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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

21. Februar 2024

Donnerstag, 19.02.2004 – Der Fischkerker

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 9:01

Der Wecker klingelt heute um 08:30, damit wir den Zug um 11:45 noch kriegen. Und das klappt auch ganz hervorragend. Für 190 Yen zum Bahnhof, 650 Yen bis nach Aomori und 670 Yen vom Bahnhof bis zu der Bushaltestelle, die dem Aquarium am nächsten ist. Also etwas mehr als 11 E pro Fahrt. Bis zum Aquarium sind es ca. zehn Minuten Fußmarsch – und es ist ganz übel kalt, kälter als in Hirosaki. Wir führen das auf die Nähe zum Meer und den damit verbundenen Wind zurück. 200 Meter nördlich von uns, parallel zur Straße, rollen die Wellen sanft an den Strand. Beinahe wären wir an unserem Ziel vorbeigelaufen, weil das Gebäude eher wie eine Fischkonservenfabrik als wie eine Art Naturkundemuseum aussieht. Der Eintritt beträgt 1000 Yen. Ich würde sagen, dieser Tag war teuer. Mehr als 30 E Gesamtausgaben – für das Folgende:

Gleich in der Nähe des Eingangs befindet sich ein Becken mit Schildkröten, und zwar Schildkröten mit einem Durchmesser von ungefähr einem halben Meter. Das Becken ist etwa vier Meter lang, zwei Meter breit und drei Meter hoch (bzw. tief) und ist im Inneren völlig kahl. Mit himmelblauer Farbe angepinselt, die hier und da abbröckelt und von den Schildkröten angeknabbert wird.

Gegenüber davon befinden sich kleine Aquarien mit Tieren darin, die so groß sind, dass sie sich kaum bewegen können. Ich bin total begeistert. Der „Chinesische Riesensalamander“ z.B. macht nicht den Eindruck, als könne er mehr tun, als sich vielleicht einmal um die eigene Achse zu drehen. Ich würde gerne den Urheber dieser Behältnisse eine Zeitlang in einem Boxenhotel in Tokyo einsperren, wo die Schlafboxen etwa zwei Meter lag sind und etwa einen Meter Durchmesser aufweisen.

Eine Hauptattraktion ist ein Becken, durch das man mittels eines Tunnels unter der Wasseroberfläche hindurchgehen kann. Die Fische haben hier immerhin Platz, sich relativ frei zu bewegen. Da sind eine Menge Fische, die ich nicht benennen kann, aber auch kleine Haie, eine Art riesiger Wels und drei Rochen. Das Becken ist etwa viermal so groß wie das Schildkrötenbecken und immerhin mit künstlicher Vegetation versehen.

Ansonsten bietet das Museum so ziemlich alles, was im Pazifik zwischen Tokyo und San Francisco so haust. Auch Seelöwen, Pinguine und Seeotter. Wir sehen uns die Fütterung der Otter an. Es sind drei Stück und die haben wirklich Platz, meines Erachtens. Einer der Otter macht sich einen Spaß daraus, mit dem Kopf unter Wasser und dem Hintern an der Oberfläche schwimmend, die Zuschauer durch die Glasscheibe zu betrachten. Es sieht lustig aus. Im zweiten Stock gibt es auch Süßwasserfische, darunter Piranhas. Natürlich befindet sich an den Becken der dringende Hinweis, die Hand nicht ins Wasser zu halten.

Mein geringstes Gefallen findet die Delfinshow. Ich bin kein Freund der Idee, Meerestiere in einem viel zu kleinen Becken mit gechlortem Wasser zu halten und sie auch noch für Unterhaltungszwecke einzusetzen. Und als ob das nicht genug wäre, gibt es ein weiteres Delfinbecken, in dem zwei weitere der Säugetiere, laut Anzeigetafel,  in einer Mutter-Kind-Beziehung leben. Das Becken hat bestenfalls fünf Meter Durchmesser und ist vielleicht fünf Meter tief. Die Tiere schwimmen im Kreis wie es der Löwe im Käfig auf seinen vier Beinen macht.

Wir fahren wieder nach Hause. Eigentlich wollten wir mit SangSu was trinken gehen, aber wir sind zu müde, um uns heute noch ein Nomihôdai geben zu wollen. Aber wir entschließen uns spontan für ein Tabehôdai im Moo-Moo, als wir auf dem Nachhauseweg daran vorbeikommen. Wir stopfen uns also den Wanst kräftig mit Röstfleisch voll. Ich vermisse Dinge wie Ketchup oder Mayonnaise in diesem Laden.

Um 23:30 kommen wir wieder in Nakano an. Da wir morgen Abend ins Kino gehen wollen, wird entschieden, dass wir uns noch den „Herrn der Ringe“ ausleihen und ansehen, zunächst den ersten Teil. Moment mal!? War da nicht vor kurzer Zeit noch jemand müde gewesen? Ich leihe also „Fellowship of the Ring“ aus, und das für zwei Tage, weil ich ihn ja heute nicht mehr werde zurückgeben können. Warum wir allerdings nicht noch die paar Minuten bis nach Mitternacht gewartet haben, verschließt sich mir.

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