Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

18. Februar 2024

Mittwoch, 18.02.2004 – Kung Fu statt Ping Pong

Filed under: Filme,Japan,My Life — 42317 @ 7:00

Wir stehen um 08:45 auf, strahlender Sonnenschein nach einer verschneiten Nacht. Um 11:30 gehen wir zum Bus und fahren zum Bahnhof, weil wir, also Ricci, Ronald, Melanie und ich, nach Aomori fahren wollen, um dort ein Aquarium zu besichtigen. Ich kann mir spannendere Dinge vorstellen, als potentiellem Sushi beim Schwimmen zuzusehen, aber was soll’s.
Melanie hat aus unerfindlichen Gründen auf ihre sonst akribische Planung verzichtet, weil sie (und nicht nur sie) davon ausgegangen ist, dass in schönster Regelmäßigkeit ein Zug in die Hauptstadt der Präfektur fahren werde. Ja, der nächste fährt schon um 12:45, aber der Vermerk auf dem Fahrplan sagt entweder, dass man dafür hätte vorbestellen müssen, oder dass der Zug ausgebucht sei… eher das erstere, denke ich. Aber selbst eine solche Aussage kommt mir arg seltsam vor. Wie dem auch sei, der nächste Zug fährt laut Fahrplan um 13:45. Dann kämen wir aber so spät im Aquarium an, dass wir nur noch etwa eine Stunde Zeit hätten, bevor der Laden zumacht. Diese Hetze will aber keiner von uns in Kauf nehmen, also wird ein Einkaufsbummel aus dem für heute geplanten Ausflug. Wir verlagern die Aktion auf morgen und gehen ins Ito Yôkadô.

Die anderen sehen sich nach irgendwelchen Sachen um, für die ich mich kaum weniger interessieren könnte als für ausgetretene Fußmatten, also verziehe ich mich in die Spieleabteilung und bitte darum, mich dort abzuholen, sobald sie hier fertig seien. Ronald will eigentlich noch eine Hülle für seinen Kanjitank kaufen, aber der Laden, wo ich mein Gerät mit Hülle gekauft habe, hat geschlossen. Und zwar für immer. Ein bedeutender Teil des Stockwerks wird umgebaut. Der 100-Yen-Shop aus dem dritten Stock wird diese Stelle einnehmen. Das wird ein reichlich großer 100-Yen-Shop.

Wir gehen schließlich nach Hause und wollen uns irgendein ein Video ansehen, ein Live Action Video – also mit echten Schauspielern, nicht animiert. In der Videothek wogt die Diskussion 15 Minuten lang hin und her (ohne mich, weil mir das Ergebnis gleichgültig ist) und schließlich wird beschlossen, das Video auszuleihen, das in der Abteilung für Humor auf Platz Eins der beliebtesten Filme steht. Der Film heißt „Ping Pong“. Offenbar eine Komödie mit Schwerpunkt auf Tischtennisspielern. Daran hatte ich in meinem ganzen Leben noch kein echtes Interesse, aber warum nicht. Man soll nichts für schlecht halten, was man nicht selbst gesehen hat.

Aber dieser Film gibt mir von Anfang an ein schlechtes Gefühl. Die Hauptperson ist ein junger Mann, der offenbar sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hat, als Ping Pong zu spielen, und er trägt eine Frisur zur Schau wie Jim Carrey in „Dumm und Dümmer“. Und bald darauf weiß ich eins: „Dumm und Dümmer“ ist  allemal und definitiv ein besserer Film als „Ping Pong“!
Wenn das hier eine Komödie sein soll, dann entgehen uns die humoristischen Elemente völlig. Dieser Film ist stinklangweilig. Die „Frisur“ und sein bester Freund spielen natürlich auch auf Turnieren, wo sie – ebenso  natürlich wegen der Natur der Sachen Turniere und TV-Unterhaltung – auch auf starke Gegner treffen. Da wäre zum Beispiel ein rivalisierendes japanisches Team, dessen Mitglieder in ihren schwarzen Sportkleidern und mit den rasierten Glatzen aussehen wie Klone des wohl populärsten Fußballschiedsrichters dieser Zeit. Das einzig lustige an der Mannschaft: Da ist einer dabei, der wegen seiner Kopfform und Brille aussieht wie Nikolas Kieker. Und dann gibt es noch einen unfreundlichen Chinesen, der aussieht, als könne er den sadistischen Aufseher eines Umerziehungslagers in Zentralchina wesentlich besser spielen als einen Sportler.

Wir brechen den Film nach der Hälfte ab und besorgen uns was Neues: „Shaolin Soccer“. Das ist lustig und das Geld wert. Trotz kantonesischen Originaltons mit japanischen Untertiteln. Eine Gruppe ehemaliger Shaolin Mönche (also Kung Fu Spezialisten) spielt… eine Art Fußball. Das heißt, eigentlich handelt es sich dabei um Kung Fu Kämpfe, erweitert um einige Fußballregeln… oder eigentlich nur um den Ball. Der Humor des Films kommt von der endlosen Übertreibung, derer sich die Macher bedient haben. Da werden Mauern mit Fußbällen gesprengt oder Getränkedosen in dieselben hineingetrieben, und das auf unglaubliche Entfernungen, und erst die Spezialtechniken auf dem Spielfeld…

Den übrigen Abend verbringen wir mit „freier Diskussion“ und alten Schulgeschichten, was ich sehr genieße, weil Ronald und meine Wenigkeit ja die gleiche Schule besucht haben. Um 23:30 bringe ich den Film zurück und der Tag endet.

Schreibe einen Kommentar