{"id":640,"date":"2009-09-22T18:39:53","date_gmt":"2009-09-22T16:39:53","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=640"},"modified":"2013-01-06T19:41:58","modified_gmt":"2013-01-06T18:41:58","slug":"von-nagaoka-und-unsichtbaren-panzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=640","title":{"rendered":"Von Nagaoka und unsichtbaren Panzern"},"content":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfes Wochenende h\u00e4tte es sein k\u00f6nnen, der 19. und der 20. September. Zum einen sollte Freitag auf Samstag das Nagaoka Festival  unter dem Titel <em>&#8220;Konstantin l\u00e4dt ein&#8221;<\/em> stattfinden, zum anderen hatte die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 41) gegen\u00fcber K\u00fcrenz f\u00fcr Samstag und Sonntag <em>&#8220;Tage der Information&#8221;<\/em> angek\u00fcndigt, und ich habe bereits vier Jahre gewartet, dass sich ein solches Ereignis wiederholen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Am Samstag Morgen um 1015 stand ich an der Bushaltestelle vor meinem Haus, um in den Bus Richtung Avelertal zu steigen. Irgendwas gefiel mir an der Art, wie das Sonnenlicht auf die Hausseite traf und wie sich dieses Bild durch die sich verf\u00e4rbenden B\u00e4ume an der Haltestelle darstellte. Ich nahm die Kamera aus der Hosentasche, um ein Foto zu machen, hatte auf dem Bildschirm allerdings das Gef\u00fchl, durch eine Jalousie zu schauen &#8211; was ist da los?<\/p>\n<p>Ein Blick auf das Objektiv der Kamera zeigte mir, dass die obere H\u00e4lfte der Blende, die als Staub- und Kratzschutz vor der Linse fungiert, aus ihrer F\u00fchrungsrille gesprungen war und sich nicht mehr \u00f6ffnen lie\u00df. Scheinbar bin ich in den vergangenen Tagen bei irgendeiner Gelegenheit mit irgendeiner Kante &#8211; m\u00f6glicherweise ein Teppichstapel &#8211; genau daraufgesto\u00dfen.<br \/>\nEs stellte sich schnell heraus, dass weder meine F\u00e4higkeiten noch das mir in jenem Moment zur Verf\u00fcgung stehende Werkzeug den Schaden beheben k\u00f6nnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dennoch fuhr ich zu dem Parkplatz am Avelertal und nahm den Shuttleservice der WTD in Anspruch, sowie einen Flyer entgegen, der mir einen \u00dcberblick \u00fcber das Programm verschaffte.<br \/>\nIch sah mir eine Teststrecke an, auf der Fahrwerke unter kontrollierten Bedingungen auf ihre Gel\u00e4ndef\u00e4higkeit \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Sie besteht aus f\u00fcnf Betonfahrspuren mit verschieden hohen Erhebungen, und eine Zahl von Ketten- und Radfahrzeugen fuhr unter den Kommentaren eines Ansagers immer wieder dar\u00fcber hinweg, darunter ein Dingo Gel\u00e4ndefahrzeug, ein Zehntonner LKW, ein Leo2 und eine Panzerhaubitze 2000.<\/p>\n<p>Die Ausstellung der historischen Fahrzeuge war ein wenig gewachsen. Wie beim letzten Mal fanden sich auch an diesem Wochenende ein JgPz I (etwa 2 m hoch, halb offene Kuppel, mit 47 mm PaK), eine &#8220;Hummel&#8221; Selbstfahrlafette mit 150 mm Kanone, ein Pz III (Flamm), ein Pz V &#8220;Panther&#8221;, ein M5A1 &#8220;Stuart&#8221;, und ein sowjetischer T-34\/85. Neu dazugekommen waren der Bergepanzer auf dem Fahrwerk des Pz IV (Bj. 1941) und der Jagdpanther. Beeindruckendes Ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Auf dem Hof mit den Radfahrzeugen befand sich ein moderner Funktrupp auf einem 7,5t LKW, und daneben das dazugeh\u00f6rige Aggregat, das heutzutage scheinbar ebensoviel Platz braucht. Zu meiner Zeit war das auf einem Anh\u00e4nger untergebracht, heute braucht sowas scheinbar ein eigenes Fahrzeug. Aber dieser SatTrupp ist technisch auch umfangreicher als mein alter Kilowatt-Trupp.