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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

15. Dezember 2007

Es war schön, wie’s war

Filed under: My Life — 42317 @ 18:42

Meine jährliche Silvesterfeier war bereits eine kleine Tradition. Alljährlich würde ich meine alten Freunde einladen, um bei mir zuhause im Gau zu feiern. Es gab immer ein dolles Essen, meist war auch der Wein gut, die Gespräche waren unterhaltsam, wenn es auch immer um die gleichen Themen ging, irgendwie, aber wenn man sich nur einmal im Jahr so zusammenfindet, dann sollte das erlaubt sein.

Aber damit ist Schluss. Es waren tolle „Events“, ich habe sie immer genossen, die alten Sprüche, die niveaulosen Witze, die bekloppten Diskussionen… aber mangels Interesse meiner alten Freunde ist es mit diesem Brauchtum nach zehn Jahren und sieben Partys nun aus.

Das heißt, das Interesse ist noch immer da, aber im Laufe der Zeit haben sich Verschiebungen im sozialen Umfeld eingestellt, die die Entscheidungsfindung der Betroffenen nachhaltig verändert haben und weiterhin beeinflussen.
Einfacher ausgedrückt: Meine Party ist zur Ersatzveranstaltung für Leute ohne feste Freundin geworden.

Wenn ich böse (und dumm) wäre, würde ich behaupten, dass die Frauen und Freundinnen unsere alte Gemeinschaft zerstört hätten. Aber das wäre ungerecht. Denn die haben ja nicht die Absicht, irgendjemandes Brauchtum über den Haufen zu werfen, und ich kann meinen Freunden ja nicht vorwerfen, dass sie Silvester lieber mit Frau oder Freundin verbringen.

Es ist für die Damen auch recht schwierig, sich an einem solchen Abend nicht zu langweilen. Da sitzen dann sechs oder sieben Jungs (ähem, aktuell um die 30 Jahre alt) um den Tisch, die sich (mittlerweile) seit 19 oder mehr Jahren kennen, die zusammen zur Schule gegangen sind. Das ist ein Punkt, der Gespräche erzeugt, die für die weiblichen Neueinsteiger kaum zur Unterhaltung geeignet sind. Und dann wäre da noch der hohe Anteil von ehemaligen Wehrdienstleistenden. Bei den Erinnerungen an den StUffz Goldhorn und was er mit Wasserdesinfektionspillen zu tun hat schläft Dir jede Frau ein. Deshalb wäre es unfair, jemandem etwas nachzutragen, ganz zu schweigen davon, dass diejenigen, die zu treffen ich bereits die Freude hatte, mir auch sehr sympathisch waren und sind.

In den besten Zeiten war ein Dutzend Leute in dem Kellerraum anwesend. Dieses Jahr habe ich drei Zusagen erhalten. Und nachdem im vergangenen Jahr nur einer gekommen ist, habe ich vor etwa 50 Wochen gesagt: „Wenn die nächste Feier auch mangels Leuten ausfällt, wird es die letzte gewesen sein.“ Und das war kein resignierter, leichtfertiger Seufzer, das habe ich durchaus ernst gemeint. Es lohnt sich ganz einfach nicht mehr, dafür stundenlang im Zug zu sitzen, das Essen zu kaufen und zuzubereiten, den Keller sauber zu machen und im Anschluss bis um 0400 alles aufzuräumen. Nicht für vier Leute.

Also auch wenn meine drei letzten Zusager noch darauf bestehen, irgendwas zusammen zu unternehmen, wird 2007 das letzte Jahr in der bisherigen Reihe der Gersheimer Silvesterpartys gewesen sein. Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Das ist normal, also akzeptieren wir es am besten.
Aber ich bin ein Mensch mit einer sentimentalen Ader… ich spüre eine deutliche Melancholie und ein Gefühl von Trauer.

Also Augen geradeaus, sehen wir nach vorn. Meine eigene Freundin jedenfalls freut sich darüber, dass ich Silvester mit ihr verbringe (und anderen Freunden, die wir in Trier kennen), und das ist viel wert. In der Regel sind wir in den Jahren unseres Zusammenlebens zu Weihnachten und zu Silvester getrennte Wege gegangen. Zu Weihnachten wird das auch vorerst so bleiben, denn wir sind beide Scheidungskinder, wir haben also jeder zwei Parteien, die besucht werden wollen, da hat jeder von uns die Weihnachtsfeiertage über genug zu tun.

Mit Silvester lag die Sache halt ein bisschen anders, und das hing mit meiner sentimentalen Natur zusammen. Es ist wohl etwa 15 Jahre her, dass in meinem Umfeld die ersten Freundinnen auftauchten. Die wollten natürlich Aufmerksamkeit, und so verschwanden die ersten meiner Bekannten aus gemeinsamen Planungen (und da ging’s meist um Rollenspielnachmittage). „Nein, ich kann nicht kommen, meine Freundin will was anderes machen.“ Und ich war davon nicht begeistert. Ich kam mir doch ein bisschen verlassen vor. Also sagte ich mir, dass ich meine Freundin nicht sakrosankt über meine Freunde stellen würde.

Das wurde nach Ende der Schulzeit erst richtig bedeutend, weil wir plötzlich alle woanders wohnten. Meine Freundin würde mich jeden Tag in ihrer Nähe haben, aber die alten Freunde sah ich nur noch ein oder zweimal im Jahr, da würde ich mir diese Gelegenheiten nicht auch noch nehmen lassen, nur weil meine Freundin das (aus ihrer Sicht nicht ungerechtfertigt) langweilig fand. Daher führte ich die Trennung an Silvester ein. Ich feierte mit den Freunden im Gau, Melanie mit ihren Freunden in Trier. Es hat ihr vielleicht nicht gefallen, aber wir leben beide noch.

Aber nicht jeder findet diese Einstellung positiv. Und deswegen ist Silvester in den vergangenen zwei Jahren radikal eingeschrumpft. Ich kann es mit meinem Gewissen und mit meinen Gefühlen vereinbaren, getrennt zu feiern, aber andere können das nicht, und das ist in Ordnung, schließlich freut es mich ja auch, wenn meine Freunde glückliche Beziehungen haben.

In diesem Sinne sage ich dieser Ära lebewohl.
Es war schön, wie’s war, aber jetzt suche ich was anderes.

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