Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

27. Juli 2008

Ignorant oder unbelehrbar

Filed under: My Life — 42317 @ 16:09

Es ist eine Weile her, also sollte ich mal wieder was zum Besten geben.

Zum Beispiel das Gewinnspiel, dass ich vor einiger Zeit im Alleencenter gesehen habe.
Auf der Ausstellungsfläche stand eine schwarze Limousine und ein aufgestelltes Schild wies darauf hin, dass es sich um ein Gewinnspiel handelte, bei dem man wohl das platzierte Auto gewinnen könne. Das in Regenbogenfarben glitzernde Nummernschild sagte „GEWINN“. Ich hätte natürlich nichts dagegen, einen Wagen zu gewinnen, den man für einen fünfstelligen Betrag wieder verkaufen kann, also sah ich mir die Angelegenheit mal an. Auf einem ebenfalls aufgestellten Tisch lagen die bunten Teilnahmekarten, wo man seine Daten eintragen sollte, bevor man sie durch den offenen Schlitz des Beifahrerfensters ins Innere des Wagens warf.

Ganz oben war natürlich groß zu lesen, um was es ging:
„Gewinnen Sie einen BMW Fünfhundertirgendwas!“ Die genaue Zahl habe ich vergessen. Ist auch unwichtig. Ich warf einen Blick auf den hier abgestellten Wagen. Es war ein Audi. Aha. Die Karte sagte weiterhin aus, dass man, wie üblich, Name, Geburtsdatum und Postanschrift angeben solle, allerdings waren auch E-Mail Adresse und Telefonnummer Pflichtfelder. Dann wollte ich mir natürlich die Teilnahmebedingungen nicht entgehen lassen, und in denen war zu lesen, dass ich mich bereit erkläre, mich von dem Veranstalter und den Sponsoren per Post, Mail und Telefon über weitere Gewinnspiele und „interessante Angebote“ informieren zu lassen. Von einem Widerrufsrecht keine Spur. Ich weiß nicht, ob ein solches gesetzlich verankert ist und nicht extra genannt werden muss, aber ich konnte nicht anders, als über die Aktion laut zu lachen.

In diesem Moment bewegte sich eine junge Mutter mit Kinderwagen auf die Rolltreppe zum Kaufland zu. Als sie realisierte, dass es sich bei dem Hindernis nicht um eine simple Werbeaktion handelte, sondern dass es da scheinbar was zu gewinnen gab, bog sie leicht ab, kam direkt zu dem Tisch, wo ich stand, nahm eine Karte, las, gemessen an der Zwischenzeit, die genannte Überschrift, und begann, den Teilnahmezettel auszufüllen. Neugierig, was wohl passieren würde, nahm ich meinen eigenen Zettel wieder zur Hand und las die Teilnahmebedingungen laut und deutlich vor.

Das schien die Gewinnwillige jedoch in keiner Weise zu beeindrucken. Sie füllte brav alle erforderlichen Felder aus und warf die Karte ins Auto, woraus ich durch die ungetönte Scheibe ihre persönlichen Daten problemlos ablesen konnte. Das traf natürlich auf die Mehrzahl der Zettel nicht zu, weil sie im Fußraum, zwischen den Sitzen oder einfach mit der beschrifteten Seite nach unten gelandet waren, aber einige waren eben lesbar und somit auch für Interessierte, die mit der Aktion rein gar nichts zu tun hatten, verwertbar.

Es ist interessant, dass sich fast jeder über Werbung beschwert, die ungefragt und unnötig im Briefkasten landet, aber scheinbar haben viele Leute kein Problem damit, sich eben für den Empfang überflüssiger, weil nie wahrgenommener, Angebote… anzubieten. Aber während ich zum Beipiel Briefwerbung ohne Zeitverlust ins Altpapier werfe, stören mich Werbemails schon mehr, und wenn mich irgendeiner wegen sowas unvermittelt anrufen würde, bestünde die Gefahr, dass es mir ernsthaft den Tag versaut. Okay, mein Mobilfunkanbieter ruft mich alle Jahre mal an, um mich über unnötige Angebote zu unterrichten, aber das könnte mich ja immerhin interessieren.

Letztlich hat sich in dem Bereich folgendes Gespräch mit einer Werbedame abgespielt:
„Herr Schwarz, wir danken Ihnen, dass sie sich letztes Jahr für uns entschieden haben. Was würden Sie davon halten, noch günstiger zu telefonieren und Geld zu sparen?“
„Das kommt drauf an, was es mich kostet.“
„(lacht) Für 3,50 Euro im Monat würden Sie dreißig Freiminuten erhalten. Der aufgerechnete Minutenpreis würde damit unter dem liegen, den Sie aktuell zahlen, und 30 Minuten werden Sie auf jeden Fall vertelefonieren.“
Ich konnte mal wieder nicht anders, als öffentlich laut zu lachen.
„Sie kennen natürlich meine Telefonrechnungen nicht. Ich habe im Monat eine Rechnung zwischen zwei und drei Euro.“
Eine Sekunde Stille, dann„(verwirrtes Gestammel)“
„Ich erzähl Ihnen keinen Scheiß. Ich telefoniere extrem wenig. Wenn ich Ihr Angebot annehme, würde meine Telefonrechnung steigen. Ich bin genau deswegen zu Ihnen gewechselt, weil ich dann keine Grundgebühr zahlen muss, die bei keinem Anbieter in einem vernünftigen Verhältnis zu meinen gesprächszeiten stehen würde.“
„Dann… belassen Sie Ihren Vertrag natürlich am besten so, wie er aktuell ist. Haben Sie vielen Dank.“
„Ich danke Ihnen für den lustigen Anruf.“