{"id":433,"date":"2009-02-22T21:19:18","date_gmt":"2009-02-22T20:19:18","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=433"},"modified":"2017-10-22T13:09:34","modified_gmt":"2017-10-22T11:09:34","slug":"big-mac-ramadan-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=433","title":{"rendered":"Big Mac Ramadan (2\/3)"},"content":{"rendered":"<p>Da keiner den ersten Schritt machte, ging ich vorneweg, wie erwartet folgte mir der entschlusslose Rest wie eine kleine Herde Lemminge. Nach zweihundert Metern fanden wir, was wir suchten: Einen kleinen Imbiss mit Sitzgelegenheit, der mit der Aufschrift &#8220;Good Food&#8221; warb. Die Verk\u00e4uferin war wohl um die F\u00fcnfzig und stammte aus Ostasien. Wir bestellten alle was zu essen, ich selbst ein Sandwich mit Lachs, und die eine oder andere Bestellung musste wiederholt werden, weil die sonst nette und zuvorkommende Angestellte nur ein suboptimales Deutsch beherrschte. Aber wir kriegten alle was zu Bei\u00dfen, nur der Lachs ist leider ausverkauft. Ich nahm stattdessen Tandoori-Chicken. Die Currypaste dazu war nicht schlecht, aber wenn ich das n\u00e4chste Mal ein solches Sandwich zu mir nehme, werde ich sie weglassen.<\/p>\n<p>Wir schlugen irgendwie eine Stunde tot. Ich hatte Gl\u00fcck und bekam einen SPIEGEL zu fassen, mit einem Bericht \u00fcber die deutsche Beteiligung am Unternehmen &#8220;Atalanta&#8221;, der Piratenjagd im Golf von Aden, und einem Artikel \u00fcber eine ecuadorianische Familie, die illegal in Deutschland lebt und arbeitet, um Geld f\u00fcr das Eigenheim in der Heimat zu sparen.<\/p>\n<p>Um 1645 suchte ich noch die Toilette auf, und eigentlich suchte ich sie mehr als ich sie aufsuchte. Die T\u00fcr im Laden selbst f\u00fchrt in einen Zwischenraum mit schneewei\u00dfen W\u00e4nden, in dem sich drei weitere T\u00fcren befinden, eine links, eine geradeaus, und eine rechts. Nirgendwo ein schriftlicher oder grafischer Hinweis. Ich probierte die linke T\u00fcr aus. Sie f\u00fchrt in die K\u00fcche des Ladens, also schloss ich sie wieder. Ich \u00f6ffnete die T\u00fcr geradeaus. Auf der anderen Seite hat sie keinen T\u00fcrgriff zum \u00d6ffnen, sondern nur einen Knauf, ich w\u00fcrde also nicht wieder zur\u00fcck k\u00f6nnen, wenn sie ins Schloss fiele. Au\u00dferdem f\u00fchrt sie in die Lobby eines r\u00fcckseitigen Geb\u00e4udeteils und befindet sich am Kopfende der Einbuchtung, in der sich die vier Fahrst\u00fchle befinden. Dann blieb ja nur noch eine T\u00fcr \u00fcbrig. Ich kam mir vor wie in einem Rollenspielabenteuer.<\/p>\n<p><em>&#8220;Ich \u00f6ffne die rechte T\u00fcr des Zwischenraums. Was sehe ich?&#8221;<br \/>\n&#8220;Da ist ein reichlich unbeeindruckender, leicht nach links gekr\u00fcmmter Gang mit ebenso wei\u00dfen W\u00e4nden wie der Zwischenraum. Du siehst, soweit Du in die Kr\u00fcmmung hineinsehen kannst, f\u00fcnf T\u00fcren an der rechten Seite. Zwischen den T\u00fcren h\u00e4ngen ebenso unbeeindruckenden Gem\u00e4lde, die wohl nur die Tristheit des Gangs etwas aufpolieren sollen. An der linken Seite scheint nach etwa zehn Metern ein weiterer Gang abzubiegen.&#8221;<br \/>\n&#8220;Ich sehe mir die T\u00fcr zur Rechten an.