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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

21. Februar 2024

Samstag, 21.02.2004 – Prinzessinnen und Puppen

Filed under: Japan,Manga/Anime,My Life — 42317 @ 9:15

Strahlender Sonnenschein am Morgen durch unsere Balkontür macht das Weiterschlafen unter den sich aufheizenden Bettdecken unmöglich, also stehen wir auf. Es ist Samstag und wir haben „SailorMoon“ aufgenommen, aber wir stellen fest, dass 10 Minuten am Ende fehlen, weil das Band nicht lange genug war. Ich verschwende daher keine Zeit damit, mir den Anfang anzusehen, auch, weil die Bildqualität schreiend schlecht ist. Daher findet sich hier keine Zusammenfassung der Episode.
Melanie fasst deswegen den Plan, demnächst einen externen Videorekorder zu leihen, schließlich habe sich Angela ihre Waschmaschine ebenfalls nur geliehen. Aber ich halte das für unrealistisch. Eine Waschmaschine ist ein großes und teures Gerät, dessen Verleih sich lohnen könnte, weil nicht jeder die Mittel hat, sich eine eigene zu kaufen. Ein Videorekorder dagegen ist ein kleines Gerät, das sich jeder, der nicht gerade arm ist, leisten kann.

Wir sehen uns acht Episoden von „Scrapped Princess“ an und ich sehe, dass auch dies eine Serie ist, die ich haben möchte. Das nicht zuletzt deshalb, weil mir die Stimme der Hauptdarstellerin gut gefällt. Es handelt sich um Orikasa Fumiko, die der Mikan aus „Atashin’chi“ schon ihre Stimme leiht – und auch Prinzessin Else in „Zorori“ (und das hat Melanie aus „Zorori“ herausgehört, was mich in arges Erstaunen versetzt hat). Leider sind nur acht Episoden vorrätig, aber Ricci hat die übrigen 16 in Tokyo in sicherer Verwahrung.
Was mich sonst an der Serie reizt, ist das Setting, das mich an „Final Fantasy“ erinnert, wie es früher einmal war: Eine reine Fantasy-Welt mit Rittern und Magiern und Barden und all dem romantischen Zeug, hinter der eine vergessene Hochtechnologie steht. Es fallen Begriffe wie „DNA“ und „Programm“ und dergleichen, die dem normalen Einwohner einer solchen Welt natürlich nichts sagen. Aber lustig sind vor allem die Namen. Da heißen Leute u.a. „Mauser“, „Galil“, „Barrett“, „Steyr“ oder „Socom“, und eines der Pferde heißt „Dragunov“. Für die Unwissenden:

  • Mauser ist eine deutsche Waffenfirma in Oberndorf
  • Galil ist die Bezeichnung eines israelischen Sturmgewehrs
  • Barret ist ein Waffenproduzent in den USA
  • Steyr ist ein Waffenhersteller in Österreich
  • Socom ist die H&K Mk 23 Pistole, die in den USA hergestellt wird
  • Dragunov ist ein russisches Scharfschützengewehr

Die Serie handelt von Pacifica, die wohl eine verstoßene Prinzessin ist, die fast jeder gerne tot sehen möchte, weil geweissagt wurde, dass sie das Ende der Welt einläuten werde (oder etwas ähnlich Apokalyptisches). Dabei ist sie ein nettes Mädchen und tut keiner Fliege etwas zu Leide. Wahrscheinlich ist hier eine Verschwörung am Werk, die die wahre Prophezeiung unterschlagen (oder die gegebene falsch interpretiert) hat, weil dadurch ihre Machtbasis untergraben wird… aber das ist nach den ersten acht Episoden noch nicht annähernd klar. Pacifica wird begleitet von zwei sympathischen Militärmagiern, Bruder und Schwester, die für ihre Sicherheit sorgen, und gerade die Schwester hinterlässt in ihrer Fürsorge des Öfteren Trümmer und rauchende Ruinen, wie mir scheint.

Nachdem wir uns dann mehrere Stunden mit den „Humor“ Ordnern unserer Computer vergnügt haben (ich habe meine komplette, wenn auch kleine, Festplatte auf CD-ROM dabei), sehen wir zum Schluss noch „Karakuri Zôshi Ayatsuri Sakon“ – das, was man für gewöhnlich kurz „Ayatsuri Sakon“ nennt.

