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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

31. Dezember 2023

Freitag, 26.12.2003 – Lange nicht gesehen!

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 14:21

Um 14:00 treffe ich meinen ehemaligen Tandempartner Honda Hiroyuki am Bahnhof von Akihabara. Die anderen drei gehen lieber in einen Freizeitpark. Es handelt sich dabei übrigens um den Park, in dem die SailorMoon (2003) Episode Nummer 7 gedreht wurde. Aber ich bin in Akihabara und nachdem mir Hiroyuki schon im Vorfeld die Nase lang gemacht hatte, wollte ich das dortige Angebot auch einmal live und in Farbe sehen. Wir kämmen eine Handvoll Läden nach Dôjinshi durch (Dôjinshi sind inoffizielle Manga in Anlehnung an existierende Serien, die von Fans gemacht werden und oft erotische Inhalte vermitteln). Das heißt, ich „kämme“ und hoffe, dass er sich dabei nicht allzu sehr langweilt. Ich hoffe auch, irgendwann Zeit und Gelegenheit für einen „gesitteten“ Besuch zu haben, der mehr auf Dialog als auf Sightseeing ausgelegt ist.[1]

Ich finde ein „One Piece“ Dôjinshi für Melanie in guter Zeichenqualität, aber leider handelt es sich dabei um „Yuri“ und nicht um „Yaoi“. Jugendfrei kurz gefasst handelt es sich bei so genannten „Yuri“ Produkten um Geschichten mit ausschließlich weiblicher Besetzung, während „Yaoi“ sich um männliche Protagonisten und ihre Abenteuer dreht. Beides ist dem Bereich der Homoerotik zuzuordnen, und die Skala geht von „zart“ bis „hart“, mit nach oben offener Skala, je nach Zeichner. Für einen anderen Bekannten kaufe ich zwei Bände der Serie „Yuri and Friends“ des Zeichnerteams Saigadô.

Mein Blick in die Läden verrät mir, dass ich alles, was mich interessiert, bereits auf einer DVD-ROM als Datensatz gespeichert und abrufbereit habe. Jedes Mal, wenn ich ein interessantes Cover entdecke, stelle ich auf der Previewseite (so vorhanden) fest, dass ich die Geschichte schon kenne. Die Bände sind alle in Plastikfolie verpackt, um einer Wertminderung durch Probelesen entgegenzuwirken. In manchen Geschäften gibt es dafür extra Leseproben und oft genug gibt es in der Plastikfolie zusätzlich eine kopierte Seite, damit man eine Ahnung davon bekommt, was man in der Hand hält. Vielleicht hätte ich allerdings die großen (größer als DIN A4!) farbigen EVA Dôjinshi („Rei only“) kaufen sollen, die wären ihr Geld wahrscheinlich wert gewesen… aber was soll’s. So sehr zieht es mich auch nicht mehr zu Manga und Anime Dôjinshi. Natürlich hätte ich auch eine der neueren Sammlungen kaufen können, mit einem breiten Spektrum von verschiedenen „Parodien“, aber da besteht für mich immer die Gefahr, dass 90 % davon Mist sind, mit dem ich nichts anfangen kann.

Die Zeit fliegt dahin und weiß nicht, wo sie bloß geblieben ist. Während ich ein Regal mit preisreduzierten Manga Dôjinshi durchforste, ruft Ricci an und fragt, wann wir uns denn wo treffen könnten. Wir einigen uns auf den Laden „Animate“. Es handelt sich um ein recht großes Geschäft, das so ziemlich alles verkauft, was mit Anime zu tun hat. Wir treffen uns, inklusive Hiroyuki, etwa um 19:00 vor dem Laden, um diesen im Anschluss sofort zu betreten. Und ich erhalte Gelegenheit, auch „normales“ Merchandising zu sehen und zu kaufen. Ich kaufe ein paar Bilder von Nami (ein Charakter des „One Piece“ Anime), drei Cels des SailorMoon Anime, einen Kalender der SailorMoon Realserie, eine CD von Miyamura Yûko (die Originalstimme von Asuka, die eigentlich gar nicht singen kann, aber ein starkes Organ hat) und den „Animetal Marathon IV“. I-III habe ich leider auch in Akihabara nicht gefunden. Offenbar sind die CDs eine Spur zu alt. Und wenn ich auf alle übrigen vielleicht verzichten kann: Das Original des „Animetal Lady Marathon“ muss ich haben. Ich habe bereits vor einiger Zeit eine Kopie auf eine CD gebrannt, aber das Original ist die Investition wert. Zuletzt erhalte ich ein Poster als Werbegeschenk. Ich habe keine Ahnung, wer oder was die Figuren auf dem Poster sind, aber andernorts wird das selbe Poster für 800 Yen verkauft, also lasse ich mich nicht zweimal bitten.

