{"id":94,"date":"2007-09-11T12:26:26","date_gmt":"2007-09-11T11:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=94"},"modified":"2012-10-20T18:11:54","modified_gmt":"2012-10-20T16:11:54","slug":"kein-bund-furs-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=94","title":{"rendered":"(K)Ein Bund f\u00fcr&#8217;s Leben"},"content":{"rendered":"<p>Denen, die den Titel nicht kennen, sei gesagt: Dies ist ein Filmreview.<br \/>\nOder zumindest der Versuch eines solchen.<\/p>\n<p>Ich bin mit Melanie letzte Woche in diesen Film gegangen, weil wir bereits vor Wochen eine Werbung daf\u00fcr gesehen hatten. Ich habe in deutsche Kom\u00f6dien nicht das allergr\u00f6\u00dfte Vertrauen, aber, hey, es geht hier um die zweit-interessantesten Monate meines Lebens. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Kurze Zusammenfassung:<br \/>\nBasti lebt in einer WG mit einem Freund und einem blonden Gift, auf das beide scharf sind. Er will den Wehrdienst verweigern und bittet den Freund (aus unbekannten Gr\u00fcnden) darum, den Brief f\u00fcr ihn zur Post zu bringen. Weil der aber seine Chancen bei der Blonden wachsen sieht, wenn Basti weg ist, l\u00e4sst er den Verweigerungsantrag verschwinden.<br \/>\nBasti wird also bei einer Party (Abifeier?) \u00fcberraschend von den Feldj\u00e4gern abgeholt und in eine Kaserne verfrachtet, wo er auf den klischeehaften Ausbilder und den klischeehaft ehrgeizigen Kompaniechef trifft. Jedes Jahr tritt eine Abordnung dieser Kompanie gegen ein Team von US Soldaten an, um im Gel\u00e4nde die Gefechtsf\u00e4higkeiten zu messen. Der Protagonist muss sich also mit seinen Stubenkameraden zusammenraufen, die absonderlicher nicht sein k\u00f6nnten, und am Ende steht nach allerlei bl\u00f6delig-chaotischen Einlagen nat\u00fcrlich der Sieg \u00fcber die Amerikaner.<\/p>\n<p>F\u00fcr die, die&#8217;s vielleicht sehen wollen, noch ein Hinweis: Der Film ist erst <strong>nach<\/strong> dem Abspann zu Ende. F\u00fcr gew\u00f6hnlich bin ich mit meinem Bekanntenkreis der einzige im Kino, der solche Stellen noch zu sehen bekommt, weil der durchschnittliche Besucher &#8211; ob guter Film oder schlechter Film &#8211; zu Beginn des Abspanns zu fliehen pflegt. Der Abspann selbst ist das originellste an dem Film: Die gesamte Reihe der DarstellerInnen singt ihn selbst &#8211; <em>&#8220;Tr\u00e4nen l\u00fcgen nicht&#8221; <\/em>(worauf noch die Credits ablaufen, zu <em>&#8220;Hurra, hurra, die Stube brennt&#8221;<\/em>, und <strong>dann<\/strong> kommt der Schlussgag.)<\/p>\n<p>Bevor ich anfange, \u00fcber die inhaltlichen Darstellungen herzuziehen, will ich die positiven Punkte nennen:<br \/>\nEs gibt ein paar gute Gags, \u00fcber die man lachen kann. Interessant ist auch, dass es eigentlich nicht einfach eine Parodie ist, sondern auf gewisse Art und Weise ein Pro-Bundeswehr-Film, weil dargestellt wird, dass Bundeswehr nicht nur Komiss und &#8220;Dummfick&#8221; ist, sondern auch Chance und Perspektive; wie am Ende die Notwendigkeit der Kameradschaft \u00fcber individualistische Verweigerungstendenzen siegt; und au\u00dferdem findet der &#8220;Held&#8221; gerade bei der Armee die wahre Liebe. Ist das nicht sch\u00f6n?<\/p>\n<p>Womit wir zu den Kritikpunkten k\u00e4men:<br \/>\nWas die Party betrifft, bin ich mir nicht sicher &#8211; Basti erw\u00e4hnt, dass er gerade sein Abitur geschafft hat, was nat\u00fcrlich nicht hei\u00dfen muss, dass es die offizielle Abifeier ist, die da stattfindet. Ich gehe eigentlich nicht davon aus. Eingezogen wird man am Ersten des Monats, und Abifeiern finden wohl deshalb am Ende des vorherigen Monats statt, von daher w\u00e4re es ein unsinniger dramatischer Effekt, den Protagonisten von der Feier &#8220;abholen&#8221; zu lassen.