind. Das heißt, sie helfen nicht bei der Versorgung meiner Truppen. Stoße ich über die Grenzprovinzen hinaus vor, geht meinen Truppen der Nachschub aus, die Panzer können nicht mehr rollen, die Soldaten haben nichts zu essen. Stillstand. Die Operationen beschränken sich auf die Abwehr japanischer Gegenoffensiven. Oder „japanischer Nadelstiche“, das trifft es eher.

Ich habe neben der Armee auch die Luftwaffe kräftig gefördert: Ich habe drei Luftflotten mit taktischen Bombern und eine Luftflotte mit strategischen Bombern (Stand von 1939 halt), und die dazu gehörenden Begleitjäger, und nutze diese, um die japanische Flotte mürbe zu machen. Leider ist das nicht effektiv genug. Dann entdecke ich, dass die Provinzen Kanazawa und Fukuoka keine Verteidigungsgarnison aufweisen. Aha!

Dann muss ein Flottenbauprogramm her. Ich brauche neun Transportflotten, um eine ganze Armee auf einmal transportieren zu können. Aber erst muss ich die feindliche Marine ausschalten und baue dazu eine große U-Boot Flotte. U-Boote erscheinen geradezu unheilig effektiv. Sie versenken im Laufe des folgenden Jahres ein Großkampfschiff nach dem anderen, Schlachtschiffe, Kreuzer, und Träger, bis nur noch ein paar Kreuzer und zwei Dutzend Zerstörer übrig sind. Dabei dauerte eine Schlacht drei Monate, was meinem siegreichen Admiral eine unglaubliche Anzahl an Erfahrungspunkten bescherte, und damit einen unglaublichen Effizienzbonus für seine Truppen.

Anfang 1941 landen zwei sowjetische Armeen in Japan, wenige Wochen später sind die Hauptinseln, sowie Okinawa, Iwojima, Hainan, und Taiwan, erobert. Aber Japan offiziell annektieren geht nicht: Die Hauptstadt wird im Falle der Eroberung woanders hin verlegt, und die japanische Hauptstadt befindet sich neuerdings auf einer kleinen Pazifikinsel außerhalb meiner Reichweite. Und in dieser demütigenden Situation greifen die Japaner Pearl Harbor an. Mit was eigentlich? Keine Ahnung. Sie lösen jedenfalls die Option „Angriff“ aus (sie hätten es auch lassen können), vielleicht reicht das schon, vielleicht muss nicht wirklich ein Angriff geführt werden? Wer weiß. Die Amerikaner machen jedenfalls kurzen Prozess: Wenige Wochen später ergeben sich die Japaner den Amerikanern, die setzen einen Marionettenstaat ein – und meine Eroberungen sind nichtig. Ohne, dass ich ein Wörtchen mitreden konnte, ist Japan unter amerikanischer Führung wieder frei und meine Truppen stehen auf einem Stück Land, von dem aus sie nicht versorgt werden können. Also rein in den Transporter und zurück nach Korea.

Die verlangen übrigens auch bald ihre Unabhängigkeit, aber man weiß ja, wohin das führt: Kurz danach löst sich die Volksrepublik Korea im Norden und die Teilung ist perfekt. Warum auch immer! Schließlich wurde die Teilungslinie damals durch den russischen Vormarsch im Sommer 1945 bestimmt, und meiner endete doch erst am Südende der Halbinsel! Dumme Skripte.

Mittlerweile band der Westen meine Aufmerksamkeit. In Vorbereitung auf den deutschen Angriff hatte ich meine Verteidigungslinie hinter den Dnjepr zurückgezogen, auf die paar Westprovinzen konnte ich verzichten, gerade im Hinblick auf die Verlegung der Industrie hinter den Ural. Die Finnen hatte ich beruhigt, indem ich die stalinschen Wünsche ignorierte und keinen Winterkrieg anzettelte. Von Norden würde nichts kommen, auch wenn die Deutschen in Norwegen saßen. Östlich der baltischen Staaten saßen meine Truppen am Nordufer der Düna eingegraben. Dort ergab sich eine Schwachstelle bei Smolensk, weil da kein Fluss war. Im Süden war eine ähnliche Situation durch die Lücke zwischen Dnjepr und Dnjestr entstanden, dem Grenzfluss zum feindlichen Rumänien. Im Vertrauen auf meine Panzer wollte ich diese Lücken halten.

Aber es wollte nicht. Deutsche und Rumänen holten sich blutige Nasen, hatten aber eine lokale Übermacht, und erzwangen unter schwersten Verlusten die Räumung der Linie und meinen Rückzug hinter den südlichen Dnjepr. Auch im Norden ständig neue Angriffe, die meine Truppen zu taktischen Rückzügen zwangen. Die jeweilige Nachbararmee musste eingreifen, warf die Deutschen zurück, und wurde wegen der Aufgabe ihres Verschanzungsbonus zum nächsten Ziel. Die unglaublichen Verluste überstiegen bald die industrielle Kapazität und als der Zusammenbruch vor der Tür stand, brach ich das Spiel ab und begann ein neues, sowjetisches, Spiel – allerdings mit einer Strategie in der Tasche.

11. April 2010

Brutalität im alternativhistorischen Paralleluniversum

Filed under: Filme,Militaria — 42317 @ 19:02

Es wurde mir mehrfach empfohlen, also nutzte ich eine Gelegenheit und sah mir „Inglorious Basterds“ an, in dem Brad Pitt den Zuschauermagneten macht, während Til Schweiger eine nette Ergänzung darstellt, und Christoph Waltz (zu Recht) den einzigen der vielen nominierten Oscars für die beste Nebenrolle abstaubte.

Will man sich kurz fassen, lässt man am besten gleich alles weg, was man unter dem hässlichen Wort „Geschichtsfälschung“ abhandeln kann. Tarantino sagte schließlich selbst an einer Stelle über diesen Film, es sei kein Film über Geschichte, sondern über Rache. Nun, meines Erachtens handelt es sich auch nicht um einen Film über Rache – viel mehr geht es um Leute, die gern andere Leute terrorisieren und töten, und dafür – sofern es um die Gruppe der Basterds geht – „Rache“ als Vorwand verwenden. Die deutschen Charaktere in ihren SS-Uniformen haben im Gegenzug herrenmenschlich-überhebliche Gründe für ihr Tun. Aber eine Gegenüberstellung der beiden Parteien, allesamt Unmenschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ist dennoch in einem bestimmten Punkt interessant.

Die deutschen Figuren der unteren Hälfte der Hierarchie sind durchgängig anmaßend, überheblich, arrogant, schlicht böse, aber auch intelligent und sprachgewandt. Der SS-Mann Zollner spricht zumindest fließend Französisch, der Standartenführer Landa spricht Französisch, Englisch, und Italienisch, und das ohne einen für mich wahrnehmbaren Akzent. Auch andere deutsche Figuren beweisen sprachliche Kompetenz etwa bei der Erkennung kaum auffälliger Akzente, so wie bei dem betrunkenen „Feldwebel“ Wilhelm (der eigentlich „Oberscharführer“ genannt werden müsste), der ebenfalls, wenn auch mit Akzent, in der Lage ist, sich auf Englisch zu verständigen.

Die gebürtigen Amerikaner dagegen sind gerade mal in der Lage, sich in ihrer Heimatsprache zu verständigen, sie weisen dabei starke dialektale Einfärbungen auf und brauchen als Dolmetscher eingebürgerte deutsche Muttersprachler.
Eine eigene Gruppe wiederum ist die dargestellte deutsche Führungsschicht – auch die reden ausschließlich ihre Muttersprache, und wirken dadurch zusätzlich ignorant, ganz klar zu sehen am Beispiel von Joseph Goebbels.

Aber dabei muss man eines ganz deutlich hervorheben: Wenn man individuelle Leistungen ganz ausklammert, dann ist es die kompromisslose Mehrsprachigkeit, die diesen Film auszeichnet und positiv von den meisten Filmen abhebt. Die Amerikaner reden amerikanisches Englisch, die Briten reden britisches Englisch, die Deutschen reden Deutsch, und die Franzosen reden Französisch. Tarantino hat sich nicht gescheut, den ansonsten in dieser Hinsicht unwilligen Zuschauer mit Untertiteln zu konfrontieren, denn wer die drei Sprachen nicht alle beherrscht, wird sie zeitweilig brauchen.
All das geht in der deutschen Synchrofassung natürlich zum Teufel – alle nicht-deutschen Charaktere haben eine Synchronstimme erhalten. Ich muss mich fragen, wie das Filmkonzept eine totale Neuvertonung überleben kann?

Wenn man den Kinotrailer gesehen hat, könnte man auf die Idee kommen, es handele sich um einen Actionfilm. Haha, mitnichten. Natürlich gibt es Kämpfe, fliegendes Blei, spritzendes Blut, und vielerlei Brutalitäten zu sehen, aber der Film stützt sich in erster Linie auf Dialoge und Charakterdarstellung. Das ist an sich ein Qualitätsmerkmal, wenn sich die ganze Angelegenheit nicht gleichzeitig so extrem in die Länge ziehen würde: Die Kinofassung ist 154 Minuten lang, und meines Erachtens hätten es 120 Minuten dicke getan. Bei aller Liebe zum Detail: Hier wurde übertrieben und stellenweise stellt sich Langeweile ein.

Um zuletzt noch das Thema Geschichtsfälschung anzudeuten:
Es war völlig überflüssig, das von den Deutschen besetzte Frankreich als Kulisse zu wählen. Der Plot ist so platt, dass er überall funktioniert hätte, wo eine Gruppe von Leuten eine andere im großen Stil unterdrückt. Die Basterds hätten ebenso gut eine Truppe schwarzer Guerillas im Amerikanischen Sezessionskrieg sein können. Oder von mir aus auch eine Gruppe Islamisten im Gefolge der Affäre um das Gefängnis von Abu Graib.
Tarantino verwendet die Vielzahl und die „dunkle Ästhetik“, wie ich es nennen möchte, der mit dem Nationalsozialismus verbundenen Uniformen (man gewinnt den Eindruck, Frankreich sei ausschließlich von der SS besetzt) lediglich als eine Art von emotionalem Grundton für sein bluttriefendes Spektakel, das durch Christoph Waltz gerade noch so vor der Hirnlosigkeit gerettet wird (abgesehen davon, dass zackige Nazis durch die Faszination des Bösen mehr Leute ins Kino locken, als jede andere greifbare Gruppierung von Antagonisten). Mir persönlich erscheint Inglorious Basterds so notwendig wie ein Film über einen Scharfschützen im Glockenturm.

16. November 2009

Das Omen?

Filed under: Japan,Militaria,Uni — 42317 @ 18:18

Ich habe die offizielle Bestätigung des Themas meiner Magisterarbeit am Freitag, dem 13. November erhalten!?

Ich bin nicht abergläubisch, aber so ein bisschen ungläubig die Stirn runzeln musste ich in dem Fall schon. Das Abgabedatum ist der 14. Mai 2010 – aber bis dahin bin ich längst drüber. Die ganze Sache muss am 20. April 2010 vorbei sein, Arbeit abgegeben und das letzte Wort der mündlichen Prüfungen gesagt, denn an jenem Tag endet die Toleranzfrist innerhalb des nächsten Sommersemesters, bis zu der ich noch keinen weiteren Studienbeitrag in Höhe von etwa 830 E zahlen muss, den ich mir nicht leisten kann.
Am 20. April (auch so’n ganz tolles Datum) endet mein Studium. Egal wie.

Ich schreibe also über „Das Internationale Militärtribunal für den Fernen Osten und seine Darstellung auf der Bühne durch Kinoshita Junji“. Und das ist von mir so formuliert, weil ich verstanden haben möchte, dass mein Schwerpunkt auf der Darstellung eines historischen Vorgangs liegt, und dass ich das Theaterstück „nur“ als künstlerische Interpretation desselben mitbehandle. Die Quellenlage zum Theaterstück („Shinpan“, dt. „Das Urteil“, aus dem Doppelwerk „Kami to Hito to no aida“, dt. „Zwischen Göttern und Menschen“) ist nicht schlecht, aber sie ist mir nicht gut genug, als dass ich mein Hauptaugenmerk darauf legen wollte und sicher sein könnte, auch was gutes zu Stande zu bringen. Denn leider sind die Theaterzeitschriften, die uns zur Verfügung stehen, in diesem besonderen Falle wenig aussagekräftig. Das Stück ist von 1970, wenn ich mich jetzt nicht irre, und das ist über zehn Jahre vor den Jahrgängen, die wir haben. Auch Internetrecherche ergab keine weiteren Ergebnisse. Wir haben umfangreiche Schriften eines Theaterfachmanns namens Ozasa, aber der beschäftigt sich mit Kinoshita nur allgemein und hat einen Schreibstil so frisch wie die stinkende Makrele auf dem Kopfsteinpflaster nach dem Fischmarkt. Ich durfte die Arbeit an den Büchern einstellen, nachdem mir mehrfach der Kopf auf die Tischplatte gefallen war.

Eine Zusammenfassung des Tribunals und des Theaterstücks, sowie die Biographie des Autors und eine Interpretation ist bereits fertig, und als nächstes verfasse ich die Herleitung des Tribunals: Eine Kurzfassung der japanischen Geschichte seit der Meijizeit mit Schwerpunkt auf den Expansionismus, und eine etwas detailliertere Kurzfassung des Pazifischen Kriegs ab Beginn des Konflikts mit China 1931 bis zur Kapitulation 1945. Ich hoffe, das alles auf 10 Seiten unterbringen zu können.

30. September 2009

Die Totgesagten

Filed under: Filme,Militaria,My Life — 42317 @ 1:54

Meine Kamera ist zurück in Aktion und ich müsste dem betreffenden Mitarbeiter von Mediamarkt eigentlich meinen Dank aussprechen. Hätte er mich nicht vor einem für mich unannehmbaren Reparaturpreis gewarnt, hätte ich das Teil nie abgeschrieben und wäre nie auf die Idee gekommen, selbst Hand anzulegen.

Geplant hatte ich eigentlich, die klemmende Schutzblende abzureißen, was die Kamera funktionsfähig gemacht hätte, sofern dabei nicht die Linse in Mitleidenschaft gezogen wäre. Aber kaum, dass ich die Blende mit meiner Pinzette berührte, sprang das Ding zurück in seine Führungsrille und gut wars.

Mit der neuen Kamera kann ich also noch ein bisschen warten, aber hinsichtlich meines erweiterten Einkommens ab dem 10. Oktober will ich ein aktuelleres Modell für das kommende Frühjahr ins Auge fassen. Die Videofunktion der Practica ist mir zu eingeschränkt, da sie nur 640×480 Videos zulässt, das ist ein bisschen schwach. Inspiriert von einem YouTube User mit dem Kanalnamen „Talljim01“ will ich ebenfalls eine kleine Serie von Vlogs auf die Beine stellen, in denen ich ein paar Erlebnisse aus der Zeit bei der Armee zum Besten gebe. Das sollte schon allein für mich von Bedeutung sein, damit ich nicht alles vergesse. Bislang haben mich Treffen mit ebenfalls erfahrenen Freunden davor bewahrt, die alten Geschichten zu vergessen, aber da diese Treffen ja immer seltener und wegen Damenbegleitung immer „unmilitärischer“ werden, sollte ich all das festhalten. Ich bin sicher, dass es ein Publikum dafür gibt.

Und für diese Zwecke ist die derzeitige Kamera nicht sonderlich gut. Die Auflösung ist, wie erwähnt, zu gering, und das Mikrofon ist auch nicht wirklich zu gebrauchen, da immer ein auffälliges Brummen dabei ist, das ich erst entfernen müsste, was zu Verlusten in den Frequenzen führt, die ich eigentlich behalten will, und deshalb habe ich in Tests die Sprache parallel über ein besseres Mikrofon aufgenommen und über die Kameraaufnahme gelegt. Das funktioniert und gibt ein besseres Ergebnis als nur Kamera, ist aber wegen des Arbeitsaufwands ebenfalls nicht befriedigend.

Aber all das hat ja nun ein bisschen Zeit. Vorerst plane ich mal, Im oder Ende Frühjahr die nächste Kamera zu kaufen. Die wird dann ebenfalls nicht mehr als 120 E kosten, aber für den Preis bekomme ich heute schon einiges mehr als damals 2006.

22. September 2009

Von Nagaoka und unsichtbaren Panzern

Filed under: Japan,Militaria,My Life — 42317 @ 18:39

Ein großes Wochenende hätte es sein können, der 19. und der 20. September. Zum einen sollte Freitag auf Samstag das Nagaoka Festival unter dem Titel „Konstantin lädt ein“ stattfinden, zum anderen hatte die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 41) gegenüber Kürenz für Samstag und Sonntag „Tage der Information“ angekündigt, und ich habe bereits vier Jahre gewartet, dass sich ein solches Ereignis wiederholen würde.

Am Samstag Morgen um 1015 stand ich an der Bushaltestelle vor meinem Haus, um in den Bus Richtung Avelertal zu steigen. Irgendwas gefiel mir an der Art, wie das Sonnenlicht auf die Hausseite traf und wie sich dieses Bild durch die sich verfärbenden Bäume an der Haltestelle darstellte. Ich nahm die Kamera aus der Hosentasche, um ein Foto zu machen, hatte auf dem Bildschirm allerdings das Gefühl, durch eine Jalousie zu schauen – was ist da los?

Ein Blick auf das Objektiv der Kamera zeigte mir, dass die obere Hälfte der Blende, die als Staub- und Kratzschutz vor der Linse fungiert, aus ihrer Führungsrille gesprungen war und sich nicht mehr öffnen ließ. Scheinbar bin ich in den vergangenen Tagen bei irgendeiner Gelegenheit mit irgendeiner Kante – möglicherweise ein Teppichstapel – genau daraufgestoßen.
Es stellte sich schnell heraus, dass weder meine Fähigkeiten noch das mir in jenem Moment zur Verfügung stehende Werkzeug den Schaden beheben können würde.

Dennoch fuhr ich zu dem Parkplatz am Avelertal und nahm den Shuttleservice der WTD in Anspruch, sowie einen Flyer entgegen, der mir einen Überblick über das Programm verschaffte.
Ich sah mir eine Teststrecke an, auf der Fahrwerke unter kontrollierten Bedingungen auf ihre Geländefähigkeit überprüft werden können. Sie besteht aus fünf Betonfahrspuren mit verschieden hohen Erhebungen, und eine Zahl von Ketten- und Radfahrzeugen fuhr unter den Kommentaren eines Ansagers immer wieder darüber hinweg, darunter ein Dingo Geländefahrzeug, ein Zehntonner LKW, ein Leo2 und eine Panzerhaubitze 2000.

Die Ausstellung der historischen Fahrzeuge war ein wenig gewachsen. Wie beim letzten Mal fanden sich auch an diesem Wochenende ein JgPz I (etwa 2 m hoch, halb offene Kuppel, mit 47 mm PaK), eine „Hummel“ Selbstfahrlafette mit 150 mm Kanone, ein Pz III (Flamm), ein Pz V „Panther“, ein M5A1 „Stuart“, und ein sowjetischer T-34/85. Neu dazugekommen waren der Bergepanzer auf dem Fahrwerk des Pz IV (Bj. 1941) und der Jagdpanther. Beeindruckendes Gerät.

Auf dem Hof mit den Radfahrzeugen befand sich ein moderner Funktrupp auf einem 7,5t LKW, und daneben das dazugehörige Aggregat, das heutzutage scheinbar ebensoviel Platz braucht. Zu meiner Zeit war das auf einem Anhänger untergebracht, heute braucht sowas scheinbar ein eigenes Fahrzeug. Aber dieser SatTrupp ist technisch auch umfangreicher als mein alter Kilowatt-Trupp.
Der Feldwebel und der Hauptgefreite hier hatten keine Stabantenne mehr, sondern eine 4,5 m Satellitenschüssel, sie verwendeten auch keinen FS-200 Fernschreiber, sondern einen Desktop PC, dem entsprechend auch keine Lochstreifen mehr, sondern E-Mail. Der SatTrupp ist wohl seit 2001 im Einsatz.

Ich unterhielt mich mit den beiden eine Weile und kam zu dem Schluss, dass sich an der Gesprächskultur der Bundeswehr nichts geändert hat. Nein, ich meine nicht die Dreifaltigkeit von Frauen, Autos und Fußball. Vielmehr unterhielten wir uns über den Leistungsmangel des Bundeswehrmaterials gegenüber dem nicht-militärischen Äquivalent, die unverschämt höheren Preise dieser qualitativ eingeschränkten Versionen, die mangelnde Anpassungsfähigkeit des Materials im Allgemeinen an die sich verändernden Aufgaben der Bundeswehr, und die Realitätsferne mancher Beschaffungsaufträge. Der Feldwebel wies an einer Stelle mit dem Daumen in Richtung der Kettenfahrzeuge im Hof nebenan und erwähnte den dort aufgestellten Marder mit Wüstentarn als Beispiel:
„Dem seine Tarnung ist nicht aufgepinselt, sondern besteht aus einem Plastiküberzug, dessen Einzelteile mit Klettverschlüssen zusammengehalten werden.“ Sicherlich flexibler als ein klassischer Tarnanstrich, und muss, anders als Farbdosen und Pinsel, auch nicht immer wieder neu gekauft werden, aber „wenn das Ding mal zu dicht an einem Baum vorbeifährt, reißt es den Überzug runter und das Ding ist wieder grün.“ Und je nach Situation möchte oder kann man vielleicht nicht sofort aussteigen, um den Missstand zu korrigieren.

Danach stattete ich dem Sozialdienst der Bundeswehr und dem natürlich anwesenden Wehrdienstberater einen Besuch ab, denn ich wollte ja gern ein oder zwei Kissen haben, wie sie in BW Kasernen verwendet werden. Darauf liege ich mir meine Schulter nachts nicht zu Mus. Das heißt, im Sommer habe ich keine Probleme, aber im Winter spüre ich mein Schultergelenk nachts ganz deutlich, was erst besser wird, wenn es nach dem Aufstehen irgendwann warm geworden ist.
Aber von den Anwesenden konnte mir keiner sagen, wie ich da rankommen könnte, und man empfahl mir, mich direkt an die Truppe zu wenden.

Vom Sozialdienst bekam ich einen Katalog mit Urlaubsangeboten, wo ich als Mitglied 10 % Preisnachlass erhalten könne, aber ich habe meine Mitgliedschaft im Bundeswehrverband noch zu gut schlecht in Erinnerung, wo man mich ebenfalls mit Rabattangeboten hinlockte – und ich nach Inspektion der entsprechenden Läden feststellte, dass es sich um kleine Einzelhändler handelte, die trotz (5 %) Rabatt in ihren Preisen von großen Fachmärkten wie MediaMarkt, Blitz, oder ProMarkt locker unterboten wurden.

Ich kam nicht umhin, dem Oberleutnant von der Wehrdienstberatung meine Erfahrungen mit seinem Metier zu schildern, und er beteuerte, dass das heute ganz anders gemacht werde, dass er umfassend informiere, und nicht nur Fragen beantworte, die man ihm auch stelle… denn es hätte mich schon gefreut, damals, 1997, zu erfahren, dass man als Soldat auf Zeit gleich voll bezahlt wird… meine Unterschrift unter den W10+13 „W-Flex“ Vertrag hat der Bundeswehr letztendlich 17000 Mark an Löhnung gespart, die ich in den ersten 11 Monaten bekommen hätte, wenn ich statt verlängertem Wehrdienst gleich SaZ-2 gewählt hätte, was damals, nach meinem Wissen, in der Mannschaftslaufbahn möglich war.

Zum Abschied kriegte ich insgesamt den eben genannten Katalog, zwei Kugelschreiber, zwei Schlüsselbänder, und ein Mousepad mit 3D-Effekt.

Die Frustration über die verflossene Möglichkeit, Fotos und Videos zu machen, färbte deutlich auf meine Laune ab. Ich verließ das Gelände wieder, ohne mir das Panzertauchen mit Notausstieg unter Wasser, oder das übliche Zerquetschen von Schrottautos anzusehen. Ich wollte versuchen, in der Stadt einen Laden zu finden, der die Kamera aufschrauben und in Ordnung bringen konnte.

Nach einem Besuch entsprechender Läden stand eines fest:
„Das könne ma net hier mache, das müsse ma einschicke.“
Wunderschön, ich brauche die Kamera aber heute! Jetzt! Sofort!
Nix is. Wieder mal ein leckeres Stück Pustekuchen.
Als ich aus dem letzten Laden kam, war ich nahe daran, die Knipse auf den Bürgersteig zu klatschen. Aber ich lasse es. Erstens waren noch 2 GB Extraspeicher drin, und zweitens bestand ja die Möglichkeit, dass ich für den Reparaturpreis plus ein paar Kröten mehr noch keine neue Kamera kriege.

Wenn ich schon mal da war, dann blieb ich auch hier und sah mir das Nagaoka Festival an. Immerhin hatte ich mich mit fünf Bildern an dem von der City-Initiative ausgeschriebenen Fotowettbewerb beteiligt, und wollte gerne sehen, was andere Leute beigesteuert hatten. Ich ging an der Bühne am Hauptmarkt vorbei, wo eine Karate-Vorführung zu sehen war, und ging gleich in das Zelt auf dem Domfreihof. Im Zelt war es trotz der Eingangsöffnung von 2,5 auf drei Metern unangenehm wärmer und schwüler als draußen, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Zelt oder irgendein Bestandteil davon nach Pferd roch. Ich habe nichts gegen Pferdegeruch, ich empfinde das nicht als störend, aber es war doch auffällig.
In dem Zelt traf ich auch Kolleginnen von „Trier spielt“ wieder und helfe ein bisschen beim Origamifalten. Nicht, dass ich viel davon verstehen würde, aber die Bastelanleitungen aus dem entsprechenden Buch erschienen mir nachvollziehbarer als der frustrierten Bastlerin.

