{"id":45,"date":"2007-04-20T19:12:01","date_gmt":"2007-04-20T18:12:01","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=45"},"modified":"2012-10-14T18:55:28","modified_gmt":"2012-10-14T16:55:28","slug":"die-geschichte-vom-schaf-und-vom-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=45","title":{"rendered":"Die Geschichte vom Schaf und vom Wolf"},"content":{"rendered":"<p>Nein, eigentlich ist es ja kein Schaf, sondern eine Ziege, und auch dieser Begriff ist irref\u00fchrend, weil der Begriff &#8220;Ziege&#8221; ein weibliches Tier suggeriert, w\u00e4hrend man es in <em>&#8220;Arashi no Yoru ni&#8221;<\/em> (<em>&#8220;In einer st\u00fcrmischen Nacht&#8221;<\/em>) nun eigentlich mit einem jungen Bock zu tun hat.<\/p>\n<p>In einer st\u00fcrmischen Gewitternacht treffen sich also ein junger Gei\u00dfbock und ein junger Wolf in einer dunklen Scheune. Beide k\u00f6nnen sich gegenseitig nicht riechen &#8211; weil sie erk\u00e4ltet sind, es ist dunkel und sie haben keine Ahnung, dass\u00a0der eine mit seinem nat\u00fcrlichen Feind und der andere mit seinem Lieblingsessen redet.\u00a0Sie unterhalten sich \u00fcber Gemeinsamkeiten und beschlie\u00dfen, sich am kommenden Mittag zu treffen. Sie machen &#8220;Arashi no Yoru&#8221; als Kennwort aus.<\/p>\n<p>Das Treffen wird kurz und schmerzlos. Das Erstaunen \u00fcber den Gegen\u00fcber wird zwar durch Nahaufnahmen der Gesichter hingezogen, aber die zwei finden sich erstaunlich schnell miteinander ab und werden Freunde.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich leben beide in v\u00f6llig verschiedenen Gesellschaften, die sich gegenseitig nicht, bzw. nur unter eng gefassten Gesichtspunkten anerkennen: J\u00e4ger hier und\u00a0Beute da.<br \/>\nDie gesellschaftlichen Normen belasten also die ungew\u00f6hnliche Freundschaft und die zwei beschlie\u00dfen, gemeinsam wegzulaufen und ein Land zu suchen, wo W\u00f6lfe und Ziegen in Eintracht miteinander leben k\u00f6nnen. Die Idee, dass ein solches, &#8220;reines&#8221;\u00a0Land existiert, muss ein wiederkehrendes Muster verzweifelter Fl\u00fcchtlinge sein&#8230; in <em>&#8220;The Plague Dogs&#8221;<\/em> von Richard Adams wollen die beiden Hunde auch zu so einem Ort schwimmen: <em>&#8220;Wenn es eine Isle of Man gibt, dann gibt es doch auch eine Isle of Dog!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Die Geschichte neigt doch hin und wieder ein bisschen zum Schmalz und zu klassischen Drama-Elementen. Zum Beispiel, wenn der Bock sich dem Wolf Gabu auf dem verschneiten Gebirgspass als Nahrungsration anbietet. Oder wenn der Showdown des Wolfs gegen sein altes Rudel von den Naturgewalten in Form einer Schneelawine\u00a0unterbrochen wird und er durch den Schock der Todesgefahr sein Ged\u00e4chtnis verliert. Und wenn der Wolf dann durch die Erw\u00e4hnung des alten Kennwortes zu seinem Ged\u00e4chtnis zur\u00fcck findet.