{"id":4080,"date":"2024-08-04T12:52:39","date_gmt":"2024-08-04T10:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4080"},"modified":"2024-08-04T12:52:39","modified_gmt":"2024-08-04T10:52:39","slug":"sonntag-01-08-2004-der-neputa-auftakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=4080","title":{"rendered":"Sonntag, 01.08.2004 \u2013 Der Neputa Auftakt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dank unseres improvisierten Vorhangs k\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich bis 08:30 schlafen, bevor es zu warm wird. Ich finde das ausgesprochen erholsam. Wir verbringen den Tag mit dem Kopieren von <em>\u201eAtashin\u2019chi\u201c<\/em> Videos und ich bin sicher, dass sich die Investition lohnt. Nicht gelohnt h\u00e4tte sich eine Kopie der OVA <em>\u201eStreetfighter ZERO \u2013 The Animation\u201c<\/em> (wenn es sich denn h\u00e4tte kopieren lassen): Da verwendet eine b\u00f6se Organisation Kampfdaten und Ki-Energie starker K\u00e4mpfer, um Super-Cyborgs daraus zu basteln, und der Chef will der st\u00e4rkste K\u00e4mpfer \u00fcberhaupt werden. Ry\u00fb hat derweil Probleme, weil seine \u201eHad\u00f4ken\u201c Attacke wohl b\u00f6se Urspr\u00fcnge hat und er deshalb an gef\u00e4hrlichen Aussetzern leidet. Die B\u00f6sen wollen diese ungeheure Kraftentfaltung nat\u00fcrlich f\u00fcr sich nutzen und entf\u00fchren seinen j\u00fcngeren Bruder&#8230; den es pl\u00f6tzlich gibt. Seine Existenz w\u00e4re zumindest mir unbekannt gewesen. (Der Bruder hat \u00fcbrigens die Stimme von Daisuke aus <em>\u201eDigimon\u201c<\/em>.) Und dann wird viel gek\u00e4mpft und die Guten gewinnen nat\u00fcrlich. Das einzig Erw\u00e4hnenswerte der zweiteiligen Serie ist die Tatsache, dass Ry\u00fb von Kain Kosugi gesprochen wird. Er macht den Job auch nicht schlecht, aber der Mann ist mir zu unsympathisch, als dass ich seinem aufgebl\u00e4hten Testosteron-Ego eine solche Rolle g\u00f6nnen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tag ist immer noch hei\u00df, und m\u00f6glicherweise vertrage ich die Temperatur nicht. Ich f\u00fchle mich nicht bei bester Gesundheit, mein Magen f\u00fchlt sich irgendwie flau an. Trotzdem gehe ich mit Melanie zur Er\u00f6ffnungsparade des diesj\u00e4hrigen Neputa-Festes, das insgesamt eine Woche lang dauern wird. Mir ist eigentlich \u00fcberhaupt nicht nach Bewegung, aber ich wei\u00df auch, dass ich das nicht verpassen sollte und auch nicht will. Wir haben ja bereits das Neputa der \u201eHirosaki K\u00f4t\u00f4gakk\u00f4\u201c (das ist die Oberschule von Kazu) gesehen. Das war sehr sch\u00f6n, aber auch sehr kurz, da war nach einer halben Stunde alles vorbei. Aber das war f\u00fcr eine einzelne Organisation, eine Oberschule, doch eigentlich gar nicht schlecht. Heute ist das alles ein bisschen anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir finden zuerst einen Platz auf der Br\u00fccke 50 m von <em>\u201eMr. Donut\u201c<\/em> entfernt. Ich finde den Platz gar nicht schlecht, weil sich vor mir zwar noch drei Reihen von Leuten befinden, aber die sitzen alle. Nur Melanie gef\u00e4llt der Platz nicht, er sei zu weit von der Stra\u00dfe weg. Also wechseln wir den Standort, indem wir einen geradezu riesigen Bogen laufen, und landen vor der T\u00fcr der Toshin-Bank, deren Angestellte sch\u00e4tzungsweise 200 Liter Wasser, eisgek\u00fchlt, an Teilnehmer und nat\u00fcrlich auch an durstige Zuschauer verteilen.<br>Und dann ziehen \u00fcber zwei Stunden lang etwa jede Minute ein erleuchteter Wagen nach dem anderen an uns vorbei. Meine Kamera reicht nat\u00fcrlich bei weitem nicht aus, um alles zu fotografieren. Melanies Kamera genie\u00dft hier den Vorteil, dass sie einfach nur den Film zu wechseln braucht, wenn einer voll ist. Aber es ist auch nicht so schlimm, dass die Anzahl der Fotos, sie ich machen kann, begrenzt ist, weil die meisten Wagen irgendwo gleich aussehen. Wenn man ein halbes Dutzend gesehen hat, wei\u00df man, was man zu erwarten hat. Einzig die Wagen mit den dreidimensionalen Modellen aus Wachspapier unterscheiden sich gleich auf den ersten Blick voneinander. Ich suche mir die besten Motive raus und hoffe, dass die Bilder was werden. Ich sagte ja bereits, dass meine Kamera f\u00fcr Nachtaufnahmen kaum zu gebrauchen ist, und zus\u00e4tzlich die Bewegung des Fahrzeugs durch eigene, parallele Bewegung auszugleichen, ist nicht ganz leicht.