&#8221;<br \/>\n&#8220;Die T\u00fcr hat ein Schild, aber darauf steht nur eine Nummer. Kein Name und keine Funktionsbezeichnung.&#8221;<br \/>\n&#8220;Die n\u00e4chste T\u00fcr?&#8221;<br \/>\n&#8220;Ebenso.&#8221;<br \/>\n&#8220;Kann ich mittlerweile in die Einm\u00fcndung zur Linken sehen?&#8221;<br \/>\n&#8220;Klar und deutlich. Es ist kein weiterer Gang, nur eine Einbuchtung von etwa einem Meter Tiefe. Da befindet sich eine T\u00fcr, und \u00fcber der T\u00fcr befindet sich die vereinfachte Darstellung eines Menschen, wie man sie an Toiletten \u00f6fters findet&#8230;&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Als ich dann abschlie\u00dfend mein Essen bezahlte, waren die anderen bereits vorausgegangen. Ein Gef\u00fchl f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Raum und Zeit haben die scheinbar nicht&#8230; ach, egal. Je fr\u00fcher wir reinkommen, desto fr\u00fcher werden wir fertig.<\/p>\n<p>Um 1650 standen wir am Eingang, aus dem Leute in diesem Moment haupts\u00e4chlich herauskamen, weil die Messe laut offizieller Angabe um 1700 zu Ende ging. Der Eingangsbereich ist eine l\u00e4ngere, helle R\u00e4umlichkeit mit einem Informationsstand vorne und einem Durchlass weiter hinten, hinter dem sich zwei Rolltreppen befinden, \u00fcber die man zu den Ausstellungsfl\u00e4chen gelangt. An dem Durchlass standen zwei Damen mit roten Blazern und im Hintergrund ein ernst dreinschauender, kr\u00e4ftig gebauter Mann in schwarzer Bomberjacke, wahrscheinlich f\u00fcr &#8220;Notf\u00e4lle&#8221;.<\/p>\n<p>Als wir hineingehen wollten, wurden wir zun\u00e4chst abgewiesen &#8211; au\u00dfer dem \u00c4lteren der beiden von Elsen hatte n\u00e4mlich keiner von uns eine Karte, die ihn als Abbauhelfer identifizierte, au\u00dferdem d\u00fcrften wir fr\u00fchestens in zehn Minuten hinein, wenn die Veranstaltung offiziell beendet sei, hie\u00df es. Wundertolle Sache. Der Mann mit Karte telefonierte mit dem sia-Vorarbeiter. Der versprach, alsbald die sechs fehlenden Karten zu besorgen.<br \/>\nDas allerdings dauerte bis 1710, und ich habe keine Erkl\u00e4rung zu h\u00f6ren bekommen, was da so lange gedauert haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Wartezeit, direkt neben dem Durchlass, wurden wir aber auch Zeuge, wie Schindluder getrieben wurde und die Organisation versagte. Eine Gruppe M\u00e4nner kam herein, die man sofort als Handwerker erkannte. Zumindest machten sie mit all dem Werkzeug einen kompetenten Eindruck. Allerdings hatte nur einer von ihnen eine Karte. Alles Verhandeln half da nichts, keine Beteuerung, dass auch die \u00fcbrigen Leute zum Unternehmen geh\u00f6rten, das den Stand Soundso abbauen sollte. Die zust\u00e4ndige Dame hatte ihre Anweisungen. Die Kartenlosen mussten also zu dem Wachmann im Hintergrund gehen und jeder ein Formular ausf\u00fcllen, wonach man sie einlie\u00df.<br \/>\nDieser doch Zeit raubende Vorgang entging zwei anderen Arbeitern weiter hinten nicht, von denen auch einer keine Karte hatte. Der erste, mit Karte, ging also zur Kontrolle, zeigte demonstrativ seinen &#8220;Passierschein&#8221; vor und band die Aufmerksamkeit der jungen Frau mit irgendeiner Bemerkung. W\u00e4hrend er sprach, f\u00fchrte er die Karte l\u00e4ssig zur Jackentasche, tat aber nur so, als w\u00fcrde er sie einstecken und lie\u00df sie stattdessen fallen. Sein Hintermann hob die Karte schnell auf, worauf der erste das Gespr\u00e4ch mit einem freundlichen L\u00e4cheln beendete und zur Rolltreppe ging. Sein Kollege zeigte also die exakt selbe Karte vor und folgte ihm.