Freitag, 20.02.2004 – Die Rückkehr des Kinos

Filed under: Filme,Japan,My Life — 42317 @ 9:09

Um 08:45 werden wir abrupt von einem Eisblock geweckt, der vom Dach auf den Balkon fällt und dabei auch gleich einen der Plastik-Ziegel mitgerissen hat. Dann kann ich auch gleich aufstehen. Die anderen dösen weiter bis etwa 10:30.

Die Frage, die sich stellt, ist, ob Ronald und meine Wenigkeit nach unseren Mails sehen oder ob wir alle gemeinsam den zweiten Teil des „Herrn der Ringe“ ansehen sollen, um uns auf den Kinobesuch heute Abend einzustimmen. Beides geht nicht, dafür ist die Zeit zu knapp. Wir entscheiden uns für den Film. Ich bringe also den ersten Teil in die Videothek zurück und sehe mich umständlich nach dem zweiten Teil, „Die Zwei Türme“, um. Auf Grund der für mich nicht nachvollziehbaren Ordnung in der Videothek findet man den Film nämlich auf drei verschiedenen Regalen; ich glaube, bei „Fantasy“, unter „Ausländische Filme“, und bei den „beliebtesten Filmen“. Jahaa… der zweite Teil ist komplett ausgeliehen. Es wollen noch mehr Leute den zweiten Film sehen, bevor sie ins Kino gehen und den dritten ansehen.

Dann wird der Plan einfach umgekrempelt und ich gehe mit Ronald ins Center. Melanie und Ricci schauen sich derweil „Princess Tutu“ an. Es heißt, die Serie sei gut. Ronald ist natürlich wesentlich schneller fertig als ich und geht gegen 14:00 wieder zurück nach Nakano, während ich bis 15:45 bleibe und zu Fuß, eine Packung Toastbrot kauend, zum Ito Yôukadô gehe, um den Preis für den Bus zum Busbahnhof zu sparen. Das heißt, ich habe das Geld für den Bus ja eigentlich gerade verfuttert. Am Ito Yôkadô treffen wir uns dann also wieder und wir steigen um 16:20 in den Bus in Richtung „Sakurano“, das ist das Kaufhaus im Westen der Stadt, in dessen Umgebung sich das Kino befindet. Die anderen drei wollen im Sakurano noch ein paar Sachen kaufen (was normale Kinobesucher halt so brauchen). Wir kommen dadurch sehr pünktlich zur Vorstellung.

Und „Die Rückkehr des Königs“ ist ein wirklich gewaltiger Film, der sich in meiner DVD Sammlung gut machen wird. Ich persönlich empfehle ihn uneingeschränkt jedem, der dem Fantasy-Genre entfernt etwas abgewinnen kann. Natürlich hat der Film Punkte, bei denen ich mich am Hinterkopf kratzen musste. Nein, ich meine nicht die Szene, in der der Truchsess von Gondor einen herben Schlag auf den Kopf erhält, damit er mit seiner Aufforderung „Rette sich, wer kann!“ nicht weiter die Moral der Belagerten untergräbt. Ich meine z.B. diese an sich wirklich beeindruckend aussehenden Leuchtfeuer auf den Bergen, die, eines nach dem anderen, angezündet werden, um die Nachricht weiterzuleiten, dass Minas Thirit in Gefahr ist. Aber wie soll ich mir das vorstellen? Ich denke zwangsläufig an den Witz von Mittermeier, ob da die ganze Zeit einer am Flughafen sitze, der „vergesslichen“ Leuten noch kurz vor dem Abflug ihre Traveller-Schecks in die Hand drückt. So geht es mir mit diesen Feuern – nur extremer. Sitzen da jahraus, jahrein Leute auf den unwirtlichen, verschneiten Bergspitzen in ihren steinernen Behelfshütten und warten darauf, dass da unten in Gondor endlich die Kuh fliegt (wenn ich das mal so nennen darf)? Mal angenommen, diese Leuchtpositionen sind tatsächlich immer besetzt:

Wie schafft man Verpflegung zu den Leuten hoch?
Wo wird die Verpflegung gelagert?
Und die brauchen auch Brennholz, und zwar das ganze Jahr über – wo lagern die das Brennholz? Bestimmt nicht in dieser zeltgroßen Unterkunft!
Wie werden diese riesigen Holzstapel, die binnen Sekunden brennen wie ein ganzes Tanklager, trocken gehalten? Wie kommt man zu einem solchen Job? Strafversetzung? Da oben ist es langweilig ohne Ende.
Die Nachschubkarawane muss ein reines Himmelfahrtskommando sein, bedenkt man den möglichen technischen Standard der Bergsteiger von Tolkiens Welt. Wie viele Menschenleben werden eigentlich regelmäßig geopfert, um diese einsamen Posten zu versorgen?

