{"id":4130,"date":"2024-08-15T07:00:00","date_gmt":"2024-08-15T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4130"},"modified":"2024-08-14T09:48:59","modified_gmt":"2024-08-14T07:48:59","slug":"sonntag-15-08-2004-ans-meer-ans-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4130","title":{"rendered":"Sonntag, 15.08.2004 \u2013 Ans Meer! Ans Meer!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich schon in Japan bin und keine Ahnung habe, wann ich die n\u00e4chste Gelegenheit haben werde, dann will ich auch mal im Pazifik geschwommen sein! Also packen wir in aller Fr\u00fche unseren Kram und machen uns um 08:15 auf den Weg zum Busbahnhof, wo wir beinahe den Bus verpassen, weil wir mit der enigmatischen Ticketmaschine auf Anhieb nicht alleine klarkommen. Aber der Fahrer h\u00e4lt f\u00fcr uns noch einmal und schon befinden wir uns auf dem dreist\u00fcndigen Weg zur anderen Seite der Insel, nach Hachinohe, 3000 Yen pro Person f\u00fcr hin und zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Stadt selbst ist die K\u00fcste mit Industrie verbaut, also fragen wir am Busbahnhof, wie wir denn an einen brauchbaren Strand k\u00e4men. Dazu m\u00fcssten wir in die Stadt Tanesashi fahren, aber weil der Bus dorthin nicht hier am Busbahnhof abfahre, m\u00fcssten wir zuerst in die Innenstadt zur\u00fccklaufen, etwa 300 m weit. Und das ist vielleicht eine lustige Bushaltestelle! Vor allem dann, wenn man Probleme mit der Sprache hat. An der Haltestelle selbst steht n\u00e4mlich <em>\u201eMikka Machi\u201c<\/em> (<em>\u201eStadt des dritten Tages\u201c<\/em>) geschrieben, und an dem Reisezentrum direkt dahinter <em>\u201eY\u00f4ka Machi\u201c<\/em> (<em>\u201eStadt des Achten Tages\u201c<\/em>). Zwei unterschiedlich lautende Ortsbezeichnungen am selben Platz\u2026 ich halte das f\u00fcr etwas verwirrend. Aber gut, ich habe diese Verwirrlichkeit schon bemerkt, als wir zum ersten Mal daran vorbeigefahren sind und war darauf vorbereitet.<br>Das genannte Reisezentrum beherbergt auch gleichzeitig einen lokalen Radiosender, in dessen Studio man von der Stra\u00dfe aus hineinsehen kann. Wir fragen dort eine junge Frau, wie wir denn nach Tanesashi k\u00e4men. Sie sagt, wir m\u00fcssten erst mit der Linie 20 bis zur Endstation nach Same fahren, und dann ein paar Meter weiter in den 100-Yen-Bus nach Tanesashi umsteigen, der bis direkt an den Strand fahre. Damit sind also insgesamt weitere 900 Yen f\u00fcr den Transfer von Hachinohe an den Strand (und wieder zur\u00fcck) f\u00e4llig. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein paar Minuten sp\u00e4ter sind wir dann endlich da \u2013 Pazifikk\u00fcste, Nordjapan! Es badet sich sehr angenehm in diesem Meer. Das Wasser ist nicht zu k\u00fchl, es schmeckt ausschlie\u00dflich nach Salz und nach nichts anderem, und vor allem schwimmt kein Unrat darin. F\u00fcr meinen Geschmack k\u00f6nnten die Wellen etwas h\u00f6her sein, aber an solchen Orten herrscht bestimmt sowieso Badeverbot. Die Wellen sind dennoch kr\u00e4ftig genug, um einen Menschen von 95 kg ganz heftig an den Strand zu sp\u00fclen \u2013 und Sandpapier tr\u00e4gt seinen Namen nicht umsonst. Aber so gut hat es mir schon lange nicht mehr im Wasser gefallen.<br>Von der vielen Sonne in Hirosaki ist hier nicht viel \u00fcbrig. Es ist bew\u00f6lkt, aber warm, was mir auch ganz lieb ist, weil ich ja erstens baden m\u00f6chte und zweitens meinen Sonnenbrand an den Armen nicht noch steigern m\u00f6chte. Der h\u00e4lt sich noch in relativen Grenzen. Ich merke eigentlich nur was davon, wenn ich an der Haut an meinen Unterarmen und meiner Stirn reibe. Nach einer Stunde f\u00e4ngt es dann an zu regnen, aber das st\u00f6rt mich wenig. Erstens bin ich eh nass und zweitens ist es in dieser Situation im Wasser w\u00e4rmer als drau\u00dfen. Allerdings regnet es nat\u00fcrlich auch auf unsere Rucks\u00e4cke mit dem Zeug drin, das eigentlich trocken bleiben soll. Und wir haben nicht ewig Zeit, da wir jeweils rechtzeitig unsere Busse wieder kriegen m\u00fcssen, um nicht mit einem Minimum an Geld hier an der Ostk\u00fcste festzusitzen.