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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

10. Juni 2008

Baccano!

Filed under: Manga/Anime — 42317 @ 17:42

Es ist schon eine Herausforderung, etwas über Baccano!“ zu sagen, aber wenn ich die Serie für das kommende Programm des ACT vorschlagen will, dann muss ich gemäß meiner selbst gesetzten Regeln etwas sinnvolles darüber zu Papier bringen (im übertragenden Sinne, da diese Zeilen vermutlich nie auf Papier landen werden).

Angesetzt in den USA der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts findet man eine Ansammlung von Charakteren, die alle mehr oder minder mit der Mafia zusammenhängen, deren verschiedene Familien in blutige Fehden um Macht und Überleben verstrickt sind, aber es geht nicht um illegale Whiskeybars oder Al Capone, obwohl Mafiaterrorismus durchaus eine Rolle spielt. Denn es gibt da eine heterogene Gruppe von Unsterblichen mit Regenerationsfähigkeiten, die ganze Clans von Highlandern beschämen würden, erschaffen von einer dämonischen Präsenz, die nur einem von ihnen das Rezept für das Elixir verraten hat. Aber die Jagd verschiedener Leute nach diesem Wissen ist nur ein Teil des Ganzen.

„Baccano!“ anzusehen, kann den Zuschauer in große Verwirrung stürzen, denn die Geschichte entfaltet sich wie eine Trilogie, und davon alle Bücher zur gleichen Zeit. Man muss Storyelemente aus den Jahren 1930, 1931 und 1932 im Auge behalten, die in nicht-chronologischer Reihenfolge szenenweise dargeboten werden. Das wiederum macht es am Ende jedoch um so interessanter, zu sehen, wie die einzelnen Fäden zusammengefügt werden, um ein Ganzes zu ergeben, aber bis dahin erlebt man wirklich irre Erzählweise, die schon mit der Einführung in die Geschichte durch Charaktere beginnt, die keine Rolle in dem Erzählten spielen.

Ich fand die Charaktere sehr interessant, möglicherweise aus dem Grund, dass es sich bei fast allen um hochgradig erfahrene Kämpfer und Killer handelt, und die Darstellung ihres Könnens hält geradezu grotesk brutale Szenen bereit, ohne jedoch geschmacklos und gewaltverherrlichend zu wirken. Mit Ausnahme von Miria und Isaac, einem Paar geistig minderbemittelter, aber wohlmeinender Räuber mit einer Menge Glück zu ihren Diensten, gibt es kaum einen Charakter, der wirklich sympathisch wäre (über Ennis könnte man reden…), was an sich ein fetter Minuspunkt ist… was an sich ein fetter Minuspunkt wäre, wenn die Ansammlung von mehr oder minder unsympathischen Gesellen nicht auch dicke Boni auf „Coolness“ hätten. Es handelt sich um eine „garstige“ Art von Coolness, aber dennoch… ich meine zum Beispiel, sobald man den so genannten „Rail Tracer“ mit seinem verzerrten Sinn für Gerechtigkeit zu mögen beginnt, tut er etwas… abartiges. Von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, kann man auch an den abgefahrensten Vertretern dieser Leute doch noch eine menschliche Seite erkennen.

Die Animationsqualität ist sehr gut, dasselbe lässt sich über die Choreografie von Kämpfen sagen, sehr spannend und ein Genuss für Actionfans, mit regelmäßigen Cliffhangern, wenn die Story von einer Handlungsebene zur nächsten wechselt.

Der Hintergrundsoundtrack bleibt seinem Namen treu und bleibt im Hintergrund. In diesem Falle ist das ein echter Bonus, und zwar nicht, weil die Musik schlecht wäre, sondern ganz im Gegenteil, weil die Musik sehr schön zur Zeit und zur Stimmung der Szenen passt und die Serie so ganz hervorragend untermalt. Wenn man den Soundtrack für sich allein anhört, wird man schnell zu dem Urteil kommen, dass er eigentlich nur was ist für Freunde von Fahrstuhl- und Smooth Jazz Lounge Music.

Um zu meinem Lieblingsthema zu kommen, kann ich der Synchro ein großes Lob aussprechen, und das, obwohl man keine großen Namen in der Sprecherliste findet, mit Ausnahme von Yamaguchi Kappei (Inuyasha) in einer kleinen Nebenrolle als irrer Foltermeister der Mafia mit einer Vorliebe für Scheren.

„Baccano!“ lädt ganz eindeutig dazu ein, mehrfach angesehen zu werden, um den Zusammenhang der Handlungsfäden neu zu überdenken, sofern man nicht von dem hohen Grad an Gewalt abgeschreckt wird, mit einer Unzahl von Schusslöchern, Messerschnitten, spritzendem Blut, platzenden Köpfen und abgetrennter Gliedmaßen. Es mag schwierig sein, nach einem Mal ansehen die Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinander zu verstehen, und es gibt eine Menge Charaktere. Offenbar genügend, um die Produzenten dazu zu verleiten, die Namen in jedem Intro laufen zu lassen.

Amüsant dabei wirkt, dass es sich um eine Liste von Namen handelt, die der Schöpfer für italienische, deutsche und amerikanische Namen hielt:

„Isaac Dian“,
„Miria Harvent“,
„Firo Prochainezo“,
„Maiza Avaro“,
„Keith, Berga and Luck Gandor“,
„Szilard Quates“,
„Ennis“,
„Lua Klein“,
„Ladd Russo“,
„Chane Laforet“
„Nice Holystone“ (pronounced like „niece“),
„Jacuzzi Splot“,
„Eve and Dallas Genoard“,
„Czeslaw Meyer“.

Einige davon mögen realistisch sein, die meisten sind es, denke ich, nicht. Aber ich glaube, wenn nicht alle Namen so schön lesbar in westlicher Schrift im Intro auftauchen würden, dann hätten die Leute, die die Untertitel zur Verfügung gestellt haben, ein paar echt harte Nüsse zu knacken gehabt.

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