<\/p>\n<p>Es war der einzige Mogelvorgang, den wir bemerkten, aber so einige wurden aufgefordert, Formulare auszuf\u00fcllen oder bis zum Eintreffen ihrer Zugangsberechtigung zu warten. Ein interessanter Fall war noch darunter: Ein junger Mann kam etwa um f\u00fcnf nach F\u00fcnf zur Kontrolle und zeigte seine Eintrittskarte vor, die ihn als Aussteller oder Ausstellermitarbeiter auswies. Trotzdem lie\u00df man ihn nicht herein.<br \/>\nBegr\u00fcndung: <em>&#8220;Diese Karte war nur bis um 17 Uhr g\u00fcltig.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Aber ich muss zu meinem Stand!&#8221;<\/em> rief er verzweifelt.<br \/>\n<em>&#8220;Tut mir leid, ohne Abbaukarte kann ich sie nicht einlassen.&#8221;<\/em><br \/>\nAuch er f\u00fcllte ein Formular aus. Und w\u00e4hrend all der Zeit lie\u00df sich die Dame am Durchlass doch dazu erweichen, ich wei\u00df nicht, mit welchen Argumenten, auch eine kleine Handvoll Leute ohne Karte durchzulassen.<br \/>\n<strong><em>WTF!?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Um 1710 kam der &#8220;Bote&#8221; mit unseren Karten. Wir zeigten sie vor, und gleich, nachdem wir einen Schritt hinter die Absperrung gemacht hatten, wurden sie wieder eingesammelt.<\/p>\n<p>Der Stand G10 war nicht gerade um die Ecke. Wir mussten ein paar Hundert Meter weit gehen, unterst\u00fctzt von ebenerdigen Rollb\u00e4ndern. Dann kamen wir am Arbeitsplatz an. Sah auf den ersten Blick unscheinbar aus. Eine Theke mit Computer und K\u00fchlschrank, ein paar Ausstellungsst\u00fccke. Der wahre Stand lag dahinter. Der erste Eindruck hatte get\u00e4uscht: Auf dem Weg zu der Kammer, in der wir Rucks\u00e4cke und Jacken abladen, versuchte ich, die Ausstellungsfl\u00e4che abzusch\u00e4tzen \u2013 und sch\u00e4tzte sie auf 20 mal 25 Meter, unterteilt in mehrere &#8220;Zimmer&#8221;, also Themenbereiche, voll gestopft mit mitunter kleinstem Kram, mit dem man sich die Wohnung verzieren kann. Viel Glasware war dabei, aber auch Ton, und Blumen, die sich erst beim zweiten Hinsehen als Plastik herausstellen.<\/p>\n<p>Bevor es dann richtig losging, mussten erst mal die Paletten, Kisten, Kasten, und Kartons aus den LKWs geholt werden, und nat\u00fcrlich die Polsterfolie, von der einige Kilometer zur Verf\u00fcgung standen. Diese Rollen sind einen Meter hoch und haben einen Durchmesser von 50 cm, aber sie sind ganz leicht, also nahm sich jeder zwei.<br \/>\nDie Paletten wurden auf dem Parkplatz ausgeladen und mussten so gestapelt werden, dass man sie mit einer &#8220;Ameise&#8221; bequem aufnehmen und in den Lastenaufzug fahren konnte. Unseren unsicheren Kameraden konnte ich davon \u00fcberzeugen, dass er die Paletten lieber flach hinlegt, weil es keinen Sinn macht, sie aufrecht aufzustellen. Und wie froh bin ich mit meinen mitgebrachten Arbeitshandschuhen &#8211; er dagegen holte sich auf dem Weg zur\u00fcck zum Stand erst