Ich sah mir die vorhandenen Fotos für den Wettbewerb an und schätzte, dass es sich etwa um 50 handelte, was bedeutet, dass meine Freundin und meine Wenigkeit für schätzungsweise 20 % der Ausstellung gesorgt hatten. Die meisten Bilder waren das, was ich nicht sehen wollte, nämlich wunderhübsche Klischeebilder. Da sind Gartenanlagen, Tempeltore, Schreine, Kirschblüten, und eine Maiko (Geisha in Ausbildung) oder allgemein weibliche Menschen im Kimono. Wenig klischeehaft sind nur wenige Bilder, wie das eines mir bekannten, verklärt wirkenden Studenten unter einer Leuchtreklame, die sich „Yume (nozomi)“ („Träume (Wünsche)“) liest. Ein gutes Bild nach meinem Ermessen, aber sein wie auch mein Übel an diesem Wettbewerb ist, dass jeder Besucher, der teilnehmen will, ein Lieblingsbild auswählen darf, das heißt in erster Linie Leute, die keine Ahnung vom Thema haben. Die wählen natürlich die schönen Klischeebilder, und nicht solche, die davon abweichen oder eben solche, deren dargestellten Text man mangels Sprachkenntnis nicht lesen kann. Die Kollegin von „Trier spielt“ konnte mit dem Bild von dem Schrottauto, das ich eingereicht habe, auch nichts anfangen, bis ich es ihr erklärt hatte.

Schrott

Das Foto wurde von mir im März 2004 in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet ein paar Kilometer südlich von Hirosaki aufgenommen. Es ist anscheinend üblich, dass Bauern, die überall ihre Apfelbäume pflanzen und pflegen, ihre alten Autos nicht verschrotten, sondern als Schuppenersatz auf die Plantage stellen, um darin Werkzeug zu lagern, das sie für die Apfelzucht brauchen. Einige dieser Autos, wie das beschriebene, befinden sich in einem bereits fortgeschrittenen Stadium der Zersetzung, werden aber dennoch nicht entsorgt – wohl angesichts der damit verbundenen Kosten.
Unter dem rechten Vorderrad des dargestellten Wagens befand sich als Stütze eine Autobatterie, die ebenso alt wie der Wagen sein dürfte. Aus dieser Batterie lief alles mögliche aus (was auch immer außer Säure da drin sein mag), was in der kleinen Vertiefung eine widerliche schwarze Schlacke gebildet hatte.
Das Bild soll ausdrücken, dass Japaner zwar ein ästhetisches Umweltbewusstsein haben, was man an der effizienten Landschaftspflege und am künstlerischen Gartenbau sehen kann, dass es ihnen aber an Umweltschutzbewusstsein noch sehr mangelt. Das Foto soll einen bewussten Contrapunkt zu den anderen Darstellungen bilden, von denen mir völlig klar war, dass sie auftauchen würden.

Ein weiteres schönes Bild war wohl der Teich, mit dem ich was über scheinbare Oberflächlichkeit und faktische kulturelle Tiefe sagen wollte… aber das wäre bestenfalls einer Expertenjury aufgefallen, denn leider war es nicht möglich, einen erklärenden Text mit dazu abzugeben. Den hätte ich in das Bild drucken müssen, und das habe ich erst erfahren, als ich die fertigen Ausdrucke abgab.

Ich wechselte von den Fotos zum Tisch in der Mitte und ignorierte dabei den Aikido Verein am Fußende des Zelts. Ich redete ein bisschen mit der Fachschaftsvertretung, deren Namen ich zwar vergessen habe, deren Gesichter ich aber immerhin wiedererkenne. Die Besucherfragen sind typisch und die Antworten eingeübt: „Japanisch ist doch sicher schwer? Und was macht man dann damit?“ Ich empfehle jedem Japanologen, und denen, die es werden wollen, sich so schnell wie möglich Antworten auf diese Fragen zu überlegen, denn man wird immer wieder von verschiedenen Seiten aus damit gelöchert.

Von der Fachschaft wechselte ich zum Herrn Uchita und stellte dort meine mangelnde Begabung für Kalligrafie unter Beweis. Das interessante Wechselspiel von breiten und dünnen Strichen, das sich zwangsweise aus der Form des Pinsels ergibt, rettet meine infantile Pinselschrift auch nicht.
Die freiwillige Aufgabe des Herrn Uchita, der sich in seiner Freizeit nicht nur mit moderner, sondern auch altertümlicher Kalligrafie beschäftigt, bestand darin, vorbeiwandernde Besucher dazu einzuladen, ihren Namen mit dem genannten Pinsel in Katakana zu schreiben, und wenn ihm was originelles einfiel, steuerte er auch noch eine Kanjischreibung bei.

Da kam zum Beispiel ein Mädchen mit Mutter vorbei. Herr Uchita komplimentierte sie auf die Sitzbank und forderte sie auf, ihren Namen zunächst auf Deutsch auf das Blatt zuschreiben.
Katharina.
Dann zeigte er ihr die korrespondierenden Katakana in der Liste, und Katharina wurde zu
????.
Das heißt, sie schrieb im ersten Versuch, während ich die Strichreihenfolge erklärte.
Uchita schrieb dann die schöne Variante, und die junge Kundin schließlich eine deutlich verbesserte eigene.
Da er wohl eine Eingebung hatte, steuerte er noch eine Kanjischreibung hinzu:
????.
Diese Version liest sich ebenso wie der ursprüngliche Name. An den Schriftzeichen kann man dann eine von der deutschen Ethymologie (gr. „katharos“ = „die Reine/Aufrichtige“) abweichende Bedeutung festmachen:
? = mehr
? = viel
? = Heimat
? = (alter Fragepartikel ohne Bedeutung, etwa „Was“ oder „Wie“)
Ich bot als Interpretation an „Zuhause ist es am schönsten“ an, und damit waren alle zufrieden.

Ich hatte schon fast vergessen, wie viel Lob ein einzelner Japaner in kürzester Zeit zu äußern im Stande ist, Herr Uchita sprudelte über davon. Meisterwerke habe ich bei der Handvoll von Schreibern nicht im Ansatz gesehen, aber schließlich machen diese Leute das auch zum ersten Mal und ich halte es für deutlich, dass Kinder mehr Geschick an den Tag legen, als Erwachsene, was mit ihrer größeren Übung im Malen zusammenhängen könnte. Von den Erwachsenen zeigte eine Innenarchitektin mehr Begabung als der Durchschnitt, wohl aus einem ganz ähnlichen Grund.

Etwa an dieser Stelle sah ich Peter und Marco vom Animeclub (plus eines weiteren Bekannten, der wohl ebenfalls dazugehört, mir aber nicht weiter vorgestellt wurde – nennen wir ihn X) und wanderte mit denen durch die Innenstadt, auf der Suche nach interessanten Dingen. Ganz klar zu beobachten war, dass sich die Anzahl der anwesenden Japaner sehr in Grenzen hielt. Ich hätte wegen der Vielzahl japanischer Firmen in Luxemburg mit mehr gerechnet, aber vermutlich drückten die sich alle in dem großen JTI (Japan Tobacco Industries) Zelt an den Kaiserthermen rum. Das knappe Dutzend Japaner, an die ich mich erinnern kann, bestand zum geringeren Teil aus Austauschstudenten, die als Besucher da sind, und zum größeren Teil aus freiwilligen Helfern an den Fressbuden, die es natürlich auch hier geben muss.

Auch hier wurden Klischees eingehalten: Es gab Frühlingsrollen und Misosuppe. Dabei sind mir Frühlingsrollen in Japan nicht dauerhaft im Gedächtnis geblieben. Gyôza schon eher (chinesische Ravioli?). Auf Sushi hatte man vermutlich wegen der fehlenden Kühlmöglichkeiten und den abschreckenden Preisen verzichtet. Aber wo waren die Yakisoba? Wo die so genannten „Frankfurter“ Würste und Bananen mit Schokoüberzug am Stiel? Wo waren die Süßkartoffeln? Wo die Takoyakibällchen, und Ikayaki, der gegrillte Tintenfisch? Ramen und o-Nigiri waren ebenfalls abwesend. Mir fehlte hier so viel, dass ich darüber völlig vergaß, was es eigentlich in der Tat zu essen gab. Außer Misosuppe und Frühlingsrollen. Ich habe aber sicher auch so einiges übersehen, Augenzeugen mögen mich also bitte korrigieren, falls notwendig.

Abgesehen vom Zelt vorm Dom handelte es sich hier um eine für mich leider völlig uninteressante Veranstaltung. Das breit angekündigte „japanische Feuerwerk“ am Abend könnte für mich nicht unbedeutender sein. Auf dem Kornmarktplatz war allerdings für 15 Uhr eine japanische Geigerin angekündigt, und weil X auf Geigenmusik steht, gingen wir halt hin. Ihr Name wurde in der Broschüre transkribiert als „Ruri Takitsawa… soso… ist mir die Existenz einer Silbe „tsa“ bislang entgangen, oder hat da jemand in Unkenntnis den mir bekannten Namen „Takizawa“ verunstaltet?
Der Ansager der kleinen Bühne hat es jedenfalls nicht gebacken bekommen, den Namen vorher zu üben, oder zu fragen, wie man ihn denn ausspricht, denn er braucht drei Versuche, bis er es durch Zuruf der Geigerin hinbekommt. Sie komme aus Yokohama, sagt er dann, und sei zwölf Jahre alt.
Das muss aber ein Talent sein, wenn man die extra aus Yokohama herbestellt!

Dummer Gedanke! Diese von Spenden getragene Veranstaltung verfügt gar nicht über die Mittel, echte Talente vom anderen Ende des Planeten einzufliegen. Ich ging also eher davon aus, dass die junge Dame auf dem Weg nach Trier den Umweg über Düsseldorf genommen hat, dass sie also möglicherweise in Yokohama geboren ist, aber derzeit in Düsseldorf lebt und irgendwie in diese Veranstaltung hineinbeschwatzt wurde.
Frl. Takizawa fiedelte in ihrem blauen Kimono also erst mal zwei klassische Stücke, bevor sie nach höchstens mal zehn Minuten eine Pause machte. Vielleicht war das aber auch notwendig, um dem lokalen Karnevalsverein (in friederizianischen Trachten) den singenden und klingenden Abmarsch zum Hauptmarkt zu ermöglichen, ohne, dass sich das Klangprogramm biss.
Ich muss allerdings über die Geigerin sagen, dass ich mich bereits nachdem sie zwei Takte gespielt hatte, nicht des Gedankens erwehren konnte, schon lange nicht mehr eine so durchschnittliche Leistung auf einer Violine gehört zu haben. Aber wen wundert’s? Die Solistin ist 12 Jahre alt und sie spielt exakt auf der Qualitätsstufe, die man von einem normalen und durchschnittlich begabten zwölf Jahre alten Kind erwarten kann. Nicht mehr. Warum sie öffentlich auftritt oder dazu ermuntert wurde, ist mir ein Rätsel. Was mir bleibt, ist der Respekt davor, dass sie sich traut, vor Publikum zu spielen. Zum letzten Mal hatte ich dieses Gefühl so stark, als ich vor zehn Jahren die Tanz- und Gesangsvorstellung stark übergewichtiger Sailor Senshi erlebte, die weder singen noch tanzen konnten.

Was machen wir als nächstes? Meine drei Begleiter wollten sich eine scharfe Currywurst geben und gingen in die Fressecke dieser vor etwas mehr als einem Jahr neu eröffneten Einkaufsgalerie in der Fußgängerzone. Die Wurst, bzw. die Soße dazu, gibt es dort in zehn Schärfegraden, wenn ich mich nicht irre; interessant wird das Ganze ab Stufe vier, und Stufe sechs ist schon nichts mehr für den Normalbürger. Stufe sechs gibt es erst „ab 18“, und höhere Stufen erhält man nur mit „Schärfepass“, einem Stück Glanzpapier, das einer Rabattkarte nicht unähnlich ist. Man erhält darin Stempel zur Dokumentation der bereits erreichten Stufen, und erst, wenn man einen Stempel für die Sechs erhalten hat, wird einem die Sieben oder höhere verkauft. Zum Mundspülen wird Hochwaldmilch angeboten, weil Wasser ja die ganz falsche Wahl wäre.

Viele Leute – in erster Linie männliche Testosteronsklaven, wie ich annehme – essen sowas als Mutprobe, wie ich höre, andere loben den Geschmack, obwohl das nur wenige sind. Ich habe von einigen Besuchern Kommentare gelesen, die die Wurst als bestenfalls durchschnittlich bezeichnen, während die Soße lediglich mit irgendeinem Konzentrat aufgemotzt wird, was sie zwar scharf mache, den Geschmack aber in den Hintergrund treten lasse.
Meine Männlichkeit braucht jedenfalls keine scharfe Wurstsoße zur Selbstbestätigung, von daher lehnte ich die angebotenen Stückchen dankend ab. Erstens bin ich kein Fan von Currywurst, und zweitens hatte ich nichts im Bauch. Auf nüchternen Magen eine sehr scharfe Soße zu essen, würde meine Magenschleimhaut nicht schätzen, und da steh ich nicht so drauf. Ich werde vielleicht irgendwann mal zum Einstieg eine Vier und eine Fünf essen, aber nicht auf leeren Magen.

Ich konnte Peter dafür gewinnen, sich im Anschluss die Panzer ebenfalls anzusehen. Er hatte am Tag darauf keine Zeit, und ich bedauerte es doch irgendwie, die Rundfahrt durchs Gelände nicht gemacht zu haben, also setzten wir uns in den Bus, der wegen einer NPD-Kundgebung an der Porta und der obligatorischen Antifa-Gegenveranstaltung am gleichen Ort einen Umweg fahren musste.
„Arbeit zuerst für Deutsche!“
Ja, was sind denn Deutsche? Sind das blond-blauäugige Mustermänner und -frauen aus Adolfs Märchenbuch? Oder sind das Leute mit einem einwandfrei deutschen Pass? Da die NPD und ihre Spießgesellen in konstruierten ethnischen Kategorien denken, wird die zweite Variante wohl flachfallen.
Rhetorisch ungeschickt aber auch die gegenüberliegende Ecke.
„Reichtum für alle!“ sagt das erste Plakat der LINKEN.
„Reichtum stärker besteuern!“ sagt das zweite.

Ich kam mit Peter um 1630 in der WTD an, reichlich spät, bedenkt man, dass die Jungs um 1700 Feierabend machen wollen. Wir schauten uns den Rest der Hundevorführung an, gingen dann aber gleich auf die Panzerbahn, wo die übliche Schlange vorm Podium stand. Wir warteten etwa 15 Minuten, bis wir dran waren (mit neun anderen), in dem Leo2 Chassis eine schnelle Runde zu drehen. Besser als eine Achterbahn, auf ihre Weise, und das völlig umsonst. Das Vehikel bringt es nur auf 70 km/h, schaukelt aber schön und fliegt auch schon mal von einer Kuppe zur nächsten.

Danach sahen wir uns in aller Ruhe die ausgestellten Fahrzeuge an und verließen um kurz nach halb sechs das Gelände. Nach unten versagte der Fahrdienst leider völlig, da musste man zu Fuß gehen.
Es sind über 250 Betonplatten bis zur Hauptstraße, und pro Platte benötige ich vier bis fünf Schritte, je nach Grad der Straßensteigung. An der Stelle „rettete“ uns allerdings Sönke, der nach einer Verabredung in Luxemburg heute nicht mehr rechtzeitig kommen konnte. Er ließ Peter an der Bushaltestelle raus und nahm mich mit vor die Hautür, wo ich allerdings feststellte, dass ich vergessen hatte, dass ich noch einkaufen muss. Also in den nächsten Bus und Richtung Bahnhof gefahren.

Dabei musste irgendwas mit meiner Zeitwahrnehmung schiefgegangen sein: Ich denke, zwischen Peters Aussteigen aus dem PKW und meinem Einsteigen in den Bus konnten keine zehn Minuten vergangen sein; als ich dann fünf bis zehn weitere Minuten später wieder an ihm vorbeifuhr, hatte er bereits die ganze Strecke bis zur ATU Zweigstelle zurückgelegt, in schätzungsweise etwas mehr als einer Viertelstunde. Er ist entweder besser zu Fuß, als man ihm ansieht, oder ich habe mich irgendwo zeitlich verschätzt.

Zu guter Letzt war es ein interessanter Samstag, wenn auch im Hinblick auf meine Kamera kein besonders guter. Ich muss die Woche also mal zu MediaMarkt tigern und mich erkundigen, was ich für eine Reparatur löhnen muss, und der Gedanke ist mir von Haus aus unangenehm.
Und wenn ich mir die Sache hier so ansehe, könnte ich auch eine neue Schreibtischlampe gebrauchen.

21. August 2009

Die Zeit bleibt nicht stehen

Filed under: Militaria,My Life — 42317 @ 21:07

Der August beginnt sein letztes Drittel. Die vergangene Woche brachte in erster Linie brütende Hitze, weswegen ich froh sein könnte, dass der Teppichladen aus Krankheitsgründen geschlossen ist. Ja, könnte, denn Geld brauch ich ja trotzdem. Zwei Tagesjobs haben den Großteil des entstandenen Verlusts bislang wieder ausgeglichen, und ich habe noch zwei weitere Jobs in Aussicht, die noch Realität werden könnten.

Letzten Sonntag aber war ich erst mal bei „Brot und Spiele“, bei der 5,50 E Sparversion in den Kaiserthermen. Von dem Theaterspektakel im Amphitheater wurde mir zwar erzählt, dass man was verpasst habe, wenn man nicht dabei war, aber Gesamtkosten von über 30 E sind mir dann doch zuviel angesichts der aktuellen Situation. Immerhin tritt da jedes Jahr eine professionelle Gladiatorentruppe aus Italien auf, von daher nehme ich an, dass die Produktionskosten auch kein Pappenstiel sind.

Dennoch, Melanie und meiner Wenigkeit blieb dann also das Römerlager in den Thermen inklusive Exerziervorführungen, Show and Tell (eine kurze und prägnante Übersetzung dafür, dass da Leute mit Ahnung rumstanden, die man mit allen möglichen themenbezogenen Fragen löchern konnte), und einem ebenso gearteten Vortrag der Gladiatorentruppe Ars Dimicandi.

006 Ars Dimicandi x

Es wurden verschiedene Typen von Kämpfern mit ihrer Ausrüstung gezeigt, und welche Vorteile sie jeweils besitzen, wie zum Beispiel ein runder, glatter Helm, an dem Netze oder Stichwaffen leicht abgleiten, oder Beinschienen, deren Länge auf die Größe des Schildes abgestimmt ist, oder zuletzt, welche Vorteile eine leichte Bewaffnung und Panzerung in Sachen Beweglichkeit bietet.

010 Ars Dimicandi x

Interessante Sache, aber nicht so ganz umfassend. Jetzt weiß ich, dass Netze an runden Helmen abgleiten, aber auch, dass so genannte Flügel am Helm die Wirkung eines Dreizacks vergrößern, weil da Kanten sind, an denen er hängenbleiben kann – es hat niemand erklärt, warum ich als Arenakämpfer also einen Helm mit Flügeln überhaupt tragen sollte.

019 Ars Dimicandi x

Auch das übrige Lager hatte so einiges zu bieten, aber was soll ich groß fotografieren? Klar, da hingen Waffen und Rüstungen rum, und es gab Schmieden und Handwerkszelte, wo sich der Römerfan mit allem möglichen Zeug eindecken kann. Der Exerzierplatz war interessanter.

Die IVte Kohorte führte Ausbildungsdrill mit lateinischen Kommandos vor, und die XVte Legion zeigte Kampfdarstellungen im Trupprahmen und sorgte dabei für die Unterhaltung der Kinder.
Angetrieben von einem Decurio mit einer Stimme, als sei er dem Bläck Föös Song „Am Arsch der Welt“ entstiegen, rückten die Legionäre im Schutz ihrer Schilde vor

036 Infanterie x

Die Kinder bewarfen den Trupp unter wildem Kriegsgeschrei mit Lederbällen

035 Infanterie x

Nachdem der Feind seine Munition verschossen hatte, stürmten die Legionäre in den Haufen

040 Infanterie x

Man wünscht sich beinahe, nochmal 8 zu sein.
Mein Respekt auch für die „Römer“, die das immerhin mehrfach wiederholten, in dieser Hitze und in realistisch nachgebildeten Rüstungen, die inklusive Helm über 20 Kilo wiegen.

Eine kleine Einlage gab es im Römerlager, als ein Trupp Legionäre der IVten Kohorte eine „einheimische Siedlung“ stürmten. Das heißt, da waren auch ein paar Hütten, in denen man sich einen Eindruck vom antiken, nicht-römischen Trierer Leben machen konnte. Die Soldaten brachen da ein und nahmen die Frauen mit – die sie 50 m weiter für wenige Dinare zum Kauf anboten. Der Spaß daran waren z.B. die Frauen, die sich gegenseitig den Preis runter redeten:
„Die kann gar nicht kochen und auch nicht nähen!“
„Die schlägt ihren Mann!“

028 Sklavenmarkt x

Oder der Treverer Bauer, der dann meinte:
„Och, ich weiß nicht, ob ich die wiederhaben will… ihr werdet bestimmt gute Freunde.“

024 Sklavenmarkt x

Wenn wir schon mal da waren, wollte Melanie sich auch nicht das römische Essen entgehen lassen, das in Form von Snacks angeboten wurde, wie zum Beispiel als Brotaufstrich oder -belag (weiß der Geier, was genau das war), oder als gefüllte Datteln. Nebenbei sei gesagt, dass die Römer den Müsliriegel erfunden haben, nur hatte er bei ihnen nicht die heute übliche Riegelform, sondern war ein kleines Bällchen. Schmeckte aber genauso und hatte lediglich keine Schokoladenanteile.
Ein kleines Kochbuch hat sie auch mitgenommen, mal sehen, was man daraus ziehen kann.
Außer einem leichten Sonnenbrand gab’s jedenfalls nichts, was ich hätte bedauern müssen an dem Tag.

Ein Zusammenschnitt von „römischen Szenen“ befindet sich auf meinem YouTube Kanal.

Am Montag ging’s dann allerdings zur Sache: Da stand ein Umzug an, bei dem zwei Wohnungseinrichtungen zu einer einzigen werden sollten. Bemerkenswert dabei war, dass eine der beiden Wohnparteien mit mir zusammen ein oder zwei Phonetikseminare besucht hat. Die Zielwohnung befindet sich in Sichtweite vom Bahnhof hinter der Güterstraße, die auszuräumende Wohnung #1 in der Innenstadt, und #2 in Trier West.

Zunächst mal war ich eine Stunde zu früh dran. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, ob der Termin um „halb 10“ oder um „10:30 Uhr“ angesetzt war… und ich komme eigentlich lieber eine Stunde zu früh als eine Stunde zu spät. Die beteiligten drei Damen waren schon am Werkeln (Schrank und Bett abbauen), und als erste Aufgabe fiel mir das Kaffeeholen zu.

Pünktlich um halb 11 waren dann auch die anderen beiden Helfer da: Alexander aus Bitburg, der demnächst nach Trier umziehen möchte, weil es einfach näher an der Uni ist, und Alvaro aus Guatemala, der gerade noch dabei ist, die deutsche Sprache zu lernen. Aber das machte nichts, weil sein Englisch immer noch besser als sein Deutsch ist, und weil unsere Auftraggeberin bereits einige Jahre in Argentinien verbracht hat.

Eine ganz gemütliche Sache – abgesehen davon, dass am Kellereingang der Zielwohnung die größte Kellerspinne saß, die ich in Deutschland je live gesehen habe – bis wir nach einer spendierten Pizza in Trier West ankamen.

Weil es sich um einen Arbeitsauftrag handelte, der mit sperrigen und schweren Sachen verbunden war, habe ich darauf verzichtet, meine Kamera mitzunehmen, sonst hätte ich zweifelsohne schon gleich ein Bild von dem Haus vom Parkplatz aus gemacht. Mein erster Eindruck von der Anzahl der Stufen war zu hoch gegriffen, nach gründlicher Zählung muss ich sie zurückschrauben:
Vom Parkplatz zum Haus führen knapp 40 Stufen. Vom Eingang in den ersten Stock sind es über dreißig, vom ersten in den zweiten Stock sind es knapp 20, und von zweiten in den dritten Stock nochmal 20. Insgesamt 103 Stufen.

In der ersten Fuhre nahm sich jeder was aus der Einzimmerwohnung und brachte es zum Transporter, allerdings wurde mir deutlich, dass wir das nicht durchhalten würden. Also teilte ich uns nach Ebenen ein: Parkplatz-Haustür, Haustür-Erster Stock, Erster Stock-Dritter Stock. Alexander nahm freiwillig die unterste Ebene (das heißt, er hatte nicht nur die Stufen, sondern auch die pralle Sonne zum Gegner), Alvaro übernahm die Mitte, und ich das obere Drittel, und wir reichten die Sachen in dieser Kette weiter.

Zwei Stunden später waren wir mit dem Einladen fertig, und mir haben die Knie nicht mehr so sehr gezittert, seit meine Belastungsfähigkeit zuletzt im Januar 1998 im verschneiten Eyachtal bis über ihre Grenzen getestet wurde. Die Auftraggeberin war so nett, mir ein Handtuch zu überlassen, weil mir andauernd der Schweiß in die Augen lief. In der Zielwohnung war dann um 1800 alles fertig. Auspacken und einräumen würden die Bewohnerinnen natürlich selbst.

Bereits kurz vor Mittag kam eine ältere Dame am Transporter vorbei, die wohl ein Haus in der Nähe erstanden hatte, und wissen wollte, was für Mieten man hier verlangen könne, und sie wolle auch in naher Zukunft von Saarlouis nach Trier umziehen. Ich gab ihr meine Telefonnummer und versprach ihr, mich im Falle eines Auftrags darum zu kümmern, dass ein Arbeitskräftegesuch in der Uni aushängen würde. Ein Umzug allein mit einer Dame um die sechzig ist ja völlig illusorisch. Ich warte jedenfalls darauf, dass sie anruft.