Und mittendrin ruft mich Shizuka an. Sie sagt, sie habe morgen Zeit, mich zu treffen, auch um die Angelegenheit mit Stefans Airguns ein wenig weiter zu bringen, die der bei ihr gelagert hat. Außerdem hat Stefan mir erlaubt, seine Pistolen für ein Probeschießen zu leihen.[2] Und treffen könnten wir uns gleich an Ort und Stelle in Akihabara, weil der Schießstand eben dort ist. Sie werde mir den Laden morgen zeigen. Das ist mir Recht, also wird mir auch morgen nicht langweilig sein. Da wir, Ricci, Ronald, Melanie und meine Wenigkeit, außerdem beschlossen haben, morgen den Fischmarkt zu besuchen, werde ich morgen wahrscheinlich auch viel zu müde sein, um ein Gefühl von Langeweile entwickeln zu können… wenn wir zur richtigen Zeit da sein wollen, um das frischeste Sushi der Welt zu kosten, müssen wir um 04:00 aufstehen. Und nach dem Fischmarkt wollten wir noch ein berühmtes Kabukitheater ansehen… das heißt das Gebäude, kein Theaterstück. Für Kabuki kann ich kein Interesse aufbringen – man wird von Farben erschlagen. Das ist mir zu grell. Ich wage dieses Urteil nach einer TV-Vorführung im Rahmen der Vorlesung über japanische Theaterformen von Frau Professor Scholz-Cionca. Und da „ein Gebäude betrachten und fotografieren“ ja allerhöchstens 15 Minuten dauern kann (den Theaterspezialisten werden sich jetzt bestimmt die Haare sträuben), habe ich bestimmt genug Zeit für alles.
Fischmarkt, Sushi, Kabuki, Shizuka, Schießstand. FSKSS.

Wir gehen abschließend zu fünft zum Essen, chinesisch, und im Anschluss wieder zum Bahnhof. Ich lasse ein Foto von Hiroyuki und mir machen (Ronald ist so freundlich, das zu übernehmen) und ich trenne mich wieder von „HH“ für unbestimmte Zeit. Was mich daran erinnert, dass ich ihm eigentlich das Foto schicken wollte. Es war schön, ihn mal wiederzusehen. Der Typ sieht noch genauso aus wie vor drei Jahren und auch im Kopf scheint er sich nicht auffällig verändert zu haben. J

Um 23:25, zurück in Odaiba, sagt uns ein Blick auf die Uhr allerdings, dass wir um 04:00 keine Lust haben werden, aufzustehen (obwohl, wie manche vielleicht wissen, Lust nur für Tiere und Liebesspiele gut ist), also vergessen wir den Fischmarkt wieder. Wir suchen nach Ausweichmöglichkeiten, finden aber nichts Konkretes. Ja, eigentlich finden wir gar nichts. Ich wollte nur, dass sich der Satz besser anhört. Wenn doch noch eine Entscheidung gefällt wurde, ist sie mir entgangen. Stattdessen sitzen wir Stunde um Stunde da und reden drauflos. Obwohl ich vor Müdigkeit bald vom Stuhl falle.


[1] Diese Hoffnung hat sich mangels ausreichenden Einkommens in den letzten 20 Jahren nicht realisieren lassen.

[2] Stefan hatte sich in Japan begeistert zwei Airguns im Pistolenformat gekauft und sich erst danach überlegt, dass dies Probleme mit dem deutschen Zoll ergeben könnte. Er bat also Shizuka, die Objekte zu lagern, bis er eine Lösung gefunden hatte. Die Lösung war ich, weil meine Mutter in Frankreich lebt, wo man solches Spielzeug weniger kritisch betrachtet. Allerdings dauerte es über drei Jahre, bis Shizuka an den (bereits bezahlten) Versand dachte; Stefan hatte bereits vor jenem Zeitpunkt Probleme mit seinen Eltern, die endlich seine Hinkehr zum ernsthaften Leben eines Erwachsenen sehen wollten, also schenkte er die Dinger kurzerhand mir – lange, bevor sie in Frankreich eintrafen und so irgendwann in meinem Schrank landeten.

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