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Aus dem noch unerforschten Inneren meines Schädels

10. Juni 2008

Nichts wie weg

Filed under: My Life — 42317 @ 16:19

Sponsored by Opa habe ich mir einen Sonntagsurlaub gegönnt, das heißt, ich bin zusammen mit den Großeltern am Sonntag Morgen um 0510 Uhr losgefahren, in die 420 km entfernte Fränkische Schweiz, wo ich mich unter anderem in Tüchersfeld wiederfand, an dessen Ortsschild noch eine Werbung für die Internationale Funkausstellung in Berlin im September 1983 prangte:

Tüchersfeld

Zunächst kam ich allerdings nach Pottenstein, wo sich eine große Tropfsteinhöhle befindet, die man Anfang der Dreißiger Jahre entdeckt hatte. Manche der größeren Tropfsteingebilde werden auf 150.000 bis 300.000 Jahre geschätzt, wohl ausgehend von der Tatsache, dass es 13 Jahre dauert, bis sich ein Milimeter der Kalkablagerung manifestiert hat. Sonderlich beeindruckend fand ich die Formationen nicht, die so hochtragende Namen wie „Papstkrone“ oder „Kaiser Barbarossa“ tragen, aber ich kam nicht umhin, wenigstens diese Ansammlung von Phallussymbolen zu fotografieren:

Tropfsteine

Für 3 E (Studentenpreis) kann man an einer Führung teilnehmen, die 45 Minuten dauert, und während die Informationslage wohl solide ist, hätte ich mir eine bessere Rahmengestaltung gewünscht. Dem wohl etwas über 50 Jahre alten Angestellten merkt man an, dass er die Tour seit Jahren macht. Er kennt seinen Text auswendig und spult ihn herunter wie eine Produktbeschreibung auf einem der Dauerwerbekanäle im Fernsehen, mit sich immer wiederholender Satzmelodie. Hinzu kommt, dass die „Highlights“ in dem Höhlensystem, das heißt, die drei Hallen, auch noch mit pathtischer Musik untermalt werden – das allerdings nur eingangs. Der Führer drückt auf einen Knopf seiner Fernbedienung, worauf eine vorprogrammierte Folge von Lichteffekten den Ort erleuchtet, in Blau, Grün, Rot, Gelb und auch Weiß, untermalt von eben jener Musik, die etwa eine Minute spielt und dann ausklingt, worauf wir die mündlichen Informationen zum Platz erhalten.

Die Musik klingt so richtig fehl am Platz, und das würde sie nicht, wenn sie leise während der gesamten Tour im Hintergrund zu hören wäre, und das Lichtspiel sollte man besser fahren, um den Text des Führers zu untermalen, während dessen Ausführungen man das beschriebene Objekt ja optisch hervorheben könnte.

Ich sage nicht, dass die Investition von 3 E verschwendet war, aber die Gestaltung hätte besser sein können. Denn Höhlen bekomme ich auch in Homburg, und Tropfsteinhöhlen auch in Niedaltdorf. Was die Höhlen in Pottenstein den saarländischen Voraus haben, sind allerdings die Höhlenbären:

Bär

Vor circa 35.000 Jahren waren die geräumigen Gewölbe von mehreren Dutzend Höhlenbären bewohnt. Durch einen Deckeneinsturz im Eingangsbereich wurden die durchschnittlich dreieinhalbe Meter großen Bären eingeschlossen und verendeten, wovon einige Knochenhaufen und eben das restaurierte Skelett künden.

Natürlich befinden sich im Eingangsbereich ein Gastbetrieb und auch ein Souvenirladen, wo man u.a. folgendes erstehen kann:

Chinesische Weisheiten

Daneben befindet sich ein Automat, an dem ich mir ein Andenken „selber“ machen kann, und dazu soll ich in den linken Einwurfschlitz einen Euro werfen und in den rechten 5 Cent. Der Euro schaltet die Kurbel frei, mit deren hebelgesetzlicher Hilfe ich die Fünfcentmünze plattwalzen und mit einem „Pottensteiner Tropfsteinhöhle“ Wappen mit Bärenskelett imprägnieren lassen kann. Ja bin ich denn bescheuert oder was? Und ist das Zerstören von Geld nicht illegal?