Ein weiterer kleiner Auftrag ergab sich aus dem Umzug: Die Wohnung in Trier West musste auch gestrichen werden. Da die anderen beiden sich noch unsicher waren, ob sie am Mittwoch Zeit haben würden, bekam ich den Auftrag – mit der Option, dass eben einer der beiden anderen noch hinzukommen sollte.

Gemessen an der Arbeitszeit standen mir also zunächst 80 E zu; weil ich aber kein Wechselgeld hatte, bekam ich einfach mal 100 in die Hand gedrückt. Da arbeite ich gerne wieder.

Nach einem leichten Muskelkater am Dienstag kam ich dann am Mittwoch Morgen pünktlich an. Folie auspacken und Leisten verkleben, Steckdosen und Lichtschalter abschrauben, Farbe rühren. Ich sollte das besser alleine machen, hieß es – weil die Arbeit auf fünf Stunden ausgelegt war, und wenn sie von zwei Leuten gemacht würde, lohne sich das finanziell nicht so sehr.
Unerwartet erschien Alvaro aber dennoch, und ich denke, dass es an diesem besonderen Tag auch besser war: Ich hatte nämlich noch nicht an meine Lohnsteuererklärung gedacht, und die Abgabefrist lief heute (also am 19.08.) ab.

Ich strich die großen Flächen, Alvaro übernahm die Ecken und Engstellen, für die die Rolle zu breit ist. Im Anschluss reinigten wir noch das Bad und die Kochecke, und nach drei Stunden waren wir fertig, also etwa um 1230, wofür jeder von uns 35 E erhielt. Die Firma dankt.

Ich glaube, in dieser Woche mehr Trinkgeld erhalten zu haben, als in den vergangenen fünf Jahren im Teppichladen, weil anscheinend niemand glaubt, dass Teppiche schwer oder anstrengend zu handhaben seien… vielleicht stimmt aber auch die Regel, die wir während der Arbeitszeit beim Klavierbauer aufstellten: Je höher und je niedriger das Einkommen des Kunden, desto niedriger das Trinkgeld – weswegen man ganz klar bevorzugt für die goldene Mitte arbeiten sollte, von der ich bislang immer am großzügigsten bezahlt worden bin.
Hm… das lässt sich wegen der auch nicht geringen Anzahl von kleinbürgerlichen Teppichkunden aber so nicht halten… es muss tatsächlich mit der Auffassung von Teppichen zusammenhängen.

24. Juni 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 7)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 21:21

4. Taktische Erfahrungen
Zur Einschätzung des Verhaltens der Einheiten habe ich neben einer selbst erstellten Seeschlacht zwei vorgegebene taktische Schlachten aus dem Spielmenü gespielt: Den Angriff auf Pearl Harbor (für jede Seite einmal) und die Verteidigung des britischen Schlachtschiffs „Prince of Wales“ und des Schlachtkreuzers „Repulse“.

4.1 Vorgefertigtes Szenario 1: Prince of Wales
Im letzteren Szenario besteht die Aufgabe für den Verteidiger darin, mindestens eines der beiden Schlachtschiffe zu retten. Zur Verfügung stehen neben diesen beiden großen Einheiten noch vier Zerstörer, und nach einigen Minuten kommt noch etwas Luftunterstützung hinzu (die es in Realität nicht gab). Und dann springt man da von einer Flak zur anderen und versucht, ein paar Flugzeuge abzuschießen. Leider verstehe ich zuwenig von der Zielhilfe eines solchen Geräts, als dass ich effektiv vorhalten könnte, denn nur wenn das feindliche Flugzeug besonders nah heran kommt, sieht man einen Punkt vor demselben, der anzeigt, wohin man schießen muss.

Die Zerstörer wurden alle vernichtet, aber mehrere Dutzend Bomber und Torpedobomber haben es nicht geschafft, auch nur ein einziges Schlachtschiff zu versenken. Der allergrößte Teil der Bombenfracht geht daneben, ich schätze, dass pro Staffel höchstens eine Bombe getroffen hat. Die Wasserfontänen sehen ganz lustig aus.

4.2 Vorgefertigtes Szenario 2: Pearl Harbor
Sprung nach Pearl Harbor: Ich spiele den Angreifer. Ziel ist es, drei Schlachtschiffe zu versenken, Hangars und Öltanks zu sprengen, und ein paar B-17 Bomber abzufangen, ohne mehr als 40 eigene Flugzeuge zu verlieren.

Meine Bomber greifen zunächst alles an, was sich bewegt. Das verteilt die Sprengkraft, und das einzige, was am Ende effektiv zerstört war, sind die Hangars an den Rollfeldern. Die Schiffe haben alle Schäden, aber keine ernsten, das Tanklager hat vielleicht 10 % Schaden hinnehmen müssen, nachdem ein ganzes Regiment von Sturzbombern es nicht geschafft hat, diese riesigen, dicht an dicht stehenden Anlagen zu treffen. Die Krater befinden sich wunderschön platziert zwischen den Tanks.
Als Gegenleistung ist das Abwehrfeuer schwach und mit den paar Jägern, die aufsteigen können, verhält es sich nicht anders.

Das war unbefriedigend, also noch einmal, mit mehr Koordination. Ich befehle den Bombern, einfach über dem Ziel zu kreisen, kein Feuer nach eigenem Ermessen. Ich setze mich in einen nach dem anderen selbst hinein und bringe Torpedos und Bomben auch ins Ziel. So ein Colorado Schlachtschiff schluckt acht Torpedos, bevor es untergeht. Aber es geht schnell unter. Nach zehn bis 20 Sekunden sind die Schiffe verschwunden, wenn sie tödlich getroffen wurden. Wie sich das mit den zwölf Metern Wassertiefe in Pearl Harbor vereinbaren lässt, wissen die Entwickler und ihr kriegshistorischer Berater allein.

Das gleiche Spiel mit den Sturzbombern. Ich setze sie nur nicht als Sturzbomber ein. Wenn ein Flugzeug Bomben bereit zum Abwurf trägt (das heißt, die Klappen der Bombenschächte müssen offen sein, falls vorhanden) und man es von oben betrachtet, kann man auf der Erdoberfläche einen Kreis sehen, der mit dem Flugzeug wandert: das ist das jeweils aktuelle Zielgebiet. Es berechnet aber nicht die Eigengeschwindigkeit eines sich bewegenden Ziels mit ein, das braucht dann wieder Erfahrung von Seiten des Spielers. Man bedenke, dass eine Bombe zehn Meter pro Sekunde schnell fällt, zuzüglich der Beschleunigungszeit. Bei einer Flughöhe von auch nur 100 Metern hat sich ein Schiff da unten also mitunter schon ein ganzes Stück weiterbewegt. Ich warte also, bis der gelbe Kreis das gewünschte (stillstehende) Ziel berührt und löse dann die Bombe aus. Diesmal werden Hangars und das Tanklager effektiv auseinander genommen.

Eigene Verluste des gesamten Angriffs: Fünf Jäger.

Positiver Punkt: Schiffe sind nicht einfach eine einheitliche Masse mit einer Zustandsanzeige, die durch Schäden verringert werden kann. Es ist in der Tat möglich, durch gezielte oder zufällige Treffer einzelne Stationen auszuschalten, also Flugabwehr- oder Hauptgeschütze.

Seitenwechsel. Es gibt nicht wirklich viel zu koordinieren. Man kann die Schiffe nicht auslaufen lassen, damit sie auf Grund ihrer Bewegung zumindest schwieriger zu treffen wären, nein, sie stehen still und die Aufgabe des Spielers beschränkt sich auf die Flugabwehr. Man könnte auch in einen Jäger springen, aber die Aufgabe ist frustrierend, weil die Übermacht so groß ist. Die B-17 kommen mit ihren Abwehrgeschützen allein klar, bei der Qualität der computergesteuerten Gegner.

Die japanischen Maschinen kommen also in Wellen an, fliegen tief herunter, und man kann einen nach dem anderen mit Hilfe des Vorhaltepunkts aus dem Himmel pflücken. Sobald sie vierzig der ihren verloren haben, hauen sie wieder ab.

Interessant dabei zu beobachten ist das Verhalten der Torpedobomber. Sie gehen zwar ordentlich ins Ziel und werfen ihre Fracht sauber ab, damit der Aal schnurgerade auf das Ziel zulaufen kann – sie schenken dabei allerdings den baulichen Gegebenheiten keine Beachtung. In mehreren Fällen konnte ich sehen, wie ein Zielanlauf glückte, der Pilot aber scheinbar die Kaimauer übersah, die sich zwischen dem Sprengkopf und dem Schiff befand.

4.3. Frei erstelltes Szenario
Das frei erstellte Szenario ist eine Besonderheit in sich. Wie in einem früheren Text bereits beschrieben, habe ich zwei numerisch etwa gleich starke Flotten zusammengestellt, mit technischen Parametern, wie sie zu Beginn des Krieges vorherrschten. Einer Laune folgend spielte ich die US Flotte.

Negativ ist leider, dass es keinen objektiven Vergleich der Truppenstärke gibt. Japanische und amerikanische Einheiten sind in ihrer Aufstellung leicht verschieden. Eine US „Division schwerer Kreuzer“ besteht aus zwei schweren Kreuzern, drei leichten Kreuzern, und vier Zerstörern. Das japanische Gegenstück einer solchen Division hat von jedem Schiffstypen nur zwei Exemplare, um ein ausgewogenes Zahlenverhältnis zu schaffen, muss man also entsprechend noch etwas dazugeben.
Wenn man davon ausgehen kann, dass ein japanischer schwerer Kreuzer ebenso effektiv ist, wie sein amerikanischer Gegner, könnte man einfach die Quantität gleichsetzen, aber bei den Flugzeugträgern ist es komplizierter. Ein US Träger-Bataillon trägt 192 Flugzeuge, ein japanisches nur 144. Diesen Nachteil muss oder sollte man irgendwie ausgleichen, aber wie man das macht, ist jedem selbst überlassen. Dabei hätte man jeder Einheit je nach Größe und Kampfstärke einen Punktewert zuordnen können, damit man nicht nach Zahl der Einheiten, sondern nach deren Qualität einkaufen kann. Das funktioniert in den Warhammer Tabletop Spielen, und es funktioniert in Combat Mission, warum nicht auch hier?

Wählt man eine Schlacht auf offener See, erhält der Verteidiger eine Aufstellungszone in der Mitte der Karte, der Angreifer kann seine Einheiten sternförmig darum herum anordnen. Ich halte meine Flotte allerdings zusammen, indem ich die nördlichste Aufstellungszone wähle und die Einheiten so anordne, dass die schwereren Schiffe weiter weg, und die leichteren näher an der gegnerischen Aufstellung sein würden. Lediglich vier U-Boote stelle ich in den Rücken der Japaner in die südlichste Zone. Per Vorgabe laufen meine Schiffe von West nach Ost, die japanischen wahrscheinlich ebenfalls, aber ich kann es nicht genau sagen.

Alle Kampfeinheiten, also Schiffe und Flugzeuge, haben eine Prioritätenliste, mit Zahlen von 1 (niedrig) bis 9 (sehr hoch). Die Priorität gibt an, welche Ziele sie bevorzugt angreifen, wenn man ihnen keine Befehle gibt. Man könnte Zeit sparen, wenn es möglich wäre, diese Liste vor dem Gefecht festzulegen, oder sie gar ins individuelle Spielerprofil einzutragen, aber nichts ist. Die Prioritätenliste muss jedes Mal neu eingestellt werden.

Ich entschied, keine Befehle zu geben, bevor mir die Positionen der Gegner klar waren, und es bot sich mir Erstaunliches. Zunächst einmal liegen die Positionen der Flotten nur wenige Kilometer auseinander, was aus historischer Sicht kompletter Irrsinn ist, sofern wir von Flotten mit Schlachtschiffen und sogar Trägern sprechen. Die Schlacht bei Midway wurde schließlich geschlagen, ohne dass die Kontrahenten in Artilleriereichweite kamen.

Dann machen die Japaner etwas, was sie (und jeder andere) schon vor der Schlacht von Tsushima anno 1905 ganz richtig als fatales Fehlverhalten erkannt hatten: Ihre Flotte läuft blindwütig auf meine zu. Dadurch war eine Situation möglich, die man auf Englisch „Crossing the T“ nennt, eine deutsche Bezeichnung kenne ich nicht. Das bezeichnet eine taktische Begebenheit, in der ein Verband in eine Richtung fährt (der untere Strich des Buchstaben „T“), während der andere, feindliche, Verband den oberen Querstrich bildet. Dadurch kann die untere Flotte nur die vorderen Geschütze einsetzen, und die obere alle, was bei gleicher Einheitenzahl heißt: „doppelt so viele“. Eine Situation, die jeder Kapitän vermeiden will, beziehungsweise wollte, denn im Zeitalter der Lenkwaffen ist dies unwichtig geworden. Dennoch scheint den Programmierern dieses alte Wissen entgangen zu sein, trotz zumindest angeblich mehrfach vorhandener zumindest möglicherweise kompetenter Berater in militärhistorischen Angelegenheiten.

Der Sinn? Es gibt keinen. Sogar der japanische Flugzeugträger beteiligt sich an diesem Manöver, das wie der Versuch einer Rammattacke in großem Stil aussieht. Allein die Schlachtschiffe bleiben auf Ostkurs und feuern von hinten. Warum nicht auch diese sich an dem Sturmangriff beteiligen, ist mir ein Rätsel.

Während meine beiden Schlachtschiffe den Träger auf vier Kilometer Entfernung unter Feuer nehmen, konzentrieren sich meine Kreuzer auf die japanischen Kreuzer. Die Zerstörer werden ignoriert, obwohl sie Torpedos tragen. Meine Zerstörer beschränken sich auf die Flugabwehr.

Von dem feindlichen „Akagi“ Flugzeugträger starten zuerst die Sturzbomber. Sobald dies erkannt ist, steigen meine Jäger auf. Aber sie werden nicht wirklich gebraucht. Die gegnerische Formation fliegt in Reihe auf meine Flotte zu, wie an einer Schnur aufgereiht: meine Zerstörer picken einen nach dem anderen aus der Luft. Nach den Sturzbombern starten die Jäger. Immerhin: Die fächern aus. Die ihnen nachfolgenden Torpedobomber fliegen aber wieder in einer langen Reihe, einer hinter dem anderen, in meine Formation hinein und werden fast alle aufgerieben.

Das Anwählen eines Angriffsziels offenbart einen weiteren Schwachsinn: Zuerst wählt man natürlich die Einheit aus, die schießen soll. Bewegt man den Cursor dann auf das Zielobjekt, bekommt man nicht etwa angezeigt, wie weit die Kampfentfernung ist, nein, stattdessen wird die Entfernung des betrachteten Objekts zur „Kamera“ angezeigt. Wozu soll das gut sein? Am Anfang dachte ich noch: „Wie? Meine U-Boote sind nur 200 m von dem Schlachtschiff weg? Warum schießen die nicht??“ Dabei waren es um die vier Kilometer, die nur langsam überbrückt werden konnten, da man sich nicht ungestraft über Wasser einem feindlichen Schlachtschiff nähert.

Weiter nördlich tun die Zerstörer ihr bestes, die feindlichen Flieger auszuschalten. Die Schiffe entwickeln Eigeninitiative, obwohl ich diese verboten habe, und laufen ebenfalls in Südrichtung auf den Gegner zu. Bei einem Abstand von noch etwa zwei Kilometern schwenken sie allerdings ein und bilden wieder eine T-Stellung. Ich habe die bevorzugte Kampfentfernung auf „mittel“ eingestellt – scheinbar sind zwei Kilometer das, was die Macher unter „mittlerer Kampfentfernung“ verstehen, was bei den vertretenen Kaliberstärken natürlich völliger Blödsinn ist. Was passiert wohl, wenn ich „nah“ einstelle? Gehen die Schlachtschiffe dann wie vor 200 Jahren längsseits und geben es sich auf 50 m? Wie in den alten Piratenfilmen?

Aber soweit kommt es nicht. Die japanischen Schiffe werden von mir nach Nähe ausgewählt, und eines nach dem anderen säuft ab, nachdem ein leichter Kreuzer immerhin 100 m weit in meine Formation eingedrungen war. Der Träger sinkt schon früher im Feuer der Schlachtschiffe. Drei Schiffe gehen mit dem Hinweis unter, dass ein Treffer die Munitionskammer getroffen habe, ein amerikanischer und ein japanischer Kreuzer, und ein japanisches U-Boot.

Erst, als vorne nur noch die japanischen U-Boote übrig sind, haben meine eigenen endlich Schlagdistanz zu den beiden japanischen Schlachtschiffen hinten. Eine Vierersalve in jedes Heck schickt die Einheiten der Haruna-Klasse auf den Meeresgrund, und danach vergnüge ich mich damit, eine Bombe auf ein japanisches U-Boot zu werfen und den Zerstörern Anweisungen zu geben, wo sie hinfahren müssen.
Man kann das Werfen der Wasserbomben deutlich sehen, ein schönes Detail. Ebenso kann man auch Schiffsgranaten fliegen sehen, zumindest wenn man den richtigen Winkel zur Flugbahn einnimmt, also in paralleler Blickrichtung. Bei all dem Detailreichtum, wie eben abgeworfenen Wasserbomben, fliegenden Granaten und Spiegeleffekten der Wasseroberfläche, scheint es jedoch keine Überlebenden in abgeschossenen Flugzeugen zu geben. Kein einziger Fallschirm am Himmel, also auch keine im Laufe einer Kampagne ausgebildeten Piloten, die man vielleicht wieder aus dem Wasser fischen könnte.

Am Ende ist eine japanische Flotte von 48 Schiffen vernichtet, ihre Flugzeuge sind mangels Trägerschiff in den Ozean gestürzt. Ich selbst habe 35 Flugzeuge, zwei schwere Kreuzer, drei leichte Kreuzer, und fünf Zerstörer verloren. Die übrigen Einheiten sind mehr oder minder stark beschädigt, aber ein glatter Sieg war das trotzdem. Die Endstatistik zählt auf, was alles versenkt wurde und macht den Versuch, auch zu sagen, von was. Ich kann da zwar lesen, dass die Schlachtschiffe von Torpedos versenkt wurden, aber scheinbar gibt es keinen Unterschied zwischen Bomben und Granaten, da alle anderen Schiffe, angeblich, von „Bomben“ zerstört wurden – was nicht sein kann, weil meine Bomber fast alle beim ersten Zielanflug abgeschossen wurden und ich weiß, dass die Schiffsartillerie für zumindest die meisten Erfolge verantwortlich war. Inwiefern die feindlichen Luftangriffe irgendetwas bewirkt haben, lässt sich nicht genau sagen, so genau kann man wahrscheinlich nicht auf Details achten, da immer wieder mal etwas neu eingestellt werden muss.

Der Vergleich muss noch her, also ein Spiel für die Japaner. Japan hat in dem Fall den Nachteil, dass es keine vorgeschobene Flottenbasis besitzt, die wie Manila, Hong Kong oder Wake nur einen Steinwurf weit von Tokio weg liegen. Pearl Harbor muss als Ausgangsbasis vermutlich aber nicht erobert werden, wenn der geballte Schlag gegen Monterey funktioniert, weil die Versorgungsschiffe die Strecke zwischen Japan und der Westküste der USA nonstop fahren können.

4. April 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 6)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 18:14

3.1 Schlusskommentar des USA-Spiels
Wie soll denn Pacific Storm bitte das in der Anleitung angegebene Zeitlimit von 1948 erreichen? Wie blöd muss man sich anstellen, damit der Krieg so lange dauert? Ja, wenn ich das Spiel so spiele, wie die mir das scheinbar vorgeben wollen – da zwei Schlachtschiffe, da mal vier Flugzeugträger, dort drüben eine kleine Flotte, alles schön verteilt… ja, dann kann der Krieg bestimmt spannend werden. Vielleicht ist es unrealistisch, dass man seine Kolonien völlig entblößt, nur um Reserven für eine riesige Hauptflotte zu haben, aber das ist doch Blödsinn in einem Computerspiel. Bei der wirtschaftlichen Autarkie der USA ist es schnurz, ob man Hong Kong, Singapur, Borneo, oder Neu Guinea verliert. Auch Australien ist bedeutungslos. Wenn man versucht, überall stark zu sein, ist man überall schwach.

Die drei kombinierten Flotten trafen den Gegner sofort dort, wo’s weh tat. Was müssen mich politische Erwägungen und Atombombeneinsatz interessieren? Das Spiel ist nicht so komplex, dass es fanatischen Widerstand von Seiten der Japaner einberechnen würde, und die Garnisonen sind einfach gestrickt. Da ist das Ziel, also drauf mit der Bombe. Mit den geschickt getarnten Stellungen und Bunkersystemen von Okinawa hat das nichts zu tun, dort musste der Marine ran, musste die Stellungen finden, der Luftwaffe Bescheid sagen, oder halt selbst reinkriechen. In Pacific Storm sprengt man die offen ersichtlichen Stellungen einfach weg und dann wird die Landung ein Zahlenspiel. Wenn ich bei all den Landungseinsätzen zur Niederwerfung Japans (es waren ja nur drei) 5000 Mann aller Teilstreitkräfte verloren habe, dann würde ich das schon für eine großzügige Schätzung halten.

Und das ganze Forschungsmenü? Bei der Geschwindigkeit, wie hier der Krieg entschieden werden kann, ist das alles unnützer Krempel. In Friedenszeiten werden die ersten beiden Motoren entwickelt, vielleicht noch ein oder zwei weitere, kostengünstige Artikel nach Wahl, dazu kann man das eine oder andere kaufen. Nach dem 1700 PS Motor habe ich mich für ein Niedrigschub-Raketentriebwerk entschieden, dessen Entwicklung 18 Millionen Dollar kostet und dessen Entwicklungszeit bei schätzungsweise 300 Tagen liegt. Die Forschung wurde im Oktober 1941 in Auftrag gegeben, aber es kam nie zum Einsatz, weil der Krieg 240 Tage später schon vorbei war! Man muss also die Motoren entwickeln, und auch die 20 mm Kanone halte ich für notwendig – sich aber dann was langfristiges auszusuchen, oder gar eine Superwaffe (amerikanisch-nuklear oder japanisch-biologisch), die Jahre an Zeit und 800 Millionen Dollar Forschungskosten verschlingt, ist reine Verschwendung von Ressourcen. Dann lieber Magnetfeldröhre für besseres Radar (was auch immer es im spieltechnischen Sinne bringt), ein Schallmessgerät für verbessertes Echolot (obwohl der Gegner meine Transporter nie gestört hat, weder mit U-Booten noch mit sonst etwas), oder einen Schnorchel für die U-Boote (obwohl ich kein einziges verwendet habe). Oder die Forschung gleich nach dem notwendigsten sein lassen und das Geld lieber für die Produktion von Ersatzflugzeugen einsetzen.

Was sollte man also produzieren?
Munition, Torpedos, land- und trägergestützte Jäger (ich bevorzuge P-38 und F4F), Sturzbomber, Torpedobomber, schwere B-17 und B-24 Bomber, Transportschiffe und Tanker, Küstenartillerie, Flakgeschütze, vielleicht Funkstationen (was auch immer die bewirken). Vielleicht sollte man vorsichtshalber zwei Schlachtschiffe auf Kiel legen. Von allem anderen ist nach Auflösung der einzelnen Marineeinheiten genug übrig, um Ersatz für die drei Einsatzflotten zu haben. Das reicht prinzipiell. Was soll ich mit B-25 und A-20 Bombern, wozu brauche ich die Vielfalt der Jagdgeschwader, also noch P-40 und P-39 Jäger?

Wie produziert man effektiv?
Nehmen wir als Beispiel ein schweres Bomberkorps. Es besteht aus 64 schweren Bombern und 64 Begleitjägern. Die Bomber sollten je zur Hälfte aus B-17 und B-24 bestehen. Das macht Sinn, weil B-17 anders als B-24 nicht in der Lage sind, panzerbrechende Bomben zu tragen, und die braucht man beim Einsatz gegen große Schiffe.
Dann stellt man im Produktionsmenü allerdings nicht 32x B-17, 32x B-24, und 64x P-38 ein, sondern verteilt jede Einheit auf vier oder acht Einzelposten, also zum Beispiel acht mal vier B-17, acht mal vier B-24 und acht mal acht P-38. Das ist zwar kurzfristig rohstoffintensiver, aber es sorgt dafür, dass mehr Maschinen gleichzeitig hergestellt werden und das Korps in kürzester Zeit fertig ist. Wenn es in einer Woche stehen soll, kann man auch jede Maschine einzeln in Auftrag geben, aber bei 128 Flugzeugen ist das doch ein wenig aufwändig.

Das tollste Ei: Nach der Eroberung Tokios habe ich auch dort die Industrie wieder aufgebaut, und siehe da: In Tokio wird Öl gefördert. Totaler Quatsch, der Zweck des Spielgleichgewichts heiligt scheinbar alle Mittel. Wenn die Japaner zuhause ihre eigenen Rohstoffbasen haben, wozu dann überhaupt der Krieg!? Der wurde einzig aus dem Grund geführt, um die Zufuhr von Erzen und Öl für Japan zu sichern. Da wundert mich wenig, dass da nur halbherzige Angriffe kamen (… Scherz am Rande).