mal einen Splitter aus der Handfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Wir bekamen jeweils paarweise einen Raum zugewiesen, und der Auftrag lautete schlicht, zuerst Kartons zu falten und einmal \u00fcber Kreuz zu verkleben, mehr sei Verschwendung. Die Kartons gab es in drei Gr\u00f6\u00dfen, je nachdem, um was f\u00fcr Material es ging, glaube ich, aber ich glaube es nur, weil letztendlich alles so, wie wir es in die Hand bekamen, in die kleinen und mittleren Pappkisten gepackt wurde, die wiederum in die gro\u00dfen Kartons einger\u00e4umt wurden, die ihrerseits genau auf die Europaletten passten. F\u00fcr Sch\u00fcttgut, wie Kieselsteine und Quarzsand, gab es Plastikt\u00fcten.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Schritt: Jedes einzelne Objekt wurde in Polsterfolie verpackt. Man kann sie zu diesem Zweck relativ einfach zerrei\u00dfen &#8211; eine Sollbruchstelle befindet sich nach jedem Meter, und senkrecht zu dieser Linie kann man die Folie ebenfalls geradlinig zerrei\u00dfen, obwohl nicht jeder einzelne Meter sich so gut zerrei\u00dfen l\u00e4sst, wie der Packer das gerne h\u00e4tte, von daher gab es auch etwas Verlustmasse. Die Arbeitsanweisungen hielten sich in einem geringen Rahmen. Schwere und stabile Gegenst\u00e4nde auf den Boden der Kisten, leichte und empfindliche Gegenst\u00e4nde darauf. Wenn was unklar ist, solle man fragen.<\/p>\n<p>Von den sechs Festangestellten sprechen drei die meiste Zeit&#8230; nein, das ist kein T\u00fcrkisch&#8230; die sprechen Arabisch, vielleicht aber auch Farsi. Ich bin mir nicht sicher, da mangelt es mir an H\u00f6rerfahrung. Sp\u00e4ter h\u00f6re ich, dass es sich um Libanesen handelt: Ali, Abjar, Ibrahim, und noch einer, dessen Namen ich nicht geh\u00f6rt habe. Ein weiterer solcher Exote ist dabei, den ich vom Aussehen her ebenfalls dem Nahen oder Mittleren Osten zugeordnet h\u00e4tte, aber der spricht kein Arabisch, er kommuniziert mit den Libanesen in deutscher Sprache, mit Akzent. Vielleicht ist der ja Iraner.<\/p>\n<p>Um kurz nach Neun, ich war mittlerweile mit dem zweiten Raum besch\u00e4ftigt, ging der Vorarbeiter durch und sagte, wir seien etwas hinter der Zeit, um Mitternacht m\u00fcsse alles fertig sein. Das sollte wohl zu schaffen sein, dachte ich, im Hinblick darauf, wie schnell sich die Regale in meinem Bereich leerten.<\/p>\n<p>Mit den Kerzenst\u00e4ndern gab es ein kleines Missverst\u00e4ndnis. Ich fragte den namenlosen Libanesen, wie damit zu verfahren sei, worauf er sagte, dass sie in Einzelteile zerlegt werden sollten, und nat\u00fcrlich sei jedes Teil einzeln einzupacken. Dass diese Kerzenst\u00e4nder, fast vollst\u00e4ndig aus Glas, gesondert verpackt werden sollten, sagt er aber nicht, vermutlich hat er es vergessen, darauf machte uns erst Ali aufmerksam, nachdem alle bis auf einen schon in Pappkisten verschwunden waren.<br \/>\n<em>&#8220;Das war schei\u00dfe,&#8221;<\/em> sagte er, <em>&#8220;die h\u00e4tten in Hartplastikbeh\u00e4lter geh\u00f6rt. Dann legt die Kerzenst\u00e4nder jeweils ganz oben in die Kisten und passt auf, dass noch ein bisschen Platz in der Kiste ist, damit die Dinger keinen Druck kriegen.