Dienstag, 30.12.2003 – Kekse!
Nachdem wir gegen Mittag aufgestanden sind, klingelt fünf Sekunden danach auch schon der Postbote und bringt Melanie zwei weitere Weihnachtspakete. Mit Schokolade und Keksen drin. Na gut, es ist Weihnachten. Das Paket, das ihr Vater ihr zum Nikolaustag geschickt hat, ist allerdings noch nicht da. Ich hege langsam den Verdacht, dass es „verschwunden“ ist.
Hm… vielleicht entsteht durch solche Aussagen ein falsches Bild von Melanie… wie biege ich das hin?
Ich persönlich lehne den Verzehr von Keksen und sonstigen Süßigkeiten nicht grundsätzlich ab, ich habe nur keine großen Sympathien dafür. Ein bisschen was, hin und wieder, muss auch bei mir sein, das weiß ich und ich gebe es zu. Man darf sich aber nicht über Übergewicht beschweren und gleichzeitig solches Zeug essen. Ich für meinen Teil möchte, nachdem ich schon so weit bin, das letzte Loch meines Gürtels auch noch zubekommen. Es ist also, trotz meiner negativen „Berichterstattung“ über die Pakete, die Melanie erhält, definitiv nicht der Fall, dass sie Süßigkeiten in unkontrollierter Manier und in ungeheuren Mengen in sich hineinstopfen würde. Sie isst das schon Stück für Stück, über einen relativ großen Zeitraum verteilt. Sie will nicht, dass man glaubt, sie sei ein Vielfraß, weil sich das, was ich schreibe, so anhört, also füge ich diese Klarstellung ein.[1]
Oh ja, ich probiere die Kekse natürlich ebenfalls. Ich bin ja sicher, dass sie gut sind. Es soll niemand meinen, ich würde seine oder ihre liebevollen Backbemühungen verschmähen oder geringschätzen. Ich werde es aber bei der Probierportion belassen, auch wenn die Plätzchen gut sind, wie sie nur sein können. Es reicht mir voll und ganz, wenn Käse in seinen vielen Formen meine einzige essbare Leidenschaft bleibt. Auf Süßigkeiten kann ich bequem verzichten, auf Käse nicht. Und natürlich derzeit auch nur ungern auf Sushi. Aber da muss man, im Gegensatz zum Käse, die Kalorien ja fast mit der Lupe suchen.
Am Nachmittag fahren wir in die Stadt, um Neujahrsgeschenke für verschiedene Personen zu kaufen. Und wie ich mich kenne, werden meine einige Wochen lang im Schrank rumliegen, bevor ich endlich daran denke, sie auch zu verschicken. Und da wir morgen Nacht zur Pagode gehen wollen, um dem Läuten der Glocke (und den Feierlichkeiten drum herum) beizuwohnen, gehen wir vorsichtshalber einen Umweg in diese Richtung, um sicher zu gehen, dass wir den Tempel auch auf Anhieb finden und nicht mitten in der Nacht zu suchen beginnen müssen.
Am Abend nehme ich in Angriff, verschiedene, seit langem fällige Briefe zu schreiben… deshalb dauert das auch gleich bis um vier Uhr morgens…
[1] Melanie litt über Jahrzehnte an Zuckersucht, falls man das so nennt, das Bedürfnis, immer wieder Süßigkeiten zu essen. Knapp 20 Jahre später kam sie davon los und hielt sich tapfer davon fern, mit der unmittelbaren Folge, dass sie nicht mehr von Heißhunger überfallen wurde und auch schnell ein paar Kilogramm Gewicht verlor.
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