{"id":936,"date":"2009-12-21T15:30:38","date_gmt":"2009-12-21T14:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=936"},"modified":"2012-12-11T19:24:50","modified_gmt":"2012-12-11T18:24:50","slug":"uber-stuckwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=936","title":{"rendered":"\u00dcber &#8220;St\u00fcckwerk&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Um gleich eine Frage zu beantworten, die sich m\u00f6glicherweise mehr als einer beim Lesen von <em>&#8220;St\u00fcckwerk ist unsere Erkenntnis, St\u00fcckwerk unser Tun&#8230;&#8221;<\/em> gestellt hat: Der Text ist keine Darstellung meines augenblicklichen Seelenzustandes. Die Geschichte wurde bereits Anfang 2008 geschrieben und sollte bereits vor einem Jahr, zum 17. Dezember 2008, ver\u00f6ffentlicht werden, aber leider habe ich das Datum verpennt.<\/p>\n<p>Was da geschrieben steht, beruht auf einer wahren Begebenheit, aber nat\u00fcrlich hat sich das alles nicht im Detail so abgespielt. Bernhards Tod ist real, aber er hat sich nicht von einer Br\u00fccke gest\u00fcrzt. Die Titelzeile stammt aus der Totenmesse, die in Trier f\u00fcr ihn abgehalten wurde. Seine Freude am Fotografieren und an Brettspielen entspricht der Wahrheit, aber er hat nicht in einem Club, sondern immer wieder mal mit der Dienstagsrunde gespielt, von der ich seit einigen Jahren Teil bin. Er sang auch im Chor, im Graf-Spee-Chor, um genau zu sein, und ebenso gibt es das erw\u00e4hnte Blog, und er hatte auch tats\u00e4chlich so einen &#8220;Idiotenjob&#8221;. Der Alte, der seine Exkremente an die Wand schnippte, den gab&#8217;s auch mal, und ebenso das \u00fcberm\u00e4\u00dfig schnell wirkende Abf\u00fchrmittel. Ich kannte die Pflegerin des ersteren, und letzteren kannte ich pers\u00f6nlich.<br \/>\nDer Stil des ersten Epilogs richtet sich, als Hommage, an den Fragmenten aus, die in dem Blog geschrieben stehen.\u00a0 Aber die f\u00fcllenden Details und Gedanken entstammen alle meiner intuitiv-k\u00fcnstlerischen Freiheit.<\/p>\n<p>Ich habe erst nach Bernhards Tod seinen Geburtstag realisiert, und der ist halt am Tag nach meinem. Vielleicht kannte ich ihn nicht wirklich gut, auf jeden Fall nicht ganz so gut, wie ich die Leute kenne, die jeden Dienstag dabei sind, wenn es darum geht, den Sheriff &#8211; BANG! &#8211; zu erschie\u00dfen, aber ich habe mich ab und zu mit ihm unterhalten und habe ihn oft genug &#8220;live erlebt&#8221;, sozusagen, um daraus ableiten zu k\u00f6nnen, dass wir ein paar Gemeinsamkeiten besitzen, weswegen ich auf die Idee kam, einen Nachruf in Form einer Kurzgeschichte verfassen, und dabei im Rahmen des Realistischen bleiben zu k\u00f6nnen. Inwieweit mir das gelungen ist, liegt im Ermessen derer, die ihn besser und l\u00e4nger kannten als ich.<\/p>\n<p>Ich griff dabei auf ein Sammelsurium von direkten Erfahrungen und mitgeh\u00f6rten Geschichten zur\u00fcck. Ich kenne zum Beispiel den LKW-Fahrer, dem eine Person von der Autobahnbr\u00fccke vor den Laster sprang. Es war nicht Bernhard, sondern eine junge Frau, aber ich fand es angebracht, den zweiten Epilog hinzuzuf\u00fcgen, um darauf hinzuweisen, dass ein Selbstmord immer auch noch andere treffen kann, die man gar nicht treffen will, an die man gar nicht gedacht hat. Nat\u00fcrlich hatte ich auch die Gef\u00fchle der Freunde und Verwandten im Sinn, aber daran wollte ich micht herantrauen. Ich wei\u00df nicht, ob ich das h\u00e4tte treffen k\u00f6nnen, ohne unsachlich r\u00fchrselig oder kitschig zu werden. Letztendlich dachte ich mir, dass es klar genug sein m\u00fcsste, dass das direkte Umfeld betroffen sein w\u00fcrde, und lie\u00df es bei einer Person, dem Lieferfahrer, der \u00fcberhaupt keine Beziehung zu S. hatte und trotzdem sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Statistiken zeigen, dass die Gefahr eines Selbstmords in sozialen Einheiten gr\u00f6\u00dfer ist bzw. wird, wenn ein solcher Ungl\u00fccksfall sich bereits im direkten Umfeld dieser Gruppe ereignet hat, aber ich wei\u00df nicht, inwiefern Forschungen auch &#8220;die anderen&#8221; erfassen, die Kraftfahrer auf Stra\u00dfe und Schiene zum Beispiel, oder vielleicht auch Menschen, die in der direkten Umgebung einer solchen Br\u00fccke leben oder arbeiten. Darauf wollte ich kurz hinweisen.