<br \/>\nDer Feldwebel und der Hauptgefreite hier hatten keine Stabantenne mehr, sondern eine 4,5 m Satellitensch\u00fcssel, sie verwendeten auch keinen FS-200 Fernschreiber, sondern einen Desktop PC, dem entsprechend auch keine Lochstreifen mehr, sondern E-Mail. Der SatTrupp ist wohl seit 2001 im Einsatz.<\/p>\n<p>Ich unterhielt mich mit den beiden eine Weile und kam zu dem Schluss, dass sich an der Gespr\u00e4chskultur der Bundeswehr nichts ge\u00e4ndert hat. Nein, ich meine nicht die Dreifaltigkeit von Frauen, Autos und Fu\u00dfball. Vielmehr unterhielten wir uns \u00fcber den Leistungsmangel des Bundeswehrmaterials gegen\u00fcber dem nicht-milit\u00e4rischen \u00c4quivalent, die unversch\u00e4mt h\u00f6heren Preise dieser qualitativ eingeschr\u00e4nkten Versionen, die mangelnde Anpassungsf\u00e4higkeit des Materials im Allgemeinen an die sich ver\u00e4ndernden Aufgaben der Bundeswehr, und die Realit\u00e4tsferne mancher Beschaffungsauftr\u00e4ge. Der Feldwebel wies an einer Stelle mit dem Daumen in Richtung der Kettenfahrzeuge im Hof nebenan und erw\u00e4hnte den dort aufgestellten Marder mit W\u00fcstentarn als Beispiel:<br \/>\n<em>&#8220;Dem seine Tarnung ist nicht aufgepinselt, sondern besteht aus einem Plastik\u00fcberzug, dessen Einzelteile mit Klettverschl\u00fcssen zusammengehalten werden.&#8221;<\/em> Sicherlich flexibler als ein klassischer Tarnanstrich, und muss, anders als Farbdosen und Pinsel, auch nicht immer wieder neu gekauft werden, aber <em>&#8220;wenn das Ding mal zu dicht an einem Baum vorbeif\u00e4hrt, rei\u00dft es den \u00dcberzug runter und das Ding ist wieder gr\u00fcn.&#8221;<\/em> Und je nach Situation m\u00f6chte oder kann man vielleicht nicht sofort aussteigen, um den Missstand zu korrigieren.<\/p>\n<p>Danach stattete ich dem Sozialdienst der Bundeswehr und dem nat\u00fcrlich anwesenden Wehrdienstberater einen Besuch ab, denn ich wollte ja gern ein oder zwei Kissen haben, wie sie in BW Kasernen verwendet werden. Darauf liege ich mir meine Schulter nachts nicht zu Mus. Das hei\u00dft, im Sommer habe ich keine Probleme, aber im Winter sp\u00fcre ich mein Schultergelenk nachts ganz deutlich, was erst besser wird, wenn es nach dem Aufstehen irgendwann warm geworden ist.<br \/>\nAber von den Anwesenden konnte mir keiner sagen, wie ich da rankommen k\u00f6nnte, und man empfahl mir, mich direkt an die Truppe zu wenden.<\/p>\n<p>Vom Sozialdienst bekam ich einen Katalog mit Urlaubsangeboten, wo ich als Mitglied 10 % Preisnachlass erhalten k\u00f6nne, aber ich habe meine Mitgliedschaft im Bundeswehrverband noch zu gut schlecht in Erinnerung, wo man mich ebenfalls mit Rabattangeboten hinlockte &#8211; und ich nach Inspektion der entsprechenden L\u00e4den feststellte, dass es sich um kleine Einzelh\u00e4ndler handelte, die trotz (5 %) Rabatt in ihren Preisen von gro\u00dfen Fachm\u00e4rkten wie <em>MediaMarkt<\/em>, <em>Blitz<\/em>, oder <em>ProMarkt<\/em> locker unterboten wurden.