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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

14. Februar 2024

Samstag, 14.02.2004 – Kultour

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Neuer Tag, neues Glück. Für heute ist ein Besuch des hiesigen Tempels und der historischen Häuser hinter dem Rathaus angesetzt. Wir fahren mit dem Bus in Richtung Stadtmitte und steigen an der kleinen Geflügelbraterei aus. Wir biegen dann links in die Nebenstraße ein, gehen an dem überdachten Trinkwasserbrunnen vorbei, über die Brücke mit ihrem roten Geländer und erreichen wenige Minuten darauf das verschneite Tempelgelände. Wir gehen auch noch die paar Schritte bis zum Schrein, vor dem ein mehr als ein Meter hoher Schneewall liegt, den wir erst übersteigen müssen, um das Gelände auf der anderen Seite wieder verlassen zu können.[1] Ricci verliert in dem relativ weichen Haufen ihren Schuh, den sie, mit eiskalter Füllung, aus der weißen Masse erst wieder herausfischen muss.

Dann gehen wir in Richtung Rathaus, unterbrochen von einem Zwischenstopp in einem Konbini. Auf dieser kurzen Strecke äußert Melanie zweimal den Verdacht, dass wir bestimmt einen Umweg gegangen seien, aber ich weiß genau, wo wir sind und dass es der richtige Weg zu unserem Ziel ist. Unser erstes Ziel ist die alte Bibliothek, die ich bereits vor einigen Wochen beschrieben habe, ebenso wie das Lehrerhaus, wo wir die Geschichtsbücher von 1870 und „Meyers Konversationslexikon“ bewundern, bevor wir in das Kulturzentrum nebenan gehen, da unsere Eintrittskarte für 320 Yen alle diese Attraktionen abdeckt. Während dieser Tour beschließen Melanie und Ronald, heute Abend saarländische Mehlklöße zu machen – „Geheirate“ –, mit Kartoffeln und Speckrahmsoße.
Die beiden gehen also im Anschluss also in den „Universe“ Supermarkt, aber weder mir noch Ricci ist danach, sie dorthin zu begleiten. Ich kann Einkaufstouren nicht ausstehen und Ricci ist heute schon genug gelaufen. Wir gehen also nach Nakano zurück. Auch Ricci geht langsam. Aber erstens ist ihr Fitness-Zustand bedenklicher als der von Melanie, zweitens trägt sie (wie bereits erwähnt) Turnschuhe, die sofort durchnässen, sobald sie sich dem Schnee auch nur auf einen Meter nähern, drittens ist sie die Straßenverhältnisse nicht unbedingt gewohnt (auf glattem Schnee zu gehen ist doppelt anstrengend) und viertens habe ich es ja selbst nicht eilig, da es nichts zu verpassen gibt. Der Weg vom Rathaus nach Hause dürfte so etwa eine Stunde gedauert haben, und weil die anderen beiden auf dem Rückweg wohl einen Bus genommen haben, kommen sie nur fünf Minuten nach uns an.
Wir essen auch bald und ich bin sehr froh, mehr als erwartet, noch einmal die Gelegenheit erhalten zu haben, dieses heimatliche Gericht zu essen. Trotz kleinerer, aber unbedeutender Mängel.

Nachdem wir am Morgen das Making Of von „SailorMoon“ (2003) gesehen haben, ist heute der Rest der „Fumoffu!“ Serie dran, zuzüglich der beiden Episoden, die nie im Fernsehen ausgestrahlt worden sind. Ich bin sehr begeistert von dieser Serie. Muss ich haben. Da das Center während der Winterferien geöffnet hat, kann ich die CDs ja dort brennen, um Riccis Computer nicht zu sehr zu belasten. Ja, das heißt, das ist zwar in diesem Moment mein Plan, aber was mir noch nicht aufgefallen ist: Davon hat sie keine CDs, die ich mitnehmen könnte. Die Episoden befinden sich noch auf ihrer Festplatte. Dann muss es halt so gehen.

Am Abend geht Melanie noch in den HotSpar, um etwas zu kaufen. Aber nach 45 Minuten ist sie noch nicht wieder zurück. Der kleine Laden liegt aber nicht einmal 200 m weit weg. Mir wird schlecht. Ich ziehe mich an und gehe sie suchen. Der Angestellte sagt, sie sei da gewesen – aber vor mehr als zwanzig Minuten, mindestens. Ich klappere die anderen Konbini in der Gegend und den BenyMart auch noch ab, aber auch da ist sie nicht. Mein Abendessen läuft im Magen Amok und mir springt eine Zeile in den Sinn, die mir jemand mal geschrieben hat:
„Ich finde Dich auch am Nordpol!“
Im Falle des Falles – was sollte ich ihr wohl sagen? Aber ich finde meine Sorge unbegründet. Melanie ist wieder da. Sie ist nach Nishihiro gegangen, weil sie das, was sie suchte, im HotSpar nicht gefunden hatte. Mein Magen entspannt sich merklich. Ich fühle mich geradezu erschlagen vor Erleichterung.


[1]   Tempel und Schrein sind hier Nachbarn.