Man hätte die Friedensphase überspringen und das Spiel dort ansetzen sollen, wo sich beide Seiten gerade für die Schlacht um Midway bereit machten. Bis dahin hatten die Japaner in Südostasien die Rohstoffe unter Kontrolle, die sie zuhause eben nicht hatten, wegen denen der Krieg überhaupt erst begonnen wurde. Dann würde ein Gleichgewicht herrschen: Die Japaner hätten, wie die Amerikaner, drei bedeutende Öl- und drei bedeutende Erzhäfen. Sie müssten ihren Nachschub zwar übers Meer holen, dafür wären die Amerikaner aber auch relativ weit von ihren Versorgungsbasen weg, während der amerikanische Vorteil der wäre, dass sie ihre Rohstoffe vor der Haustür liegen haben, anstatt sie importieren zu müssen, was die Versorgung zu einer sicheren Sache macht.

Ich bin froh, dass ich für dieses Spiel nicht mehr als (anteilig) 2 E bezahlt habe. Es ist so unbefriedigend fehlerbehaftet, dass man sich über den Kauf ärgern muss, wenn man den Neupreis bezahlt hat. Das Mikromanagement ist angenehm herausfordernd komplex, geht einem aber auch auf die Nerven. Trotz des vielen Frustes, wenn die Schiffe machen, was sie wollen, macht es dennoch Spaß, die Konvois übers Meer zu schicken, die Stützpunkte wachsen und die Lager sich füllen zu sehen. Aber dann dieses freudlose Ende? Dabei war das Intro sehr viel versprechend. Zwei Hauptstützpunkte einzunehmen, ist kein Problem, dann muss man nur noch abwarten, und vier Monate später ist die Sache vorbei, ohne, dass viel gelaufen ist. Es kann ja auch nicht viel laufen, wenn die Beschränkungen der Software und der Rechnerleistung die effektive Kontrolle der wirklich spannenden, taktischen Gefechte verhindert!

Ich sehe einen Lichtpunkt, wie das Spiel Spaß machen kann: In einzelnen Schlachten gegen einen menschlichen Gegner. Das Führen einer strategischen Kampagne gegen einen Menschen würde den gesamten Krieg wohl spannender machen, aber die technische Begrenzungen der maximalen Einheitenzahl wären immer noch vorhanden.

Man kann sich ein Gefecht allerdings auch mittels eines im Spiel enthaltenen Generators selbst basteln, das heißt Ort, Tageszeit, und Wetter auswählen, jede verfügbare Einheit aufstellen, und das Herstellungsjahr der Einheiten auswählen, um mit modernerem Gerät spielen zu können. Ich denke, wenn man jeder Seite ein Flugzeugträger-Bataillon mit den dazugehörigen Flugzeugen gibt, dazu ein Schlachtschiff-Bataillon, eine Division schwerer Kreuzer, noch eine Division Zerstörer, und ein paar U-Boote (das macht schätzungsweise 45 Schiffe und 200 Flugzeuge), dann wird der Spaß im gegebenen Rahmen maximiert.

1. März 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 5)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 17:42

2.3. Potentielle Verluste
Auf dem neu zu errichtenden Stützpunkt müssen zuerst Krankenhäuser und genügend Unterkünfte für 27000 Mann gebaut werden. Das dauert ein paar Tage, in denen die Transporter weiter bei den Trägern bleiben müssen, die in Abwesenheit einer Garnison Tokio verteidigen müssen, denn es ist damit zu rechnen, dass das Imperium zurückschlagen wird. Mitte Januar melden mir Spähflugzeuge aus Borneo, dass die Flotte, die Vietnam eingenommen hat, nach Norden unterwegs ist.

Ich entscheide mich für einen Präventivschlag gegen die neue japanische Primärbasis in Osaka. Nachdem der Nachschub an Waffen, Munition und Gerät von Midway nach Tokio verlegt wurde, fahren die drei Flotten Ende Januar nach Osaka.
Diesmal verliere ich neben drei Kreuzern und drei Dutzend Flugzeugen auch einen Träger und zwei Schlachtschiffe. Der Verlust des Trägers interessiert mich nicht weiter, in San Diego liegen noch zehn Stück in Reserve, aber ich habe nur noch ein Reserveschlachtschiff, das ich in Friedenszeiten nachgebaut habe. Ich stelle also eine Flotte zusammen, in der von allem was drin ist, um in Tokio ein Ersatzlager zu eröffnen.

Aber auch in Osaka lässt sich der Erfolg sehen. Da steht nichts mehr, kein Stein mehr auf dem anderen, für die Japaner sind vier Flugzeugträger und sechs Schlachtschiffe verloren gegangen, zuzüglich einer Anzahl kleinerer Marineeinheiten und 200 Flugzeuge (die japanischen Träger können weniger Maschinen tragen als ihre Gegner). Noch sind allerdings 39000 Mann Personal auf dem Stützpunkt (vielleicht sollte ich eher sagen: auf dem Kraterfeld?), darunter 23000 Soldaten. Bis die ausgehungert und ausreichend von Krankheiten heimgesucht sind, dass ich sie mit einer Transportflotte (in die 28000 Marines passen) klein bekomme, dürfte noch Zeit vergehen, also greife ich noch mehrfach mit den Fliegergruppen an – mit magerem Ergebnis: Pro Kampftag gehen den Japanern durch meine Einwirkung bis zu 150 Mann verloren. Nicht gerade viel bei einem Aufgebot von zwei verstärkten Divisionen. Ich fasse also Flächenbombardierungen ins Auge.

In Tokio wurde vor kurzem ein Korps schwerer Bomber angelandet, also 64 Bomber vom Typ B-17 und B-24, begleitet von 64 P-38 Jägern, mit funkelnagelneuen 1700 PS Motoren. Der Verband wird also gebildet, aufgetankt und mit Munition versorgt, und fliegt los. Die Verluste beim Feind sind nicht berauschend, aber immerhin bei einem deutlich geringeren Materialaufwand genauso hoch, etwa 150 Mann während des Angriffs. Und letztendlich handelt es sich nur um 64 Bomber. Hält man sich die historischen Angriffe vor Augen, erkennt man, dass das nicht viele sind.

Der Angriff endet – aber die Maschinen kehren nicht nach Tokio zurück. Sie verbleiben bei Osaka, kreisen dort offenbar. Und verschwinden dann plötzlich von der Landkarte.
Was ist passiert?
Sie sind alle abgestürzt.
Warum?
Weil Tokio nicht mehr und noch nicht wieder über einen Flughafen verfügt. Für schwere Bomber benötigt man einen voll ausgebauten Flughafen, was kurzerhand 36 Millionen Dollar kostet (9 Millionen für den Bau und 9 weitere für jede Ausbaustufe), zuzüglich einer Arbeitszeit von einigen Wochen.

Na super. Wer hat sich das ausgedacht!? Natürlich war es fahrlässig von mir, das Korps aufzustellen, bevor der Flughafen steht, aber wäre es nicht realistischer, dass die Besatzungen dann Notlandungen auf der Wiese versuchen? Natürlich würde dann die eine oder andere Maschine zerstört, und die meisten, wenn nicht alle, würden beschädigt – aber ein Totalverlust wäre es nicht. Maschinen kann man nachbauen, aber die erfahrenen Piloten sind weg, verloren für immer.

Leider passiert mir dasselbe mit dem nächsten angelieferten Korps erneut.
Warum denn nun schon wieder?
Ich habe wieder ein Bomberkorps aufgestellt, bevor der Flughafen fertig war. Er hat zum fraglichen Zeitpunkt zwei Ausbaustufen, die dritte ist zur Hälfte fertig, aber ich bin schlau genug, sie nicht auf Mission zu schicken.
… stattdessen starten sie von alleine, bombardieren Osaka, kreisen, bis ihnen der Sprit ausgeht, und stürzen dann in den Tod.

Ein Blick ins Optionsmenü von Tokio sagt mir, dass man bei der Einnahme eines Stützpunkts die Auswahl des Vorbesitzers übernimmt, und der hatte entschieden, dass gegen erkannten Feind automatisch alle 24 Stunden ein Luftangriff erfolgen sollte. Die Bomber starteten also ironischerweise auf einen japanischen Befehl hin zu ihrem ersten und letzten Flug. Man muss also dringend daran denken, diese Optionen anzupassen, wenn man einen Stützpunkt einnimmt.

Bis zur Ankunft der nächsten Bomber würde etwas Zeit vergehen. Ich könnte einen anderen Stützpunkt in der Gegend angreifen, wo es Häuser und Material zum Zerstören gäbe. Da bieten sich Iwojima, Nagasaki, und Okinawa an. Ich entscheide mich spontan für Iwojima und speichere das Spiel. Drei Trägerflotten laufen aus und entdecken den Feind auf der ungastlichen Vulkaninsel. 116 japanische Schiffe liegen in Iwojima vor Anker, darunter eine Handvoll Schlachtschiffe und sechs schwere Kreuzer, über 100 landgestützte Jäger, ein paar Küstenbatterien. Der Rest der Marineeinheiten besteht aus knapp fünfzig Transportschiffen und noch einmal so vielen U-Booten. Das sieht sehr schaffbar aus.

Ist es aber nicht. Einige Minuten nach Schlachtbeginn sehe ich wieder Namen von neuerdings toten Offizieren über die Statusanzeige rutschen, nur sind es diesmal meine. Der Gegner hat mit seinem Aufgebot meine komplette Flotte versenkt – also derzeit 24 Flugzeugträger und 11 Schlachtschiffe plus Begleitung, und verliert selbst nur etwa die Hälfte der eigenen Schiffe.
Mir scheint, der Zufallsfaktor hat sich hier ganz extrem ausgewirkt.

Neustart beim letzten Speicherstand.
Vielleicht sollte ich erst Aufklärungsflüge machen, um mir ein Bild von der Feindstärke zu verschaffen. Die Frage ist: Wie macht man das? Die Befehlsauswahl für Flugzeuge, auch Spähflugzeuge, enthält, wie für alle anderen Einheiten auch, bei der Auswahl eines feindlichen Stützpunkts nur den Befehl „Angriff“, ikonisch dargestellt durch ein Fadenkreuz als Cursor. Wenn man also ein kleines Regiment von Flugbooten zu einem gegnerischen Stützpunkt schickt, dann wird dieses dort in einen Kampf verwickelt und von der Übermacht vernichtet, zumindest wenn man „Automatischer Kampf“ wählt. Vielleicht kann ich meine Flugzeuge durch Zeitaufwand retten, indem ich die „Schlacht“ selbst leite, also nach der Erkennung der feindlichen Einheiten im Kampfmenü auf der Taktikebene sofort den Befehl zum Rückzug gebe?

Nein, das geht nicht. Ein Rückzugsbefehl steht für Flugzeuge nur zur Verfügung, wenn sie am eigenen Stützpunkt kämpfen oder ein Trägerschiff für sie zur Verfügung steht.
Dann vielleicht einfach aus der begrenzten Karte herausfliegen? Nein, man erhält die Meldung: „Sie können die Schlachtkarte nicht verlassen“. Das Regiment geht also verloren, ohne dass man etwas dagegen tun könnte. Tolle Wurst. Immerhin haben sie unter Verlust von acht Maschinen herausgefunden, dass in Nagasaki noch ein Trägeraufgebot steht, während Okinawa relativ schwach verteidigt ist.

Da muss ich mich fragen: Wie hat es die KI geschafft, bei ihrem ersten Angriff auf Rabaul, der von Bougainville aus geflogen wurde und dessen Verteidigung ich der Neugier halber selbst geflogen bin, den letzten Bomber entkommen zu lassen? Wie es scheint, kann sich der computergesteuerte Gegner sehr wohl von feindlichem Gebiet zurückziehen, und zwar ohne Flugzeugträger.

Nach meiner bisherigen Erfahrung ist der zweitgrößte Feind des Piloten weder die feindliche Marine mit ihren Flakschiffen, noch die ihn umschwirrenden Flugzeuge – es ist die Landebahn. Bei jeder zweiten Landung werden Flugzeuge am Boden zerschellen. Man mag interpretieren, dass dies an Gefechtsschäden liegen könnte, aber warum stürzen dann auf dem Nachhauseweg keine Flugzeuge ab? Es kommt immer erst auf der Landebahn zu Verlusten.

Und gemeldet werden diese Verluste interessanterweise nur dann, wenn es sich um Kampfeinheiten handelt. Man wird im Laufe des Spiels eine sich vermehrende Anzahl von roten Smileys auf der Landkarte sehen. Diese bezeichnen Einheiten mit besonders niedriger Moral, und das kommt daher: Spähflugzeuge werden in der Regel automatisch auf Erkundungsflug geschickt, um feindliche Truppenbewegungen im Umkreis einiger Hundert Kilometer festzustellen. Auch diese Einheiten haben beim Landen regelmäßig Verluste – aber man erfährt nichts davon, bis man die roten Gesichter zu deuten versteht. Die Einheiten existieren auf dem Papier zwar noch, haben aber im Laufe der Monate alle Flugzeuge und Piloten verloren, ihre statistischen Werte sind also auf Null gesunken, und dazu gehört auch ihre Moral. Irrerweise kann man eine Einheit, die nur noch auf dem Papier existiert, nicht auflösen, sie werden also weiterhin den moralischen Schnitt der Basis drücken, bis neue Flugzeuge geliefert sind, mit denen man die leere Einheit wieder auf Vollstärke bringt.

Wer ist nun der größte Feind? Nein, es sind nicht die Jäger, nicht die Flak, und auch nicht die Zerstörer und Kreuzer – es sind die U-Boote, so bekloppt das auch klingt. Wenn eine Division U-Boote (das sind acht, bzw. sechs) einen Stützpunkt angreift, der nur von Flugzeugen verteidigt wird, ist damit zu rechnen, dass jedes U-Boot mindestens ein, eher aber zwei Flugzeuge abschießt – die Bewaffnung eines japanischen Boots ist mit einer 40 mm und zwei 25 mm Geschützen angegeben, und das heißt, man hat gute Chancen, dass acht U-Boote ein ganzes Jagdregiment zur Bedeutungslosigkeit reduzieren können. Vermutlich braucht es eine entsprechende Anzahl von Spähflugzeugen (die tragen Wasserbomben) oder Sturzbombern, um U-Booten effektiv zu begegnen. Ha, wer kommt auch auf die Idee, mit leicht bewaffneten Jägern auf U-Boote loszugehen?

Geistige Notiz: Greift der Gegner in einer wie der beschriebenen Situation an, sollte man das Gefecht selbst spielen, die Jäger in die Hangars beordern, und den feindlichen Matrosen zuwinken, wenn sie den Hafen durchs Periskop betrachten und feststellen, dass sie mangels angreifbaren Schiffsraums rein gar keinen Schaden anrichten können!

2.4. Der Endsieg
Meine aufgerüsteten Flotten dampfen also nach Okinawa. Der Stützpunkt ist nicht besonders groß, von daher gelingt es im ersten Anlauf, ihn einzunehmen, und das unter Verlusten von drei Flugzeugen, während der Gegner wertvollen Schiffsraum einbüßt. Nicht so viel, wie es in Nagasaki möglich gewesen wäre, aber mit steigender Siegesgewissheit sinkt die Bereitschaft, Verluste in Kauf zu nehmen, zumal es vom Spiel klar vorgegeben ist, dass der Feind kapituliert, wenn man zwei seiner drei Heimatbasen vier Monate lang besetzt hält. Es erinnert ein bisschen an „King of the Hill“. Das heißt, der „Final Countdown“ beginnt für das japanische Kaiserreich am 28. Februar 1942.

Wie auch schon Tokio, wird Okinawa in Windeseile ausgebaut. Zwei Flotten verbleiben bei Okinawa, eine läuft nach Osaka, um dort den Wiederaufbau zu verhindern. Der Aufbau Okinawas läuft günstiger als in Tokio: Die verteidigende Garnison war so schnell zerschlagen, dass die Bomber gar keine Zeit hatten, alles umzupflügen: Vier Industriegebäude fallen mir in die Hände, aber das schönste: Ein voll ausgebauter Flughafen! Aus Manila und Hong Kong werden die Bomberkorps abgezogen, deren Aufgabe bislang die Kontrolle des Südchinesischen Meers war. Die zwei Flugzeuge, die beim Landeanflug kaputt gehen, können mit Hilfe des wachsenden Lagers in Tokio schnell ersetzt werden, und Osaka wird von nun an von knapp 200 Bombern ins Visier genommen. Da keine Verteidigungsanlagen existieren, können die B-17 und B-24 ungestört operieren – die einzigen Verluste entstehen durch missglückte Landungen. Ich lasse die drei Korps also gleich in Tokio, wo Ausfälle sofort ersetzt werden können.

Am 20. März 1942 ist von den verteidigenden Soldaten Osakas keiner mehr übrig. Ich kann mit unerfahrenen Truppen ungehindert landen. Wieder übernimmt die Flotte den Schutz des Standorts, ich habe keine Pioniere zur Verfügung, um irgendwas aufzubauen, und es ist auch nicht nötig. Immerhin kommen jetzt hin und wieder Flottenaufgebote vorbei, scheinbar mit der Absicht, Osaka zu befreien, aber es handelt sich um kleine, verkleckerte Auftritte, die verlustlos von meiner Seite aus dem Pazifik gefegt werden.

Es sei angemerkt, dass es nicht möglich ist, benachbarte Landgebiete allein mit Infanterie einzunehmen. Man könnte, realistisch betrachtet, auch ohne Schiffe zum Beispiel von Tokio nach Osaka marschieren, oder von Miri nach Banjarmasin, oder von Hollandio nach Port Moresby, aber das Spiel ist nicht realistisch. Alle Truppenbewegungen erfordern ein Flottenaufgebot. Man muss die Marines in die Transporter laden, an der Küste entlang fahren, und die Küstenverteidigung wegbomben, anstatt sie von der Landseite her aufzurollen, auf der es zumindest keine Küstenartillerie gäbe, bevor man dann endlich wieder an Land gehen kann.

Und dann vergehen die Tage, auf höchster Spielgeschwindigkeit. Der Form halber lasse ich vier große (200.000 t) Flotten mit Nachschub, Erz, und Öl nach Tokio fahren und verliere in all dieser Zeit kein einziges Schiff auf hoher See – obwohl der Gegner ja, wie ich gesehen habe, noch mindestens 50 U-Boote besitzt, mit denen er die Nachschubrouten unterbrechen könnte, die ihm klar sein müssten, würde er logisch denken können.

Kann er aber nicht, und dann dämmert der Morgen des 28. Juni 1942. In Realität ist die Schlacht bei Midway gerade drei Wochen vorbei, eben jene Trägerschlacht, die die Wende im Pazifik brachte und nach der die Vereinigten Staaten eine dreijährige Gegenoffensive begannen. In diesem Spiel dagegen wird mir an jenem Tag gemeldet, dass der Feind kapituliert habe. Der farblose Abspann läuft. Es gibt nicht einmal eine Endsequenz, keine Auflistung zum Vergleich der Verluste. Die wichtigsten Daten wären auch nett als Gimmick gewesen. Denn immerhin war dieser Krieg innerhalb von drei Monaten und einer Woche gewonnen. Die vier Monate nach der Einnahme von Okinawa waren ja nur defensives Abwarten und ein völlig ungefährdeter und risikoloser Angriff aus lauter Langeweile.

23. Januar 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 4)

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2. Die USA im Krieg

Und so fing es an. Ein geradezu atemberaubend unspektakulärer Bombenangriff, bei dem es nicht einmal zu einem Bombenabwurf kam, eröffnete den Pazifischen Krieg.

Das Spielziel besteht darin, zwei der vier Startbasen des Gegners zu besetzen und vier Monate lang zu halten. In den USA sind das Bremerton, Monterey, San Diego, und Panama, in Japan Tokio, Osaka, Nagasaki, und Okinawa.

Ich hatte vorbereitend drei Trägerflotten in Position gebracht, in Hong Kong, in Manila und auf Wake Island. Der Feind hatte mich am 20. November 1941 angegriffen, meine Flotten setzten sich in Bewegung und lagen Anfang Dezember etwa 100 km vor der Bucht von Tokio.
Nach meinem eigenen Ermessen hatte ich nach dem 1200 PS Motor gleich den 1700 PS Motor entwickelt, nebenher die Methanoleinspritzung, und gekauft habe ich ein HF Radar, die 20 mm Kanone und ein Schallmessgerät.
Der 1700 PS Motor stand ab Mitte Oktober 1941 zur Verfügung, und er wurde gebraucht, um Torpedobomber überhaupt bauen zu können, von daher standen für den bevorstehenden Angriff noch keine zur Verfügung. Ich wollte erst ein paar Dutzend davon gebaut haben, bevor ich meine Flotten mit einer unauffälligen Handvoll davon versorge – klotzen, nicht kleckern. Der Zeitraum wurde auch für die Aufrüstung der P-38 auf den neuen Motor genutzt.

2.1. Jeder Klaps ein Japs?
Der erste große Angriff sollte nur ein Test sein. Die bedeutendste Aufwertung der verfügbaren Lufteinheiten bestand aus der abgeschlossenen Umrüstung von 7,62 mm auf 12,7 mm MGs, und einige der Schiffe verfügten über ein primitives Radar.

Wie geplant, treffen alle drei Flotten gleichzeitig ein. Das heißt, einige Dutzend Zerstörer, Leichte Kreuzer, Geleitschiffe und Nachschubeinheiten, mehrere schwere Kreuzer, 12 Schlachtschiffe und 24 Flugzeugträger, insgesamt 216 Schiffe mit 1800 Flugzeugen, davon je die Hälfte Jäger und Sturzbomber. Sobald eine Einheit den Zielpunkt erreicht hat, bzw. auf Feind trifft, fragt das Programm nach „Schlacht“ oder „Automatischer Kampf“. Gemäß der in elektronischen Strategiespielen allgemein anerkannten Idee, dass man wichtige Schlachten immer selbst spielt, fällt die Wahl nicht schwer, also „Schlacht“. Das Spiel wird dann automatisch gespeichert.

Dann gelangt man in den Taktikmodus, und das erste, was man zu sehen bekommt, sind rot geschriebene Zeilen, dass man diese und diese und diese (eine lange Liste) Einheit nicht aufstellen könne. Was bitte?
Blick ins Handbuch, Seite 8: Die maximal aufstellbare Zahl von Schiffen beträgt 50 – das ist nicht einmal eine einzige meiner Teilflotten – und die maximale Anzahl an Flugzeugen, die gleichzeitig auf der Karte sein darf, liegt bei 100. Das klingt wie ein schlechter Witz, ist aber keiner. Die meinen das ernst. Man muss die Einheiten, die man auf die Karte setzen will, also sehr vorsichtig auswählen. Zuerst Jäger, um die gegnerische Luftwaffe bekämpfen zu können? Das erscheint sinnvoll.

Nein! Das ist alles Quatsch! Warum denke ich überhaupt darüber nach? Man kann nur in dem Maße, wie man Verluste einfährt, Verstärkung anfordern, die dann von den Trägern aus startet, aber auf diese Art und Weise geht der numerische Vorteil völlig flöten, und darauf habe ich rein gar keinen Bock. Raus aus dem Szenario, neu laden, und zwar den automatischen Speicherpunkt. Diesmal wähle ich „Automatischer Kampf“ und hoffe, dass die Verluste nicht zu extrem sein werden.

Als erstes sehe ich ein halbes Dutzend japanischer Namen über die Statusanzeige purzeln: Vizeadmiral X getötet, Admiral Y getötet, Hauptmann 1 getötet, Oberleutnant 2 getötet, Admiral Z getötet, Major 3 getötet – die ernannten Kommandanten verschiedener Einheiten.

Die Schlacht wird zwischendurch unterbrochen, um die verschiedenen Angriffswellen darzustellen. Eine Möglichkeit, vor einer weiteren Angriffswelle die Sache abzublasen, entdecke ich allerdings nicht. Drei Wellen werden geflogen, bevor die Flotte wieder in Wartestellung geht und auf neue Anweisungen wartet.

Die Militärbasis von Tokio wird dem Erdboden gleich gemacht. Kasernen für 45000 Soldaten, acht Küstenbatterien im Schlachtschiffkaliber, und 45 Flakanlagen sind nur ein paar der Highlights. Die Marine kommt ebenfalls nicht davon. Schiffe aller Arten sinken auf den Boden der Tokyo Bay, darunter einige Träger, Schlachtschiffe, Schwere Kreuzer, U-Boote, Transporter, und über 150 Flugzeuge. Nichts bleibt übrig. Es sind zwar noch etwa 20000 Mann an japanischen Truppen übrig, aber die haben kein Krankenhaus, das bedeutet, ihre Zahl wird von allein rapide sinken, bis wieder eines gebaut wird, und ich weiß ja nicht, wie hoch die KI die Wichtigkeit dieses Gebäudetyps einschätzt.

Eigene Verluste: Drei Zerstörer, ein schwerer Kreuzer, 35 Flugzeuge.
Die Angriffe haben nicht einmal 10 % der verfügbaren Munitionsmenge gekostet.

2.2. Invasionsvorbereitung
Aber zurück nach Tokio, 1942. Ich habe über die wahnwitzig niedrigen Verluste nicht schlecht gestaunt. Ich kann Tokio nicht einnehmen, weil ich nicht genug Landungstruppen bei mir habe – als Amerikanischer Spieler braucht man eine vierfache Übermacht an Soldaten (ob bei der Anzahl der Verteidiger Seeleute mit Landgang, Piloten ohne Flugzeug, und Techniker mitgezählt werden, ist mir nicht klar, ich bezweifle es allerdings).
Die japanische Seite verliert damit zwar nicht Tokio als Gelände, aber als wirtschaftlichen Faktor. In Tokio lagerten 800.000 t Öl, sofern die Lager voll waren, sicherlich mehr als 200.000 t Munition, und ich schätze, dass wegen der Vernichtung der Industriegebäude Geldeinnahmen von über 150 Millionen Dollar pro Monat verloren gehen (Monterey, zum Vergleich, produziert 180 Millionen Dollar).