<\/p>\n<p>Ich kam nicht umhin, dem Oberleutnant von der Wehrdienstberatung meine Erfahrungen mit seinem Metier zu schildern, und er beteuerte, dass das heute ganz anders gemacht werde, dass er umfassend informiere, und nicht nur Fragen beantworte, die man ihm auch stelle&#8230; denn es h\u00e4tte mich schon gefreut, damals, 1997, zu erfahren, dass man als Soldat auf Zeit gleich voll bezahlt wird&#8230; meine Unterschrift unter den W10+13 &#8220;W-Flex&#8221; Vertrag hat der Bundeswehr letztendlich 17000 Mark an L\u00f6hnung gespart, die ich in den ersten 11 Monaten bekommen h\u00e4tte, wenn ich statt verl\u00e4ngertem Wehrdienst gleich SaZ-2 gew\u00e4hlt h\u00e4tte, was damals, nach meinem Wissen, in der Mannschaftslaufbahn m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Zum Abschied kriegte ich insgesamt den eben genannten Katalog, zwei Kugelschreiber, zwei Schl\u00fcsselb\u00e4nder, und ein Mousepad mit 3D-Effekt.<\/p>\n<p>Die Frustration \u00fcber die verflossene M\u00f6glichkeit, Fotos und Videos zu machen, f\u00e4rbte deutlich auf meine Laune ab. Ich verlie\u00df das Gel\u00e4nde wieder, ohne mir das Panzertauchen mit Notausstieg unter Wasser, oder das \u00fcbliche Zerquetschen von Schrottautos anzusehen. Ich wollte versuchen, in der Stadt einen Laden zu finden, der die Kamera aufschrauben und in Ordnung bringen konnte.<\/p>\n<p>Nach einem Besuch entsprechender L\u00e4den stand eines fest:<br \/>\n<em>&#8220;Das k\u00f6nne ma net hier mache, das m\u00fcsse ma einschicke.&#8221;<\/em><br \/>\nWundersch\u00f6n, ich brauche die Kamera aber heute! Jetzt! Sofort!<br \/>\nNix is. Wieder mal ein leckeres St\u00fcck Pustekuchen.<br \/>\nAls ich aus dem letzten Laden kam, war ich nahe daran, die Knipse auf den B\u00fcrgersteig zu klatschen. Aber ich lasse es. Erstens waren noch 2 GB Extraspeicher drin, und zweitens bestand ja die M\u00f6glichkeit, dass ich f\u00fcr den Reparaturpreis plus ein paar Kr\u00f6ten mehr noch <strong>keine<\/strong> neue Kamera kriege.<\/p>\n<p>Wenn ich schon mal da war, dann blieb ich auch hier und sah mir das Nagaoka Festival an. Immerhin hatte ich mich mit f\u00fcnf Bildern an dem von der City-Initiative ausgeschriebenen Fotowettbewerb beteiligt, und wollte gerne sehen, was andere Leute beigesteuert hatten. Ich ging an der B\u00fchne am Hauptmarkt vorbei, wo eine Karate-Vorf\u00fchrung zu sehen war, und ging gleich in das Zelt auf dem Domfreihof. Im Zelt war es trotz der Eingangs\u00f6ffnung von 2,5 auf drei Metern unangenehm w\u00e4rmer und schw\u00fcler als drau\u00dfen, und ich wurde das Gef\u00fchl nicht los, dass das Zelt oder irgendein Bestandteil davon nach Pferd roch. Ich habe nichts gegen Pferdegeruch, ich empfinde das nicht als st\u00f6rend, aber es war doch auff\u00e4llig.<br \/>\nIn dem Zelt traf ich auch Kolleginnen von <em>&#8220;Trier spielt&#8221;<\/em> wieder und helfe ein bisschen beim Origamifalten. Nicht, dass ich viel davon verstehen w\u00fcrde, aber die Bastelanleitungen aus dem entsprechenden Buch erschienen mir nachvollziehbarer als der frustrierten Bastlerin.<\/p>\n<p>Ich sah mir die vorhandenen Fotos f\u00fcr den Wettbewerb an und sch\u00e4tzte, dass es sich etwa um 50 handelte, was bedeutet, dass meine Freundin und meine Wenigkeit f\u00fcr sch\u00e4tzungsweise 20 % der Ausstellung gesorgt hatten. Die meisten Bilder waren das, was ich nicht sehen wollte, n\u00e4mlich wunderh\u00fcbsche Klischeebilder. Da sind Gartenanlagen, Tempeltore, Schreine, Kirschbl\u00fcten, und eine Maiko (Geisha in Ausbildung) oder allgemein weibliche Menschen im Kimono. Wenig klischeehaft sind nur wenige Bilder, wie das eines mir bekannten, verkl\u00e4rt wirkenden Studenten unter einer Leuchtreklame, die