{"id":67,"date":"2007-06-15T18:03:35","date_gmt":"2007-06-15T17:03:35","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=67"},"modified":"2010-02-26T12:10:04","modified_gmt":"2010-02-26T11:10:04","slug":"you-be-cool","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=67","title":{"rendered":"You! Be cool!"},"content":{"rendered":"<p>Wieder ein lustiges Experiment am Johanniterufer am Laufen.<br \/>\nAuf dem Tisch steht eine Holzkiste, deren W\u00e4nde einzeln herausnehmbar sind. In der Holzkiste befindet sich das Modell eines Zimmers. An den W\u00e4nden sind eine Uhr, ein Fenster, ein Bild und eine T\u00fcr aufgemalt. In der Ecke zwischen Bild und Uhr steht ein Stuhl, in der Mitte befindet sich ein Tisch. Auf dem Tisch ein Blumentopf und vier Plastikkarten. Auf drei Plastikkarten steht &#8220;Niete&#8221; und auf einem &#8220;Gewinn&#8221;.<\/p>\n<p>Man bekommt erst den Raum gezeigt, dann h\u00e4lt man sich die Augen zu, w\u00e4hrend das Setting leicht ver\u00e4ndert wird, und w\u00e4hlt eine Karte, bis man mehrfach hintereinander den &#8220;Gewinn&#8221; gezogen hat.<br \/>\nIch gebe zu, dass ich ziemlich blind gewesen bin. Es ist mir in den ersten paar Durchg\u00e4ngen v\u00f6llig entgangen, dass der Raum jeweils von einer anderen Wand aus gezeigt wurde, weil ich so auf die Karten konzentriert war. Ich bin davon ausgegangen, dass die Reihenfolge der Karten jeweils gemischt w\u00fcrde, aber das war wohl nicht der Fall.<\/p>\n<p>Irgendwann merkte ich anhand des Blumenpotts, dass es in der Tat der Raum war, der gedreht wurde, und nicht die Karten. In der Runde zog ich dann eher zuf\u00e4llig den &#8220;Gewinn&#8221;. Die entsprechende Karte lag direkt neben dem Blumentopf. In der kommenden Runde stand der Blumentopf anders auf dem Tisch &#8211; aber die Relation des Stuhls zu den Wanddarstellungen war die gleiche und sie blieb auch immer gleich, ebenso blieb die r\u00e4umliche Relation von &#8220;Gewinn&#8221; Karte und den W\u00e4nden gleich.<\/p>\n<p>Nachdem ich dann dreimal in Folge des &#8220;Gewinn&#8221; gezogen hatte, ging das Experiment in die n\u00e4chste Phase. Ich sollte erst einen Fragebogen zum aktuellen Befinden ausf\u00fcllen. Dann wurde mal wieder ein EKG angelegt, Speichelproben gesammelt und mein Blutdruck gemessen.<br \/>\nDann wurde ich aufgefordert, meine rechte Hand in Eiswasser zu legen. Da schwammen noch Eisw\u00fcrfel drin. Es war ganz h\u00e4sslich kalt. In der zuvor gereichten Beschreibung stand zu lesen, dass man die k\u00f6rperliche Reaktion auf die dadurch entstehende &#8220;moderate Schmerzempfindung&#8221; testen wolle. Gut, ich wei\u00df ja, dass Psychologen in solchen Dingen nie die Wahrheit sagen, wenn es um die wahren Ziele ihrer Experimente geht, aber &#8220;moderat&#8221; war die Schmerzempfindung meines Erachtens schon nicht mehr. Die K\u00e4lteempfindung tritt nach ca. 20 Sekunden deutlich sp\u00fcrbar ein und der Schmerz nimmt in der kommenden Minute stetig zu. Ich war dauernd kurz davor, die Hand aus dem Wasser zu ziehen.<\/p>\n<p>Ich musste mich allerdings an zwei Szenen erinnern, von denen ich eine bereits mehrfach auf Video gesehen hatte: <em>&#8220;Die Angst ist der kleine Tod!&#8221;<\/em> \ud83d\ude42<br \/>\nMein zweiter Gedanke galt den <em>Warhammer 40k<\/em> Romanen: Es gibt eine Stelle, an der der Held der Reihe seine Willenskraft testet und unter Beweis stellt, indem er seine Hand in S\u00e4ure taucht, bis das Fleisch komplett abgel\u00f6st ist. Dann graviert er in Seelenruhe seine Fingerknochen und l\u00e4sst sich dann neues Fleisch anlegen. Im 40. Jahrtausend geht das halt.