Mittwoch, 08.10.2003 – Der Auftakt
Der Tag beginnt mal wieder mit dem Waschen der Wäsche. Das Material von gestern ist dank Sonnenschein schon getrocknet, also kann die nächste Fuhre rollen. Mir kommt der Gedanke, dass ich bequem mit der Hälfte der Hosen und Hemden etc. hätte auskommen können, da ich sowieso andauernd waschen muss und daher auch ständig saubere Kleider vorhanden sind. Ich kann direkt aus der Maschine leben.
Heute will ich mit dem Sammeln der Lehrerstempel beginnen. Unter anderem will ich mal wieder etwas Sport treiben, kann ja nicht schaden. Aber Judo gibt es leider nur im Sommer, und der Rest von dem, was im Winter angeboten wird, wirkt nicht sehr anziehend. Aber es gibt auch einen Kurs für Badminton. Für Anfänger? Eigentlich bin ich keiner, aber ich habe auch seit etwa drei Jahren nicht mehr gespielt, also passt das schon. Dafür werde ich wohl Turnschuhe und einen Schläger brauchen. Aber mit ein wenig Glück kann man letzteres vielleicht leihen.
An dieser Stelle möchte ich Ricci danken, dass sie uns die „praxisorientierten Wörterbücher“ geschenkt hat. Sie sind in der Tat praktisch. Sehr nützlich. „Batterieladegerät“ habe ich darin allerdings auch nicht gefunden. ? Ich werde mir wohl so was kaufen, weil die Nichtauffindbarkeit eines „Hen’atsuki“, eines Umspanners, mir auf die Nerven geht. Oder ich investiere einfach mal in ein Gerät, das man für 230 V Haartrockner verwendet. Vielleicht geht es auch mit einem Haarschneider. Mehr als durchbrennen kann es ja nicht.
Am frühen Nachmittag stelle ich fest, dass ich meine ersten Kurse gleich schon mal verpasst habe. Es hing das Gerücht im Raum, die Kurse für Ryûgakusei, Austauschstudenten, würden erst am 20.10. beginnen. Das war eine Ente, eine Fehlmeldung. Wenn man den japanischen Merkzettel entschlüsselt, kann man darauf lesen, dass nicht die Kurse am 20.10. beginnen, sondern dass man seinen Stundenplan bis zum 20.10. abgegeben haben muss. Tolle Wurst. Das fängt ja gut an. Immerhin ist es noch früh genug, den Badminton-Kurs anzusehen. Er ist ausgelegt auf… vierzig Personen!?! Und ich glaube, etwa so viele stehen auch in der Halle rum. Also… nein, danke. Das ist mir zu viel. Wenn die Halle eine entsprechende Größe hätte, in Ordnung. Aber das hier ist mehr wie eine Sardinenbüchse. Ich lasse das mit dem Hallensport und bleibe bei Liegestützen und Klimmzügen (aber leider gibt es nicht allzu viele vertrauenswürdige Stangen und Rohre in meiner Umgebung).
Ich kann dann ja schon mal meine Bücher für die Japanischkurse kaufen…
Aha. Das Zeug ist also überall auf der Welt teuer. Mehr als 7000 Yen (zwischen 55 und 60 E) für die vier Bücher. Und es werden möglicherweise noch andere Kosten hinzukommen, je nachdem, ob ich für die anderen Kurse noch weitere Bücher brauche. So weit habe ich belegt:
- Japanischkurse (A1, A2 und A3, insgesamt 10 Leistungspunkte)
- „Moderne japanische Novellen in englischer Übersetzung“ (2 Punkte)
- „Einführung in das Studium des Buddhismus“ (2 Punkte)
- „Moderne Kulturgeschichte von Tsugaru“ (das ist der „Gau“ hier) (2 Punkte)
Wieder verworfen habe ich „Interkulturelle Kommunikation“, weil der Kurs komplett in Japanisch gehalten wird. Und mehrseitige Arbeiten in japanischer Sprache wollte ich eigentlich noch nicht schreiben. Es werden auch angeboten „Techniques of Mathematics“, „Fundamentals of Chemistry“ und „Fundamentals of Polymer Science“. Das ist dann doch nicht so ganz mein Fachgebiet. Die politische Geschichte der Staaten Ost-Mitteleuropas ist auch nicht mein Ding. Und dann wäre da noch „Finanzwesen in Japan“. Na ja… die „Themen in der japanischen Gesellschaft“ hätten mich zwar interessiert, aber leider überschneidet sich dieser Kurs mit „Japanisch A3“. Da kann man nichts machen. Ich bleibe bei meiner Auswahl. Die bringt mir 16 akademische Leistungspunkte, und 14 brauche ich.
