Dienstag, 09.12.2003 – Tag der Arbeit
Über Nacht hat es noch mehr geschneit, und kaum sind wir um 08:20 die Tür draußen, schneit es auch sofort weiter, in den folgenden Stunden mal mehr und mal weniger heftig.
In der ersten Unterrichtseinheit schreiben wir die Zwischenklausur bei Yamazaki-sensei. Die Themen der Klausur sind Hörverständnis, Kanji und Grammatik. Letzteres wird durch Satzbildung abgefragt – Lückentexte. Aber diesmal war ich darauf gefasst. Und da über den Sätzen z.B. zu lesen war „Bilden Sie einen te-oku Satz“, war das Ganze eher eine Suche nach einem passenden Verb, als echte Prüfung im Bereich Grammatik. Zumindest hoffe ich, dass ich die Angelegenheit nicht falsch verstanden habe.
In der Pause danach bereite ich noch etwas „Buddhismus“ nach wie vor. Also eigentlich beides. Direkt danach wird die Klausur geschrieben. Und diese Klausur hat schon eine ganz tolle erste Frage:
„Welche Doktrinen des Theravada Buddhismus sind wohl die wichtigsten? Begründen Sie Ihre Meinung.“
Ich wusste noch nicht einmal, dass es mehrere Doktrinen gibt. Ich dachte, die „Doktrin“ sei eine einzige – die Überlieferungen der Lehren Buddhas. Die Antwort, die ich schreibe, ist entsprechend… „unwissenschaftlich“ und wird mich vermutlich 40 % der Punkte kosten. Ich fasse nur in drei Sätzen zusammen, was mir dazu einfällt. Der Rest der Klausur besteht aus 30 Stichworten, von denen wir 15 definieren sollen. Wegen der Kürze der ersten Aufgabe aber habe ich eine Menge Zeit und schreibe munter drauflos, was mir einfällt. Ich verfasse 22 Antworten und hoffe, dass mir das ein paar Bonuspunkte beschert.
Und es schneit und schneit und schneit. Zehn Zentimeter sind heute Morgen allein gefallen. Die Straßen sind glatt, die Bürgersteige sind es ebenfalls, aber es ist an der Zeit, Melanies Geschenk zu kaufen, also gehe ich zum Animedia Laden. Danach gehe ich zurück in die Bibliothek und schreibe Post. Um 19:20 kehre ich nach Nakano zurück.
Im BenyMart sind Sushi wieder mal um 50 % ermäßigt, also kaufe ich drei Pakete. Zuhause stelle ich fest, dass Melanie die gleiche Idee hatte… also können wir uns heute Abend wieder mit Sushi vollstopfen. Und das Beste daran ist der phänomenal niedrige Kaloriensatz – hier kann man essen bis zum Umfallen ohne zuzunehmen! Das Röstfleisch, dass sie ebenfalls gekauft hat, hebe ich dann für morgen früh auf. Macht sich als Frühstuck ja nicht schlecht.
Ich fühle mich nicht mehr sonderlich wach, aber ich muss noch ein paar Vokabeln in mein Gehirn stanzen und ich sollte für morgen auch noch einmal „Yûkoku“ von Mishima Yukio lesen. Man kann die Geschichte so schön auseinanderdiskutieren. Eine Berichtigung an dieser Stelle: Der Titel wurde oft übersetzt mit Begriffen wie „Patriotismus“, obwohl das den Kern der Sache nicht ganz trifft. Wenn ich die Vokabel recht verstehe, geht es dabei weniger um „Liebe zum Vaterland“ als um „Sorge um das Vaterland“.
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