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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

29. November 2023

Samstag, 29.11.2003 – Verkehrte Welt

Filed under: Japan,My Life — 42317 @ 9:46

Das Wetter am frühen Morgen ist ebenso bewölkt wie mein Kopf. Ich bin so müde, dass ich nach dem Weckerklingeln wieder wegdöse und die ersten fünf Minuten von SailorMoon verschlafe. Aber viel gibt es heute auch nicht zu verpassen. Es handelt sich um eine weitere Leerlaufepisode ohne viel echten Inhalt:

Es hat sich dank der Einflussnahme der Bösen wohl herumgesprochen, dass ein Typ im Tuxedo und mit Augenmaske herumrennt und hinter Edelsteinen her ist. Es finden sich viele Nachahmer (ich habe nicht verstanden, warum), die sich ebenfalls in einen Frack werfen und offenbar stehlen wollen. Am Ende jedenfalls gerät Usagi an einen solchen Imitator und rettet ihn vor der Polizei, indem sie sich einen Tuxedo an den Leib zaubert und die Beamten ablenkt. Sie bemerkt den Irrtum erst, als er seine Maske abnimmt. Darauf sieht er sie an und sagt langsam in einem genüsslichen (unmissverständlichen?) Ton: „Hee… Du bist doch ein Mädchen…“ und berührt ihre Haut am Handgelenk. Dabei sieht er sie an, als sei sie ein leckeres Sahneschnittchen…
Okay – sie ist ein leckeres Sahneschnittchen.
Obwohl ein solcher Gedanke schon beinahe pädophil zu nennen ist… sie ist ja erst 1988 geboren… Aber dieser Blick und der Tonfall waren einfach zu irre. ?

Danach lege ich mich noch einmal hin und schlafe bis um 11:30. Dann fahre ich in die Bibliothek und vergesse auch gleich den Film aus ihrem Fotoapparat, den abzugeben Melanie mich gebeten hat. Dafür wird sie mir sicherlich wieder den Kopf waschen. Ich bekomme es fertig, einen kurzen Bericht zu verfassen, was schon mal besser ist, als gar keiner. Der nachfolgende Bericht ist sehr lange und ich schaffe es nicht, ihn bis 16:50 fertig zu haben.

Auf dem Weg nach Hause esse ich an der Bude Bratspieße. Und ich bemerke dabei, dass ich doppelt so viel Geld zum satt werden brauche, als wenn ich Ramen esse, wohl wegen der Flüssigkeit, aus der Ramen zu einem bedeutenden Teil besteht. Bratspieße für 1100 Yen sind jedenfalls nicht wenige, bedenkt man, dass jeder davon zwischen 50 und 80 Yen gekostet hat – bis auf einen, der 110 Yen wert war (Hähnchenflügel am Spieß).

Im Fernsehen läuft am Abend eine Sendung, die sich mit Wahrnehmung beschäftigt. Der erste Beitrag zeigt einen Bericht aus einem Museum mit so genannter „Trick-Kunst“. Da hängt zum Beispiel ein Gemälde, dass auf den Beobachter einen wirklich dreidimensionalen Eindruck macht, aber völlig flach aussieht. Aber es ist nicht flach. Die Häuser auf dem Bild stehen tatsächlich physisch aus der Oberfläche heraus und man muss direkt daneben stehen, um es zu bemerken, oder man muss das Bild anfassen, wenn man davorsteht.

Ein weiterer Trick ist ein Raum, den man durch ein Loch in der Tür beobachtet. Der Fußboden zeigt ein schwarz-weißes, quadratisches Kachelmuster, an der Wand gegenüber von der Tür hängt irgendein Bild. Der Raum sieht völlig normal und symmetrisch aus. Nun betreten zwei Leute den Raum, einer stellt sich in die linke Ecke, der andere in die rechte Ecke. Die Person in der rechten Ecke sieht geradezu riesenhaft aus, die Person in der linken Ecke scheint ihm nur bis zum Brustbein zu reichen. Dabei sind die beiden in Wirklichkeit etwa gleich groß. Der „Riese“ muss aber auch den Kopf beiseite beugen, um unter der Decke Platz zu haben. Wenn die beiden nun ihre Positionen tauschen, verkehrt sich dieser Eindruck – die Person in der rechten Ecke sieht immer viel größer aus als die Person in der linken Ecke. Das Geheimnis daran ist, dass der Raum zwar symmetrisch aussieht, es aber keineswegs ist. Der Boden in der rechten Ecke ist im etwa 50 cm höher als der in der linken, damit steht der Mann rechts höher als der links und sieht dadurch größer aus. Die Illusion der Symmetrie kommt von den Kacheln, die in einem bestimmten Muster angeordnet sind, um die Schiefe der Ebene zu verbergen. Die Ebene hat hinten rechts ihren höchsten Punkt und vorne links (außerhalb des Sichtfeldes des Beobachters) ihren tiefsten Punkt.

Der nächste Bericht zeigt eine japanische Forschungsanstalt. Zwei männliche Versuchspersonen erhalten eine Art Brille, die ihnen die optischen Eindrücke ihrer Umwelt spiegelverkehrt vermittelt. Oben ist oben und unten ist unten, aber links ist rechts und umgekehrt. Diese Brille müssen sie 40 Tage lang tragen, und wenn sie sie zum Waschen oder Schlafen ausziehen müssen, sollen sie die Augen geschlossen halten, bzw. eine Schlafmaske tragen.
Es gilt herauszufinden, ob man das Links-Rechts-Gefühl des Menschen manipulieren kann. Jeden Tag werden Tests durchgeführt. Man wirft den beiden Bälle zu, die sie natürlich nicht fangen können, weil sie die Hände in die falsche Richtung ausstrecken. Sie sollen auch unter Aufsicht Fahrrad fahren, was natürlich ebenfalls misslingt. Schon der Gang zur Toilette, das Essen und das Öffnen von Türen werden so zu einem alltäglichen Wahnsinn.

Nach 40 Tagen jedoch können sie problemlos Rad fahren, Fußball spielen und sich völlig normal bewegen und koordinieren. Computertomographien zeigen, dass sich ihre Hirnaktivität voll und ganz auf die neuen Bedingungen eingestellt hat. Nach diesem Erfolg beginnt das Drama natürlich von vorn, weil sie die Brillen abnehmen und sich wieder an normale Verhältnisse gewöhnen müssen. Die Umstellung auf das normale Rechts-Links-Empfinden dauert allerdings nur wenige Tage und die beiden sind wieder „gesellschaftsfähig“.

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