<br>Auch die Jieitai ist mit einem Aufgebot von Leuten vertreten, und die Jungs von der Armee fallen mit ihrem Auftritt so ganz aus dem Rahmen. Sie tragen wohl Kriegerkleidung aus der Edo-Zeit, schwarze Hakama (weite Hosen) und wei\u00dfe Oberteile, mit passendem Stirnband nat\u00fcrlich, und heben sich so von dem ab, was die \u00fcbrigen Leute so tragen, meist ein blauer \u00dcberwurf und eine kurze Hose. Auch die Musik, die die Jieitai mitgebracht hat, ist so ganz anders. Hier kommt die Musik aus Lautsprechern, und es handelt sich nicht um Neputa-Musik, die lediglich auf Fl\u00f6ten, Trommeln und Schellen beruht. Bei der Jieitai l\u00e4uft ein St\u00fcck, dass sich mehr wie ein Heldengesang auf die Imperiale Armee aus den fr\u00fchen Vierzigern anh\u00f6rt. Dazu f\u00fchren die Mitglieder einen Tanz mit F\u00e4cher und Schwert vor. Dass dabei keine Kehlen am Stra\u00dfenrand aufgeschlitzt werden, wundert mich schon beinahe, da die Klinge des einen oder anderen Katana so manchen Zuschauer nur um Handl\u00e4nge verfehlt.<br>Es geh\u00f6rt zur \u201eNeputa Show\u201c, dass die Wagen (oder viele davon) gedreht werden, damit man sie von allen Seiten betrachten kann. Die wirklich gro\u00dfen Wagen haben einen Mechanismus, mit dem sie gedreht werden. Zum Teil ist dieser Mechanismus elektrisch, zum Teil rennen die Tr\u00e4ger um den Wagen herum und drehen den oberen Teil mit Hilfe von Seilen, w\u00e4hrend das Fahrwerk weiterhin fest auf dem Boden bleibt. Die kleineren Modelle jedoch (und es bleibt der pers\u00f6nlichen Wahrnehmung \u00fcberlassen, was ein \u201ekleineres Modell\u201c ist) werden kurzerhand hochgehoben und die Tr\u00e4ger rennen ein-, zweimal im Kreis \u00fcber die Stra\u00dfe. Normalerweise folgen die Tr\u00e4ger dabei einem \u201eAntreiber\u201c, der den Weg vorgibt. Eigentlich sollte der Antreiber darauf achten, dass der Weg frei ist, und die Tr\u00e4gheitswirkung des Objektes kennen, aber das geht auch schon mal schief. Zehn Meter links von mir hat sich einer dieser Leute am Stra\u00dfenrand etwas versch\u00e4tzt, die Truppe kriegt die Kurve nicht so, wie gew\u00fcnscht, und der Antreiber wird von einer Querstrebe des Festwagens in die Zuschauermenge katapultiert. Die nehmen\u2018s mit Humor. Ein anderer Teilnehmer wird sp\u00e4ter von einer ebensolchen Querstrebe sichtlich unangenehm in den R\u00fccken getroffen. So ist das Leben. Aber die haben das alles wieder vergessen, wenn sie noch ein bisschen mehr trinken.<br>Da die Wagen auch zum Teil recht hoch sind, muss man sich wegen der Stromleitungen was einfallen lassen, die hier ja alle \u00fcberirdisch verlaufen. Da sind z.B. zwei oder drei Leute, die mit Stangen vorneweg laufen. Die Stangen sind so lang wie der Wagen hoch ist, und bei Bedarf heben sie die Leitungen einfach an. Der Gro\u00dfteil der Wagen hat jedoch \u201eLotsen\u201c und \u201eAufsitzer\u201c, die den obersten Teil der Wachspapierkonstruktion einfach abklappen und die (isolierten) Leitungen mit den H\u00e4nden \u00fcber den Wagen hinwegheben, w\u00e4hrend die Lotsen vorneweg laufen und wild pfeifen und mit Leuchtst\u00e4ben winken, um auf ein Hindernis aufmerksam zu machen. Die Mechanik der Wagen kann au\u00dferdem nicht nur dazu verwendet werden, die Wagen zu drehen, sondern auch dazu, die Wagen zu senken, um das Passieren von Leitungen und B\u00e4umen einfacher zu machen. Das Vorbeilotsen dieser volumin\u00f6sen Konstruktionen um unflexible Laternen und Ampeln herum ist sogar noch abenteuerlicher und schon beinahe eine koordinatorische Meisterleistung.<br>F\u00fcr die letzte halbe Stunde bietet man uns St\u00fchle an. Die Damen und Herren, die vorher darauf gesessen haben, gehen bereits nach Hause oder woanders hin. Leider ist mein Stuhl kaputt und ich muss recht vorsichtig darauf sitzen, aber es ist weitaus bequemer als das weitgehend stille Stehen, wodurch meine Beine schon ziemlich steif geworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ende des heutigen Umzugs wird schlie\u00dflich durch einen kleinen Wagen angezeigt, auf dem genau das geschrieben steht: <em>\u201eSchluss f\u00fcr heute\u201c<\/em>. Wir folgen dem Wagen bis zu der Kreuzung, wo unsere Fahrr\u00e4der stehen und machen uns auf den Heimweg. Ich k\u00f6nnte eine M\u00fctze voll Schlaf wirklich gut gebrauchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank unseres improvisierten Vorhangs k\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich bis 08:30 schlafen, bevor es zu warm wird. Ich finde das ausgesprochen erholsam. Wir verbringen den Tag mit dem Kopieren von \u201eAtashin\u2019chi\u201c Videos und ich bin sicher, dass sich die Investition lohnt. 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