Danach wartete ich erst einmal auf die Großeltern, die angesichts der nicht wenigen Stufen lieber draußen geblieben waren und sich auf die Suche nach einem Platz zum Mittagessen gemacht hatten. Mein Blick streifte dabei ein Sammelsurium von Reisenden, die ebenfalls die Höhlen besichtigen wollten, darunter ein paar ganz wenige in meinem Alter, meistens jedoch ältere Herrschaften (darunter einer, der sich mit Hinweis auf unser HOM Nummernschild geradezu auf mich stürzte mit der freudigen Mitteilung, dass er ein seit 40 Jahren in Wiesbaden wohnender Neunkircher sei, der sich immer freue, mit Landsleuten saarlännisch schwätze zu kenne) mit kleinen Enkelkindern im Alter bis zu zehn Jahren, aber von hübschen jungen Frauen keine Spur (in der ganzen Gegend)! 🙂

Wir haben also im Anschluss zu Mittag gegessen und sind mit 30 Euro für drei Personen satt wieder aus dem Restaurant gekommen. Währenddessen brach allerdings ein kurzes und heftiges Gewitter über die Gegend herein, das just erst wieder aufhörte, als wir wieder nach draußen gingen. Den Rest des Nachmittags blieb das Wetter wechselhaft und schwankte zwischen heißem Sonnenschein und Regenschauern.

Da die Großeltern natürlich nicht mehr gut zu Fuß sind, machten sie lediglich einen Spaziergang durch den Ort und fanden in ihren Mägen tatsächlich noch den Platz für Kaffee und Kuchen, den ich nach der Schweinshaxe mit Knödel vergeblich hätte suchen müssen. Mir war dann doch eher nach Verdauungsspaziergang, allerdings offenbarte die touristisch hervorragend erschlossene Gegend eine Schwäche in Relation zu meinem Zeitplan. Mir waren drei Stunden Zeit gegeben, bevor wir uns wieder auf die vier Stunden währende Rückfahrt machten, und es war leider so, dass es nur zwei sehr kurze Strecken gab und eine sehr lange. Die lange Strecke war 16 Kilometer lang, und ich hätte sie wohl genommen, wenn ich sicher gewesen wäre, wie sich der Höhenverlauf gestaltete. 16 Kilometer sind bequem in drei Stunden zu schaffen, wenn die Gegend halbwegs flach ist, allerdings habe ich es hier mit einem Mittelgebirge zu tun, von daher wollte ich es zeitlich nicht riskieren, auch im Hinblick darauf, dass ich zwar ein Telefon für Verspätungsmitteilungen dabei hatte, aber eben die „andere Partei“ nicht.

Ich nahm also die zwei kurzen Touren, die mich jeweils eine Stunde beschäftigten und mir keine Gelegenheit gaben, mich kurz hinzusetzen, weil die Sitzbänke im Schatten nassgeregnet waren und die trockenen in der prallen Sonne standen. Um das beste daraus zu machen, betrachtete ich die Landschaft von unten

Kla,,

und von oben

Flaggenstein

und von „innen“

Waldlicht

und bewunderte die Gesteinsformationen:

Leben in der Lage

Die verbliebene knappe Stunde setzte ich mich dann allerdings doch noch auf eine fast trockene Holzbank mit Tisch (ich hatte Polstermaterial dabei) in die Sonne, bedeckte mich aber mit einem großen Regenschirm (den ich ebenfalls eingepackt hatte) und schlief dort bis um kurz vor Vier, als mich ein weiterer Regenschauer trommelnd auf die fortgeschrittene Uhrzeit aufmerksam machte, und während ein paar andere Wanderer eiligen Schrittes in Richtung Ortseingang strebten, konnte ich in meiner „Deckung“ ganz entspannt meinen Aufbruch in Angriff nehmen.

Auch hier war das Erlebnis im Vergleich zum (Reise-) Kostenaufwand eher mittelprächtig, denn Wandermöglichkeiten dieser Art bekomme ich auch in der Eifel geboten, die nur wenige Kilometer nördlich von hier beginnt, und wohin ich kostengünstig mit einem Überlandbus von Trier aus fahren könnte.

Die Autofahrt in die Heimat verlief, ebenso wie die Hinfahrt, ereignislos, abgesehen von einem unspektakulären Engpass westlich von Nürnberg, wo ein kleiner PKW in die Leitplanke geraten war. Trotz erheblichen Sachschadens war scheinbar niemand verletzt worden, denn unter all den Blaulichtfahrzeugen, die sich den Weg durch den entstehenden Stau bahnten, befand sich kein Krankenwagen.

Und warum ist für eine solche Tour eine Sonnenbrille sehr praktisch?
Weil man frühmorgens in den Sonnenaufgang und spätabends in den Sonnenuntergang fährt, wenn man wie ich so weit aus dem Westen Deutschlands kommt, dass es westlicher kaum noch geht.

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