&#8221;<\/em><br \/>\nEs muss an meinem Gesicht liegen. Wenn ich Anweisungen bekomme, h\u00f6re ich konzentriert zu, aber es wird oft falsch interpretiert, was ich denke. Nachdem er mit seinem Tadel fertig ist, sah er mich an und lachte: <em>&#8220;Ja, ich wei\u00df, das geht Dir auf den Sack&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\nIch muss zugeben, ein bisschen erschrocken gewesen zu sein. <em>&#8220;Ich hab doch gar nichts gesagt!&#8221;<\/em> fiel mir nur ein. Ich hatte noch nicht einmal was B\u00f6ses gedacht.<\/p>\n<p>Jedenfalls, wenn er mir gedachte Verw\u00fcnschungen unterstellte, lie\u00df er sich das nicht mehr anmerken. Er kam noch \u00f6fters vorbei, kommentierte meist kritisch die F\u00fcllung der Plastikkisten, r\u00e4umte ein bisschen um, gewann Platz; sparte aber auch nicht mit Lob f\u00fcr die Dinge, die wir intuitiv richtig gemacht hatten. Der Mann versteht was von Menschenf\u00fchrung. Meiner Erfahrung nach nehmen deutsche Vorgesetzte gute Arbeit stillschweigend als den Normalzustand hin, loben nur herausragend gute Leistungen, erw\u00e4hnen aber jeden kleinen Fehler. Die Kritik mag jeweils angebracht sein, aber man sollte auch zu motivieren verstehen. Dabei sollte jeder wissen, dass man den Mitarbeiter, den man wegen eines Fehlers kritisiert hat, auch wieder aufbauen muss, denn niemand macht nur Fehler. Ali hat das meines Erachtens drauf.<\/p>\n<p>So vergingen weitere Stunden. Als ich um 2310 auf die Uhr sah und die verbliebene Arbeit in den \u00fcbrigen R\u00e4umen betrachtete, wurde mir klar, dass es mit dem Aufbruch um kurz nach Mitternacht nichts wird. Kurz danach ging der Namenlose durch die Reihen und gab bekannt, dass er zu McDonald&#8217;s fahre und wissen wolle, was wir zu essen haben wollten. Ich verwies auf die \u00c4pfel, die ich dabei hatte, aber er ermunterte mich und sagte, die Firma zahle alles. <em>&#8220;Na dann&#8230;&#8221;<\/em> meinte der Anglist und bestellte zwei Big Mac Men\u00fcs. Ich hatte keine Ahnung, was McDonald&#8217;s zu bieten hat und nehme das gleiche. Unsere Namen und Bestellungen werden in arabischer Schrift auf einem Zettel vermerkt.<\/p>\n<p>Wir waren skeptisch. Macht man eine solche Pause nicht eigentlich in der Halbzeit? Wir waren seit sechs Stunden zugange &#8211; die Sache konnte doch nicht noch mal so lange dauern? Aber was half das Gr\u00fcbeln und R\u00e4tseln? Wir packten weiter und harrten der Dinge, die da kommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Als die Uhr auf Mitternacht zuwanderte und ich noch immer an ein Ende zwischen Zw\u00f6lf und Eins glaubte, verw\u00fcnschte ich die Sache, denn wenn ich um drei oder vier Uhr in Trier ank\u00e4me, w\u00fcrde kein Bus mehr fahren und ich m\u00fcsste eventuell zu Fu\u00df von fast Feyen bis zum Weidengraben laufen.<br \/>\nDas Essen kam dann um zwei Uhr morgens. Das n\u00e4chstliegende &#8220;Restaurant&#8221; hatte wegen Umbauarbeiten geschlossen, ein weiteres musste erst gefunden werden, und das hatte scheinbar eine Weile gedauert. Und zu diesem Zeitpunkt wurde das Ende zwar absehbar, ja, aber fertig waren wir noch nicht. Aber Ali sagte zuversichtlich: <em>&#8220;In einer Stunde seid Ihr fertig. Vielleicht ein bisschen mehr.