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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

11. März 2009

Schon mal was von Blindtexten gehört?

Filed under: Uncategorized — 42317 @ 11:25

Ich hatte jedenfalls noch nie von sowas gehört, bin aber erst heute über das BILDblog darüber gestolpert, wo wegen eines peinlichen Fehlers der BILD Zeitung ein Link zu einem Generator zu finden ist, wo man Beispiele sehen und eine Erklärung lesen kann.

Dort heißt es:

„Blindtexte nennt man Texte, die bei der Produktion von Publikationen oder Webseiten als Platzhalter für spätere Inhalte stehen, wenn der eigentliche Text noch nicht vorhanden ist. Sie werden auch als Dummy-, Füll- oder Platzhaltertexte bezeichnet. (…)

Blindtexte werden ebenfalls zur Demonstration der Gestalt verschiedener Schrifttypen und zu Layoutzwecken verwendet. Sie ergeben in der Regel keinen inhaltlichen Sinn. Aufgrund ihrer verbreiteten Funktion als Fülltext für das Layout kommt einer Nicht-Lesbarkeit besondere Bedeutung zu, da die menschliche Wahrnehmung u.a. darauf ausgerichtet ist, bestimmte Muster und Wiederholungen zu erkennen. Ist die Verteilung der Buchstaben und die Länge der „Worte“ willkürlich, lenkt beispielsweise nichts von der Beurteilung der Wirkung und Lesbarkeit verschiedener Schriftarten (Typografie) sowie der Verteilung des Textes auf der Seite (Layout oder Satzspiegel) ab. Deshalb bestehen Blindtexte meist aus einer mehr oder weniger willkürlichen Folge von Wörtern oder Silben. (…)

Als bekanntester Blindtext gilt der Text „Lorem ipsum“, der seinen Ursprung im 16. Jahrhundert haben soll. Lorem ipsum ist in einer pseudo-lateinischen Sprache verfasst, die ungefähr dem „natürlichen“ Latein entspricht. In Ihm finden sich eine Reihe realer lateinischer Wörter. Auch dieser Blindtext ist unverständlich gehalten, imitiert jedoch den Rhythmus der meisten europäischen Sprachen in lateinischer Schrift. Der Vorteil des lateinischen Ursprungs und der relativen Sinnlosigkeit von Lorem ipsum ist, dass der Text weder die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht noch von der Gestaltung ablenkt.

Ein Nachteil liegt jedoch darin begründet, dass im Lateinischen bestimmte Buchstaben häufiger und andere seltener vorkommen, was ein anderes Druckbild erzeugt. Zudem werden im Lateinischen nur Satzanfänge groß geschrieben, so dass Lorem ipsum die generelle Substantivgroßschreibung der deutschen Sprache nicht abbilden kann.“

Als Beispiele dienen das genannte Lorem Ipsum, auf Latein, in einem europäischen Sprachmix, und auch in einer deutschen Fassung, bekannte Zeilen aus den Kurzgeschichten von Kafka, auch Werther ist dabei. Interessanterweise verstößt der Generator allerdings gegen die in der Beschreibung genannten Regel, dass es sich grundsätzlich um Nonsenstexte handelt, denn die Beispiele „Webstandards“ und „Typoblindtext“ sind eindeutig kohärente Texte. Sie labern zwar uninteressantes Zeug daher, sind aber Texte, deren Sätze aufeinander aufbauen. Zumindest mehr oder weniger. Aber ich will mir ja gar keinen Kommentar anmaßen, denn dazu habe ich viel zu wenig Ahnung vom Thema. Aber schön fand ich den hier:

Hinter den Wortbergen

Weit hinten, hinter den Wortbergen, fern der Länder Vokalien und Konsonantien leben die Blindtexte. Abgeschieden wohnen Sie in Buchstabhausen an der Küste des Semantik, eines großen Sprachozeans. Ein kleines Bächlein namens Duden fließt durch ihren Ort und versorgt sie mit den nötigen Regelialien.

Es ist ein paradiesmatisches Land, in dem einem gebratene Satzteile in den Mund fliegen. Nicht einmal von der allmächtigen Interpunktion werden die Blindtexte beherrscht – ein geradezu unorthographisches Leben. Eines Tages aber beschloß eine kleine Zeile Blindtext, ihr Name war Lorem Ipsum, hinaus zu gehen in die weite Grammatik.

Der große Oxmox riet ihr davon ab, da es dort wimmele von bösen Kommata, wilden Fragezeichen und hinterhältigen Semikoli, doch das Blindtextchen ließ sich nicht beirren. Es packte seine sieben Versalien, schob sich sein Initial in den Gürtel und machte sich auf den Weg.

Als es die ersten Hügel des Kursivgebirges erklommen hatte, warf es einen letzten Blick zurück auf die Skyline seiner Heimatstadt Buchstabhausen, die Headline von Alphabetdorf und die Subline seiner eigenen Straße, der Zeilengasse. Wehmütig lief ihm eine rethorische Frage über die Wange, dann setzte es seinen Weg fort. Unterwegs traf es eine Copy.

Die Copy warnte das Blindtextchen, da, wo sie herkäme wäre sie zigmal umgeschrieben worden und alles, was von ihrem Ursprung noch übrig wäre, sei das Wort „und“ und das Blindtextchen solle umkehren und wieder in sein eigenes, sicheres Land zurückkehren. Doch alles Gutzureden konnte es nicht überzeugen und so dauerte es nicht lange, bis ihm ein paar heimtückische Werbetexter auflauerten, es mit Longe und Parole betrunken machten und es dann in ihre Agentur schleppten, wo sie es für ihre Projekte wieder und wieder mißbrauchten. Und wenn es nicht umgeschrieben wurde, dann benutzen Sie es immer noch.

Eine Antwort zu “Schon mal was von Blindtexten gehört?”

  1. W.S.K. sagt:

    Ähm, ja, ich weiß seit fast zwei Monaten etwas von Blindtexten.

    Ein ganz furchtbar wichtiger Kunde hatte die Dinger in Beispielkapiteln seines Buches. Lateinisch, vermutlich der „Lorem ipsum“-Text. Und ich frage schafsblöd am Telefon, ob diese Texte auch übersetzt werden müssen…

    …passiert mir nicht nochmal. 😉

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