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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

23. Juli 2011

Das Wort zum Vierunddreißigsten

Filed under: My Life — 42317 @ 12:27

Ein bisschen spät vielleicht, aber ich habe so viel andere Sachen im Kopf und zu tun, dass ich sogar von an mir vorbeirollenden Paketen träume.

Eine geradezu magere Bilanz bietet sich mir dieses Jahr, denn der Kreis der Personen, die an meinen Geburtstag denken, scheint zu schrumpfen. Ich nehme das allerdings keinem übel, denn Berufstätigkeit stellt, wie ich an mir selber bemerke, ganz andere Herausforderungen an das, wofür man am Abend noch Energie aufwenden kann, als ein selbstreguliertes Studentenleben, und das Klettern auf der Karriereleiter intensiviert dies noch. Vielen Dank also an alle, die an mich gedacht haben und viel Glück und Erfolg für diejenigen, an denen der französische Nationalfeiertag einfach vorbeigegangen ist.

Was habe ich denn bekommen? 30 Euro von den Großeltern, Geld für Brötchen, Wurst und Käse von Puck und Karl (eigentlich für den Rollenspielnachmittag vorgesehen, aber bei der Gelegenheit wegen der großen Menge an Snacks und dergleichen von Volker und Christian nicht verzehrt), „Otaku no Video“ von Ricci, die Autobiografie von Bud Spencer plus eine Sammlung weniger bekannter Filme mit ihm und Terence Hill von Melanie, ein Bundeswehrkopfkissen von Thomas, dass er mit Hilfe von Volkers Vater Horst aufgetrieben hat, man könnte auch Kevin erwähnen, einen Arbeitskollegen, der ein Paket in unserem „Grenzbereich“ für mich übernahm… und eine kleine Packung Maoam von Alex. 🙂

Da ich den „Grundriss der Japanologie“ endlich losbekam mit einem Erlös von knapp 20 E, habe ich mir von diesem Geld auch selbst was geleistet: „First Strike“ und „Master of Death“ mit Jackie Chan (dessen englischer Untertitel eigentlich „Magnificient Bodyguards“ lautet) und Doppel-DVD Special Editions der beiden Batman-Filme mit Michael Keaton, zuzüglich des „Zombie Survival Guides“ für Melanie zu ihrem Geburtstag von ihrer Wunschliste.

In diesem Zusammenhang muss ich allerdings auf ganz spezielle „Pappenheimer“ eingehen: Meinen Herrn Großvater.
Der hat es nämlich bewusst vermieden, mich anzurufen, weil er mir schmollte, um es mal antiquiert auszudrücken.
„Du weißt doch, dass es uns in letzter Zeit so schlecht geht, Du hättest ja doch mal anrufen können! Deswegen habe ich extra nicht angerufen, weil ich böse auf Dich war.“
Ich muss gestehen, dass mir das gerade ziemlich gleich ist. Das Verhalten des Großvaters hat mich in letzter Zeit etwas abgestumpft.
Der erste Punkt ist aus meiner Sicht der Dinge völlig klar: Wenn er so viel zu erzählen hat, soll er doch mich anrufen. Abends um Acht stehe ich in der Regel zur Verfügung. Auf geradezu konfuzianische Gedanken, wer wen wegen der hierarchischen Generationenordnung mit Ehrerbietung über die Telefonleitung bedenken muss, kann ich verzichten. Ich rufe niemanden an, wenn ich nichts sinnvolles zu sagen habe. Ist das so schwer zu verstehen?