<\/p>\n<p>Die Charaktere sind total \u00fcberzeichnet.<br \/>\nBasti ist noch der normalste in diesem Haufen krasser Individualisten.<br \/>\nDa w\u00e4re ein kr\u00e4ftig gebauter (ethnischer) T\u00fcrke, der schnell rassistische Vorurteile wittert und bei der Armee Karriere machen will. Gleichzeitig ist er allerdings zu stolz, zuzugeben, dass er eine Brille braucht. Warum nimmt er keine Kontaktlinsen?<br \/>\nDer n\u00e4chste ist ein Aspirant der Kunstakademie, der scheinbar aus einer Familie des alten Milit\u00e4radels entstammt und von seinem Vater zwangsverpflichtet wurde. Nat\u00fcrlich muss ausgerechnet dieser Charakter mit dem ach so lustigen Hinweis auf Homosexualit\u00e4t ausgestattet sein. Ist doch ganz klar, dass alle m\u00e4nnlichen Kunststudenten Schwuchteln sind&#8230;<br \/>\nDann die Brillenschlange, die f\u00fcr den BND arbeiten will und aus unbekannten Gr\u00fcnden dazu bei der BW anf\u00e4ngt. Er zeichnet jedes gesprochene Wort auf Band auf, <em>&#8220;um es sp\u00e4ter gegen Dich verwenden zu k\u00f6nnen&#8221;<\/em>.<\/p>\n<p>(Dieses Tonband tr\u00e4gt \u00fcbrigens zu einem &#8220;80er Feeling&#8221; des Films bei, denn anstatt klobiger Bandger\u00e4te gibt es heute kleine elektronische Aufnahmeger\u00e4te, und was noch in den Kalten Krieg zu geh\u00f6ren scheint: Wer zur H\u00f6lle wird denn heutzutage in der BRD noch gegen seinen Willen eingezogen? Das muss eine verschwindende Anzahl von Pechv\u00f6geln sein. Eine Menge Leute wird erst gar nicht gefragt und muss weder Wehr- noch Ersatzdienst leisten. Wobei ich, gefragt, den Ersatzdienst verweigerte und scherzhaft mit einer Klage drohte, falls man mich nicht einziehen w\u00fcrde.)<\/p>\n<p>Der Typ, den sie &#8220;UFO&#8221; nennen, hat die Weisheit nicht mit L\u00f6ffeln gefressen und imitiert die meiste Zeit ein Schaf (weil Basti mit Nachnamen &#8220;L\u00e4mmle&#8221; hei\u00dft). Er f\u00e4ngt erst in der zweiten H\u00e4lfte des Films an, ganz \u00fcberraschend wie ein Mensch zu reden.<br \/>\nDer letzte von dem Haufen ist der \u00dcberlebensk\u00fcnstler, dessen Verweigerung fehlgeschlagen ist, und der nun bei der Armee seine Schwarzmarktf\u00e4higkeiten anwendet.<\/p>\n<p>Die so genannte Grundausbildungskompanie (eines Panzerregiments) besteht eigentlich nur aus der eben vorgestellten Stube 54. In dieser Stube befinden sich schon allerlei Verzierungen, wie Portr\u00e4ts der Bewohner, ein <em>&#8220;Rambo&#8221;<\/em> Poster und solcherlei Dinge, die in einer Grundausbildungskompanie der Bundeswehr nie und nimmer da h\u00e4ngen d\u00fcrften.<br \/>\nDer Rest der (eigentlich) ca. 40 Mann des Zuges und der (ebenso theoretisch) ca. 100 Mann der Kompanie geht gesichtslos in der Masse beim Antreten unter. Hirnrissig dabei ist, dass der gesamte F\u00fchrungskader nur aus dem Grundausbilder (einem Oberfeldwebel) und dem Kompaniechef (einem Major &#8211; namens Hauptmann) besteht. Andere Dienstgrade gibt&#8217;s da nicht, abgesehen von weiblichen Unteroffizieren im ebenso vorhandenen Luftwaffen-Sanit\u00e4tsregiment. Die \u00fcbrigens die ganze Zeit im Dienstanzug unterwegs sind. Bei uns haben die grunds\u00e4tzlich Gr\u00fcn getragen. Von der 1,50 m kleinen StUffz Hupert bis zur Oberstabs\u00e4rztin (deren Namen ich vergessen habe).