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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

25. August 2024

Dienstag, 24.08.2004 – „Omae no Chichi wa washi da!“

Filed under: Filme,Japan,My Life — 42317 @ 17:03

Ich bekomme heute nur drei Newsletter geschrieben, weil eine wahre Flut von E-Mails über mich hereinbricht. Da kam nicht ein ganzer Schwung über Nacht, sondern es kommen einzelne Mails, in schönen, regelmäßigen Abständen, die auch beantwortet werden wollen, um den Zeitbedarf dafür auch hübsch zu maximieren.
Um kurz nach Fünf gehe ich ins Center, weil Izham gesagt hatte, er sei am Nachmittag dort anzutreffen. Ist er aber nicht. Ich gehe also erst mit Melanie ins „Bunpuku“ essen, dann fahre ich zu Izham rüber und störe ihn bei seiner üblichen Ferientätigkeit – Onlinespiele. Eigentlich möchte ich nur, dass er Misi eine kurze Nachricht schreibt. Der will sich nämlich meine CD-ROMS ausleihen, um sie auf DVD zu brennen, kann sich aber nicht dazu durchringen, mir einen verbindlichen Termin zu nennen. Er soll stattdessen bei mir vorbeikommen und den Krempel abholen. Ich verbringe aber noch rund 40 Minuten vor Izhams Haustür mit Gesprächen über Hardware, Software und Spiele allgemein. Dann erst fahre ich nach Hause. Ich bemerke dort allerdings ein paar fehlende Artikel, so haben wir z.B. Wurst, aber kein Brot, also muss ich noch einkaufen gehen. Es handelt sich dabei im Übrigen um exakt die Wurst, die Melanie vor ein paar Tagen so furchtbar dringend gebraucht hat, dass ich vor meiner Radtour noch in den Supermarkt fahren musste. Und die Eier aus dem gleichen unnötigen Einkauf stehen auch noch unangetastet im Kühlschrank rum! L

Um 20:30 komme ich dann vom Einkaufen zurück und weil noch genug Zeit ist, leihe ich „Das Imperium schlägt zurück“ aus. Das macht auf Japanisch noch mehr Spaß als der erste Film! „Asteroiden interessieren mich nicht!“ wurde hier übersetzt als „Kare-tachi ga doko de mo itta koto wa Kankei de wa nai!“, wenn ich das richtig aufgeschrieben habe, also „Es spielt keine Rolle, wo die hingeflogen sind!“ Das beste aber: „Omae no Chichi wa washi da!“ (Ich bin Dein Vater!“) Und der Sprecher sagt das mit einem so wundervollen Tonfall, dass ich den Satz so schnell nicht wieder vergessen werde. In diesem Falle finde ich es ausgesprochen blöde, dass man diese Filme nicht kopieren kann. Die japanische Version hätte ich mir auch noch ins Regal gestellt.

„SailorMoon“ muss auch mal wieder sein. Rei und Minako streiten sich, weil Minako ja todsterbenskrank ist und ihre Rolle als Anführerin der Senshi nicht mehr recht wahrnehmen kann, das aber nicht einsehen will. Aber weil es ja doch dem Ende zugeht, entlässt sie Artemis aus ihren Diensten. Die hier dargestellte Minako ist also nicht nur krank, sondern auch noch von allen guten Geistern verlassen.
Die Yôma laufen natürlich immer noch frei herum und entziehen den Leuten Energie, wodurch immer wieder massenweise Passanten zusammenbrechen (für gewöhnlich knapp ein Dutzend, würde ich sagen). Ich sollte mir wirklich mal die Serie genau anschauen und nachsehen, ob das nicht immer die gleichen Leute sind.
Eines der Monster wird beinahe besiegt, erhält dann aber ein „Upgrade“ durch Einflussnahme von Königin Metallia selbst (also durch dieses Energiewesen, von dem alles Übel überhaupt erst ausgeht) und schubst Merkur und Luna ein bisschen durch die Gegend (die fliegen immer so schön, und der Schmutz, den sie danach immer im Gesicht haben, sieht eher niedlich als nach Kampf auf Leben und Tod aus), bis die ihre Energie so weit los sind, dass sie wieder in ihre „zivile“ Form zurückwechseln. Da die anderen abwesend sind, klammert sich Jupiter also an den Yôma und lässt ihn (es?) vom Blitz nicht nur erschlagen, sondern gleich in die Luft sprengen – und sich gleich mit, wie es aussieht. Makoto kommt in der Vorschau zur nächsten Episode jedenfalls nicht mehr vor. Dass Motoki im Game Center im gleichen, dramatischen Moment seinen Schildkrötenanhänger (nicht weniger dramatisch zufällig) hat fallen lassen, ist ja ein oberböses Omen! Außerdem war er zuvor mit dem „zivilen“ Nephlite einkaufen, und dass der ein Geschenk für Ami besorgen will (ein Paar Büffelhörner???), gibt mir so eine Ahnung, wer die nächste auf der Abschussliste ist.

