Sonntag, 22.02.2004 – Video bis zum Abwinken
Wir sehen uns heute eine Episode der Realserie „Good Luck“, zwei Episoden des Anime „Tsuki-hime“, und jeweils vier Episoden der Anime „Prince of Tennis“ und „DNAngel“ an.
Bei „Good Luck“ handelt es sich um eine Realserie, deren Protagonist ein junger Kopilot bei einer japanischen Fluggesellschaft ist. Er sieht gut aus und die Stewardessen bemühen sich um seine Gunst, aber das lässt ihn kalt. Der Rest ist nach einem noch einfacheren Muster gestrickt und ich prophezeie: Am Ende der Serie wird er sich gegen seinen starrsinnigen und überpeniblen Vorgesetzten durchgesetzt, die Pilotenveteranen von seinen Fähigkeiten überzeugt haben, und mit der gut aussehenden Mechanikerin (Shibasaki Kô) zusammenkommen, die ihn gleich zu Beginn heftig angeschnauzt hat. Noch mehr? Ich rate, dass der Vorgesetzte deshalb so penibel ist, weil er einmal leichtsinnig gehandelt hat, wobei wahrscheinlich Menschenleben zumindest gefährdet wurden. Und ich rate weiterhin, dass die Mechanikerin diesen Job deshalb gewählt hat, weil ein ihr nahe stehender Verwandter wegen eines Wartungsfehlers der Bodencrew sein Leben verloren hat. Ich bin davon überzeugt, nicht mehr als eine Episode sehen zu müssen, um das zu wissen. Und das liegt nicht daran, dass ich vielleicht ein helles Köpfchen wäre, sondern daran, dass die Serien alle ein ähnliches Strickmuster haben und Gesten und Bemerkungen immer so schrecklich offensichtlich sind, wenn man ein wenig Erfahrung mit solchen Serien hat. „Good Luck“ interessiert mich nicht. Auch das Charisma eines Takenaka Naoto (Hauptdarsteller in dem bereits ansatzweise beschriebenen Drama „Lion Seinsei“) und die reizende Shibasaki Kô retten die Serie nicht.
„Tsuki-hime“ wird von vielen Leuten gelobt, in alle himmlischen Höhen, zumindest von so ziemlich jedem, der sich im Animetric Forum tummelt (und die Serie auch gesehen hat). Und die Serie ist auch nicht so schrecklich durchsichtig wie die eben erwähnte Realserie (das macht Animeserien im Schnitt besser als Realserien). Aber ich finde „Tsuki-hime“ irgendwie… uninteressant. Ich finde in der Serie keine Charaktere, die ich sympathisch finden kann, und das ist für mich eine wichtige Voraussetzung, wenn es darum geht, zu beschließen, ob ich etwas weiterhin ansehe oder nicht. Die haben alle irgendwelche dunklen Geheimnisse, was an sich nichts Übles ist, aber die Stimmung ist so derart melancholisch, dass mir der Spaß vergeht. Der Held der Geschichte (nennen wir ihn mal so, obwohl er es nicht verdient) hat hin und wieder Aussetzer, in denen er irgendwelche Leute mit seinem (zumindest nicht kleinen) Taschenmesser in Stücke schneidet. Na hurra. Und er sieht irgendwelche Linien… als Kind noch erhält er von einer geheimnisvollen jungen Frau eine Brille, die diese Linien vor seinen Augen verbirgt und ihm ein „normales“ Bild seiner Umgebung vermittelt.
Ich ziehe später Informationen ein und erfahre, dass diese Linien die Schwachstellen physischer Körper darstellen, seien es leblose Gegenstände, Humanoide, Tiere oder Pflanzen. Ich sage deshalb „Humanoide“, weil in dieser Serie Vampire und andere Nicht-Menschen auftreten, die für gewöhnlich nicht gerade leicht zu töten sind. Unser so genannter Held hat den Drang entwickelt, die sich ihm offenbarenden Schwachpunkte physischer Objekte zu zerschneiden, auch wenn es sich dabei um Menschen handelt. Aber er ist sich dieser Taten nicht voll bewusst und wacht morgens auf – die Spuren sind auf geheimnisvolle Art und Weise beseitigt – und hat das Gefühl, einen Albtraum gehabt zu haben. Eines Tages gerät er an einen weiblichen Vampir, den er flugs filettiert, zu ihrem eigenen Erstaunen. Aber sie kommt ja wieder und spricht ihn darauf an, wie er es wohl geschafft haben mag, sie in 17 Einzelteile zu zerlegen (und nennt ihm jedes einzelne Stück Schaschlik).
