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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

4. Juli 2009

Taktische Brutalität

Filed under: Spiele — 42317 @ 18:12

Gerade eben habe ich es durch Zufall gesehen: Bloodbowl wurde als PC Spiel veröffentlicht und steht für 50 Euro im Neuheitenregal.

Diese in der Nähe des Warhammer-Universums angesiedelte  Fantasy-Parodie auf American Football wurde erstmals 1987 von Games Workshop als Brettspiel veröffentlicht.
Etwa zur Mitte der Neunziger kam ich über einen Freund damit in Berührung und bestritt ein Spiel mit einem menschlichen Team gegen Orks. Das Spielkonzept ist in der Tat cool, die Miniaturen sind sehr schön (um so mehr, wenn man sich ihrer farblichen Gestaltung gewidmet hat), und die Regeln, ich weiß nicht, welche Edition damals aktuell war, sind meines Erachtens gut und gründlich ausgearbeitet.
Ich spielte allerdings nur einmal und suchte nie wieder nach einer Gelegenheit, ein Rematch zu veranstalten. Das hing auch gar nicht damit zusammen, dass mich meine Niederlage gekränkt hätte, sondern damit, dass ich nach Betrachtung der Optionen zu dem Schluss kam, dass ein Orkteam bei gleichem Erfahrungsstand unüberwindliche Vorteile gegenüber einem Menschenteam besitzt.

Die Menschen bewegen sich agiler als die Orks und haben wohl hier und da ein paar leichte Vorteile bei Würfen, bei denen es um Geschicklichkeit geht. Allerdings sind sie nicht so viel schneller als Orks, als dass sie ihnen davonlaufen könnten, und ihre Passfähigkeiten sind auf dem niedrigten Erfahrungsstand, den meine Spieler hatten, bestenfalls für Trainingsspiele zu gebrauchen.  Was die körperliche Verfassung anbelangt, so sind alle Teamspieler reichlich durchschnittlich. Um ein Spiel zu gewinnen, müssen die Menschen ein intelligentes und schnelles Passspiel hinlegen, und den Gegner durch Kombinationen austricksen. Aber das geht natürlich nur in dem Fall, dass genügend Stammspieler genügend Spiele überleben, um sich einer solchen Spielsicherheit erfreuen zu können.

Die Orks dagegen müssen gar nichts können. Orkische Mittelfeldspieler sind große Schränke aus Muskeln und Knochen. Die müssen nicht schnell sein. Die traben locker über den Rasen und moschen alles weg, was sie aufzuhalten versucht. Der Versuch, so einen Killer zu tackeln endet nicht selten mit der Verletzung des Angreifers, während der Ork sich lediglich das Blut von den Schuhen wischen muss. Was interessiert die intelligentes Passspiel? An diesen Bouncern kommt keiner vorbei, die müssen sich nur den Ball unter den Arm klemmen und auf das gegnerische Tor zugehen.

Und nu kommt der Spaß also als PC Variante, deren Systemanforderungen mir anzusehen ich mich erst gar nicht getraut habe. Vielleicht war es eine gute Idee, dieses Konzept elektronisch aufzulegen, nachdem Speedball 1988 und MUDS 1990 gewissermaßen die Pioniere dieser Art von Computerspielen waren, denn schließlich kann man dieses Genre ja nicht einfach aussterben lassen, oder? Die auf YouTube auffindbaren Trailer und Gameplay Videos sehen in ihrer düsteren Buntheit jedenfalls interessant aus.

Eine Antwort zu “Taktische Brutalität”

  1. W.S.K. sagt:

    Wer hätte das gedacht – dieses Erscheinen ist mir auch nicht entgangen. Für einen eventuellen neuen Rechner 2010 ist es jedenfalls vorgemerkt. Mein aktueller Rechner dürfte das Spiel zwar gerade eben stemmen, meine Spieleplanung in den nächsten Monaten hat aber eher einen Focus auf Telltale Games – und dem breitfrontigen Monkey Island Revival (welches dir in der Tat entgangen sein könnte 🙂 )

    Die Regeln des „Blood Bowl“-Computerspiels dürften SEHR nahe an der Edition sein, die wir vor 10 Jahren per Tabletop gespielt haben. Seit der 2nd edition wurden die Regeln kaum mehr geändert, es gab eben immer nur neue Teams; und für das Computerspiel ist im taktischen Modus eine eins-zu-eins Umsetzung versprochen (es gibt wohl aber auch die Speedball-variante). Die taktischen Überlegungen, die du hier angesprochen hast, kann ich gut nachvollziehen, wenn auch in weniger umfangreicher Form. Tatsächlich sind Menschen und Orks nur die Mitte eines reichen Spektrums aus schneller-und-verletzlicher sowie brutaler-und-langsamer. Die Halblinge gibt es in der virtuellen Variante wohl nicht mehr. Die waren mehr ein Spaßteam, langsam, ungeschickt und SEHR verletzlich: Da konnte man sich während eines Spiel mal eben von drei vierteln seines Teams verabschieden. Aber Halblinge waren dafür billig einzukaufen, und vermutlich die Gaudi zu spielen, wenn man den Humor zum Verlieren besitzt! Die Brutalos gibt es allerdings wieder, mit den Orks am unteren Ende…

    Durch Starspieler kann offenbar jedes Team Schwächen in der Angriffskraft zum Teil ausgleichen. Menschen dürfen Oger aufs Feld führen, Goblins dürfen einen Troll haben. Zwerge dürfen ihre traditionelle Dampfwalze aufs Feld führen. Schnelligkeit und Geschicklichkeit erkauft sich dagegen kein Team so leicht. Wie ausgewogen die Teams dadurch werden, kann ich natürlich nicht sagen. Allerdings: Mein Elfenteam hat damals fast alle Spiele gewonnen, insbesondere gegen Orks. Man muss nur auf diese Schwarzorks aufpassen, uiuiui! 😉

    Gegen schnellere Teams muss ein langsames/angriffsstarkes ausgesprochen geschickt taktieren, um nicht zu verlieren. Wenn einem allerdings reicht, das gegnerische Team einfach nur übel vermöbelt zu haben, dafür aber 3:1 zu verlieren – dann wähle doch lieber die Zwerge statt Orks…

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