Ich ziehe die Flotten nach Midway zurück. Leider habe ich nicht früher daran gedacht, Ersatz für Verluste in den Lagern der Stützpunkte unterzubringen, von daher muss ich erst ein paar Hundert Flugzeuge (die 35 Verluste zuzüglich der noch ausstehenden Torpedobomber) und so viele Truppen wie möglich, mit Hilfe der Transportkonvois heranschaffen. Auf diese Weise ging ein Monat mit Wiederaufrüstung und der Organisation des dauerhaften Nachschubs verloren. Die Transportkonvois werden für die Dauer der Operation in die Trägerflotte eingebunden, so lange rollt also kein Erz mehr nach Osten, aber es ist ja auch nicht so wichtig. Autarkie ist eine lustige Sache.

Bis alles erledigt ist, fährt die japanische Marine weitere, kleine Angriffe. Rabaul wird mehrfach von kleinen Geschwadern mittlerer Bomber angegriffen, die jeweils abgeschossen werden, ohne Schaden anzurichten. Hollandio, Port Moresby und Batavia werden von kleineren Flotten angegriffen. Neu Guinea kann sich mit vorhandenen Zerstörerdivisionen und schwachen Lufteinheiten verteidigen, in Batavia werden die Öltanks, die Materiallager, und das Krankenhaus durch Beschuss leichter Kreuzer zerstört. Die Schäden sind allerdings nicht mehr als bedauerlich, denn Batavia ist ein völlig unwichtiger Hafen.
Wenn – ja wenn! – die Japaner gelandet wären und eine Rollbahn für schwere Bomber gebaut hätten (womit sie von dieser Position aus den Ölhafen Palembang und auch Singapur bedrohen könnten), dann hätte ich mir Sorgen gemacht. Allerdings waren sie scheinbar nur auf „Seek and Destroy“ aus und hatten keine Landungstruppen dabei.

Ende Dezember 1941 fällt der Stützpunkt Saigon in japanische Hände. Ich hatte noch nicht die Zeit, Vietnam durch Besatzungstruppen zu schützen, und die beiden Jagdregimenter können gegen eine Flotte mit vier Flugzeugträgern und entsprechend schwerer Begleitung nichts ausrichten. Aber zu dem Zeitpunkt macht das bereits nicht mehr viel aus: Meine Trägerflotten laufen auf Tokio zu.

Am Morgen des 04. Januar 1942 beginnt der zweite Angriff auf Tokio. Die Fliegergruppen sind verstärkt mit drei Dutzend Torpedobombern pro Flotte. Das ist nicht die Sollstärke, wird aber das Versenken von Schiffen erleichtern.
Tokio hat in der Zwischenzeit ein paar Abwehrstellungen nachgebaut, in Stärke einer jener vergessenen Pazifikinseln aus Nachkriegslegenden, auf denen man in den Achtzigern noch alte japanische Gefreite vermutete, bei denen die Meldung vom Kriegende nicht angekommen war. Eine Küstenbatterie, vier Flakstellungen, dazu etwa dreißig Flugzeuge und ein paar Schiffe, nichts Großes allerdings, die man wohl aus anderen Standorten hergeholt hat. Wie erwartet hat sich die Truppenzahl im vergangenen Monat um etwa ein Drittel reduziert.

Das Kampfmenü lässt den Spieler aussuchen, ob er Flugzeuge und Schiffe, und/oder die Infrastruktur des Stützpunkts angreifen will. Oberflächlich macht das Sinn, denn vielleicht will man einen Öl- oder Erzhafen unbeschädigt erobern, wenn man aber genauer hinsieht, offenbart sich hier ein weiterer Schwachsinn der Entwickler: Man kann beide Optionen gleichzeitig, muss aber mindestens eine auswählen – dabei würde eine Aufklärungsmission, realistisch betrachtet, das Abschalten beider Optionen erfordern. Im Klartext bedeutet das: Die Stärke der Einheiten an einem Stützpunkt erfährt man erst, wenn man die Schlacht bereits eröffnet hat.
Das ist ein derartiger militärischer Unsinn, dass ich meinen Kopf auf die Tischplate schlagen könnte. Mehrfach und heftig. Es ist nur auf hoher See möglich, die Stärke einer feindlichen Flotte abzuschätzen: Da bekommt man dann eine Information wie „Aufklärungsflotte 987“, und wenn man sich mit den standardisierten Formationen im Einheitenbaumenü auseinandergesetzt hat, kann man abschätzen, um was es sich dabei im Einzelnen handelt.

Des weiteren definiert sich „Infrastruktur“ als die Gesamtheit aller Bauwerke, also nicht nur Industrie und Lager, sondern auch Artilleriestellungen, Flak, Bunker und Verteidigungsanlagen. Entschließe ich mich also aus strategischen Erwägungen dazu, die Lager- und Produktionskapazität unangetastet zu lassen, verbiete ich den Piloten damit auch unausweichlich, die Landung der Marineinfanterie zu erleichtern. Wo wäre das Problem, Abwehrstellungen zu bombardieren und die zweifellos nicht schwer auszumachenden, riesigen Wirtschaftsgebäude nicht? Vermutlich soll es das Spiel schwieriger machen… aber darauf lasse ich mich nicht ein – ich brauche das Material nicht so dringend. Also: Bomben auf Tennô-Land.

Nachdem also alles wieder eingeebnet ist, was in den letzten paar Wochen aufgebaut worden war, landen zwei Divisionen Marines in der Bucht von Tokio. Am Abend des 04. Januar 1942 befindet sich Tokio in amerikanischem Besitz, und sofort gehen Pioniere an Land, um Unterkünfte zu bauen. Ich habe zwei Zerstörer, acht Flugzeuge, und ca. 1000 Soldaten verloren.

16. Januar 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 3)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 13:28

1.5. Strategische Expansion
Man muss bei allem Stützpunktausbau das Geld im Auge behalten. Wenn keins da ist, werden alle Projekte gestoppt, bis wieder welches verfügbar ist. Die Finanzmittel fließen dabei in Echtzeit in die Kasse, man muss also nicht warten, bis Zahltag ist. Aber dennoch bedeutet eine Überstrapazierung der Kasse eine langsamere Entwicklung. Man sollte die Arbeitskräftekapazität eines kleinen Stützpunktes also vielleicht bestenfalls halb ausnutzen und sich auf die großen, bedeutenden Häfen konzentrieren. Es reicht, die kleinen nachher aufzurüsten, ein Jahr ist verdammt viel Zeit in diesem Spiel. Ein neuer Stützpunkt kostet drei Millionen, und dann stehen da erst mal 400 Pioniere neben ihrer Dackelgarage in der Pampa, und es ist noch nichts gebaut.

Spielt man ein historisches Szenario (das heißt, die USA repräsentieren sowohl alle amerikanischen, als auch die britischen und niederländischen Gebiete), dann ist als wirtschaftlich viel versprechendes Gebiet eigentlich nur noch Vietnam übrig. Um zu verhindern, dass die Japaner es sich unter den Nagel reißen, muss man es selbst schneller „besiedeln“, und wenn man gleich überall mit den Bauprojekten in die Vollen geht, dann ankert die Flotte mit den Technikern ein paar Tage nach Spielbeginn zwar vor Saigon, aber der Quartiermeister sagt: „Ohne Moos nix los, Männers!“

Vietnam unter alliierter Kontrolle verweigert Japan einen nicht unbedeutenden Rohstofflieferanten. Ansonsten bleiben ihnen, außer Tokio, Osaka, und Nagasaki, Taiwan und Okinawa, und eher unbedeutende Gebiete wie Iwojima, die Marschallinseln, Bougainville, oder Saipan, wo nur wenige Menschen leben, das bedeutet, dass der Bau von Fabriken dort unter Umständen gar nicht möglich ist, was wiederum heißt, dass da weder Rohstoffe noch Geld herkommen, und selbst die Anwesenheit einer Fabrik auf einem Stützpunkt heißt nicht, dass dort etwas abgebaut oder gefördert wird, oder dass die Fabrik jemals die finanziellen Ausgaben für ihre Errichtung wieder einspielt.

Geradezu lustig ist übrigens, dass die Entwickler zum Zwecke der Spielvereinfachung große, und zum Teil historisch wichtige, Gebiete als „unbewohnt“ (und damit als nicht kolonisierbar) angegeben haben, zum Beispiel Mexiko, Neuseeland, oder die Südhälfte Australiens ebenso wie die chinesische Ostküste (außer Hong Kong) und Korea.

Ich meine, was soll das? Die Japaner hatten in Korea und Nordchina bedeutende Rohstoffbasen, die hier kurzerhand ignoriert werden. Shanghai war ebenfalls von großer Bedeutung. Wozu hatten die Entwickler eigentlich einen Mitarbeiter für „Historische Fakten“, der in ihren Credits ebenso aufgeführt ist, wie die militärhistorische Gesellschaft „Blitzfront“? Wäre ich einer dieser Berater gewesen, hätte ich mich geweigert, meinen Namen mit diesem Produkt in Verbindung bringen zu lassen. Wie so manch anderes Element, strebt auch der historische Realismus im „Historischen Szenario“ stark gegen Null.

In Reviews war u.a. zu lesen, dass manche Fans beim Thema Genauigkeit bemängelten, dass die britischen Schiffe „Prince of Wales“ und „Repulse“ als amerikanische „Colorado“ Schlachtschiffe dargestellt werden – im Vergleich mit den übrigen Geschichtsverzerrungen, die hier gezeigt werden, ist das geradezu ein Furz, ein Nichts, ein minderes Detail, und die Beschwerde reine Erbsenzählerei. Ich muss mich wundern, dass in keinem der Reviews auch nur andeutungsweise von den großen Fehlern die Rede ist. Stattdessen wird mehr über die technischen Beschränkungen geredet, die mich nur zweitrangig interessieren.

1.6. Zwischenbilanz
Das „historische Szenario“ ist demnach hochgradig unfair gegenüber dem japanischen Spieler. Der alliierte Spieler kann die einzig wirklich gute Kolonie – Vietnam – vor den Japanern besetzen, also wo bekommt Japan dringend benötigte Rohstoffe her? Wenn das Szenario tatsächlich historisch wäre, dann bekämen die Japaner diese Rohstoffe nirgendwo her. Da ich für Japan noch nicht gespielt habe, muss ich vermuten, dass die japanischen Heimathäfen aus Gründen des Spielgleichgewichts eine eigene Rohstoffproduktion haben.

Das „Freie Szenario“ dagegen gibt den Spielern erstmal nur die Heimathäfen, Kolonien müssen erst besiedelt werden – und weil die meisten potentiellen Kolonien in Ost- und Südostasien liegen, hat Japan wegen der geografischen Nähe in dieser Spielvariante einen deutlichen Vorteil.

Der Stützpunkt Panama kann ohne negative Auswirkungen ignoriert werden, muss ich sagen. Da kein Zweifrontenkrieg geführt wird, ist der Kanal bedeutungslos. Ein paar wenige Millionen Dollar kommen von dort in die Staatskasse, aber alles andere muss man erst holen. Und das sind Truppen, da aus Panama nur eine verschwindend kleine Menge Öl kommt, die in der Gesamtbilanz nicht weiter auffällt, wenn sie fehlt. Man könnte, wenn man wollte, aus Panama regelmäßig etwa 13000 Mann an Truppennachschub holen, aber es ist die Mühe nicht wert. Panama liegt ca. 9000 Kilometer von allem weg, das ist weiter, als von Kalifornien nach Hawaii, und dafür sind mir mein Transportraum und vor allem meine Geduld zu wertvoll, als dass ich auf noch mehr Konvois aufpassen wollte. Die Westküste produziert schon eine ganze Menge Truppen, jeder Standort stellt bestimmt jeden Monat zwei Divisionen zur Verfügung.

Die Flotte, das heißt die verfügbaren Einheiten, sind zu Spielbeginn großzügig über das pazifische Gebiet verteilt. So ist man überall schwach vertreten und nirgendwo stark. Da man ein Jahr Zeit bis zum japanischen Angriff hat, ziehe ich alle Großverbände in San Diego zusammen, löse sie auf und fasse sie in wenigen Träger-Angriffsflotten zusammen, bevor ich sie zu neuen Stützpunkten schicke. Klotzen, nicht kleckern. Eine solche Flotte umfasst (mindestens) acht Flugzeugträger mit etwa 700 Flugzeugen verschiedener Art, vier Schlachtschiffe, und eine Anzahl von leichten und schweren Kreuzern, Zerstörern, und Nachschubschiffen.

Das Material ist da, allein 25 Flugzeugträger sind zu Beginn überall verteilt, vor allem in Transport- und Tankerkonvois verstecken sich immer ein paar. Jeder Konvoi hat per Grundeinstellung zwei Trägerschiffe und Geleitschiffe dabei. Die Träger und die großen Geleitschiffe lasse ich in San Diego zurück für die Reorganisation, fasse den Schiffsraum für Transporte großzügig zusammen und gebe für jedes Transportschiff einen Zerstörer dazu. Damit kommt man gegen einen entschieden (also entsprechend stark) vorgetragenen Angriff natürlich nicht an, aber was sollte ich auch mit zwei Flugzeugträgern in einer solchen Formation? Kommt der Feind mit Übermacht daher, dann gehen die beiden mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit verloren, für gar nichts. Also lieber klotzen.

Eine Trägerflotte in Hong Kong, eine in Manila und eine in Wake Island sollten genug Stahl darstellen, um einen japanischen Hauptstützpunkt (Nagasaki, Osaka, Tokio, und Okinawa, das wohl die Rolle Panamas spielt) zumindest ernsthaft beschädigen zu können. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die KI, der ich in diesem Spiel nicht viel zutraue, gegen dreimal 700 Flugzeuge ankommt, ohne eine Jahresproduktion an Schiffstonnage einzubüßen.

1.7. Durch diese hohle Gasse muss er kommen…
Ende 1941 kann man dann den japanischen Angriff erwarten. Der japanische Spieler bekommt irgendwann von seiner Regierung den Auftrag, die Feindseligkeiten zu eröffnen – ich frage mich allerdings, wie das funktioniert, wenn der Spieler Regierungsaufträge ausgeschaltet hat? Das gilt es noch herauszufinden.
Dem amerikanischen Spieler steht es zwar frei, selbst den ersten Schuss abzufeuern, aber im Hinblick auf das damalige politische Klima in den USA würde die Moral aus Unverständnis über diesen Schritt drastisch fallen, also lässt man das lieber. Man weiß ja eh, dass sie kommen, nur halt nicht, wo.

Das Schöne dabei ist ja, dass die Japaner nicht notwendigerweise Pearl Harbor massiv angreifen, und es muss nicht zu einer Entscheidungsschlacht bei Midway kommen. Aber ein bisschen mehr Dramatik hätte ich beim Erstschlag schon erwartet: Im Falle meines Spiels tauchten drei – DREI – japanische mittelschwere G4M „Hamaki“ Bomber vor dem reichlich unbedeutenden Stützpunkt Rabaul auf und wollten Ziele angreifen. Die vier – VIER – verfügbaren P-40 Abfangjäger stiegen auf und schossen zwei Bomber ab, einer entkam und damit begann der heiße Krieg.

Die Friedensphase verschlingt einige Stunden Spielzeit. Wenn man jeden Tag eine bis zwei Stunden investiert, wird man sicherlich zwei Wochen dafür brauchen.

12. Januar 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 2)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 18:25

1.3. Menschenmaterial und Standortverwaltung
Da die Produktion auf San Diego konzentriert ist (weil dies der eingestellte Primärstützpunkt ist, was man jedoch ändern kann), und San Diego aus irgendeinem Grund automatisch über die Rohstoffeinkünfte der gesamten Westküste verfügt, sind an keiner der drei dortigen Basen je Aluminium oder Eisenerz gelagert. Lädt man eine Ladung Erz in Monterey aus, wird sie sofort ohne Zeitverlust in die Produktionsanlagen von San Diego gebeamt. Die ständige Produktion von Rüstungsgütern in San Diego verschlingt sofort alles, was reinkommt. Auch wenn ein Transportkonvoi 150.000 t Erz bringt – die sehen nie ein Lager von innen, die landen sofort im Stahlwerk. Die Lagerkapazitäten in den Heimatorten braucht man also eigentlich nur für Munition.

Wenn man möchte, kann man den Primärstützpunkt verlegen, wenn auch nur im Rahmen der Heimatbasen. Wichtig ist das allerdings nicht, da man sich dadurch nur erspart, zum Beispiel in San Diego gebaute Küstenartillerie nach Monterey oder Bremerton zu verschiffen – und so dringlich ist der Zeitfaktor nicht, als dass man diese paar Tage nicht investieren könnte.

Öl- und Munitionsvorräte an den Stützpunkten sind wichtig, denn schließlich verbraucht man im Krieg unglaubliche Mengen davon. Ebenso wichtig sind die Truppen. Fußtruppen schützen eigene Stützpunkte vor einer Invasion und landen an feindlichen Küsten, sobald die Verteidigung ausgeschaltet wurde, Piloten fliegen die Flugzeuge, Matrosen steuern Schiffe, und Ingenieure (Pioniere) bauen und reparieren alles mögliche. Neue Truppen „wachsen“ sowohl in der Heimat, also Bremerton, Monterey, und San Diego, als auch – interessanterweise – in Panama. Wöchentlich strömen Tausende neuer Rekruten in diese Kasernen, aber um also ein stetiges globales Anwachsen der Truppenzahlen zu gewährleisten, muss man dafür sorgen, dass auch immer Platz für neue Rekruten ist. Die Transporter bringen also Rohstoffe und nehmen Fertigwaren und Menschen mit.

Sind die Menschen einmal an ihrem zugewiesenen Stützpunkt, droht ihnen auch im Frieden ernste Gefahr: Je näher ein Stützpunkt am Äquator ist, desto höher ist die Todesrate. Allerdings weiß ich nicht, in was für Drecklöchern die da hausen, oder wo die Entwickler ihre Informationen her haben, denn ohne Krankenhaus liegt die Todesrate schon mal bei über 30 % – monatlich! Nachdem man also ein Kasernengebäude errichtet hat, müssen Krankenhäuser her, bevor man was anderes baut. Bei entsprechender Ausstattung kann man damit den monatlichen Exitus auf bis zu etwa 2 % drücken – was immer noch lächerlich ist: Man stelle sich vor, in der 250.000 Köpfe starken Bundeswehr würden jeden Monat 2 % = 5000 Leute wegen Krankheiten oder wegen sonst was abkratzen – eine komplette Brigade! Jeden Monat!
Ich bezweifle, dass diese Zahlen in den Vierziger Jahren des 20. Jh. noch realistisch waren.

Krankenhäuser retten Menschenleben, Kasernen erweitern die potentielle Truppenzahl, ein Hafen erhöht die täglich verladbare Tonnage, ein Flughafen lässt je nach Ausbaustufe immer schwerere Maschinen landen, Industriegebäude bringen Geld und Rohstoffe, der Zweck von Tanklagern und Lagerhallen versteht sich von selbst, Funkanlagen erhöhen (vermutlich) die Effektivität der Bodentruppen, eine Radaranlage erhöht die Vorwarnzeit, es gibt Verteidigungsanlagen (Flak und ggf. FlaRak, Küstenartillerie, Minenfelder), Luftschutzbunker, Übungsplätze für die Steigerung der Erfahrung der Truppen, und – man höre und staune – Kirchen und Tempel. Letztere dienen der geistigen Erbauung und erhöhen die Moralstufe von Bodentruppen und angelandeten Schiffsbesatzungen.
Über die Prioritäten, in welcher Reihenfolge man was baut, mag sich jeder selbst den Kopf zerbrechen, aber ein Krankenhaus ist das erste, was her muss, sonst sterben einem die Pioniere weg, bevor der Stützpunkt fertig ist.

Und man braucht schon ein paar. Ein Tanklagerteil braucht 80 Arbeitskräfte, ein Kasernengebäude 100, eine Kirche 200, eine Fabrik 1500 und ein Flugfeld 2000. Der Truppennachschub muss also rollen, damit man möglichst mehrere Projekte gleichzeitig verfolgen kann.

1.4. Truppenausbildung
Dank der Übungsplätze, die man bauen kann, ist es möglich, eine Grundausbildung, eine Schießübung oder ein ausgewachsenes Manöver zu veranstalten. Etwas solches habe ich mit einer Trägerflotte gemacht. Dazu sei gesagt, dass eine solche Flotte ein gesamtes Tankvolumen von etwa 150.000 t Öl hat. Wie genau ein solches Manöver abläuft, kann ich nicht genau sagen, aber es verbraucht ungeheure Mengen an Sprit.

Ein Manöver ist angesetzt für eine Dauer von 20 Tagen, und vor Ablauf dieser Zeit hat die genannte Flotte die in Hong Kong gelagerten 500.000 t Öl weg gesoffen, zuzüglich Hunderttausender weiterer Tonnen, die die Konvois aus Miri, Banjarmasin, und Palembang holten – und das Manöver wird erst beendet, sobald der dafür eingeplante Sprit komplett verfügbar gemacht worden ist, und wenn’s portionsweise ist! Wenn kein Öl mehr da ist, wird die Übung unterbrochen, bis eine Lieferung eintrifft.

Die Lieferungen landen nie im Tanklager, sondern werden sofort auf die Schiffe verbracht. Ich hätte, so als Laie, wirklich gedacht, dass eine Million Tonnen Öl für ein Manöver mit 50 Schiffen reichen würden… scheinbar ist dem aber nicht so. Nachdem der Spuk endlich vorbei ist, sind schätzungsweise 1,25 Millionen Tonnen Öl durch den Schornstein gewandert. Zum Vergleich: Wenn ich der Flotte den Auftrag gebe, von San Diego nach Hong Kong auszulaufen, dann wird sie auf diesem Weg möglicherweise 80 % ihres Sprits aufbrauchen – und das ist nur ein Zehntel dessen, was für ein Manöver veranschlagt ist. Den Realismus hinter diesem Kalkül muss ich bezweifeln.

Man komme also nie, nie, nie auf die Idee, die Option „Truppen an den Stützpunkten automatisch ausbilden“ zu wählen – in der Regel saufen einem die verstreuten Flottenteile alles weg, was man angespart hat. Mich hat das Experiment weniger hart getroffen, weil ja drei Viertel meiner Tonnage in San Diego rumdümpeln, und Schiffe, die nicht in Verbänden zusammengefasst sind und nur im Dock stehen, nehmen auch nicht an Manövern teil.

Es war mir lange ein Rätsel, wie man Fußtruppen an Manövern teilnehmen lässt, da sie nicht in Truppenformationen organisiert sind. Da sind halt z.B. 4000 Soldaten auf dem Stützpunkt, aber anders als Schiffe und Flugzeuge (und damit Seeleute und Piloten) sind die Jungs nicht in Bataillonen, Regimentern und Divisionen organisiert. Sie sind nur eine Zahl, die bei der Berechnung des Kampfergebnisses einer Invasion eine Rolle spielt, aber die Soldaten können nicht taktisch gesteuert werden.

Man kann aber einen Trick anwenden, der mit einem weiteren Trick machbar ist. Es ist möglich, Mitglieder aller Truppengattungen (Seeleute, Piloten, Soldaten und Techniker) auf Transporter zu laden und eben diese Transporter auf Übung zu schicken. Allerdings können Truppentransporter allein nicht an Übungen teilnehmen, sie brechen die Übungen nach ein paar Stunden ab (obwohl z.B. eine Grundausbildung auf zwei Wochen ausgelegt ist) und gehen selbständig auf Lieferfahrt, wie bereits geschildert.

Der Trick im Trick: Formiert man eine „Zerstörer-Division“, also vier kleine Kampfschiffe, und unterstellt dieser Division die notwendigen Transporter (1000 Mann passen in einen davon), dann kann man unter der „Schirmherrschaft“ der Zerstörer mit den Transportern eine Übung fahren. Das geringe Kampfgewicht der Einheiten sorgt dafür, dass der Spritverbrauch nicht so exorbitant ausfällt, als wenn man eine echte Einsatzflotte ausbildet, und man kann mit dieser Maßnahme dennoch Matrosen und Soldaten gleichmäßig ausbilden, obwohl die Bedienung eines Trägerschiffs einen Seemann ganz anders fordert, als ein Zerstörer.
Piloten müssen mit ihren Lufteinheiten üben, um Erfahrung zu gewinnen, und Techniker gewinnen Erfahrung, indem sie ständig irgendetwas bauen oder reparieren.

Man darf natürlich nicht vergessen, dass ein Manöver auch Munition verbraucht. Und zwar Mengen, die in Tonnen gemessen geringer, aber nicht weniger erstaunlich sind, als der Ölverbrauch.

In San Diego lagerten 500.000 t Munition, und eine Übung mit 17000 Marines verbrauchte alles davon, und sogar noch 100.000 eilig nachproduzierte Tonnen mehr. Das muss man wissen, will man nicht durch fehlenden Nachschub Zeit verlieren. Und es lohnt sich ja, denn je erfahrener die Truppen sind, desto geringer sind ihre Verluste.
Ich kann nicht sagen, wie realistisch der verbuchte Munitionsverbrauch ist, und man darf ihn nicht einfach auf Kilo pro Tag und Soldat umrechnen, weil ja auch die Zerstörer, die „Schirmherren“, Munition verbrauchen, und auch die Transporter sind mit mittleren Kalibern bewaffnet, immerhin haben sie vier 127 mm, zwei 40 mm Zwillinge, und eine 20 mm dabei. Das einzige, was die Zerstörer ihnen voraus haben, ist Echolot und Wasserbomben.

7. Januar 2009

Blitzkrieg in Fernost (Teil 1)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 19:26

Pacific Storm, das den Spieler einen individuell gestaltbaren Pazifischen Krieg erleben lässt, könnte das Spiel sein, das ich schon immer haben wollte: Eine strategische Simulation, in der man Großverbände über eine Landkarte mit entsprechend großem Maßstab bewegt, die aber gleichzeitig die Option bietet, bei Bedarf in die taktische Position eines einfachen Soldaten zu springen. Das Versprechen der Hersteller sieht dabei so aus: Strategiesimulation, taktische Einzelschlachten, individuelle Waffenbedienung.