<\/p>\n<p>Das seelische Innenleben von S. ist eine \u00dcbersteigerung dessen, wie es mir selbst zwischen Winter 2004 und Herbst 2005 ging, als es mir nicht gelingen wollte, einen Nebenjob zu finden, und als ich finanziell v\u00f6llig von anderen abh\u00e4ngig war. Das trifft das Selbstwertgef\u00fchl ganz empfindlich. Zumindest meines&#8230; und diese Geschichte mit <em>&#8220;Ich wei\u00df nicht&#8230; zwischen uns stimmt die Chemie einfach nicht&#8230;&#8221;<\/em>, die stammt aus meinen eigenen, direkten Erfahrungen. Es ging dabei zwar nur um einen Job als Salatmischer, und das mit der schlechten Chemie muss ich aus meiner Unversch\u00e4mtheit ableiten, f\u00fcr das Probearbeiten bezahlt werden zu wollen, aber das Gespr\u00e4ch hat sich so zugetragen. Die Sache mit der Standpauke und <em>&#8220;Da musste gar nicht so gucken!&#8221;<\/em> hab ich auch selbst erlebt.<br \/>\nAlles weitere ergibt sich aus meiner \u00dcberzeugung, dass Bernhard mir irgendwo \u00e4hnlich war in seiner Auffassung von Spa\u00df und Vergn\u00fcgen und in seiner Weltsicht. Vielleicht kam angesichts seines Alters bereits die Midlife Crisis dazu, ich wei\u00df nicht, aber ich k\u00e4me nicht so schnell auf die Idee, mir das Leben zu nehmen. Ich bin n\u00e4mlich das Schaf.<\/p>\n<p>So mancher Sachverst\u00e4ndige k\u00f6nnte sich an meiner Darstellung der Agentur f\u00fcr Arbeit st\u00f6ren. Das ist doch alles ganz anders, k\u00f6nnte da einer sagen. Ja, ich streite nicht ab, dass das alles m\u00f6glicherweise ganz anders ist, aber es kam mir darauf an, darzustellen, wie Otto Normaldosenbiertrinker das System sieht. Ich habe auch hier eine stabile Grundlage von Arbeitslosen und Hartz-IV-Empf\u00e4ngern in meinem weiteren Umfeld, die sich bevormundet und herumgeschubst, und generell als B\u00fcrger dritter Klasse vom System verarscht f\u00fchlen. Ich habe deswegen zumindest versucht, darauf zu achten, dass all das, was da \u00fcber diese Institution gesagt wird, als subjektive Gedanken des ungl\u00fccklichen Protagonisten zu erkennen ist, damit es eben nicht als allgemein g\u00fcltig und wahr aufgefasst werden kann.<\/p>\n<p>An der Form der Pr\u00e4sentation wurde bem\u00e4ngelt, dass der episodische Stil verwirrend sei. Ich h\u00e4tte auch gern die Szenenwechsel durch einen gr\u00f6\u00dferen Abstand zum vorherigen Abschnitt markiert, aber an dieser Stelle ist die Technik gegen mich. Ich kann zwischen zwei Abschnitten tausendmal die Eingabetaste dr\u00fccken, aber die Eingabemaske wird alle bis auf die erste Eingabe ignorieren. Ich habe mir auch \u00fcberlegt, eine Zeile mit einem Punkt einzuf\u00fcgen, um so die Abst\u00e4nde k\u00fcnstlich zu vergr\u00f6\u00dfern, aber das sah nicht gut aus. Ich gebe allerdings zu, dass ich die Eingabe mehrerer Freizeilen \u00fcber das HTML Eingabefenster noch nicht versucht habe&#8230; vielleicht geht das ja.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nNein, das geht auch nicht. Vielleicht mach ich ja was falsch.<\/p>\n<p>Der Text ist sehr schnell entstanden&#8230; innerhalb von acht Stunden an einem Abend. Nat\u00fcrlich wurden in der Folgezeit noch ein paar \u00c4nderungen, K\u00fcrzungen, und Erweiterungen vorgenommen, im Rahmen von vielleicht 200 W\u00f6rtern (es sind insgesamt etwa 6600), aber die Geschichte war prinzipiell nach einer &#8220;Arbeitssitzung&#8221; pr\u00e4sentierf\u00e4hig. Ich w\u00fcrde das durchaus schnell nennen&#8230; und wenn sie es schafft, den Leser emotional zu ber\u00fchren, und nicht einfach als irgendeine Erz\u00e4hlung in der Tradition des &#8220;Werther&#8221; vielleicht gelesen zu werden, dann habe ich ein bedeutendes Ziel erreicht &#8211; f\u00fcr Bernhard ebenso wie f\u00fcr mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um gleich eine Frage zu beantworten, die sich m\u00f6glicherweise mehr als einer beim Lesen von &#8220;St\u00fcckwerk ist unsere Erkenntnis, St\u00fcckwerk unser Tun&#8230;&#8221; gestellt hat: Der Text ist keine Darstellung meines augenblicklichen Seelenzustandes. Die Geschichte wurde bereits Anfang 2008 geschrieben und sollte bereits vor einem Jahr, zum 17. 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