&#8221;<\/em><br \/>\nDann musste ich mir um mein Heimkommen ja keine Gedanken machen.<br \/>\nBis ich zur\u00fcck war, fuhren WIEDER Busse.<\/p>\n<p>Ich staunte nicht schlecht angesichts der Menge Fastfood, die da angekarrt wurde. Mehrere Leute haben sich doppelte Men\u00fcs bestellt, f\u00fcr 14 Leute waren etwa 20 Portionen da. Die Belegschaft des Restaurants wird nicht schlecht gestaunt und geflucht haben. Ich nahm mir meine beiden Big Macs, meine beiden Pommesbeh\u00e4lter, und meine beiden Colabecher. Ich hatte schon ganz vergessen, wie wenig Spa\u00df es macht, den Krempel zu essen, aber ich hatte Hunger, und so gut hat mir schon lange kein Liter Cola mehr geschmeckt, trotz Kohlens\u00e4ure. Das Zeug ist k\u00fchl und nass, darauf kam es in diesem Moment an. Im Stand befand sich zwar eine K\u00fcche, aber aus dem Wasserhahn kam kein k\u00fchles Wasser, das hatte Raumtemperatur. Dem k\u00f6rperlichen Wasserhaushalt ist das egal, aber erfrischend ist es halt nicht. Die Cola kam ausnahmsweise gut.<\/p>\n<p>Und zu guter letzt a\u00df ich eine dreifache Portion. Ali dr\u00fcckte mir noch einen Cheeseburger und einen McChicken in die Hand, ein anderer versorgte mich mit einem weiteren Big Mac. Den a\u00df ich noch, aber der McChicken landete in meiner rechten Seitentasche, der Cheeseburger in der linken. Vielleicht sp\u00e4ter. H\u00e4tte ich noch mehr gegessen, h\u00e4tte ich kotzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ali lobte w\u00e4hrenddessen das Essen von McDonald&#8217;s \u00fcberschw\u00e4nglich (das mir noch zwei Tage wie ein Stein im Magen liegen und mir Unwohlsein verpassen w\u00fcrde), weil es einen tollen Geschmack habe. Ich frage mich, wie Allah den Genuss eines Schnitzels von einem tier\u00e4rztlich gepr\u00fcften Schwein verbieten, aber den Verzehr von diesem Zeug erlauben kann, nur weil es sich zumindest angeblich um Rindfleisch handelt. Und ob Alis Frau so schlecht kocht, dass der Mann den Mist von McDonald&#8217;s gut finden kann.<\/p>\n<p>Und so vollgefressen, wie ich gerade war, f\u00fchlte ich mich an Schilderungen des moslemischen Ramadan, des Fastenmonats, erinnert. Da wird n\u00e4mlich nur tags\u00fcber gefastet, w\u00e4hrend nach Sonnenuntergang gefeiert wird, mit reichlich Essen und Trinken. Nat\u00fcrlich alles halal, wie der Araber sagt &#8211; das ist das, was die Juden &#8220;koscher&#8221; nennen. Aber scheinbar nehmen viele Anh\u00e4nger Mohammeds im Ramadan eher zu als ab. Und eben daran musste ich denken, mit vollem Bauch und bevorstehendem Suppenkoma, in Gedenken an das kleine Fr\u00fchst\u00fcck, dass ich vor 16 Stunden zu mir genommen hatte. Heilige Suppensch\u00fcssel, wie soll ich mich jetzt noch b\u00fccken (<strong><em>B\u00f6\u00f6rrrgh!<\/em><\/strong>)?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da keiner den ersten Schritt machte, ging ich vorneweg, wie erwartet folgte mir der entschlusslose Rest wie eine kleine Herde Lemminge. Nach zweihundert Metern fanden wir, was wir suchten: Einen kleinen Imbiss mit Sitzgelegenheit, der mit der Aufschrift &#8220;Good Food&#8221; warb. Die Verk\u00e4uferin war wohl um die F\u00fcnfzig und stammte aus Ostasien. 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