Das Geheimnis wird zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht gelöst. Jetzt werde ich im Forum garantiert gelöchert, der Serie eine Chance zu geben. Vielleicht tue ich das noch, ir-gend-wann.
Bei „Prince of Tennis“ geht es ganz bestimmt nicht um Fußball. Da folgt ein Match auf das andere, mit irren und utopischen Spezialattacken und Taktiken. Mehr gibt es da nicht. Da wird nur Tennis gespielt, habe ich den Eindruck. Nebenbei gibt es ein paar Minuten sonstiger Handlung pro Folge, wenn nicht gerade ein wichtiges Spiel ansteht, das sich dann schon mal über mehr als eine Episode hinziehen kann.
Der aufmerksame Leser fragt sich an dieser Stelle natürlich, warum ich mir dann „Ace o nerae!“ ansehe? Da geht es auch nur um Tennis (wenn auch mit etwas mehr Handlung zwischen Training und Spiel)! Aber einfache Fragen haben einfache Antworten: Man nehme ein Bild von Echizen Ryôma in die eine und ein Bild von Ueto Aya in die andere Hand, betrachte die Bilder sorgfältig und bedenke dabei, dass ich ein männlicher Fernsehzuschauer bin. Da liegt die Antwort wirklich auf der Hand.
Gegen acht Uhr fährt Melanie los um zu sehen, ob das „Ramen auf Rädern“ an seinem Platz vor der Mittelschule steht. Ja, der kleine LKW steht da und wir ziehen los. Leider ist der Wagen zum gegebenen Zeitpunkt gerade besetzt und wir müssen warten, bis die Gäste gegangen sind. Einer ist immer noch drinnen, aber der Platz reicht jetzt auch für uns vier.
Wir sitzen dann einige Minuten am Tisch, ohne dass etwas passiert. Da es hier nur ein Gericht gibt, nämlich ganz normale Ramen in Suppe mit Fleisch und Lauch, gehen wir einen Moment davon aus, dass man das Essen nicht extra zu bestellen brauche. Natürlich ist das eine Fehlannahme. Es gibt zwar nur ein Gericht, aber man kann es modifizieren lassen, indem man ein Reisbällchen dazu möchte, oder vielleicht eine doppelte Portion Fleisch. Schließlich durchschaue ich das Procedere, zeige dem Wirt mit dem feschen weißen Handtuch um den Kopf vier Finger und sage „Onegai shimasu!“, worauf die Küche in Bewegung gerät.
Ich bin wie üblich sehr zufrieden mit dem Essen, und Melanie ebenso. Über Ricci kann ich keine Aussage machen, aber Ronald schien, untertrieben ausgedrückt, wenig begeistert, weil die Nudelsuppe seines Erachtens etwas fett gewesen sei. Natürlich kann man einwerfen, dass er offenbar nichts gegen fettiges Essen bei „Kentucky Fried Chicken“ habe, aber zu seiner Verteidigung: Das ist eine andere Art von Fettigkeit. Auf der Nudelsuppe hier sieht man große Fettaugen, und die sind nicht jedermanns Sache, gerade bei Rinderfett.
Wir kehren nach Hause zurück und sehen uns die ersten vier Folgen von „DNAngel“ an. Ich würde es eine „Magical-Girl-Serie mit männlicher Hauptrolle“ nennen. Im Grunde genommen sieht man hier das männliche Gegenstück zu „Kamikaze Kaitô Jeanne“. Auch hier verwandelt sich der Held in einen Meisterdieb (genetisches Familienerbe) und er kündigt seine Diebstähle ebenfalls vorher an. Er hat Flügel wie ein Engel (nur halt schwarz) und trickst die in Hundertschaften angetretene Polizeitruppe aus. Dennoch… ich möchte noch mehr davon sehen. Der Soundtrack gefällt mir sehr gut und die Charaktere sind sehr sympathisch. Außerdem habe ich auch von „Kamikaze Kaitô Jeanne“ nicht so schrecklich viel gesehen.