Das mit der Strategiesimulation stimmt, und ebenso kann man, wenn man denn will, die Treffen mit dem Feind im Taktikmodus spielen, anstatt den Kampf automatisch berechnen zu lassen und mit den mitunter extremen Verlusten zu leben. Was die individuelle Waffenbedienung angeht, so findet man sich in Realität allerdings auf ein paar wenige Rollen beschränkt: Man kann die Flakgeschütze jedes beliebigen Schiffstyps bedienen (nicht aber die Flugabwehr eines Stützpunkts), und man kann jedes Flugzeug selbst fliegen, nicht nur Jäger, sondern auch Bomber mit allen inhärenten Waffenoptionen (MGs, Bomben, und ggf. Lenkraketen) – ein unschätzbarer Vorteil, wenn man will, dass auch mal ein gegnerisches Schiff versenkt wird. Aber dazu später mehr.

Diese Meinungsäußerung, bislang zu schätzungsweise zwei Dritteln in einem Word Dokument ausformuliert, wird lang… sehr lang. Ich versuche deshalb, die einzelnen Teile nicht länger als 2000 Wörter zu machen und nur einen oder zwei pro Woche zum Thema zu veröffentlichen.

1. Die USA im Frieden

Hier geht es um die Friedensphase des „Historischen Szenarios“, die ich während meines Spiels für die Vereinigten Staaten bis zur Eröffnung der Feindseligkeiten Ende 1941 gespielt habe. Das Spiel beginnt Ende 1940. Die ersten historischen Meldungen, die man erhält, handeln vom britischen Angriff auf Eritrea und Hitlers Weisung, den Krieg gegen die UdSSR vorzubereiten.

1.1. Regierungsaufträge
Eine wichtige Option ist die Frage „Regierungsaufträge anzeigen j/n?“
Regierungsaufträge haben Vorteile: Wenn man sie zeitgerecht erledigt, bekommt man Geld für kleine Aufträge (wie: „Errichten Sie Flugabwehrstellungen in Manila innerhalb von 55 Tagen“), und einen zusätzlichen Moralbonus für technische Aufträge (wie: „Erforschen Sie die Technologie Schallmessgerät innerhalb von 80 Tagen“). Der Moralbonus wirkt sich auf die wirtschaftliche Produktion aller Stützpunkte aus, und schlägt mit 10 % zu Buche. Das klingt stark, aber meines Erachtens überwiegen die Nachteile.

Für die kleinen Aufträge bekommt man einen Budgetbonus von 800.000 Dollar – die nicht weiter auffallen, wenn sich auf dem Konto bereits einige Millionen oder Milliarden befinden. Natürlich macht Kleinvieh auch Mist, aber was einem dabei auf den Keks geht, ist die Tatsache, dass die Kriegsgüterproduktion nur an der US Westküste möglich ist, das heißt, man muss das Produkt, das irgendwo aufgepflanzt werden soll (wie besagte Flugabwehrstellungen), erst einmal mit einem Frachter dort abholen und hinbringen. Die Fabriken, die man in den „Kolonien“ baut, dienen nur der Steigerung der Steuereinnahmen und gegebenenfalls der Rohstoffproduktion, sie erzeugen keine Fertigprodukte. Ja, es ist nicht einmal möglich, woanders als an den Hauptstützpunkten Schiffe und Flugzeuge auf einen höheren technischen Stand zu bringen, also einen neuen Motor oder ein neues Gerät einzubauen. Die notwendige Mühe – modernere Einheiten aus der Heimat herschicken, alte herauslösen, ersetzen, und zur Erneuerung nach Hause schicken, wiederholen – verleitet dazu, das Upgrade erst gar nicht in Angriff zu nehmen und das alte Gerät erst bei Verlust zu ersetzen.

Gebäude lassen sich überall ohne Hilfe aus den Heimatbasen bauen, man kann die 800.000 Dollar Prämie also bequem einstreichen, wenn es z.B. mal heißt „Errichten Sie ein Industriegebäude in Dawao innerhalb von 150 Tagen“ – wobei ich hinzufügen möchte, dass die Errichtung eines solchen Gebäudes sechs Millionen kostet.
Aber bei Importartikeln sieht es meist übel aus, weil man eine Frachterflotte zur rechten Zeit am rechten Ort (= Westküste, in der Regel San Diego) haben muss, was selten der Fall ist, auch eingedenk der Tatsache, dass es eine Weile dauert, die Ware über den ganzen Pazifik zu schippern.

Bei Versagen in kleinen Aufträgen muss man eine Konventionalstrafe in Höhe der doppelten Prämie zahlen. Nachdem mein Konto irgendwann mehrere Milliarden schwer war, habe ich auf dieses Kleingeld auch noch gepfiffen, und so gebaut, wie halt gerade möglich war.
Die großen Aufträge, die Forschungsaufträge, machen sich bei Versagen viel extremer bemerkbar. Verpasst man den Stichtag, sinkt überall die Moral um 30 %, was ernsthafte Auswirkungen auf die Produktionsfähigkeit der Fabriken und die Leistungsfähigkeit der Truppen hat.

Was für mich allerdings viel schwerer wiegt, ist, dass man so vorgeschrieben bekommt, was man in welcher Reihenfolge zu erforschen hat – die Freiheit bei der Spielgestaltung sinkt auf diesem Feld auf den Nullpunkt. Anstatt sich auf etwas bestimmtes zu konzentrieren, wird mal dies und mal das gefordert, statt zu klotzen, wird gekleckert. Ich persönlich folge dem Grundsatz, dass wer den Himmel beherrscht, den Krieg schon gewonnen hat, also konzentriere ich mich auf die Motoren und die Bewaffnung der Luftstreitkräfte. Wenn ich die Auswahl der „Regierung“ überlasse, dann wollen die erst mal den 1200-PS-Motor, dann das Schallmessgerät, dann die Magnetfeldröhre, usw. Damit stärkt man alle Waffengattungen ein bisschen, aber auch keine richtig. Ich will, dass meine Flugzeuge schneller fliegen und höher steigen können, als die des Gegners, und dass sie durch die frühzeitige Einführung der 20 mm Kanone alles vom Himmel pusten können, damit die Bomber freie Fahrt haben.

Interessant dabei ist, dass ein Zufallsgenerator entscheidet, welche Technologien die (sonst verborgenen) Verbündeten bereits entwickelt haben, man kann sie für einen entsprechenden Obolus kaufen. Bei intelligentem Finanzmanagement ist das kein Problem. Es kann aber natürlich auch sein, dass man Unmengen Geld besitzt, die Bundesgenossen aber nichts zu bieten haben.

Im Fall, dass man Regierungsaufträge ausschaltet, erhält man keinerlei Belobigungen, also kein Geld und auch keinen Moralbonus, sobald eine technische Errungenschaft fertig ist.

1.2. Material- und Rohstofftransport
Im Optionsmenü kann man außerdem Einstellungen machen, die einem das Mikromanagement leichter machen sollen. Zum Beispiel kann man einstellen, dass Rohstoffe (Öl, Eisen, Aluminium) automatisch an die Heimatbasen (Bremerton, Monterey, San Diego) geliefert werden, und dass Öl, Munition und Mannschaften von dort aus selbstregelnd an die Stützpunkte im Pazifik verschifft werden. Eine weitere Option, die die Arbeit des Kommandeurs erleichtern soll, ist das automatische Auftanken von Schiffen, sobald sie im Hafen festmachen.

Auch das klingt alles wunderbar – ist es aber nicht, da die Praxis dem Anspruch nicht gerecht wird. Zuerst muss man wissen, dass die Westküste der USA autark ist, was jeglichen Rohstoffnachschub betrifft, sie braucht die Lieferungen aus den Kolonien nicht. Die Öl produzierenden Kolonien sind Banjarmasin und Miri auf Borneo, und Palembang auf Sumatra. Diese müssen dann eigentlich nur Hong Kong und Singapur versorgen, wobei Hong Kong selbst 50000 t Öl im Monat produziert. Die Unabhängigkeit der USA ist allerdings in der Programmierung irgendwie nicht angekommen. Stellt man den Rohstoffverkehr auf automatisch, entspinnt sich folgende Handlung:

Die Tankerflotte 1234 (alle Verbände haben Nummernbezeichnungen mit drei oder vier Stellen) beginnt ihre Fahrt in Bremerton, tuckert um die halbe Welt, geht in Miri vor Anker, und nimmt 150.000 t Öl mit. Da auch ein gut ausgebauter Hafen eine Maximalkapazität hat, kann das ein paar Tage dauern, aber man kann angeben, dass man informiert werden möchte, sobald der Lade- oder Entladevorgang beendet ist. Da fängt es aber schon an, kompliziert zu werden.

Hat man die Option „Einheiten im Hafen automatisch ausstatten“ (also mit Treibstoff = Öl) gewählt, wird sofort, ohne Zutun des Spielers, mit dem Beladen begonnen. Das heißt, so wie z.B. ein Schlachtschiff automatisch betankt wird, werden Frachter automatisch mit Öl beladen. Dabei kann es aber passieren, dass die Tankerflotte nur begrenzt Öl lädt, warum auch immer. Sobald die Tanker im Hafen sind, sollte man daher den Ladevorgang selbst in Gang setzen, indem man explizit sagt, dass die Flotte voll auftanken soll. Den automatisch erstellten Tankauftrag löscht man am besten und ersetzt ihn durch einen manuellen, denn selbst wenn man der Liste der Ladeaufträge „voll machen“ entnehmen kann, muss das nicht heißen, dass die Schiffe auch vollständig gefüllt werden – bei automatischer Einstellung werden die Tanker aufbrechen, sobald sie nach Meinung der KI voll genug sind. Meist heißt das „voll“, aber manchmal ist es eben nur ein Minimum. Nur ein manuell erstellter Ladebefehl schafft da Abhilfe.

Nach Beendigung der Ladearbeiten tuckern sie jedenfalls über den Pazifik, kommen in Bremerton an und müssen unter Umständen feststellen, dass die lokale Ölproduktion die vorhandenen Lagerkapazitäten bereits voll ausgeschöpft hat. Das führt dann aber nicht dazu, das der Flotte ein anderer Hafen, der noch freie Kapazitäten hat, zugewiesen wird, nein! Stattdessen legen sie ab, tuckern wieder um die halbe Welt, gehen wieder in Miri vor Anker und können gar nicht verstehen, warum ihnen der Hafenmeister dort einen Vogel zeigt. Also fahren sie wieder zurück nach Bremerton, und so weiter, und so fort…

Die automatische Weiterverteilung von Öl und Nachschubgütern an die bedürftigen Stützpunkte klappt nie. Die automatisch erstellten und in den Lieferhäfen einsehbaren Bestelllisten werden immer länger, aber sie werden nie abgearbeitet (nie!), weil die KI nur die Produktions-, also die Heimathäfen, im Sinn hat, man muss sich selbst darum kümmern, dass die vorgeschobenen Basen ausgestattet werden. Die Organisation der KI zu überlassen, führt in der Regel zu schwachsinnigen Aktionen wie dem Abtransport von Öl in Richtung Westküste aus Häfen, die auf Ölimport angewiesen sind, und deren Ölvorräte man braucht, um weitab von der Heimat überhaupt operieren zu können. Man muss höllisch aufpassen, dass eine Tankflotte, die man zu einem Vorposten geschickt hat, nicht kurz nach dem Einlaufen mit der kompletten Fracht wieder zurück in die Heimat dampft. Und das kommt öfter vor, weil man seine Augen nicht überall haben kann. Dann haben die Schiffe bereits ein paar Hundert Kilometer hinter sich, bevor man es merkt, und man muss sie wieder zurückschicken.

Mit Aluminium und Eisenerz ist dieses Transportproblem nicht vorhanden, aber wehe man gibt an, dass man die Anforderung von Truppen den Stützpunkten überlässt – dann geht mit den Transportern der gleiche Tanz los. Dann fahren die blindwütig drauflos, laden Truppen ein (überdies viel zu wenige, weil sie scheinbar nicht in der Lage sind, ungeachtet ihres realen Transportvolumens mehr als eine Bestellung zu verarbeiten), und lassen die Rohstoffe in den Lagern liegen. Die Autarkie der USA minimiert das Problem des unterlassenen Rohstofftransports, allerdings kann ich nicht bestätigen, dass die Bestelllisten jemals kleiner geworden wären, ich vermute, dass der Auftrag auch nach Erledigung nicht gelöscht wird.

Das alles bedeutet, dass man jeden Konvoi einzeln koordinieren muss. Ich vereinfache das, indem ich so viele Tanker wie möglich zusammen fahren lasse. Das verringert die Anzahl der Konvois, damit die Zeit, die man ihnen widmen muss, und die Zeit, die sie für ihre Lieferfahrten benötigen. Statt einen Stützpunkt auszustatten und sofort wieder in die Heimat zurückzukehren, um Material für den nächsten Außenposten aufzunehmen, kann man so auf einer Fahrt mehrere Empfänger bedienen.
Man sollte sich immer Meldung machen lassen, wenn ein Ent-/Ladevorgang beendet ist, damit man dem Konvoi das nächste Ziel manuell vorgeben kann. Sonst kommen Frachter z.B. in Hollandio an, nehmen die dort gelagerten 8000 t Erz mit und fahren damit sofort nach San Diego zurück, obwohl noch Frachtraum für 142.000 weitere Tonnen leer ist, den man mit Erz aus Hong Kong, Singapur, Darwin, oder Port Moresby weiter füllen könnte.
Durch die Konzentration von Begleitschiffen erwarte ich mir überdies einen besseren Schutz vor U-Booten.

Da Transporteinheiten jeder Art also eine unerwünschte Selbstinitiative zeigen, muss man aufpassen, wenn wichtige Konvois unterwegs sind. Einfach nur Erz abzuholen, ist eine Sache, aber manche Konvois transportieren Kommandeure, Truppen, technische Ausrüstung, Waffensysteme oder Flugzeuge, die ein bestimmtes Ziel haben sollen. In diesem Fall ist es besonders ratsam, sich Notizen zu machen, welcher Konvoi welches Ziel anlaufen soll. Bei all den Einheiten, die man kontrollieren muss, kann es ja vorkommen, dass man vergisst, die „Sonderware“ auszuladen, vor allem dann, wenn zwischen dem Absenden und der Ankunft des Konvois eine mehrtägige Spielpause liegt.

Angenommen, man plant einen Angriff gegen eine starke feindliche Festung. Dann ist mit Verlusten zu rechnen, und um die möglichst schnell ausgleichen zu können, sollte man Nachschub in Form von Schiffen und Flugzeugen und natürlich Munition auf einer vorgeschobenen Basis einlagern, damit man nicht wieder ganz zurück nach Hause fahren muss. Will man z.B. produzierte Flugzeuge verschiffen, muss man erst Einheiten bilden, und diese Einheiten dann über das Rechtsklickmenü „zum Transport“ hinzufügen. Warum man nicht einfach drag & drop verwenden kann, ist nicht nur mir ein Rätsel, das hat man sich in den Foren auch gefragt. Denn die Erstellung der Einheiten macht keinen Sinn: Will man das Material am Zielhafen ausladen, muss man die transportierten Einheiten auflösen – sie landen also eh gleich wieder als Bilanzposten im Lager.
Leider werden pro Klick (zum hinzufügen) nicht ganze Einheiten eingeladen, will man z.B. ein Korps schwerer Bomber einpacken, muss man mehrfach dafür klicken, weil es scheinbar eine maximale gleichzeitig einzuladende Anzahl von Flugzeugen gibt. Auch hier verschließt sich der Sinn völlig, es sei denn, er bestünde darin, den Spieler zu nerven.

31. März 2008

Schritt für Schritt kommt man ans Ziel

Filed under: Bücher,Japan,Militaria — 42317 @ 21:36

Das Bezirksgericht von Osaka hat in einer Klage eines japanischen Kriegsveteranen gegen den Literaturnobelpreisträger Ôe Kenzaburô entschieden, dass die Kaiserliche Armee für die Massenselbstmorde von Zivilisten auf Okinawa während der US Invasion verantwortlich ist. Auch das Anliegen, die weitere Verbreitung von Ôes diesbezüglichen „Okinawa Notes“ zu verhindern, wurde zurückgewiesen. Das Gericht verwies dabei auf Daten, die belegen, dass es nur in solchen Dörfern zu Massenselbstmorden gekommen war, in denen japanisches Militär stationiert war.

Die Klage war 2005 zustande gekommen und im April 2006 hatte das japanische Bildungsministerium angekündigt, die Hinweise auf militärische Verantwortlichkeiten aus den Schulbüchern zu entfernen. Nach Protesten im vergangenen September und nach dem Rücktritt des Nationalisten Abe vom Amt des Premierministers wurden die entsprechenden Textstellen im Dezember wieder aufgenommen.

(Der Artikel stammt von der International Herald Tribune, über military.com.)

Die japanische Regierung muss damit einen Gesichtsverlust hinnehmen, nachdem man gegenüber Korea und China immer wieder betont hatte, dass die Lehrbücher japanischer Schulen frei von politischer Vorteilsnahme seien – was hiermit offiziell und für alle sichtbar widerlegt ist.

Man könnte beinahe auf die Idee kommen, dass der Schulbuchstreit das Äquivalent zum japanischen Autobahnbau ist, in dem Sinne, dass man der Schulbuchindustrie durch ständige Neudrucke von Lehrmaterial Gewinne zuschustert.

14. Januar 2008

Der große Preis(unterschied)

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 15:29

Ein Freund aus den USA fragte mich letztlich nach „Combat Mission“, einer Spielserie, die sich ursprünglich mit dem Zweiten Weltkrieg befasste, sei es mit der Westfront 1944/45, der Ostfront 1941/45 oder mit der Afrika- und Italienfront ab 1941, bzw. 1943.

Ohne auf die Spiele selbst jetzt genauer einzugehen… genannter Freund hatte jedenfalls Interesse und fragte mich, was es mit dem Spiel auf sich habe, und ich beantwortete diese Frage. Das erste Spiel war wohl 2001 erschienen, von daher ist es in Softwarebegriffen „uralt“ und kann eigentlich nicht mehr viel kosten, dachte ich zumindest.
Ich sah mich auf verschiedenen deutschen Seiten um und fand, wie erwartet, echte Schnäppchenpreise – wie zum Beispiel die „Anthology Box“, neu vom Händler, nicht gebraucht, mit den ersten drei Spielen „Beyond Overlord“, „From Barbarossa to Berlin“ und „Afrika Korps“ für den lächerlichen Preis von 5 EURO plus 3 EURO Versand. Der Verkaufspreis war um 10 EURO gesenkt, aber auch bei einem Preis von insgesamt 18 EURO kann man bei einem Inhalt von drei vollständigen und selbständigen Spielen nicht meckern.

Mit ähnlichen Erwartungen sah ich mich dann auf US amerikanischen Seiten um.
Und wurde geschockt.
Da zahlt man für das älteste Spiel der Serie allein noch um die 20 Dollar (obwohl ich ein einzelnes, gebrauchtes, Exemplar für 3 Dollar gesehen habe), die Nachfolgespiele (allein) noch um die 30 Dollar, und die Box wird mit 45 Dollar gehandelt.

Wie kann das sein? Ist die Nachfrage in den USA so groß, dass man den Preis so hoch halten kann?

Wie dem auch sei… angesichts des phänomenalen Preises konnte ich mich nicht zurückhalten, die deutsche Box zu kaufen. Dass „Barbarossa“ auf meinem aktuellen Rechner nicht läuft (mangels Kapazität der Grafikkarte nehme ich an), und dass ich für „Afrika Korps“ das gleiche befürchte, soll mich nicht schocken. Irgendwann kommt ein neuer Rechner ins Haus, der das Spiel zum Laufen bringt…

Die Stixi-Achse

Filed under: Bücher,Japan,Militaria — 42317 @ 15:13

„Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg“ lautet der Titel eines Buches, das man mir zu Weihnachten geschenkt hat, und angesichts der Vertiefung meines Kenntnisstandes zum Thema „Dreierpakt“, bzw. „Achse Berlin-Rom-Tokio“, fühle ich mich extrem dankbar dafür.

Seit Weihnachten habe ich das Buch stückweise während meiner Zug- und Busfahrten gelesen und verwunderliche Dinge entdeckt.

Dass die Achsenmächte keine gemeinsame Kriegsführung hatten, wie das bei den Alliierten der Fall war, war mir ja bekannt, dass die militarische Zusammenarbeit minimal war, wusste ich ebenfalls, oder ich glaubte es zu wissen, denn dass eine militärische Zusammenarbeit überhaupt nicht gegeben war, das wusste ich nicht.

Die politischen Ziele Deutschlands und Japans waren von vorneherein viel zu verschieden, als dass ein Vertrag wie der so genannte „Dreimächtepakt“ das Papier wert gewesen wäre, auf dem er gedruckt war. Die Deutschen wollten Lebensraum im Osten, das heißt Kolonialisierung durch Vernichtung der slawischen Bevölkerung, während die Japaner, brutal wie sie dabei waren, ihre „Großoastasiatische Wohlstandssphäre“ errichten wollten. Ein kaum weniger rassistisches Konzept, mit dem man Asien von den Weißen befreien wollte. Die betroffenen Völker würden dann zwar asiatische statt europäische Herren haben, aber immerhin war keine ethnische Gruppe per se zur Vernichtung vorgesehen.

In Deutschland regierte Hitler alleine und für den war von Anfang an klar, dass der Hauptfeind die Sowjetunion war. In Japan herrschte eine autoritäre Oligarchie, das heißt, es waren mehrere Meinungen zur Diskussion vertreten, wenn man diese auch auf die Rivalität von Heer und Marine polarisieren kann. Das Kaiserreich war wohl der Antikomintern beigetreten, aber nach zwei relativ kleinen Gefechten mit der Roten Armee, bei denen das japanische Heer etwa eine Division einbüßte, setzte sich die Marine mit ihrem Plan von der Südexpansion durch, obwohl im Fernen Osten anno 1941 ein Truppenverhältnis gegeben war, das es den Japanern erlaubt hätte, die Sowjets einfach von der Landkarte zu fegen.

Das japanische Heer war bis 1943 immer noch daran interessiert, den sowjetischen Fernen Osten anzugreifen, aber nicht nur die eigene Marine verhinderte solche Pläne, sondern auch der alleinige Entscheidungsträger strategischer Fragen bei den Deutschen: Hitler war ausgesprochen gegen ein japanisches Eingreifen gegen die UdSSR. Die Wehrmacht werde das alleine schaffen, davon war nicht nur Hitler, sondern auch der Wehrmachtsführungsstab überzeugt.

Die deutsche Seekriegsleitung auf der anderen Seite befürwortete ein gemeinsam koordiniertes Vorgehen auf den Weltmeeren, aber da hatten die japanischen Admirale was dagegen. Die Kombinierte Flotte würde das alleine schaffen. Sie wurden erst nach der Midway-Schlacht vom Juni 1942 und dem Totalverlust von vier Flugzeugträgern kleinlauter – aber nicht kooperationsbereiter. Entgegen dem Anliegen der deutschen Marine zeigte man in Tokio kein Interesse an einem Tonnagekrieg, sondern zog es weiter vor, U-Boote ausschließlich gegen Kampfschiffe einzusetzen, anstatt gegen Versorgungs- und Transportschiffe. Dass die stärkste Trägerflotte machtlos ist, wenn man ihre Tankschiffe versenkt, ist der Admiralität offenbar nie in den Sinn gekommen.
Warum? Auch diese Frage bleibt bislang unbeantwortet. Ich persönlich glaube nicht, dass es mit dem Bushidô, der Kriegerehre, zusammenhing, dafür habe ich Japaner als zu pragmatisch kennen gelernt.

Gleichzeitig versuchten die Japaner immer wieder, im Krieg zwischen dem Dritten Reich und der Sowjetunion zu vermitteln, was der Deutsche natürlich aus ideologischen Gründen ablehnte. Erst, als der Hammer längst gefallen war, 1944, ging man ernsthafter an ein gemeinsames Wirken heran. Aber zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die bislang strittigen Punkte zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill beigelegt, und Stalin hatte sich nicht nur der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation angeschlossen, sondern sich auch bereit erklärt, drei Monate nach Ende der Kampfhandlungen in Europa gegen Japan in der Mandschurei loszuschlagen. Dabei gibt es Anzeichen, dass bei entsprechendem deutschen Willen noch 1943 ein Sonderfrieden mit den Sowjets realisierbar gewesen wäre.

Alle beteiligten Seiten sahen im Dreimächtepakt nur ein propagandistisches Mittel. Vielleicht haben sich die Italiener mehr davon erhofft, aber deren politischer Einfluss war zusammen mit ihrem militärischen in Afrika dahingeschmolzen. Die Hauptverbündeten, will man sie überhaupt so nennen, hatten jedoch viel zu verschiedene Ziele vor Augen, als dass eine Zusammenarbeit fruchtbar hätte sein können. Im Extremfall, wenn die politischen Manöver der Deutschen einerseits und der Japaner andererseits aufgegangen wären, hätte sich eine Konstellation gebildet, in der Deutschland zusammen mit Briten und Amerikanern gegen Sowjets und Japaner gekämpft hätten.

Dieses interessante Szenario hat sogar einen realen Aufhänger. Und dieser Aufhänger ist das, was ich in dem Buch vermisse. Denn wie kann man die Entwicklungen der Beziehungen Japans und Deutschlands im Zweiten Weltkrieg aufzeigen, ohne im Einleitungskapitel darauf hinzuweisen, dass es eine offizielle Militärmission des Dritten Reiches gab, die sich zur Beratung und Ausbildung der Truppen Chiang Kai-sheks in China aufhielt? Dazu noch zeitweise unter Führung des ehemaligen Chefs der Heeresleitung Hans von Seeckt, also niemand unwichtigem eigentlich. Erst 1938 wurde das Unternehmen eingestellt. Man wandte sich den Japanern zu, ließ die Chinesen fallen und schnitt sich damit von einer bedeutenden Rohstoffquelle ab.
Irgendwo wird in einem Nebensatz erwähnt, dass der deutsche Generalstab traditionell gute Beziehungen nach China gehabt habe, aber das war’s dann auch. Dieses Thema wird generell unter den Teppich gekehrt oder ignoriert, es gibt nur wenige Publikationen dazu.

