{"id":57,"date":"2007-05-26T10:24:08","date_gmt":"2007-05-26T09:24:08","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=57"},"modified":"2012-10-14T19:27:48","modified_gmt":"2012-10-14T17:27:48","slug":"alles-klar-herr-kommissar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=57","title":{"rendered":"Alles klar, Herr Kommissar"},"content":{"rendered":"<p>Mein Blog ist also wieder online nach den Wartungsarbeiten am Server, also mache ich mich mal daran, was \u00fcber die Tage zu schreiben.<br \/>\nAm 19. Mai war ich beim Kameraden Ritter eingeladen, der seinen Geburtstag und sein Diplom gefeiert hat. Also nicht nur 34 Jahre alt, sondern auch noch Kommissar geworden.<br \/>\nNebenbei m\u00f6chte ich bemerken, dass sein Vater f\u00fcr einen ehemaligen und langj\u00e4hrigen K\u00fcchenbullen von der Bundeswehr gar nicht schlecht mit dem Kochl\u00f6ffel umgehen kann. Allerdings h\u00e4tte ich vielleicht <strong>nicht<\/strong> den Kochschinken vor dem Schweinebraten essen sollen, weil Kochschinken ja recht salzig ist, was den Schweinebraten ein bisschen fad hat erscheinen lassen.<\/p>\n<p>Die illustre Gesellschaft &#8211; wenn ich das mal so nennen darf &#8211; zeigte mir, dass ich mich ebenfalls in einem fortschreitenden Alter befinde. So kommt es mir vor, als sei es noch gar nicht lange her, dass ich selbst zu den Kindern geh\u00f6rte, die den eher langweiligen Feiern der Erwachsenen beiwohnten, weil man den Nachwuchs nicht zuhause lassen konnte.<br \/>\nMit dabei auch ein deutsch-koreanisches M\u00e4dchen (sieben Jahre alt?), das munter, aber kontrolliert, auf deutsch und koreanisch drauflos plapperte, je nachdem, was ihr gerade angemessen erschien. Ich staune immer wieder \u00fcber die F\u00e4higkeiten des heranwachsenden Gehirns, was Erstspracherwerb betrifft.<br \/>\nWie dem auch sei &#8211; nach der Kindheit kommt dann eine Zeit, wo man jahrelang gar keine Kinder auf den Parties sieht, die man besucht. Warum? Weil Jugendliche in der Regel keine Kinder haben und ihre Parties f\u00fcr Kinder auch v\u00f6llig ungeeignet sind.<br \/>\nUnd da sa\u00df ich auf einer ruhigen, gesitteten Feier eines guten Freundes, sah den Kindern beim Spielen zu und erlebte, wie um 22:30 schon nichts mehr los war, weil die meisten Paare wegen ihres minderj\u00e4hrigen Anhangs bereits nach Hause gegangen waren.<br \/>\nDa kommt man sich \u00e4lter vor als gestern!<\/p>\n<p>Aber ich entdeckte auch was Interessantes bez\u00fcglich meiner Generation.<br \/>\nMeine Freundin sagt immer wieder gerne, dass alle meine Freunde Spinner seien, auf irgendeine Art und Weise. Dem stimme ich voll und ganz zu, denn ich bin selber einer. Deshalb habe ich mir auch nie viel dabei gedacht, dass ein bedeutender Teil meiner Freunde Rollenspieler sind, aber es lag jenseits meines Denkens, dass dieser Schlag Menschen sehr viel weiter verbreitet sein k\u00f6nnte als unter Studenten, weil die ja angeblich so viel Zeit haben.<br \/>\nJa, k\u00f6nnte man meinen. Gut, der Tierarzt, den ich kennen lernen durfte, war ja auch mal Student, aber da sa\u00dfen noch drei, vier weitere Rollenspieler, die nie Studenten gewesen sind und alle um die drei\u00dfig oder \u00e4lter waren, ganz abgesehen von den Kindern, die sie hatten oder die zumindest aktuell im Kommen sind. So ist das halt.