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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

1. Januar 2018

Op da schäl Seit (Teil 4)

Filed under: Arbeitswelt — 42317 @ 20:53

Ich präsentieren an dieser Stelle ein paar Fotos, die ich im Sommer 2014 gemacht habe. Streng genommen habe ich die ersten beiden noch als Transofahrer gemacht.

Wie man sieht, ist es von Bitburg nicht weit bis nach Gondor.

Da wundert es einen wenig, dass auch ein berühmter Zwerg in der Nähe lebt: Das Grab in Khazad-dûm ist offenbar eine Fälschung, denn Durin hat sich lediglich in Neidenbach aufs Altenteil zurückgezogen.

In Königswinter fand ich den folgenden Handwerksbetrieb, und ich muss sagen, dass ich den Namen etwas unvorteilhaft finde; wer will schon „Ochsenfurz“ heißen?

Im Juli traf ich im Industriegebiet auf eine Angestellte, die ich sofort bitten musste, ihr Auto fotografieren zu dürfen:

Und von hinten:

Und wenn ich schon bei Anime-Referenzen bin, musste mir dieses Fahrzeug doch ebenfalls auffallen:

Hier ein Blick ins Rheintal oberhalb von Linz, in der Nähe des Krankenhauses. Auf den Höhen war das schönste Wetter, aber der Rhein kochte eine dicke Suppe aus, die einem auf Uferhöhe eine Sichtweite von weniger als 100 m bescherte.

Mein altes Navi, das ich vom Großvater übernommen hatte, starb in dem Jahr einen langsamen Tod. Die Antenne, die Verbindung zum GPS-Satelliten hielt, versagte immer mehr den Dienst. Da kamen dann solche Kuriositäten raus:

1193046 Stunden sind übrigens 136 Jahre, zwei Monate, neun Tage und sechs Stunden.
Das überträfe sogar die ollen Israeliten, die damals, beim Exodus aus Ägypten, für die 420 km (Luftlinie) vom Nil bis nach Jerusalem knapp 40 Jahre gebraucht haben.

Zuletzt eine kulinarische Angelehenheit:

Dieses konkrete Schild steht jedes Jahr vor einem Restaurant in Bad Honnef, aber eine Anzahl weitere in der ganzen Gegend verheißen einfach nur frische Pfifferlinge. Irgendwann konnte ich mich des Gedankens an eine schmackhafte Soße nicht mehr erwehren und betrat ein kleines Lokal mit einem entsprechenden Werbeschild. Ich ging zur Bedienung fragte nach den Pilzen. Die verstand erst gar nicht, was ich von ihr wollte und rief den Chef herbei. Nach ein paar weiteren Sätzen klärte sich das Missverständnis: Lokale mit der Werbung „Frische Pfifferlinge“ (und deren Abarten) verkaufen keineswegs frische Pfifferlinge, sondern zum Beispiel Schnitzel mit Pommes, die man mit einer Soße übergießt, in der eben jene Pilze zu finden sind. Zum Hinsetzen und Schnitzel essen hatte ich in jenem Jahr allerdings noch keine Zeit.

Am 15. September 2014 kam es zu einem tödlichen Unfall auf der Bundesstraße bei Bad Hönningen, direkt auf der Brücke, die das Dorf überspannt. Die Situation ließ es zu, die Bundesstraße einspurig um den Unfall herum zu leiten und die Polizei winkte den Verkehr hin und her. Als ich vorbeifuhr, es könnte kurz nach acht Uhr morgens gewesen sein, waren die beteiligten Fahrer bereits vom Rettungsdienst abtransportiert, die Spurensicherung war beendet und die Fahrzeuge warteten noch darauf, abgeschleppt zu werden. Als die Fahrzeuge am Nachmittag weg waren, konnte sich auch ein Laie ein genaueres Bild vom Unfallhergang machen.

Wie es der Zufall will, existieren noch Fotos einer Lokalzeitung im Internet:

Wie man sehen kann, handelt es sich wohl um einen getunten Polo. Schlussfolgerung: Der Fahrer verließ sich auf dem Weg zur Arbeit blind auf die Beschleunigungsfähigkeit seines Fahrzeugs und rechnete mit einem kurzen Überholvorgang. Auf dieser Brücke herrscht allerdings Überholverbot, und das aus gutem Grund: Wie man hier sehen kann, verläuft die Brücke in einer Rechtskurve:

Und als ob das noch nicht genug wäre, befindet sich am rechten Fahrbahnrand eine Lärmschutzwand:

Anhand der Linien, die von der Polizei auf die Straße gesprüht wurden, und der Bremsspuren, anhand deren Breite man feststellen konnte, zu welchem der beteiligten Fahrzeuge sie gehörten, stellt sich mir die Angelegenheit folgendermaßen dar:

Der Fahrer des Polo fuhr in Richtung Linz und wurde im Vorfeld der Brücke möglicherweise von einem in gleicher Richtung fahrenden LKW aufgehalten. Über die Häufigkeit solcher Fahrzeuge habe ich ja bereits früher ein paar Worte verloren. Im Vertrauen auf den kurzen Überholweg, den sein Polo wohl üblicherweise nur brauchte, setzte er zum Überholen an, obwohl er unmöglich sehen konnte, ob ihm ein Fahrzeug entgegen kommt. Einen Pkw hätte er allein wegen der Lärmschutzwand nicht sehen können, aber einen Scania hat vermutlich das Fahrzeug verdeckt, das er überholte, deswegen schließe ich auf einen LKW. Erst mitten in der Kurve und längst ohne Ausweichmöglichkeit bemerkte er den Scania und trat voll auf die Bremse – zu spät. Die Bremsspur des Polo war ungefähr einen Meter lang und befand sich in seiner Fahrtrichtung HINTER der noch kürzeren Bremsspur des Scania. Der Fahrer des Lastwagens hatte also später reagiert, hatte erst die Bremse durchgetreten, als der Polo bereits mit ihm kollidiert war und das kleine Auto im Aufprall zwei Meter weit zurückgeschoben.
Wenn man bedenkt, dass die kombinierte Geschwindigkeit der beiden Fahrzeuge bei schätzungsweise 200 km/h lag, muss man den gering anmutenden Schaden am Scania fast bewundern.

Am 29. September veranstaltete der Tourenfürst ein so genanntes Geschäftsessen mit seinen Fahrern, dessen Anlass einem nicht sofort klar wurde. Das betraf etwa 15 Personen (drei oder vier Leute von Transoflex waren mit dabei) und er kam noch am selben Tag auf die Idee, zu fragen, wo man denn hingehen könnte. Erster Vorschlag: Ein italienisches Restaurant am Rand des Industriegebiets Mülheim-Kärlich. Der Italiener hatte aber weder die Parkplätze noch die notwendigen Tische für den unangemeldeten Andrang. Ich verwies auf das „China Town“ mit seinem chinesischen Büffet 500 m weiter, ein großes Lokal mit vielen Sitzplätzen, wo auch das Essen ganz gut war.
Wir aßen also erst einmal in aller Ruhe.
„Warum schmecken die Frühlingsrollen so komisch?“
„Weil da Schweinefleisch drin ist.“
„Dein Gott verzeiht Dir bestimmt, Du hast es ja nicht gewusst.“

Wenn man den Geschmack aus kulturellen Gründen nicht gewohnt ist, kann er einem sicherlich unangenehm auffallen. Für mich ist Schweinehack das Normalste, was ich mir als Zutat denken kann, mir wäre „verstecktes“ Schweinefleisch im Leben nicht aufgefallen.

Der Tourenfürst erkundigte sich nach den Meinungen, was gut laufe und was schlecht laufe, und wie man die schlechten Dinge verbessern könne, um zu einem effizienteren Betrieb zu finden. Mir wollte nichts einfallen, worauf er einen Einfluss haben könnte, denn die Abholzeiten in Rheinbreitbach mussten vorverlegt werden und der tägliche Verbrauch von etwa 10 Seiten Papier mitsamt dem Ausfüllen der Tagesberichte schmeckte mir auch nicht wirklich. Er könnte bestenfalls darauf achten, nicht zwei unerfahrene Fahrer gleichzeitig in Nachbargebieten einzusetzen. Ansonsten das gleiche Lied: Eine Tour mehr würde unsere überspannte Wochenarbeitszeit bedeutend entlasten, aber: Ein Fuhrunternehmer setzt nicht mehr Fahrzeuge ein, als ihm der Auftraggeber auch bezahlt – koste es, was es wolle, so paradox das klingen mag.

Zu guter Letzt versprach er Prämien: 50 E für jeden Fahrer, der im Laufe eines Monats keine Terminzustellungen platzen ließ. Und er würde auch Wort halten, wenngleich der Zeitraum, von dem er sprach, bis zum Ende der Weihnachtssaison begrenzt sein würde. Es spornte die Leute an, besser zu planen. Der Tourenfürst sparte dadurch hunderte Euro Vertragsstrafen, die für Terminverletzungen fällig gewesen wären, und ich konnte nur darüber schmunzeln, wieviel mehr Motivation allein die Aussicht auf knapp 2,30 Euro mehr am Tag auslöste.

Um was es wirklich ging, kam erst später heraus: Wie es schien, hatte sich der Tourenfürst mit seinem Mentor – JP Transporte – überworfen. In Folge dessen hatte er eine Menge Geld verloren, worauf er sich von JP löste und seine Firma neu gründete (wenige Wochen später ließ er uns gleichlautende Verträge mit neuer Firmenanschrift unterzeichnen), ein Umstand, der auf mich bezogen noch von Bedeutung sein und wiederum mich eine Menge Geld kosten würde.

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