Der Artikel bei Feldgrau stützt sich auf ein halbes Dutzend, von daher stammt mein Wissenstand, nachdem ich in den TIME LIFE Videos „Das Jahrhundert der Kriege“ ganz baff Chinesen unter dem Kommando Chiang Kai-sheks in Wehrmachtsgrau sehen konnte, ohne dass der Kommentator darauf irgendwie einging. Und dann dauerte es bis Winter 2003, bis ich zufällig über die oben genannte Webseite „Feldgrau“ stolperte, denn trotz meiner mehr oder minder regelmäßigen Begutachtung entsprechender Literatur in den Auslagen von Buchläden habe ich nie etwas darüber in gedruckter Form gesehen.

Ein interessantes Szenario für Alternativhistoriker?

Japan mit der UdSSR gegen die USA und Großbritannien.
Die USA in Asien mit Deutschland gegen Japan.
Deutschland hält Westeuropa gegen die Briten und bindet die Sowjets auf der Linie Murmansk-Sewastopol.

Hm… „Axis & Allies“ braucht ganz dringend einen flexiblen Editor für geostrategische Szenarien. 🙂

11. September 2007

(K)Ein Bund für’s Leben

Filed under: Filme,Militaria — 42317 @ 12:26

Denen, die den Titel nicht kennen, sei gesagt: Dies ist ein Filmreview.
Oder zumindest der Versuch eines solchen.

Ich bin mit Melanie letzte Woche in diesen Film gegangen, weil wir bereits vor Wochen eine Werbung dafür gesehen hatten. Ich habe in deutsche Komödien nicht das allergrößte Vertrauen, aber, hey, es geht hier um die zweit-interessantesten Monate meines Lebens. 🙂

Kurze Zusammenfassung:
Basti lebt in einer WG mit einem Freund und einem blonden Gift, auf das beide scharf sind. Er will den Wehrdienst verweigern und bittet den Freund (aus unbekannten Gründen) darum, den Brief für ihn zur Post zu bringen. Weil der aber seine Chancen bei der Blonden wachsen sieht, wenn Basti weg ist, lässt er den Verweigerungsantrag verschwinden.
Basti wird also bei einer Party (Abifeier?) überraschend von den Feldjägern abgeholt und in eine Kaserne verfrachtet, wo er auf den klischeehaften Ausbilder und den klischeehaft ehrgeizigen Kompaniechef trifft. Jedes Jahr tritt eine Abordnung dieser Kompanie gegen ein Team von US Soldaten an, um im Gelände die Gefechtsfähigkeiten zu messen. Der Protagonist muss sich also mit seinen Stubenkameraden zusammenraufen, die absonderlicher nicht sein könnten, und am Ende steht nach allerlei blödelig-chaotischen Einlagen natürlich der Sieg über die Amerikaner.

Für die, die’s vielleicht sehen wollen, noch ein Hinweis: Der Film ist erst nach dem Abspann zu Ende. Für gewöhnlich bin ich mit meinem Bekanntenkreis der einzige im Kino, der solche Stellen noch zu sehen bekommt, weil der durchschnittliche Besucher – ob guter Film oder schlechter Film – zu Beginn des Abspanns zu fliehen pflegt. Der Abspann selbst ist das originellste an dem Film: Die gesamte Reihe der DarstellerInnen singt ihn selbst – „Tränen lügen nicht“ (worauf noch die Credits ablaufen, zu „Hurra, hurra, die Stube brennt“, und dann kommt der Schlussgag.)

Bevor ich anfange, über die inhaltlichen Darstellungen herzuziehen, will ich die positiven Punkte nennen:
Es gibt ein paar gute Gags, über die man lachen kann. Interessant ist auch, dass es eigentlich nicht einfach eine Parodie ist, sondern auf gewisse Art und Weise ein Pro-Bundeswehr-Film, weil dargestellt wird, dass Bundeswehr nicht nur Komiss und „Dummfick“ ist, sondern auch Chance und Perspektive; wie am Ende die Notwendigkeit der Kameradschaft über individualistische Verweigerungstendenzen siegt; und außerdem findet der „Held“ gerade bei der Armee die wahre Liebe. Ist das nicht schön?

Womit wir zu den Kritikpunkten kämen:
Was die Party betrifft, bin ich mir nicht sicher – Basti erwähnt, dass er gerade sein Abitur geschafft hat, was natürlich nicht heißen muss, dass es die offizielle Abifeier ist, die da stattfindet. Ich gehe eigentlich nicht davon aus. Eingezogen wird man am Ersten des Monats, und Abifeiern finden wohl deshalb am Ende des vorherigen Monats statt, von daher wäre es ein unsinniger dramatischer Effekt, den Protagonisten von der Feier „abholen“ zu lassen.

Die Charaktere sind total überzeichnet.
Basti ist noch der normalste in diesem Haufen krasser Individualisten.
Da wäre ein kräftig gebauter (ethnischer) Türke, der schnell rassistische Vorurteile wittert und bei der Armee Karriere machen will. Gleichzeitig ist er allerdings zu stolz, zuzugeben, dass er eine Brille braucht. Warum nimmt er keine Kontaktlinsen?
Der nächste ist ein Aspirant der Kunstakademie, der scheinbar aus einer Familie des alten Militäradels entstammt und von seinem Vater zwangsverpflichtet wurde. Natürlich muss ausgerechnet dieser Charakter mit dem ach so lustigen Hinweis auf Homosexualität ausgestattet sein. Ist doch ganz klar, dass alle männlichen Kunststudenten Schwuchteln sind…
Dann die Brillenschlange, die für den BND arbeiten will und aus unbekannten Gründen dazu bei der BW anfängt. Er zeichnet jedes gesprochene Wort auf Band auf, „um es später gegen Dich verwenden zu können“.

(Dieses Tonband trägt übrigens zu einem „80er Feeling“ des Films bei, denn anstatt klobiger Bandgeräte gibt es heute kleine elektronische Aufnahmegeräte, und was noch in den Kalten Krieg zu gehören scheint: Wer zur Hölle wird denn heutzutage in der BRD noch gegen seinen Willen eingezogen? Das muss eine verschwindende Anzahl von Pechvögeln sein. Eine Menge Leute wird erst gar nicht gefragt und muss weder Wehr- noch Ersatzdienst leisten. Wobei ich, gefragt, den Ersatzdienst verweigerte und scherzhaft mit einer Klage drohte, falls man mich nicht einziehen würde.)

Der Typ, den sie „UFO“ nennen, hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und imitiert die meiste Zeit ein Schaf (weil Basti mit Nachnamen „Lämmle“ heißt). Er fängt erst in der zweiten Hälfte des Films an, ganz überraschend wie ein Mensch zu reden.
Der letzte von dem Haufen ist der Überlebenskünstler, dessen Verweigerung fehlgeschlagen ist, und der nun bei der Armee seine Schwarzmarktfähigkeiten anwendet.

Die so genannte Grundausbildungskompanie (eines Panzerregiments) besteht eigentlich nur aus der eben vorgestellten Stube 54. In dieser Stube befinden sich schon allerlei Verzierungen, wie Porträts der Bewohner, ein „Rambo“ Poster und solcherlei Dinge, die in einer Grundausbildungskompanie der Bundeswehr nie und nimmer da hängen dürften.
Der Rest der (eigentlich) ca. 40 Mann des Zuges und der (ebenso theoretisch) ca. 100 Mann der Kompanie geht gesichtslos in der Masse beim Antreten unter. Hirnrissig dabei ist, dass der gesamte Führungskader nur aus dem Grundausbilder (einem Oberfeldwebel) und dem Kompaniechef (einem Major – namens Hauptmann) besteht. Andere Dienstgrade gibt’s da nicht, abgesehen von weiblichen Unteroffizieren im ebenso vorhandenen Luftwaffen-Sanitätsregiment. Die übrigens die ganze Zeit im Dienstanzug unterwegs sind. Bei uns haben die grundsätzlich Grün getragen. Von der 1,50 m kleinen StUffz Hupert bis zur Oberstabsärztin (deren Namen ich vergessen habe).
Vielleicht kann man den ebenfalls hoffnungslos überzeichneten Oberstabsgefreiten, der im Vorzimmer des Majors sitzt, ebenfalls nennen. Überkorrekt und kriecherisch (wenn auch weniger kriecherisch als der Oberfeldwebel), ein Ja-Sager, der immer schön die Hacken knallen lässt. Nein, nicht schön. Den Rekruten, die das heutzutage (wohl von den Medien beeinflusst – von eben solchen Medien, wie ich sie hier gerade beschreibe!) machen, bringt man sofort bei, dass derlei Wehrmachtstraditionen zu unterlassen seien. Die Bundeswehr knallt nicht mit den Hacken. Kompletter Blödsinn – für den Leinwandeffekt.
Es ist hier, im Zusammenhang mit fehlenden Dienstgraden, auch geradezu unverzeihlich, dass man gerade den Spieß, den höchsten verantwortlichen Kompaniefeldwebel, Ziel so vieler spöttischer Bemerkungen, weggelassen hat. Ich dachte, der Spieß gehöre zu BW-Parodien wie das Salz in die Suppe.

Dass der Grundausbilder grundsätzlich schreit, dass einem die Haare fliegen, kennt man ja aus dem Fernsehen… aber auch nur von dort – obwohl ich nicht sagen will, dass es nicht hin und wieder vorkommt. Warum allerdings bei dem ganzen Aufsagen von dämlichen Phrasen und ebenso dämlichen Kommandos (man sagt bei einem angetretenen Zug nicht Kompanie! Stillgestanden!“) nicht auf echte Sprüche und echte Situationen, die (im Nachhinein) nicht wenig komisch wirken, zurückgegriffen wurde, ist mir unverständlich.

Da wird man z.B. gleich am ersten Tag dauergestresst, und das fängt schon beim Ausfüllen von Formularen im schlecht beleuchteten Flur des Kompaniegebäudes an:
„Nächster!“
„Guten Morgen…“
Was glauben Sie, wozu diese gelbe Linie da ist!? Stellen Sie sich gefälligst dahinter auf! (da ist tatsächliche eine Linie in Armreichweite von dem Schreibtisch weg) mit dem Zusatz Ich glaub, mir fällt gleich ein Ei aus der Hose!!

Allerdings ist unseren Ausbildern immer beinahe der Arsch geplatzt und nicht der Sack, wie im Film zu hören ist. Aber es mag lokale Variationen geben.

Und dann, immer noch am ersten Tag, steht man nachts um 23:30 noch in der Schlange vor dem Untersuchungsraum des Regimentsarztes, lehnt sich vor Müdigkeit an die Wand und wird angeherrscht, die Wand steht von alleine! Das war damals, im unmittelbaren Moment, vielleicht unangenehm, aber heute lacht der Veteran doch darüber. Oder darüber, bei Händen in den Hosentaschen gefragt zu werden:
„Haben Sie Geburtstag?“
„Nein…“
Dann spielen Sie nicht mit Ihrer Kerze!

Oder vier Kilometer Kasernenrundlauf mit Liegestützen alle 200 Meter:
„Ich kann meine Arme nicht mehr spüren!“
„Jetz machen Se mal‘ n Pippi aus’n Augen, ja!?“

Oder wie wären die Richtlinien für Verhalten gegenüber Vorgesetzten beim Antreten?
„Wenn ein Vorgesetzter sie anspricht, dann sehen Sie ihm nicht ins Gesicht, sondern über seine Schulter weg! Augen geradeaus, das Gesicht ist zur Faust geballt! Und dass ich keinen Pissbogen in der Reihe sehe!“

Oder die kleine, feine Phrase „Los! Finger rotieren lassen!“ oder „Die Beine bilden eine rotierende Scheibe! Das hab ich schonmal schneller gesehen!“

Sehr individuell wäre die „Übungseinleitung“ des StUffz Schmelmer, der während des Mittagessens im Gelände daherkam, dabei auf die entsprechenden Stellen seiner Uniform zeigte und sowas sagte wie
„Das ist mein Dienstgrad, das ist mein Name, ich habe keine Freunde und ich brauch auch keine, ABC-ALARM!! (Was in der Regel dazu führte, dass man sich binnen 20 Sekunden in den Gummianzug mit ABC-Schutzmaske schmeißen musste und den Rest seines Essens nicht mehr essen durfte, da offiziell kontaminiert.)

After-Reinigungs-Partys:
„Wer hat mit den Schuhen auf dem Tisch gestanden!?“
„Niemand!“
„Und wie haben Sie dann den Staub von der Lampe gewischt!?“

„Sehen sie den blauen Frosch vor dem Fenster?“
„Nein…“
„Dann machen Sie das Fenster besser sauber!“

(Sieht unter das Bett:) „Was ist DAS!?! Staubmäuse springen mich an!!“

(Macht mit dem Finger einen Strich über die Oberfläche, hält den Finger dann in Richtung des Soldaten und pustet über die Spitze:) „Sehen Sie mich noch!?“

Das alles ist, unglaublich, aber wahr, im Nachhinein lustig, es hätte sich in dem Film zweifelsohne gut gemacht, und es hätte ohne Zweifel zum Realismus beigetragen. Dass man sogar auf das beliebte „Durchzählen!“ Spiel verzichtet hat, fand ich sehr schade. Es gibt tatsächlich eine Szene, wo durchgezählt wird, was bedeutet, dass jeder, der Reihe nach, eine Zahl sagt, angefangen bei „EINS!“ bis zum letzten Mann in der Reihe – um die Gesamtanwesenheit festzustellen. In diesem Film hier allerdings sagt der zweite Mann „ZWEI!“ und es bleibt dabei.
Humbug! Wenn bei der Bundeswehr einer beim Zählen „ZWEI!“ sagt, ruft der Ausbilder spätestens bei „VIER!“ „Nochmal!!“, und das, ohne auf den Fehler hinzuweisen. In der Regel dauert es zwei Minuten, bis die Truppe entweder auf den Ast mit der „ZWO!“ kommt (weil es über Funk dann nicht mehr mit „drei“ verwechselt werden kann, die Sache hat also ihren Sinn) oder der Ausbilder die Geduld verliert und die Sache korrigiert.
Außerdem meldet der Letzte in der Reihe „Durch!“, um das Ende anzuzeigen. Auch das wurde unterlassen.

Von Ausbildung und Drills bekommt man allerdings nie etwas zu sehen – doch, kurz, aber dann sind es Dinge, die ich selbst nie getan habe, weil sie in den Unterhaltungsmedien präsenter sind, als in Kasernen. Die Helden müssen durch den Schlamm kriechen und der Ausbilder drückt mit dem Fuß die Hüfte eines Auszubildenden auf den Boden. Dort gehört sie beim so genannten „Gleiten“ auch hin, allerdings ist die Szene dennoch hinfällig: Der Vorgesetzte ist gesetzlich verpflichtet, den Soldaten vor jeder Art von körperlichem Kontakt zu fragen, ob er ihn anfassen dürfe.
In diesem Machwerk hier gibt es jedenfalls keinen theoretischen Unterricht, kein Auswendiglernen von Wachdienstvorschriften, kein Täuschen und Tarnen, keinen Unterstand- und Grabenbau, keine Formalausbildung, keine Drills für Reinigung und Zerlegen und Zusammensetzen. Die Jungs werden sofort mit der Situation dieses deutsch-amerikanischen Wettbewerbs konfrontiert, und das, ohne jemals etwas über Verhalten auf dem Gefechtsfeld oder über Bewegung im Gelände gelernt zu haben, und dem entsprechend sieht das Gegurke aus, das mir da von der Leinwand aus entgegen kriecht. Es ist schlicht und ergreifend kompletter Schwachsinn, Grundis in eine solche Situation zu bringen. Nach BW-Maßstäben kalkuliert, muss man ja damit rechnen, dass sich die Leute im Wald selbst verletzen, weil sie das Gehen erst mal neu und richtig lernen müssen.

Nach einem scheinbar harten Ausbildungstag kommen sie in voller Montur in die Stube zurück… mit schmutzigen Gesichtern, leicht verschmutzter Kleidung… und sauberen Schuhen. Ich kann mich leider nicht genau erinnern, ob sie nicht auch noch ihre Gewehre dabei hatten… was eigentlich Blödsinn ist, weil man sie in der Waffenkammer abgeben muss, aber bei außerordentlichen Dienstzeiten kann es durchaus zu Ausnahmen kommen. Wie dem auch sei, dann legen sie sich so ins Bett und genießen den Dienstschluss.
Kompletter Hirnriss – der Ausbilder überwacht nicht nur die Ausbildung, sondern auch das Reinigen der Ausrüstung danach. Waschen und Ausziehen wird man zwar nicht mal bei der BW befehlen, aber das Nachbereiten der Ausbildung wurde hier unter den Tisch gekehrt.

Und dann sollen sie gegen Leute antreten, die ihre Ausbildung schon hinter sich haben? Das zumindest ist mein Eindruck von den dargestellten Amerikanern, die schon sehr hart und kantig daherkommen (und mit herrlich deutschem Akzent reden – ich sage nur: Vorderzungenvokalisierung – mit Ausnahme ihres Chefs, dessen Darsteller ein in die USA immigrierter Däne ist). Welcher Vollidiot würde das für glaubhaft halten? Wenn die Jungs dann unterwegs sind, laufen sie in wilder Schützenwolke rum, sie laufen sich gegenseitig vor der Mündung rum und vor allem sind sie ohne Unteroffizier oder einen anderen (Halb-) Gruppenführer unterwegs.
Niemals, niemals nie!
Verwendet wird da scheinbar das MILES Gefechtssimulationssystem (steht für Multiple Integrated Laser Engagement System) – man schießt mit Infrarotstrahlen aufeinander, die von speziellen Geweben, die man auf der Kleidung trägt, registriert werden und den Getroffenen „abschalten“. Für mehr Informationen siehe Lexikoneintrag zu MILES (englisch).

Für irgendwelches Fehlverhalten wird zur Strafe Schuheputzen angesetzt. Die Stiefel der gesamten Kompanie, dem Berg nach zu schließen – was bedeutet, dass da eine Menge Leute keine Schuhe hat und für den eigentlich stattfindenden Ausbildungsdienst ausfällt? Na, vielleicht hat man auch Paare aus dem Lager genommen. Der Punkt ist, dass Stube 54 putzen soll, und der Ausbilder geht zum Essen. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Disziplinierungsmaßnahme unrealistisch ist (man würde eher „Zusatzausbildung“ am Wochenende ansetzen), ist es eine Richtlinie der Bundeswehr, dass der befehlende Ausbilder selbst dabei sein und mitmachen muss – eine Begleiterscheinung des Grundsatzes „Führen durch Vorbild“. Das hat so manchen sportlichen Kameraden schon dazu animiert, Bauteile seines Gewehrs beim Reinigungsdrill fallen zu lassen, worauf der Ausbilder Liegestütze ansetzte, für jedes Fallenlassen 20 – allerdings hatte der Kamerad mehr Ausdauer als der Ausbilder und nach etwas mehr als 100 mal „pumpen“ hatte der Unteroffizier genug und während des gesamten restlichen Reinigungsdrills dieses Tages musste niemand mehr „in den Liegestütz – ab!“ oder andere sportliche Leistungen erbringen. Auch das wäre interessant in einem solchen Film gewesen, aber es ist ein zu individuelles Ereignis, als dass man es erwarten könnte.

Auf Grund der Werbung hatte ich mir auch Hoffnungen auf eine Metalversion der Nationalhymne gemacht – aber die gibt’s offenbar nur in der Kinowerbung, und nicht im Film selbst.

Der Film kann durchaus unterhaltsam sein. In Anlehnung an zwei Gespräche in den vergangenen Wochen über „CSI“, eines mit einem Polizisten und eines mit einem Arzt, muss ich allerdings sagen: Nur dann, wenn man von dem, was dargestellt wird, keine Ahnung hat. Ich muss mich ernsthaft fragen, ob diejenigen, die das erdacht, geplant und ausgeführt haben, jemals bei der Armee waren (ich habe meine Zweifel), und ob die Danksagungen an Bundeswehrangehörige (höhere Offiziere) im Abspann sich auf mehr beziehen als die Erlaubnis, echtes Kasernengelände für die Aufnahmen verwenden zu dürfen. Einen Berater für realistischen Kasernenjargon gab es ja scheinbar nicht.
Was mir blieb, waren die Gags ohne direkten Bezug zur Armee, und das sind zu wenige, als dass ich mir den Film in absehbarer Zeit kaufen würde. Vielleicht irgendwann, wenn ich gelangweilt bin und den Streifen in der Kramkiste irgendwo für einen Fünfer sehe.

26. Juli 2007

Die Runner von heute

Filed under: Militaria — 42317 @ 9:55

Military.com bescherte mir heute eine Slideshow mit dem Titel „Bloody Business“, in der es um eine Gruppe so genannter „Private Contractors“ im Irak geht, im Volksmund auch „Söldner“ genannt. Dann geht das alles so harmlos los… und auch ohne, dass irgendwelche blutigen Details gezeigt werden… aber am Ende sind dann drei der kurz vorgestellten Leute tot.
Ich muss zugeben, dass ich etwas geschockt war, was daran liegen könnte, dass die Texte zu den Bildeern alle im Präsens geschrieben sind, was für den Leser doch impliziert, dass die beschriebene Person lebt – und zwei Bilder später ist sie eine Leiche.

Die Fotos sind Auszüge aus einem Buch, dass der Chef der Truppe, ein Colonel a.D. der US Special Forces, geschrieben hat.

Slideshow

Buch (mit Leseprobe)

7. Mai 2007

Command & Conquer oder was!?

Filed under: Militaria — 42317 @ 14:35

Hier ein aktuelles Produkt aus dem Hause Rheinmetall:

Rheinmetall Flak

Es handelt sich um eine Flugabwehrkanone, und nicht um ein fixes Feldgeschütz, aber das Design erinnert doch sehr an die Kanone der C&C Noddies.

15. April 2007

Amerikanische Probleme und deutsche Lösungen

Filed under: Militaria — 42317 @ 12:23

… bei der militärischen Hardware.

Wie es scheint, beschweren sich die US GIs derzeit hauptsächlich über zwei Dinge:

1. Der neue Feldanzug
(Siehe Military.com: Feldanzug USA)

Ich überspringe die zwei guten Punkte (u.a. sind die Taschen bedienerfreundlicher), weil die negativen auffälliger sind:

a) Die neueingeführten Klettverschlüsse reißen ab und was auch immer da dran hängen bleiben soll, geht schnell verloren, wenn der Soldat im „bodennahen Einsatz“ ist. Außerdem gehen die Seitentaschen auf und man verliert Zeug, dass man dringend brauchen könnte.

b) Das Material ist halb-halb Baumwolle und Nylon. Und das brennt scheinbar schnell. Der Autor des Berichts schlägt vor, entweder bei reiner Baumwolle zu bleiben oder Nomex zu verwenden, dessen Anschaffung teurer ist, aber Behandlungskosten angebrutzelter Soldaten einspart.

c) Das Tarnmuster erfüllt seinen Zweck nicht. Die „Urban“ Tarnung sei zwar in einem Betonumfeld ganz toll, aber sonst zu nichts zu gebrauchen.

2. Der M4 Carbine
(Siehe Military.com: M4 Kritik)
Wie es scheint, wartet man auf der anderen Seite des Atlantik auf die nächste (selbstgebaute) Generation der Infanteriewaffe, anstatt eine Lizenz zu erwerben.
Zu Bundeswehrzeiten anno 1998 haben mir Ausbilder angesichts des G36 bereits lächelnd mitgeteilt, dass die M16 statistisch alle 600 Schuss eine Ladehemmung hat, während unser G36 da mit einer niedrigen fünfstelligen Zahl in der selben Statistik erscheine. Ob die Zahlen stimmen, kann ich nicht sagen, aber ich hatte nie eine Ladehemmung mit dem G36.

Wie dem auch sei, es scheint immer mehr durchzusickern, dass die M4 (die kurze Version der M16) den Bedingungen eines irakischen oder afghanischen Schauplatzes nicht gewachsen ist – da gesellen sich viel Hitze und viel Staub zu dem eh anfallenden Ruß, der wohl die Gasrückführung, die bei der M4 den Nachlademechanismus in Gang hält, sehr oft verstopft und den Benutzer in kritischen Momenten in arge Probleme bringen kann.
Die Lösung von Heckler & Koch (HK) besitzt einen Gaszylinder, der den Verschluss mechanisch in Bewegung versetzt und keine Gaskanüle hat, die verstopfen könnte.

Und wenn ich schon mal dabei bin:
HK bringt die MP7 an die Truppe, und wenn man sich das typisch erscheinende Design anschaut, wird wieder klar, warum Filmbösewichte so gerne auf die Firma aus Oberndorf zurückgreifen:

HK MP7A1

(Siehe dazu: MP7A1 Beschreibung und MP7A1 PDF)

Neu ist auch das MG4:
Außer mir haben sich wohl noch mehr Leute darüber beschwert, dass das MG8 (ein Umbau des alten G3) seine Hülsen drei Meter hoch und fünf Meter weit auswirft – das MG4 wirft seine Hülsen wieder (wie das alte MG3) nach unten aus. Hat ja nur etwa 10 Jahre gedauert, diese Idee wieder zu entdecken…
(Siehe dazu: MG4 Beschreibung)

27. März 2007

Ein Quiz auf Military.com

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 11:32

„What historical military leader are you most like?“
spricht es da. Ganz klar, dass mein Blick auf dieser Zeile haften blieb:

Leader Quiz

„Wesley Clark“ kam für mich dabei raus. Offenbar wegen Schwerpunkt auf die so genannte Auftragstaktik und meiner diplomatischen Tendenzen.