Aber der Spaß geht ja noch weiter. Der Großvater trug sich ja, wie er sagte, mit dem Gedanken, seinen Führerschein abzugeben. Ich bezweifle, dass das trotz aller ihm bekannten Probleme, die ich früher an dieser Stelle bereits beschrieben habe, mehr als ein Gedankenspiel war, aber er sagt das halt, also gönne ich ihm Zweifel an meiner pessimistischen Meinung zum Thema. So, mitten in diese Gedanken platzte ein Krankenhausaufenthalt der Großmutter, und da dachte er sich, ein paar Tage mehr würden wohl noch gehen. Und so kam es, dass er in Breitfurt in einem Anfall von temporärer Geistesabwesenheit (nicht zu verwechseln mit Ohnmacht) von der Straße abkam und parkende Autos beschädigte und weiterfuhr. In der heimischen Garage angekommen, bog gleich die Polizei in die Einfahrt und stellte ihn zur Rede. Er könne sich an nichts erinnern, und der Totalschaden, den er an seinem eigenen PKW angerichtet hatte, sei ihm bis soeben nicht aufgefallen. Die Polizei („Jaja, schon klar… pusten Sie mal…“) überzeugte sich, dass kein Alkohol im Spiel war und die Sache wanderte ans Gericht.

Ich bin nicht sicher, was und ob mittlerweile etwas dabei herausgekommen ist. Aber es begab sich, dass auch ich Post von der Gerichtskasse in Saarbrücken erhielt, wegen der Änderung im Grundbucheintrag, da mir ja das Haus überschrieben worden war. Die wollten knapp 400 E Gebühren von mir, die ich heute kaum weniger gut aufbringen kann wie vor zwei Monaten. Ich brachte ihm auch diese Rechnung. Offen sagte er mir, dass ich ihm bitte solch hohe Rechnungen nicht mehr bringen möge, weil er ja selbst nichts habe – ich gehe also davon aus, dass wegen der Unfallfolgen Kontopfändungen vorliegen. Ich durfte allerdings auch mithören, wie er, als er mich außer Hörweite wähnte, klagte, warum ich denn nicht auch mal zu meinem Vater oder meiner Mutter ginge, wenn ich Geld brauchte.
Das erste Wort, dass mir in dem Moment durch den Kopf ging, will ich hier aus Grunden des Anstands nicht nennen. Erstens haben die beiden rein gar nichts mit dem mir übertragenen Haus zu tun, außerdem arbeitet meine Mutter als Putzfrau und mein Vater lebt von staatlicher Ergänzung zu seiner mageren Rente. Die haben nichts am Lappen, wie man so sagt. Es sollte jedenfalls weniger sein als eine Bosch-Betriebsrente. Aber wenn man die natürlich durch Altersstarrsinn absägt, nennt man das wohl eine Arschkarte!
Positiver Punkt: Seinen Führerschein hat er zum letzten Mal gesehen.
Ich habe das Gefühl, dass ihn diese Sache sehr belastet, denn in diesen wenigen Wochen scheint er körperlich noch stärker abgebaut zu haben als in den vergangenen Monaten. Man sollte annehmen, dass es nicht mehr lange dauert.

Reden wir noch kurz von der Großmutter, weil sie ja im Krankenhaus war. Sie hatte Nierensteine, die immer wiederkommen, weil sie bestenfalls eine null-siebener Flasche Sprudel am Tag trinkt. Zuerst wurde ein Katheter gelegt, um den Harnabfluss zu garantieren, worauf sie ein paar Tage nach Hause konnte. Dann sollte sie zurück ins Krankenhaus, um die Nierensteine zu entfernen und es wurde ein neuer Katheter gelegt. Daraufhin ging sie wieder zwei Wochen nach Hause, bevor sie erneut hinging, um den Katheter entfernen zu lassen. Die Angelegenheit ist damit an sich beendet – sie kann sich nur nicht daran erinnern. Sie glaubt, dass man sie mehrmals ins Krankenhaus rief, untersuchte, und unverrichteter Dinge wieder nach Hause schickte. Als ob Nierensteine den modernen Arzt an seine Grenzen führten… aber eine irgendwie lustige Sache gab es zum Abschluss. Anlässlich meines Besuches zeigte mir die Großmutter eine CD. Das Krankenhaus habe ihr diese „Schallplatte“ gegeben, aber sie habe ja gar keinen „Plattenspieler“ dafür. Es handele sich wohl um eine Aufnahme von einem Kinderchor. Ich besah mir die CD: Sie kommt von der radiologischen Abteilung, ist für die persönlichen Unterlagen der Patientin bestimmt und enthält die MRT-Aufnahmen der Nierensteine, um quasi beim nächsten Mal den Befund zu erleichtern.

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