Mittwoch, 25.08.2004 – „Risiko“ versus „Diplomacy“

Filed under: Japan,My Life,Spiele — 42317 @ 7:00

Nachdem ich wieder den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbracht habe, bin ich am Abend zu einer Partie Risiko bei Izham eingeladen, zusammen mit den „üblichen Verdächtigen“: Chris, Baqr und Misi, dazu kommen allerdings noch Andrea und Irena. Man spielt hier noch die „alte“ Variante – also das Brettspiel. Das allerdings in der Luxusversion, in der die sternförmigen Steine durch Infanterie-, Artillerie und Kavalleriefiguren ersetzt worden sind. Ich erinnere mich, vor vielen, vielen Jahren eine solche Ausgabe meinem alten Kameraden Frank geschenkt zu haben (gekauft zusammen mit Sebastian), was aber unglücklicherweise mit Franks Erwerb eines Strategiebrettspiels namens Shôgun zusammenfiel (man spielt einen Samuraiclan im 16. Jh. und kämpft um die Vorherrschaft in Japan), also wurde es nie gespielt. Was mich auf den Gedanken bringt, dass es interessant sein könnte, eben jenes „japanische“ Spiel noch einmal zu spielen – nachdem ich ja inzwischen mehr Einsicht in die Hintergründe habe.[1]
Zurück ins heutige Hirosaki: Eigentlich wollte ich Misi bei dieser Gelegenheit meine CD-ROMS überlassen, aber ich war spät dran und wollte das später noch irgendwie hinbekommen, was natürlich nicht geklappt hat, und außerdem hatte ich bis zum Morgen noch keine Liste des Bestandes angefertigt. Ich mache ihm also das Angebot, nach Spielende einfach mit mir zu kommen und die Disketten in Empfang zu nehmen. Das lehnt er allerdings ab, weil er mit seinem Computer noch irgendwas zu tun habe. Na denn.

Wir bauen das Spiel auf. Baqr nimmt die Farbe Gelb, weil es dem Sand in Ägypten nahekommt, Izham spielt Grün, weil er immer Grün spielt (und es wird gewitzelt, dass er Grün nimmt, weil es die Farbe des Jihad ist) und ich nehme Schwarz, weil es mein Name ist. Die anderen nehmen Rot (Chris), Blau (Andrea) und Lila (Irena), ohne besonderen Grund. Misi ist es zu eng am Spieltisch, also setzt er sich lieber vor den Computer und spielt „Battlefield Vietnam“.
Mir wird schon bald wieder sonnenklar, warum ich das Brettspiel nicht sonderlich schätze: Der Würfel, also der Zufall des Glücks, hat einen zu großen Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Nachdem ich einen Zug lang Herr über ganz Asien war, verliere ich die Entscheidungsschlacht in Siam, als der nach Australien zurückgedrängte (und ein wenig gelangweilte) Izham über die Straße von Malakka zurück auf den Kontinent strebt. Er verfügt über 16 Divisionen, ich über 14, und am Ende verliere ich 14:5, weil ich nur Mist gewürfelt habe. Dabei sieht das Spiel schon vor, dass der Verteidiger eine Runde bereits gewinnt, wenn er nur die gleiche Zahl wie der Angreifer würfelt. Unter realistischen Bedingungen würde ich annehmen, dass meine Armee, deren Kern durch ganz Asien marschiert war, über weitaus mehr Erfahrung verfügt als Izhams Truppen, die er während meiner Expansion nach Südwestasien in Australien und Indonesien quasi aus Nichts völlig neu aufgebaut hatte. Ganz zu schweigen davon, dass man nicht mal so einfach mit einer Überlegenheit von nur knapp mehr als 10 % über eine Meerenge hinweg angreifen kann.
Aber egal, ich habe verloren. Ich habe zwar eine Absprache mit Chris, was die Absteckung unserer Interessensphären (Asien und Europa) betrifft, aber er nutzt meine Schwäche aus und setzt mir von seiner Kolonie Alaska aus zu, und im Nu ist Asien wieder verloren. Dass Chris sich nicht an die Absprache gehalten hat, kann ich ihm nicht einmal übelnehmen, da es sein zufällig gezogener Auftrag war, den Schwarzen Spieler, also mich, zu besiegen. Ich hatte mich auch mit Baqr abgesprochen, und er hat sich daran gehalten. Er sollte mein „Afrikanischer Schild“ gegen die Expansion Andreas von Südamerika her sein, aber diese Aufgabe erfüllte er relativ schlecht, da er seine Truppen hübsch gleichmäßig verteilte, anstatt eine schlagkräftige Hauptarmee zu unterhalten. Obwohl… bei einem Glücksspiel wie diesem spielt das eh keine so große Rolle wie in der strategischen Variante, die ich auf der Playstation spiele.
Das für mich völlig normale Verhandeln mit meinen Grenznachbarn (im Nebenraum bzw. vor der Haustür) stößt bei der Allgemeinheit allerdings auf Ablehnung. Irena sagt, das sei dämlich. Wenn ich Verhandlungen möge, solle ich doch „Diplomacy“ spielen. Man will also nur die Würfel entscheiden lassen, was ich weitaus dämlicher finde, als mal schnell zwei Minuten mit jemandem vor die Tür zu gehen, ein bisschen über die Einflusssphären zu verhandeln und so dem Glück ein wenig unter die Arme zu greifen. Dann spielen wir eben die Kinder-Variante…
Baqr wird also von Andrea niedergemacht, und Irena kann sich auch nicht lange halten. Das Spiel wird abgebrochen, nachdem Andrea Afrika und die beiden amerikanischen Kontinente unter Kontrolle hat und der Disput in Europa und Asien (Izham gegen Chris) eine koordinierte Verteidigung gegen die Frau mangels Lizenz zum Verhandeln nicht zulässt.


[1] Es hat sich in den 20 darauffolgenden Jahren nicht ergeben, „Shôgun“ zu spielen, obwohl es im Regal steht – Frank hat es mir geschenkt. Denn man braucht nicht nur interessierte Spieler (das geringere Problem), sondern auch viel Zeit, weil ein Nachmittag mit aller Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen wird, um den Bürgerkrieg schlüssig zu Ende zu spielen.