Dienstag, 16.12.2003 – Alle auf einem Blatt
Wir stehen um 07:15 auf – zu spät! Wir haben vergessen, den zweiten, den „Sieben-Uhr-Wecker“, einzustellen. Der eigentliche Wecker klingelt um 06:45, aber nachdem ich das Geräusch abgestellt habe, döse ich leider sofort wieder weg und mein nächster Blick verrät mir, dass ich mich sputen sollte. Ich komme aus dem Tatamiraum heraus, und… was ist hier los? Der Wohnraum hat nur 12 Grad? Wie kann das sein? Ah ja, Melanie hat den Timer zwar auf „06:45“ eingestellt – aber für den Abend. Links neben dem Zahlenfeld befinden sich zwei LDs, eine davon steht für „Gozen“ („Vormittag“) und die andere für „Gogo“ („Nachmittag“). Man kann sich leicht damit vertun, wenn man 24-Stunden-Anzeigen gewohnt ist. Aber zwölf Grad sind ja noch keine frostige Temperatur. Kein Grund zur Aufregung. Der Raum wird warm sein, wenn ich aus der Dusche komme.
Ich fasse heute den Plan, ein Sammelposter mit all den Leuten zu machen, mit denen ich „positive“ Kontakte habe (oder hatte). Das bedeutet, dass es noch weitere Leute hier gibt, die aber nicht auf dem Poster auftauchen werden – weil sie nie in meinen Berichten genannt werden. Warum sich ein Bild von (subjektiv) unwichtigen Leuten machen? Ich mache die Fotos mit meiner Kamera recht groß, verkleinere sie dann auf 15 % und füge sie in ein leeres MS-Paint Dokument ein, eines nach dem anderen, und werde bald eine brauchbare Sammlung von Köpfen haben. Daneben sammle ich auch noch die E-Mailadressen, um das Poster auch an die dargestellten Personen verschicken zu können.
Von Misi wurde wie erwähnt vor kurzem der Gedanke aufgebracht, es am Freitag noch einmal mit einem Tabehôdai zu versuchen, aber heute stellt sich heraus, dass Angelas Aufruf, am Freitag Abend nach Nishihiro („Hirosaki West“, könnte man sagen) zu gehen, um „einen zu heben“, bereits einen wesentlich größeren Anklang gefunden hat. Ich erkläre mich prinzipiell dazu bereit, mitzugehen, aber ich bin mir natürlich nicht sicher, ob sich Angelas nicht näher definierte Aufbruchszeit mit dem Ende meines Berichtschreibens vereinbaren lässt. Aber sie sagt, sie werde mich oben abholen, sobald es losginge. Soll mir Recht sein. Sie erinnert mich am Abend im Treppenhaus noch einmal daran, indirekt. Das heißt, ich treffe eigentlich SangSu, der bei Angela vor der Tür steht, um sich einen Flaschenöffner auszuleihen. Er hat eine kleine Party für einen Koreanisch-Sprachkurs laufen. Er sagt, auch Angela habe ihm mittlerweile das Leben gerettet. Wie das? SangSu hat, wie auch immer, seine Ölpumpe kaputtgemacht und auch keinen Trichter, um das Kerosin effektiv umfüllen zu können. Also hat er sich die Pumpe von Angela ausgeliehen, um sich und seine Party auch aufwärmen zu können.
Auch heute kaufe ich wieder eine Portion Sushi, die groß genug ist, dass am Ende (satt!) noch eine Schachtel übrig ist. Aber bei Angeboten von 50 % kann ich schlecht „nein“ sagen. Aha, unser Reis ist effektiv auch schon wieder am Ende. Ich sollte morgen einen neuen kaufen. Für einen 10-kg-Sack ist eine geschätzte Lebensdauer von drei Wochen also realistisch zu nennen.
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