Nicht zuletzt fand ich den „Flakscheinwerfer“ auf Barad Dûr sehr lustig. Ich habe durchaus begriffen, dass das Auge Saurons überall hinsehen kann – ich brauche den Lichtkegel nicht zur Unterstützung meiner Vorstellungskraft. Oder ist das ein Geschenk an Leute ohne Vorstellungskraft? Aber diese übergroße Taschenlampe fand ich, gelinde gesagt, überaus dämlich.
Und die beiden Über-Hobbits… die leiden so richtig schön gemeinsam. Es fehlt wirklich nur noch, dass sie sich ihre Liebe gestehen und sich dezent hinter einen Busch oder Felsen zurückziehen. Aber diese leidenden Blicke, mit denen sie sich ansehen und Sams hingebungsvolle Worte…

Bemerkenswert war auch, dass ein paar Reihen hinter uns nach 15 Minuten bereits ein lautes Schnarchen zu hören war. So langweilig ist der Auftakt dann doch nicht. Ja, ja… und als dann am Ende das Schiff davonsegelte, haben die beiden Mädchen in der Reihe vor uns hörbar geheult. Es sei ihnen gegönnt, sie waren wahrscheinlich nicht die einzigen im Saal. Mich hat die große Schlacht an sich viel mehr bewegt als sterbende Protagonisten oder davonsegelnde Helden. Dieser Film zeigt die schönste Darstellung von Niederreiten seit dem misslungenen Versuch in „Braveheart“, und erst jetzt weiß ich, was mir da entgangen ist.

Wir verlassen das Kino um 20:45. Laut Fahrplan fährt der letzte Bus um 20:25, aber Gerüchten zu Folge soll um 20:55 noch einer fahren. Diese Gerüchte sind allerdings eine Ente. Und ich muss mich fragen, welcher Idiot für diese Fahrtenplanung verantwortlich ist, weil die meisten Leute wohl nach 20:25 aus dem Kino kommen. Aber vielleicht handelt es sich auch um ein stilles Abkommen mit den Taxiunternehmen. Deren Wagen stehen nämlich in nicht geringer Zahl vor dem Kaufhaus in der Nähe der Haltestelle. Wir nehmen also ein Taxi und lassen uns zum „Skylark Gusto“, gegenüber vom Daiei, fahren, um was zu essen.
Ich esse eine sogenannte „Familienpizza“, die möglicherweise für eine vierköpfige Familie von Pygmäen oder für ein wenig hungriges japanisches Ehepaar mit Kleinkind reicht, aber nicht für einen hungrigen Dominik. Die Pizza ist reichlich mit Käse belegt und sie schmeckt gut, das ist ein Vorteil, aber sie hat nur 25 cm Durchmesser. Ich glaube, das geht in Deutschland als eine größere Kinderportion durch. Immerhin reicht mein Bauchgefühl hinterher sehr nahe an „Sättigung“ heran.

Um 23:00 sind wir wieder zuhause und Ricci legt sich auch sehr bald hin. Wir anderen unterhalten uns noch bis gegen zwei Uhr morgens.

Donnerstag, 19.02.2004 – Der Fischkerker

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 9:01

Der Wecker klingelt heute um 08:30, damit wir den Zug um 11:45 noch kriegen. Und das klappt auch ganz hervorragend. Für 190 Yen zum Bahnhof, 650 Yen bis nach Aomori und 670 Yen vom Bahnhof bis zu der Bushaltestelle, die dem Aquarium am nächsten ist. Also etwas mehr als 11 E pro Fahrt. Bis zum Aquarium sind es ca. zehn Minuten Fußmarsch – und es ist ganz übel kalt, kälter als in Hirosaki. Wir führen das auf die Nähe zum Meer und den damit verbundenen Wind zurück. 200 Meter nördlich von uns, parallel zur Straße, rollen die Wellen sanft an den Strand. Beinahe wären wir an unserem Ziel vorbeigelaufen, weil das Gebäude eher wie eine Fischkonservenfabrik als wie eine Art Naturkundemuseum aussieht. Der Eintritt beträgt 1000 Yen. Ich würde sagen, dieser Tag war teuer. Mehr als 30 E Gesamtausgaben – für das Folgende:

