Code Alpha

Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

9. April 2010

FreeOrion – eine Runde Zeitverschwendung

Filed under: Spiele — 42317 @ 23:25

Vor langer langer Zeit kaufte ich „Master of Orion 2“. Leider stammt das Spiel aus einem Zeitalter, in dem es mit der Entwicklung einer internetgestützten Multiplayeroption noch arg haperte: Da brauchte man einen Klienten für das „Total Entertainment Network“ von Microprose, und das existiert heute nur noch in Sagen und Legenden, in denen es heißt, es gebe in den USA hier und da noch ein paar Knotenpunkte. „Master of Orion 2“ lässt sich daher nur über Nullmodem zu zweit spielen, das bedeutet Rechnertransport mit allen damit verbundenen Unbequemlichkeiten und Gefahren.

Jetzt ist es wiederum ein paar wenige Jahre her, dass mir ein Freund den Hinweis gab, dass eine kostenfreie Klonversion des Spiels existiere, das den Vorteil böte, per Internet spielen zu können, und nun hatte ich endlich Gelegenheit: Was auf den ersten Blick sehr vielversprechend aussah, entpuppte sich schon sehr bald als unausgegorene Testversion, ein gerade so spielbares Skelett, dessen Weiterentwicklung scheinbar seit Jahren dahin dümpelt, wenn man die Seite der Anbieter betrachtet.
Der Download wird angeboten von Chip.de, wo sagenhafte 89 % der Downloader das Werk als gut bezeichneten – sind die alle bescheuert?

Rein optisch macht die Sache was her, mehr als das Original. Die grafische Darstellung ist sicherlich sehr gut. Mir geht es allerdings um brauchbare Spielinhalte, und nur am Rande um Grafik.
Zum Beispiel kann man nicht die Sternensysteme, sondern nur einzelne Planeten umbenennen, und mir ist völlig schleierhaft geblieben, warum ich in dem neu besiedelten System rein gar nicht bauen konnte, obwohl der Vorrat an dafür benötigten Rohstoffen vorhanden war.
Es gibt keine statistischen Informationen. Man muss Veränderungen der Resourcenangaben einfach so hinnehmen, ohne eine Erklärung dafür zu erhalten, warum zum Beispiel die Handelsbilanz auf einmal in den Keller geht. Eine Art Auflistung der Ausgaben und Einnahmen der Resourcen fehlt ebenso wie eine anschauliche Übersicht über das Imperium allgemein.
Der Zusammenhang zwischen Nahrung und Bevölkerungswachstum (oder -rückgang) wird einem nie so recht klar – wenn nicht genug zu essen da ist, verschwinden von einem Zug zum nächsten Bürger, obwohl unter der Statusanzeige für Nahrung unter Umständen mehrere Tausend Einheiten angezeigt werden. Es wäre wohl sinnvoll, die Bevölkerung erst dann verhungern zu lassen, wenn die Vorräte aufgebraucht sind!?
Wie bitte? Ich habe vielleicht vergessen, Frachter zum Transport der Nahrung bereitzustellen? Nein, die hab ich nicht vergessen, es gibt keine Frachter im Forschungs- oder Produktionsmenü.
Das Forschungsmenü ist, bei aller überwältigenden Ideenfülle und gegenseitiger Abhängigkeit verschiedener Forschungszweige, ein Buch mit sieben Siegeln: Zwar gibt es zu jedem Punkt eine tolle Erklärung, um was es sich handelt, allerdings bieten nur die wenigsten dieser Beschreibungen einen Anhaltspunkt dafür, was denn die Entwicklung dieser Technik bringt.

Überspringen wir ein paar Unstimmigkeiten (wie zum Beispiel, dass Schwarze Löcher wie Sternsysteme funktionieren und Planeten haben) und kommen gleich zum Spielziel: Derzeit besteht es aus der Vernichtung aller Gegner. Davon gibt es drei auf der Galaxiekarte, die auch immer die gleiche ist, und die Völker, die keine sich von einander unterscheidenden Merkmale aufweisen, befinden sich auch immer an der gleichen Stelle – die Spiele sind also recht vorhersehbar.
Am allertollsten: Die vom Computer „gesteuerten“ Teilnehmer tun rein gar nichts. Die sitzen in ihren Systemen und warten auf den Feind. Sie entwickeln nichts, sie bauen nichts, sie schicken keine Späher und Kolonieschiffe aus. Wenn man dann mit eigenen Schiffen in ihr Heimatsystem eindringt, wird im Hintergrund das Ergebnis ausgewürfelt und dann das Ergebnis präsentiert – der statistisch Stärkere gewinnt und verliert vielleicht ein Schiff dabei. Eine diplomatische Option gibt es nicht – alle Teilnehmer befinden sich automatisch mit allen anderen im Krieg!
Hat man alle drei Gegner besiegt, wird einem das im Rundenbericht mitgeteilt, in etwa „You achieved victory by being sole survivor“. Was nicht heißt, dass das Spiel dann endet, nein, es geht weiter, endlos. Abschalten muss man selber, wenn nichts mehr zu tun ist.
Ich empfehle, gleich im Anschluss zum deinstallieren überzugehen.