<\/p>\n<p>Abgespielt hat sich das ales in Ha\u00dfloch, dort, wo der Holidaypark zu finden ist. Vor 15 oder 20 Jahren h\u00e4tte ich das f\u00fcr einen tollen Wohnort gehalten. Immerhin w\u00fcrde man die Fahrtkosten sparen. Aber ich musste ja hinfahren. Gut, es war umsonst und ich bin auch nicht selbstt\u00e4tig gefahren. Allerdings bin ich um 06:30 aufgestanden, habe mich um viertel nach Acht in den Zug nach Wittlich gesetzt, von wo aus ich nicht mehr wie fr\u00fcher nach Morbach fahren kann, sondern nur noch nach Kues. Aber von B\u00fcchenbeuren aus, von wo aus ich abgeholt wurde, macht das von der Entfernung keinen so gro\u00dfen Unterschied, denke ich.<\/p>\n<p>Warum der fr\u00fche Aufbruch? Nu ja, wir sind davon ausgegangen, dass wir in der Gastst\u00e4tte, wo die Feier stattfinden sollte, noch dies und das umger\u00e4umt werden m\u00fcsse und wollten deshalb zwei Stunden fr\u00fcher da sein, als der offiziele Starttermin. Nach Ankunft wurde aber klar, dass bereits alles vorbereitet war. Ich hatte also zwei Stunden Zeit.<br \/>\nDer Spaziergang um den Sportplatz der lokalen G\u00f6tter vom 1. FC Ha\u00dfloch 08 dauerte nicht allzu lange und war auch nicht sonderlich beeindruckend. Immerhin handelt es sich um einen gut gepflegten Rasenplatz. Aber nebenan befand sich ein gro\u00dfer Supermarkt, also bin ich mal dorthin gegangen, um Zeit tot zu schlagen.<\/p>\n<p>Interessanterweise wurde ich auch schon bald angesprochen. Da war ein Werbestand von <em>Natreen<\/em> und eine Frau Mitte Drei\u00dfig bot mir ein Marmeladebr\u00f6tchen an. Wenn&#8217;s denn umsonst ist&#8230; Erdbeermarmelade.<br \/>\n<em>&#8220;Ist nicht schlecht&#8230; ich find&#8217;s gut, dass es nicht so s\u00fc\u00df ist. Aber <strong>Natreen<\/strong> ist mir zu teuer. Au\u00dferdem esse ich nicht viel Marmelade. Hm&#8230; Natreen hat auch ein seltsames Image&#8230; ich glaube, nur <strong>Du Darfst<\/strong> kommt mir schlimmer vor&#8230; so aufgezwungen gesund und hip&#8230; nee&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\nDas schrieb sie gleich mal auf.<br \/>\n<em>&#8220;Sin Sie der Hausdetektiv?&#8221;<\/em> fragte sie mich dann.<br \/>\nIch komme immer ins Gr\u00fcbeln, wenn ich seltsame Sachen gefragt werde.<br \/>\n<em>&#8220;Nein, ich bin zum dritten Mal im Leben in Ha\u00dfloch und zum ersten Mal hier im Haus.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ach, ich dacht, ich h\u00e4tt Sie scho mal vorbeigehe sehn&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Unm\u00f6glich.&#8221;<\/em> Ich war am\u00fcsiert.<br \/>\nKurze Pause.<br \/>\n<em>&#8220;Sin Sie dann vielleicht der Kontrolleur?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Der was?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Na ja, die schicke doch immer ein, der kontrolliert, ob ma alles richtig macht.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Was &#8211; ich!?&#8221;<\/em> Ich musste mir M\u00fche geben, nicht laut zu lachen, aber mein Gesicht sieht entsprechend aus. Sie schaute mich entgeistert an.<br \/>\n<em>&#8220;Ja, sin Sie der Kontrolleur?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Nein, bestimmt nicht. Ich besuche einen Freund und hab noch zwei Stunden Zeit.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ah so&#8230; weischt, manchma erkennt ma die ganz schnell, aber manchma bin ich mir net sicher.&#8221;<\/em><br \/>\nIch schien mit diesem Ort zu Zeit totschlagen eine gute Wahl getroffen zu haben.<br \/>\nUnd dann redeten wir ein bisschen, sie dabei ganz viel. Sie hat sich nach dem Personalabbau bei Smart in B\u00f6blingen als Promoterin selbst\u00e4ndig gemacht. Aha, da bin ich auf dem Weg von Weil der Stadt nach Stuttgart durchgekommen, weil ich ja in Calw bei der Armee gewesen bin.<br \/>\n<em>&#8220;Ach,&#8221;<\/em> sagte sie, <em>&#8220;interessant, ich komm n\u00e4mlich eigentlich aus Calw.