<br \/>\nVielleicht kann man den ebenfalls hoffnungslos \u00fcberzeichneten Oberstabsgefreiten, der im Vorzimmer des Majors sitzt, ebenfalls nennen. \u00dcberkorrekt und kriecherisch (wenn auch weniger kriecherisch als der Oberfeldwebel), ein Ja-Sager, der immer sch\u00f6n die Hacken knallen l\u00e4sst. Nein, nicht sch\u00f6n. Den Rekruten, die das heutzutage (wohl von den Medien beeinflusst &#8211; von eben <strong>solchen<\/strong> Medien, wie ich sie hier gerade beschreibe!) machen, bringt man sofort bei, dass derlei Wehrmachtstraditionen zu unterlassen seien. Die Bundeswehr knallt nicht mit den Hacken. Kompletter Bl\u00f6dsinn &#8211; f\u00fcr den Leinwandeffekt.<br \/>\nEs ist hier, im Zusammenhang mit fehlenden Dienstgraden, auch geradezu unverzeihlich, dass man gerade den Spie\u00df, den h\u00f6chsten verantwortlichen Kompaniefeldwebel, Ziel so vieler sp\u00f6ttischer Bemerkungen, weggelassen hat. Ich dachte, der Spie\u00df geh\u00f6re zu BW-Parodien wie das Salz in die Suppe.<\/p>\n<p>Dass der Grundausbilder grunds\u00e4tzlich schreit, dass einem die Haare fliegen, kennt man ja aus dem Fernsehen&#8230; aber auch nur von dort &#8211; obwohl ich nicht sagen will, dass es nicht hin und wieder vorkommt. Warum allerdings bei dem ganzen Aufsagen von d\u00e4mlichen Phrasen und ebenso d\u00e4mlichen Kommandos (man sagt bei einem angetretenen <strong>Zug<\/strong> nicht <em>&#8220;<strong>Kompanie<\/strong>! Stillgestanden!&#8221;<\/em>) nicht auf echte Spr\u00fcche und echte Situationen, die (im Nachhinein) nicht wenig komisch wirken, zur\u00fcckgegriffen wurde, ist mir unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Da wird man z.B. gleich am ersten Tag dauergestresst, und das f\u00e4ngt schon beim Ausf\u00fcllen von Formularen im schlecht beleuchteten Flur des Kompaniegeb\u00e4udes an:<br \/>\n<em>&#8220;N\u00e4chster!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Guten Morgen&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;<strong>Was glauben Sie, wozu diese gelbe Linie da ist!? Stellen Sie sich gef\u00e4lligst dahinter auf!<\/strong>&#8220;<\/em> (da ist tats\u00e4chliche eine Linie in Armreichweite von dem Schreibtisch weg) mit dem Zusatz <em>&#8220;<strong>Ich glaub, mir f\u00e4llt gleich ein Ei aus der Hose!!<\/strong>&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Allerdings ist unseren Ausbildern immer beinahe der Arsch geplatzt und nicht der Sack, wie im Film zu h\u00f6ren ist. Aber es mag lokale Variationen geben.<\/p>\n<p>Und dann, immer noch am ersten Tag, steht man nachts um 23:30 noch in der Schlange vor dem Untersuchungsraum des Regimentsarztes, lehnt sich vor M\u00fcdigkeit an die Wand und wird angeherrscht, <em>&#8220;<strong>die Wand steht von alleine!<\/strong>&#8220;<\/em> Das war damals, im unmittelbaren Moment, vielleicht unangenehm, aber heute lacht der Veteran doch dar\u00fcber. Oder dar\u00fcber, bei H\u00e4nden in den Hosentaschen gefragt zu werden:<br \/>\n<em>&#8220;Haben Sie Geburtstag?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Nein&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;<strong>Dann spielen Sie nicht mit Ihrer Kerze!<\/strong>&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Oder vier Kilometer Kasernenrundlauf mit Liegest\u00fctzen alle 200 Meter:<br \/>\n<em>&#8220;Ich kann meine Arme nicht mehr sp\u00fcren!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Jetz machen Se mal&#8217; n Pippi aus&#8217;n Augen, ja!?