<\/p>\n<p>Der Film hat einen Preis gewonnen, ich wei\u00df nicht, welchen. Aber welcher es auch sein mag, ich kann mir keinen Grund denken, warum ausgerechnet dieser Film einen Preis bekommen haben k\u00f6nnte. Das Thema <em>&#8220;Wahre Freundschaft\/Liebe \u00fcberwindet alle Schwierigkeiten&#8221;<\/em> ist kein neues mehr. Und ein paar erz\u00e4hlerische M\u00e4ngel hat die Sache schon, gerade bei Spannungskurven:<\/p>\n<p>Als\u00a0Gabu beschlie\u00dft, seinen Ziegenfreund zu sch\u00fctzen, st\u00fcrzt er sich wie wild auf sein anr\u00fcckendes Rudel. Ein paar sch\u00f6ne Aufnahmen zeigen, wie sich das Aufeinandertreffen anbahnt. Aber anstatt einen klimaktischen Aufprall zu pr\u00e4sentieren, um die Wildheit und Entschlossenheit (und Verzweiflung) des Wolfs grafisch sch\u00f6n zu zeigen, halten die Beteiligten inne, knurren sich an und es bildet sich ein reichlich statischer Kreis seiner Artgenossen um den Wolf. Und als dann sein Alpha die B\u00fchne betritt, bleibt es bei einem einzigen Angriff, der deutlich zu Ungunsten des Protagonisten ausgeht. Das h\u00e4tte man besser machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und als der Gabu dann, durch Ged\u00e4chtnisverlust wieder &#8220;b\u00f6se&#8221; geworden, den Bock gefangen h\u00e4lt, um ihn im Mondschein erst zu verspeisen, kommt das erl\u00f6sende Kennwort &#8220;Arashi no Yoru&#8221; viel zu fr\u00fch, und die sich im Aufbau befindliche Spannungskurve f\u00e4llt j\u00e4h ab. Stattdessen h\u00e4tte man mit seinem &#8220;Total Recall&#8221; warten sollen, bis er schon die Z\u00e4hne am Hals seines Pflanzen fressenden Freundes hat. Aber nee&#8230; sehr schade.<\/p>\n<p>Man darf nat\u00fcrlich nicht glauben, der Film sei schlecht &#8211; das ist er ganz und gar nicht, er ist sogar sehr unterhaltsam. Ich beleuchte hier nur gerade im Besonderen das, was mir aufgefallen ist. Und es gibt einen m.E. durchaus positiven, zumindest interessanten Punkt:<\/p>\n<p>Der Geschlechteraspekt spielt in dieser Handlung kaum eine Rolle.<br \/>\nWir haben vor dem Film wohl alle geglaubt, dass die Ziege weiblich sein w\u00fcrde. Wir wussten, dass dieser Charakter &#8220;Mei&#8221; hei\u00dfen w\u00fcrde, und zumindest ich habe noch keinen Mann getroffen, der so hei\u00dft. Aber wie gesagt, handelt es sich dabei tats\u00e4chlich um einen jungen Bock. Weibliche Charaktere spielen nur am Rande eine Rolle:<\/p>\n<p>Meis Mutter wird von den W\u00f6lfen zerrissen und ihr Sohn wird von der Oma aufgezogen.<br \/>\nIn der Ziegenherde gibt es ansonsten nur eine\u00a0einzige weitere weibliche Ziege mit Sprechrolle.<br \/>\nIm Rudel\u00a0gibt es eine W\u00f6lfin, aber die gibt nur unartikulierte Laute von sich, abgesehen von einer klitzkleinen Sequenz, in der die Mutter von Gabu zu sehen und h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p>Ich finde es ganz gut, dass hier Geschlechterklischees nicht zum Zuge kommen, denn die Konstellation &#8220;Schwache Frau (Ziege) wird von starkem Mann (Wolf) gerettet&#8221; w\u00e4re so abgedroschen gewesen, dass ich den Film an dieser Stelle wahrscheinlich nicht einmal erw\u00e4hnt h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, eigentlich ist es ja kein Schaf, sondern eine Ziege, und auch dieser Begriff ist irref\u00fchrend, weil der Begriff &#8220;Ziege&#8221; ein weibliches Tier suggeriert, w\u00e4hrend man es in &#8220;Arashi no Yoru ni&#8221; (&#8220;In einer st\u00fcrmischen Nacht&#8221;) nun eigentlich mit einem jungen Bock zu tun hat. 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