sich <em>&#8220;Yume (nozomi)&#8221;<\/em> (<em>&#8220;Tr\u00e4ume (W\u00fcnsche)&#8221;<\/em>) liest. Ein gutes Bild nach meinem Ermessen, aber sein wie auch mein \u00dcbel an diesem Wettbewerb ist, dass jeder Besucher, der teilnehmen will, ein Lieblingsbild ausw\u00e4hlen darf, das hei\u00dft in erster Linie Leute, die keine Ahnung vom Thema haben. Die w\u00e4hlen nat\u00fcrlich die sch\u00f6nen Klischeebilder, und nicht solche, die davon abweichen oder eben solche, deren dargestellten Text man mangels Sprachkenntnis nicht lesen kann. Die Kollegin von <em>&#8220;Trier spielt&#8221;<\/em> konnte mit dem Bild von dem Schrottauto, das ich eingereicht habe, auch nichts anfangen, bis ich es ihr erkl\u00e4rt hatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-641\" title=\"Schrott\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/IM000799klein.JPG\" alt=\"Schrott\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/IM000799klein.JPG 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/IM000799klein-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Das Foto wurde von mir im M\u00e4rz 2004 in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet ein paar Kilometer s\u00fcdlich von Hirosaki aufgenommen. Es ist anscheinend \u00fcblich, dass Bauern, die \u00fcberall ihre Apfelb\u00e4ume pflanzen und pflegen, ihre alten Autos nicht verschrotten, sondern als Schuppenersatz auf die Plantage stellen, um darin Werkzeug zu lagern, das sie f\u00fcr die Apfelzucht brauchen. Einige dieser Autos, wie das beschriebene, befinden sich in einem bereits fortgeschrittenen Stadium der Zersetzung, werden aber dennoch nicht entsorgt &#8211; wohl angesichts der damit verbundenen Kosten.<br \/>\nUnter dem rechten Vorderrad des dargestellten Wagens befand sich als St\u00fctze eine Autobatterie, die ebenso alt wie der Wagen sein d\u00fcrfte. Aus dieser Batterie lief alles m\u00f6gliche aus (was auch immer au\u00dfer S\u00e4ure da drin sein mag), was in der kleinen Vertiefung eine widerliche schwarze Schlacke gebildet hatte.<br \/>\nDas Bild soll ausdr\u00fccken, dass Japaner zwar ein \u00e4sthetisches Umweltbewusstsein haben, was man an der effizienten Landschaftspflege und am k\u00fcnstlerischen Gartenbau sehen kann, dass es ihnen aber an Umwelt<strong>schutz<\/strong>bewusstsein noch sehr mangelt. Das Foto soll einen bewussten Contrapunkt zu den anderen Darstellungen bilden, von denen mir v\u00f6llig klar war, dass sie auftauchen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein weiteres sch\u00f6nes Bild war wohl der Teich, mit dem ich was \u00fcber scheinbare Oberfl\u00e4chlichkeit und faktische kulturelle Tiefe sagen wollte&#8230; aber das w\u00e4re bestenfalls einer Expertenjury aufgefallen, denn leider war es nicht m\u00f6glich, einen erkl\u00e4renden Text mit dazu abzugeben. Den h\u00e4tte ich in das Bild drucken m\u00fcssen, und das habe ich erst erfahren, als ich die fertigen Ausdrucke abgab.<\/p>\n<p>Ich wechselte von den Fotos zum Tisch in der Mitte und ignorierte dabei den Aikido Verein am Fu\u00dfende des Zelts. Ich redete ein bisschen mit der Fachschaftsvertretung, deren Namen ich zwar vergessen habe, deren Gesichter ich aber immerhin wiedererkenne. Die Besucherfragen sind typisch und die Antworten einge\u00fcbt: <em>&#8220;Japanisch ist doch sicher schwer? Und was macht man dann damit?