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Oder wie w\u00e4ren die Richtlinien f\u00fcr Verhalten gegen\u00fcber Vorgesetzten beim Antreten?<em><br \/>\n<em>&#8220;Wenn  ein Vorgesetzter sie anspricht, dann sehen Sie ihm nicht ins Gesicht, sondern \u00fcber seine Schulter weg! Augen geradeaus, das Gesicht ist zur Faust geballt! Und dass ich keinen Pissbogen in der Reihe sehe!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Oder die kleine, feine Phrase <strong><em>&#8220;Los! Finger rotieren lassen!&#8221;<\/em><\/strong> oder <strong><em>&#8220;Die Beine bilden eine rotierende Scheibe! Das hab ich schonmal schneller gesehen!&#8221;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sehr individuell w\u00e4re die &#8220;\u00dcbungseinleitung&#8221; des StUffz Schmelmer, der w\u00e4hrend des Mittagessens im Gel\u00e4nde daherkam, dabei auf die entsprechenden Stellen seiner Uniform zeigte und sowas sagte wie<br \/>\n<em>&#8220;Das ist mein Dienstgrad, das ist mein Name, ich habe keine Freunde und ich brauch auch keine, <strong>ABC-ALARM!!<\/strong>&#8220;<\/em> (Was in der Regel dazu f\u00fchrte, dass man sich binnen 20 Sekunden in den Gummianzug mit ABC-Schutzmaske schmei\u00dfen musste und den Rest seines Essens nicht mehr essen durfte, da offiziell kontaminiert.)<\/p>\n<p>After-Reinigungs-Partys:<br \/>\n<strong><em>&#8220;Wer hat mit den Schuhen auf dem Tisch gestanden!?&#8221;<\/em><\/strong><br \/>\n<em>&#8220;Niemand!&#8221;<\/em><br \/>\n<strong><em>&#8220;Und wie haben Sie dann den Staub von der Lampe gewischt!?&#8221;<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>&#8220;Sehen sie den blauen Frosch vor dem Fenster?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Nein&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\n<strong><em>&#8220;Dann machen Sie das Fenster besser sauber!&#8221;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>(Sieht unter das Bett:) <strong><em>&#8220;Was ist DAS!?! Staubm\u00e4use springen mich an!!&#8221;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>(Macht mit dem Finger einen Strich \u00fcber die Oberfl\u00e4che, h\u00e4lt den Finger dann in Richtung des Soldaten und pustet \u00fcber die Spitze:) <strong><em>&#8220;Sehen Sie mich noch!?&#8221;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das alles ist, unglaublich, aber wahr, im Nachhinein lustig, es h\u00e4tte sich in dem Film zweifelsohne gut gemacht, und es h\u00e4tte ohne Zweifel zum Realismus beigetragen. Dass man sogar auf das beliebte <strong>&#8220;Durchz\u00e4hlen!&#8221;<\/strong> Spiel verzichtet hat, fand ich sehr schade. Es gibt tats\u00e4chlich eine Szene, wo durchgez\u00e4hlt wird, was bedeutet, dass jeder, der Reihe nach, eine Zahl sagt, angefangen bei <em>&#8220;EINS!&#8221;<\/em> bis zum letzten Mann in der Reihe &#8211; um die Gesamtanwesenheit festzustellen. In diesem Film hier allerdings sagt der zweite Mann <em>&#8220;ZWEI!&#8221;<\/em> und es bleibt dabei.<br \/>\nHumbug! Wenn bei der Bundeswehr einer beim Z\u00e4hlen &#8220;ZWEI!&#8221; sagt, ruft der Ausbilder sp\u00e4testens bei &#8220;VIER!&#8221; <strong><em>&#8220;Nochmal!!&#8221;<\/em><\/strong>, und das, ohne auf den Fehler hinzuweisen. In der Regel dauert es zwei Minuten, bis die Truppe entweder auf den Ast mit der &#8220;ZWO!&#8221; kommt (weil es \u00fcber Funk dann nicht mehr mit &#8220;drei&#8221; verwechselt werden kann, die Sache hat also ihren Sinn) oder der Ausbilder die Geduld verliert und die Sache korrigiert.