23. März 2007

Die britische Angelegenheit

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 19:28

Ich habe nachgeholt, AXIS & ALLIES aus der Sicht der Briten zu spielen, und, hey, das ging flott! Eine Fabrik in Südafrika sorgte dafür, dass die Wehrmacht auf dem Schwarzen Kontinent nichts zu lachen bekam (außer einer geglückten, von der „Bismarck“ unterstützen Landung in Kenia/Rhodesien).
Im Anschluss mit den südafrikanischen Panzerdivisionen durch Syrien und Persien bis nach Ostchina geblitzt, während die Royal Air Force dafür sorgte, dass dem Deutschen Reich regelmäßig ein paar Produktionspunkte abhanden kamen.
Während die Trägerflotte Indonesien, Borneo und die Philippinen einnahm, befreiten die Amerikaner die Ukraine und die Sowjets paradierten durch Berlin. Und als die Alliierten gerade die Hand nach der Mandschurei ausstrecken wollten, war der Sieg auch schon erreicht. Deutschland besiegt und die Japaner auf den äußersten Fernen Osten der UdSSR zurückgedrängt, ließ wenig Zweifel am Kriegsausgang.

Zu ihren besten Zeiten landeten die Japaner allerdings auch mal in Alaska und auch in Westkanada, wurden aber von den USA immer wieder vertrieben (weil die aus Mangel an Transportern genug Truppen zuhause hatten).

Außerdem besteht die nicht geringe Möglichkeit, dass die Wehrmacht Südafrika einnimmt, bevor die dortige Fabrik zum Tragen kommt – dort steht nur eine Infanteriedivision. Persien wäre sicherer (weil die Deutschen aus irgendeinem Grund den Suezkanal nicht überqueren), aber ich weiß nicht, wie viele Produktionspunkte Persion bringt – in Fabriken, die außerhalb des Kernlands errichtet wurden, kann man nur so viele Einheiten pro Zug produzieren, wie die Kolonie Produktionspunkte bietet. Im Falle von Südafrika sind das zwei. Leider bietet mir das Spiel scheinbar keine Möglichkeit, den Ertrag der Länder einzusehen.

Stelle fest: Gegen die KI ist das Spiel zu einfach – abgesehen von dem Fall, dass man die UdSSR übernimmt. Dann, und nur in diesem Fall, muss man sich sein Vorgehen wirklich gründlich überlegen.

21. März 2007

Ein etwas anderer Zweiter Weltkrieg

Filed under: Militaria,Spiele — 42317 @ 14:49

Ich will nicht über das „Wenn“ eines bestimmten Ereignisses sprechen, das den Lauf des Krieges beeinflusst haben könnte – von denen es ja eigentlich Hunderte gibt. Die Wörtchen „wenn“, „könnte“ und „hätte“ sollte man ja aus der ernsthaften Geschichtsschreibung entfernen, wie Wolf Heckmann sagt. Ich will hier nur ganz profan was über ein Computerspiel aussagen, das mein Kamerad Ritter mir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hat:

AXIS & ALLIES

Vorne angefangen, handelt es sich dabei um ein Brettspiel, auf einem großen Brett, mit kleinen Figuren zur Darstellung der Truppen, mit denen man vereinfachte Weltregionen unter seine Kontrolle bringen muss, um den Krieg für die Alliierten (Amerikaner , Briten, Sowjets) oder eben die Achse (Deutsche, Japaner) auf die eine oder andere Art zu gewinnen. Die PC-Version mag sich vom Brettspiel unterscheiden, ich kann es nicht sagen, da ich das Brettspiel bislang nur von außen gesehen habe.

An Truppen hat man aufzubieten Infanterie und Panzer zu Lande, Jäger und Bomber in der Luft, Schlachtschiffe, U-Boote, Flugzeugträger und Transporter zu Wasser. Spezielle Landeinheiten sind Produktionsanlagen und Luftabwehrbatterien.
Jedes Stück Land, das man kontrolliert, wirft Produktionspunkte ab, die man für den Bau der eben genannten Einheiten aufwenden kann. Wenn man meint, genug davon zu haben, kann man auch solche Punkte in die Forschung stecken, um die Produktion zu effektivieren, Raketen, Jets, Langsteckenflugzeuge, schwere Bomber und bessere U-Boote zu entwickeln.

Man kann den Schwierigkeitsgrad (offiziell) dadurch einstellen, dass man den computergesteuerten Nationen verschieden gut bewertete Generäle zuschiebt. Bei der Auswahl dieser Befehlshaber sind die Macher der Computerversion recht willkürlich und von Mythen geleitet vorgegangen.

Als der beste japanische Kommandeur wird Yamamoto angegeben. Eine interessante Wahl, bedenkt man, dass er erst die Landung auf Hawaii unterlassen und dann die Schlacht bei Midway durch sein sowohl taktisches als auch strategisches Aufteilen der Flotte völlig in den Sand gesetzt hat – Flottengeschwader um einzelne Trägerschiffe (wohl nach Moltkes Idee „getrennt marschieren, gemeinsam schlagen“) waren ein gefundenes Fressen für die Amerikaner, und zur selben Zeit zwei Träger für den (gescheiterten) Angriff auf Port Moresby abzuzweigen (ein aus eifersüchtigem Prestigedenken geborener, fataler Pyrrhus-Sieg des japanischen Heeres über die eigene Marine), spricht nicht für den Mann, den manche als Genius bezeichnen.

Ebenso interessant ist die Wahl des besten deutschen Kommandeurs – Rommel. Von dem tollen Rommel bleibt bei nüchterner Betrachtung nicht viel übrig. Ein sehr guter Divisionskommandeur, aber mehr nicht. Für ein Korps oder gar einen noch größeren Verband mangels strategischer Fähigkeiten völlig ungeeignet, lebt sein Mythos von seiner Motivationsfähigkeit und den Lobeshymnen seiner britischen Gegner, die ja nicht auf die Idee gekommen wären, zuzugeben, dass die desaströse erste Hälfte der Gefechte in Afrika auf eigenes Unvermögen zurückzuführen waren.
Dass Manstein an zweiter Stelle folgt, ist für diesen (posthum) eine bittere Pille, für ihn, der sowohl den Sichelschnitt an der Westfront 1941, als auch den so genannten Gegenschlag am Don von 1943 erdacht hat – beides strategische Manöver, vor denen Rommels waghalsiges, logistisch irrsinniges, und rein taktisches Vorpreschen bis nach El Alamein ziemlich verblasst.

Während die Kommandeure der Briten und Amerikaner ganz realistisch erscheinen, mit Eisenhower und Montgomery an der Spitze, musste bei der sowjetischen Auswahl jemand weiter als notwendig zurücktreten: Konjew. Schukow steht natürlich an der Spitze der Hierarchie, aber warum Konjew am Ende stehen muss, wird mir nicht klar. Konjew war zusammen mit Schukow in Berlin, und der einzige Grund, warum Schukow – und nicht Konjew – den Reichstag rot beflaggen lassen konnte, war ein Befehl Stalins, der Konjews Einheiten aus dem entsprechenden Kampfabschnitt abdrehen ließ.

Details, Details… aber das ist mein Blog und ich sage, was ich sagen will. 🙂

Ich habe keine Ahnung, warum diese Hierarchie in diesem Spiel überhaupt existiert. Eine Änderung der Vorgehensweise kann ich jedenfalls nicht beobachten, egal, wie gut oder wie schlecht ich den Gegner einstelle, es bleibt im Prinzip alles beim Alten. Nur Yamamoto macht etwas anders, und etwas Wichtiges dazu: Er baut eine Produktionsanlage in Südostasien.

Der Ausgangszeitpunkt des Spiels ist 1942, der Krieg steht auf der Kippe.
Die Japaner stehen in Asien und bedrängen das Britische Commenwealth, ebenso befindet sich die japanische Flotte im Marsch auf Midway. Die Sowjets sind eingequetscht zwischen dem ausgreifenden Japan (der Nichtangriffspakt von 1941 existiert hier nicht) und den Deutschen, die in Sichtweite von Leningrad und Moskau aufmarschieren.
Die Briten müssen ihre weit verstreuten Kolonien schützen und gleichzeitig das deutsche Kernland durch Bombardierung schwächen, während die Amerikaner zwar mit viel wirtschaftlicher Macht aufwarten, aber doch etwas weitab vom Schuss sitzen.
Noch habe ich nicht für jede Macht einmal gespiel – die Briten fehlen mir noch.

Die Sowjets
Da die computergesteuerten Alliierten ein unkoordinierter Haufen sind, stellt die UdSSR sowas wie eine gigantische Sechste Armee dar: Sie bindet Kräfte. Wirtschaftlich schwer angeschlagen kann der Sowjetspieler seine Niederlage nur hinauszögern (oder verhindern), indem er ausschließlich Infanterie baut und sich eingräbt, bis sich die Waagschale in die andere Richtung zu neigen beginnt – was möglicherweise nie passiert, und dann kann man am Nordrand des Baltikums plötzlich Wehrmachtssoldaten mit offenen Mündern sehen, wenn eines Tages die Japaner in Leningrad einmarschieren.
Die UdSSR ist massiv davon abhängig, dass die Briten die Ostsee von deutschen Truppentransportern freihalten und Afrika von dem nach ihm benannten Korps befreien, und dass die Amerikaner japanische Kräfte in den Pazifik zwingen, oder am besten: In Japan festhalten.
Als ich da zu Gange war, sind die Briten in Ägypten geschlagen worden, was dem Dritten Reich die Rohstoffe Afrikas auftat, und die Amerikaner konnten mit ihren Truppen nichts Rechtes anfangen, weil es ihnen an Transportraum fehlte und die Japaner jeden Flottenbau gleich in den Meeresgrund bohrten. Ergebnis: Japaner auf der Linie Leningrad-Suez. Die Briten hatten zwar das Deutsche Reich erobert, die Deutschen somit ausgeschaltet, dabei aber soviel Blutzoll gezahlt, dass gegen die Japaner nichts mehr auszurichten war.

Die Deutschen
Da läuft die Sache sehr interessant zum Teil. Da gibt es drei Schritte, die mir wichtig erschienen:
1. Die Sowjets in Schach halten, indem man die Infanteriedivisionen im Osten aufstockt. Dann bibbern die nämlich um Leningrad und Moskau, rüsten dort ebenfalls auf, aber dann haben sie weniger für den eigenen Osten. Um Eventualitäten an der Ostfront vorzubeugen, sollte man sich aus der Ukraine nach Osteuropa zurückziehen (weil: weniger Angriffsfläche – „Frontverkürzung“) und eine Handvoll Panzerdivisionen als Reichsreserve behalten. Panzer sind in der Abwehr nur genauso stark wie Infanterie, ihr Vorteil liegt in der Offensive (weil: höherer Punktewert und doppelte Reichweite). Und vom Reich aus kann man, wenn die Sache gut steht, sofort die Ukraine angreifen, um dort Truppenansammlungen zu zerschlagen.
2. Adolf Gallands Jagdreserve ist von strategischer Bedeutung. Starke Jagdverbände in Mitteleuropa halten nämlich Nord- und Ostsee sauber. Und wenn es keinen Transportraum in der Nordsee gibt, dann gibt es auch keine Landung in der Normandie (oder in Ostfriesland). Eine Aufstockung auf Bomber säubert auch den Atlantik von amerikanischen Konvois voller bewaffneter Leute, die unbedingt die Originalschauplätze von „Casablanca“ besichtigen wollen.
3. Wer Afrika beherrscht, gewinnt den Krieg. Ägypten muss also als erstes in deutsche Hand fallen und die Briten dann ganz aus Afrika verschwinden – das gibt entscheidende Produktionspunkte mehr. Und weil sich dank der Bomber in England kein Transporter lange im Mittelmeer hält, muss in Ägypten eine Fabrik gebaut werden. So kann sich die deutsche Südostfront selbst versorgen, und wenn Suez mal gesichert ist, dann ist der Weg nach Indien so gut wie frei. Aber auch hier gilt, dass in Ägypten eine Panzerreserve stehen muss, weil eben hin und wieder amerikanische Touristen in Algerien landen – aber nie mehr als zwei Divisionen, was den Aktionen den Charakter von Nadelstichen gibt.

Die Japaner
Wie Yamamoto es schon vormacht: Die Japaner brauchen eine Fabrik auf dem Festland. Das ist billiger, als die Trägerflotte im Japanischen Meer aufzurüsten, denn die ist, inklusive der Luftverbände, dazu notwendig, die Transporte von den japanischen Hauptinseln nach Asien zu gewährleisten.
Die Japaner müssen dazu nur die Amerikaner im Pazifik in Schach und auf Armlänge entfernt halten. Wenn keine amerikanischen Bomber die Transporter zum Festland versenken können, ist die UdSSR geliefert (weil die Landverbände der USA und der Briten in Asien quantitativ keine Gefahr darstellen und schnell überrannt werden können). Durch den Schild der Trägerschiffe sollte es auch problemlos möglich sein, in Australien zu landen. Die Schwächung der sowjetischen und britischen Wirtschaftkraft kommt dabei den Deutschen natürlich zu Gute – aber man sollte von der KI nie zu viel erwarten.

Die Vereinigten Staatsamerikaner
Ihr Wirtschaftssektor ist kaum angreifbar – die USA, die Karibik und Brasilien liegen außerhalb jeder feindlichen Bomberreichweite. Nur die Gebiete in Westchina, die man den USA aus Gründen des Spielgleichgewichts gegeben hat, sind gefährdet. Diese Gebiete zu halten, wäre natürlich ein Dorn in Japans Fleisch und könnte interessant werden. Dazu muss man in China eine Fabrik bauen, aber das habe ich noch nicht ausprobiert.
Als erstes greifen die Japaner Midway an und gewinnen mit höchster Wahrscheinlichkeit dort, wonach den Amerikanern noch ein Träger und ein Schlachtschiff bleiben, die sich im Schirm der kalifornischen Luftwaffe aufhalten, und die Japaner sind natürlich nicht willens, dieses Risiko einzugehen. Gleichzeitig unterlassen sie es auch, Midway einzunehmen, das sich in Bomberreichweite zum bereits genannten, wichtigen Japanischen Meer befindet. Noch bevor die Amerikaner ihre Flotte wieder aufrüsten, werden Bomber auf Midway stationiert. Die fegen die japanischen Truppentransporter von der Meeresoberfläche, und wenn keine da sind, können sie Rüstungsanlagen in Japan bombardieren. Der japanische Nachschub nach Asien kommt damit fast zum Erliegen (sofern die Japaner nicht eine Fabrik dort bauen). Die japanische Offensive trägt unter günstigen Bedingen dann bis an die Tore Moskaus und Jerusalems, aber dann bricht das System wie ein Kartenhaus zusammen.
Auf der anderen Seite der Welt müssen die USA nicht viel tun – da reichen ein paar Transporter mit Infanterie und Panzern, die dafür sorgen, dass die Deutschen aus Afrika verschwinden. Ohne Afrika ist Deutschland verloren, und das vor allem, wenn die Sowjets den Rücken frei haben.
Verlockend ist auch die Option, die Iberische Halbinsel zu besetzen und von dort aus Frankreich zu bedrohen. Ein neutrales Land zu besetzen, kostet ja nur wenige Industriepunkte.

Im Übrigen offenbart das Spiel eine Idiotie, die Briten und Amerikanern den garantierten Sieg über Japan gibt – Yamamotos Fabrik in Südostasien ist Segen und Fluch für Japan in einem. Der Grund ist, dass die KI zu dämlich ist, die Fabrik auch mit FlaK-Batterien zu schützen. Das bedeutet, dass amerikanische Marines so bald als möglich auf Sumatra landen, denen bald darauf die Air Force mit einer Reihe Bombergeschwader folgt. Von Sumatra aus kann man dann in aller Ruhe, ohne Verluste befürchten zu müssen, die strategische Bombardierung japanischer Produktionsanlagen vornehmen (die Briten können selbiges von Indien aus tun). Die japanische Kriegsproduktion kommt so über kurz oder lang völlig zum Erliegen und MacArthur kann ohne Rücksicht auf Verluste in China landen – „Wir haben Reserven, die nicht…“

Ich spiele das wirklich gerne… wenn auch nicht gerade für die Sowjets, die eine echte Herausforderung darstellen, angesichts des Mangels an „I“ in dem Kürzel „KI“.
Interessant an diesem Spiel ist auch, dass man beim gemeinsamen Spiel mit einem oder mehreren Freunden nicht unbedingt gegeneinander spielen muss. So manchem liegt das ja nicht. Interessant wäre auch eine deutsch-britische Einigung über Einflussphären in Afrika und ein Waffenstillstand in Europa. Die Deutschen könnten sich die Sowjets vornehmen (abgesehen von amerikanischen Luftangriffen von England aus und Materiallieferungen an die UdSSR, gegen die der britische Spieler ja nichts unternehmen kann), und die Briten können sich auf Japan konzentrieren.
Wahrscheinlich würden die Briten dadurch bevorteilt, weil sie sich Rohstoffe in Asien beschaffen können, während die Deutschen sich auf ein paar afrikanische Staaten beschränken müssten (abgesehen davon, dass sie wegen des britischen Stillhaltens gute Chancen haben, in Brasilien und vielleicht auch in Mexiko landen zu können).

Ein technischer Nachteil verbleibt dem Spiel, und ich glaube, der entsteht durch ein besonderes Feature des Spiels: Die Zeitmaschine. Diese Option erlaubt es, alle Spielzüge noch einmal anzusehen, zur Analyse und um an beliebiger Stelle einzusteigen und der Geschichte vielleicht eine andere Wendung zu geben.
Durch die Speicherung all dieser Züge, denke ich, wird der Speicher des Computers belastet, denn anders kann ich mir nicht erklären, dass mir das System irgendwann meldet, dass der virtuelle Speicher ausgelastet sei, und einmal ist mir das Spiel auch abgestürzt. Einige Dutzend Divisionen und eine gigantische Trägerflotte mit entsprechend doppelt so vielen Jagdgeschwadern allein meinerseits war offenbar zu viel des Guten.

12. März 2007

Mobile Student (Azugundam Daiô)

Filed under: Japan,Manga/Anime,Militaria — 42317 @ 12:06

Ich habe da einen witzigen Link… allerdings sollte man dafür mindestens die ersten beiden von drei Voraussetzungen erfüllen:

1. (obligatorisch) Azumanga Daiô kennen
2. (obligatorisch) Gundam Mobile Suits kennen
3. (optional) des Japanischen mächtig sein.

Mobile Student Site

Ein paar Originale zum Vergleich:

MS-07B

MS-07B

MS-15

MS-15


RX-77

RX-77


RX-75

RX-75


DOPP

DOPP


MIDEA

MIDEA


MAX-03

MAX-03


MA-05

MA-05


RB-79

RB-79


MA-04X

MA-04X


MUSAI

MUSAI


SCV-70

SCV-70


MAN-02

MAN-02


RX-78 GP03P

RX-78 etc

7. Februar 2007

Mir träumte…

Filed under: Militaria,My Life — 42317 @ 13:21

… etwas gar sonderbares.

In Anlehnung wohl an eine Übung, die ich anno 1999 tatsächlich erlebt habe, befand ich mich in einer öffentlichen Veranstaltung der Armee, wo es um eine Vorführung der Suche und Ergreifung böser Buben in einem dörflichen Milieu ging.
Zwei Szenen habe ich noch im Kopf:

1)
Marsch über eine staubige Nebenstraße im Sommer.
Neben der Straße ein Straßengraben mit etwas Wasser, jenseits davon eine grüne Wiese.
Am Wegrand, zwischen Straße und Straßengraben, sind Weißbrotsandwiches mit Butter und Erdbeermarmelade wie Dominosteine, aufrecht, hintereinander aufgereiht. Der Feldwebel zieht das Geländefahrzeug von der Straße, fährt mit den rechten Reifen jenseits vom Graben über die Wiese und mit den linken Reifen über die Sandwiches.

2)
Ich gehe in eine Zeltkneipe, wie man sie auf Volksfesten findet.
Da arbeitet einer der bösen Buben. Er ist etwas kleiner als ich und hat einen Schnurrbart, außerdem trägt er ein grünes T-Shirt. Sein Unterkörper ist hinter dem Tresen versteckt.
Am Tresen sitzt rechts ein Oberleutnant im Feldanzug, der als Schiedsrichter fungiert.
Links neben ihm noch jemand, dessen Funktion mir unklar ist. Diese Person trägt ein weißes T-Shirt und blaue Jeans.

Links neben dem Tresen befindet sich eine Schwingtür aus Plastik, in der Art, wie man sie an Duschkabinen findet. Von dorther trägt die Zielperson einen Kasten Bier herein.
Ich ziele mit dem Gewehr auf ihn und sage ihm, dass er stehen bleiben solle, vergesse aber den Zusatz, dass ich ihn sonst erschießen müsse. Der Schiedsrichter bleibt ungerührt, der Zuschauer ebenfalls.
Die Zielperson stellt den Bierkasten wortlos ab und geht ohne Eile durch die Tür wieder hinaus.
Ich stehe unschlüssig da. Ich bin (spieltechnisch) allein. Wenn ich hinterher gehe, könnte ich in eine Falle laufen. Aber er kommt wieder herein und hebt die Hände.
Was mache ich jetzt? In der Vorschrift steht geschrieben, dass einer mit der Waffe sichern soll, während der andere die Festnahme vornimmt.
Ich bin aber allein. Meine Unschlüssigkeit frustriert mich.
Da ich weiß, dass andere Kameraden in gleicher Mission irgendwo draußen unterwegs sind, rufe ich laut: „Könnte mal jemand dieses Arschloch festnehmen?“
„Wie war das eben?“
ruft mir der Schiedsrichter zu.
Oh… das ist nur eine Übung… und viele Leute sehen mir zu… da sollte man den Realismus besser sein lassen und zivilisiert auf Räuberjagd gehen.

22. Dezember 2006

Die Zukunft der künstlichen Intelligenz

Filed under: Japan,Militaria — 42317 @ 12:44

Frisch aus der online Ausgabe der Financial Times kommt heute ein Artikel zu diesem Thema.

Aus einer Reihe von 270 wissenschaftlichen Arbeiten über die Zukunft der KI stammt eine Abhandlung, die sagt, dass Arbeitsmaschinen (im Sinne von Robotern, Androiden) in 50 Jahren so weit entwickelt sein werden, dass man ihnen eigene Verfassungsrechte geben sollte und wohl auch muss.

http://www.ft.com/cms/s/5ae9b434-8f8e-11db-9ba3-0000779e2340.html

Einbeziehen sollte man dann auch ein politisches Stimmrecht, aber auch Pflichten wie Steuern und militärische Dienste (obwohl es mich persönlich nicht wundern würde, wenn die erste Generation von halbintelligenten Maschinen zuallererst für letzteres herangezogen würde). Die Vorteile einer schrittweisen Gleichberechtigung künstlicher Lebensformen wären größerer Wohlstand und erhöhte Produktionsleistung, aber dabei solle man auch nicht vergessen, dass der Weg dorthin mit einer erhöhten Belastung der Umwelt in Sachen Resourcenabbau, Energieverbrauch und Abfall beschwert sei.

Wie dem auch sei – es ist schon länger Zeit, dass man sich über die Ethik der Entwicklung und letztendlich des Einsatzes fortgeschrittener künstlicher Intelligenzen Gedanken macht – und zwar an höherer Stelle als in SciFi Foren, unter Filmemachern oder idealistischen Studenten und Doktoranten der entsprechenden Forschungszweige.

Ich erinnere mich an einen Tag im späten Dezember 2003, als ich in einem technischen Museum in Odaiba/Tokyo stand und mit der Helferin, die Besucherfragen zum Honda ASIMO beantworten sollte, eine Weile über die ethischen Implikationen immer intelligenterer Maschinen diskutierte. Ohne mein Tagebuch zur Hand zu haben (falscher Computer), kann ich die Einzelheiten nicht nachvollziehen, aber meine Bedenken, dass Roboter/Androiden zu äußerst unethischen Dingen herangezogen werden könnten, teilte sie nicht. Die Herangehensweise an dieses Thema ist in Japan ganz anders.

Vielleicht liegt es an der Darstellung in den dortigen Medien, dass ich den Eindruck gewinne, man entwickele in Japan Roboter nur zu Zwecken der Unterhaltung. Es gibt ja den Hund Aibo (Artificial Intelligence Bot von Sony), den ASIMO (Advanced Step in Innovative Mobility = Honda Humanoid Robot), der Fächertänze vorführt, und ein Gerät in Entwicklung, das auf Geriatrie (Altenpflege) spezialisiert sein soll.

ASIMO:

ASIMO

AIBO:

AIBO

Auf der anderen Seite vom Pazifik sieht das Ergebnis aktueller Forschungen so aus:

TALON SWORDS:

TALON SWORD

Die Unterschiede sind bezeichnend…
Zur Ehre der Amerikaner sollte man allerdings hinzufügen, dass für den TALON Roboter in erster Linie Versionen vorliegen, die für die Kampfmittelräumung und Aufklärung verwendet werden.

Künstliche Intelligenz wird in der Lage sein, eigenständig zu lernen, ohne, dass ein Mensch aktiv neue Daten eingeben muss. Sie wird in der Lage sein, sich über die eigene Existenz bewusst zu werden. Sie wird gegebenenfalls auch in der Lage sein, die eigene Situation und die anderer Roboter als „unwürdig“ zu empfinden. Eine denkende Maschine wird in der Lage sein, Rechte einzufordern – und in dem Fall sehe ich mich lieber einer japanischen Version gegenüber als dem „charmanten“ Zeitgenossen aus den USA.