<\/p>\n<p>Nach etwa 90 Sekunden nahm der Schmerz aber nicht mehr weiter zu, sondern blieb konstant, das hei\u00dft, man konnte sich daran gew\u00f6hnen. Das machte die Sache wesentlich leichter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des &#8220;Handbades&#8221; wurde mein EKG aufgezeichnet, mein Blutdruck elektronisch festgehalten &#8211; und meine Mimik auf Band aufgenommen. Viel d\u00fcrfte es allerdings nicht zu sehen geben. Nur wegen der Absurdit\u00e4t der oben genannten Gedanken w\u00e4re ich beinahe in schallendes Gel\u00e4chter ausgebrochen. Das h\u00e4tte den Evaluatoren sicherlich zu denken gegeben und sie h\u00e4tten es f\u00fcr eine Reaktion auf den Anstieg von Stresshormonen gehalten. Aber ich glaube, ansonsten hat nur mein linkes Auge dann und wann gezuckt, bis man mir nach drei Minuten sagte, ich k\u00f6nne die Hand wieder aus dem Wasser nehmen.<\/p>\n<p>Die Versuchsleiterin sagte, dass vor allem Frauen ihre Hand nicht lange im Eiswasser lassen k\u00f6nnten, was mich wunderte, denn immerhin vollbringen Frauen die Heldentat des Kindergeb\u00e4rens. Sie erkl\u00e4rt das mit hormonellen Ver\u00e4nderungen im weiblichen K\u00f6rper im Laufe der Schwangerschaft, aber ich m\u00f6chte eher vermuten, dass das m\u00e4nnliche Durchhalteverm\u00f6gen auf den Stolz der Versuchsteilnehmer zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Nach dieser kleinen Tortur soll ich erneut einen Fragebogen nach meinem Befinden ausf\u00fcllen. Ich stelle beim Ausf\u00fcllen selber fest, dass ich mich aufgedrehter, wacher und aufmerksamer f\u00fchle, als vor dem &#8220;Bad&#8221;.<\/p>\n<p>Die letzte \u00dcbung ist eine Reihe von Begriffen, die ich danach bewerten soll, wo der Begriff f\u00fcr mich irgendwo zwischen &#8220;sehr positiv&#8221; und &#8220;sehr negativ&#8221; anzusiedeln ist. Da waren Dinge wie &#8220;Freiheit&#8221; und &#8220;Liebe&#8221; dabei, auch fiese Begriffe wie &#8220;M\u00f6rder&#8221; und &#8220;Inzest&#8221;, aber auch v\u00f6llig neutrale W\u00f6rter wie &#8220;Kachel&#8221;, &#8220;Tasse&#8221;, &#8220;Treppe&#8221; oder &#8220;Linie&#8221;. Gut, wegen des in Calw \u00fcblichen Jargons hat der Begriff &#8220;Kachel&#8221; f\u00fcr mich eine sehr positive Konnotation, obwohl man damit etwas ausdr\u00fcckte, was man normalerweise &#8220;einen Deppen&#8221; nennt.<\/p>\n<p>Dann wurde ich zum Zeitunglesen geschickt, f\u00fcr eine Stunde. W\u00e4hrenddessen waren noch vier Speichelproben abzugeben. Nach dieser Stunde sollte ich dann die Begriffe aufschreiben, an die ich mich noch erinnern konnte. Immerhin zw\u00f6lf von achtzehn.<\/p>\n<p>Ha, und das alles war bereits gestern!<br \/>\nHeute morgen war ich nochmal f\u00fcr zwanzig Minuten im Labor, aber alles, was ich zu tun hatte, war mich an die Position der &#8220;Gewinn&#8221; Karte zu erinnern und an noch einmal m\u00f6glichst viele Begriffe aus der gestrigen Liste (immer noch elf von achtzehn). Zudem wurde mir eine verl\u00e4ngerte Liste pr\u00e4sentiert, auf der die gestrigen Begriffe alle zu finden waren zuz\u00fcglich einer Reihe weiterer W\u00f6rter, und ich sollte sagen, welches &#8220;alte&#8221; W\u00f6rter waren und welche erst heute dazu gekommen sind.<br \/>\nIch bin ziemlich sicher, die meisten Begriffe richtig zugeordnet zu haben, aber meine diesbez\u00fcglichen Fragen durften im Rahmen der noch laufenden Untersuchung nicht beantwortet werden. Man teilte mir nur mit, dass an alle Teilnehmer, die das w\u00fcnschten, eine Rundmail mit den Hintergr\u00fcnden und den Ergebnissen versendet w\u00fcrde.<br \/>\nDann bin ich mal gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder ein lustiges Experiment am Johanniterufer am Laufen. Auf dem Tisch steht eine Holzkiste, deren W\u00e4nde einzeln herausnehmbar sind. In der Holzkiste befindet sich das Modell eines Zimmers. An den W\u00e4nden sind eine Uhr, ein Fenster, ein Bild und eine T\u00fcr aufgemalt. 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