<br \/>\nAu\u00dferdem meldet der Letzte in der Reihe <strong><em>&#8220;Durch!&#8221;<\/em><\/strong>, um das Ende anzuzeigen. Auch das wurde unterlassen.<\/p>\n<p>Von Ausbildung und Drills bekommt man allerdings nie etwas zu sehen &#8211; doch, kurz, aber dann sind es Dinge, die ich selbst nie getan habe, weil sie in den Unterhaltungsmedien pr\u00e4senter sind, als in Kasernen. Die Helden m\u00fcssen durch den Schlamm kriechen und der Ausbilder dr\u00fcckt mit dem Fu\u00df die H\u00fcfte eines Auszubildenden auf den Boden. Dort geh\u00f6rt sie beim so genannten &#8220;Gleiten&#8221; auch hin, allerdings ist die Szene dennoch hinf\u00e4llig: Der Vorgesetzte ist gesetzlich verpflichtet, den Soldaten vor jeder Art von k\u00f6rperlichem Kontakt zu fragen, ob er ihn anfassen d\u00fcrfe.<br \/>\nIn diesem Machwerk hier gibt es jedenfalls keinen theoretischen Unterricht, kein Auswendiglernen von Wachdienstvorschriften, kein T\u00e4uschen und Tarnen, keinen Unterstand- und Grabenbau, keine Formalausbildung, keine Drills f\u00fcr Reinigung und Zerlegen und Zusammensetzen. Die Jungs werden sofort mit der Situation dieses deutsch-amerikanischen Wettbewerbs konfrontiert, und das, ohne jemals etwas \u00fcber Verhalten auf dem Gefechtsfeld oder \u00fcber Bewegung im Gel\u00e4nde gelernt zu haben, und dem entsprechend sieht das Gegurke aus, das mir da von der Leinwand aus entgegen kriecht. Es ist schlicht und ergreifend kompletter Schwachsinn, Grundis in eine solche Situation zu bringen. Nach BW-Ma\u00dfst\u00e4ben kalkuliert, muss man ja damit rechnen, dass sich die Leute im Wald selbst verletzen, weil sie das Gehen erst mal neu und richtig lernen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nach einem scheinbar harten Ausbildungstag kommen sie in voller Montur in die Stube zur\u00fcck&#8230; mit schmutzigen Gesichtern, leicht verschmutzter Kleidung&#8230; und sauberen Schuhen. Ich kann mich leider nicht genau erinnern, ob sie nicht auch noch ihre Gewehre dabei hatten&#8230; was eigentlich Bl\u00f6dsinn ist, weil man sie in der Waffenkammer abgeben muss, aber bei au\u00dferordentlichen Dienstzeiten kann es durchaus zu Ausnahmen kommen. Wie dem auch sei, dann legen sie sich so ins Bett und genie\u00dfen den Dienstschluss.<br \/>\nKompletter Hirnriss &#8211; der Ausbilder \u00fcberwacht nicht nur die Ausbildung, sondern auch das Reinigen der Ausr\u00fcstung danach. Waschen und Ausziehen wird man zwar nicht mal bei der BW befehlen, aber das Nachbereiten der Ausbildung wurde hier unter den Tisch gekehrt.<\/p>\n<p>Und dann sollen sie gegen Leute antreten, die ihre Ausbildung schon hinter sich haben? Das zumindest ist mein Eindruck von den dargestellten Amerikanern, die schon sehr hart und kantig daherkommen (und mit herrlich deutschem Akzent reden &#8211; ich sage nur: Vorderzungenvokalisierung &#8211; mit Ausnahme ihres Chefs, dessen Darsteller ein in die USA immigrierter D\u00e4ne ist). Welcher Vollidiot w\u00fcrde das f\u00fcr glaubhaft halten? Wenn die Jungs dann unterwegs sind, laufen sie in wilder Sch\u00fctzenwolke rum, sie laufen sich gegenseitig vor der M\u00fcndung rum und vor allem sind sie ohne Unteroffizier oder einen anderen (Halb-) Gruppenf\u00fchrer unterwegs.<br \/>\n<strong> Niemals, niemals nie!