<br>Melanie ist nat\u00fcrlich inzwischen auch wieder kalt, wie \u00fcblich, und vom Schaukeln der Wellen sei ihr schlecht (was ich aber nicht zuletzt auf das Salzwasser zur\u00fcckf\u00fchre, das man ja in kleinen Mengen dabei zu sich nimmt), also packen wir zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da beginnt der Spa\u00df erst so richtig. Ich habe n\u00e4mlich keinen Gedanken an Ersatzklamotten verschwendet. Die Shorts, die ich zum Baden getragen habe, kann ich auswringen und die weite Armeehose dann anziehen, aber Unterhosen trage ich in diesem Stadium nicht mehr, weil sich in denen eine ganze Baggerschaufel voll Sand angesammelt hat. Sogar in den Seitenstreifen der Shorts steckt Sand, durch welche \u00d6ffnungen auch immer der da rein gekommen sein mag.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Ich habe lediglich den Sand in meinen Hosentaschen erfolgreich entfernen k\u00f6nnen, bevor ich das Wasser verlassen habe. Das alles dauert seine Zeit, und der Wasserschlauch vor der Toilette leistet ganz gute Dienste. Als wir dann schlie\u00dflich fertig sind, nehme ich noch eine Handvoll Sand in einer Plastikt\u00fcte mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir steigen kurz vor der Abfahrt in den 100-Yen-Bus und fahren zur\u00fcck nach Same, und dort m\u00fcssen wir dann die richtige Bushaltestelle f\u00fcr den R\u00fcckweg nach Hachinohe suchen. Mehr durch Zufall bemerken wir, dass die Busse hier an der Endstation eine kleine Runde fahren und ein St\u00fcck weiter vorne wieder auf die Hauptstra\u00dfe einbiegen. Sie fahren dann die von uns aus gesehen \u00fcbern\u00e4chste, und nicht die n\u00e4chste Bushaltestelle an, die uns ein schrecklich mageres Bild von R\u00fcckfahrtm\u00f6glichkeiten vermittelt hatte. Ich habe mir bereits Sorgen gemacht. Wir warten also vor der richtigen Haltestelle zehn Minuten lang auf den Bus, und das Dach der Haltestelle sch\u00fctzt uns vor dem Platzregen, der in diesen Minuten niedergeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck in Hachinohe wissen wir dann zwar, an welcher Haltestelle wir in den Expressbus zur\u00fcck nach Hirosaki steigen m\u00fcssen, wir wissen, wie sie hei\u00dft, aber wir m\u00fcssen sie erst suchen, weil uns der genaue Standort nicht bekannt ist. Die Haltestelle hei\u00dft <em>\u201eJ\u00fb-ichi-nichi Machi\u201c<\/em>, also <em>\u201eStadt des elften Tages\u201c<\/em>. Irgendjemand hat sich das Benennen der einzelnen Bezirke offenbar sehr einfach gemacht. Nachdem das dann aber gekl\u00e4rt ist, suchen wir einen Platz zum Essen, und dazu m\u00fcssen wir die Hauptstra\u00dfe verlassen. Dort habe ich nur einen <em>\u201eMo\u2019s Burger\u201c<\/em> gesehen, und da kann man beim besten Willen nicht essen. Wir finden ein Ramen-Restaurant, das unseren Bed\u00fcrfnissen voll und ganz entspricht. Wir warten dann noch 15 Minuten lang auf den Bus und fahren gen Hirosaki, wo wir um 21:00 eintreffen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Den Rest dieses Sandes trug ich noch 20 Jahre sp\u00e4ter in derselben Hose mit mir herum, was dem Ganzen einen sehr nostalgischen Charakter gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich schon in Japan bin und keine Ahnung habe, wann ich die n\u00e4chste Gelegenheit haben werde, dann will ich auch mal im Pazifik geschwommen sein! 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