Auf dem Weg nach Hause gehen wir noch Ramen essen. „Käse-Ramen“ interessiert mich natürlich brennend, und ich werde nicht enttäuscht. Der Käse ist zwar nur ein Scheibenkäse, wie man ihn zum Beispiel von KRAFT bekommt, aber der Gesamtgeschmack ist umwerfend gut.
Da Melanie am Tag vorher ein SailorMoon Mal- oder Bastelbuch gefunden hat, zeigt sie mir den Laden, wo sie das gekauft hat. Eine Menge Manga stehen da rum, deren Titel mir nichts sagen und die ich mir auch nicht merken kann. Aber in einer Ecke stehen gebrauchte Artbooks und Fanmagazine rum. Und ich finde schnell was, das mich interessiert.
- ein „Bubblegum Crash“ Artbook für 1300 Yen
- ein „AirGun Magazin“ (aus dem goldenen Jahr 1997) für 1000 Yen
Das dicke „Akira Club“ Buch für 2800 Yen fasse ich ins Auge, will aber warten, bis ich mein erstes Geld erhalte. Vielleicht ist hier auch Material, das man via E-Bay verkaufen kann. Die Preise sind theoretisch nicht sonderlich hoch, aber die Versandkosten… wenn ich das richtig sehe, kostet ein 2kg-Paket etwas mehr als 2000 Yen. Aber Briefe sind nicht teuer. Ich muss feststellen, was es kostet, einen Umschlag von der Größe B4 zu versenden. Irgendwie müssen aber auch die Bücher, die ich für mich selbst kaufe, nach Deutschland kommen… ich werde mir ein Paket kaufen. Es gibt Reiskartons in einem passenden Format für 60 Yen. Ich packe also zwei Kilo rein und schicke es dann auf dem Landweg nach Hause.
Das „AirGun Magazin“ enthält eine schöne Sammlung von in Japan erhältlichen Luftdruckgewehren und -pistolen mit Zubehör. Originalgetreue Nachbildungen, nur bei genauerem Hinsehen vom Original zu unterscheiden. Dass man dieses (japanische) Magazin ungewöhnlicherweise von links nach rechts durchblättert (also wie zuhause), fällt mir erst nachher auf, als ich das „Bubblegum Crash“ Buch aufschlage – an der falschen, hintersten Seite. Die Preise für die Luftgewehre sind gesalzen. Einige Exemplare haben keine Preisauszeichnung, sondern die Angabe „Y ASK“. „Y“ steht für „Yen“, liest sich aber hier wie das englische „Why“. Durch die umgangssprachliche Mühle gedreht (ich will das jetzt nicht detailliert auswalzen), könnte man es übersetzen mit „Fragen Sie doch!“ („Why, ask!“). Das ist kein Witz! Auffällig an den Luftgewehren ist, dass sie kleine Plastikkugeln von Erbsengröße verschießen. Sie bleiben dann wahrscheinlich im Wald liegen und verrotten in vielleicht 10000 Jahren. Banzai! (Das ist ein Wortwitz durch Ambivalenz.) Der Müll wird peinlich getrennt, aber man ringt sich nicht zum nicht weniger billigen oder teuren Paintball durch, wo man Gelatinekugeln mit Lebensmittelfarbe verwendet, die nach zwei Jahren nicht mehr auffindbar sind. Durch das größere Kaliber würde aber wohl das realistische Aussehen leiden. Die nächstbilligeren Exemplare kosten mehr als 140000 Yen (ca. 1050 Euro), und die Preise gehen runter auf „wenige Tausend“ Yen, aber dafür bekommt man vielleicht noch eine Beretta oder eine Glock oder HK P8. Reichlich unerschwinglich. Also müssen die Bilder reichen. Vielleicht kann man mal an einem Spiel teilnehmen, zum Zuschauen oder mit Leihknarre. In einer Jahreszeit, in der es weder regnet noch schneit, heißt das. Wann ist das eigentlich?
Zuletzt habe ich heute ein Ladegerät für meine Batterien gekauft. Original Panasonic. Für diesen Namen zahle ich dann auch 3400 Yen. Und das Modell war nicht das teuerste. Es gibt Maxell Geräte der gleichen Bauart, die 4800 Yen kosten. Über diese Preise will ich mich aber nicht lange aufregen. Meine Kamera hat endlich wieder Energie und ich kann Fotos machen.
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