<br \/>\n<\/strong>Verwendet wird da scheinbar das MILES Gefechtssimulationssystem (steht f\u00fcr <strong>M<\/strong>ultiple <strong>I<\/strong>ntegrated <strong>L<\/strong>aser <strong>E<\/strong>ngagement <strong>S<\/strong>ystem) &#8211; man schie\u00dft mit Infrarotstrahlen aufeinander, die von speziellen Geweben, die man auf der Kleidung tr\u00e4gt, registriert werden und den Getroffenen &#8220;abschalten&#8221;. F\u00fcr mehr Informationen siehe <a href=\"http:\/\/encyclopedia.thefreedictionary.com\/Multiple%20Integrated%20Laser%20Engagement%20System\" title=\"MILES Lexikoneintrag\" target=\"_blank\">Lexikoneintrag zu MILES<\/a> (englisch).<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr irgendwelches Fehlverhalten wird zur Strafe Schuheputzen angesetzt. Die Stiefel der gesamten Kompanie, dem Berg nach zu schlie\u00dfen &#8211; was bedeutet, dass da eine Menge Leute keine Schuhe hat und f\u00fcr den eigentlich stattfindenden Ausbildungsdienst ausf\u00e4llt? Na, vielleicht hat man auch Paare aus dem Lager genommen. Der Punkt ist, dass Stube 54 putzen soll, und der Ausbilder geht zum Essen. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Disziplinierungsma\u00dfnahme unrealistisch ist (man w\u00fcrde eher &#8220;Zusatzausbildung&#8221; am Wochenende ansetzen), ist es eine Richtlinie der Bundeswehr, dass der befehlende Ausbilder selbst dabei sein und mitmachen muss &#8211; eine Begleiterscheinung des Grundsatzes <em>&#8220;F\u00fchren durch Vorbild&#8221;<\/em>. Das hat so manchen sportlichen Kameraden schon dazu animiert, Bauteile seines Gewehrs beim Reinigungsdrill fallen zu lassen, worauf der Ausbilder Liegest\u00fctze ansetzte, f\u00fcr jedes Fallenlassen 20 &#8211; allerdings hatte der Kamerad mehr Ausdauer als der Ausbilder und nach etwas mehr als 100 mal &#8220;pumpen&#8221; hatte der Unteroffizier genug und w\u00e4hrend des gesamten restlichen Reinigungsdrills dieses Tages musste niemand mehr <em>&#8220;in den Liegest\u00fctz &#8211; ab!&#8221;<\/em> oder andere sportliche Leistungen erbringen. Auch das w\u00e4re interessant in einem solchen Film gewesen, aber es ist ein zu individuelles Ereignis, als dass man es erwarten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auf Grund der Werbung hatte ich mir auch Hoffnungen auf eine Metalversion der Nationalhymne gemacht &#8211; aber die gibt&#8217;s offenbar nur in der Kinowerbung, und nicht im Film selbst.<\/p>\n<p>Der Film kann durchaus unterhaltsam sein. In Anlehnung an zwei Gespr\u00e4che in den vergangenen Wochen \u00fcber <em>&#8220;CSI&#8221;<\/em>, eines mit einem Polizisten und eines mit einem Arzt, muss ich allerdings  sagen: Nur dann, wenn man von dem, was dargestellt wird, keine Ahnung hat. Ich muss mich ernsthaft fragen, ob diejenigen, die das erdacht, geplant und ausgef\u00fchrt haben, jemals bei der Armee waren (ich habe meine Zweifel), und ob die Danksagungen an Bundeswehrangeh\u00f6rige (h\u00f6here Offiziere) im Abspann sich auf mehr beziehen als die Erlaubnis, echtes Kasernengel\u00e4nde f\u00fcr die Aufnahmen verwenden zu d\u00fcrfen. Einen Berater f\u00fcr realistischen Kasernenjargon gab es ja scheinbar nicht.<br \/>\nWas mir blieb, waren die Gags ohne direkten Bezug zur Armee, und das sind zu wenige, als dass ich mir den Film in absehbarer Zeit kaufen w\u00fcrde. Vielleicht irgendwann, wenn ich gelangweilt bin und den Streifen in der Kramkiste irgendwo f\u00fcr einen F\u00fcnfer sehe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denen, die den Titel nicht kennen, sei gesagt: Dies ist ein Filmreview. Oder zumindest der Versuch eines solchen. 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