&#8221;<\/em> Ich empfehle jedem Japanologen, und denen, die es werden wollen, sich so schnell wie m\u00f6glich Antworten auf diese Fragen zu \u00fcberlegen, denn man wird immer wieder von verschiedenen Seiten aus damit gel\u00f6chert.<\/p>\n<p>Von der Fachschaft wechselte ich zum Herrn Uchita und stellte dort meine mangelnde Begabung f\u00fcr Kalligrafie unter Beweis. Das interessante Wechselspiel von breiten und d\u00fcnnen Strichen, das sich zwangsweise aus der Form des Pinsels ergibt, rettet meine infantile Pinselschrift auch nicht.<br \/>\nDie freiwillige Aufgabe des Herrn Uchita, der sich in seiner Freizeit nicht nur mit moderner, sondern auch altert\u00fcmlicher Kalligrafie besch\u00e4ftigt, bestand darin, vorbeiwandernde Besucher dazu einzuladen, ihren Namen mit dem genannten Pinsel in Katakana zu schreiben, und wenn ihm was originelles einfiel, steuerte er auch noch eine Kanjischreibung bei.<\/p>\n<p>Da kam zum Beispiel ein M\u00e4dchen mit Mutter vorbei. Herr Uchita komplimentierte sie auf die Sitzbank und forderte sie auf, ihren Namen zun\u00e4chst auf Deutsch auf das Blatt zuschreiben.<br \/>\nKatharina.<br \/>\nDann zeigte er ihr die korrespondierenden Katakana in der Liste, und Katharina wurde zu<br \/>\n<strong>????<\/strong>.<br \/>\nDas hei\u00dft, sie schrieb im ersten Versuch, w\u00e4hrend ich die Strichreihenfolge erkl\u00e4rte.<br \/>\nUchita schrieb dann die sch\u00f6ne Variante, und die junge Kundin schlie\u00dflich eine deutlich verbesserte eigene.<br \/>\nDa er wohl eine Eingebung hatte, steuerte er noch eine Kanjischreibung hinzu:<br \/>\n<strong>????<\/strong>.<br \/>\nDiese Version liest sich ebenso wie der urspr\u00fcngliche Name. An den Schriftzeichen kann man dann eine von der deutschen Ethymologie (gr. <em>&#8220;katharos&#8221;<\/em> = &#8220;die Reine\/Aufrichtige&#8221;) abweichende Bedeutung festmachen:<br \/>\n<strong>?<\/strong> = mehr<br \/>\n<strong>?<\/strong> = viel<br \/>\n<strong>?<\/strong> = Heimat<br \/>\n<strong>?<\/strong> = (alter Fragepartikel ohne Bedeutung, etwa <em>&#8220;Was&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;Wie&#8221;<\/em>)<br \/>\nIch bot als Interpretation an <em>&#8220;Zuhause ist es am sch\u00f6nsten&#8221;<\/em> an, und damit waren alle zufrieden.<\/p>\n<p>Ich hatte schon fast vergessen, wie viel Lob ein einzelner Japaner in k\u00fcrzester Zeit zu \u00e4u\u00dfern im Stande ist, Herr Uchita sprudelte \u00fcber davon. Meisterwerke habe ich bei der Handvoll von Schreibern nicht im Ansatz gesehen, aber schlie\u00dflich machen diese Leute das auch zum ersten Mal und ich halte es f\u00fcr deutlich, dass Kinder mehr Geschick an den Tag legen, als Erwachsene, was mit ihrer gr\u00f6\u00dferen \u00dcbung im Malen zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte. Von den Erwachsenen zeigte eine Innenarchitektin mehr Begabung als der Durchschnitt, wohl aus einem ganz \u00e4hnlichen Grund.<\/p>\n<p>Etwa an dieser Stelle sah ich Peter und Marco vom Animeclub (plus eines weiteren Bekannten, der wohl ebenfalls dazugeh\u00f6rt, mir aber nicht weiter vorgestellt wurde &#8211; nennen wir ihn X) und wanderte mit denen durch die Innenstadt, auf der Suche nach interessanten Dingen. Ganz klar zu beobachten war, dass sich die Anzahl der anwesenden Japaner sehr in Grenzen hielt. Ich h\u00e4tte wegen der Vielzahl japanischer Firmen in Luxemburg mit mehr gerechnet, aber vermutlich dr\u00fcckten die sich alle in dem gro\u00dfen JTI (Japan Tobacco Industries) Zelt an den Kaiserthermen rum. Das knappe Dutzend Japaner, an die ich mich erinnern kann, bestand zum geringeren Teil aus Austauschstudenten, die als Besucher da sind, und zum gr\u00f6\u00dferen Teil aus freiwilligen Helfern an den Fressbuden, die es nat\u00fcrlich auch hier geben muss.