Gleich in der Nähe des Eingangs befindet sich ein Becken mit Schildkröten, und zwar Schildkröten mit einem Durchmesser von ungefähr einem halben Meter. Das Becken ist etwa vier Meter lang, zwei Meter breit und drei Meter hoch (bzw. tief) und ist im Inneren völlig kahl. Mit himmelblauer Farbe angepinselt, die hier und da abbröckelt und von den Schildkröten angeknabbert wird.

Gegenüber davon befinden sich kleine Aquarien mit Tieren darin, die so groß sind, dass sie sich kaum bewegen können. Ich bin total begeistert. Der „Chinesische Riesensalamander“ z.B. macht nicht den Eindruck, als könne er mehr tun, als sich vielleicht einmal um die eigene Achse zu drehen. Ich würde gerne den Urheber dieser Behältnisse eine Zeitlang in einem Boxenhotel in Tokyo einsperren, wo die Schlafboxen etwa zwei Meter lag sind und etwa einen Meter Durchmesser aufweisen.

Eine Hauptattraktion ist ein Becken, durch das man mittels eines Tunnels unter der Wasseroberfläche hindurchgehen kann. Die Fische haben hier immerhin Platz, sich relativ frei zu bewegen. Da sind eine Menge Fische, die ich nicht benennen kann, aber auch kleine Haie, eine Art riesiger Wels und drei Rochen. Das Becken ist etwa viermal so groß wie das Schildkrötenbecken und immerhin mit künstlicher Vegetation versehen.

Ansonsten bietet das Museum so ziemlich alles, was im Pazifik zwischen Tokyo und San Francisco so haust. Auch Seelöwen, Pinguine und Seeotter. Wir sehen uns die Fütterung der Otter an. Es sind drei Stück und die haben wirklich Platz, meines Erachtens. Einer der Otter macht sich einen Spaß daraus, mit dem Kopf unter Wasser und dem Hintern an der Oberfläche schwimmend, die Zuschauer durch die Glasscheibe zu betrachten. Es sieht lustig aus. Im zweiten Stock gibt es auch Süßwasserfische, darunter Piranhas. Natürlich befindet sich an den Becken der dringende Hinweis, die Hand nicht ins Wasser zu halten.

Mein geringstes Gefallen findet die Delfinshow. Ich bin kein Freund der Idee, Meerestiere in einem viel zu kleinen Becken mit gechlortem Wasser zu halten und sie auch noch für Unterhaltungszwecke einzusetzen. Und als ob das nicht genug wäre, gibt es ein weiteres Delfinbecken, in dem zwei weitere der Säugetiere, laut Anzeigetafel,  in einer Mutter-Kind-Beziehung leben. Das Becken hat bestenfalls fünf Meter Durchmesser und ist vielleicht fünf Meter tief. Die Tiere schwimmen im Kreis wie es der Löwe im Käfig auf seinen vier Beinen macht.

Wir fahren wieder nach Hause. Eigentlich wollten wir mit SangSu was trinken gehen, aber wir sind zu müde, um uns heute noch ein Nomihôdai geben zu wollen. Aber wir entschließen uns spontan für ein Tabehôdai im Moo-Moo, als wir auf dem Nachhauseweg daran vorbeikommen. Wir stopfen uns also den Wanst kräftig mit Röstfleisch voll. Ich vermisse Dinge wie Ketchup oder Mayonnaise in diesem Laden.

Um 23:30 kommen wir wieder in Nakano an. Da wir morgen Abend ins Kino gehen wollen, wird entschieden, dass wir uns noch den „Herrn der Ringe“ ausleihen und ansehen, zunächst den ersten Teil. Moment mal!? War da nicht vor kurzer Zeit noch jemand müde gewesen? Ich leihe also „Fellowship of the Ring“ aus, und das für zwei Tage, weil ich ihn ja heute nicht mehr werde zurückgeben können. Warum wir allerdings nicht noch die paar Minuten bis nach Mitternacht gewartet haben, verschließt sich mir.