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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

26. Februar 2024

Donnerstag, 26.02.2004 – Was ist EURO-SCART?

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Über Nacht hat es wieder geschneit, also wieder Schluss mit Fahrrad. Und das Wetter hält den ganzen Tag über an. Ich gehe ins Seikyô[1] und besorge mir was Lockeres zum Lesen: „The ODESSA File“ von Frederick Forsyth. Ich habe ein ungeheures Verlangen danach, wieder einmal einen Roman zu lesen.

In der Bibliothek passiert nichts Spannendes.
Eigentlich passiert gar nichts.

Das „spannende“ Element des Tages tritt erst am Abend auf: Japanische Videorekorder sind ganz anders als europäische, ja ja – und das nicht nur in Bezug auf das Bildformat und den Bildschirmtext. Das Modell, das Melanie gekauft hat, besitzt weder einen Scart-Anschluss noch einen für mich als solchen zu erkennenden Antennenstecker. Es gibt nur Cinch Ein- und Ausgänge und zwei Metallstäbe mit Außengewinde, die etwa zwei Zentimeter lang aus der Rückseite des Gerätes herausragen. Einer davon ist beschriftet mit „UHF“, also „Ultra High Frequency“, zu Deutsch „Ultrakurzwelle“, kurz „UKW“. Und das sind Radiofrequenzen. Ich habe keine Ahnung, was das soll.

Das nächste Problem: Dies ist ein Stereo-Videorekorder, der dem entsprechend ein dreipoliges Cinchkabel besitzt: Ein Strang für Bild, und zwei für Ton, links und rechts. Aber wir verfügen nur über einen Mono-Fernseher, der seinerseits dem entsprechend nur zwei Cincheingänge besitzt – einen für Bild und einen für Ton. Ich verspüre nicht die geringste Motivation, mich mit nur einer Tonspur aus den Lautsprechern zufrieden zu geben. Das Gerät wird eingepackt und morgen wieder zurückgegeben. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal für ein Mono-Gerät entschließen müsste – ich dachte, dieser Mist sei längst aus der Produktion.

Ich gehe am Abend noch einmal einkaufen. Von dem Schnee ist jetzt nicht mehr viel übrig, die Straße ist frei, also nehme ich das Fahrrad. Ja… die Straße ist frei von Schnee. Aber ich hätte daran denken sollen, dass die kleine Kurve da vorne, nur 50 Meter vom Haus weg, sehr anfällig für Frost ist, weil der Wind an der Ecke vorbei pfeift. Ich muss also noch nicht einmal besonders schnell fahren – der Hinterreifen rutscht mir weg und ich stelle noch einmal Bodenkontakt her, diesmal exakt waagerecht. Ich schaffe es, richtig zu fallen – „richtig“ im Sinne von „knochenschonend“. Und zum Glück befindet sich die Kurve noch in unserer kleinen Nebenstraße, also bestand keine Gefahr, gleich im Anschluss auch noch überrollt zu werden.

Ich stehe wieder auf und prüfe meine Knochen und Gelenke. Wenn man stürzt, spürt man oft erst später, dass etwas nicht in Ordnung ist, also vergewissere ich mich lieber sofort. Alles lässt sich bewegen, keine Knubbel und Dellen, wo keine hingehören, hüpfen kann ich auch. Ah, am rechten Ellenbogen brennt es etwas. Aber die Jacke ist nicht beschädigt. Ich nehme also an, dass ich noch nicht einmal eine Schürfwunde davongetragen habe.

Ich fahre dennoch mit dem Fahrrad weiter, wenn auch bedeutend langsamer. Ansonsten treffe ich auf keine vereisten Abschnitte und komme unversehrt wieder zurück. Ich ziehe meinen Pullover aus und begutachte meinen Ellenbogen. Er ist vom Aufprall etwas gerötet, aber kein bisschen geschwollen. Noch nicht einmal Hautabschürfungen sind zu sehen. Ich kann mir vorstellen, dass meine besorgte Mutter dieses „Abenteuer“ überhaupt nicht lustig finden wird… aber es ist wirklich nichts passiert.


[1] Das ist der Schreibwarenladen auf dem Campus.