<\/p>\n<p>Auch hier wurden Klischees eingehalten: Es gab Fr\u00fchlingsrollen und Misosuppe. Dabei sind mir Fr\u00fchlingsrollen in Japan nicht dauerhaft im Ged\u00e4chtnis geblieben. Gy\u00f4za schon eher (chinesische Ravioli?). Auf Sushi hatte man vermutlich wegen der fehlenden K\u00fchlm\u00f6glichkeiten und den abschreckenden Preisen verzichtet. Aber wo waren die Yakisoba? Wo die so genannten &#8220;Frankfurter&#8221; W\u00fcrste und Bananen mit Schoko\u00fcberzug am Stiel? Wo waren die S\u00fc\u00dfkartoffeln? Wo die Takoyakib\u00e4llchen,  und Ikayaki, der gegrillte Tintenfisch? Ramen und o-Nigiri waren ebenfalls abwesend. Mir fehlte hier so viel, dass ich dar\u00fcber v\u00f6llig verga\u00df, was es eigentlich in der Tat zu essen gab. Au\u00dfer Misosuppe und Fr\u00fchlingsrollen. Ich habe aber sicher auch so einiges \u00fcbersehen, Augenzeugen m\u00f6gen mich also bitte korrigieren, falls notwendig.<\/p>\n<p>Abgesehen vom Zelt vorm Dom handelte es sich hier um eine f\u00fcr mich leider v\u00f6llig uninteressante Veranstaltung. Das breit angek\u00fcndigte &#8220;japanische Feuerwerk&#8221; am Abend k\u00f6nnte f\u00fcr mich nicht unbedeutender sein. Auf dem Kornmarktplatz war allerdings f\u00fcr 15 Uhr eine japanische Geigerin angek\u00fcndigt, und weil X auf Geigenmusik steht, gingen wir halt hin. Ihr Name wurde in der Brosch\u00fcre transkribiert als <em>&#8220;Ruri Takitsawa<\/em>&#8230; soso&#8230; ist mir die Existenz einer Silbe &#8220;tsa&#8221; bislang entgangen, oder hat da jemand in Unkenntnis den mir bekannten Namen &#8220;Takizawa&#8221; verunstaltet?<br \/>\nDer Ansager der kleinen B\u00fchne hat es jedenfalls nicht gebacken bekommen, den Namen vorher zu \u00fcben, oder zu fragen, wie man ihn denn ausspricht, denn er braucht drei Versuche, bis er es durch Zuruf der Geigerin hinbekommt. Sie komme aus Yokohama, sagt er dann, und sei zw\u00f6lf Jahre alt.<br \/>\nDas muss aber ein Talent sein, wenn man die extra aus Yokohama herbestellt!<\/p>\n<p>Dummer Gedanke! Diese von Spenden getragene Veranstaltung verf\u00fcgt gar nicht \u00fcber die Mittel, echte Talente vom anderen Ende des Planeten einzufliegen. Ich ging also eher davon aus, dass die junge Dame auf dem Weg nach Trier den Umweg \u00fcber D\u00fcsseldorf genommen hat, dass sie also m\u00f6glicherweise in Yokohama geboren ist, aber derzeit in D\u00fcsseldorf lebt und irgendwie in diese Veranstaltung hineinbeschwatzt wurde.<br \/>\nFrl. Takizawa fiedelte in ihrem blauen Kimono also erst mal zwei klassische St\u00fccke, bevor sie nach h\u00f6chstens mal zehn Minuten eine Pause machte. Vielleicht war das aber auch notwendig, um dem lokalen Karnevalsverein (in friederizianischen Trachten) den singenden und klingenden Abmarsch zum Hauptmarkt zu erm\u00f6glichen, ohne, dass sich das Klangprogramm biss.