Donnerstag, 15.01.2004 – Neue Serien
Am Morgen schneit es noch immer. Meine Spuren auf dem Balkon von gestern Nacht wurden beschönigt.
Ich werfe einen Blick in die TV-Zeitschrift. Heute ist Donnerstag = Serientag. Um 21:00 bringt ABA die Realverfilmung des Manga- und Animeklassikers „Ace o nerae!“, was neues Futter für Animesuki.com bedeuten könnte. Ich nehme an, dass man den alten Klassiker ausgegraben hat, nachdem sich „Prince of Tennis“ als so verkaufsstark herausgestellt hat. Der Unterschied zwischen den beiden Serien ist der, dass „Ace o nerae“ eine weibliche Hauptrolle hat und nicht so überzogen mit ausgefeilten Techniken und Spieltaktiken arbeitet.
Danach läuft etwas mit dem Namen „Dollhouse“. Wie es scheint, geht es um eine Gruppe von Tänzerinnen, die in der Unterwelt aufräumen. Aha. Dann bin ich mal gespannt. Probieren kann nicht schaden. Dann habe ich ja Programm von 19:00 bis 23:00. Mal sehen, was am Ende davon übrig bleibt.
Einige Stunden später: „Ace o nerae!“ werde ich mir weiter ansehen, trotz der Schwächen, die die Serie bietet. Dass man sofort erkennt, dass es sich um eine Manga-/Animeadaptation handelt, muss kein Nachteil sein. Manche Kameraeinstellungen sind von einer Art, wie man sie, im übertragenden Sinne, eigentlich nur in Manga findet. Ich kann leider nicht genauer ausführen, wie ich das meine. Was aber so richtig dämlich aussieht, ist die Tatsache, dass die Tennisbälle mit dem Computer animiert wurden. Aber vielleicht ist das auch besser so. Manche Darstellerinnen machen den Eindruck, als hätten sie nie zuvor einen Tennisschläger in der Hand gehabt. Die Hauptfigur, Oka Hiromi, wälzt sich so oft auf dem Boden (vor Erschöpfung oder weil sie stürzt), dass der Anblick zur Gewohnheit wird und schon beinahe erotisch wirkt. Zuletzt interessiere ich mich nicht die Bohne für Tennis.
Aber… der Satz an Darstellerinnen sieht generell gut aus. Allein das wäre schon ein Grund für mich. Aber ich habe auch ein echtes Interesse daran, zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht… wir erleben hier die Tennisversion von „Attack No.1“ („Mila Superstar“), und mich interessiert, wie Hiromi binnen der paar Episoden (deren Handlung innerhalb der Sendezeit, also von Winter bis Frühjahr 2004, spielt), vom Underdog zum Tennis-As wird.
Auch „Doll House“ kann man sich bedenkenlos ansehen, auch wenn die Damen nicht ganz so cool wirken, wie sie das vielleicht sollen. Ich glaube, die Gratwanderung zwischen „niedlich“ und „cool“ ist hier ein wenig in die Hose gegangen. Aber es scheint ganz interessant zu werden. Die männlichen Rollen sind betont schwach gehalten, um die Damen in einem noch überlegeneren Licht darstellen zu können. Und natürlich haben die drei Polizisten, die allesamt das Lokal frequentieren, in dem die Truppe tanzt, keine Ahnung, dass sie auf der Bühne das weibliche Gegenstück zum A-Team bewundern – abgesehen von der Tatsache, dass die Damen keine sich fast von allein verteidigenden Festungen aus allerlei Müll zusammenbasteln, wie es die Crew von Hannibal für gewöhnlich vorexerziert. Es scheint, dass die Gruppe komplett aus straffälligen Mädchen besteht („Mädchen“ ist das falsche Wort, die sind alle über 21), deren Energien von Reika, dem Kopf der Truppe, in „sinnvollere“ Bahnen gelenkt werden.

