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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

5. Dezember 2023

Freitag, 05.12.2003 – Ein eitles Lehrbuch träumte, wie eine Speisekarte studiert zu werden…

Filed under: Japan,My Life,Uni — 42317 @ 7:00

Am Morgen scheint die Sonne und ein Blick aus dem Fenster sagt mir, dass sich der gefallene Schnee nicht lange wird halten können. Die Straßen und Bürgersteige sind wieder vollkommen eisfrei, nur auf Dächern, Bäumen und Grünflächen hält sich der Schnee noch hartnäckig. Morgen soll es mal wieder regnen und für Sonntag ist Frost gemeldet.

Im BenyMart ist die Aktion, nach dem Einkauf 1 bis 5 Punkte auf die Kundenkarte geschenkt zu bekommen, offenbar ausgelaufen. Jetzt kann man mit jeder Karte einmal versuchen, 10 bis 50 Punkte zu erspielen, aber nur an bestimmten Tagen und vorausgesetzt, man kauft für 2000 Yen oder mehr ein. Das dürfte mich also kaum betreffen, da ich meist zwischen 500 und 1200 Yen liege. Bis der nächste Sack Reis fällig wird, vergehen noch ein paar Tage.

Um 10:00 gehe ich aus dem Haus und nehme unseren Müll mit. Und ich erwähne das extra, weil es sich um vier große Tüten handelt – zwei Säcke mit PET-Flaschen, einmal Papier und einmal Plastik. Hoffentlich bin ich noch nicht zu spät dran, an der Sammelstelle liegt nämlich sonst nichts herum. (Anmerkung: Es sollte sich allerdings herausstellen, dass ich zu früh dran war, da die entsprechenden Müllkategorien erst am folgenden Tag abgeholt werden würden.)

Um 11:00 will ich Yui treffen, und sie kommt zehn Minuten zu spät. Sie entschuldigt sich dafür, aber es ist ja kein Beinbruch. Ich habe genügend Möglichkeiten, mich selbst zu beschäftigen… mir wird so schnell nicht langweilig. Wir gehen die Lektionen 9 bis 13 durch, aber es ist zu merken, dass wir alle beide nicht so recht wach sind. Und wenn ich weiter hier rumsitze, schlafe ich am Ende noch ein…

Yui 2003

Nachdem wir fertig sind, gehe ich ins Center und sehe nach meiner Post. Und dann ist wieder Unterricht angesagt. Ogasawara-sensei versucht heute, uns die Konnotationsunterschiede bestimmter Satzendungen näher zu bringen, aber ich verstehe die Hälfte davon nicht sofort. Ich muss erst ein wenig über diese Dinge wie „yo“, „ne“, „naa“, „ka naa“ und „yo ne“ nachdenken, bevor ich was damit anzufangen weiß. Ich befinde mich ja in der glücklichen Lage, direkt an der Quelle zu sitzen.

Ich komme nicht drum herum, mir die Trierer Situation vor Augen zu führen. 40 neue Studenten in der Japanologie, wie ich gehört habe… und wie viele Japaner sind für Tandem verfügbar? Wenn sich die Angelegenheit in einem „normalen“ Rahmen bewegt, möchte ich schätzen, dass vielleicht zehn Japaner anwesend und bereit sind. Frau Eismann als Tandem-Koordinatorin fällt aus beruflichen Gründen aus, und zu den 40 Erstsemestern kommen bestimmt noch einmal doppelt so viele Leute aus dem zweiten, dritten und vierten Semester dazu, die nicht weniger Bedarf an Kommunikationsübung haben. Am besten verdränge ich das, bis ich wieder zu Hause bin. Dort wird es genug Gelegenheit geben, mich von der herrschenden Situation erschlagen zu lassen.

Um 16:00 bin ich wieder in der Halle und gehe mein Textbuch noch ein bisschen durch, aber ich bleibe nur bis 16:45, weil mir die Formen „te-aru“ und „te-oku“ ja inzwischen klar sind. Hoffe ich zumindest. Ich will nicht noch eine Arbeit unter 60 % schreiben. Mein persönliches Ziel liegt schon bei nur zwei Dritteln, das wird wohl irgendwie zu machen sein!?

Um 18:55 bin ich wieder in der Bibliothek, um endlich die Post über den 22.11. fertig zu schreiben. Endlich, ja. Die Vorbereitungen für die Klausuren machen sich in meinem Schreibrhythmus deutlich bemerkbar. Aber der Computer, den ich aussuche, hat einen Schaden am Soundsystem… die Musik kommt nicht aus den Kopfhörern, sondern aus den Lautsprechern an den Seiten des Gerätes, und das stört natürlich mein Umfeld. Na wunderbar, dann fällt die Musik heute also flach. Ich merke mir das Gerät und vermeide es in Zukunft.

Endlich komme ich auch dazu, die letzte Mail von Kai zu öffnen: Er hat seine Meisterprüfung bestanden. Das freut mich natürlich sehr, und ich überlege, ob ich ihm nicht etwas passendes dazu schicken könnte, aber mir fällt nichts ein. Vielleicht stolpere ich noch über etwas. Schade, dass er die Prüfung nicht schon ein Jahr vorher abgelegt hat… ich habe mir bereits überlegt, ob ich nicht zusammen mit Oliver an den Prüfungsort fahren sollte, um „Infernal Meisterprüfung!“ (von der Spaßmetalband „Urinstein“) laufen zu lassen… aber ich will die Feierlichkeiten zu diesem Ereignis auch noch nachholen, und da wird sich bestimmt eine Gelegenheit finden, Kais Gehörgang mit der „Infernal Meisterprüfung!“ durchzufönen. 🙂

Und wenn ich schon dabei bin, sollte ich mal zusehen, dass ich das für Melanie vorgesehene Weihnachtsgeschenk auch kaufe, bevor es ein anderer tut. Morgen wäre ein passender Termin, denke ich. Der Schnee ist ja weitgehend weggeschmolzen, also kann ich wohl auch mit dem Rad hinfahren. Das würde deutlich Zeit sparen. Es kann ja wohl nicht den ganzen Tag regnen…