&#8221;<\/em><br \/>\nDer Dialekt kam mir auch so unpf\u00e4lzisch vor.<br \/>\n<em>&#8220;Kennscht das <strong>Manhattan<\/strong>?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;\u00d6h, ja&#8230; da sind die Typen hingegangen, die unbedingt ne Frau f\u00fcr die Nacht brauchten&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Was, echt? Wie ich da g&#8217;wese bin, war das a seri\u00f6ser Lade wo immer was los war.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;In zehn Jahren kann sich viel \u00e4ndern, und mittlerweile sind ja wieder zehn Jahre vorbei.&#8221;<\/em><br \/>\nDann erz\u00e4hlte ich auf Anfrage ein bisschen was \u00fcber Japan und sie was \u00fcber ihren Urlaub in Kenia, zwischendurch machte ich hin und wieder Platz f\u00fcr Kunden, die die Marmelade probieren mochten, und schlie\u00dflich erfuhr ich, dass die Feuerl\u00f6schanlage im Lager heute morgen eine Fehlfunktion gehabt und der Markt kn\u00f6cheltief unter Wasser gestanden habe.<\/p>\n<p>Und dann waren die zwei Stunden eigentlich auch schon vorbei und ich konnte mich dem Nahrungsangebot der Feier zuwenden. Ich verabschiedete mich also.<br \/>\nDer Kamerad Ritter backt \u00fcbrigens einen guten K\u00e4sekuchen. Mehr als eine Probierportion konnte ich allerdings nicht davon essen, weil noch tausend andere Sachen da waren, und als ich am Ende des Tages alles nur probiert hatte, inklusive des Speiseeises mit Kokosraspeln, da war ich so vollgefressen, dass ich um einen Kr\u00e4uterschnaps bitten musste.<br \/>\nIch muss allerdings auch bemerken, dass ich nicht mehr so viel fressen kann wie vor zehn Jahren. Das mag am fortschreitenden Alter liegen, aber wohl hoffentlich auch daran, dass ich meinen Magen seit ein paar Jahren an kleinere Portionen gew\u00f6hnt habe. Ich denke, dass hat seine Dehnbarkeit etwas eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Und dann fuhren wir mitten in der Nacht wieder nach B\u00fcchenbeuren zur\u00fcck, was eine Stunde dauerte. Einschlafen war dann so um 02:20. Und aufstehen um 08:00, weil mein Gastgeber ja auch gerade seinen Umzug zu vollziehen hatte. Wir hievten also seinen Fernseher, quasi den gro\u00dfen Bruder des meinen, in sein Auto und fuhren ihn nach Rheinb\u00f6llen. Von dort aus fuhr er dann weiter nach K\u00f6ln, um eine Einbauk\u00fcche abzuholen, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich wurde auf dem Weg dann in Koblenz am Bahnhof abgesetzt.<\/p>\n<p>Leider gerade zehn Minuten zu sp\u00e4t, weswegen ich im sonnt\u00e4glichen Koblenz f\u00fcnfzig Minuten spazieren gehen durfte. Aber das Wetter war toll, und so lange habe ich noch nie gebraucht, um einmal um einen Block zu gehen. Hoffentlich dauert es noch ein paar Jahrzehnte, bis ich ohne Absicht so lange brauche.<br \/>\nImmerhin entdeckte ich dabei, dass die Band <em>TANKARD<\/em> immer noch Konzerte gibt, laut Plakat im September in Koblenz, und au\u00dferdem entdeckte ich den <em>&#8220;Zweckverband Entsorgungsbetrieb Eiterk\u00f6pfe&#8221;<\/em>. Kann das wirklich ein Name sein???<br \/>\nDie kleine Tour innerhalb der gro\u00dfen war also nicht hoffnungslos langweilig, aber ich war ganz froh, als ich dann zuhause ausschlafen konnte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Blog ist also wieder online nach den Wartungsarbeiten am Server, also mache ich mich mal daran, was \u00fcber die Tage zu schreiben. Am 19. Mai war ich beim Kameraden Ritter eingeladen, der seinen Geburtstag und sein Diplom gefeiert hat. Also nicht nur 34 Jahre alt, sondern auch noch Kommissar geworden. 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