<br \/>\nIch muss allerdings \u00fcber die Geigerin sagen, dass ich mich bereits nachdem sie zwei Takte gespielt hatte, nicht des Gedankens  erwehren konnte, schon lange nicht mehr eine so durchschnittliche Leistung auf einer Violine\u00a0geh\u00f6rt zu haben. Aber wen wundert&#8217;s? Die Solistin\u00a0ist 12 Jahre alt und sie spielt exakt auf der Qualit\u00e4tsstufe, die man von einem normalen und durchschnittlich begabten zw\u00f6lf Jahre alten Kind erwarten kann. Nicht mehr. Warum sie \u00f6ffentlich auftritt oder dazu ermuntert wurde, ist mir ein R\u00e4tsel. Was mir bleibt, ist der Respekt davor, dass sie sich traut, vor Publikum zu spielen. Zum letzten Mal hatte ich dieses Gef\u00fchl so stark, als ich vor zehn Jahren die Tanz- und Gesangsvorstellung stark \u00fcbergewichtiger Sailor Senshi erlebte, die weder singen noch tanzen konnten.<\/p>\n<p>Was machen wir als n\u00e4chstes? Meine drei Begleiter wollten sich eine scharfe Currywurst geben und gingen in die Fressecke dieser vor etwas mehr als einem Jahr neu er\u00f6ffneten Einkaufsgalerie in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Die Wurst, bzw. die So\u00dfe dazu, gibt es dort in zehn Sch\u00e4rfegraden, wenn ich mich nicht irre; interessant wird das Ganze ab Stufe vier, und Stufe sechs ist schon nichts mehr f\u00fcr den Normalb\u00fcrger. Stufe sechs gibt es erst &#8220;ab 18&#8221;, und h\u00f6here Stufen erh\u00e4lt man nur mit &#8220;Sch\u00e4rfepass&#8221;, einem St\u00fcck Glanzpapier, das einer Rabattkarte nicht un\u00e4hnlich ist. Man erh\u00e4lt darin Stempel zur Dokumentation der bereits erreichten Stufen, und erst, wenn man einen Stempel f\u00fcr die Sechs erhalten hat, wird einem die Sieben oder h\u00f6here verkauft. Zum Mundsp\u00fclen wird Hochwaldmilch angeboten, weil Wasser ja die ganz falsche Wahl w\u00e4re.<\/p>\n<p>Viele Leute &#8211; in erster Linie m\u00e4nnliche Testosteronsklaven, wie ich annehme &#8211; essen sowas als Mutprobe, wie ich h\u00f6re, andere loben den Geschmack, obwohl das nur wenige sind. Ich habe von einigen Besuchern Kommentare gelesen, die die Wurst als bestenfalls durchschnittlich bezeichnen, w\u00e4hrend die So\u00dfe lediglich mit irgendeinem Konzentrat aufgemotzt wird, was sie zwar scharf mache, den Geschmack aber in den Hintergrund treten lasse.<br \/>\nMeine M\u00e4nnlichkeit braucht jedenfalls keine scharfe Wurstso\u00dfe zur Selbstbest\u00e4tigung, von daher lehnte ich die angebotenen St\u00fcckchen dankend ab. Erstens bin ich kein Fan von Currywurst, und zweitens hatte ich nichts im Bauch. Auf n\u00fcchternen Magen eine sehr scharfe So\u00dfe zu essen, w\u00fcrde meine Magenschleimhaut nicht sch\u00e4tzen, und da steh ich nicht so drauf. Ich werde vielleicht irgendwann mal zum Einstieg eine Vier und eine F\u00fcnf essen, aber nicht auf leeren Magen.<\/p>\n<p>Ich konnte Peter daf\u00fcr gewinnen, sich im Anschluss die Panzer ebenfalls anzusehen. Er hatte am Tag darauf keine Zeit, und ich bedauerte es doch irgendwie, die Rundfahrt durchs Gel\u00e4nde nicht gemacht zu haben, also setzten wir uns in den Bus, der wegen einer NPD-Kundgebung an der Porta\u00a0und der obligatorischen Antifa-Gegenveranstaltung am gleichen Ort einen Umweg fahren musste.<br \/>\n<em>&#8220;Arbeit zuerst f\u00fcr Deutsche!&#8221;<\/em><br \/>\nJa, was sind denn Deutsche? Sind das blond-blau\u00e4ugige Musterm\u00e4nner und -frauen aus Adolfs M\u00e4rchenbuch? Oder sind das Leute mit einem einwandfrei deutschen Pass? Da die NPD und ihre Spie\u00dfgesellen in konstruierten ethnischen Kategorien denken, wird die zweite Variante wohl flachfallen.<br \/>\nRhetorisch ungeschickt aber auch die gegen\u00fcberliegende Ecke.<br \/>\n<em>&#8220;Reichtum f\u00fcr alle!&#8221;<\/em> sagt das erste Plakat der LINKEN.<br \/>\n<em>&#8220;Reichtum st\u00e4rker besteuern!&#8221;<\/em> sagt das zweite.<\/p>\n<p>Ich kam mit Peter um 1630 in der WTD an, reichlich sp\u00e4t, bedenkt man, dass die Jungs um 1700 Feierabend machen wollen. Wir schauten uns den Rest der Hundevorf\u00fchrung an, gingen dann aber gleich auf die Panzerbahn, wo die \u00fcbliche Schlange vorm Podium stand. Wir warteten etwa 15 Minuten, bis wir dran waren (mit neun anderen), in dem Leo2 Chassis eine schnelle Runde zu drehen. Besser als eine Achterbahn, auf ihre Weise, und das v\u00f6llig umsonst. Das Vehikel bringt es nur auf 70 km\/h, schaukelt aber sch\u00f6n und fliegt auch schon mal von einer Kuppe zur n\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Danach sahen wir uns in aller Ruhe die ausgestellten Fahrzeuge an und verlie\u00dfen um kurz nach halb sechs das Gel\u00e4nde. Nach unten versagte der Fahrdienst leider v\u00f6llig, da musste man zu Fu\u00df gehen.<br \/>\nEs sind \u00fcber 250 Betonplatten bis zur Hauptstra\u00dfe, und pro Platte ben\u00f6tige ich vier bis f\u00fcnf Schritte, je nach Grad der Stra\u00dfensteigung. An der Stelle &#8220;rettete&#8221; uns allerdings S\u00f6nke, der nach einer Verabredung in Luxemburg heute nicht mehr rechtzeitig kommen konnte. Er lie\u00df Peter an der Bushaltestelle raus und nahm mich mit vor die Haut\u00fcr, wo ich allerdings feststellte, dass ich vergessen hatte, dass ich noch einkaufen muss. Also in den n\u00e4chsten Bus und Richtung Bahnhof gefahren.<\/p>\n<p>Dabei musste irgendwas mit meiner Zeitwahrnehmung schiefgegangen sein: Ich denke, zwischen Peters Aussteigen aus dem PKW und meinem Einsteigen in den Bus konnten keine zehn Minuten vergangen sein; als ich dann f\u00fcnf bis zehn weitere Minuten sp\u00e4ter wieder an ihm vorbeifuhr, hatte er bereits die ganze Strecke bis zur ATU Zweigstelle zur\u00fcckgelegt, in sch\u00e4tzungsweise etwas mehr als einer Viertelstunde. Er ist entweder besser zu Fu\u00df, als man ihm ansieht, oder ich habe mich irgendwo zeitlich versch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt war es ein interessanter Samstag, wenn auch im Hinblick auf meine Kamera kein besonders guter. Ich muss die Woche also mal zu MediaMarkt tigern und mich erkundigen, was ich f\u00fcr eine Reparatur l\u00f6hnen muss, und der Gedanke ist mir von Haus aus unangenehm.<br \/>\nUnd wenn ich mir die Sache hier so ansehe, k\u00f6nnte ich auch eine neue Schreibtischlampe gebrauchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfes Wochenende h\u00e4tte es sein k\u00f6nnen, der 19. und der 20. September. Zum einen sollte Freitag auf Samstag das Nagaoka Festival unter dem Titel &#8220;Konstantin l\u00e4dt ein&#8221; stattfinden, zum anderen hatte die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 41) gegen\u00fcber K\u00fcrenz f\u00fcr Samstag und Sonntag &#8220;Tage der Information&#8221; angek\u00fcndigt, und ich habe bereits vier Jahre gewartet, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[8,11,7],"tags":[202,1381,84,518,316,1384,87],"class_list":["post-640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-japan","category-militaria","category-mylife","tag-bundeswehr","tag-city-initiative-trier-ev","tag-japanologie","tag-kuerenz","tag-militaer","tag-nagaoka","tag-trier"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=640"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2451,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions\/2451"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}